Alleine bei der Betrachtung des Arbeitsmarktes und den überall kursierenden Stellenanzeigen taucht in fast jedem Anforderungsprofil der Begriff der Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit auf. In einer Umfrage in Deutschland (238 Befragte Personalchefs und Human Resources-Experten ab 18 Jahre), durchgeführt von Harris Interactive, stellte sich heraus, dass Teamfähigkeit mit 46 Prozent und Kommunikationsfähigkeit mit 44 Prozent die Begriffe sind, die sehr häufig von Arbeitgebern im Lebenslauf gesucht werden. Dies untermauert, wie wichtig der Aspekt der Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit in eine immer digitale werdende Welt tatsächlich ist.
Die Frage, die sich ergibt ist: Reichen diese Kompetenzen aus, um leistungsstarke und erfolgreiche Teams zu bilden? Sind Persönlichkeitsmerkmale die entscheidenden Parameter für die den Erfolg einer Gruppe und für eine leistungsstarke Gruppe? Wenn ja, welche Persönlichkeitsmerkmale haben den Größten Einfluss auf die
Gruppenleistung?
Ziel dieser Arbeit ist somit herauszufinden, ob Persönlichkeitsfaktoren nach aktuellem Forschungsstand tatsächlich einen moderaten Einfluss auf die Gruppen-/Teamleistung haben und durch welche Faktoren die Leistung von Gruppen erhöht werden kann. Anfangs werden die sozialpsychologischen Definitionen und Erläuterungen zu den Begriffen Gruppe, Gruppenleistung und Erfolgsfaktoren einer Gruppe dargestellt, um eine einheitliche wissenschaftliche Basis zu schaffen. Im Anschluss werden die wesentlichen Facetten des
"Big-Five" Modells erörtert, bevor ein möglicher Zusammenhang von Persönlichkeitsfaktoren und Gruppenleistung aus mehreren empirischen Studien aufgezeigt wird. Auf Basis der empirischen Befunde, werden Handlungsempfehlungen für die Praxis bei der Auswahl von Mitgliedern für leistungsstarke Gruppen gegeben, woraufhin abschließend die Machbarkeit im Hinblick auf die Praxis thematisiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition der Begriffe Gruppe, Gruppenleistung und erfolgreiche Gruppe
2.1 Gruppe
2.2 Gruppenleistung
2.3 Faktoren einer erfolgreichen Gruppe
3 Zusammenhang von Persönlichkeit und Gruppenleistung
3.1 Die Persönlichkeitsforschung und die Big Five
3.2 Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit auf die Gruppenleistung
3.3 Hypothese
4 Darstellung der Ergebnisse aus empirischen Studien
5 Handlungsempfehlungen für die Zusammensetzung von leistungsstarken Gruppen
5.1 Gruppengröße und Zusammensetzung
5.2 Heterogenität und Homogenität
6 Stellungnahme und Machbarkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Persönlichkeitsfaktoren nach aktuellem Forschungsstand die Leistung von Gruppen beeinflussen und welche Kriterien bei der Zusammensetzung von Teams zur Leistungssteigerung beitragen können.
- Sozialpsychologische Grundlagen von Gruppen und Gruppenleistung
- Das "Big-Five"-Modell der Persönlichkeitsforschung
- Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit auf den Teamerfolg
- Empirische Metaanalysen zur Gruppenzusammensetzung
- Strategien für die Praxis bei der Auswahl von Gruppenmitgliedern
Auszug aus dem Buch
3.2 Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit auf die Gruppenleistung
In 3.1 dieser Arbeit wurde das eigenschaftstheoretische Fünf-Faktoren Modell kurz skizziert. Da jeder Mensch sehr individuell hinsichtlich seiner Persönlichkeit ist, besteht ein Team, eine Arbeitsgruppe etc. somit auch aus mehreren Persönlichkeitsfaktoren. In dieser Hausarbeit von großem Interesse ist insbesondere der Faktor Verträglichkeit, da dieser maßgeblich zum Zusammengehörigkeitsgefühl beiträgt. So stellten Barrick, Stewart, Neubert & Mount fest, dass sowohl der Faktor Verträglichkeit, als auch der Faktor Extraversion hinsichtlich der Teamfähigkeit den größten Zusammenhang aufweist (Barrick, Stewart, Neubert & Mount, 1998). Zudem trägt der Faktor Verträglichkeit zur Stabilität bei, was zusätzlich zu einer leistungsfähigeren Gruppe beitragen könnte (Herzberg & Roth, 2014).
Herzberg und Roth (2014) beschreiben Verträglichkeit als „vertrauensvoll, wohlwollend, gutmütig, freundlich und hilfsbereit“ im Hinblick auf andere Menschen. Ähnlich beschreibt auch Asendorpf (2015) den Faktor des Fünf-Faktoren Modells, nämlich dass sich Verträglichkeit auf Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Wärme auf die Interaktion mit anderen Menschen bezieht. Nach Herzberg und Roth (2014) sollen verträgliche Menschen auch von positiveren Reaktionen durch ihre Umwelt ausgehen, erwarten allerdings auch das Beste von anderen Menschen und sie zeigen sich toleranter in Konfliktsituationen. Gegensätzlich dazu sind also Personen mit einer geringen Ausprägung der Verträglichkeit unkooperativ, kalt und streitsüchtig, wodurch von negativen Facetten für eine Gruppe und somit für die Gruppenleistung ausgegangen werden kann (Herzberg & Roth, 2014).
Auch nach Asendorpf (2015) bezieht sich Verträglichkeit auf soziale Motive. Er impliziert sogar die Dimension „Liebe“ mit dem Big-Five Faktor Verträglichkeit. Demnach sind hohe Werte in den Facetten des Faktors Verträglichkeit sozial erwünscht und niedrige Werte ausnahmslos unerwünscht (Asendorpf, 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hohe Relevanz von Team- und Kommunikationsfähigkeit auf dem heutigen Arbeitsmarkt und leitet die Forschungsfrage ab, ob Persönlichkeitsmerkmale maßgeblich für den Erfolg einer Gruppe verantwortlich sind.
2 Definition der Begriffe Gruppe, Gruppenleistung und erfolgreiche Gruppe: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis durch sozialpsychologische Definitionen von Gruppen und erläutert die Komponenten der Gruppenleistung sowie das Konzept von Prozessverlusten und -gewinnen.
3 Zusammenhang von Persönlichkeit und Gruppenleistung: Hier wird das Fünf-Faktoren-Modell (Big Five) eingeführt und der spezifische Einfluss des Merkmals Verträglichkeit auf das interpersonelle Gefüge in Gruppen analysiert.
4 Darstellung der Ergebnisse aus empirischen Studien: Basierend auf verschiedenen Metaanalysen werden empirische Belege für den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften, insbesondere Verträglichkeit, und dem Teamerfolg dargelegt.
5 Handlungsempfehlungen für die Zusammensetzung von leistungsstarken Gruppen: Dieses Kapitel gibt praxisorientierte Hinweise zur optimalen Gruppengröße sowie zur Abwägung von Homogenität und Heterogenität innerhalb von Arbeitsteams.
6 Stellungnahme und Machbarkeit: Der Autor resümiert, dass Verträglichkeit zwar ein wichtiger Faktor ist, aber keine allgemeingültige Formel für die perfekte Gruppenzusammensetzung existiert, da auch fachliche Qualifikationen und situative Faktoren eine Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Sozialpsychologie, Gruppenleistung, Persönlichkeitsmerkmale, Big-Five-Modell, Verträglichkeit, Teamfähigkeit, Gruppendynamik, Arbeitsleistung, Personalauswahl, Teamerfolg, Prozessverluste, Prozessgewinne, Heterogenität, Homogenität, Arbeitszufriedenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Leistungsfähigkeit von Gruppen aus sozialpsychologischer Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Gruppen, dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell, der Bedeutung von Verträglichkeit sowie praktischen Empfehlungen für das Team-Recruiting.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu eruieren, ob Persönlichkeitsfaktoren einen moderaten Einfluss auf die Gruppenleistung haben und wie die Leistung durch gezielte Zusammensetzung optimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung verschiedener empirischer Metaanalysen zu den Themen Gruppeneffektivität und Persönlichkeitspsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Gruppenleistung, stellt die Zusammenhänge zwischen Big-Five-Merkmalen und Teamerfolg dar und gibt Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialpsychologie, Verträglichkeit, Gruppenleistung, Big-Five-Modell und Teamerfolg charakterisiert.
Warum ist das Persönlichkeitsmerkmal „Verträglichkeit“ für den Autor so bedeutsam?
Verträglichkeit gilt als entscheidend für das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Gruppe, da verträgliche Mitglieder kooperativer agieren und zu einer stabileren Gruppendynamik beitragen.
Ist eine homogene oder eine heterogene Zusammensetzung einer Gruppe besser?
Es gibt keine allgemeingültige Antwort; während Homogenität Konflikte minimieren kann, bietet eine gewisse Heterogenität den Vorteil einer intensiveren Informationsverarbeitung durch unterschiedliche Perspektiven.
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- Tom Kozuch (Autor), 2017, Der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Leistung von Gruppen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426808