Die radikaldemokratische Bewegung Badens und der Heckerzug

Chancen einer republikanischen Schilderhebung


Hausarbeit, 2016
26 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. ) Die Entwicklung der liberalen Opposition in Baden bis 1848

3. ) Die Rolle Friedrich Heckers innerhalb der revolutionaren Bewegung
3.1. ) Politische Programmatik und Wirken in der badischen Kammer
3.2) Hecker's Popularity in der badischen Bevolkerung

4. ) Die Marzereignisse und radikaldemokratische Hoffnungen

5. ) Das Land Baden und seine politischen Voraussetzungen

6. ) Der Heckerzug als erster grower Aufstand der badischen Revolution
6.1. ) Voraussetzungen des Heckerzugs
6.2. ) Die Geschehnisse bis zur Niederlage in Kandern
6.3. ) Die Nachwirkungen des Heckerzugs

7. ) Die Rolle des Heckeraufstands innerhalb radikaldemokratischer Agitation

8. ) Fazit

9. ) Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleituna

"Hier in Frankfurt ist nichts zu machen. Es gilt, in Baden loszuschlagen." Mit diesen Worten markierte Friedrich Hecker eine Zasur innerhalb der Entwicklung der badischen Revolution, nachdem er im Frankfurter Vorparlament keine Hoffnung mehr sah, die demokratische Umgestaltung Deutschlands nach republikanischem Vorbild umzusetzen. Hecker gilt bis heute als Identifikationsfigur der badischen Revolution und sein Marsch, der von Konstanz aus den Anfang nahm, hat zu keiner Zeit seinen heldenhaften Charme verloren. Der Hecker-Mythos verbreitete sich in Baden auch viele Jahre nach der Revolution und begeisterte sowohl Studenten als auch Soldaten durch die Personlichkeit Heckers. Doch auch noch heute ist es wissenschaftlich inter- essant, sich mit Hecker auseinanderzusetzen. War sein Traum von der Republik nur ein utopischer Wunsch Oder hatte Hecker in Baden doch viel groBere Chancen eine republikanische Umgestal­tung durchzusetzen, als man im ersten Moment denken mag? In diesem Zusammenhang ist es auch von Belang herauszufinden, inwieweit die radikaldemokratische Bewegung als solche uber- haupt Chancen hatte, sich innerhalb des revolutionaren Prozesses in Baden zu behaupten. Inner­halb des Seminarthemas ..Revolution 1848/49“ nimmt die badische Revolution eine spezielle Roll ein, da von hier die Revolution aufgrund der Pariser Februarrevolution erst ihren Anfang und ihre Dynamik nahm und schlieBlich auch ein Jahr spater hier endgultig unterdruckt wurde. Scheint Baden im Gebilde des Deutschen Bundes nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu ha- ben, war die revolutionare Sprengkraft aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen und eines starken liberalen Bewusstseins, das sich auch in der gestarkten liberalen Opposition im neuen ba­dischen Landtag 1846 zeigte, hier mit seinen samtlichen Voraussetzungen die groBte.

Die Problemfrage dieser Arbeit befasst sich also einerseits mit der Entwicklung der radikaldemo- kratischen Bewegung Badens wahrend der revolutionaren Jahre, erortert zudem aber auch die Vorgeschichte in der zweiten badischen Kammer. Andererseits soil jedoch auch die Personlichkeit Friedrich Hecker naher beleuchtet werden, wobei seine Rolle innerhalb der badischen Revolution deutlich gemacht werden soil, dazu soil aber auch seine Gedankenwelt und wie diese auf die badi­sche Bevolkerung wirken konnte, zum Thema werden. Eine zentrale Rolle in dieser Arbeit spielt der Heckeraufstand im April 1848, wobei vor allem die Vorbedingungen des Unternehmens von grower Bedeutung sind, da sie ein Stuck weit auch uber das Potenzial des Heckerzugs aufklaren konnen. Aber auch die Durchfuhrung und die Probleme bei der Rekrutierung sollen untersuchtwer- den, wahrend die Nachwirkungen des Heckerzugs eine eher untergeordnete Rolle spielen werden.

Bei den verwendeten Quellen nimmt die von Hecker selbst publizierte Schrift „Die Erhebung des Volkes in Baden fur die deutsche Republik im Fruhjahr 1848“ eine relevante Rolle ein.1 Hecker nutzte diese Schrift als Rechtfertigung fur seinen Aufstand im April und rechnet zudem mit den Per- sonen ab, die seiner Meinung nach Schuld daran waren, dass sein Vorhaben im April sowie auch die Errichtung einer deutschen Republik nicht gelingen konnten. Diese Quelle ist deshalb so inter- essant, da hier Heckers Motivation und Grunde fur seine Handlungen deutlich werden, wobei be- dacht werden sollte, dass sie nur zu diesem Zwecke eingesetzt werden konnte, da sie die Ereig- nisse grundsatzlich naturlich aus einer rein radikaldemokratischen Perspektive erzahlt. Zudem dienten Zeitungsartikel, beispielsweise aus der Karlsruher Zeitung Oder den Seeblattern, zur Be- schreibung von diversen Ereignissen wahrend der Revolution.Zudem wird hierbei der subjektive Blick mit den jeweils eigenen Interessen deutlich. Auch Tagebucheintrage dienten zur Erlauterung, in welcher Weise gewisse Ereignisse beurteilt wurden, doch auch hier sei auf den Hintergrund der einzelnen Personen verwiesen. Der Rechtsanwalt Dr. Leopold Ladenburg beispielsweise stand in engem Kontakt zu dem gema&igt Liberalen Friedrich Bassermann, berichtete uber die Ereignisse dennoch sehr zuruckhaltend und nuchtern, obwohl er eindeutig den Liberalen zuzuordnen war. Der Briefvon Georg Herwegh an Friedrich Hecker ist ebenfalls in einem subjektiven Kontext zu be- werten, gibt er doch recht deutlich Aufschluss uber die Bereitschaft der deutschen Legion in Baden behilflich zu sein. Zudem soil auch noch kurz uber die Forschungsliteratur eingegangen werden. Andreas Luck hat in der Bewertung der Rolle Friedrich Heckers einen entscheidenden Beitrag ge- leistet, in dem er herausarbeitete, dass Hecker in der badischen Kammer einen weit aus groBeren Einfluss und Spielraum hatte, als lange Zeit angenommen.2 Fernerhin ist sich die Forschung ange- sichts der Erklarung der Ursache fur das Scheitern des Heckerzugs weitestgehend uneins. Hat sich die altere Forschung, beispielsweise Willy Real in seiner Monographie „Die Revolution in Ba­den 1848/49"3, dabei noch hauptsachlich auf die Erklarung versteift, dass sich die groBe Mehrheit der badischen Bevolkerung in der Hoffnung auf die Nationalversammlung von Hecker ferngehalten hat, legte Sabine Freitag4 den Fokus hierbei viel starker auf die Autoritatsfrage, die in den Dorfern dazu fuhrte, dass Hecker wenige Leute rekrutieren konnte. Lasst sich im letzten Jahrhundert noch eine Fulle an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Hecker und badische Revolution finden, so ist die Auswahl in den letzten 18 Jahren zu diesem Thema nur noch recht begrenzt. Das Jahr 1998 hat aufgrund des 150-jahrigen Jubilaums der Revolution dabei die letzte groBe Fulle an Arbeiten hervorgebracht.

Urn die Fragestellung nun angemessen beantworten zu konnen, soil zunachst die Entwicklung der liberalen badischen Opposition skizziert werden. AnschlieBend steht die Person Friedrich Hecker im Fokus der Betrachtung, wahrend zuerst sein Wirken in der badischen Kammer sowie seine politischen Ideale im Vordergrund stehen und anschlie&end seine Popularitat innerhalb der badi­schen Bevolkerung. Danach soil auf die Marzereignisse und die Handlungen der radikaldemokrati­schen Bewegung wahrend dieser Zeit eingegangen werden. Urn die Chancen eines Aufstandes besser abschatzen zu konnen, soil darauffolgend das Land Baden mit seinen Bedingungen fur die Aufnahme von republikanischen Ideen untersucht werden. Letztlich ist der Heckerzug mit seinen Voraussetzungen und seinen Ereignissen zu bewerten, bevor schlieBlich die Rolle des Aprilauf- standes innerhalb der radikaldemokratischen Entwicklung mit dieser Arbeit abschlie&t.

2.) Die Entwickluna der liberalen Opposition in Baden bis 1848

Die badische Opposition hat zwischen den Jahren 1846 und 1848 eine folgenreiche Spaltung ihrer politischen Krafte erfahren, durch die die radikaldemokratische Bewegung mit ihrer Fuhrungsfigur Friedrich Hecker erst entstehen konnte. Doch wie konnte die Opposition, die einst so geschlossen gegen das System Blittersdorf und seine Nachfolger agierte, sich in zwei verschiedene politische Richtungen entwickeln? Tatsachlich machte das breit gefacherte Spektrum Opposition einen leid- lich harmonischen Eindruck, solange Friedrich von Blittersdorf, der als Staatsminister einen antili- beralen Kurs durchsetzten wollte, im Amt war.5 Nach dem Ausscheiden Blittersdorfverstarkten sich die inneren Gegensatze innerhalb der liberalen Opposition, die sich zwar schon zuvor, aber nun noch deutlicher in einen gema&igt liberalen und einen demokratisch linken Flugel aufteilten.6

Das Jahr 1846 kann in diesem Zusammenhang jedoch als groBte Zensur gesehen werden, da sich hier nicht zuletzt auch durch die Auflosung des badischen Landtags im Februar und die darauffol- gende Wahl, grundlegende Veranderungen fur die zweite badische Kammer folgten. Zu nennen ist hierbei sicherlich die Tatsache, dass die gema&igt liberale wie auch die radikale Opposition ver- starkt in den neuen Landtag zog. Eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Kammer und Re- gierung schien nun noch aussichtsloser als ohnehin schon, zudem wirkte sich der Gegensatz zwi­schen furstlich legitimierter Staatsgewalt und der nach Verfassungsgrundsatzen gewahlten Volks- vertretung bereits zu bedrohlichen Feindseligkeiten im Lande aus.7 Als weitreichender taktischer Schritt ist auch die Entlassung des Innenministers Nebenius und die Einberufung des als gema&igt liberal geltenden Kammerprasidenten Johann Baptist Bekk an die Spitze dieses Ministeriums zu sehen.8

Der Wechsel von Bekk als Oppositionspolitiker zum mit Vollmachten ausgestatteten Exekutivorgan bedeutete den Anfang eines Richtungsstreits innerhalb einer bisher meist geschlossenen liberalen Fraktion. Der starkere rechte Flugel, zudem namentlich Karl Mathy sowie Friedrich Bassermann und Carl Welcker zahlten, war sich nun durch eine erweiterte Machtteilhabe durch einen liberal geltenden Innenminister sicher, den Herrschaftsapparat zu einer vorsichtigen Liberalisierung und innenpolitischen Reformen bewegen zu konnen.9 Bekk handelte aus politischer Klugheit, wenn er durch eine ma&volle Reform die gema&igt liberale Opposition zu einer Saule seines eigenen Sys­tems machte und dadurch auch die Radikalen immer weiter von ihr loste. Hans Blum schreibt hier- zu: „Durch Bekks Eintritt in das Ministerium aber und seien aufrichtig konstitutionell-freisinnige Hal- tung wurde auch in der badischen zweiten Kammer, die Stellung der Manner10, die trotz ihrer mon- archisch-verfassungstreuen Gesinnung bisher in die Opposition gedrangt worden waren, eine freundlichere zur Regierung und eine behaglichere in der Kammer selbst11 Der linke Flugel, zu dessen wichtigsten Vertretern neben Friedrich Hecker nun nach der Wahl auch der Obergerichts- advokat Lorenz Bretano gehorte, wurde in eine immer unentwegtere Opposition getrieben.12 Willy Real spricht bei diesem Punkt der Entwicklung jedoch auch davon, dass die Radikalen „immer kla- rerer Konturen annahmen" und datiert den Beginn von Kraften im badischen Liberalismus, die uber die allgemeine burgerliche Emanzipationsbewegung hinaus Ziele anstrebten, etwa auf das Jahr 1842.13

Die Klarung der Fronten zwischen den Liberalen und den radikalen Demokraten vollzog sich nur daruber hinaus nur geringfugig in der Presse. Zwar hatte die gema&igte Opposition mit der seit 1846 in Heidelberg erscheinenden „Deutschen Zeitung" ein wirkungsvolles Sprachrohr geschaffen, dessen sich fast alle ihrer bedeutenden Personlichkeiten wie Mathy, Bassermann und uber Baden hinaus auch von Gagern bedienten, jedoch hatten die Radikalen abgesehen von einigen lokalen Blattern nichts gleichrangiges vorzuweisen.14 Viel mehr entwickelten sich Zeitungen wie der ,,Deut- sche Zuschauer" Oder die „Seeblatter“ aus Konstanz15 zu einer Art intellektuellem Sprachrohr des radikaldemokratischen Flugels, das jedoch offentlich weniger effektiv sein konnte.16 Diesen Nach- teil versuchten die Radikalen vor allem dadurch auszugleichen, dass sie sich auf Versammlungen, die als Mittel zur Mobilisierung der Massen dienlich waren, und ihre rhetorische Agitation konzen- trierten.17

Die Durlacher Versammlung vom 29. November 1846 wird meist als „Versohnungstreffen“ zwischen Liberalen und Demokraten beschreiben, da hier bestehende Gegensatze nochmals muhsam uber- bruckt werden indem die Forderung nach einer gesamtdeutschen Volksvertretung, die zum beider- seitigen politischen Forderungskatalog gehort, als Grundsatz aus der Versammlung hervorgeht.18 Doch auch trotz dieser Zusammenkunft spaltet sich die liberale Bewegung Badens ein Jahr spater endgultig durch die am 12. September 1847 abgehaltene Offenburger Versammlung. Die hier be- schlossenen „Forderungen des Volkes", die beruhmten 13 Artikel, waren ein geeigneter MaBstab, die radikal-demokratische Bewegung Badens nun politisch genauer zu verorten, obgleich der Ruf nach einer Republik hier noch nicht laut wurde.19 Als besondere inhaltliche Abgrenzung von den gema&igt Liberalen ist die Forderung nach einer progressiven Einkommenssteuer und dem Aus- gleich von Arbeit und Kapital zu sehen, wobei die Ausformulierung dieser Punkte hauptsachlich Gustav Struve zugeschrieben werden, obwohl solche Forderungen auch Hecker nicht fremd wa­ren.20

Zudem wurden in Offenburg auch die von der gesamten liberalen Opposition vorgestellten allge- meinen Forderungen formuliert, hierzu gehorten beispielsweise die Forderungen nach Pressefrei- heit, Vereidigung des Militars auf die Verfassung sowie eine Vertretung des deutschen Volkes beim deutschen Bund.21 Als Gegenstuck zur Offenburger Versammlung traten am 10. Oktober 1847 die gema&igten Liberalen in Heppenheim zusammen, mit dem Ziel ihren eigenen Standpunkt zu kla- ren und in die Offentlichkeit zu tragen, sich jedoch auch schlieBlich von den Radikalen abzuset- zen.22 Willy Real beschreibt das Heppenheimer „Protokoll“ folgenderma&en: „Der Ton klang ver- bindlicher, und die Thematik zielte in einer umfassenderen Form auf die Bundesform insgesamt. Hier hiefc das erste Richtwort die „Forderung der Nationalanliegen", denen nach der Uberzeugung der Versammlungsteilnehmer die Bundesversammlung bislang nicht gerecht geworden war."23 Der Vergleich des Offenburger Programms mit dem Heppenheimer „Protokoll“ zeigt letztendlich recht klar, dass die sich hier herausgebildeten Fronten nur sehr schwer anzunahern waren und die revo- lutionaren Ereignisse im folgenden Jahr sollten diesen Zustand noch untermauern.24

3.)Die Rolle Friedrich Heckers innerhalb der revolutionaren Beweauna

Zweifellos personifiziert Friedrich Hecker die zentrale Figur innerhalb der radikal-demokratischen Bewegung Badens, die von der Stimmung in der Bevolkerung wahrend der Hungerkrise 1846/47 profitieren konnte. Dabei war es gerade Hecker, der durch eine entschiedene Opposition gegen- uber der Regierung politisch an Profil gewonnen konnte, weshalb er, wenn es darum ging die Bevolkerung fur die eigenen radikalen Ideale zu gewinnen, unverzichtbar fur die Demokraten wur­de.25 Doch wie schaffte es der Rechtsanwalt aus Eichtersheim so popular zu werden und wie hing dies wiederum mit seiner Arbeit in der zweiten badischen Kammer zusammen? Daruber hinaus soil im folgenden Abschnitt auch die politische Programmatik Hecker's naher beleuchtet werden, wobei es hier vor allem darum geht, wie die Programmatik, die Hecker in der Kammer und auf Re­den vertrat, ihm Sympathien beim jeweiligen Bevolkerungsteil in Baden eingebracht haben.

3.1) Politische Proarammatik und Wirken in der badischen Kammer

Friedrich Hecker's parlamentarische Laufbahn begann 1842, als er zunachst in den Gemeinderat von Mannheim und noch im selben Jahr auf die Empfehlung von Adam von Itzstein in die zweite badische Kammer gewahlt wurde. Selbst seine politischen Gegner im Parlament konnten nicht leugnen, dass Hecker durch seine vorherige Tatigkeit als Anwalt eine perfekte Mischung aus Be- redsamkeit und dialektischer Taktik besafc, durch die er „bedeutende Analgen in den parlamentarischen Kampf mitbrachte".26 Ludwig Hausser schrieb in einem Artikel des Jahres 1848 uber die neue Person Hecker in der Kammer: ,,Eine gewandte, unermudliche, allzeit schlagfertige Advocatenberedtsamkeit, eine frische, lebhafte, oftsturmische Art des Kampfens, unterstutztdurch die Energie und Unerschrockenheit einer jugendlichen und gewinnenden Individualist machen ihn zum Oppositionsfuhrer sehr geeignet [..] Dessen ungeachtet lieB sich nicht verkennen , daB er ne- ben Sander27 das bedeutendste juristische Talent auf Seiten der Opposition war: seine bewahrte Advocatengeschicklichkeit, wenn er sie mit MaB anwandte, kam ihm da trefflich zu statten".28 Die Buhne des badischen Landtags stand auch dank Personlichkeiten wie Hecker im Fokus der politi­schen Offentlichkeit, sogar Metternich fand in der zweiten badischen Kammer „unleugbar die ausgepragtesten Demagogen Deutschlands".29

Hecker war an vorderster Front als es darum ging, das System Blittersdorf mit seinem antiliberalen Kurs zu bekampfen. Mit Elan, Entschlossenheit und einer typischen Mischung aus sachbezogener Argumentation, Aggresivitat und Ausdrucksfulle erhob Hecker Anklage gegen die ministerielle Politik der Zensurwillkur, der zivilen Bevormundung und der der „volksfeindlichen“ Beamtenherr- schaft. Im Gegensatz zu spateren Jahren konnte sich Hecker hier bei seiner Kritik der wohlwollenden Duldung von liberalen „KammergroBen“ sein.30 Seit den fruhen 1840er Jahren pla- dierte Hecker zudem fur die Einfuhrung eines allgemeinen und gleichen (Manner-) Wahlrechts, was er rhetorisch eindrucksvoll zu vermitteln wusste: „ Wenn der armere Burger gut genug ist, sein Blut fur das Gemeinwohl als Krieger zu verspritze, muss er auch gut genug sein, mitzureden bei den allgemeinen Landesangelegenheiten, denn Blut ist mehr als Geld, und nur da ist ein wahres Reprasentativsystem vorhanden, wo alle Burger an der Volksvertretung Teil nehmen."31

[...]


1 Hecker, Friedrich: Die Erhebung des Volkes in Baden fur die deutsche Republik im Fruhjahr 1848. Basel 1848.

2 Luck, Andreas: Friedrich Hecker. Rolle, Programm und politische Moglichkeiten eines Fuhrers der radikal­demokratischen Bewegung von 1847/48 in Baden, Inaugural-Dissertation, Freie Universitat Berlin 1979.

3 Real, Willy: Die Revolution in Baden 1848/49. Stuttgart 1983

4 Freitag, Sabine: Friedrich Hecker. Biographie eines Republikaners. (Transatlantische historische Studien, Band 10). Stuttgart 1998.

5 Real: Revolution in Baden, S.33.

6 Real: Revolution in Baden, S.33.

7 Luck: Hecker - Rolle, Programm und politische Moglichkeiten, S.18.

8 Real: Revolution in Baden, S.33.

9 Luck: Hecker - Rolle, Programm und politische Moglichkeiten, S.19.

10 Gemeint sind hierbei Personen wie Carl Welcker, Friedrich Bassermann, Alexander von Soiron Oder Karl Mathy.

11 Blum, Hans: Die Badische Revolution 1848-49. Uberschwang und Begeisterung, weltfremder Idealismus und kuhnes Wagen, Auszuge aus: Blum, Hans: Die deutsche Revolution 1848-49. Waldkirch 1981, S.16.

12 Real: Revolution in Baden, S.33.

13 Real: Revolution in Baden, S.33/34.

14 Real: Revolution in Baden, S:35.

15 Der Deutsche Zuschauer wurde in Mannheimvon Gustav Struve herausgegeben, der im spateren Verlauf der Arbeit als Weggefahrte Friedrich Heckers eine Rolle spielen wird. Die Seeblatter wurden von Joseph Fickler vertrieben, der als Person mit seiner Zeitung ebenfalls noch von gewisser Relevanz sein wird.

16 Luck: Hecker - Rolle, Programm und politische Moglichkeiten, S.22.

17 Real: Revolution in Baden, S.35.

18 Wien, Bernhard: Die Reden der Offenburger Versammlung 1847. Ein Treffen radikaler Liberaler, In: Die Ortenau: Zeitschrift des Historischen Vereins fur Mittelbaden 79 (1999), S.172.

19 Wien: Reden der Offenburger Versammlung, S.186.

20 Freitag: Hecker.- Biographie S.98.

21 Freitag: Hecker - Biographie, S.98f.

22 Freitag: Hecker - Biographie, S.99.

23 Real: Revolution in Baden, S.38.

24 Real: Revolution in Baden, S.39.

25 Hug, Wolfgang: Die Geschichte Badens. 2.Auflage. Darmstadt 2016, S.120.

26 Freitag: Hecker - Biographie, S.77.

27 Der radikalliberale Abgeordnete Adolf Sander gait als enger Freund Heckers in der badischen zweiten Kammer.

28 Hausser, Ludwig: Baden vorden Ereignissen von 1848, In: Die Gegenwart. (Band 2). Leipzig 1849, S.357.

29 Hochstuhl, Kurt: Friedrich Hecker. Revolutions und Demokrat. Stuttgart2011, S.33.

30 Luck: Hecker - Rolle, Programm und politische Moglichkeiten, S.16.

31 Hochstuhl: Hecker- Revolutions und Demokrat, S.32.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die radikaldemokratische Bewegung Badens und der Heckerzug
Untertitel
Chancen einer republikanischen Schilderhebung
Hochschule
Universität Stuttgart
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V426700
ISBN (eBook)
9783668710320
ISBN (Buch)
9783668710337
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewegung, badens, heckerzug, chancen, schilderhebung, landesgeschichte, revolution 1848, baden, friedrich hecker, radikaldemokratie, radikaldemokratisch, konstanz, hecker, paulskirche
Arbeit zitieren
Marco Römpp (Autor), 2016, Die radikaldemokratische Bewegung Badens und der Heckerzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426700

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