Analyse der Filmästhetik des Dokumentarfilms "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges" (1988) von Harun Farocki


Seminararbeit, 2006
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2.Aufbau des Films
2.1 Materialien
2.2 Themen und Motive
2.3 Vorgehensweise, Montage
2.4 akustische Ebene
2.4.1 Musik
2.4.2 Textkommentar
2.5 Chronologischer Ablauf des Films
2.5.1 Zur Einleitung
2.5.2 Zum ersten Block
2.5.3 Zum zweiten Block
2.5.4 Zum dritten Block
2.6 Zusammenfassung des Aufbaus
2.7 Wirkung auf den Zuschauer

3. Auschwitz
3.1 Das erste Bild von Auschwitz, aus 7000 Metern Höhe
3.2 Die Luftaufklärung
3.3 Andere Dokumente
3.4 Zusammenfassung

4. „Wie einem Fotoapparat entgegen sein?“
Die Frauenbilder im Film
4.1 Bild der fotografierten jüdischen Frau in Auschwitz
4.2 Bild des lächelnden jüdischen Mädchens
4.3 Bilder der algerischen Frauen
4.4 Zusammenfassung

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Film „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ von Harun Farocki aus dem Jahr 1988, der mit dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet wurde, befasst sich, hauptsächlich anhand der Thematik der Erkennung und Verkennung der Auschwitzkatastrophe durch die Alliierten, mit der Wirkung von Bildern und Blicken. Im Speziellen wird hier die Frage nach der Entstehung und Dechiffrierung von Bildern gestellt. In dieser Arbeit soll in einem ersten Schritt die Grobstruktur des Filmes unter formalen und inhaltlichen Aspekten herausgearbeitet werden. In einem zweiten Schritt soll dann auf die zentrale Thematik Auschwitz und hier noch einmal speziell auf die Frauenportraits und ihre Einbettung in den Gesamtfilm eingegangen werden. Die Analyse im Auschwitzteil und bei den Frauenportraits soll zeigen, wie sehr das historisch-politische Thema mit dem abstrakten Thema des Sehens verknüpft ist.

2.Aufbau des Films

2.1 Materialien

Bereits beim ersten Sehen des Films fällt auf, dass er aus einer Vielzahl verschiedenster Filmmaterialien zusammengesetzt ist. Dies stellt sicherlich einen wichtigen Unterschied zu anderen Filmen mit dokumentarischem Anspruch dar. In den seltensten Fällen verwendet Farocki selbstgefilmtes Material, vielmehr bedient er sich bereits vorhandener Bilder.

Die einzelnen Typen von Fremdmaterialien sind unterschiedlicher Art. So verwendet er Bücher, Zeichnungen, Luftaufnahmen, Stiche, Simulationen und Karten. Er filmt bereits existierende Bilder ab und verwendet sie meist mehrfach. Er inszeniert aber auch Sequenzen (Schminken des Auges[1] ) oder filmt Szenen ab (Aktmalen im Atelier[2] )

Eines der wenigen Beispiele stellt auch die Anfangssequenz dar, die Bilder von einem Labor der Universität Hannover[3] zeigt, in dem die Bewegungen von Wasser wissenschaftlich untersucht werden. Diese Bilder hatte Farocki selbst einmal aufgenommen und sich dann wieder an sie erinnert, als er „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ montierte.

Am 18. Juni 1987 fuhren wir am allerfrühesten Morgen von Berlin ab, um über die auf Teilstücken schnurgerade Autobahn A2 Hannover zu erreichen. Unser Ziel dort war der sogennante Wellenkanal, eine Versuchsanlage zur Erforschung von Wasserbewegungen. Eine der Einstellungen, die wir dort drehten, wurde die erste in der Folge meines Films Bilder der Welt und Inschrift des Krieges. (Harun Farocki)[4]

2.2 Themen und Motive

Der 75-minütige Film kombiniert eine Vielzahl von Themen und Motiven, so dass der Eindruck auf den Zuschauer zunächst verwirrend ist. Als Hauptthema kristallisiert sich allmählich (im zweiten Block) das Thema Auschwitz heraus und alle anderen Themen, wie auch das wichtige des Kolonialismus, sind diesem in irgendeiner Weise zugeordnet. Neben dieser politisch-historischen Ebene gibt es noch eine thematische Metaebene, die Kunst des Sehens, die als eigene Thematik ebenso stark herausgearbeitet erscheint. Diese Thematik wird von Anfang an durch die vielfache und leitmotivische Darstellung des menschlichen Auges signalisiert. Drei verschiedene Darstellungen des Auges, die immer wieder nacheinander eingeblendet werden, bilden eine Folie für die Themen, die allesamt das Sehen in den Mittelpunkt setzen. Diese drei Darstellungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Es handelt sich um das linke Auge einer Frau, das geschminkt wird, um eine Augenzeichnung von Leonardo und um eine Computerdarstellung eines Auges. Dem Thema Sehen sind weitere Unterthemen zuzuordnen, die im Verlaufe des Films auf verschiedene Art präsentiert werden. Dieses sind hauptsächlich das perspektivische Sehen, zu dem Zeichnungen von Dürer zu sehen sind[5], das Vermessen von Gebäuden, zu dem die ganze Entstehungsgeschichte dokumentiert wird, das Zeichnen von Menschen, zu dem Studenten beim Aktmalen gezeigt werden, und die Identifizierung von Gegenständen und Menschen, zu dem es mehrere verschiedene Sequenzen gibt.

2.3 Vorgehensweise, Montage

Durch die erwähnte Fülle, was sowohl das Bildmaterial als auch die Thematiken und Motive angeht, - nicht umsonst heißt der Anfang des Titels „Bilder der Welt“ -, kommt es zu dem diffusen, verwirrenden ersten Eindruck, den der Film zweifelsohne vermittelt. Die verschiedenen Bilder sind oft nur für wenige Sekunden eingeblendet und werden unkommentiert gelassen. Im Laufe des Filmes werden diese einzelnen Bilder bzw. Erzählstränge immer wieder aufgegriffen und schließlich auch von einem Kommentar erläutert. Bei genauerer Untersuchung und konzentriertem Sehen schwindet der Eindruck des Willkürlichen und es erschließt sich die kunstvolle Komposition des Filmes. In dem Buch vom „Guerillakino zum Essayfilm“ von Tilman Baumgärtel beschreibt dieser den Film im Vergleich zu dem früheren Farocki-Film „Wie man sieht“ als durchkomponiert.[6] Dies bedeutet, dass die Bilder eben nicht willkürlich gezeigt werden, sondern durchaus mit System auftauchen oder um es mit Farockis Worten aus der Einleitungssequenz zu sagen: Die Bilder werden „unregelmäßig, jedoch nicht regellos“ gezeigt. Das Regelhafte besteht darin, dass die Bilder rhythmisch wiederholt werden und an einer späteren Stelle, falls nötig, erklärt werden. Ein Beispiel ist im ersten Block eine Einstellung, die nur wenige Sekunden währt. Später wird diese Einstellung wieder aufgenommen und man erkennt, dass es sich hierbei um Studenten handelt, die dabei sind einen Akt zu zeichnen[7]. Zum Teil bleibt der erklärende Kommentar gänzlich aus und die montierten Bilder kommentieren sich gegenseitig. Ein Beispiel hierfür ist die Parallelisierung des Bildes von den bei der Selektion abgelegten Habseligkeiten der Juden, die später mit der Sprache der Nazis „Effekten“ genannt werden, mit dem Schrotthaufen aus der Niedergang der Metalldrückerei.[8]

Ein weiteres Bespiel für die gegenseitige Kommentierung von Bildern ist das Motiv des Wellenkanals. Dieses wird im zweiten Block durch kurze Einblendung mit dem Auschwitzthema verknüpft, wobei die Verknüpfung auf der akustischen Ebene in dem Begriff „Laboratorium“ besteht, den Hannah Arendt für Auschwitz anwendet.[9] An diesem Motiv sieht man auch, wie polyvalent Farocki seine Bilder einsetzt, denn in der Anfangssequenz kann die Bewegung des Wassers, wie später gezeigt wird, als Hinweis auf seine Vorgehensweise interpretiert werden. Wenn das Motiv ganz am Schluss auftaucht, sieht man, dass es eine Art Rahmenfunktion hat und am Ende nochmals die Ambivalenz von Bildern repräsentiert.

2.4 akustische Ebene

2.4.1 Musik

Auch in Hinsicht auf die musikalische Untermalung unterscheidet sich „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ von anderen Filmen mit dokumentarischem Anspruch. Ähnlich dem Textkommentar besteht die Funktion der sehr reduziert eingesetzten Musik weniger darin, die Bilder zu untermalen und so ihren Teil zu einem reibungslosen Gesamtwerk beizusteuern, als vielmehr gerade diese Linearität aufzubrechen und dadurch auch für Leerstellen zu sorgen, die den Zuschauer dazu bringen sollen, die gezeigten Bilder immer wieder zu hinterfragen. Gemäß Baumgärtel lässt „die bruchstückhafte Musik des Films Freiräume für individuelle Assoziationen.“ Des weiteren schildert Baumgärtel die Umstände, wie Farocki zu seiner Filmmusik gekommen ist. „Der Soundtrack entstand übrigens durch ein Zufallsverfahren: Farocki nahm ein Tonband mit Musik von Beethoven und Bach, überdeckte einen Teil des Bands, und fuhr mit einer Löschdrossel, einem starken Magneten, darüber, so daß auf dem Tonband nur die Fragmente der Musik übrig blieben, wo das Band bedeckt war.“[10]

2.4.2 Textkommentar

Der Textkommentar, von Farocki konzipiert, wird von einer kühlen Frauenstimme aus dem Off feierlich und getragen gesprochen. Ihm kommt große Bedeutung zu, da man den Film ohne ihn nicht verstehen könnte. Wie bei dem Bildmaterial sind auch bei dem Kommentar ständig Wiederholungen zu bemerken. Zusätzlich wird er manchmal verzögert vorgetragen, was diese Stellen um so bedeutsamer erscheinen lässt, er hat stellenweise lyrischen Charakter. Dies wird besonders bei der Auschwitz – Thematik deutlich. Die Funktion des Textes ist die der Information über die Herkunft der Bilder, der erweiterten Erklärung , wo immer die Bilder ,die montiert werden, das nicht selbst übernehmen können. Der Text ist in der Aussage eher knapp gehalten im Vergleich zu anderen Filmen mit dokumentarischem Gestus. Ähnlich wie die Bilder reißt der Text nur an, gibt Raum für Reflexionen und eigene Assoziationen der Zuschauer. So wird zum Beispiel der Zuschauer besonders durch die Einleitung des ersten Blocks zu Assoziationen zum Begriff „Aufklärung“ aufgerufen.

2.5 Chronologischer Ablauf des Films

2.5.1 Zur Einleitung

Wenn hier auch chronologisch vorgegangen wird, so können wegen der Fülle der Schnitte nicht alle Bilder und Sequenzen benannt werden, sondern sie müssen gruppenhaft erfasst und beispielhaft kommentiert werden.

Der Film beginnt mit Bildern von einem Labor der Universität Hannover, in dem die Bewegungen des Wassers wissenschaftlich untersucht werden. Diese Sequenz ist als eine Art Einleitung zu verstehen. Der Kommentar setzt an dieser Stelle das erste Mal ein. „Brandet das Meer an das Land unregelmäßig nicht regellos, so bindet diese Bewegung den Blick ohne ihn zu fesseln.“ Baumgärtel beschreibt in dem genannten Buch diesen Satz als eine Vorwegnahme der Vorgehensweise des Films. Der Blick wird gebunden und nicht gefesselt, was bedeutet, dass dem Zuschauer die Bedeutung von Bildern im Verlauf des Films nicht aufgezwungen wird, sondern dass ihm lediglich Anstöße zur Reflexion geliefert werden sollen.[11]

Nach diesen ersten drei einleitenden Minuten sieht man eine Zeichnung von Albrecht Dürer über das perspektivische Sehen. Während dieses Bildes führt der Kommentar den den Film strukturierenden Begriff der Aufklärung, ein. Durch diesen Begriff der Aufklärung, wird der Film in drei große Blöcke unterteilt. Jeder dieser einzelnen Blöcke beginnt mit dem Satz „Aufklärung, das ist ein Wort in der Geistesgeschichte.“ Dieser Satz wird im zweiten und dritten Block erweitert. Im ersten Block lautet das Motto nur

„Aufklärung, das ist ein Wort in der Geistesgeschichte. Aufklärung…“

So bleibt dieser Zentralbegriff gleichsam in der Schwebe und zwingt den Zuschauer, seine eigenen Gedanken und Assoziationen zur Aufklärung zu aktivieren. Wem fielen da nicht Begriffe wie Ratio, Fortschrittsglaube, Toleranz, Humanität oder das von Kant propagierte Motto dieser Epoche „sapere aude“ ein? So wird eine Erwartung aufgebaut, die dann in dem folgenden Teil des Films bestätigt wird oder eben nicht.

2.5.2 Zum ersten Block

Innerhalb dieses ersten Blocks, der neun Minuten dauert, werden diverse Einstellungen unterschiedlichster Natur eingeblendet und somit die jeweiligen Geschichten, die sich hinter den Bildern verbergen, kurz angerissen. Diese Bilder ziehen sich zum Teil leitmotivisch durch den gesamten Film. Man sieht hintereinander ein Frauenauge, das geschminkt wird, Bilder von einer Messmaschine, historische Bilder des Doms von Wetzlar aus dem Jahr 1858, Bilder von zwei Offizieren, die damit beschäftigt sind, ein Bild auszuwerten, Bilder von algerischen Frauen, Bilder von Studierenden, die einen Akt malen, sowie Phantombilder von Frauen.[12]

In jedem der drei Blöcke gibt es so etwas wie einen „Leitbeitrag“, der sich durch die Häufigkeit der Wiederholungen und durch die Länge und Art der Beiträge von den anderen unterscheidet. Im ersten Block ist dies die Geschichte von einem Architekten mit dem Namen Meydenbauer, der im Jahr 1858 die Aufgabe hatte, die Fassade der Wetzlarer Kathedrale zu vermessen. Zuerst berichtet der Kommentar in der dritten Person Singular von seinen Versuch die Kathedrale zu vermessen, bei dem er beinahe abgestürzt wäre[13]. Die Geschichte wird dann kurz durch die abermalige Einblendung des Frauenauges, Bildern von einem Messgerät, sowie der bereits erwähnten Einstellung der Aktzeichner unterbrochen. Entsprechend dem gezeigten Aufbau des Films, wird dann die Geschichte Meydenbauers fortgesetzt, diesmal zitiert der Kommentar jedoch einen Bericht Meydenbauers in der ersten Person, dokumentiert durch die Einblendung des Originals. Der Zuschauer erfährt, dass Meydenbauer durch einen Unfall, bei dem er beinahe von der Fassade der Kathedrale gestürzt wäre, auf die Idee gekommen ist, ein Bild von dem zu vermessenden Gegenstand anzufertigen und dieses dann auszuwerten.

Dieser erste Block umfasst also hauptsächlich die Entstehungsgeschichte der Vermessung als dessen Vorreiter die „Kunstmathematiker“[14] Dürer und Leonardo zu sehen sind, von denen Bilder eingeblendet werden. Die übrig bleibenden Bilder verweisen auf spätere Ausführungen, einzig die Sequenz der algerischen Frauen wird in diesem Block zweimal gezeigt und kommentiert.[15] So bilden sie eine Art Gegenthema, das der Aufklärung entgegengesetzt wird. Denn während die Vermessung dem fortschrittlichen Geist der Aufklärung entspricht, steht der Kolonialismus, den die Fotos der algerischen Frauen nach dem Textkommentar repräsentieren, dem aufklärerischen Wert der Toleranz diametral entgegen.

2.5.3 Zum zweiten Block

Der zweite Block wird nach zwölf Minuten eingeleitet, wieder mit dem Satz: „Aufklärung, das ist ein Wort in der Geistesgeschichte“, diesmal jedoch mit dem Zusatz „Aufklärung, das ist ein Wort in der Militärsprache. Luftaufklärung.“ Hier nutzt Farocki die Vieldeutigkeit, die das Wort Aufklärung im Deutschen im Gegensatz zu anderen Sprachen wie dem Englischen und Französischen hat, wo es verschiedene Bezeichnungen für den epochalen und den militärischen Begriff gibt.

Auch in diesem zweiten Block wird die herausgearbeitete Komposition beibehalten. Die Fülle von kurz eingeblendeten Bildern lässt sich in drei Untergruppen aufgliedern. Die erste besteht aus Bildern und Erzählsträngen, die im ersten Block bereits gezeigt wurden. Dies sind vor allem jene Bilder, die einen Bezug zum Leitthema des ersten Blocks, der Vermessung und zum Thema Sehen haben. Dazu gehören die Geschichte des Architekten Meydenbauer, die Bilder der Messmaschine, sowie die Bilder von den beiden Offizieren, die Bilder auswerten. Außerdem wird mit der Wiederaufnahme der Bilder von den algerischen Frauen die im ersten Block eingeleitete Frage: „Wie einem Fotoapparat entgegen sein?“ weitergeführt.

Die zweite Gruppe umfasst die Bilder, die in diesem mittleren und längsten Teil zum ersten Mal erscheinen und noch innerhalb dieses Blocks erläutert werden. Hierzu gehören die Luftbilder von Auschwitz und ihre Interpretationen.

Eine dritte Gruppe lässt sich durch solche Bilder definieren, die zum ersten Mal erscheinen, deren Bedeutung jedoch erst im dritten Block thematisiert und somit klar wird. Zu dieser Gruppe gehören die gezeigten Versuche der Nazis, ihre Stellungen gegen Luftaufnahmen zu tarnen. Dies wird hier kurz anhand von einem als Krankenwagen getarnten Militärwagen illustriert.[16] Eine kurze Einstellung zeigt ein Blatt Papier mit einem Schriftcode, mit dem der Zuschauer nichts anfangen kann, da hier der erklärende Kommentar ausbleibt. Erst im dritten Block wird man erfahren, dass es sich hierbei um eine Art Geheimcode[17] von Häftlingen von Auschwitz handelt, die damit einen Aufstand planten.

Auschwitz, bzw. das Erkennen der Auschwitz Katastrophe ist das Leitthema dieses Blockes, dem in diesem längsten Teil fast alle Bilder und Sequenzen Auschwitz zuzuordnen sind, was die These belegt, dass dies das Hauptthema des Filmes ist.[18] Dazu treten als Nebenthemen die lange Geschichte der Metalldrückerei[19] und die Bilder, die wie das Flugzeugmodell[20] und die Flugsimulation[21] die weitere Entwicklung der Technik zeigen. Durch die Kontrastierung der beiden Themen wird – auch ohne ausdrücklichen Kommentar – deutlich, wie wenig die Entwicklung im Kulturellen der technischen Entwicklung standgehalten hat. Mit Auschwitz ist die Nation, die als Wert der Aufklärung entschieden die Humanität propagiert hat, in die tiefste Unmenschlichkeit verfallen.

2.5.4 Zum dritten Block

Der letzte Abschnitt beginnt nach 51 Minuten. Die Definitionen von „Aufklärung“ in den ersten beiden Blöcken wird an dieser Stelle mit dem Satz:„Aufklärung, ein Wort in der Geistesgeschichte und in der Militärsprache“, zusammengefasst. Durch den Zusatz „Aufklärung, ein Wort in der Polizeisprache“, wird der Begriff um die kriminalistische Dimension erweitert, ein Bereich, der im Deutschen auch mit dem Begriff Aufklärung abgedeckt wird.

„Aufklärung, ein Wort in der Polizeisprache. Die Polizei will jetzt Bilder verarbeiten. Die Polizei hier und anderswo hat die Fotografien von Millionen, Tatverdächtige diese, gespeichert.“ Doch der Kommentar stellt dies in Frage: „Wie kann man das Gesicht von Menschen in sicheren Ausdrücken beschreiben, so dass es von jedem wiedererkannt wird, von jedem, also auch von einer Maschine.“ In diesem Block werden Bilder und Beiträge der ersten beiden Blöcke erklärt. Auch der Themenkomplex mit den Bildern der algerischen Frauen, der im ersten Block mit dem Titel „Wie einem Fotoapparat entgegen sein“ eingeleitet wurde, wird hier wieder aufgegriffen. Des weiteren werden die Bilder der Aktmalerei durch eine längere Sequenz erklärt.[22] Ansonsten tauchen auch immer wieder Bilder auf, die mit dem bereits behandelten Thema des Sehens und der Vermessung zu tun haben. So werden beispielsweise wieder die Zeichnungen von Dürer und Leonardo gezeigt, die sich mit dem perspektivischen Sehen und dem Auge beschäftigen.

So nimmt der dritte Block alle eingeführten Themen wieder auf, beleuchtet einige noch mal unter dem neuen kriminalistischen Aspekt und ordnet sie in ein Gesamtkonzept ein. Dieser Teil zeigt, auf das Motto der Aufklärung bezogen, dass die Menschen nicht gelernt haben, was das ist, der Mensch.

[...]


[1] Timecode: z.B 00.03

[2] Timecode: 00.52 – 00.54

[3] Timecode: 00.00 – 00.02

[4] http://www.farocki-film.de/buchtx30.htm

[5] Timecode: 00.03

[6] Baumgärtel, Tilman: Vom Guerillakino zum Essayfilm. S.169

[7] Timecode: 00.04

[8] Timecode: 00.31

[9] Timecode: 00.41

[10] Baumgärtel, Tilman: Vom Guerillakino zum Essayfilm. S.173

[11] Vgl. Baumgärtel, Tilman: Vom Guerillakino zum Essayfilm. S. 169

[12] Timecode: 00.03 – 00.10

[13] Timecode: 00.05

[14] Timecode: 00.55

[15] Timecode: 00.08 – 00.09 und 00.11 – 00.12

[16] Timecode: 00.17

[17] Timecode: 00.33

[18] siehe Teil 3 der Arbeit

[19] Timecode: 00.26 – 00.31

[20] Timecode:00.16

[21] Timecode: 00.46

[22] Timecode: 00.52 – 00.54

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Analyse der Filmästhetik des Dokumentarfilms "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges" (1988) von Harun Farocki
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Zeitgenössischer Dokumentar- und Essayfilm in Deutschland: Hartmut Bitomsky und Harun Farocki
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V426680
ISBN (eBook)
9783668712515
ISBN (Buch)
9783668712522
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse der Filmästhetik dieses Dokumentarfilms.
Schlagworte
analyse, filmästhetik, dokumentarfilms, bilder, welt, inschrift, krieges, harun, farocki
Arbeit zitieren
MA David Ortmann (Autor), 2006, Analyse der Filmästhetik des Dokumentarfilms "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges" (1988) von Harun Farocki, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426680

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse der Filmästhetik des Dokumentarfilms "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges" (1988) von Harun Farocki


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden