Sprachwandel und Wortschatzwachstum sind sowohl bedeutungsvolle als auch unumgängliche Phänomene, die ausschlaggebend für die (Weiter-) Entwicklung aller Sprachen der Welt – und somit auch des Französischen – sind. Der genetisch-historischen Klassifikation zufolge, wird das Französische als ein Repräsentant der romanischen Sprachen angesehen, die sich aus dem Vulgärlatein entwickelten, und gehört folglich zur indoeuropäischen Sprachfamilie. Mit circa 131 Millionen Sprechern (davon 76 Millionen Primärsprachler und 55 Millionen Zweitsprachler) in über 3 Kontinenten (darunter Europa, Afrika und Nordamerika) und einer Sprachgeschichte, die sich über mehrere Jahrhunderte streckt, ist das Französische in der Lage, einen immensen Sprachwandel sowie auch einen enormen Wortschatzwachstum vorzuweisen.
Wird die Entwicklung der französischen Sprache näher in Betracht gezogen, so lassen sich drei Epochen herauskristallisieren, von denen die erste das Altfranzösische war, das auf das 9. Jh. bis 1350 datiert wird. Im Laufe des 9. Jahrhunderts nahm die Geschichte des Französischen durch die Zunahme von Texten in der langue d'oïl, wie zum Beispiel die Eulalia Sequenz (880), seinen Anfang. Die zweite Phase bildete die Epoche des Mittelfranzösischen, dessen Beginn auf 1350 und Ende ca. auf das 15./16. Jh. festgelegt ist. Diese Periode war vor allem durch das Verschwinden der meisten germanischen Wörter, die Bereicherung der Sprache aus Dialekten und anderen Sprachen und die Zunahme von Latinismen gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Wortbildung
2.2 Wort und Wortschatz
3. Wortbildungsverfahren
3.1 Derivation
3.1.1 Präfigierung
3.1.2 Suffigierung
3.1.3 Parasynthese
3.2 Konversion
3.2.1 Konversion ohne Flexion
3.2.2 Konversion mit Flexion
3.3 Komposition
3.3.1 Definition
3.3.2 Kompositionsformen
3.3.3 Morphologische Komposita und syntaktische Wortgruppen
3.3.4 Endozentrische und exozentrische Komposita
3.3.5 Determinativ- und Kopulativkomposita
3.3.6 Kompositionstypen
3.3.7 Gelehrte Bildung
4. Problematik
4.1 Was ist ein Präfix?
4.2 Abgrenzung der Präfigierung gegenüber der Komposition
4.2.1 Wortbildungen mit griechischen und lateinischen Elementen
4.2.2 Wortbildungen mit Präpositionen
4.2.3 Wortbildungen mit Adverbien
4.2.4 Wortbildungen mit non-
5. Korpusanalyse
5.1 Le Petit Prince
5.2 Les voyages en train
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Prozesse der Wortbildung im Französischen, wobei der Schwerpunkt auf dem Verfahren der Komposition liegt. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der morphologischen Wortbildung zu beleuchten, die Abgrenzung zu anderen Verfahren wie Derivation und Konversion zu diskutieren und die theoretischen Erkenntnisse anhand einer praktischen Korpusanalyse zu veranschaulichen.
- Grundlagen der französischen Morphologie und Wortbildung
- Differenzierung der Wortbildungsverfahren (Derivation, Konversion, Komposition)
- Problematik der Abgrenzung von Präfixen und Kompositionsgliedern
- Analyse von Sprachbeispielen aus Literatur und Liedtexten
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Definition
„In der Komposition verbinden sich zwei (eventuell auch mehr als zwei) in der betreffenden Sprache autonom existierende Lexeme zu einer neuen Einheit, zu einem Kompositum“ (Geckeler/Dietrich 2012: 110). Es kann also festgehalten werden, dass die Komposition eine Zusammensetzung von (flektierten) Wörtern oder Wortstämmen zu einem neuen Wort ist. Obwohl dieses Verfahren der Wortschatzerweiterung für die französische Sprache bei Weitem nicht dieselbe Relevanz wie für das Deutsche hat, ist dennoch im Französischen ein Anstieg der Tendenz zur Bildung von Komposita, vor allem im Nominalbereich deutlich sichtbar. Komposita unterscheiden sich von Derivaten insofern, „als sie keinen gebundenen unmittelbaren Konstituenten“ (Wandruszka 1976:91) aufweisen. Das bedeutet, dass bei der Zerlegung eines Kompositums jede unmittelbare Konstituente des Stamms stets eine Wurzel beinhaltet. Diese Aussage soll anhand der beiden Komposita tailleur-chemisier und sèche-cheveux demonstriert werden:
a) taill- -eur - chemis- -ier b) sèch- -e - cheveu- -x
VSt DAf N DAf VSt FE N FE
In Beispiel a sind die unmittelbaren Konstituenten des Stamms tailleur und chemisier, die jeweils eine Wurzel, nämlich den Verbstamm taill- und den Nomen chemis-enthalten. Obwohl in dem Gesamtwort die Derivationsaffixe -eur und -ier erscheinen, ist es dennoch keine Ableitung, da bei einem Derivat nicht eine beliebige Konstituente, sondern eine unmittelbare Konstituente des Stamms ein Derivationsaffix ist. In Beispiel b sind ebenfalls zwei Wurzeln (sèch- und cheveu-) vorhanden. Die Flexionsendungen -e und -x sind nicht als Endungen des Gesamtworts zu betrachten. Somit ist in beiden Fällen der Stamm mit dem Wort identisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bietet einen historischen Abriss des französischen Sprachwandels und definiert den Rahmen der Untersuchung, welche sich auf die Wortschatzbereicherung durch Komposition konzentriert.
2. Allgemeine Grundlagen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Morphologie, Wort und Wortschatz, um eine theoretische Basis für die Analyse zu schaffen.
3. Wortbildungsverfahren: Hier werden die zentralen Verfahren der Derivation, Konversion und Komposition systematisch vorgestellt und definiert.
4. Problematik: Das Kapitel widmet sich den Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von Präfigierung und Komposition, insbesondere bei lateinischen/griechischen Elementen und Präpositionen.
5. Korpusanalyse: Die erarbeiteten Kriterien werden praktisch auf Begriffe aus dem Werk 'Le Petit Prince' und dem Songtext 'Les voyages en train' angewendet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die methodischen Herausforderungen bei der Klassifizierung unterschiedlicher Wortbildungsverfahren.
Schlüsselwörter
Französisch, Morphologie, Wortbildung, Komposition, Derivation, Konversion, Präfix, Suffix, Wortschatz, Korpusanalyse, Sprachwissenschaft, Nominalkomposita, Lexem, Morphem, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Verfahren der Wortbildung im Französischen, mit einem besonderen Fokus auf das Verfahren der Komposition.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der französischen Morphologie, die Unterscheidung zwischen Derivation, Konversion und Komposition sowie die praktische Anwendung dieser Theorie auf konkrete Sprachbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wortschatzbereicherung im Französischen zu erklären und die methodischen Probleme bei der Klassifizierung von zusammengesetzten Wörtern und Ableitungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer theoretischen Fundierung auf Basis fachwissenschaftlicher Literatur erfolgt eine praktische Korpusanalyse, bei der lexikalische Einheiten aus literarischen Texten und Liedern morphologisch untersucht werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Wortbildungsverfahren, die Diskussion von Abgrenzungsproblemen (insbesondere bei Präfixen) und die praktische Analyse der Korpora.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wortbildung, Komposition, Derivation, französische Morphologie und Korpusanalyse.
Warum wird zwischen Derivaten und Komposita unterschieden?
Die Unterscheidung ist deshalb relevant, da Komposita durch die Verbindung autonomer Lexeme entstehen, während Derivate auf der Kombination von Basisformen mit gebundenen Affixen basieren.
Welche Rolle spielen die untersuchten Korpora (Le Petit Prince und Les voyages en train)?
Sie dienen als praktische Beispiele, um zu demonstrieren, wie theoretische Wortbildungsmuster in realen Texten und literarischen Werken vorkommen und wie schwierig deren Klassifizierung mitunter sein kann.
- Arbeit zitieren
- M.o.A. Fatma Betül Akcora (Autor:in), 2015, Komposition als Verfahren der Wortbildung im Französischen mit anschließender Korpusanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426478