Luanda eine fragmentierte Stadt

Eine Analyse über die sozialräumliche Segregation der Hauptstadt Angolas


Bachelorarbeit, 2014
57 Seiten, Note: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Megastädte südlich der Sahara
2.1 Besonderheiten der Städte in Subsahara-Afrika
2.2 Fragmentierte Städte

3 Angola – Wachstum durch Erdöl

4 Luanda
4.1 Stadtgeschichte
4.2 Verstädterung und Bevölkerungsstruktur
4.3 Sozialräumliche Segregation
4.4 Ober- und Mittelschicht
4.4.1 Gated Communities
4.4.2 Luanda Sul
4.4.3 Kilamba Kiaxi
4.4.4 Baía de Luanda
4.4.5 Globaler bzw. Nationaler Central Business District
4.4.6 Chinesischer Einfluss in Luanda
4.4.7 Portugiesischer Einfluss in Luanda
4.5 Unterschicht
4.5.1 Musseques
4.5.2 Informeller Bodenmarkt
4.5.3 Lokale Zentren (Roque Santeiro und Panguila)
4.5.4 Die Bekämpfung der zungeiras und der informellen Ökonomie
4.5.5 Maßnahmen und Ziele der Armutsbekämpfung
4.5.6 One million Houses
4.5.7 Neusiedlungen des sozialen Wohnungsbaus
4.5.8 Zango
4.5.9 Stadtumbauprojekte

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

7 Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Karte Luanda

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Modell der tropisch afrikanischen Stadt

Abb. 2: Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts in Angola

Abb. 3: Bevölkerungsdichte Angolas

Abb. 4: Die Bevölkerungspyramide Angolas

Abb. 5: Karte Kreis Luanda und Umgebung

Abb. 6: Luandas Bevölkerungswachstum 1970 – 2010

Abb. 7: Foto Villenviertel in Luanda Sul

Abb. 8: Karte Luanda

Abb. 9: Foto von Kilamba Kiaxi

Abb.10: Die Sanierung der Baía de Luanda

Abb.11: CBDs in Luanda

Abb.12: Verteilung der verschiedenen Siedlungstypologien in Luanda

Abb.13: Foto Markt Roque Santeiro

Abb.14: Luftaufnahme Markt Roque Santeiro

Abb.15: Foto Markt Panguila I

Abb.16: Foto Markt Panguila II

Abb.17: Häuserblock in Zango

Abb.18: Modell des Stadtumbaus in Cazenga und Sambizanga

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Die größten Städte der Erde, 1975-2025

Tab. 2: Motive der Stadt-Land Wanderung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte Luanda (Google Maps 2014a)

Legende

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Angola erlebt seit dem Ende des Bürgerkriegs einen eminenten wirtschaftlichen Aufschwung. Triebfeder der Prosperität sind die reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen des Landes, allen voran das Erdöl, wodurch ein durchschnittlich zweistelliges wirtschaftliches Wachstum des BIPs im letzten Jahrzehnt erzielt werden konnte.

Die Hauptstadt ist Luanda, die den Status der demographischen und funktionalen Primatstellung in Angola einnimmt. Sie gilt weltweit als eine der teuersten Städte für die Entsendung ausländischer Mitarbeiter. Dies erscheint wunderlich gilt Angola doch als Entwicklungsland, in denen zwei Drittel der Bevölkerung von weniger als 2 US Dollar am Tag leben.

Zwangsläufig müssten also das Gros der angolanischen Bewohner Luandas grundsätzlich unterschiedliche Lebenshaltungskosten als ausländische Arbeiter und die einheimische Oberschicht haben, einer konträren Beschäftigung nachgehen und ein anderes Konsumverhalten aufweisen. Inwiefern dies zutrifft und zu einer sozialräumlichen Segregation führt, wird in der vorliegenden Bachelorarbeit analysiert.

Zunächst wird sich in Kapitel 2 mit den Besonderheiten der Städte Subsahra-Afrikas beschäftigt. Mit Blick auf Luanda wird auf die historischen und architektonischen Eigenarten Subsaharas, wie die Kolonialstadt, eingegangen, sowie der Trend der Verstädterung und Metroploisierung in der afrikanischen Region beleuchtet. Viele Phänomene der Stadtentwicklung lassen sich auch an anderen Städten der Subsahara erkennen. In Kapitel 3 gibt es einen kurzen Überblick über die Geschichte Angolas, die im Wesentlichen von der portugiesischen Kolonialisierung, dem darauf anschließenden Bürgerkrieg und den heutigen ökonomischen Boom geprägt ist. Kapitel 4 stellt den Hauptteil der Arbeit dar und beschäftigt sich mit der sozialräumlichen Segregation Luandas. Sukzessive werden die Stadtgeschichte, die Bevölkerungsstruktur und die sozialräumliche Segregation der Stadt thematisiert. Anschließend wird die Fragmentierung der Stadt in den Kapiteln 4.4, Ober- und Mittelschicht, und 4.5, Unterschicht, mittels einiger Beispiele untersucht. Die Einteilung in soziale Klassen- und Schichten ist bei einer gesamtstädtischen Maßstabsebene zur Untersuchung sozialräumlicher Segregation gängige Praxis der Stadtgeographie. Abschließend werden die Ergebnisse der Forschung im Resümee (Kap. 5) zusammengetragen. Anhand aktueller Bauprojekte wird dabei ein Ausblick auf die Stadtentwicklung gegeben.

2 Megacities südlich der Sahara

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Tab. 1 Die größten Städte der Erde, 1975 – 2025 (Bähr, Jürgens 2009: 42)

Subsahara-Afrika ist die am wenigsten verstädterte, dafür am schnellsten verstädternde Region der Erde (vgl. Gaebe 2004: 296). Ihre Verstädterungsquote liegt bei vergleichsweise geringen 40% (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 345). Auch die Betrachtung der größten Städte der Erde gibt ein kongruentes Bild wieder, in denen Megacities, wie Lagos und Kinshasha, aller Voraussicht nach erst 2025 zu den zwölf bevölkerungsreichsten Städten der Welt zählen werden (vgl. Tab 1). Die Mehrheit der Bevölkerung Subsaharas ist im ländlichen Raum angesiedelt und dort vorwiegend in der Landwirtschaft beschäftigt (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 298).

2.1 Besonderheiten der Städte in Subsahara-Arika

Es ist auffällig, dass häufig die Verstädterung nicht mit der Übernahme städtischer Lebensformen einhergeht. Man spricht von einer Ruralisierung. Einerseits wird der Kontakt zum heimatlichen Dorf auch nach einer Abwanderung in die Stadt aus ökonomischen und sozialen Gründen aufrechterhalten, oder es wechselt der Wohnstandort zwischen Stadt und Land gar in relativ regelmäßigen Abständen. Des Weiteren bietet die Landwirtschaft vielen Stadtbewohnern eine zusätzliche Überlebenssicherung.

Nicht unüblich ist, dass die Stadtbevölkerung beispielsweise eigene Felder auf dem Land bewirtschaftet bzw. bewirtschaften lässt und dessen Erträge in die Stadt überführt, oder in den randstädtischen Siedlungen auf kleinen Flächen Ackerbau und Viehzucht betreibt (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 298).

In Subsahara-Afrika klaffen Verstädterung und wirtschaftliches Wachstum meist noch weiter auseinander, als in anderen Entwicklungsregionen der Erde. Die Lebenssituation in den Städten kann als prekär bezeichnet werden, da längst nicht alle Bewohner in die städtische Wirtschaft integriert werden. Mehr noch: Nur hier gab es über einen so langen Zeitraum eine negative Korrelation zwischen Verstädterung und Pro-Kopf-Einkommen (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 298).

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Tab. 2 Motive der Stadt-Land-Wanderung (Brameier et al. 2009: 324)

Es gibt verschiedene Push- und Pull-Faktoren, die die Verstädterung entscheidend begünstigen (vgl. Tab. 2). Einige Besonderheiten der Subsahara werden nachfolgend ergänzt. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenDie persönliche Sicherheit ist auf dem Land teilweise weniger gewährleistet als in der Stadt. Diese war auch während der Bürgerkriege vergleichsweise sicher. Ebenfalls sind Naturkatastrophen nicht selten letzte Auslöser für ein Verlassen des ländlichen Raums (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 298f). Ersteres Beispiel ist auch ein entscheidendes Kriterium für die Verstädterung Luandas während des Bürgerkriegs.

Afrika südlich der Sahara verfügt über keine bedeutende autochthone Stadtkultur (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 345). Ein Gros der Städte ist während der Kolonialzeit, vor allem seit Mitte des 19. Jahrhunderts, entstanden und damit verhältnismäßig jung (vgl. Gaebe 2004: 296). Selbst dort, wo Ansätze einer städtischen Entwicklung in die „voreuropäische Zeit“ zurückreichen, wurden sie in der kolonialen Epoche entscheidend überprägt (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 298). Es lassen sich zwei Stadttypen erkennen, zwischen denen die meisten Städte liegen. Zum einen die alte afrikanische Stadt, die als Lokalmarkt oder Häuptlingssitz traditionelle Funktionen ausübte und zu denen, aufgrund der islamischen Expansion, auch die „islamisch-orientalische Stadt“ zählt. Zum anderen die im 19. oder beginnenden 20. Jh. gegründete Kolonialstadt, zu der sich auch Luanda zählen lässt (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 300).

Treten beide Stadttypen innerhalb derselben Stadt auf, spricht man von der „dualen Stadt“. Diese entwickelt sich zur „Hybridstadt“, wenn sich die räumliche Trennung zwischen den einzelnen Typen anfängt aufzulösen (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 300). Ein Sonderfall der Kolonialstadt ist die „europäische Stadt“. Diese wurde als Zentrum eines europäischen Siedlungsgebiets angelegt, in der eine dauerhafte Ansiedlung von Afrikanern ursprünglich nicht vorgesehen war. Auch die südafrikanische „Apartheid-Stadt“ lässt sich in diese Gruppe einordnen, in der die ethnische Segregation der Europäerstädte noch ins Extrem gesteigert wurde (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 345). Es bleibt festzuhalten, dass die Kolonialstadt der historische Typ der überwiegenden Städte Afrikas südlich der Sahara ist, selbst wenn die Erstanlage, wie in vielen Hafenstädten, älter ist (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 302).

2.2 Fragmentierte Städte

Eine auffällige Zweiteilung kennzeichnet die Kolonialstadt: Einerseits das Geschäftszentrum und die Wohnviertel der Europäer sowie andererseits die Wohngebiete der „kolonialen Zwischenschicht“ (Inder in Ost-, Levantiner in Westafrika) und der ansässigen oder zugewanderten afrikanischen Bevölkerung. Diese Grundstruktur ist in den meisten Städten bis heute sichtbar (Abb. 1). Die ehemaligen Wohnbereiche der Europäer, sowie der moderne Central Business District (CBD), der sich aus dem europäischen Geschäfts- und Verwaltungsviertel entwickelt hat, gestalten den zentralen Stadtteil. Davon räumlich distanziert, am Stadtrand liegend, befinden sich die zum Teil bereits zur Kolonialzeit planmäßig errichteten Townships aus Matchboxhäusern, später die in den 1970er- und 1980er Jahren kostengünstigeren Site-and-Service projects, oder Core-HousingSchemes (Parzellen mit individuellem oder gemeinschaftlichem Wasseranschluss bzw. Sanitärraum) sowie Squatter Settlements ohne jede Infrastrukureinrichtung (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 302). Zumeist lebt mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung in solchen Hüttensiedlungen. Darunter werden kleine lehmverputzte Hütten mit einem oder zwei Räumen und Wellblechdach verstanden (vgl. Gaebe 2004: 304).

Seit Ende der 1980er Jahre hat sich die Schere zwischen Wohnungsangebot und –nachfrage weiter geöffnet, und die Stadtplannung hat ihren Einfluss auf die Siedlungsentwicklung nahezu gänzlich verloren (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 303). Eigentums- und Nutzungsrechte über das Land an der Peripherie der Städte sind kompliziert und oftmals ungeregelt und erleichtern informelle Siedlungserweiterungen. Daher hängt das Ausmaß von Squatting und informeller Bebauung im Wesentlichen davon ab, inwieweit die Behörden dies dulden. Falls die Gefahr der Vertreibung gering ist, wie in Luanda, werden große Anstrengungen unternommen, die Wohnbedingungen mittels Selbsthilfe zu verbessern (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 303f). Ist jedoch die Kontrolle über Grund und Boden größer und befindet sich gleichzeitig nur wenig Land in Regierungsbesitz, läuft der Stadterweiterungsprozess allenfalls in reduzierter Form ab. Infolgedessen ist das Stadtwachstum vergleichsweise übermäßig begrenzt. Allerdings kann es stattdessen zu teilweise außergewöhnlichen Verdichtungen in bereits bebauten Gebieten und dem damit einhergehendem Verfall und der Überlastung der Infrastruktur kommen (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 304).

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Abb. 1: Modell der tropisch afrikanischen Stadt (Bähr, Jürgens 2009: 308

Bisher fehlen wissenschaftliche Untersuchungen über die jüngere Entwicklung in Vierteln der Oberschicht. Sicher ist nur, dass deren Lage innerhalb der Stadt in aller Regel bereits auf die Kolonialzeit zurückgeht und sich diese Plätze nach der Unabhängigkeit zu Wohngebieten der neuen Eliten gewandelt haben. Steigende Kriminalität und sich verschärfende soziale Disparitäten führen dazu, dass sich die Wohlhabenden verstärkt in ihren Häusern abschotten und diese hinter hohen Mauern verbergen. Diese Entwicklung wirft die Vermutung auf, dass auch im subsaharischen Afrika gated communities im Vormarsch sind (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 305f).

Das Stadtzentrum trägt ebenfalls zum Bild der fragmentierten Stadt bei. Es lässt sich in „globale“ und „lokale“ Bereiche unterteilen. Neben dem Verwaltungs- und Geschäftsviertel gibt es für gewöhnlich ein sekundäres Geschäftszentrum, das durch ein niedrigeres Preisniveau und ein dem einfachen Bedarf dienendes Angebot gekennzeichnet ist. Der zunehmende Einfluss der Globalisierung verstärkt die Tendenz zur Aufspaltung des CBDs bzw. des städtischen Kerns (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 306). .

Laut R. Stren und M. Halfani führt die Globalisierung außerdem zu einer Verschärfung der städtischen Krise, die mindestens drei Ebenen aufweist: die Beschäftigungskrise (hohe Zuwanderung bei gleichzeitiger Entlassung von Arbeitnehmern), die Krise städtischer Infrastruktur und öffentlicher Basisdienstleistungen (Wasserver- und – entsorgung, Müllbeseitigung, Öffentlicher Personennahverkehr ÖPNV) sowie die Krise der gebauten und natürlichen Umwelt (Ausdehnung von Hüttenvierteln und baulicher Verfall, Luft- und Wasserverschmutzung). Darüber hinaus charakterisieren „Informalisierung“ und „Marginalisierung“ die Städte Afrikas südlich der Sahara (vgl. Bähr, Jürgens 2009: 299). Die sozialen Disparitäten und der informelle Arbeits- und Wohnungsmarkt nehmen weiterhin zu. Dabei sind die informellen Tätigkeiten von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung. Dennoch werden diese oftmals trotz des Mangels an Alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten illegalisiert (vgl. Gaebe 2004: 308).

3 Angola – Wachstum durch Erdöl

Vergleichsweise spät hat die Entkolonialisierung Afrikas die portugiesischen Kolonien erreicht. Erst 1975 konnte sich Angola, im Zuge der Nelkenrevolution die die Diktatur Portugals zum Einsturz brachte, von seinen europäischen Kolonialherren befreien und seine Unabhängigkeit ausrufen (vgl. Berger 2014b). Allerdings verliefen die ersten Jahrzehnte der Souveränität Angolas alles andere als reibunglos. Politisch uneins und zerstritten standen sich die Parteien der Frente Nacional de Libertação Angola (FNLA), Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) und die União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA) gegenüber. Der Kampf um die Führungsposition des neu gegründeten Staates mündete in einen fast 30-jährigen Bürgerkrieg (1975 – 2002), der mit der Ermordung des UNITA-Führers Jonas Savimbi durch Regierungstruppen der MPLA sein jähes Ende fand (vgl. Bertelsmann Stiftung 2014: 4).

Der Krieg hinterließ das Land in einem desaströsen Zustand: Es kamen über eine Millionen Menschen ums Leben. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen im eigenen Land oder emigrierte ins Ausland, von denen allerdings der Großteil nach Angola zurückkehren sollte (vgl. Berger 2014b). Ein misanthropisches Erbe des langanhaltenden Unabhängigkeits- und Bürgerkriegs sind die Landminen, die etwa ein Fünftel des Landes kontaminierten (vgl. Landmine and Cluster Munition Monitor 2008). Die überwiegende Mehrheit wurde rund um die Dörfer und Städte verlegt (vgl. The Halo Trust). Außerdem wurden sie auf Straßen und Brücken verteilt, mit dem Ziel die Infrastruktur zu schwächen. Eigentlich soll die Position der Minen nach internationaler Rechtslage bei der Verlegung registriert werden, dem kamen aber die verschiedenen Parteien die mehr als vierzig verschiedene Arten von Landminen auslegten, nicht nach (vgl. Landmine and Cluster Munition Monitor 2008). Die Folgen des Minenproblems: Die Destabilisierung des Landes, eine terrorisierte Bevölkerung, Landflucht, eine massiv geschwächte Agrarwirtschaft sowie geschätzte 40.000 Opfer mit und ohne Todesfolge (vgl. Berger 2014b).

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Abb. 2: Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts in Angola (World Bank 2014)

Laut dem Auswärtigen Amt, besaß Angola in den zehn Jahren nach der Beilegung der kriegerischen Konflikte im Jahr 2002 unter allen Volkswirtschaften der Welt das stärkste Wirtschaftswachstum (vgl. Auswärtiges Amt). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs zeitweise um über 20% jährlich (vgl. World Bank). Den rasanten Anstieg hat Angola im Wesentlichen den im großen Ausmaß vorhandenen natürlichen Ressourcen zu verdanken. Hier sind vor allem Diamanten, Mineralien, Landwirtschaft und Fischerei zu nennen, wobei unbestritten Erdöl der Motor der ökonomischen Entwicklung ist (vgl. Berger 2014c). Schätzungen gehen davon aus, dass der Ölsektor 45 Prozent des BIPs, 75 Prozent der Staatseinnahmen und 90 Prozent der Exporte Angolas ausmacht. Andere Berechnungen ergeben sogar noch höhere Prozentsätze (vgl. Berger 2014c; vgl. Berié et al. 2013: 34). Der vom Weltmarkt bestimmte Ölpreis ist inkonstant und lässt sich daher nicht zuverlässig vorhersehen. Welche Folgen das für eine Volkswirtschaft, deren Wachstumsraten maßgeblich vom Erdöl abhängig sind, haben kann, hat nicht zuletzt die Finanzkrise 2009 aufgedeckt, infolgedessen der sinkende Ölpreis zu einem drastisch reduzierten Wachstum des BIPs geführt hat (vgl. Abb. 2). Daher kann Angolas Reichtum an Bodenschätzen auch als „Ressourcenfluch“ bezeichnet werden (vgl. Berger 2014c).

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Abb. 3: Bevölkerungsdichte Angolas (WorldMAP 2008)

Um der Abhängigkeit vom Erdöl zu entkommen werden Bestrebungen unternommen, das Land wirtschaftlich zu diversifizieren. Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem vom Staat unterstützten Bausektor, der die im Bürgerkrieg zerstörte Infrastruktur wieder auf- bzw. ausbauen soll. Darüber hinaus wird die weitere Expansion des Bergbaus angestrebt, um die noch unerschlossenen Mineralvorkommen zu fördern (vgl. Berié et al. 2013: 34). Die Räumung von Landminen, staatliche Reformen und gestiegene Investitionen sollten ebenfalls dafür Sorge tragen, die seit Beginn des Bürgerkriegs schleppende Agrarwirtschaft anzukurbeln (vgl. Hackenbroch 2013: 3).

Subsahara-Afrika verzeichnet weltweit den höchsten Bevölkerungszuwachs (vgl. Sippel et al. 2011: 6). Auch Angola bildet für die Region keine Ausnahme. Umfasste die Bevölkerung 1980 noch weniger als acht Millionen, liegt sie 2014 bei mehr als neunzehn Millionen. Das Wachstum ist nach wie vor ungebrochen (vgl. Index Mundi; vgl. The World Factbook). Aller Voraussicht nach, wird die Population Angolas 2050 dreißig Millionen Einwohner zählen. Etwa 60 Prozent der Menschen leben in den Städten, damit ist die Urbanisierungsquote des Landes deutlich höher als der Durchschnittswert der Region (s. Kap. 2.5). Ein Grund für die relativ hohe Verstädterung ist der Bürgerkrieg, in dem viele in den relativ sicheren Städten nach Zuflucht suchten (vgl. Berger 2014a).

Die bei Weitem höchste Bevölkerungskonzentration weist Luanda auf, während die Ostprovinzen teilweise wie unbewohnt sind (vgl. Abb. 3). Angolas Altersstruktur ist extrem jung - mehr als 40% der Menschen liegen zwischen 0 und 14 Jahren. Folgerichtig ist die Altersstruktur pyramidenförmig (vgl. Abb. 4) (vgl. The World Factbook).

Die Regierung, dessen Staatspräsident José Eduardo dos Santos seit 1979 im Amt ist und die von der Mehrheitspartei MPLA gestellt wird, versucht verstärkt Angola vor Auslandsexporten zu schützen. Derzeit kommt Angola auf eine deutlich positive Handelsbilanz. Mit dem Erlass einer neuen Zollverordnung, die eine erhebliche Erhöhung der Einfuhrzölle auf ein Gros der Produkte mit sich bringt, sollte dieser Trend vorerst beibehalten werden können (vgl. Auswärtiges Amt 2014). Mit Abstand größter Handelspartner im Export ist China, aber auch die Ausfuhr von Gütern und Rohstoffen in die USA, Indien und Südafrika sind erwähnenswert. Importierte Waren stammen meist aus China, Portugal, den USA, Südafrika sowie Brasilien (vgl. The World Factbook).

Das BIP pro Kopf liegt mit 6105,40 $ deutlich über dem Durchschnitt der afrikanischen Länder südlich der Sahara (vgl. Bertelsmann Stiftung 2014: 2). Nichtsdestotrotz verdeutlicht ihr 148. Rang von insgesamt 182 Ländern im Human Development Index (HDI) dass sich das Land nach wie vor zu den LDCs zählen lassen muss. Der Wohlstand Angolas ist sehr ungleich verteilt. In den urbanen Räumen reihen sich informelle Marginalsiedlungen an Luxusvillen und die Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten wird immer größer. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt von unter 2 Dollar am Tag. Während auf dem Land weitestgehend Subsistenzwirtschaft betrieben wird, findet die Majorität der Stadtbewohner nur im unsicheren, informellen Sektor Arbeit. Vom beschriebenen Wirtschaftsboom Angolas profitiert nach wie vor zuallererst eine kleine, politisch verbundene Elite, dennoch ist in den Städten auch die Bildung einer kleinen, aufstrebenden und oftmals jungen Mittelschicht zu beobachten, deren Mitglieder eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst, der Ölindustrie oder im wachsenden Bankensektor finden (vgl. Bertelsmann Stiftung 2014: 17f).

Mangelnde Transparenz und Korruption sind keine Seltenheit und verstärken die sozialen Disparitäten und den Nepotismus im Land zusätzlich. Angola nimmt im Korruptionswahrnehmungsindex Platz 153 ein (vgl. Transparency International). Eine Vielzahl von Korruptionsaffären hochrangiger Politiker und Militärangehöriger führte noch nicht dazu sich dem Problem angemessen zu widmen. Ebenso lässt die Transparenz der Haushaltausgaben, deren Budget größtenteils vom Staatsunternehmen Sonangol stammt, Raum für Verbesserung. Das beweist nicht zuletzt der Open Budget Index, der die Haushaltsoffenlegung untersucht und in dem Angola schwache 28 von 100 möglichen Punkten erreicht (vgl. Berger 2014c).

Die sozialen Missstände hat auch die Regierung erkannt und bewirbt sie als eines der primären Ziele zu bekämpfen, wie folgender Wahlkampfslogan der MPLA aus dem Jahr 2012 aufzeigt:

“Angola a crescer mais e a distribuir melhor”[1] (MPLA 2012: 1)

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die MPLA gewillt ist ihrem Versprechen Taten folgen zu lassen. Immerhin galt es im Wahlkampfjahr Stimmen zu fangen und auf die wachsende Unzufriedenheit sowie Proteste gegen Armut und Korruption zu reagieren (vgl. Berié et al. 2013: 33f; Berger 2014b).

4 Luanda

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Abb. 5: Karte Kreis Luanda und Umgebung (Google Maps 2014b)

2009 sorgte eine Studie des Beratungsunternehmens ECA International für mediales Aufsehen. Ihr Index zu den Lebenshaltungskosten für Ausländer in Städten platzierte Luanda auf den ersten Platz des Rankings und stufte damit erstmals eine Stadt Subsahara-Afrikas als teuerste der Welt ein (vgl. Osterloh 2009). Seitdem haben sich die Kosten in der Hauptstadt nicht wesentlich verändert, sodass Luanda 2013, sowohl im Mercer´s Rating, als auch im ECA International Index, den ersten bzw. den zweiten Platz vertritt (vgl. ECA International 2013; Mercer 2013). Dies ist wenig verwunderlich, betrachtet man die herausragende Stellung, die Luanda in Angola einnimmt. Luandas Bevölkerung beträgt in etwa fünf Millionen (vgl. INE; The World Factbook). Somit ist ein Viertel der Population Angolas in der Hauptstadt beheimatet, was ihr den Status einer demographischen Primatstellung verleiht. Darüber hinaus ist auch eine Überkonzentration an politisch-administrativen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturell-wissenschaftlichen Funktionen, die sog. funktionale Primatstellung, in Luanda erkennbar. Diese Hyperurbanisierung ist in besonderem Maße für Entwicklungsländer charakteristisch (vgl. Heineberg 2014: 29, 39).

4.1 Stadtgeschichte

Vor dem Eintreffen der Portugiesen in Angola war die Region, in der heute Luanda liegt, Teil des Ngola Königreichs. Das Gebiet war bekannt für das Vorkommen von Zimbos, einer Muschelart, die damals als Währung diente (vgl. Cardoso 1954). 1575 erreichte der portugiesische Adelige und Seefahrer Paulo Dias de Novais zusammen mit seiner Mannschaft die Ilha do Cabo (Kap-Insel), die auch als Ilha de Luanda bekannt ist, wo er auf die recht große, einheimische Bevölkerung stieß[2]. Schnell befand er die Halbinsel als nicht sonderlich geeignet, um als bedeutende Kolonialstadt Portugals zu fungieren (vgl. CACLa). Daraufhin gründete er am 25. Januar 1976 auf dem naheliegenden Festland das Dorf São Paulo de Loanda[3]. Die Lage erschien geeignet, bot sie doch einen ansprechenden Naturhafen und sauberes Trinkwasser. Ferner erfährt die Bucht durch die Ilha de Luanda sowie den morro de São Miguel entsprechenden Schutz. Der erste Sitz der Regierung, die Festung São Miguel, sowie weitere Militäranlagen wurden auf dem Hügel São Miguels errichtet. Der Ort expandierte in Richtung der “Cidade Alta”, in dessen Einzugsgebiet administrative und religiöse Einrichtungen, wie das Rathaus, das Gericht, ein Jesuiteninternat und mehrere Kirchen und Klöster, errichtet wurden. Die Soldaten und Sklavenhändler siedelten sich in der “Cidade Baixa”, im heutigen Coqueiros an (vgl. Hélder 2006)[4].

Die ersten Siedler Luandas, die Anfang des 17. Jahrhunderts gerade einmal geschätzte vierhundert Menschen umfassten, waren nahezu ausnahmslos portugiesischer Abstammung. Sie gelangten, aufgrund des florierenden Sklavenhandels, zu beträchtlichem Wohlstand (vgl. Cardoso 1954). Seit 1627 ist Luanda das administrative Zentrum Angolas (vgl. ANGOP 2011). Allerdings manifestierte sich Luandas Reichtum nur in wenige amtliche und kirchliche Bauten. Von 1641 bis 1648 besetzten die Niederlande das Land. Sie hinterließen Luanda eine dezimierte Bevölkerung, sowie eine weitestgehend zerstörte Stadt (vgl. Cardoso 1954). Die vom Kolonialkonflikt gebeutelte Stadt konnte sich im Verlauf nur langsam erholen, sodass sie sich trotz hervorragender landwirtschaftlicher und wirtschaftlicher Bedingungen kaum entwickelte. Die Industrie war praktisch inexistent und das Bildungssystem wenig ausgereift.

Luanda war ein Handels- und Umschlagsort im Kolonialhandel und beschränkte sich ansonsten auf militärische und administrative Aufgaben (vgl. Cardoso 1954; Gaebe 2004: 296). Mit Beginn des Estado Novo wurde Luanda von den Portugiesen ebenfalls als Straflager genutzt. Zahlreiche Sträflinge und politische Gegner der Diktatur Salazars gerieten so nach Angola (vgl. Pélissier 1986: 42).

Luanda wurde vom Modell der Kolonialstadt beeinflusst. Die deutliche Trennung des Raumes, vor allem in Bezug auf Wohnungen und Dienstleistungen, wurde besonders ab 1920 intensiviert. Das urbane Zentrum wurde von den Europäern vereinnahmt, in denen sich administrative- und Dienstleistungseinrichtungen befanden. Die einheimische Bevölkerung, wie auch die aus dem ländlichen Bereich zugezogene Population lebten in den städtischen Randbezirken, wo öffentliche Einrichtungen und Asphalt fehlten. Zur Arbeit gingen sie aber im, den Europäerviertel anliegenden, CBD bzw. in den zentralen Orten.[5] Mit der Unabhängigkeit Angolas und dem damit einhergehenden Exodus der Portugiesen aus Afrika wurden die leerstehenden Häuser und verlassenen Viertel alsbald von einer Masse an Menschen besetzt, denen es nun (verstärkt) möglich wurde, am urbanen Leben teilzuhaben (vgl. Rodrigues 2006: 44).

Der enorme Andrang in die Stadt war für Luanda kaum zu bewerkstelligen, sodass ein exponentieller Anstieg der musseques die Folge war. In einigen zentralen Orten, in denen einst nur die Elite beheimatet war, entstanden zudem prekäre Bauten, in denen eine wenig wohlhabende Bevölkerung untergebracht wurde (vgl. Rodrigues 2006: 45).

Luanda ist Sitz eines eigenen Kreises. Dieser umfasst die folgenden dreizehn Gemeinden: Barra do Cuanza, Benfica, Camama, Futungo de Belas, Ingombota, Kilamba, Kilamba Kiaxi, Maianga, Massulo, Ramiros, Rangel, Samba und Sambizanga (vgl. INE 2014).

4.2 Verstädterung und Bevölkerungsstruktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Luandas Bevölkerungswachstum von 1970 – 2010 (Brinkhoff)

Insbesondere seit Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt Luanda ein außergewöhnliches Bevölkerungswachstum. Die Stadt zählte 1970 noch etwa 400.000 Einwohner. Heute, gute vierzig Jahre später, ist die Bevölkerungszahl auf mehr als fünf Millionen gestiegen (vgl. Abb. 6)[6]. Das rasante Wachstum der Hauptstadt ist vor allem auf den Unabhängigkeitskrieg sowie den Bürgerkrieg zurückzuführen, in denen sich die Menschen im relativ sicheren Luanda ansiedelten (vgl. Washington Post). Jedoch auch nach Ende der kriegerischen Konflikte riss der Bevölkerungsstrom nicht ab. Durch ihre Stellung als functional primacy Angolas ist sie weiterhin der hauptsächliche Anlaufpunkt für Auswanderer. Nicht nur für Angolaner, die auf der Suche nach Bildung, Arbeitsplätzen und dem Traum vom städtischen Leben ihr Glück in der Hauptstadt wähnen, sondern auch für ausländische Investoren und Multinationale Unternehmen (MNU) - hier sind allen voran portugiesische und chinesische Firmen zu nennen - nimmt die Attraktivität des Standorts Luanda weiterhin zu (vgl. Endruschat 2008: 83f; vgl.Washington Post).

4.3 Sozialräumliche Segregation

Man versteht unter Segregation in der Stadtgeographie das Ausmaß der ungleichen Verteilung oder Trennung von Bevölkerungsgruppen in der Stadt. Sie entsteht im Wesentlichen durch die getrennte Niederlassung verschiedener Gruppen an unterschiedlichen Orten, aber ebenfalls durch Entmischungsprozesse, infolge spezifischer, vor allem innerstädtischer Wanderbewegungen. Ergo ist der Terminus sowohl als (statisches) Merkmal als auch als Prozess zu verstehen (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 177).

Die soziale Distanz zwischen Menschen wird in einer räumlichen Distanz reflektiert. Die Intensität der Segregation ist umso höher, je größer die Statusdifferenz bezüglich des Einkommens und Bildungsgrades zwischen den Sozialgruppen, je höher der Anteil der Minorität an der Gesamtbevölkerung und je größer die Gesamtbevölkerung ist (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 185). Das Maß der Segregation ist abhängig von der gesellschaftlichen Stratifizierung, von der gesellschaftlichen Vorstellung über die Sozialschichten, vom Bodenmarkt, der Wohnungswirtschaft und der Stadtplanung (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 186).

Der sozialräumlichen Segregation entsprechend, lässt sich die Stadt in verschiedene Fragmente einteilen. Ein Beispiel dafür, welches für die Metropolen der Entwicklungsländer wie Luanda gilt, sind globalisierte Orte. Hierbei stellen Bürohauskomplexe und Villenviertel den Aktionsraum der Globalisierungsgewinner, die Elendsviertel den Siedlungsraum der Globalisierungsverlierer dar (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 190).

Die sozialräumliche Ungleichheit Luandas findet in in der Separierung zwischen infrastrukturell gut erschlossenen „town of cement“ und den Marginalsiedlungen der Randbezirke, welche in Angola besser bekannt als musseques sind, ihre Entsprechung[7]. Dies ist die gängigste Disposition zu Luanda und stellt den bipolaren Charakter der Stadt in den Vordergrund . In der Regel sind die musseques vom städtischen Fortschritt nahezu ausgeschlossen, sind nicht asphaltiert und von cuabatas (Hüttensiedlungen) überprägt. Entsprechend werden diese von der unterprivilegierten Bevölkerung beheimatet (vgl. Rodrigues 2006: 43-46).

Nach dem Ende der Kolonialzeit war die wirtschaftliche und soziale Ideologie, Gleichheit zu fördern. Erklärtes Ziel war die sozialräumliche Segregation der Bevölkerung zu minimieren und den Zugang zu zentralen Orten, unabhängig von den ökonomischen, sozialen und politischen Umfeld eines Menschen, allen Bürgern zu ermöglichen (Rodrigues 2006: 45). Es ist allzu offensichtlich, dass die Umsetzung des Plans, die Segregation abzubauen, bislang gescheitert ist. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die Möglichkeit des Staates bei der städtischen Planung effektiv einzuwirken, limitiert ist. Dies liegt sowohl an den ineffizienten Strukturen des Verwaltungsapparats selbst, als auch an den sich schnell ändernden politischen, sozialökonomischen und bevölkerungstechnischen Verhältnissen (vgl. Rodrigues 2006: 45f). Nichtsdestotrotz gibt es Schnittpunkte oder gar gemischte Gebiete, in denen asphaltierten Räume und musseques aufeinandertreffen. Vorwiegend sind diese an den jeweilig angrenzenden Vierteln lokalisiert. Doch auch innerhalb der asphaltierten Stadtteile, respektive musseques, bilden sich zuweilen kleine Inseln vom jeweils anderen Stadttypus heraus (vgl. Rodrigues 2006: 47).

Nachfolgend wird in den Kapiteln 4.4, Ober- und Mittelschicht, und 4.5, Unterschicht, die sozialräumliche Segregation Luandas anhand von einigen Beispielen analysiert. Diese Einteilung ergibt sich als sinnvoll, da auf einer gesamtstädtischen Maßstabsebene die Untersuchung mit konventionellen Sozialdaten, Klassen- und Schichtenmerkmalen nach wie vor gängige Praxis ist und als aussagekräftige Analysemethode gilt (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 189).

4.4 Ober- und Mittelschicht

Die sozialen Disparitäten der Hauptstadt führen vermehrt zu Unzufriedenheit. In Ermangelung an Perspektiven, der Armutsspirale zu entkommen, wächst die Kriminalität in Luanda an (vgl. Rodrigues 2006: 47f). Vor den steigenden Verbrechen und Überfällen, versucht sich speziell die Oberschicht in den neu entstehenden gated communities zu schützen (vgl. Rodrigues 2006: 44f). Ausdruck des Unmutes, verliehen die von Jugendlichen, sowie Kriegsveteranen im Vorfeld der Wahlen von 2012, organisierten Proteste. Sie forderten die Umsetzung der von der MPLA propagierten Umverteilung und demonstrierten gegen Armut, Korruption, sowie das Ende der Herrschaft von Präsident dos Santos (vgl. Croese 2012: 6; Berger 2014b).

4.4.1 Gated Communities

Gated communities stellt eine Form der Segregation dar. Unter dem Terminus werden ummauerte und gesicherte Wohnviertel der Ober- und Mittelschicht verstanden (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 376; vgl. Bähr, Jürgens 2009: 37). Es sind „Wohnquartiere mit mindestens zwei voneinander getrennten Wohnungen oder Häusern, die über eine gemeinsame Infrastruktur verfügen und die von einem Zaun oder einer Mauer eingefriedet und vom öffentlichen Raum durch ein Tor oder eine Schranke abgeschlossen sind“ (Borsdorf, Bender 2010: 376).

Geschlossene und bewachte Gemeinden existieren in Luanda seit der Ansiedlung von ausländischen Firmen und/oder Institutionen, die sich durch hohe Mauern, Palisaden und privaten Sicherheitsdiensten auszeichneten. Beispielhaft sind hier kubanische Einrichtungen in den frühen 1980ern, die UNO in den 1990ern, sowie Öl- und Bauunternehmen in den letzten Jahrzehnten zu nennen. Durch die Abspaltung vom öffentlichen Raum distanzieren, isolieren und schützen sich die Bewohner der „sozialen Enklaven“ gleichermaßen. Begründet wird die Separierung durch die steigende Gewalt und Kriminalität (vgl. Power 2012: 1007). Damit einher geht der Anstieg von Alarmanlagen und Sicherheitsdiensten, die in einkommensstarken Familien und der Mehrheit von ausländischen und/oder großen Firmen zum Einsatz kommen. Die sozialökonomischen Unterschiede werden somit in der räumlichen Fragmentierung erkennbar und verdeutlichen die tiefe Kluft zwischen den verschieden sozialen Schichten (vgl. Rodrigues 2006: 50f).

Nicht selten entstehen closed communities in den alten Kolonialvierteln, wie Alvalade, Miramar oder Cruzeiro, was zur positiven Folge hat, dass diese aufgewertet und renoviert werden (vgl. Power 2012: 1007).

4.4.2 Luanda Sul

Luanda Sul ist ein neu-erbautes Viertel im Süden der Hauptstadt. Das selbst finanzierte Infrastrukturprogramm begann 1995 und hat innerhalb von zwei Jahrzehnten ein zentrales und modernes Stadtviertel mit einer Fläche von 10.000 Hektar sprichwörtlich, aus dem Boden gestampft (vgl. Power 2012: 1006). Im Jahr 2000 erhielt das öffentlich-private Joint Venture den Award for Best Practices in Improving the Living Environment. Der Preis, der von der municipality of Duban und den UN-Habitat vergeben wird, zeichnet alle zwei Jahre

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Abb. 7: Foto Villenviertel in Luanda Sul (Wikimapia2)

herausragende Beiträge zur Verbesserung des Lebensumfelds aus. Bis dato hatte man innerhalb kürzester Zeit 800ha Land städtisch erschlossen. Es wurden 70km Wasser-, 121 km Stromleitungen und drei Kläranlagen gebaut, sowie 4.000 Arbeitsplätze geschaffen (vgl. Dubai Award).

In einer Hauptstadt in der mehr als die Hälfte der Menschen aufgrund des fehlenden Wassersystems auf private Tankwagen angewiesen sind, das Abwasser bei vorhandener Kanalisation ins Meer oder Fluss abgeleitet wird und auch die Stromversorgung unzureichend ist, kann das Projekt im Hinblick auf den Aufbau der Infrastruktur als Erfolg gewertet werden (vgl. IRIN 2007). Auch in den letzten Jahren wurde viel in Luanda Sul investiert. So sind neue Straßen, Hotels, Sport- und Freizeitanlagen, Kongresszentren, Luxuseinzelhandelsflächen, exklusive Eigentumswohnungen sowie Angolas erstes Einkaufszentrum „Belas Shopping-Center“, errichtet worden (vgl. Power 2012: 1007).

Die Initiative schlug ein neues Stadtkonzept für Luanda vor, dass der „three cities“. Neben dem Zentrum und den musseques sollte Luanda Sul als drittes Element die Stadt entscheidend prägen. Die Landesregierung erhofft sich von der öffentlich-privaten Partnerschaft der Wohnungsknappheit entgegenwirken zu können. Sie generiert außerdem Einnahmen durch den Verkauf von Landtiteln an private Unternehmen, sowie durch die Erhebung von Steuern und Zöllen, die sie für die Anhäufung von Fonds für soziale Investitionen verwendet. Allerdings gab und gibt es beim Wohnungsbau, aufgrund der oftmals unklaren Landtitel und Nutzungsrechte, eine beträchtliche Anzahl von Konflikten, da in einigen Teilen des Viertels Häuser und Hütten illegal errichtet worden sind. Außer einigen, die ihre Häuser bzw. ihr Grundstück veräußern konnten, haben von der geringverdienenden Einkommensgruppe wenige von dem Programm profitiert (vgl. Power 2012: 1007).

Von den, im Jahr 2000 einigen tausend Familien umfassenden Bewohnern des Bezirks, waren 75% der Menschen Angehörige der hohen und 23% der mittleren Einkommensgruppe (vgl. Jenkins et al. 2002: 146). Dem eigenen Anspruch, mit dem Projekt Wohnraum für die Kriegsflüchtlinge zu schaffen und damit das Zusammenleben von unterschiedlichen sozialen Schichten zu ermöglichen, sind sie nicht nachgekommen (vgl. ICLEI). Im Gegenteil: Die Region gilt als „enclave dos ricos“ - eine Art Insel der Reichen - in einer von Armutsvierteln geprägten Stadt (vgl. Folha de S. Paulo 2010). Der Anteil an gated commuities in Luanda Sul ist folgerichtig signifikant (vgl. Power 2012: 1007).

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Abb. 8: Karte Luanda (Power 2012:1006)

4.4.3 Kilamba Kiaxi

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Abb. 9: Foto von Kilamba Kiaxi (Martha 2011)

Kilamba Kiaxi[8] ist eine neu gegründete Stadt des ebenfalls neu entstandenen Kreises Belas. Sie liegt ungefähr 20km südlich der Hauptstadt Angolas in der Provinz Luanda (s. Abb. 9). Am 11. Juli 2011 wurde die Satellitenstadt[9] offiziell eröffnet (vgl. ANGOP 2011b). Von der Infrastruktur her steht Kilamba Kiaxi Luanda Sul in nichts nach. Zwei Kraftwerke, eine Kläranlage, zahlreiche Schulen und Kindergärten, sowie Sport- und Freizeitanlagen, vermitteln den Eindruck einer modernen Stadt (vgl. Jansson 2010: 55). Auf einer Fläche von 5.000 Hektar sollen einmal eine halbe Million Menschen beheimatet werden. Im Jahr 2012, vier Jahre nach Baubeginn, waren bereits 750 acht-stöckige Gebäude, ein Dutzend Schulen und mehr als 100 Einzelhandelsgeschäfte schlüsselfertig (vgl. Redvers 2012).

Kilamba Kiaxi, auch bekannt als Cidade do Kilamba und Nova Vida, ist die größte von mehreren neuen „Satellitenstädten“, die von chinesischen Firmen in Angola gebaut werden, sowie eines der größten Neubauprojekte auf dem Kontinent. Die Stadt ist das Aushängeschild der Wiederaufbaubemühungen der Regierung, konzipiert um den prekären Wohnverhältnissen Luandas zu entgegnen und die Hauptstadt zu entlasten (vgl. Redvers 2012). Adressat des Bauprojekts ist die Mittelschicht (vgl. Croese 2013: 5). Präsident dos Santos scheint sich der Dimension des Baus bewusst, denn bislang wurden 3,5 Milliarden US $ investiert (vgl. Redvers 2012). So ist er darauf bedacht, die Errichtung der Satellitenstadt positiv zu konnotieren:

"É o maior projecto habitacional jamais construído em Angola e constitui, à escala global, um profundo exemplo da política social levada a cabo no país para resolver o défice habitacional." [10] (Portal Cidadão 2011)

Dabei sehen nicht wenige „Nova Vida“, das Neue Leben, in mehrfacher Hinsicht als gescheitert an. Hauptkritikpunkt ist, dass an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei gebaut wurde. Die Wohnungen wurden für eine Mittelschicht konstruiert, die erstens, kaum existent ist und zweitens, bereits ein eigenes Haus besitzt (vgl. Croese 2013: 5). Die Appartements können für einen Betrag von 120.000 bis 200.000 US Dollar erworben werden. Für geschätzte zwei Drittel der Angolaner, die von weniger als zwei Dollar pro Tag leben, bleibt ein Umzug nach Kilamba Kiaxi somit bloße Utopie (vgl. Redvers 2012). So verwundert es kaum, dass von den ersten verfügbaren 2.800 Wohnungen lediglich 220 verkauft wurden (vgl. Redvers 2012). Nicht nur in den Medien festigt sich daher der Eindruck, Kilamba Kiaxi sei zu einer Geisterstadt verkommen (vgl. Redvers 2012; vgl. Daily News 2012).

Kilamba Kiaxi fällt, wie viele andere zu großen Teilen mit öffentlichen Geldern finanzierte nationale Projekte zum Wiederaufbau des Landes, durch mangelnde Transparenz auf, was immer wieder zu Korruptionsvorwürfen führt (vgl. Croese 2013: 5). Darüber hinaus enthüllte der Journalist und Menschenrechtsaktivist Rafael Marques de Morais 2011 die illegalen Verstrickungen zwischen Wirtschaft und Politik. Die Gesellschafter von Delta Imobiliária, die exklusiv mit dem Verkauf der Apartments beauftragt wurden, sind hochrangige Politiker sowie der CEO des staatlichen Ölunternehmens Sonangol. Der Immobilienagentur wird vorgeworfen, den Preis der Wohnungen künstlich in die Höhe zu treiben. Statt den von Präsident dos Santos proklamierten Höchstpreis für staatlich finanzierten, sozialen Wohnungsbau von 60.000 US Dollar, wird das Zwei- bis Dreifache für ein Appartement veranschlagt.

Kilamba Kiaxi ist ein Teil des ambitionierten Wahlversprechens der MPLA von 2008, eine Million Häuser innerhalb der nächsten vier Jahre zu erbauen. Das Programm der Regierung zielte darauf ab, insbesondere für die Bewohner der musseques bessere Wohnbedingungen zu schaffen, um die grassierenden Slum- und Marginalsiedlungen zu reduzieren (vgl. Cain 2013: 15). Das Projekt Nova Vida allerdings, scheint an eine andere Zielgruppe gerichtet zu sein.

4.4.4 Baía de Luanda

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Abb. 10: Die Sanierung der Baía de Luanda (Banco Atlântico 2013: 13)

In den letzten Jahren hat sich das Bild der Küste Luandas stark gewandelt (vgl. Baía de Luanda a). Verantwortlich dafür ist die „Sociedade Baia de Luanda“, deren Immobilienprojekt eine grundlegende Sanierung der Bucht vorsieht. In einer Zeitspanne von zwanzig Jahren umfasst das Projekt Investitionen in Bauvorhaben von ca. 6,3 Milliarden US-Dollar. Es sieht den Bau von 78 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von 1,7 Millionen Quadratmetern mit Parkplätzen und Versorgungsbereichen vor. Das Projekt umfasst ferner die Verlagerung des Hafens von der Innenstadt nach Barra do Dande (vgl. Power 2012: 1005). Bei der Sanierung der Bucht konnten drei zusätzliche Flächen dem Meer entnommen werden. Auf diesen Grundstücken sollen Wohnimmobilien, Büros und Dienstleistungsbetriebe entstehen (vgl. PR Newswire). Präziser formuliert, soll in Parzelle A, das neue CBD von Luanda, in Parzelle B, Galerien, Restaurants und Geschäfte, in Parzelle I, Edelboutiquen, Premiumgeschäfte und Bürogebäude, sowie schließlich in der voluminösesten Parzelle 3, ein exklusives Stadtviertel mit Wohn- und Bürogebäuden, errichtet werden (vgl. Baía de Luanda b; vgl. Abb. 10).

Die Sanierung erfolgt in einer privaten Partnerschaft zwischen nationalen Firmen (namentlich Sonangol, Banco Atlântico, GENI, Millennium BCP und Finicapital) und der angolanischen Regierung. Die privaten Unternehmen übernahmen dabei sämtliches finanzielles Risiko, weswegen die Regierung keine öffentlichen Gelder einsetzen musste (vgl. PR Newswire).

Die Bucht von Luanda, deren Motive sich auf zahlreichen Postkarten der Hauptstadt wiederfinden, ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden (Baía de Luanda a). Auch die offizielle Webseite des Projektes postuliert:

„… Baía de Luanda é hoje a imagem de modernidade e de desenvolvimento económico, social e humano do país“ [11]. (Baía de Luanda a)

Man kommt nicht umher Angolas Regierung eine gewisse Weltfremdheit vorzuwerfen, wenn sie für die Avenida 4 de Fevereiro, unweit der Parzelle A, Palmen aus Miami importiert, die während des Transports eine eigene Temperaturregelung und Wasserversorgung benötigen (vgl. Power 2012: 1005). Dieses Großprojekt zeigt, wie viele andere Maßnahmen auch, dass die Regierung darauf bedacht ist, die Stadt für ein wohlhabendes Publikum attraktiv zu gestalten. Der in den musseques lebenden Bevölkerung bleibt von den großen Bauinvestitionen der Stadt abermals nur eine Postkarte.

4.4.5 Globaler bzw. nationaler Central Business District

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Abb. 11: CBDs in Luanda (Angola Retail Consulting)

Unter dem Fachausdruck des „ Central Business District “ versteht man das Hauptgeschäfts- und Dienstleistungszentrum mit höchster Arbeitsplatzdichte und höchsten Bodenrenten (vgl. Borsdorf, Bender 2010: 243f). Idealtypisch für die Metropolen Subsahara Afrikas kennzeichnet Luanda die Spaltung des Central Business District in globale CBDs, für die Ober- und Mittelschicht, sowie lokale Zentren für die Majorität des weniger liquiden Bevölkerungsteils (s. Kap. 2.6).

Das globale Stadtzentrum in Luanda konzentriert sich stark auf die Bereiche um die Baía de Luanda. Es umfasst die Gebiete an der Avenida 4 de Fevereiro, in der cidade baixa, sowie die Gemeinden Ingonbota und Maianga. Diese Agglomeration wird durch die Sanierung der Bucht zusätzlich verstärkt (s. Kap. 4.3.3). Außerdem eröffnete im Juli dieses Jahres die Sky Gallery, Angolas erste Galerie für ausländische Luxusartikel, in der unmittelbaren Nähe der Avenida 4 de Fevereiro (vgl. Escom 2014). Es hat sich neben kleineren Zentren in Camama und Viana ein zweites, größeres CBD rund um Luanda Sul, namentlich in Talatona und Benfica, entwickelt (vgl. Angola Retail Consulting; vgl. Cardoso 2013; vgl. Abb. 11). Die kaufkräftige Bevölkerung Luanda Sul s bot einen günstigen Nährboden für die Erschließung eines CBD s außerhalb des Stadtkerns. Nicht nur entstand so in Talatona im Jahr 2007 Angolas erstes Shopping Center - Belas Shopping - und beherbergt mit Atrium Nova Vida gar ein zweites, sondern hat in Benfica mit Kifica und Artesanato, als eine der wenigen Gemeinden, auch gleich zwei formelle Märkte (vgl. admbelas 2014). In diesem und den kommenden Jahren ist die Fertigstellung weiterer Shopping Center in Planung, insbesondere im Gebiet um die Baía de Luanda und in Viana (vgl. Cardoso 2013).

Während die globalen CBDs weitestgehend der Oberschicht und Ausländern vorbehalten sind, sind für die breite Masse der Bevölkerung Luandas die lokalen Zentren elementar, auf die in Kapitel 4.4 näher eingegangen wird.

4.4.6 Chinesischer Einfluss in Luanda

Der Fokus der angolanischen Regierung liegt seit Ende des Bürgerkriegs auf dem Auf- und Ausbau der Infrastruktur. Für dessen Umsetzung fand sich China als Kooperationspartner. Eine wesentliche Bedingung der Zusammenarbeit ist, dass chinesische Unternehmen im Gegenzug zu den von der Volksrepublik ausgehändigten Krediten an Angola, einen erleichterten Marktzugang erhalten (vgl. Power 2012: 1007).

Nach Angaben des chinesischen Botschafters in Angola, Zhang Bolun, sollen 2010 mehr als fünfzig staatseigene und 400 private Unternehmen im Wiederaufbau Angolas involviert gewesen sein, indem 60.000 bis 70.000 chinesische Arbeiter beschäftigt wurden (vgl. Croese 2012b: 126). Die Firmen aus dem „Reich der Mitte“ sind überwiegend im Wiederaufbau des Landes tätig. Nennenswert ist hier vor allem der Aufbau von Gebäuden und/oder landwirtschaftsbezogener Infrastruktur, dem Energiesektor, der Wasserversorgung, des Gesundheits- und Schulsystem, der Telekommunikation, der Fischerei, sowie von staatlichen Bauprojekten (vgl. Power 2012: 1007).

Die Projekte werden zunächst von angolanischen Ministerien vorgeschlagen, werden aber nur dann realisiert, wenn die gemeinsame Arbeitsgruppe, bestehend aus dem angolanischen Finanz- und dem chinesischen Handelsministerium, den Plänen zustimmt. (vgl. Power 2012: 1008). Es wird von der Volksrepublik postuliert, dass ein Anteil von bis zu 70 Prozent aller öffentlichen Projekte, die mit chinesischen Krediten finanziert werden, an chinesische Firmen vergeben werden müssen. In der Realität liegt dieser Prozentsatz oftmals noch höher. Ebenso stammen Maschinen und Baumaterialien wie Ziegel, Nägel und Zement, häufig aus der Volksrepublik und werden in großen Mengen von Angola importiert (vgl. Power 2012: 1008).

Kiamba Kiaxi entstand in Kooperation mit dem staatseigenen, chinesischen Finanz- und Investmentunternehmen CITIC, das für den Bau der Stadt verantwortlich war. Von den, für die Realisierung des Aufbaus benötigten 10.000 Mitarbeitern, waren lediglich 4.000 aus Angola. Die große Mehrheit der Arbeiter, was auch auf andere Projekte zutrifft, wurde aus China rekrutiert (vgl. Jansson 2010: 37). So findet die einheimische Bevölkerung Angolas trotz des Baubooms nur unzureichend Beschäftigung in der Baubranche.

Zahlreiche Projekte sind im Zuge des nationalen Wiederaufbaus in Kooperation mit chinesischen Unternehmen in Luanda realisiert worden. Noch mehr als der Bau von diversen Häusern und Straßen fällt das anlässlich der Fußball-Afrikameisterschaft von 2010 erbaute Mehrzweckstadion Estádio 11 de Novembro, sowie der noch nicht fertiggestellte, neue internationale Flughafen, ins Auge (vgl. Croese 2012b: 130f; vgl. Power 2012: 1000-1002).

Nach den Portugiesen stellen folgerichtig die Chinesen die größte Migrantengruppe in Luanda (vgl. UCCLA). Viele von ihnen sind Sträflinge, die Strafmilderung erhalten, wenn sie in Afrika arbeiten. Nicht selten leben sie in den Slums und Marginalsiedlungen (vgl. Leu 2014).

4.4.7 Portugiesischer Einfluss in Luanda

Als ehemaliges Kolonialland Portugals, prägte Angola mannigfaltig die Kultur und Gesellschaft Angolas. Das evidenteste Relikt dieser Zeit ist die portugiesische Sprache. Mit dem Ende der Kolonialherrschaft und dem darauffolgenden Bürgerkrieg, begann der Exodus von 850.000 Portugiesen aus Angola. Da von den hinterbliebenen Angolanern gerade einmal jeder zehnte Lesen konnte, wog der Verlust eines großen Teils der gut ausgebildeten Bevölkerung schwer (vgl. Leu 2014).

Der Zusammenbruch des Kolonialsystems, dessen späte Kolonialwirtschaft relativ diversifiziert war, erforderte eine Neuordnung der Institutionen und Ökonomie. Die unstabile Lage des Landes zu Zeiten des Bürgerkriegs, verhinderte allerdings den Aufbau einer institutionellen Kontinuität im Bereich des öffentlichen Dienstes, des Militärs und der Justiz (vgl. Oliveira 2011: 2f). Sie destruierte überdies die Nicht-Ölwirtschaft und trug nicht gerade dazu bei, die Attraktivität Angolas für Auslandsinvestoren zu fördern. Erst die Präsens des Ostblocks brachte wieder Stabilität. Nach dem Kalten Krieg übernahmen diese Rollen die UNO, NGOs und kirchliche Organisationen, im Zuge dessen relativ viele ausländische Arbeitnehmer ins Land strömten. Der Mangel an ausgebildeten Fachkräften zieht sich auch durch die Ölindustrie, was sie vom technischen Know-how ausländischer Sachkundiger abhängig macht (vgl. Oliveira 2011: 13f).

Seit Beginn der Wirtschaftskrise in Portugal sind jährlich 100.000 Menschen nach Angola emigriert. Mittlerweile wird die Zahl der in Angola lebenden Portugiesen auf 350.000 beziffert, denn während die ehemalige Kolonie Wachstumsraten im fast zweistelligen Bereich aufweisen kann, schrumpfte Portugals Wirtschaft 2012 zum vierten Mal in Folge (vgl. Leu 2014). Portugal kann gerade vielen jungen Menschen keine hinreichende berufliche Perspektive bieten. Das Land an der Iberischen Halbinsel hat mit einer Arbeitslosenquote von siebzehn Prozent zu kämpfen (vgl. Fagotto 2013).

Um den wirtschaftlichen Aufschwung aufrechterhalten zu können, benötigt die afrikanische Republik qualifizierte und portugiesisch sprechende Arbeitskräfte. Das lassen sich Unternehmen einiges Kosten und locken portugiesische Arbeitnehmer mit hohen Gehältern, zahlreichen Vergünstigungen und jährlichen Flugtickets in die Heimat (vgl. Fagotto 2013). So ist Angola zu einer der beliebtesten Destinationen portugiesischer „Wirtschaftsflüchtlinge“ aufgestiegen (vgl. Malheiros 2011: 4).

Manch einem behagt das Gefühl ein Déjà-vu zu erleben: Zur Kolonialzeit wanderte die arme Bevölkerungsschicht auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand nach Angola. Heute ist es Portugals Mittelschicht (vgl. Fagotto 2013).

Es lässt sich zum Teil eine Aversion gegen Portugiesen, deren Jobs und Wohlstand beobachten. Diese wird zum Großteil dadurch geschürt, dass bei den finanziell besseren Stellen ausländische Arbeitskräfte bevorzugt werden und dementsprechend in der Regel vermögender sind, als die einheimische Bevölkerung. Wohnhaft sind die Portugiesen, ebenso wie andere ausländische Gruppen, sowie die potente angolanische Elite in den gut situierten Vierteln der Stadt bzw. in gated communities. Die Ilha de Cabo ist ein beliebter Treffpunkt für die gesamte zahlungskräftige Bevölkerung Luandas, die einige der exklusivsten Ressorts und Bars beherbergt (vgl. Fagotto 2013).

Am Ende der Kolonialzeit betrug die Anzahl der Portugiesen in Luanda etwa 50.000 (vgl. CACL b). Es gibt keinen Zensus über die Nummer der heute in Luanda lebenden Portugiesen, allerdings ist die Ziffer mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich höher, als noch vor vierzig Jahren.

4.5 Unterschicht

Das rasante Wachstum der Einwohnerzahl stellte und stellt die städtische Verwaltung vor multiple und häufig ungelöste Probleme. Wohnungsmangel und eine unzureichende Infrastruktur - u.a. fehlende Straßen, Kanalisation, Telefonnetze, Elektrizitäts- und Wasserversorgung - charakterisieren die Herausforderungen, denen sich die Hauptstadt gegenüber sieht. In den weitläufigen und kostspieligen Neubauvierteln werden diese prinzipiell gelöst. Dagegen sieht sich die Mehrzahl, der in den musseques lebenden Bevölkerung, beinahe existentiellen Schwierigkeiten ausgesetzt (vgl. Budde 2013).

Die Mehrheit der Bevölkerung Luandas lebt in absoluter oder relativer Armut. Zwei Drittel der Menschen haben, nicht nur im angolanischen Durchschnitt, sondern schätzungsweise auch in Luanda, weniger als zwei US Dollar am Tag zur Verfügung. Ihr Dasein ist von Informalität und Unsicherheit geprägt (vgl. Peel 2013).

4.5.1 Musseques

Die musseques dienen u.a. als Auffangbecken für die Migranten aus dem ländlichen Raum, sowie für die durch Gentrifizierungsprozesse vertriebene Stadtbevölkerung. Anders wäre der schon jahrzehntelang anhaltende Bevölkerungszustrom kaum aufzufangen (vgl. Rodrigues 2006: 44f). Die ursprünglich für 500.000 Menschen konstruierte Stadt beherbergt heute eine um mehr als zehm mal größere Bevölkerung (vgl. Power 2012: 1002). Es leben geschätzte drei Viertel der Menschen in Slums und Marginalsiedlungen, die von Drogenhandel, Informalität und Gewalt geprägt sind (vgl. Jones 2012; vgl. Peel 2013). Dem ursprünglich ländlichen Teil der Migranten ist das Stadtleben größtenteils fremd, sodass sie ihrem ländlichen Lebensstil nach Möglichkeit treu bleiben. In Verbindung mit der starken Präsenz der musseques führt dieser Umstand zu einer Ruralisierung, der Vermischung peripherer und städtischer Lebensweisen (vgl. Rodrigues 2006: 44f).

Der Development Workshop (2005) unterscheidet vier verschieden Arten von musseques: old musseques, organised musseques, transitional musseques und peripheral musseques. Die drei zuerstgenannten musseques werden in der deutschen Literatur als Slums zusammengefasst, während man unter peripheral musseques die Marginalsiedlungen begreift.

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Abb. 11: Verteilung der verschiedenen Siedlungstypologien in Luanda (Cain 2012: 18)

Die old musseques stammen teilweise noch aus den späten 19. Jahrhundert und sind aus den schwarzen Siedlungen der Kolonialstadt entstanden. Sie vereinnahmen die ungünstigen Lagen an Steilhängen, Deponien oder Bahngleisen. Ein Umstand, welcher ihre infrastrukturelle Erschließung erschwert. Häufig grenzen sie an die formellen Stadtteile der town of cement oder sind mit ihr vermischt, wodurch eine schulische und medizinische Versorgung meist möglich ist. Dennoch zeichnen sie sich durch einen unzureichenden, oder nicht vorhandenen Anschluss an öffentliche Dienstleistungen und Einrichtungen, eine unstrukturierte Bebauung, sowie illegale Anschlüsse an die Strom- und Wasserversorgung aus. Einer hohen Bevölkerungsdichte steht eine geringe Wohnqualität mit einer unzureichenden sanitären Ausstattung gegenüber (vgl. DW 2005: 90ff, 104).

Organised musseques wurden oft als Erweiterungen der cement-city, oder den zur Kolonialzeit errichteten townships angelegt und unter Beachtung des Straßennetzes errichtet. Obwohl schon die Kolonialverwaltung damit begann, diese Slums zu formalisieren und zu legalisieren, sehen sich noch heute das Gros der Bevölkerung ohne legalen Titel ihrer selbst bebauten Häuser aus Ziegelsteinen oder Betonblöcken. Der heutigen Stadtverwaltung fehlen häufig die Mittel um die organised musseques weiter aufzuwerten und in formelle Siedlungen umzuwandeln. Dabei würde vergleichweise wenig finanzielle Hilfe zur Aufwertung ausreichen, da nicht selten Straßen, öffentliche Schulen und sogar ein Krankenhaus in diesen Vierteln beheimatet sind. Kennzeichnend für diese Slums ist ein häufig höheres Maß an Zusammenhalt, sodass durch gemeinschaftliche Initiativen versucht wird, auch ohne städtische Unterstützung, die Infrastruktur zu verbessern (vgl. DW 2005: 93ff, 104).

Transitional musseques sind frühere innerstädtische musseques. Durch ihre günstige urbane Lage profitieren sie immens von den steigenden Immobilienpreisen und bauen ihre einfachen Baracken in zwei bis dreistöckige Zementblöcke um. Häufig verkaufen die Familien ihre Häuser und ziehen in die peripheral musseques, sodass sich ein Prozess der Gentrifizierung beobachten lässt (vgl. DW 2005: 96ff, 105).

Peripheal musseques sind kaum an der städtischen Infrastruktur angeschlossen. Wasser und Elektrizität beziehen sie nur durch informelle Händler, die in den Randgebieten minderwertige Qualität zu hohen Bezügen veranschlagen können. Die peri-urbanen Siedlungen entstanden infolge der Übervölkerung der old musseques. Luandas mittellose Migranten konstruierten daher neue Niederlassungen an der städtischen Peripherie. Der unzulängliche Anschluss an urbane Strukturen (z.B. Schulen, öffentlicher Verkehr) grenzt sie vom geregelten, städtischen Arbeitsmarkt aus, sodass sie nur im informellen Sektor eine Beschäftigung finden. Die Bevölkerungsdichte ist relativ gering und städtische Lebensformen werden de facto kaum übernommen, sodass im Zusammenhang mit den peripheral musseques von einer Ruralisierung der Stadt gesprochen wird (vgl. DW 2005: 98ff, 105).

4.5.2 Informeller Bodenmarkt

Die Bodenrechte in Luanda sind oftmals unklar. Die Regierung erklärt sich zum Hauptverantwortlichen für Landfragen und den Staat als ursprünglichen Besitzer allen Landes. Allerdings schaffte die Regierung in der Vergangenheit nicht annähernd, einen funktionstüchtigen Verwaltungsapparat aufzubauen, der in der Lage wäre, den Immobilienmarkt zu formalisieren (vgl. Cain 2013: 12). Mehr als drei Viertel der Einwohner lebt in informellen Siedlungen (vgl. Cain 2013: 30).

Es existiert ein blühender informeller Immobilienmarkt. Schätzungsweise neunzig Prozent der Transaktionen von Grundstücken finden direkt zwischen Käufer und vorherigem Besitzer statt. Nur zu acht Prozent werden die Verkäufe von der Stadtverwaltung erfasst und gesteuert,was zu Problemen beim Verkauf der Immobilie führen kann (vgl. Cain 2013: 21). Im schlimmsten Fall gar zu Enteignungen (vgl. Cain 2013: 12). Gerade für die Bewohner der urbanen musseques stellt dies ein ernsthaftes Risiko dar, stehen die Armenviertel doch geplanten Stadterneuerungen im Weg (vgl. Cain 2013: 30).

Ungeklärte Landrechte betrifft die große Mehrheit der Bevölkerung. Nicht nur der Unterschicht, sondern auch der Mittelschicht und Elite fehlen in vielen Fällen offizielle und gesetzlich anerkannte Dokumente über den eigenen Grund und Boden (vgl. Cain 2013: 13). In aller Regel wird der Erwerb eines Grundstücks wohl dokumentiert, doch da das informelle System am Staat und einer formalen Erfassung vorbeigeht, bleibt der rechtliche Status des Eigentums der Immobilie unsicher (vgl. Cain 2013: 20).

Der Erwerb von informellem Land in der Peripherie Luandas gestaltet sich für die finanzschwache Bevölkerung als relativ einfach. Die mangelhafte Infrastruktur in den Marginalsiedlungen lässt jedoch den Aufbau von Wirtschaft kaum zu, sodass es an Arbeitsplätzen mangelt. Durch den Gentrifizierungsprozess von innerstädtischen musseques, sind einige Bewohner durch den Verkauf ihrer Häuser zu Wohlstand gekommen. Dieser lässt sich in ihrer neuen Heimat, den peripheal musseques, aber nur schwer gewinnbringend einsetzen. Entwurzelt und mit geringer Aussicht auf Arbeit stellt somit der Gentrifizierungsprozess selbst die Bewohner, die ihr Grundstück veräußern konnten, auf Dauer schlechter dar (vgl. Cain 2013: 14).

Die Eingliederung von musseques und anderen informellen Grundstücken in ein formales, effizientes und städtisches Immobiliensystem sollte oberste Priorität für die Stadtverwaltung haben, denn so kann die Sicherheit des Eigentums gewährleistet werden. Die Klarheit über den rechtlichen Status der Immobilie wäre zudem ein positiver Impuls für die Wirtschaft (vgl. Cain 2013: 12). Allerdings wird dies ein langwieriger Prozess werden, indem man auf Partizipation der Bevölkerung bauen sollte und die bestehenden informellen Strukturen miteinbeziehen muss.

4.5.3 Lokale Zentren (Roque Santeiro und Panguila)

Insgesamt existieren in Luanda rund fünfzig urbane Märkte. In den informellen Handelsplätzen finden sich alle erdenklichen Produkte: Ob nun Lebensmittel, Möbel, Elektro- oder Hygieneartikel. Die Waren werden, im Vergleich zu Geschäften, Supermärkten und Shopping Centern, zu deutlich erschwinglicheren Preisen vertrieben (vgl. ANGOP 2013a).

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Abb. 13: Foto Markt Roque Santeiro

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Abb. 14: Luftaufnahme Markt Roque Santeiro (Alberto)

Der größte Markt war bis zu dessen Schließung 2010 der mercado Roque Santeiro. Er war der Gemeinde Sambizanga zugeordnet und angeblich der größte, im Freien stattfindende Markt Afrikas. Der Markt befand sich innerhalb einer old musseque und war bei einer Distanz von nur fünf Kilometern zur Baía de Luanda nur unweit vom Stadtzentrum entfernt (vgl. Redvers 2014).

Benannt wurde er nach einer brasilianischen Seifenoper, in der ein Held seine Stadt rettet. Für viele Einwohner, ob Händler oder Kunden, nahm der während des Bürgerkriegs entstandene Markt eine ähnliche Stellung ein. Trotzdem entschloss sich die Stadt Roque Santeiro zu schließen, um das Viertel durch Sanierungsmaßnahmen aufzuwerten. Die Begründung, der Markt sei zu eng, unhygienisch und eine Stätte für organisierte Kriminalität und Prostitution, war durchaus berechtigt. Neben exklusiven Produkten wie Computern, maßgeschneiderten Anzügen und Kraftfahrzeugen waren eben auch Drogen, Waffen und Prostituierte erwerblich, die oftmals im Zusammenhang mit organisierter Bandenkriminalität standen und die Gegend ebenfalls negativ konnotierten (vgl. Redvers 2010). Im Hinblick auf die Rate der Straftaten hat sich die Schließung des Marktes für die Gemeinde bereits ausgezahlt. Sie lag 2012 deutlich unter dem für Sambizanga üblichen Niveau, was u.a. mit dem gleichzeitigen Verlassen der Gangs erklärt werden kann (vgl. ANGOP 2012).

An anderer Stelle fällt das Fazit zur Schließung des identitätsstiftenden Marktes aber weit weniger positiv aus. Mindestens viertausend Verkäufer arbeiteten in Roque Santeiro[12] (vgl. Lopes 2007: 7). Der im gleichen Jahr der Einstellung Roque Santeiros neu errichtete Markt Panguila, sollte diese Menschen auffangen und ihnen eine weitere Beschäftigung als Verkäufer ermöglichen, so der Plan der Stadtverwaltung. Panguila ist gut strukturiert, besitzt einen Parkplatz, Banken, fließendes Wasser, Strom, lediglich einen Eingang, medizinische und polizeiliche Einrichtungen, sowie ausreichend Fläche. Die reine Infrastruktur weiß deutlich mehr zu überzeugen, als die des vorangegangenen Marktes. Der Umstand, dass Panguila zwanzig Kilometer weiter nördlich und damit außerhalb der Stadtgrenzen liegt, ist jedoch wenig förderlich für die Umsetzung des Konzepts der Marktumgliederung. Für die Händler ist die Partizipation am neuen Markt durch die unzulängliche Verkehrslage in Luanda nicht nur kosten-, sondern ebenso zeitintensiv (vgl. Redvers 2010).

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Abb. 15: Foto Markt Panguila I (Angop)

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Abb. 16: Foto Markt Panguila II (Angop)

Viele Verkäufer und Kunden bleiben dem Markt daher fern. So berichtet Angop 2012, dass nicht mal ein Fünftel der gut fünftausend verfügbaren Stände und nur zehn von 144 Geschäften belegt sind. Der Gouverneur der Provinz Luanda, Bento Bento, überlegt daher den Markt nun auch für den Groß- und Einzelhandel zu öffnen (vgl. ANGOP 2012b). Die Transformation der Verkäufer von Roque Santeiro nach Panguila kann demzufolge als gescheitert angesehen werden.

Nutznießer sind vor allem Bauunternehmen und Immobilienagenturen, die durch Aufwertungsmaßnahmen in Sambizanga profitable Geschäfte erzielen können und damit einen Gentrifizierungsprozess einleiten. Zu den klaren Verlierern zählt die Bevölkerung Roque Santeiros, sowie deren Verkäufer. Sie haben häufig nicht nur den Verlust ihrer Arbeit, sondern auch ihrer Heimat zu beklagen, da sie durch den Anstieg des Wohnpreisniveaus dazu gedrängt werden, ihre Wohnungen zu verlassen (vgl. ANGOP 2013b).

4.5.4 Die Bekämpfung der Zungeiras und der informellen Ökonomie

Die Arbeitslosenquote in Angola liegt bei 26% (vgl. trading economics 2014). Gäbe es den informellen Sektor, in dem schätzungsweise zwei Drittel der Bevölkerung beschäftigt sind, nicht, wäre diese wohl ungleich höher. Deswegen mutet es seltsam an, dass die Stadtverwaltung dazu übergehen will, den informellen Straßenhandel gesetzlich zu verbieten. Künftig müssen Straßenhändler, besser bekannt als zungeiras [13] , die beim Verkauf erwischt werden, bis zu fünfzig Prozent des Verkaufswerts ihrer dargebotenen Ware als Strafe zahlen. Zudem sollen die Kunden bestraft werden. Den Verantwortlichen geht es primär darum, das moderne Image des Landes zu schützen (vgl. Berger 2014d). Immerhin verbildlicht der omnipräsente Straßenhandel die Unfähigkeit der Regierung, Arbeitsplätze für die breite Masse der Angolaner zu schaffen.

Die zungeiras verursachen Lärm, Schmutz und Verkehrsbehinderungen, die das Stadtbild trüben. Fehlende Steuereinnahmen sind ein weiterer, aber nebensächlicherer Grund für das harte Durchgreifen gegen den unregulierten, unlizenzierten und nicht von der Steuer erfassten Straßenhandel (vgl. Redvers 2014).

Luandas Straßenverkäufer gehören zu den finanzschwächsten Bürgern der Stadt und leben unter extremer Armut (vgl. HRW 2013: 10). Viele sind Kriegsflüchtlinge und/oder Analphabeten und können sich nicht ausweisen. Ihre Chancen auf eine Ausbildung oder eine Einstellung im formalen Arbeitsfeld sind marginal (vgl. Redvers 2014).

Analog zu anderen Entwicklungsländern sind die meisten Straßenverkäufer in Luanda Frauen und Mädchen. Die rauere Gangart gegenüber den zungeiras der letzten Jahren trifft vor allem sie (vgl. HRW 2013: 10). Polizisten und Regierungsbeamte schießen bei der Umsetzung der Direktive häufig über das zulässige Maß hinaus. Während der Kontrollen konfiszieren sie nicht nur Gelder und Waren, sondern misshandeln die Straßenhändler mittels physischer Gewalt. Selbst schwangere Frauen werden von den Beamten geschlagen. Diese Misshandlungen finden oftmals unter einer hohen Anzahl von Augenzeugen statt und dennoch musste sich noch kein Beamter wegen einer Gewalttat vor Gericht rechtfertigen (vgl. HRW 2013: 18ff). Es ist daher anzunehmen, dass physische Gewalt gegenüber informellen Straßenhändlern, wenn nicht gar die Vorgabe, dann doch zumindest von offizieller Seite toleriert wird. Immerhin könnten die öffentlichen Misshandlungen eine abschreckende Wirkung zeigen.

Nachdem vorherige Bemühungen, den informellen Handel durch neu gegründete Märkte an den Stadträndern zu verlagern und zu formalisieren, von den zungeiras kaum angenommen wurden, scheint das Verbot für die Regierung der letzte Ausweg zu sein um der Expansion des Straßenhandels in Luanda beizukommen (vgl. HRW 2013: 10). Trotz des Verbots wird den Straßenhändlern jedoch vorerst wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu versuchen, ihre Existenz weiterhin durch den informellen Straßenverkauf zu sichern (vgl. Redvers 2014).

Die Vorteile einer gut regulierten und formellen Wirtschaft, einer gesunden Besteuerung und fester Jobs sind und sollten das angestrebte Ziel der Regierung sein. Allerdings hilft die Maßnahme, den informellen Sektor zu kriminalisieren, mitnichten dabei diesem Vorhaben näher zu kommen. Die Ursachen des Problems sind nämlich nicht die zungeiras, sondern mangelnde Bildungschancen und Arbeitsplätze im formalen Sektor.

4.5.5 Maßnahmen und Ziele der Armutsbekämpfung

Unter dem Titel „Angola 2025“ verfolgt die Regierung einen Langzeitplan der die Verringerung der absoluten Armut um 25 % und die Schaffung von 8,2 Millionen Arbeitsplätzen bis 2025 vorsieht. Das BIP pro Kopf soll währenddessen um das neun- bis zehnfache ansteigen und die durchschnittliche Inflationsrate auf einen einstelligen Bereich reduziert werden. Die Planungsministerin Ana Dias Lourenço fasst die Ziele folgendermaßen zusammen:

„Os objectivos de Angola 2025 é garantir a coesão nacional, promover a paz e a tranquilidade, o desenvolvimento económico equitativo e sustentável, assegurar uma justa distribuição dos rendimentos, a estabilidade macro-económica, e o desenvolvimento de forma harmoniosa das regiões do país [14] .”

Angola 2025 ist ein ambitionierter Plan. Die konkrete Umsetzung dessen, soll anhand ausgewählter Beispiele analysiert werden (vgl. ANGOP 2012c).

4.5.6 One million houses

In Kapitel 4.3.3 wurde bereits das ehrgeizige Projekt der Regierung angerissen, von 2008 bis 2012 eine Million Häuser zu errichten. Fünfzig Milliarde US Dollar sollten in den Wohnungsbau fließen. Allerdings wurde keine Kalkulation oder gar ein Finanzierungsplan vorgestellt (vgl. Redvers 2013). Angekündigt wurde das Projekt im Rahmen der Präsidentschaftswahlen von 2008 und war Bestandteil des Wahlversprechens der MPLA. Ein Jahr später stellte sich heraus, dass die große Mehrheit der Häuser von den Bürgern selbst gebaut werden müsse (vgl. Power 2012: 1007f). Der Wohnungsentwicklungsfond (Fundo de Fomento Habitacional) der Regierung, der den Wohnungsbau subventionieren sollte, wird von den Geschäftsbanken nicht angenommen. Sie weigern sich den Hausbesitzern eine Hypothek zu gewähren, da informelles Land ohne legalen Titel mit einer unzureichenden Kreditgarantie einhergeht (vgl. Cain 2013: 15). Weniger als ein Drittel der Häuser wird vom Staat gebaut (vgl. Redvers 2013). Die Regierung ließ vor allem Wohnungen für Staatsbeamte und, wie beispielsweise im Fall von Kilamba Kiaxi, für die Mittel- und Oberschicht errichten. Bezahlbare Häuser für die Unterschicht wurden vernachlässigt (vgl. Cain 2013:15).

4.5.7 Neusiedlungen des sozialen Wohnungsbaus

Nach dem Ende des Bürgerkriegs nahm und nimmt der Wiederaufbau des Landes einen hohen Stellenwert in der politischen Agenda Angolas ein. Erklärtes Ziel ist die Sanierung, Modernisierung und Formalisierung von Infrastrukturen und Dienstleistungen. Für die Finanzierung und Ausführung der Baumaßnahmen zeigen sich die wirtschaftlichen Partner, Brasilien und China, verantwortlich.

Die staatlich gelenkte Siedlungsentwicklung stellt eine wesentliche Säule des Wiederaufbaus dar. Es lassen sich zwei Typen unterscheiden. Zum einen ist der Bau von neuen Stadtzentren oder Satellitenstädten zu nennen, der sich in erster Linie an die Mittelschicht richtet. Die Wohnungen werden vom Staat zu subventionierten Preisen verkauft. Ein Beispiel dafür ist Kilamba Kiaxi (s. Kap. 4.3.3). Zum anderen wird der soziale Wohnungsbau gefördert, der der Unterschicht Unterkunft bietet. Die Wohnungen fungieren als Ausgleich für die Bewohner, deren ursprüngliche Häuser durch den Staat, aufgrund ihrer unsicheren räumlichen Lage oder wegen Umbau- und Aufwertungsmaßnahmen, abgerissen wurden. Diese stehen den Betroffenen in der Regel unentgeltlich zur Verfügung (vgl. Croese 2013a).

4.5.8 Zango

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Abb. 17: Häuserblock in Zango (Wikimapia1)

Seit dem Ende des Bürgerkriegs wurden mit Panguila, Sapú, Projecto Morar und Zango mehrere soziale Wohnsiedlungen vorzugweise in der Peripherie der Hauptstadt errichtet. Davon ist Zango wohl das bekannteste soziale Wohnprojekt (vgl. Gastrow 2013). Es umfasst eine Fläche von 90 km² und liegt in der Provinz Luanda, präziser gesagt im Kreis Viana, rund 30 km südöstlich des Stadtzentrums von Luanda. Es kann als Peri-Urban bezeichnet werden, da es rurale und urbane Eigenschaften aufweist. Die Stadt, die mittlerweile schätzungsweise 120.000 bis 200.000 Einwohner fasst, dient den innerstädtischen Einwohnern Luandas, die im Zuge von Gentrifizierungsprozessen ihre Wohnungen aufgeben mussten, als Auffangbecken (vgl. Croese 2013b: 2).

Das Wohnbauprojekt wurde gerade zu Beginn scharf kritisiert, da es die sozialräumliche Segregation zwischen den verschiedenen sozialen Schichten fördert. Die ersten Umsiedlungen im Jahr 2001 wurden gar mit Praktiken der Apartheid verglichen (vgl. Croese 2013b: 3). Auch, weil die ersten Bewohner gewaltsam zwangsumgesiedelt wurden und viele erst in Zelten unterkommen konnten, bevor ihnen ein Haus zugeteilt wurde. Eine Vorgehensweise die bis heute andauert (vgl. Croese 2013b: 5).

Derzeit stellt Zango eine der am schnellsten wachsenden Bereiche in der Provinz Luanda dar. Die Stadt besitzt Schulen und Krankenhäuser und eine zunehmende Anzahl von kleinen Unternehmen, sodass die Einwohner nicht länger gezwungen sind, nach Luanda zu pendeln (vgl. Croese 2013b: 4).

Für viele Bewohner von musseques in Luanda stellt Zango inzwischen eine attraktive Wohngegend dar. Die Stadt ist deutlich ruhiger als Luanda, aber dennoch urban und verfügt - im Unterschied zu vielen informellen Siedlungen der Hauptstadt - über ein Mindestmaß an Grundleistungen und Infrastruktur. Zudem lockt die Aussicht auf ein eigenes Haus, im Gegensatz zu den Appartements, in denen viele Bürger Luandas zur Miete wohnen (vgl. Croese 2013a).

Die Anziehungskraft Zangos spiegelt sich im informellen Wohnungsmarkt wider, in dem Häuser für bis zu 50.000 US Dollar gehandelt werden (vgl. Gastrow 2013). Grundsätzlich ist jedes Haus nach dem gleichen Schema aufgebaut und uniform: Es besitzt drei Schlafzimmer, eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Bad. Die Straßen unterliegen einer geometrischen Ordnung und die unterschiedlichen Viertel sind in verschiedenen Farben gestrichen (vgl. Croese 2013a; vgl. Abb. 17).

Obwohl architektonisch nahezu identisch, unterscheiden sich die Häuser durchaus voneinander, da die Bewohner Änderungen an ihren Wohnungen vornehmen. Die Bürger Zangos wandeln ihre Häuser zum Beispiel zu Privatschulen oder Kindertagesstätten, zu Schönheitssalons, Apotheken oder Restaurants um (vgl. Croese 2013a). Eine erstaunliche Entwicklung, erst recht, da die Bewohner keine Eigentumsurkunden besitzen und ihre Häuser offiziell weder verändern noch vermieten oder verkaufen dürfen (vgl. Croese 2013a).

4.5.9 Stadtumbauprojekte

In Cazenga, Sambizanga und, mit Abstrichen, Rangel findet derweil ein langwieriger Stadtumbau statt. Für dessen Umsetzung müssen die Hütten der old - sowie organized musseques abgerissen werden, um den Aufbau von Wohnhäusern, sozialen Einrichtungen, Wasser- und Stromleitungen, asphaltierten Straßen mit Bürgersteigen, Telefonnetzen, Abfallversorgungen und Regenwasserableitungen zu ermöglichen. Der komplette Umbau soll fünfzehn bis zwanzig Jahre dauern. Die Viertel befinden sich alle in zentraler bzw. relativ zentraler Lage der Hauptstadt und grenzen jeweils aneinander an (vgl. ANGOP 2013c). Sambizanga, wo sich auch der Freimarkt Roque Santeiro befand, und Rangel sind Gemeinden des Kreises Luandas. Cazenga ist ein eigener Kreis innerhalb der Provinz Luanda.

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Abb. 18 Modell des Stadtumbaus in Cazenga und Sambizanga (Angola Magazine 2012)

Die Methode des Umbaus bezeichnet die Stadtverwaltung als Schneeballeffekt. Sobald die ersten Geschosswohnungen fertig sind, werden die Bewohner, dessen Häuser als nächstes für den Bau von Infrastrukturen und Sozialwohnungen abgerissen werden, die neuentstandenen Appartements beziehen. Dieser Prozess wird ständig wiederholt und bis zum vollständigen Umbau des Bezirks verfolgt. Allerdings werden nicht wenige ihre Heimat verlassen müssen. Es sollen 2,4 Millionen Menschen in den neuen Siedlungen der drei Bezirke beherbergt werden, allerdings hat allein Cazenga momentan eine höhere Anzahl an Einwohnern. Um den Bau zu ermöglichen, werden daher bereits in der ersten Phase des Projektes fünfhundert Familien nach Zango umgesiedelt (vgl. Angop 2013c).

Laut dem Projektleiter des Stadtumbaus in Cazenga, Rangel und Sambizanga, Bento Soito, ist die Enteignung der Häuser kein einfacher Prozess, da die Bewohner den Wert ihrer Immobilien überschätzen und „astronomisch“ hohe Summen fordern würden. Beide Parteien müssten Flexibilität und Sensibilität beweisen und verstehen, dass der begonnene Umbau des Viertels unausweichlich sei. Von den Bürgern fordert er konkret:

„Tem que haver sensibilidade, compreensão, colaboração e sentido patriótico.“ [15]

Ein weiteres Problem entsteht aus der unterschiedlichen Wahrnehmung des städtischen Lebens. Ausgegebenes Ziel der Stadtverwaltung ist die Lebensqualität der Einwohner Cazengas zu verbessern. Dennoch berücksichtigen sie nicht deren Lebenswirklichkeit bei der Umsetzung des Stadtumbaus (vgl. Angop 2013c).

Eine bauliche Besonderheit der Häuser und Hütten der musseques stellt der Hof bzw. quintal dar. Der quintal kann als Schlafraum, Kochstelle oder Empfangsraum für Gäste dienen. In den häufig überdachten Höfen oder auch vor den Häusern betreiben zudem viele Menschen kleine informelle Geschäfte. Die Planungen der Stadt beinhalten jedoch vorwiegend Geschosswohnungen. Der Verkauf in den Apartments oder vor den Eingängen der Wohnblocks kann aber ausgeschlossen werden, womit sich die Frage stellt, wie diese Bürger künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen (vgl. Gastrow 2012).

Der Stadtverwaltung scheint der Bruch mit derlei Sitten und Gebräuchen gerade recht zu sein, hält sie den quintal doch für eine Ausprägung einer ruralen Architektur, die in einer „echten Stadt“ deplatziert sei (vgl. Gastrow 2012).

Daher ist die staatliche Siedlungspolitik nicht frei von Kritik. Durch die Bauprojekte formuliert sie eine Idealform urbanen Lebens, die mit der ruralen Prägung der Stadt bricht und ergo mit der Realwelt des Großteils der Bevölkerung signifikant kollidiert. Dazu Bento Soito:

„Se queremos criar condições dignas para a população, que se adaptem à nossa forma de ser e estar, à nossa cultura, hábitos e, sobretudo, à nossa perspectiva relativa ao posicionamento que queremos ter ao nível do país... .“ [16] (Angop 2013c)

Der philanthropische Anspruch, die Wohnsituation der Menschen zu verbessern und menschenwürdige Häuser zu schaffen, steht im Widerspruch zu der Zerstörung informeller Siedlungen, um Raum für teilweise eben jene Wohnprojekte zu gewinnen.

5 Resümee

Luanda ist eine fragmentierte Stadt. Die sozialräumliche Segregation zieht sich durch die Vergangenheit, Gegenwart und absehbare Zukunft der Hauptstadt. Gegründet wurde sie ursprünglich von Europäern für Europäer und im Laufe der Zeit bildeten sich Strukturen einer Kolonialstadt heraus. Die einheimische Bevölkerung siedelte sich in den Randbezirken an, während hingegen die Portugiesen das attraktive, urbane Zentrum, in dem sich administrative und Dienstleistungseinrichtungen befanden, einnahmen. Heute ist die sozialräumliche Segregation durch den Kontrast zwischen der town of cement und den musseques gekennzeichnet.

Seitdem Ende des Bürgerkriegs steht der Wohnungsbau ganz oben auf der politischen Agenda der Regierung. Insbesondere für die durch diverse Rankings als eine der teuersten Städte für ins Ausland entsandte Mitarbeiter eingestufte Stadt, dessen Einwohnerzahl in den letzten Jahrzehnten um ein vielfaches wuchs und weiter anwächst, ist die Gestaltung des Wohnungsmarkts von enormer Bedeutung. Die Stadtverwaltung versucht durch den Bau von Satellitenstädten, wie beispielsweise Kilamba Kiaxi und Luanda Sul, neuen attraktiven Wohnraum an den Randbezirken Luandas zu schaffen. Ebenfalls verlagern die Projekte des sozialen Wohnungsbaus die Bevölkerung der Unterschicht an die ruralen Bereiche inner- und außerhalb Luandas (s. Kap. 4.5.8 Zango). All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, das Bevölkerungswachstum der demographischen und funktionalen Primatstadt Angolas einzudämmen.

Die Bauprojekte der letzten sowie der kommenden Jahre sind im Hinblick auf die sozialräumliche Segregation ernüchternd. Anstatt eine Integration der verschiedenen sozialen Schichten zu fördern, trennt das Wohnmodell die ohnehin schon separierte Stadt und Gesellschaft Luandas zusätzlich. Die Globalisierungsgewinner, Multinationale Unternehmen, sowie die angolanische Oberschicht, beanspruchen Bürohauskomplexe, globalisierte CBDs und Villenviertel, die vermehrt den Anforderungen einer gated community genügen, für sich und repräsentieren Angolas wirtschaftlichen Aufschwung. Auch die recht kleine Mittelschicht bekommt ihre eigene Siedlung (s. z.B. Kilamba Kiaxi). Die Slums, Marginalsiedlungen und lokalen CBDs charakterisieren den Raum der ökonomischen Verlierer, zu denen sich die Majorität der Bevölkerung Luandas zählen lässt.

Luanda entwickelt sich zu einer westlich- und konsumorientierten Stadt. Das lässt sich nicht zuletzt an den verschiedenen Bauprojekten, wie dem Mehrzweckstadion Estádio 11 de Novembro, der Baía de Luanda und mehreren Shopping Centern, beobachten. Diese Bauten konzentrieren sich primär auf die Oberschicht.

Der soziale Wohnungsbau zeigt auf, dass die Stadtverwaltung, die entweder die musseques in die Randbezirke der Stadt ausgliedert, oder im Sinne eines Stadtumbaus komplett reformiert, die charakteristische rurale Prägung Luandas bekämpfen möchte. Ähnlich verhält es sich mit dem Verbot von informellen Straßenverkäufen, oder der Schließung des Roque Santeiro Markts.

Die eigentlichen Probleme aber, sind die mangelnden Bildungschancen und die fehlenden Arbeitsplätze im formalen Sektor. Solange sich das nicht ändert, wird der informelle Markt und die rurale Lebensweise der Bewohner weiterhin das Stadtbild prägen. Das muss die Stadtverwaltung einsehen und sich darum bemühen eine sanfte, partizipative sowie schrittweise Formalisierung und Urbanisierung herbeizuführen, will sie die Segregation der Stadt minimieren. Schließlich findet eine große Einkommensdifferenz und/oder eine Bildungsdiskrepanz zwischen den unterschiedlichen Sozialgruppen in der fragmentierten Stadt ihre Entsprechung.

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[1] Weiteres Wachstum und eine bessere Verteilung für Angola (Eigene Übersetzung)

[2] Die Ilha do Cabo ist eine Nehrung von sieben Kilometer Länge und liegt zwischen dem Atlantischen Ozean und der Bucht von Luanda in Angola. Die Halbinsel gehört zum Stadtbezirk Ingombota in der Provinz Luanda (vgl. Welcome to Luanda).

[3] Erst im Verlauf änderte sich der Name zu Luanda

[4] Cidade alta heißt übersetzt die obere Stadt und cidade baixa bedeutet die untere Stadt. Die Begriffe beziehen sich auf die unterschiedlichen Höhen über den Meeresspiegel, auf denen sich die jeweilige Fläche befindet.

[5] Unter zentrale Orte versteht man eine Ortschaft, die das wirtschaftliche, geistige oder administrative Zentrum eines geographischen Raumes darstellt.

[6] Die Daten der Graphik sind wie jede andere Statistik mit Vorsicht zu genießen. Die Wachstumsproportionen können jedoch eindeutig abgelesen werden. Die Angaben sind für die Kolonialzeit recht genau, stellen für die nachkoloniale Zeit allerdings nur Schätzwerte dar.

[7] Der Begriff musseque stammt aus der Kimbundo Sprache. Er besteht aus den Worten Mu (Platz) und Seke (Sand). Damit wird auf die rotsandigen Bereiche der Hochebene Luandas angespielt, auf denen sich Marginalsiedlungen bildeten (vgl. Rodrigues 2006: 43).

[8] Streng genommen gehört Kilamba Kiaxi nicht mehr zum Untersuchungsfeld der Arbeit, da sich die Stadt im Jahr 2011 neu gegründeten Kreis Belas befindet. Allerdings lag die Stadt davor in der Gemeinde Kilamba, die zum Kreis Luanda gehört. Außerdem wurde die Satellitenstadt, die sich nur unweit von Luanda befindet, mit der Absicht gegründet die Hauptstadt zu entlasten. Die Grenzen des Kreises Belas und Kilamba sind teilweise ungenau und gehen ineinander über.

[9] Eine Satelittenstadt ist eine Stadt, die im Umfeld einer größeren Stadt angesiedelt ist und in höheren zentralörtlichen Funktionen von dieser abhängig ist.

[10] Kilamba ist das größte Wohnbauprojekt, das jemals in Angola gebaut wurde. Im globalen Maßstab betrachtet, ist es ein tiefgründiges Beispiel der fortgesetzten Sozialpolitik des Landes, um das Defizit an Wohnhäusern zu lösen (Übersetzung aus Wikipedia).

[11] Baia de Luanda symbolisiert das Bild der Moderne und der wirtschaftlichen, sozialen und menschlichen Entwicklung des Landes. (Eigene Übersetzung)

[12] Diese Zahl muss aber deutlich nach oben korrigiert werden, da diese nur die offiziell registrierten Verkäufer mit einbezieht. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Verschiedene Quellen sprechen meist entweder von 5.000 oder 200.000 Verkäufern, wobei letztere die vielen nicht offiziell erfassten Straßenverkäufer mit einbezieht. Dennoch erscheinen zweihunderttausend Verkäufer unrealistisch (vgl. AngoNotícias 2008; vgl. AngoNotícias 2010).

[13] Der Begriff zungeira ist der Bantusprache Kimbundu entnommen und bedeutet sich bewegen (vgl. Redvers 2014).

[14] Die Ziele von Angola 2025 sind den nationalen Zusammenhalt, die Förderung von Frieden und Ruhe, eine gerechte und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, eine gerechte Einkommensverteilung, die makroökonomische Stabilität und die harmonische Entwicklung der verschiedenen Regionen des Landes zu gewährleisten (Eigene Übersetzung).

[15] Sie müssen kooperieren, Sensibilität, Verständnis und Patriotismus zeigen (Eigene Übersetzung).

[16] Wenn wir angemessene Bedingungen für die Bevölkerung schaffen wollen, müssen sie unsere Form zu leben, unsere Kultur, und Gewohnheiten adaptieren und vor allem unsere Vision von einem besseren Land [Anmerkung des Autors: Angola] teilen. (Eigene Übersetzung)

57 von 57 Seiten

Details

Titel
Luanda eine fragmentierte Stadt
Untertitel
Eine Analyse über die sozialräumliche Segregation der Hauptstadt Angolas
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
57
Katalognummer
V426749
ISBN (Buch)
9783668708716
Dateigröße
2899 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angola, Luanda, Segmentierung, Megastadt, Subsahara, Subsahara-Afrika, Sozialräumliche Segregation, Verstädterung, Gated Communities, Luanda Sul, Kilamaba Kiaxi, Baía de Luanda, Central Business District, Musseques, Informeller Bodenmarkt, zungeiras, Roque Santeiro, Panguila, One million houses, Zango, Fragmentierte Städte, Wirtschaftswachstum, Erdöl
Arbeit zitieren
Fabio Breuer (Autor), 2014, Luanda eine fragmentierte Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426749

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