Wissensmanagement im Unternehmen

Fallstudie


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Wissenskultur
2.1. Unternehmenskultur und Wissen
2.2. Werte der Wissenskultur

3. Beispiele für erfolgreiches Wissensmanagement
3.1. Expertennetzwerk bei Lense SE
3.2. Prozess- und Methodentransparenz bei DESMA
3.3. Wissensstafette bei einem Automobilhersteller

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung ist Wissensmanagement in Unternehmen unumgänglich und wird immer wichtiger für den Geschäftserfolg. Der Informationsaustausch ist der Hauptbestandteil jeglicher Geschäftsprozesse. Für Großunternehmen und Konzerne ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter weltweit auf wichtige Informationen zugreifen kann. Auch für wissensintensive Dienstleistungsunternehmen ist es wichtig Wissensmanagement anzuwenden. Aber auch für kleinere mittelständische Unternehmen wird die Anwendung des Wissensmanagements immer wichtiger. Der entscheidende Faktor für den Austausch von Wissen im Unternehmen ist die wissensorientierte Unternehmenskultur.

Im Rahmen dieses Assignments wird zunächst der Begriff Wissenskultur erläutert. Im Anschluss werden drei erfolgreiche Beispiele aus der Literatur anhand kleiner Fallstudien vorgestellt und analysiert. Dabei bilden die verfolgten Ziele, die eingesetzten Methoden und Werkzeuge sowie die organisatorische Umsetzung innerhalb der Unternehmen den Schwerpunkt der Analyse. Den Abschluss dieses Assignments bildet das Fazit.

2. Der Begriff Wissenskultur

In verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen wie zum Beispiel Anthropologie, Soziologie, Geschichte und Betriebswirtschaftslehre wird dem Begriff Wissenskultur eine unterschiedliche Bedeutung zugeschrieben (vgl. Fried & Kailer, 2003). In der Betriebswirtschaftslehre wird darunter nicht etwa der Begriff der Hochkultur verstanden, sondern ein Teil der Unternehmenskultur (vgl. Sackmann, 2002, S. 38 f.). Demnach sind die Wissenskultur und die Unternehmenskultur eng miteinander verknüpft. „Es ist davon auszugehen, dass die Wissenskultur stets nur einen Teilaspekt bzw. mehrere Teilaspekte der Unternehmenskultur umfasst, die für ein erfolgreiches Wissensmanagement von zentralster Bedeutung sind.“ (Dr. Sollberger, 2006, S. 109).

Laut Herbst und Landenberger umfasst die Wissenskultur all das, was wünschenswert im Umgang mit Wissen und was das Handeln von Mitarbeitern bestimmt. Dass eine Wissenskultur vorhanden ist, zeigt sich darin,

- dass Wissen gerne und hierarchieübergreifend geteilt wird,
- dass Wissen wichtig und zugänglich ist und daher erschlossen wird und
- dass die Entstehung, der Austausch und das Anwenden von Wissen gefördert werden (vgl. Herbst & Landenberger, 2003, S. 289).

2.1. Unternehmenskultur und Wissen

Die Unternehmenskultur lässt sich auf verschiedenen Ebenen eines Unternehmens beobachten und spiegelt sich in Gewohnheiten, gängigen Handlungsweisen, Normen sowie Werten wieder (siehe Abbildung 1). Auf der untersten Ebene der Unternehmenskultur befinden sich die Werte. Der Einfluss der Werte auf das Verhalten im Allgemeinen und den Umgang mit Wissen im Besonderen sollte nie unterschätzt werden (De Long & Fahey, 2000, S. 115).

In einem Unternehmen erhält das Wissen eine unterschiedliche Bedeutung abhängig von den vorhandenen Werten, was sich unter anderem im Umgang mit Veränderungen und Fehlern äußern kann. So wird beispielsweise in einem Start-up-Unternehmen die Kreativität unter den Mitarbeitern und damit die Wissensentwicklung und Wissensverteilung wahrscheinlich höher gewichtet als in einem traditionsreichen Unternehmen mit stabilen Rahmenbedingungen. In diesem Umfeld wird dagegen versucht, das Bestehende zu bewahren und Veränderungen nach Möglichkeit zu vermeiden (vgl. Dr. Sollberger, 2006, S. 111).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einfluss der Unternehmenskultur auf den Umgang mit Wissen

(vgl. De Long & Fahey, 2000 und Probst, Raub & Romhardt, 2003)

2.2. Werte der Wissenskultur

„Die Wissenskultur ist ein Teil der Unternehmenskultur und umfasst die Gesamtheit der Normen und Werte in einer Unternehmung, die die Denk- und Verhaltensweisen der Unternehmensmitglieder im täglichen Umgang mit Wissen prägen. Werte der Wissenskultur sind Vertrauen, Zusammenarbeit, Offenheit, wahrgenommene Autonomie, Lernbereitschaft und Fürsorge.“ (Dr. Sollberger, 2006, S. 119). Von der Praxis werden diese Werte mehrheitlich als entscheidende Aspekte einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur erachtet.

Vertrauen stellt im Zusammenhang mit Beziehungen eine Art Kompensation für fehlendes Wissen hinsichtlich einer Person dar, da deren Motive, Interessen, Meinungen usw. meist nicht in vollem Umfang bekannt sind. (vgl. Dr. Sollberger, 2006, S. 120). Vertrauen ist essenziell für effektives Wissensmanagement, da es zwingend vorhanden sein muss, um eigenes Wissen weiterzugeben (vgl. De Tienne & Jackson, 2001, S. 6).

Einen weiteren Wert der Wissenskultur bildet die Zusammenarbeit. Die Entwicklung und Förderung der Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern leisten einen wichtigen Beitrag zur Wissenskultur (O’Dell & Grayson, 1999, S. 14). Ohne Zusammenarbeit würde keine Wissensentwicklung und Wissensteilung stattfinden (vgl. Miles et al., 1998, S. 286). Besonders für den effizienten Transfer von implizitem Wissen und Lösungsansätzen spielt eine intensive Zusammenarbeit eine wichtige Rolle (Cameron, 2002, S. 23).

Offenheit bildet einen weiteren Wert der Wissenskultur. Wathne et al. konnten in einer empirischen Untersuchung über die Zusammenarbeit nordischer Unternehmen einen signifikanten Zusammenhang zwischen Offenheit und Wirksamkeit des Wissenstransfers ermitteln (vgl. Wathne, Roos & Krogh, 1996, S.72). „Offenheit basiert auf Vertrauen und ermöglicht es den Mitarbeitern, ihr Wissen weiterzugeben und zwischen den verschiedenen Hierarchieebenen und Organisationseinheiten offen zu kommunizieren.“ (Ahmed, Lim & Loh, 2002, S. 63).

Zu den Werten der Wissenskultur zählt auch Autonomie. Durch Forschungsergebnisse konnte die Bedeutung von Autonomie bestätigt werden. Dabei hat es sich gezeigt, dass Autonomie für Wissensarbeiter das wichtigste Arbeitsmerkmal darstellt. Darüber hinaus besitzt Autonomie innerhalb von Gruppen starke und positive Auswirkungen auf den Wissenstransfer (vgl. Janz & Prasarnphanich, 2003, S. 359).

Lernbereitschaft, ein weiterer Wert der Wissenskultur. Darunter wird die Bereitschaft und Fähigkeit zum Erwerb von Wissen und der resultierenden Handlungskompetenz verstanden (vgl. Armutat, et al., 2002, S. 38). Ein Unternehmen muss dafür eine Kultur besitzen, die sich der Tatsache bewusst ist, dass Fehler im Zusammenhang mit Innovationen beinah ausnahmslos dazu gehören (vgl. Hatten & Rosenthal, 2002, S. 3).

Fürsorge, der letzte Wert der Wissenskultur. Diese spiegelt sich in bestimmten Verhaltensweisen innerhalb von Beziehungen wieder. Unter anderem fördert Fürsorge das Vertrauen, die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Außerdem führt es zur Empathie, sodass die Bedürfnisse und Gefühle anderer eher nachvollzogen werden können. Darüber hinaus fördert Fürsorge Unterstützung bzw. Hilfestellungen, damit eigenes Wissen mit weiteren Mitarbeitern geteilt werden kann (vgl. Von Krogh, 1998, S. 137).

3. Beispiele für erfolgreiches Wissensmanagement

Im Folgenden werden drei erfolgreiche Beispiele für eine wissensorientierte Kultur und erfolgreiches Wissensmanagement vorgestellt und analysiert. Diese Unternehmen sind mit unterschiedlichen Zielen in die Wissensmanagement-Projekte gestartet. Zum Teil überschneiden sich die Methoden und Werkzeuge des Wissensmanagements, die in den Unternehmen während der Projekte eingesetzt wurden.

3.1. Expertennetzwerk bei Lense SE

Die Lense SE ist ein Hersteller und Entwickler für Antriebstechnik und Automation mit Hauptsitz in Aerzen. Weltweit beschäftigt die Unternehmensgruppe rund 3400 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist mit eigenen Vertriebsgesellschaften, Forschungs- und Entwicklungsstandorten, Produktionswerken und Logistikzentren sowie einem Netz von Servicepartnern in 60 Ländern und auf allen Kontinenten vertreten. Durch ein internationales Netzwerk von über 500 Anwendungsspezialisten mit tiefem Produkt- und Branchenwissen werden die Kunden unterstützt. In diesem internationalen Marktumfeld stellen exzellentes technisches Know-how, innovative Ideen und hohe Qualitätsstandards zentrale Erfolgsfaktoren dar. Die Quelle der Wettbewerbsvorteile des Unternehmens bilden folglich insbesondere immaterielle Aspekte, wie das Wissen und die Kompetenzen der Mitarbeiter (vgl. Lackhove, Hanke & Orth, 2016, S. 295).

Die verfolgten Ziele:

Als Ziel für das Wissensmanagement-Projekt wurde die Entwicklung der Expertennetzwerke in der Branchenbearbeitung des Unternehmens festgesetzt. Dafür sollte relevantes Wissen unternehmensweit verfügbar gemacht, sowie die standortübergreifende Zusammenarbeit von Experten vorangetrieben werden (vgl. Lackhove, Hanke & Orth, 2016, S. 296).

Eingesetzten Methoden und Werkzeuge:

Zur Erreichung der gesetzten Ziele wurden zum einen Intralogistic Days eingeführt, eine dreitägige Veranstaltung mit den zentralen Motiven: Training, Lernen und Netzwerken. Dabei stehen Kommunikation, Interaktion und Informationsaustausch über das Intralogistic Know-how von Lenze im Vordergrund. Die Veranstaltung soll dem Erfahrungsaustausch sowie Ausbau der persönlichen Kontakte zwischen den Nerzwerkmitgliedern durch ein jährliches Treffen dienen. Im Rahmen der Veranstaltung werden Teambuilding Events, gemeinsame Abendessen, eine Prozessrally, Workshops, Gruppenwettbewerbe und die Besichtigung der Branchenmesse LogiMAT durchgeführt. Dabei werden die Methoden der Weiterbildung sowie Akquisition des externen Wissens angewandt. Dabei handelt es sich um zwei wichtige Methoden für den Wissenserwerb, um immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Zum anderen wird die Methode der Communities oder Wissensgemeinschaften innerhalb des Unternehmens angewandt, indem so genannte Sub Groups innerhalb des Netzwerkes gebildet werden. Dabei handelt es sich um kleine Expertengruppen, die sich zu Spezialthemen austauschen können. Durch Communities werden viele Wissensprozesse unterstützt, da sie selbstorganisiert mit intrinsischer Motivation ohne klassischen Barrieren ablaufen. So finden Wissensentwicklung, Wissensteilung, Wissensnutzung und Wissensbewahrung innerhalb der Communities statt.

Darüber hinaus wird das technologiebasierte Werkzeug Intranet innerhalb des Unternehmens eingesetzt, das im Rahmen der Entwicklung des Netzwerkes ausgebaut wurde. Hierzu wurde ein Pool an Lösungsvorschlägen und Erfahrungsberichten aufbereitet, der jetzt im Intranet des Unternehmens zur Verfügung steht. Um das Weiterbildungsangebot innerhalb des Netzwerkes im Unternehmen zu vergrößern, werden Webinare zu Fachthemen angeboten. Darüber hinaus wird das Netzwerk anhand eines Newsletters mit Informationen zu aktuellen Ereignissen versorgt.

Organisatorische Umsetzung:

Bei der Umsetzung des Projektes Wissensmanagement in Expertennetzwerken wurde zu Beginn eine Bestandsaufnahme über den Umgang mit Wissen im Netzwerk Intralogistik durchgeführt, um daraus Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, sowie die Erfolgswirksamkeit zu messen. Bei der Initialisierung wurde anhand ausgewählter Leitfragen mit dem Leiter des Geschäftsbereiches Ziele, Nutzen sowie Strukturen und Entwicklungsperspektiven für das Expertennetzwerk systematisch betrachtet. Anhand einer standortübergreifenden Online-Befragung wurden Handlungsfelder sowie gute Praktiken aus der Sicht der Netzwerkmitglieder identifiziert (vgl. Lackhove, Hanke & Orth, 2016, S. 297 f.).

Fast 90% der Befragten erachteten den Ausbau des Netzwerkes als wichtig. Die Bereitschaft dazu sich im Netzwerk zu engagieren und Wissen zu teilen war im großen Umfang vorhanden. Allerdings wurde die Nutzung der für die standortübergreifende Zusammenarbeit vorhandenen Tools als ausbaufähig eingeschätzt. Darüber hinaus sah eine Vielzahl der Befragten noch Potential darin, das Zugehörigkeitsgefühl zum Netzwerk zu stärken. Als wünschenswert wurde der Ausbau der Fachkompetenzen durch Schulungen oder Workshops bewertet. Mit Hilfe dieser Ergebnisse wurden die bereits beschriebenen Maßnahmen zur Umsetzung des Wissensmanagements eingesetzt (vgl. Lackhove, Hanke & Orth, 2016, S. 298).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wissensmanagement im Unternehmen
Untertitel
Fallstudie
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V426504
ISBN (eBook)
9783668708600
ISBN (Buch)
9783668708617
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissensmanagement, AST81, AKAD
Arbeit zitieren
Alëna Knaus (Autor), 2016, Wissensmanagement im Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426504

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