Als Fallbeispiele für Mikrogeschichte behandelt diese Hausarbeit die Geschichte des „Mayflower Compacts“ und die politischen Idee der „Volkssouveränität“, wie sie von John Locke in seinen „Two Treatises of Government“ beschrieben wurde. Der Untersuchungszeitraum bezieht sich auf das siebzehnte Jahrhundert und der Untersuchungsraum auf England und dessen junge Kolonien in Nordamerika.
Globalgeschichte ist ein Forschungsfeld, das – ausgehend von der USA - einen immer breiteren Raum in der Geschichtswissenschaft einnimmt. Seine Inhalte sind allerdings bisher nicht verbindlich definiert. Viele Forschungsansätze spiegeln sich in ihm wider. Einige Historiker setzen Globalgeschichte mit Weltgeschichte gleich und benutzen die beiden Bezeichnungen synonym. Jürgen Osterhammel jedoch trennt die beiden Disziplinen und beschreibt Unterschiede. Weltgeschichte ist in seinen Augen eine dezentrierte, überregionale, vergleichende Betrachtungsweise von Einheiten wie zum Beispiel „Nationen“ oder „Zivilisationen“, während Globalgeschichte weltweite, von „Knotenpunkten“ ausgehende Netzwerke und deren Spannungsverhältnis behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Geschichte der Weltgeschichtsschreibung
Globalgeschichte/Global History
Die Puritaner und der „Mayflower Compact“
John Locke und die Idee der „Volkssouveränität“.
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „Volkssouveränität“ als globalgeschichtlichen Knotenpunkt anhand zweier Fallbeispiele aus dem 17. Jahrhundert: dem „Mayflower Compact“ der puritanischen Siedler in Nordamerika und der Staatstheorie von John Locke in England. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese Ereignisse als miteinander verknüpfte, überregionale Phänomene verstanden werden können, die den Weg für liberale Staatsformen ebneten.
- Methodische Grundlagen der Globalgeschichte und ihre Abgrenzung zur Weltgeschichte
- Der „Mayflower Compact“ als Ausdruck politischer Selbstverwaltung
- Die staatstheoretischen Überlegungen John Lockes zur Volkssouveränität
- Die Rolle puritanisch-calvinistischer Glaubensinhalte als verbindendes Element
- Wechselwirkungen zwischen lokaler Mikrogeschichte und globalen politischen Ideen
Auszug aus dem Buch
Die Puritaner und der „Mayflower Compact“
Unter Jakob I. von England (1566-1625) wurde 1607 mit Jamestown in Virginia die erste englische Niederlassung in der „Neuen Welt“ gegründet. Die überseeischen Territorien waren in den Augen der Europäer herrenloses Land, über das sie frei nach ihrem Willen verfügen konnten. In Englands „Neuer Welt“ fanden sich verschiedene Organisationsformen. Es existierten drei Grundmodelle von Besitzrechten: die Kronkolonie, die Eigentümerkolonie und die Charterkolonie. Kronkolonien waren direkt der Krone unterstellt, Eigentümerkolonien hatte der König einzelnen Privatpersonen überlassen und dabei weitgehend auf seine Rechte verzichtet. Dieses Modell ähnelte dem mittelalterlichen Lehnswesen. Das dritte Modell war die Charterkolonie. Auch dieses Modell hatte mittelalterliche Wurzeln. Der König vergab allerdings die Kolonie nicht an eine Einzelperson, sondern an ein Konsortium privater, meist dem Bürgertum zuzuordneten Investoren. Diese gründeten politische Körperschaften mit einem Gouverneur an der Spitze und einer Bürgervertretung in einem, meistens aus zwei Kammern bestehenden Parlament. Hervorzuheben an dieser Art der Verwaltung ist deren Grundlage: die Charter. Dieses königliche Rechtsinstrument war jedoch ein zweischneidiges Schwert, denn es „trat schon früh als etwas völlig neues zwischen König und Kolonisten“, da sie im atlantischen Kontext „den Charakter einer Verfassung annahm, die mit ihrer Besiegelung dem unmittelbaren königlichen (… ) Zugriff entzogen war.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld der Globalgeschichte, die Definition von Knotenpunkten nach Jürgen Osterhammel und die Zielsetzung der Arbeit.
Die Geschichte der Weltgeschichtsschreibung: Überblick über die Entwicklung und verschiedenen Ansätze der Weltgeschichtsschreibung von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
Globalgeschichte/Global History: Analyse des modernen Verständnisses von Globalgeschichte als Interaktionsgeschichte und Abgrenzung von Globalisierung und Nationalgeschichte.
Die Puritaner und der „Mayflower Compact“: Untersuchung der Kolonialgeschichte, der puritanischen Lebensweise und der Entstehung des Mayflower-Vertrags als Modell der Selbstverwaltung.
John Locke und die Idee der „Volkssouveränität“.: Darstellung der politischen Theorie John Lockes, eingebettet in den historischen Kontext der englischen Revolutionen des 17. Jahrhunderts.
Schlussbetrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der untersuchten Knotenpunkte für die Genese moderner liberaler Demokratien.
Schlüsselwörter
Globalgeschichte, Weltgeschichte, Volkssouveränität, John Locke, Mayflower Compact, Puritanismus, Calvinismus, Selbstverwaltung, Mikrogeschichte, Knotenpunkte, liberale Staatsformen, England, Nordamerika, Staatstheorie, Aufklärung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die politische Idee der „Volkssouveränität“ als globalgeschichtlicher Knotenpunkt im 17. Jahrhundert fungierte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Globalgeschichte als Forschungsfeld, die Entstehung puritanischer Selbstverwaltung in Nordamerika und die politische Staatstheorie John Lockes.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es zu klären, ob die beiden gewählten Fallbeispiele als Knotenpunkte innerhalb eines globalen Netzwerks gesehen werden können und welches Spannungsverhältnis zwischen ihnen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen mikrogeschichtlichen Ansatz, indem sie konkrete Primärquellen (Mayflower Compact, Werke von John Locke) analysiert, um größere historische Zusammenhänge aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Historiographie der Weltgeschichte und das moderne Verständnis von Globalgeschichte erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Puritaner sowie der politischen Philosophie von John Locke.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globalgeschichte, Volkssouveränität, Knotenpunkte, Puritanismus, liberale Staatsformen und die Wechselbeziehung zwischen dem lokalen und globalen Raum.
Welche Rolle spielen die Puritaner für die Argumentation?
Die Puritaner dienen als Fallbeispiel für eine frühe Form der politisch unabhängigen Selbstverwaltung, die ihre Wurzeln in religiösen Vorstellungen hat und demokratischen Ideen den Weg ebnete.
Wie trägt John Locke zur Beantwortung der Forschungsfrage bei?
Locke liefert mit seiner „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ die theoretische Fundierung für das Widerstandsrecht gegen absolutistische Herrschaft und die Notwendigkeit von Gesellschaftsverträgen.
- Arbeit zitieren
- Gudrun Kahles (Autor:in), 2018, Die politische Idee "Volkssouverenität". Ein globalgeschichtlicher Knotenpunkt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426859