Die Subventionierung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) wird meist mit der Existenz so genannter positiver externer Effekte begründet. Der Wirtschaftswissenschaftler Adam B. Jaffee definiert sie als „excess of the social rate of return over the private rate of return enjoyed by the innovating firm“ (Jaffee 1996, S. 2). Bei der Entscheidung, ob bzw. in welcher Intensität ein Unternehmen F&E betreibt, wiegt es die Kosten, die F&E mit sich bringen, gegen die zukünftigen Profite ab, welche die Innovation für die Firma erschließen könnte. Ignoriert wird in dieser Kosten/Nutzen-Kalkulation allerdings, dass die Innovation auch Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes mit sich bringt, die zusammen mit dem privaten Nutzen der Firma den sozialen Nutzen von F&E ausmachen. Wird das forschende Unternehmen nicht für die „gemeinnützige“ Wirkung seiner F&E- Aktivitäten kompensiert, kommen manche sozial wünschenswerten Projekte nicht zustande. In die F&E-Vorhaben, welche die Firmen realisieren, investieren sie zu wenig.
Viele Wirtschaftswissenschaftler haben schon versucht, das Ausmaß dieser positiven externen Effekte zu messen, also mit der Forschung anzusetzen, wenn die Innovation schon auf dem Markt ist. Jean-Francois Tremblay, der Autor des Workingspapers „Taxation and Technology Adoption in the Presence of Strategic Investment“, das hier analysiert werden soll, geht indes einen Schritt zurück. Ihn interessiert vielmehr der Prozess mit dem neue Produktionstechnologien in den Markt eingeführt werden.
Strategisches Verhalten der Firmen kann zu einem sozial ineffizienten Investitionsvolumen in die neue Technologie führen. Zudem besteht die Gefahr, dass sie nicht zum sozial optimalen Zeitpunkt zum Einsatz kommt. Tremblay ist in seinem Paper deshalb der Frage nachgegangen, wie man Unternehmen besteuern/subventionieren müsste, damit die Investitions- und Markteintrittsentscheidungen wieder sozial optimal getroffen werden. Seine Ergebnisse sind sehr überraschend. Sein Modell zeigt nämlich, dass eine Besteuerung der Unternehmensgewinne die Einführung neuer Technologien in den Markt beschleunigt und deshalb wohlfahrtsfördernd sein könnte. Damit stellt er das gesamte bisherige System der Forschungsförderung durch Subvention in Frage.
Ziel dieses Aufsatzes ist daher, verbal wie mathematisch nachzuvollziehen, wie Tremblay zu derart ungewöhnlichen Ergebnissen kommen konnte. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Paper scheint angebracht.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung: Subventionen im Forschungssektor
3. Das Modell
3.1 Die privaten Optima der Unternehmen
3.1.1 Grundlagen
3.1.2 Der Markteintritts- und Marktaustrittszeitpunkt
3.1.3 Die Investitionen
3.1.4 Der F&E-Wettbewerb
3.2 Die sozialen Optima der Volkswirtschaft
3.3 Vergleich der privaten und sozialen Optima
3.4 Das optimale Steuer/Subventionssystem
4. Fazit: Modellkritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das von Jean-Francois Tremblay entwickelte Modell zur Subventionierung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E), um die Diskrepanz zwischen privaten Unternehmensentscheidungen und dem sozialen Optimum zu untersuchen und ein darauf basierendes, effizientes Steuer- und Subventionssystem abzuleiten.
- Marktversagen durch positive externe Effekte von F&E.
- Strategisches Investitionsverhalten und Markteintrittszeitpunkte.
- Vergleich von laissez-faire Gleichgewicht und sozialem Optimum.
- Entwicklung eines Steuersystems zur Korrektur ineffizienter Investitionsvolumina.
- Kritische Würdigung der Modellannahmen in Bezug auf die Realwirtschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der Markteintritts- und Marktaustrittszeitpunkt
Der Markt, wie ihn Tremblay in seinem Modell beschreibt, ist von vornherein als natürliches Monopol ausgelegt, da eine Ausweitung der Produktion fallende Durchschnittskosten mit sich bringt. Im Fall einer linearen Kostenfunktion, wie sie hier vorliegt, ergeben sich die Durchschnittskosten als Summe der konstanten Grenzkosten und der Fixkosten, geteilt durch die produzierte Menge (DK = c + FK / x). Sie sinken, weil sich die Fixkosten bei der Ausweitung der Produktion auf eine immer größere Gütermenge verteilen. Deshalb kann ein großer Anbieter wesentlich kostengünstiger produzieren als viele kleine Unternehmen.
Für eine Firma ist es also nur profitabel, mit einer neuen Technologie i+1 in den Markt einzutreten, wenn dies zum Austritt des Unternehmens führt, das mit der alten Technologie i im Markt produziert. Nur so kann das Unternehmen mit der neuen Technologie selbst Monopolist werden, seine Ware am kostengünstigsten herstellen und die höchsten Gewinne erwirtschaften.
Auch wenn die Annahme des natürlichen Monopols automatisch dazu führt, dass zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur eine Firma im Markt ist, sollte man sich trotzdem vor Augen führen, was passieren würde, wenn zwei Firmen zur gleichen Zeit im Markt agieren. Da die Gewinne im Duopol-Wettbewerb die Eintritts- und Austrittsentscheidungen der Firmen beeinflussen, lässt sich auf diese Weise nämlich der exakte Zeitpunkt bestimmen, wann der Markteintritt der Firma mit der neuen Technologie i+1 zum Marktaustritt des Unternehmens führt, das mit der alten Technologie i produziert. Tremblay wählt zu diesem Zweck den Cournot-Wettbewerb. In dieser Form der unvollständigen Konkurrenz spielt strategisches Handeln eine große Rolle, d.h. ein Unternehmen kalkuliert bei seinen Entscheidungen das Verhalten seines Konkurrenten mit ein. Beim Cournot-Wettbewerb verhalten sich die Unternehmen in Bezug auf die am Markt angebotene Menge strategisch: Die Firma mit der Technologie i maximiert ihren Gewinn, indem sie die Menge, die das Unternehmen mit der Technologie i+1 anbietet, als konstant annimmt. Die Firma mit der Technologie i+1 verhält sich ebenso. Das führt dazu, dass beide Unternehmen dieselbe Menge auf den Markt bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Subventionen im Forschungssektor: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit von F&E-Subventionen durch das Vorliegen positiver externer Effekte und führt in die Fragestellung ein, ob und wie Unternehmen steuerlich beeinflusst werden sollten.
3. Das Modell: Dieser zentrale Teil erläutert die Annahmen von Tremblays Modell, analysiert die privaten Investitionsentscheidungen sowie den F&E-Wettbewerb und leitet daraus das soziale Optimum sowie die notwendigen steuerlichen Korrekturmechanismen ab.
4. Fazit: Modellkritik: Das Fazit bewertet die überraschenden Modellergebnisse kritisch, reflektiert die rigiden Annahmen gegenüber der Realität und gibt Ausblick auf die Notwendigkeit empirischer Validierungen.
Schlüsselwörter
Subventionen, Forschungssektor, F&E, Marktversagen, positive externe Effekte, natürliches Monopol, Investitionen, Markteintritt, Marktaustritt, Steuersystem, Cournot-Wettbewerb, Innovation, wohlfahrtsfördernd, Produktionsumfang, Grenzkosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Modell von Jean-Francois Tremblay, welches analysiert, wie staatliche Besteuerungs- oder Subventionsmaßnahmen eingesetzt werden können, um Investitionsentscheidungen und Markteintritte von forschenden Unternehmen in Richtung eines sozialen Optimums zu lenken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E), das damit verbundene Marktversagen durch positive externe Effekte sowie die strategische Modellierung von Markteintritt und -austritt bei Technologiezyklen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, nachzuvollziehen, wie Tremblay zu dem (überraschenden) Ergebnis kommt, dass eine Besteuerung von Unternehmensgewinnen oder Kapitalerträgen wohlfahrtsfördernd sein kann, und dies kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine modelltheoretische Analyse, bei der mathematische Herleitungen und Optimierungsprobleme (z.B. Gewinnmaximierung unter Nebenbedingungen) verwendet werden, um das laissez-faire Gleichgewicht mit dem sozialen Optimum zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die privaten Optima der Unternehmen, der F&E-Wettbewerb, das soziale Optimum der Volkswirtschaft sowie ein entsprechendes steuerliches Instrumentarium zur Korrektur von Ineffizienzen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Subventionen, Forschungssektor, Marktversagen, externe Effekte, Markteintritt, Investitionen, Steuersystem und das soziale Optimum.
Warum könnte eine Besteuerung der Unternehmensgewinne wohlfahrtsfördernd sein?
Laut Modell kann eine Besteuerung den Anreiz für etablierte Firmen reduzieren, zu hohe "sunk costs" als Markteintrittsbarrieren für Konkurrenten zu nutzen, wodurch die Einführung neuer Technologien beschleunigt und der Übergang zum sozialen Optimum begünstigt wird.
Welche Rolle spielt der Cournot-Wettbewerb im Modell?
Der Cournot-Wettbewerb dient dazu, das strategische Verhalten von Unternehmen bei Marktein- und -austritt zu simulieren, um exakt bestimmen zu können, wann die Verdrängung einer alten Technologie durch eine neue sozial optimal ist.
Wie bewertet der Autor die Realitätsnähe des Modells?
Der Autor stellt fest, dass das Modell zwar logisch konsistent ist, aber aufgrund vieler stilisierter Annahmen nicht pauschal auf die Wirtschaftspolitik angewendet werden kann und eine empirische Überprüfung der zugrunde liegenden Prämissen erfordert.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirtin Friederike Krieger (Author), 2005, Subventionen im Forschungssektor - Subventionsabbau in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42648