Die prädikative Ausdehnung des Instrumentals im Russischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.. 3

2. Das Prädikativ.. 5
2.1 Primäre Prädikation.. 5
2.2 Sekundäre Prädikation.. 5

3. Kopulaverben und Kopulasätze.. 6

4. Der prädikative Instrumental.. 7
4.1 Substantivisches Prädikatsnomen.. 7
4.2 Adjektivisches Prädikatsnomen.. 8

5. Semantische Unterschiede zwischen prädikativem Nominativ und Instrumental.. 9
5.1 Permanente vs. Temporäre Eigenschaft.. 9
5.2 Essenzielle vs. Akzidentelle Eigenschaft.. 10
5.3 Idiomatische vs. Agentive Interpretation.. 10
5.4 Belebtheit vs. Unbelebtheit.. 11
5.5 Maskulin vs. Feminin.. 11

6. Die Entstehung des prädikativen Instrumentals im Russischen.. 12

7. Der prädikative Instrumental in den slavischen Sprachen.. 13

8. Der Grund für die Aufnahme des prädikativen Instrumentals.. 14

9. Korpusanalyse.. 16
9.1 „Prawda rouskaja".. 16
9.2 „Die Hauptmannstochter“.. 16

10. Fazit.. 20

Bibliographie

1. Einleitung

Der Instrumental im Russischen ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Kasus. Zum einen dadurch, dass die deutsche Sprache diesen nicht kennt und zum anderen, weil er im Russischen eine Vielzahl von Aufgaben übernimmt. Einige der wichtigsten Funktionen dieses Kasus sind [1]:

Instrumentalis comitativus, welcher zum Ausdruck der Begleitung benutzt wird. Er steht üblicherweise mit der Präposition s 'mit'.

(1) On idjot w schkolu s mamoj

er gehen-PRS.3SG in Schule-AKK.SG.F mit Mutter-INS.SG.F

'Er geht mit der Mutter in die Schule.'

Instrumentalis loci, durch den der Ort ausgedrückt werden kann. Gewöhnlich steht er nach den Präpositionen sa 'hinter' oder 'für', nad 'über' oder 'oben', meschdu 'zwischen', pered 'vor' und pod 'unter'.

(2) Sumka leschit pod stolom.

Tasche-NOM.SG.F liegen-PRS.3SG unter Tisch-INS.SG.M

'Die Tasche liegt unter dem Tisch.'

Instrumentalis temporis, der eine Zeiterstreckung wiedergibt.

(3) Letom ja byla w Italii.

Sommer-INS.SG.N ich sein-PST.3SG in Italien-PRÄP.SG.F

'Im Sommer war ich in Italien.'

Und der Instrumentalis auctoris, wodurch der Agens bei der Passivbildung ausgedrückt werden kann.

(4) Dom stroitsja rabotschim.

Haus-NOM.SG.M bauen-PRS.3SG.REFL Arbeiter-INS.SG.M

'Das Haus wird von dem Arbeiter gebaut.'

Alle diese genannten Funktionen des Instrumentals entstammen dem indogermanischen Erbe. Der Instrumentalis praedicativus jedoch stellt eine Ausnahme dar und wird als typisch slavisch gesehen, da seine Wurzeln nicht im Indogermanischen liegen.

(5) On byl wratschom.

Er sein-PST.3SG Arzt-INS.SG.M

'Er war ein Arzt.'

Der prädikative Instrumental steht heute an der Stelle des prädikativen Nominativs, welcher im Altkirchenslavischen noch zu belegen ist. Aber auch in der modernen russischen Sprache kann in Sätzen wie in (5) der Nominativ verwendet werden und stellt neben dem Instrumental eine zweite Variante dar. Sie wird jedoch immer mehr vom prädikativen Instrumental in den Hintergrund gedrängt.

(6) On byl wratsch.

Er sein-PST.3SG Arzt-NOM.SG.M

'Er war ein Arzt.'

Welche Faktoren führten dazu, dass die Nutzung des prädikativen Nominativs abnahm und er zunehmend vom prädikativen Instrumental ersetzt wurde? Seit wann existiert letzteres und wie kam es zu seiner Entstehung? Liegen semantische Unterschiede zwischen dem Nominativ und Instrumental in prädikativer Nutzung vor oder haben sie dieselbe Bedeutung? In der vorliegenden wissenschaftlichen Hausarbeit möchten wir diesen Fragen nachgehen.

Hierfür wird zuerst erläutert, was ein Prädikativ ist und was unter Kopulaverben und Kopulasätzen verstanden wird. Danach werden die substantivischen und adjektivischen Prädikatsnomen untersucht und auf die Unterschiede zwischen prädikativem Nominativ und Instrumental eingegangen. Daraufhin wird auf die Entstehung des prädikativen Instrumentals eingegangen und seine historischen Hintergründe näher unter die Lupe genommen. Ausserdem wird ein Blick auf die slavischen Sprachen geworfen, um zu sehen, ob der prädikative Instrumental nur im Russischen oder auch in den anderen Vertretern des Slavischen vorzufinden ist oder nicht. Im Anschluss wird eine Korpusanalyse durchgeführt. Die Abhandlung dieser Punkte sollte ausreichen, um eine Differenzierung des prädikativen Instrumentals vom prädikativen Nominativ zu ermöglichen und um auf die oben gestellten Fragen zu antworten.

2. Das Prädikativ

Prädikation ist der Vorgang, einem Gegenstand bzw. einem Lebewesen Eigenschaften zuzuordnen. Das bedeutet, dass ein Begriff durch ein Prädikat bestimmt wird [2]. Prinzipiell existieren zwei Prädikationsformen: primäre und sekundäre Prädikation.

2.1 Primäre Prädikation

(7) Iwan pjot tschaj.

Ivan-NOM.SG.M trinken-PRS.3SG Tee-AKK.SG.M

'Ivan trinkt den Tee.'

In dem oben aufgeführten Beispiel, hat das Verbum pit nur ein Argument, nämlich den Subjektreferenten Ivan, dem es eine Eigenschaft, hier zu trinken, zuweist. Mit anderen Worten: Das Argument der primären Prädikation ist das grammatische Subjekt.

2.2 Sekundäre Prädikation

Nun wird der Satz in Beispiel (7) um ein Adjektiv erweitert.

(8) Iwan pjot tschaj cholodnym.

Ivan-NOM.SG.M trinken-PRS.3SG Tee-AKK.SG.M kalt-INS.SG.M

'Ivan trinkt den Tee kalt.'

Es lässt sich feststellen, dass sich das Adjektiv sowohl auf Ivan als auch auf Tee beziehen kann und somit über zwei Argumente disponiert. Wenn eine Prädikation nicht nur auf das Subjekt, sondern auch auf das grammatische Objekt Bezug nehmen kann, wird es sekundäre Prädikation [3] genannt.

Die vorliegende Arbeit widmet sich hauptsächlich der primären Prädikation, bedient sich aber auch gelegentlich der sekundären Prädikation.

3. Kopulaverben und Kopulasätze

Verben werden im Allgemeinen in vier Gruppen unterteilt: Voll-, Modal-, Hilfs- und Kopulaverben [4]. Ein Kopulaverb ist ein Verb, das stets zwei Sachverhalte zusammenfügt; sie koppelt. Im Russischen – wie auch im Deutschen – erfüllt unter anderem das Verb byt 'sein' diese Aufgabe [5]. Morphologisch gesehen, ist byt dreifach suppletiv, nämlich by-PRÄT, jest-PRÄS und byd-FUT [6]. Aus syntaktischer Sicht wird die Kopula byt in der heutigen russischen Sprache im Präsens nicht mehr overt realisiert und hat somit eine Nullform [7]. Wiedergegeben wird die Nullkopula im Mündlichen mit einer phonologischen Pause. Im Schriftlichen wird sie meistens mit einem Auslassungsstrich verwirklicht:

(9) Puschkin - welikij poet.

Puschkin-NOM.SG.M Ø-PRS.3SG gross-NOM.SG.M Dichter-NOM.SG.M

'Puschkin ist ein grosser Dichter.'

(10) Otez - utschitel.

Vater-NOM.SG.M Ø-PRS.3SG Lehrer- NOM.SG.M

'Der Vater ist ein Lehrer.'

Kopulasätze bestehen folglich aus einem Subjekt, einer Kopula und einem Prädikatsnomen, das auch Prädikativ(um) genannt wird. Hierbei bilden Kopula und Prädikativ gemeinsam das zusammengesetzte Prädikat des Satzes, welches üblicherweise mit dem Subjekt kongruiert. Als Prädikatsnomen können nicht nur Substantive, sondern auch andere Kategorien wie Adjektive, Partizipien, Numeralia etc. fungieren [8]. In dem folgenden Abschnitt werden die ersten beiden Kategorien näher unter die Lupe genommen.

[...]


[1] Weiteres zu den Funktionen des Instrumentals in Trunte 2005: 181-182.

[2] Stichwort <Prädikation> in Duden [online]. URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Praedikation (letzter Zugriff am 17. Juli 2015).

[3] Auch: Koprädikat, Koprädikativ, prädikatives Attribut, prädikatives Adjunkt (vgl. Hentschel 2009: 369).

[4] vgl. Geist 2007: 3.

[5] Weitere Kopulaverben im Russischen sind z.B stat 'werden', kasatsja 'scheinen' und delatcja '(gemacht) werden' (vgl. Buslaev 1959: 467).

[6] vgl. Geist 2007: 3.

[7] Im Altkirchenslavischen wurde die Kopula byt noch overt realisiert. Im Laufe der Zeit fand sie jedoch immer weniger Verwendung im Präsens, bis sie vollständig aus dem Sprachgebrauch verschwand (vgl. Issatschenko 1980: 495).

[8] vgl. Geist 2013: 485

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die prädikative Ausdehnung des Instrumentals im Russischen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V426475
ISBN (eBook)
9783668707245
ISBN (Buch)
9783668707252
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausdehnung, instrumentals, russischen
Arbeit zitieren
Fatma Betül Akcora (Autor), 2016, Die prädikative Ausdehnung des Instrumentals im Russischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426475

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