Strukturfunktionalistische Rollentheorie bei Parsons und Dahrendorf

Ein erster Versuch eines Vergleichs


Hausarbeit, 2016
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Herkunft, Entwicklung und Idee der Rollentheorie

3 „Homo sociologicus“ – Rollentheorie bei Dahrendorf

4 Strukturfunktionalistische Rollentheorie bei Parsons

5 Vergleich

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Nach Webers bekannter Definition dreht sich die Soziologie um das soziale Handeln. Sie hat als Aufgabe soziales Handeln deutend zu verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich zu erklären (vgl. Weber 1922: 1). Dieser Aufgabe widmen sich verschiedenste Strömungen, Theorien und Modelle innerhalb der Soziologie. Ein Kerngebiet welches sich mittlerweile etabliert hat, lässt sich mit dem Begriff Handlungstheorie bezeichnen; worunter sich wiederum unterschiedlichste Begriffe wie Akteurtheorie, Akteurmodelle, Rollentheorie, Strukturfunktionalismus etc. unterordnen lassen. Ein weites Feld, in dem es schwer ist den Überblick zu behalten. Diese Arbeit setzt sich mit der traditionellen Rollentheorie auseinander und zwei wichtige Vertreter dieser Theorie – einer aus dem amerikanischen und einer aus dem deutschen Raum – werden dazu vergleichend untersucht: Talcott Parsons und Ralf Dahrendorf. Zwei Vertreter des Strukturfunktionalismus, die in den 50er und 60er Jahren wichtige Akteure in der konfliktreichen Debatte der Entstehung der Rollentheorie waren. Vielfach kritisiert, angepasst und weiterentwickelt ist die traditionelle Rollentheorie doch die Grundlage für viele neuere und populäre Theorien, wie der Systemtheorie, dem Rational-Choice-Ansatz, dem Neo-Institutionalismus oder dem Symbolischen Interaktionismus. Für Münch lassen sich zumindest ein Teil der neueren soziologischen Konzepte als Reaktion auf die frühere Dominanz der strukturell-funktionalen Theorie zurückführen (2007: 25). Der Begriff Soziale Rolle hat sich mittlerweile in der Soziologie durchgesetzt und findet unter anderem praktische Verwendung für empirische Studien (vgl. Miebach 2010: 39).

Zunächst wird in dieser Arbeit ein knapper Überblick über die Herkunft und Entwicklung der Rollentheorie gegeben, um daraufhin die Grundlagen und die wichtigsten Begriffe zu erläutern. Mit Hilfe dieser Kontextualisierung der Rollentheorie innerhalb der Soziologie und dessen Grundlagen können dann die Kernthesen der Theorien von Parsons und Dahrendorf vorgestellt und anschließend verglichen werden. Im Mittelpunkt steht die Frage nach Überschneidungen und Unterschieden beider Theorien. Es soll damit abschließend aber auch eine Einordnung der beiden Theoretiker in den rollentheoretischen Diskurs ermöglicht werden.

2 Herkunft, Entwicklung und Idee der Rollentheorie

In diesem Kapitel wird in übersichtlicher Weise die Entwicklung und Herkunft der Rollentheorie nachgezeichnet und dessen Einordnung innerhalb der Soziologie aufgezeigt. Dabei wird ersichtlich aus welchen Strömungen und Grundlagen sich die Theorien von Parsons und Dahrendorf entwickelt haben. Zudem werden wichtige Begriffe geklärt, die für die Untersuchung und den Vergleich der Theorien nötig sein werden.

Zunächst kann die allgemeine Soziologie in die beiden Schulen Systemtheorie (nach Luhmann) und Handlungstheorie unterschieden werden (vgl. Schimank 2010: 7). Die Handlungstheorie wiederum lässt sich ohne die Definitionen und dem Verständnis von Max Weber nicht erklären. Weber lieferte die Definitionen und Unterscheidungen der Begriffe Verhalten, Handeln und soziales Handeln. Eine genaue Abgrenzung und Definition der Begriffe ist hier nicht nötig; wichtig festzuhalten für die Handlungstheorie ist der Begriff soziales Handeln. Miebach definiert Handlungstheorien wie folgt: „Unter Handlungstheorien werden solche soziologischen Theorien verstanden, die sinnhaftes Handeln von Individuen oder Gruppen in sozialen Interaktionen erklären.“ (Miebach 2010, S. 15). Es geht also nicht um jedes Verhalten oder Handeln, sondern soziologisch relevant ist immer nur sinnhaftes Handeln, welches auf andere Akteure bezogen ist. Dieses Handeln soll erklärt werden und findet nicht nur als Interaktion zwischen zwei Akteuren statt, sondern ist eingebettet in gesellschaftliche Strukturen, die dieses Handeln prägen.

Hier tut sich eine soziologische Konfliktlinie auf, die mit der Gründung der Soziologie entstand. Es entwickelten sich zwei Strömungen mit unterschiedlichen Ansätzen: zum Einen die individualistischen Erklärungsmodelle und zum Anderen kollektivistische Erklärungsmodelle; wobei Max Weber zu Ersterem und Émile Durkheim zu Zweiterem gezählt werden kann (vgl. Miebach 2010: 33). Die Theorien von Parsons und Dahrendorf gehören zum kollektivistischen Ansatz, woraus sich auch das normative Paradigma ableitet. Nach Durkheim lassen sich soziale Strukturen nicht auf individuelles Handeln zurückführen – wie bei Weber – sondern sie existieren außerhalb des Individuums und üben gewissermaßen einen Zwang aus (vgl. ebd.: 33). Zur Beschreibung dieses Zwanges führte Durkheim den Begriff des soziologischen Tatbestandes ein. Im Grunde geht es dabei um Regelmäßigkeiten, Normen, Sitten und Konventionen etc. innerhalb der „sozialen Welt“, die das Handeln bestimmen (vgl. Schimank: 52 f.). Die Wahl einer Handlung wird nach dieser Denkrichtung primär auf externe Faktoren zurückgeführt und nicht auf Individuelle. Durkheim benutzte auch schon Beispiele und Vergleiche, in denen er die Idee der sozialen Rolle vorwegnahm und prägte den Begriff der Sozialisation, der die Aneignung eben jener Rollen darstellt. Die Begriffe sind zentral für die Rollentheorie, allerdings entwickelte er daraus keine eigene Rollentheorie.

Die kollektivistische Auffassung stellte sich auch gegen die Leitidee der Moderne, sowie des deutschen Idealismus, bei der die Subjekte als autonom betrachtet wurden und sich prinzipiell ihre eigene Welt schaffen können (vgl. ebd.: 54). Dieses Denken des normativen Paradigmas bildete die Grundlage für Parsons Theorien und auch für die Idee des „homo sociologicus“, der später besprochen wird. Der Gegenbegriff zum normativen Paradigma ist das interpretative Paradigma, aus dem sich die interpretativ-interaktionistische Richtung entwickelte und daraus dann der (Symbolische) Interaktionismus (vgl. Miebach 2010: 25). Im Fokus steht hier das handelnde Subjekt und nicht das soziale System als Erklärungsansatz des Handelns. Wichtige Vertreter dieser Richtung waren Alfred Schütz, Erving Goffmann und George H. Mead.

Aus dem Vorangegangenem entwickelte vor allem Parsons eine umfangreiche Theorie, die zum Strukturfunktionalismus gezählt wird und die auch für Dahrendorf zentral ist. Von der Mitte der 40er Jahre bis in 60er dominierte Parsons mit seinen Theorien den soziologischen Diskurs (vgl. ebd.: 27). Der Begriff Strukturfunktionalismus setzt sich aus den beiden Begriffen Strukturalismus und Funktionalismus zusammen. Zur Erläuterung kann auch hier wieder auf Durkheim zurückgegriffen werden, der den Begriff zwar nicht definierte, aber seine gedanklichen Grundlagen schuf. Denn er fasste „das Soziale“ ähnlich wie Naturgesetze oder biologische Organismen auf, in denen bestimmte Regelmäßigkeiten und Funktionen vorhanden sind, die das Gesamtsystem konstituieren und unabhängig vom Individuum bestehen. Eine treffende Definition wurde von Balog in der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie entworfen: „Die Pointe des Strukturfunktionalismus liegt in der Modellierung des Sozialen als normativer Ordnung: als eine Struktur von Sollensregeln. Anders als im interpretativen Paradigma sind Akteure hier Strukturreproduzenten. Das Normensystem ist eher Voraussetzung als Ergebnis des Handelns.“ (1998: 11) Soziale Strukturen wirken auf das Subjekt und bestimmen das Handeln und andersrum kann Handeln als Funktion begriffen werden, die die soziale Struktur schafft. Der Strukturfunktionalismus wurde in den 50er Jahren „gelegentlich für die einzig mögliche Form der Soziologie gehalten.“ (Münch 2007: 25) Für Schimank scheint der Strukturalismus noch immer die Hauptaufgabe der Soziologie zu sein, wenn er sagt: „Mein Standpunkt lautet, dass sich die Soziologie vorrangig damit zu beschäftigen hat, wie handelndes Zusammenwirken von Akteuren alle Arten von sozialen Strukturen schafft, aufrechterhält, verändert oder zerstört.“ (Schimank 2010: 7 f.)

Genau diese Gedanken spiegeln sich auch im Begriff der sozialen Rolle und im Akteurmodell des „homo sociologicus“ wieder. Rollen sind nach Parsons Strukturkategorien, die bestimmte Funktionen im sozialen System erfüllen (vgl. Miebach 2010: 43). In dieser Idee drückt sich die Verbindung zwischen Strukturfunktionalismus und Rollentheorie aus. Der Begriff der Rolle als Denkfigur wurde zunächst dem Theater entnommen, wobei die Theateraufführung als Analogie zur sozialen Welt dient (vgl. Schwinger 2007: 2). Ähnlich wie Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne spielen die Menschen eine Rolle, die ihnen auferlegt wird, allerdings nicht vom Drehbuch, sondern von „der Gesellschaft“. Wobei natürlich festgelegt werden muss, was denn mit Gesellschaft gemeint ist. Als soziologischer Begriff wurde soziale Rolle 1936 vom amerikanischen Anthropologen Ralph Linton eingeführt und später dann in die verschiedenen Rollentheorien integriert (vgl. Miebach 2010: 39 f.). Nach Linton nehmen Individuen Plätze innerhalb des sozialen Systems ein, die fortbestehen, auch wenn die Individuen wechseln; diesen Plätzen entsprechen soziologisch Positionen (vgl. Abels 2009: 101). „Die "Gesamtheit der kulturellen Muster", die mit einer Position verbunden sind und die unabhängig von einem konkreten Einzelnen gelten, hat Linton »Rolle« genannt.“ (ebd.) Rollen können nach Linton zugeschrieben oder erworben sein.

Miebach beschreibt das Rollenkonzept wie folgt: „Die Grundidee des Rollenkonzepts besteht darin, dass an die Mitglieder einer Gesellschaft in bestimmten sozialen Situationen Verhaltenserwartungen gerichtet werden, die jeder Rollenhandelnde auf etwa gleiche Weise erfüllt.“ (Miebach 2010: 40) Es geht also um Erwartungen der Gesellschaft, die – in entsprechenden Situation – mit einer bestimmten Regelmäßigkeit existieren. Miebach führt dabei das Beispiel des Händeschüttelns an, welches ja als Erwartung in bestimmten Situationen existiert, aber nicht als Rolle gilt (vgl. ebd.). Denn zur Rolle gehört immer eine gesellschaftliche Position und diese wiederum ergibt sich entweder aus einer bestimmten Funktion innerhalb der Gesellschaft – bspw. Lehrerin – oder aus der Mitgliedschaft einer Gruppe – bspw. Mutter in einer Familie (vgl. ebd.). Eine Person kann mehrere Rollen gleichzeitig innehaben, daraus können wiederum Rollenkonflikte entstehen, weil sich gegensätzliche Erwartungen an eine Person richten können. Durch Sozialisation, vor allem durch die unterschiedlichen Formen der Erziehung, werden diese Rollenstrukturen erlernt; der Prozess ist für die soziale Ordnung nötig, da die Erwartungen aus der Gesellschaft mit den individuellen Bedürfnissen zusammen gebracht werden (vgl. Schwinger 2007: 3).

Der Begriff der sozialen Rolle wurde eher spät in die Soziologie aufgenommen und war in den 60er Jahren einem Diskurs ausgesetzt, der zwischen „Funktionalisten“ und „Interaktionisten“ ausgetragen wurde (vgl. Miebach 2010: 39). Der Konflikt entsprach der Konfliktlinie aus der Vergangenheit, der schon vorher erläutert wurde. Auch wenn heutzutage die Rollentheorie ihre exponierte Stellung im Vergleich zur Vergangenheit eingebüßt hat und durch neuere Konzepte wie Frame und Organisation abgelöst wurde, hat sie sich in der Soziologie doch als Standardwerkzeug etabliert (vgl. ebd.).

Wie in diesem Kapitel ersichtlich wurde, hat sich die Rollentheorie als Spezialisierung der Handlungstheorie entwickelt und soll nun anhand von zwei Vertretern praktisch untersucht werden. Zunächst wird der homo sociologicus von Ralf Dahrendorf vorgestellt.

3 „Homo sociologicus“ – Rollentheorie bei Dahrendorf

Auch wenn Parsons seine Theorien zeitlich vor Dahrendorf veröffentlicht hat und sich Dahrendorf auch auf Parsons bezieht, wird Dahrendorf hier zu erst vorgestellt. Denn mit seinem Akteurmodell hat Dahrendorf die Rollentheorie auf den Punkt gebracht und anschaulich untersucht. Es werden hier die Grundthesen behandelt und verschiedene Aspekte werden angedeutet, die hier des Umfangs wegen nicht ausgeführt werden können, wie beispielsweise Rollenkonflikte.

Dahrendorfs Abhandlung „homo sociologicus“, welche 1958 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, ist erstaunlich populär geworden und ihm wird hohe Bedeutsamkeit für die Soziologie bescheinigt. Obwohl Dahrendorf nicht als der Erfinder des „homo sociologicus“ gelten sollte, da dessen Ideen schon vorher von vielen entwickelt worden sind und Dahrendorf die amerikanische Rollentheorie hauptsächlich „aufgearbeitet und andererseits in strukturtheoretischer Richtung stark überspitzt“ (Miebach 2010: 49) hat. Und er stellte die Ideen zusammen in einem Akteurmodell, um dieses neben dem „homo oeconomicus“ und dem „psychological man“ zu platzieren. Für Schimank war Dahrendorfs Modell „für die Herausbildung der Soziologie als eigenständiger Disziplin neben den anderen Sozialwissenschaften – insbesondere der Wirtschaftswissenschaft – von großer Bedeutung“ (2010: 49). Dahrendorf rief zumindest auch viel Kritik und neue Diskurse mit seinem Werk hervor, wie er selber in seinen neueren Vorworten beschreibt.

Akteurmodelle sollen das Handeln von Akteuren erklären, wobei vielfache Vereinfachungen und Abstraktionen vorgenommen werden, wie bei wissenschaftlichen Modellen üblich. Der Gedanke ist, für einen bestimmten Ausschnitt der Realität ein möglichst generisches, also für viele Fälle geltendes, Modell zu schaffen. Ein Akteur ist dabei die oder der sozial Handelnde, wobei dies nicht nur auf Personen beschränkt ist; es kann sich ebenso um eine Organisation, eine soziale Bewegung etc. handeln (vgl. Schimank: 44 f.). Beim „homo sociologicus“ ist die Idee – wie schon im vorherigen Kapitel herausgearbeitet wurde – dass Akteure ihr Handeln prinzipiell an sozialen Normen ausrichten. Und beispielsweise nicht an der rationalen, individuellen Nutzenmaximierung, wie beim „homo oeconomicus“.

Die Soziale Rolle als das Handeln bestimmend und als Struktur schaffend, wurde im vorherigen Kapitel schon angedeutet; für Dahrendorf ist „homo sociologicus“ nun die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft. „Am Schnittpunkt des Einzelnen und der Gesellschaft steht homo sociologicus, der Mensch als Träger sozial vorgeformter Rollen. Der einzelne ist seine sozialen Rollen, aber diese Rollen sind ihrerseits die ärgerliche Tatsache der Gesellschaft.“ (Dahrendorf 1967: 16) Was genau sind nun soziale Rollen für Dahrendorf?

Wie schon ausgeführt kann der Begriff Rolle nicht losgelöst vom Begriff Position gedacht werden. Dahrendorf beginnt daher mit dem Begriff soziale Position und führt diesen am Beispiel einer fiktiven Person „Herr Schmidt“ aus, der verschiedene Position innehat: Studienrat, Schatzmeister, Staatsbürger, Vater, Skatspieler etc. (vgl. Dahrendorf 1967: 23 f.). Soziale Position ist für ihn dann jeder „Ort in einem Feld sozialer Beziehungen“ (ebd.: 24) und etwas „prinzipiell unabhängig vom Einzelnen Denkbares“ (ebd.). Kurz darauf wird der Begriff soziale Rolle treffend von Dahrendorf definiert: „Zu jeder Stellung, die ein Mensch einnimmt, gehören gewisse Verhaltensweisen, die von dem Träger dieser Position erwartet werden; zu allem, was er ist, gehören Dinge, die er tut und hat; zu jeder Position gehört eine soziale Rolle.“ (ebd.: 25 f.) Für Dahrendorf bezeichnen diese beiden Begriffe den „homo sociologicus“, den Mensch der Soziologie; die beiden Begriffe vermitteln den Einzelnen und die Gesellschaft (vgl. ebd.: 26). Soziale Rollen sind für Dahrendorf Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen hinsichtlich Verhalten und Aussehen/Charakter (vgl. ebd.). Dahrendorf unterteilt diese Ansprüche später in „Kann“-, „Soll“- und „Muss“-Erwartungen, die mit unterschiedlich starken positiven und negativen Sanktionen verknüpft sind (vgl. ebd.: 30 f.).

Durch die Sanktionen besitzen Rollen eine gewisse Verbindlichkeit oder auch einen Zwang, was Dahrendorf negativ betrachtet. Der Begriff „ärgerliche“ – weil unausweichliche – „Tatsache der Gesellschaft“ aus obigen Zitat erinnert nicht ohne Grund an Durkheim, wie Dahrendorf selbst sagt. Der Begriff verdeutlicht allerdings auch gut Dahrendorfs Haltung in seinem gesamten Werkt, dass Gesellschaft etwas im Grunde repressives und das Individuum einschränkendes ist. Dies wird auch an anderen Stellen deutlich: „Um Teil der Gesellschaft und Objekt soziologischer Analyse zu werden, muß der „reine“ Mensch vergesellschaftet, an die Tatsache der Gesellschaft und dadurch zu ihrem Glied gemacht werden.“ (Dahrendorf 1967: 45). Neben der negativen Sicht auf die „Vergesellschaftung“ des Menschen, wird in diesem Zitat auch der Funktionalismus Dahrendorfs deutlich. Die negative Haltung war auch Anlass für Kritik, da Dahrendorf ein Menschenbild schafft, bei dem sich Individuum und Gesellschaft wie zwei Parteien feindlich gegenüberstehen und dem Individuum im Grunde kaum Handlungsspielraum übrig bleibt. Miebach schreibt hierzu: „Nach Dahrendorfs unversöhnlicher Gegenüberstellung von Individuum und Gesellschaft entfremdet die Internalisierung von Rollenmustern das Individuum von seinem eigentlichen Kern.“ (Miebach 2010: 50). Zwar deutet Dahrendorf an verschiedenen Stellen an, dass es auch Bereiche gibt, in denen sich Handlungsspielräume, wenn auch kleine, auftun können (vgl. Dahrendorf 1967: 32) und dass die Tatsache der Gesellschaft auch ein Gerüst sein kann, welches Sicherheit gibt (vgl. ebd.: 33); doch prinzipiell versteht er Rollen als entfremdend.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Strukturfunktionalistische Rollentheorie bei Parsons und Dahrendorf
Untertitel
Ein erster Versuch eines Vergleichs
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Soziologische Theorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V426752
ISBN (eBook)
9783668710368
ISBN (Buch)
9783668710375
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rollentheorie, dahrendorf, parsons, talcott, handlungstheorie, klassiker, strukturfunktionalismus, homo sociologicus
Arbeit zitieren
Manuel Banz (Autor), 2016, Strukturfunktionalistische Rollentheorie bei Parsons und Dahrendorf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426752

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