Handlungsorientierter Unterricht. Theorie nach Gudjons und Frey sowie Praxis


Hausarbeit, 2004

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlungsorientierter Unterricht - Was ist das?

3. Historisches Umfeld des Handlungsorientierten Unterrichts
3.1 John DEWEY

4. Merkmale von Handlungsorientiertem Unterricht

5. Begründung für den Handlungsorientierten Unterricht
5.1 Veränderte Kindheit
5.2 Das Motivationsproblem

6. Exkurs: Der Projektunterricht
6.1 Zwei theoretische Herangehensweisen bei GUDJONS und FREY
6.1.1 Schritte und Merkmale eines Projekts nach GUDJONS
6.1.2 Komponenten des Projektunterrichts bei FREY

7. Bewertung und Zensuren im Handlungsorientierten Unterricht
7.1 Ziffernzensur oder ziffernlose Zensur?
7.1.1 Vor- und Nachteile der Ziffernzensur
7.1.2 Möglichkeiten und Grenzen der ziffernlosen Zensur

8. Pro und Kontra Handlungsorientierter Unterricht

9. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit zum Handlungsorientierten Unterricht versuche ich zunächst den Begriff des Handlungsorientierten Unterrichts zu klären. Anschließend gehe ich kurz auf das historische Umfeld ein um dort John DEWEY, der als „Vater“ der Projektmethode gilt, näher zu betrachten. Danach stelle ich sieben Merkmale von Handlungsorientiertem Unterricht vor um von diesen ausgehend zu den Begründungen für den Handlungsorientierten Unterricht zu gelangen. Im Anschluss folgt ein Exkurs zum Projektunterricht als methodisches Beispiel für den Handlungsorientierten Unterricht. Hier werde ich zwei theoretische Verläufe eines Projektes näher beschreiben, und zwar die von Herbert GUDJONS und die von Karl FREY. Nach dem Exkurs beschäftige ich mich mit der Frage nach der Bewertung von Handlungsorientiertem Unterricht und untersuche hier die Vor- und Nachteile der Ziffernzensur sowie die Möglichkeiten und Grenzen der ziffernlosen Zensur. Um das Thema abzurunden folgt eine Betrachtung von Pro und Kontra des Handlungsorientierten Unterrichts. Mich persönlich reizt das Thema der Bewertung von Handlungsorientiertem Unterricht, sowie der direkte Vergleich der beiden Projektmethoden von GUDJONS und FREY. Mit dem Handlungsorientierten Unterricht an sich möchte ich mich beschäftigen, weil es für mich notwendig erscheint in meiner zukünftigen Lehrerinnenlaufbahn über neuere didaktische Ansätze gut informiert zu sein. Außerdem bin ich der Meinung, dass es sich durchaus lohnen könnte, Ansätze dieses Konzeptes mit in meine spätere Schulpraxis zu nehmen.

2. Handlungsorientierter Unterricht - Was ist das?

Als „handlungsorientiert“ bezeichnen wir einen Unterricht, in dem die SchülerInnen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und Füßen, mit dem Herzen und allen Sinnen lernen können.[1]

Schülerhandlungen sollen also im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Die Ergebnisse, die aus diesen Handlungen resultieren, sollen, wenn möglich, erfahrbar, begreifbar und vorführbar sein, damit die SchülerInnen mit ihnen weiterarbeiten und auch spielen, d.h. mit ihnen weitere Handlungen vornehmen können.

Handlungsorientierter Unterricht ist keine neue Strophe im Jahrhunderte alten Lied vom Versuch, passive Schüler/innen wieder aktiv zu machen. Es ist auch keine Variante im Repertoire der Motivationstricks und Methodenkniffe, damit Schule „wieder Spaß macht“. Er ist erst recht kein Versuch, die „praktische Begabung“ der Hand zu pflegen und damit z. B. die totgesagte Hauptschule wiederzubeleben. Handlungsorientierter Unterricht ist eine überfällige Antwort auf den tiefgreifenden Wandel in der Aneignung von Kultur in einer Lebenswelt, deren defizitäre Entwicklungstendenz in H. v. Hentigs Formulierung vom „allmählichen Verschwinden der Wirklichkeit“ präzise markiert wird […].[2]

3. Historisches Umfeld des Handlungsorientierten Unterrichts

Handlungsorientierter Unterricht ist nicht erst vor kurzer Zeit entstanden. Die Grundpfeiler dafür gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Für die Klassiker der Pädagogik war es eine Selbstverständlichkeit, daß „Bildung“ die „proportionierliche Entfaltung“ von Kopf, Herz und Hand voraussetzt und daß dieses anspruchsvolle Ziel nicht erreicht werden kann, wenn die Schüler sich mit nichts anderem als Büchern, Papier und Stiften beschäftigen […].[3]

So sind als wichtigste Vertreter dieser Theoriegrundlage Johann Amos COMENIUS, Jean Jacques ROUSSEAU und Johann Heinrich PESTALOZZI zu nennen. Im weiteren historischen Verlauf sollte ein besonderes Augenmerk auf John DEWEY, der als „Vater“ der Projektmethode gilt, gelenkt werden.

3.1 John DEWEY

Für den Begriff des „Verhältnisses von Theorie und Praxis“ hat John DEWEY, der bedeutendste Vertreter des amerikanischen Pragmatismus, den Grundstein in der Pädagogik des 20. Jahrhunderts gelegt. Er sagte:

Ein Gramm Erfahrung ist besser als eine Tonne Theorie, einfach deswegen, weil jede Theorie nur in der Erfahrung lebendige und der Nachprüfung zugängliche Bedeutung hat. Eine Erfahrung, selbst eine sehr bescheidene Erfahrung kann Theorie in jedem Umfange erzeugen und tragen, aber eine Theorie ohne Bezugnahme auf irgendwelche Erfahrung kann nicht einmal als Theorie bestimmt und klar erfaßt werden. Sie wird leicht zu einer bloßen sprachlichen Formel, zu einem Schlagwort, das verwendet wird, um das Denken, das rechte „Theoretisieren“ unnötig und unmöglich zu machen.[4]

Der Unterricht sollte somit an den Kenntnissen des Schülers/der Schülerin anknüpfen und ihm/ihr neue Erfahrungen ermöglichen. Dabei geht es DEWEY nicht um bloßes Handeln ohne Konzept. Er spricht sich klar für geplanten Unterricht aus, der „fest genug sein [muss], um die Richtung auf fortgesetzte Entwicklung der Kräfte anzugeben“[5], der aber gleichzeitig so flexibel sein sollte, dass genügend Platz für „ein freies Spiel und Individualität“[6] vorhanden ist. Trotz des starken Engagements für den praxisorientierten Bezug zur Erfahrungswelt der SchülerInnen, gehörte „John Dewey keineswegs zu den Pädagogen des „Alles oder Nichts““[7]. Eine Möglichkeit der Umsetzung der Verknüpfung von Theorie und Praxis ist z.B. der Projektunterricht[8], für den sich DEWEY einsetzte. Hierzu erstellte er eine Liste mit vier Kriterien, damit ein Projekt als erzieherisch wertvoll gelten kann:

- Das Projekt muß das „Interesse“ der Schüler finden, d.h. es muß auf ihre Bedürfnisse und Erfahrungen eingehen.
- Das Projekt muß etwas „Wertvolles im Leben selbst“ darstellen, d.h. es muß auch vom Standpunk der Erwachsenen aus wichtig und nützlich sein.
- Das Projekt muß „komplex“ angelegt sein, d.h. es darf sich nicht mit „bloßer Handfertigkeit“ begnügen, es muß auch und vor allem „theoretisches Wissen“ vermitteln.
- Das Projekt muß „Kontinuität“ besitzen, d.h. es muß eine gewisse Zeit andauern und auf natürliche Weise ins nächste Thema übergehen, so daß sich der Erfahrungshorizont der Schüler fortschreitend erweitert.[9]

Diese vier Kriterien von DEWEY finden sich auch in den Merkmalen von Handlungsorientiertem Unterricht bei JANK und MEYER im Kern wieder.

4. Merkmale von Handlungsorientiertem Unterricht

Der Handlungsorientierte Unterricht ist kein starres Konzept, bei dem man Regularien festhalten oder Prinzipien aufstellen könnte. Es sind vielmehr Merkmale zu nennen, auf die geachtet werden sollte, wenn angedacht wird, den eigenen Unterricht umzustellen. JANK und MEYER halten sieben Merkmale für den Handlungsorientierten Unterricht fest.

1. Handlungsorientierter Unterricht ist ganzheitlich
2. Handlungsorientierter Unterricht ist schüleraktiv
3. Im Mittelpunkt des Handlungsorientierten Unterrichts steht die Herstellung von Handlungsprodukten
4. Handlungsorientierter Unterricht bemüht sich, die subjektiven Schülerinteressen zum Ausgangspunkt der Unterrichtsarbeit zu machen
5. Handlungsorientierter Unterricht beteiligt die Schüler von Anfang an mit an der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts
6. Handlungsorientierter Unterricht führt zur Öffnung von Schule
7. Handlungsorientierter Unterricht versucht, Kopf- und Handarbeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.[10]

5. Begründung für den Handlungsorientierten Unterricht

Einerseits wird mit dem Handlungsorientierten Unterricht nach einer neuen Didaktik gesucht, die die Kinder „wieder stärker aktiviert, motiviert und den Spaß am Lernen erhöht (das soll er auch!)“[11] jedoch ist er gleichzeitig […] ein notweniger Versuch, eine (schul-)pädagogische Antwort zu finden auf den tiefgreifenden Wandel des kulturellen Aneignungsprozesses von Kindern und Jugendlichen in einer Welt, in der die „Erfahrungen aus zweiter Hand“ jene „aus erster Hand“ zu überlagern beginnen – mit allen Folgen für die Entwicklung der Persönlichkeit, aber auch für den Aufbau kognitiver Strukturen, der von dem Schrumpfen von Handlungsmöglichkeiten direkt beeinflußt wird.[12]

5.1 Veränderte Kindheit

GUDJONS nennt als einen der wichtigsten Punkte zur Begründung von Handlungsorientiertem Unterricht die veränderte Kindheit. So fanden Verschiebungen innerhalb der Gesellschaft statt, die das Aufwachsen von Kindern nachhaltig beeinflussen. Eine der markantesten Veränderungen ist wohl die Verschiebung von der Großfamilie als Normalfall hin zur Einelternfamilie, wie es heute oft der Fall ist. Auch die Plätze, an denen Kinder sich im Spiel austoben konnten schwinden. GUDJONS erklärt dies am Beispiel der Verbreitung des Autos. So hat etwa das Vorrücken des Autos zum privaten Massenverkehrsmittel […] zu erheblichen Veränderungen der Erfahrungswelt der Kinder geführt. Nicht nur, daß dieser Prozeß die natürliche und bauliche Umwelt für Kinder massiv verwandelt hat: die Straße – immer noch Lieblingsplatz von Kindern hat ihren Charakter von „Öffentlichkeit“ (die für kindliche Aneignungsprozesse eine wichtige Rolle spielt) weitgehend verloren und droht zur bedeutungslosen Verbindungslinie zu werden – für Kinder unbespielbar.[13]

[...]


[1] Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle. 7. Auflage, Berlin 2000. (Im Folgenden zitiert als Jank/Meyer 2000.) S. 338

[2] Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen – Schüleraktivierung, Selbsttätigkeit, Projektarbeit. 4. Auflage, Bad Heilbrunn/Obb. 1994. (Im Folgenden zitiert als Gudjons 1994.) S. 55 f.

[3] Jank/Meyer 2000. S. 346

[4] Knoop, Karl/Schwab, Martin: Einführung in die Geschichte der Pädagogik – Pädagogen-Porträts aus vier Jahrhunderten. 4. durchgesehene und ergänzte Auflage, Wiebelsheim 1999. S. 174

[5] ebd. S. 179

[6] ebd. S. 179

[7] ebd. S. 183

[8] Auf den Projektunterricht gehe ich im Folgenden in einem Exkurs noch näher ein, deshalb wird er hier nicht näher beschrieben.

[9] Knoll, Michael: Wie sie entstand: die Projektmthode – Ihr Anfang an der amerikanischen Grundschule. In: Grundschule 7/8 1995. S. 13

[10] Jank/Meyer 2000. S. 355 ff.

[11] Gudjons 1994. S. 12

[12] ebd. S. 12 f.

[13] Gudjons 1994. S. 14

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Handlungsorientierter Unterricht. Theorie nach Gudjons und Frey sowie Praxis
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Didaktik I: Grundfragen der Didaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V42665
ISBN (eBook)
9783638406567
ISBN (Buch)
9783638870764
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit enthält theoretischen Unterbau des Handlungsorientierten Unterrichts nach Jank/Meyer und Gudjons (Merkmale, historisches Umfeld, Auswahl schulrelevanter Begründungen). In einem Exkurs wird der Projektunterricht nach Gudjons und das Projekt nach Frey vergleichend dargestellt.
Schlagworte
Handlungsorientierter, Unterricht, Didaktik, Grundfragen
Arbeit zitieren
Katja Staats (Autor), 2004, Handlungsorientierter Unterricht. Theorie nach Gudjons und Frey sowie Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42665

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