B. Russells "Probleme der Philosophie": Studie zum 11. Kapitel - Intuitive Erkenntnis


Rezension / Literaturbericht, 2001
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

I. Vorbemerkung

II. Einordnung des 11. Kapitels in den Gesamtduktus des Textes

III. Zusammenfassende Darstellung des 11. Kapitels

IV. Versuch einer Kritik

I. Vorbemerkung

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist identisch mit dem Thema des eben­falls vom Verfasser gehaltenen Referats vom 23.01.2001. Die Darstellung des 11. Kapitels ist bewusst breit angelegt worden. Sollte bei der Lektüre ein ähnlicher Eindruck von der Einordnung besagten Kapitels in den Gesamtduktus entstehen, so möge dies als Indiz für detaillierte Textkenntnis gewertet werden.

Der Verfasser wünscht dem Leser viel Vergnügen bei der Lektüre.

II. Einordnung des 11. Kapitels in den Gesamtduktus des Textes

Russell beginnt die „Probleme der Philosophie“ im 1. Kapitel mit der Differenzie­rung von Erscheinung und Wirklichkeit. Die sinnliche Wahrnehmung vermittelt danach dem Individuum nur die Erscheinung eines Gegenstandes – die sog. Sin­nesdaten – und nicht die Wahrheit über den Gegenstand in dessen unabhängiger Existenz. In Kapitel 2 bemüht der Autor die instinktiven Überzeugungen, welche ohne schlüssigen Beweis als plausibel annehmen lassen, dass die Sinnesdaten tatsächlich Zeichen für die Existenz von den Wahrnehmungen des Betrachters unabhängiger Dinge sind. Das innere Wesen dieser physikalischen Gegenstände selbst bleibt – als Resultat der Reflexionen im 3. Kapitel – für die sinnliche Wahrnehmung unerkennbar; allein die Eigenschaften der Beziehungen zwischen den physikalischen Gegenständen können analog den Beziehungen zwischen den Sinnesdaten abgeleitet werden. In Kapitel 4 verwirft Russell den Idealismus all­gemein und die Argumentation seines Vertreters Berkeley im besonderen. Die Erkenntnis durch „Bekanntschaft“ und „Beschreibung“ ist das Thema des 5. Ka­pitels. Danach stellt Bekanntschaft eine direkte, ohne Herleitung aus Konklusio­nen oder vorhergegangene Erkenntnis von Wahrheiten erfolgende, Bewusstwer­dung dar. Bekannt sind uns die eigenen Sinnesdaten, allgemeine Ideen (sog. Uni­versalien) und das eigene Ich; darüber hinaus findet Bekanntschaft durch Introspektion (=Selbstbewusstsein) und im Gedächtnis statt. Auf das Gedächtnis wird Russell in Kapitel 11 noch einmal zurückkommen. Die zweite Erkenntnis­form der Beschreibung beinhaltet jeden Ausdruck der Form „ein so-und-so“ oder „der (die, das) so-und-so“; Beispiele sind „ein Mann“ als mehrdeutige und „der Mann mit der eisernen Maske“ oder Namen wie Bismarck oder London als ein­deutige Beschreibungen. Mit der Erkenntnis durch Beschreibung erhält das Indi­viduum die Möglichkeit, die Schranken seiner persönlichen Erfahrung zu über­winden.

In Kapitel 6 behandelt der Autor das Induktionsprinzip: Dieses ist für die Geltung aller auf Erfahrung beruhenden Schlussfolgerungen unverzichtbar; es kann aber selbst nicht durch die Erfahrung bewiesen werden. Trotzdem wird es ohne weitere Zweifel – zumindest im konkreten Anwendungsfall – allgemein für wahr gehal­ten. Neben dem Induktionsgrundsatz haben auch andere allgemeine sowie die logischen und mathematischen Prinzipien und die ethischen Werte diese Eigen­schaft der Evidenz, was im 7. Kapitel erstmals dargestellt wird. Mit der Anerken­nung dieses apriorischen Wissens stellt sich Russell im Streit zwischen Empiristen und Rationalisten diesbezüglich auf die Seite der letzteren. Die genannten Prinzi­pien sind zwar von der Erfahrung logisch unabhängiges Wissen und somit durch diese nicht beweisbar, jedoch werden sie erst durch Erfahrung hervorgerufen. In­sofern gibt der Verfasser also auch den Empiristen teilweise recht. Das Kapitel 8 befasst sich mit der Philosophie Immanuel Kants im Hinblick auf die Möglichkeit apriorischer Erkenntnis. Im Ergebnis begreift Russell apriorisches Wissen nicht nur als ein Wissen von der Verfassung des Bewusstseins, sondern wendet es auch auf alles nicht zum Bewusstsein Zählende an. Problematisch bleibt aber die Ein­ordnung von derartigen Beziehungen, wie sie beispielsweise mit dem Wort „in“ in dem Satz „Ich befinde mich in meinem Zimmer“ ausgedrückt werden. Da die Wahrheit dieses Satzes nicht durch das Denken festgestellt werden kann, können Beziehungen weder im Bewusstsein noch in der Außenwelt lokalisiert werden.

Im 9. Kapitel kommt der Autor daher wieder auf die aus Kapitel 5 bekannten Universalien in Synonymie zu Platons „Ideen“ zurück, deren Bekanntschaft Vor­aussetzung für die Erkenntnis von Wahrheiten ist. Zu diesen Universalien sind nicht nur die durch Substantive und Adjektive beschriebenen zu zählen, sondern auch die durch Verben oder Präpositionen wie „in“ im obigen Beispiel. Die Uni­versalien wie „Schwärze“ oder „Gerechtigkeit“ sind – unabhängig vom Bewusst­sein – keine Denkakte, vielmehr bestehen sie – im Falle ihres Erkanntwerdens – als Gegenstände des Denkens. Mit Hilfe der Universalien löst Russell im 10. Ka­pitel das Problem apriorischer Erkenntnis: Diese hat es ausschließlich mit Bezie­hungen zwischen Universalien zu tun. Zwar ist auch eine empirische Verallge­meinerung wie „Alle Menschen sind sterblich“ bei Kenntnis der in ihr vorkom­menden Universalien „Mensch“ und „sterblich“ zu verstehen; die Verschiedenheit zwischen einer empirischen Verallgemeinerung und einer allgemeinen apriori­schen Aussage besteht nicht im Bedeutungsunterschied beider Sätze, sondern wird aus deren differenten Begründung ersichtlich: Empirische Verallgemeinerungen werden aus Einzelfällen (=induktiv) hergeleitet und ergeben sich nicht aus einem Nachweis apriorischer Verknüpfungen zwischen Universalien wie in Logik und Arithmetik.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
B. Russells "Probleme der Philosophie": Studie zum 11. Kapitel - Intuitive Erkenntnis
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Bertrand Russell - Probleme der Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V42658
ISBN (eBook)
9783638406505
ISBN (Buch)
9783638772716
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russells, Probleme, Philosophie, Studie, Kapitel, Intuitive, Erkenntnis, Bertrand, Russell
Arbeit zitieren
Dr. phil. Ass. iur. M.A. Reiner Scheel (Autor), 2001, B. Russells "Probleme der Philosophie": Studie zum 11. Kapitel - Intuitive Erkenntnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42658

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