"The Killing" aus dem Jahr 1956, ist nach vorherrschender Kritikermeinung der erste wichtige Film Kubricks. Der Film reiht sich ein in eine Folge von Filmen, denen das Thema vom letzten großen Einbruch gemeinsam ist. Einer dieser früheren Filme ist "The Asphalt Jungle" von John Huston aus dem Jahre 1950. Georg Seeßlen sagt zur Modellfunktion dieses Films: "Nach dem Vorbild von "The Asphalt Jungle", doch zumeist ohne dessen allegorische Implikationen, schildern mehrere Filme der Folgezeit die Planung und Durchführung eines Raubes oder Überfalls mit dem letzendlichen Scheitern des Coups", und er nennt unter anderen Kubricks Film, ohne weiter auf ihn einzugehen.
In dieser Arbeit soll nun eine Interpretation Kubricks Film durch einen Vergleich mit seinem Vorläuferfilm versucht werden, zumal Kubrick geradezu zu einem Vergleich mit dem nur sechs Jahre früher entstandenen Film seines Landsmannes einlädt, da er als Haupthelden ebenfalls Sterling Hayden einsetzt und so deutlich macht, dass es sich bei den Parallelen in beiden Werken keineswegs um eine zufällige Ähnlichkeit handelt, sondern um eine kreative Auseinandersetzung mit John Hustons Film. Um herauszufinden, was Kubrick übernimmt, vor allem aber, was er anders macht, soll die Analyse auf zwei Ebenen durchgeführt werden. In einem ersten Schritt sollen auf der Makroebene Vergleiche angestellt werden, die sich auf die Grobstruktur der beiden Filme beziehen. Nachdem diese erschlossen ist, soll anhand des Vergleichs einzelner Sequenzen ins Detail gegangen werden, um dann in einem letzten Schritt die Frage nach der Intention Kubricks zu beantworten und den Film auch hinsichtlich des Film noir – Genres einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, Vorgehensweise
2. Vergleich auf der Makroebene
2.1 Motive
2.2 Figuren
2.2.1 Figurenkonstellation in The Asphalt Jungle
2.2.2 Figurenkonstellation in The Killing
2.3 Zur Erzählstruktur
2.4 Zum Stil
3. Vergleich auf der Mikroebene
3.1 Vergleich der Expositionen
3.1.1 Exposition – The Asphalt Jungle
3.1.2 Vorspann The Killing
3.2 Vergleich der Planungssequenz
3.3 Vergleich der Schlusssequenzen
3.3.1 The Asphalt Jungle
3.3.2 The Killing
4. „The Killing“ Versuch einer Einordnung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht Stanley Kubricks Film "The Killing" durch einen vergleichenden Analyseansatz mit John Hustons "The Asphalt Jungle", um Kubricks spezifische Intentionen, seine erzählerischen Innovationen und die Einordnung des Werks in das Film-noir-Genre herauszuarbeiten.
- Vergleichende Analyse der Motivik und Figurenkonstellationen
- Untersuchung der komplexen, nicht-linearen Erzählstruktur und Zeitgestaltung
- Analyse der visuellen Symbolik und des filmischen Stils
- Gegenüberstellung der Schlusssequenzen als Ausdruck pessimistischer versus utopischer Enden
- Einordnung von "The Killing" als moderne Reflexion über den Zufall und existenzielle Unfreiheit
Auszug aus dem Buch
3.3.2 The Killing
Wenn man The Killing als Replik auf The Asphalt Jungle versteht, so muss man das Ende als bewussten Gegensequenz zur Vorlage lesen.
Nachdem Johnny sich in aller Eile „den größten Koffer, den er finden konnte“18 gekauft hat, trifft er, die auf ihn wartende Fay am Flughafen. Die Spannung der Szene speist sich aus dem Wissen des Zuschauers, dass sich das gestohlene Geld in dem Koffer befindet und dass dieser Koffer nicht abzuschließen war. Auf der akustischen Eben wird dies verstärkt durch die unruhige, spannungsaufbauende Musik aus der Rennbahn. Mit einer kurzen Schuss Gegenschusssequenz wird ein Blickaustausch zwischen Johnny und zwei Männern im Foyer der Flughafenhalle gezeigt. Johnny scheint bereits hier die Vermutung zu haben, beobachtet zu werden. Bevor Johnny und Fay den Schalter erreichen um einzuchecken, wird das Gespräch zwischen dem Flughafenangestellten am Schalter und einer älteren Frau mit einem Schoßhündchen gezeigt. Der Angestellte gestattet ihr, sich die abhebenden Flugzeuge von draußen anzuschauen. Da der Koffer für ein Handgepäck zu groß ist, stimmt Johnny gezwungenermaßen zu, den Koffer aufzugeben. In der nächsten Einstellung fängt die Kamera den noch unbeladenen Gepäckwagen ein, während man aus dem Hors - champs das Bellen des Hundes hört. Johnny und Fay stehen hinter einem Zaun und beobachten, wie das Gepäck, darunter der Koffer mit dem Geld, transportiert wird. Johnny befindet sich also bereits zu diesem Zeitpunkt im wahrsten Sinn des Wortes hinter Gittern, visuell dargestellt, indem sich die Lamellen des Gitters auf seinem Gesicht reflektieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung, Vorgehensweise: Die Einleitung stellt den Film "The Killing" in den Kontext des Einbruchs-Genres und erläutert die methodische Vorgehensweise eines Vergleichs mit dem Vorläuferfilm "The Asphalt Jungle".
2. Vergleich auf der Makroebene: Dieses Kapitel vergleicht die übergeordnete Struktur beider Filme, insbesondere die Motive, die Figurenkonstellationen sowie die Erzählweise und den narrativen Stil.
3. Vergleich auf der Mikroebene: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Sequenzen, darunter die Expositionen, die Planungsphasen des Raubüberfalls und die jeweiligen Schlusssequenzen der beiden Werke.
4. „The Killing“ Versuch einer Einordnung: Das abschließende inhaltliche Kapitel ordnet "The Killing" unter Genrekriterien des Film noir ein und reflektiert die Modernisierung und Radikalisierung des Stoffes durch Kubrick.
Schlüsselwörter
Stanley Kubrick, John Huston, The Killing, The Asphalt Jungle, Film noir, Raubüberfall, Erzählstruktur, Figurenkonstellation, Zeitgestaltung, Zufall, existenzielle Unfreiheit, Vergleichsanalyse, Genretheorie, visuelle Symbolik, Hollywood.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer filmwissenschaftlichen Untersuchung von Stanley Kubricks "The Killing" im direkten Vergleich mit John Hustons "The Asphalt Jungle", um Unterschiede in der Erzählweise und Intention aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Motivik, die Figurenzeichnung, die formale Konstruktion der Zeit und der Erzählstruktur sowie die stilistische Einordnung in das Genre des Film noir.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie Kubrick das Motiv des Raubüberfalls übernimmt, es jedoch durch formale Mittel wie Zeitmanipulation radikalisiert und als Reflexion über den Zufall und Unfreiheit neu interpretiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Filmanalyse angewandt, die sich sowohl auf die Makrostruktur (Grobstruktur der Filme) als auch auf die Mikroebene (Analyse spezifischer Sequenzen und filmischer Mittel) stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Vergleich der Motive und Figuren, eine Untersuchung der Erzählstruktur und des Stils sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Expositionen, Planungssequenzen und der verschiedenen Schlusssequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Film noir, Erzählstruktur, Zufall, existenzielle Unfreiheit, Figurenkonstellation und der formale Vergleich zwischen den Filmen von Kubrick und Huston.
Wie unterscheidet Kubrick in "The Killing" die Zeitdarstellung von Hustons Vorbild?
Kubrick bricht die chronologische Linearität durch zahlreiche Rückblenden und einen auktorialen Voice-over-Kommentar auf, was den Zuschauer verunsichert und die Konstruiertheit des Handlungsverlaufs betont.
Warum wird das Ende von "The Killing" als pessimistischer interpretiert?
Im Gegensatz zu "The Asphalt Jungle", wo der Protagonist sein Ziel (die Rückkehr zur Farm) erreicht und in Freiheit stirbt, scheitert Johnny Clay in "The Killing" vollständig und landet in der Gefangenschaft, was das Scheitern des Individuums am Zufall und Schicksal verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- MA David Ortmann (Autor:in), 2007, Der Film Noir. Inhaltliche Parallelen von Stanley Kubricks "The Killing" und John Hustons "The Asphalt Jungle", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426676