Die Interpretation "Der Moriz von Craun als politische Satire" von Eva Willms u. a.


Seminararbeit, 2001
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

A. Vorwort

B. Vorstellung der Interpretation

C. Nachwort

A. Vorwort

Die Wahl des Themas der vorliegenden Hausarbeit resultierte aus der Neugier, welche die erst­malige Bekanntschaft mit einem mittelhochdeutschen Text beim Bearbeiter hervorrief. Diese Neugier betraf vor allem das rätselhaft anmutende Verhalten der Protagonisten sowie die Mo­tive und historischen Hintergründe der Erzählung. Zur Beseitigung der Verständnisschwierig­kei­ten bot sich die Lektüre von Interpretationen des „Mauricius von Craûn“[1] an; bis zur Ent­scheidung, eine solche Interpretation auch zum Gegenstand der Seminarhausarbeit zu machen, war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Die Wahl des Artikels von Willms et al.[2] statt der gleichfalls vorliegenden Aufsätze von Thomas[3], Tomasek[4] und Classen[5] erfolgte aufgrund der großen Textnähe und des chronologischen Vorgehens der Autoren. Zudem erschien beispiels­weise die Thomas-Interpretation für den Zweck einer Vorstellung als zu lang, da bereits dem Stil des Prüfungskandidaten eine Tendenz zur Langatmigkeit innewohnt. Auch enthalten die drei anderen Artikel eine Vielzahl von Bezugnahmen auf andere, dem Bearbeiter noch unbe­kannte mittelhochdeutsche Texte, was einer jeweiligen Vorstellung der Interpretationen zumin­dest nicht förderlich gewesen wäre.

Eine weitere Ursache für die Themenwahl ist eher pragmatischer Natur: Die Auf­gabe der Vor­stellung einer bestimmten Interpretation macht eine langwierige Li­teraturrecherche gegenstands­los; allgemeiner gehaltene Themen bergen schließ­lich die Gefahr in sich, Fehlentscheidungen bei der Prüfung der Relevanz der re­cherchierten Informationen für das jeweilige Thema zu treffen.

Die Präsentation des Artikels orientiert sich im wesentlichen am chronologischen Aufbau des­selben. Der Bearbeiter wünscht dem Leser viel Vergnügen bei der Lektüre.

B. Vorstellung des Artikels

Die Verfasser verweisen zunächst auf mangelhafte Informationen über die Ver­serzählung: So sind Person und Absichten des Erzählers ebenso unbekannt wie die französische Vorlage des Textes; dies führte zur Ungewissheit über den Einfluss des deutschen Bearbeiters sowie über die Beziehung der Kernerzählung zu ihrem umfangreichen und interpre­tationsbedürftigen Pro­log. Diese Aspekte spiegeln sich in der Interpretationsgeschichte des MvC wieder. Insbesondere wurden ver­schiedene Datierungen und Sinndeutungen vorgenommen; ebenso wurde nach ei­nem Autor und nach einem passenden literarischen Genre gesucht. Dage­gen herrscht Konsens bei der Annahme einer seriösen, erzieherischen Absicht des deutschen Bearbeiters, welche wie­derum im einzelnen ganz verschieden bestimmt wurde. Gleichfalls un­terschiedlich behandelt die Sekundärliteratur Qualität und Quantität der Komik im MvC, wobei als Interpretationsgrund­lage vor allem der Auftritt des Mauricius[6] im Schlafzimmer der Gräfin herangezogen wurde. Dem­gegenüber lenken die Verfasser des Artikels die Aufmerksamkeit des MvC-Lesers auf den ersten Dialog zwischen Gräfin und Mauricius in den Versen 524-558. Hier erscheint der bislang mit durchgehend positiven Attributen charakterisierte Mauricius als bis zur zeitweisen Sprach­losigkeit verschüchtert, während die Grä­fin wenig sensibel und ohne Rücksicht Gleichgültigkeit gegenüber seiner Person demonstriert. Mit der ironischen Darstel­lung der psychosomatischen Erscheinun­gen des Mauricius wird dessen Glaubwürdigkeit als selbstbewusster Ritter bereits frühzeitig erschüttert. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Dichtungen gleichfalls auffällig ist der Verzicht des Erzählers auf eine positive Beschreibung der umworbenen Gräfin als schön und begehrenswert.

Daraufhin befassen sich die Interpreten anhand der Verse 627 f. und 691-694 mit dem Schiff des Mauricius sowie den Reaktionen der Betrachter auf diese Kon­struktion. Hiernach präsen­tiert der MvC-Erzähler das wie ein Amphibienfahrzeug funktionierende Schiff als technische Merkwürdigkeit und im Verhältnis zu sei­nem Zweck der Brautwerbung im Minnedienst als maßlos überteuert. Dem ent­spricht auch die Wirkung der Erscheinung des Schiffes auf die Zeit­zeugen, wel­che unter ironischem Hinweis auf die fehlende Gefahr einer erneuten Sintflut die Absurdität dieses Fahrzeugs feststellen. Eine ähnliche Reaktion zeigt später (Verse 884-888) die Gräfin, die bei Wahrnehmung des Schiffes ebenfalls ironisch das Eintreffen des Antichristen und St. Brandans Höllenfahrt assoziiert. Die ver­geblichen Ruderversuche der Seeleute in den Versen 750 ff. sind ein weiteres Indiz für die Absicht des Erzählers, die Unangemessenheit der Leistungen des Mauricius bei Bau und Ausrüstung des Schiffes herauszustellen. Dagegen wird die Beauftragung nur eines Schneiders mit der Herstellung sämtlicher Kleider des Gefolges in den Versen 702-704 als Hinweis auf unangebrachte weil übertriebene

Sparsamkeit gewertet. Der Eindruck der Maßlosigkeit im Verhalten des Protago­nisten verstärkt sich noch in den Versen 708-722, wonach Mauricius die im Ver­hältnis zu seinem Zweck eines Turnierkampfes übertrieben hohe Anzahl von 300 Speeren auf sein Schiff laden lässt.

[...]


[1] Textgrundlage dieser Bearbeitung ist die Ausgabe des „Mauricius von Craûn“ von Edward Schröder, übersetzt und kommentiert von Dorothea Klein, Stuttgart 1999. Im folgenden wird der Titel des Werkes mit ‘MvC’ abgekürzt.

[2] Willms, Eva [u. a.]: Der ‘Moriz von Craûn’ als politische Satire. Eine alte These - neu begründet. In: GRM 44 (1994) S. 129-153.

[3] Thomas, Heinz: Zur Datierung, zum Verfasser und zur Interpretation des ‘Moriz von Craûn’. In: ZfdPh 103 (1984) S. 321-365.

[4] Tomasek, Tomas: Die mittelhochdeutsche Verserzählung ‘Moriz von Craûn’. Eine Werkdeutung mit Blick auf die Vorgeschichte. In: ZfdA 115 (1986) S. 254-283.

[5] Classen, Albrecht: Das Spiel mit der Liebe - Leben als Spiel. Versuch einer Neuinterpretation des ‘Moriz von Craûn’. In: GRM 40 (1990) S. 369-398.

[6] Zur Verwendung des Namens ‘Mauricius’ statt des Namens ‘Moriz’ vgl. die Begründung von Klein, Dorothea auf S. 18 der Einleitung zur o. g. (Fn. 1) Werkausgabe.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Interpretation "Der Moriz von Craun als politische Satire" von Eva Willms u. a.
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Grundlagen des Studiums der älteren deutschen Sprache und Literatur
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
8
Katalognummer
V42656
ISBN (eBook)
9783638406482
ISBN (Buch)
9783656493105
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interpretation, Moriz, Craun, Satire, Willms, Grundlagen, Studiums, Sprache, Literatur
Arbeit zitieren
Dr. phil. Ass. iur. M.A. Reiner Scheel (Autor), 2001, Die Interpretation "Der Moriz von Craun als politische Satire" von Eva Willms u. a., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42656

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