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War Karl der Große ein Kaiser wider Willen?

Title: War Karl der Große ein Kaiser wider Willen?

Term Paper (Advanced seminar) , 1998 , 39 Pages , Grade: 2

Autor:in: Bert Rösch (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

„Quo tempore imperatoris et augusti nomen accepit, quod primo in tantum aversatus est, ut adfirmaret se eo die, quamvis praecipua festivitas esset, in ecclesiam non intraturum, si pontificis consilium praescire potuisset.“

Dieses Zitat des Karl-Biographen Einhard aus dem Jahre 851 war der Ausgangspunkt einer Diskussion über das Kaisertum Karls des Großen, die die Geschichtswissenschaft über Jahrhunderte hinweg beschäftigte. Denn diese Äußerung unterstellt Karl der Große, daß er eigentlich gar nicht Kaiser werden wollte. Papst Leo III. habe ihm die Kaiserkrone in einem Überraschungscoup aufs Haupt gesetzt, und Karl habe diese Würde erst nach langem Zögern angenommen.

Diese Theorie fand sowohl zahlreiche Verfechter als auch Kritiker, so daß schließlich zwei Positionen unversöhnlich gegenüberstanden: Die einen gingen davon, daß Karl zwar danach trachtete, sein königliches Ansehen bis zur Grenze des Möglichen zu steigern und sich gern zu den höchsten Personen der Welt zählen ließ, aber zugleich von einer solchen Abneigung gegen alles Römische und insbesondere gegen den Kaisertitel erfüllt war, daß er keinesfalls Kaiser werden wollte. Die anderen waren der Ansicht, daß Karl im Jahre 800 den Romzug in der Absicht antrat, von dem damaligen Papst Leo III. die Kaiserkrone zu erhalten, sprich: Karl hatte die Krönung schon seit langem geplant, und sein von Einhard zitiertes Widerwillen war nur vorgetäuscht.

Die vorliegende Arbeit untersucht diese „Kaiser wider Willen“-Theorie, indem sie den Forschungsgang des Problems untersucht, das laut Heldmann „wie ein gespenstiger Schatten alle Jahrhunderte unseres geschichtlichen Lebens begleitet“ hat. Die Untersuchung beginnt mit der Darstellung Ludens aus dem Jahre 1828 und endet mit den Gedanken, die Johannes Fried 1994 veröffentlichte. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, d.h. es werden nur diejenigen Arbeiten untersucht, die sich entweder sehr intensiv mit dieser Frage beschäftigt haben oder die durch ihre Thesen die Forschungsdiskussion vorangetrieben haben. Besondere Beachtung verdienen dabei auf Seiten der „Kaiser wider Willen“-Theorie Heldmann, Ohr und Schramm und auf Seiten der Gegner dieser Auffassung Fichtenau, Classen und Beumann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Historische Einordnung

2. Hauptteil: Die Analyse der Sekundärliteratur

2.1. 1828 bis zur Jahrhundertwende

2.2. 1900 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

2.3. Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1994

3. Schlußteil

3.1. Zusammenfassung

3.1. Schlußfolgerungen und Resümee

4. Literaturliste

4.1. Darstellungen

4.2. Quellen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannte „Kaiser wider Willen“-Theorie, welche besagt, dass Karl der Große die Kaiserkrone am Weihnachtstag des Jahres 800 ohne eigenen Wunsch oder vorherige Planung durch einen Überraschungscoup Papst Leo III. erhalten habe. Ziel der Untersuchung ist es, durch die Analyse der Sekundärliteratur von 1828 bis 1994 zu klären, inwieweit diese Theorie wissenschaftlich haltbar ist oder ob das von Einhard überlieferte Zögern Karls als interpretatorisches Mittel der Zeit einzustufen ist.

  • Kritische Analyse der Forschungsmeinungen zur Kaiserkrönung Karls des Großen.
  • Untersuchung der Glaubwürdigkeit des Einhard-Zitates über Karls Unwillen.
  • Bewertung der politischen Motive von Papst Leo III. und Karl dem Großen.
  • Analyse der Rolle der "Kaiser wider Willen"-Theorie in der Geschichtswissenschaft.
  • Diskussion über die Authentizität und Funktion des Kaisertitels "Romanum Gubernans Imperium".

Auszug aus dem Buch

1.1. Einleitung

„Quo tempore imperatoris et augusti nomen accepit, quod primo in tantum aversatus est, ut adfirmaret se eo die, quamvis praecipua festivitas esset, in ecclesiam non intraturum, si pontificis consilium praescire potuisset.“

Dieses Zitat des Karl-Biographen Einhard aus dem Jahre 851 war der Ausgangspunkt einer Diskussion über das Kaisertum Karls des Großen, die die Geschichtswissenschaft über Jahrhunderte hinweg beschäftigte. Denn diese Äußerung unterstellt Karl der Große, daß er eigentlich gar nicht Kaiser werden wollte. Papst Leo III. habe ihm die Kaiserkrone in einem Überraschungscoup aufs Haupt gesetzt, und Karl habe diese Würde erst nach langem Zögern angenommen.

Diese Theorie fand sowohl zahlreiche Verfechter als auch Kritiker, so daß schließlich zwei Positionen unversöhnlich gegenüberstanden: Die einen gingen davon, daß Karl zwar danach trachtete, sein königliches Ansehen bis zur Grenze des Möglichen zu steigern und sich gern zu den höchsten Personen der Welt zählen ließ, aber zugleich von einer solchen Abneigung gegen alles Römische und insbesondere gegen den Kaisertitel erfüllt war, daß er keinesfalls Kaiser werden wollte. Die anderen waren der Ansicht, daß Karl im Jahre 800 den Romzug in der Absicht antrat, von dem damaligen Papst Leo III. die Kaiserkrone zu erhalten, sprich: Karl hatte die Krönung schon seit langem geplant, und sein von Einhard zitiertes Widerwillen war nur vorgetäuscht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale "Kaiser wider Willen"-Theorie anhand des Einhard-Zitates vor und grenzt den Untersuchungszeitraum sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit ein.

1.1. Historische Einordnung: Dieser Abschnitt bietet einen faktischen Überblick über die Geschehnisse um die Kaiserkrönung 799/800 und die damalige Situation zwischen Papst Leo III. und Karl dem Großen.

2. Hauptteil: Die Analyse der Sekundärliteratur: Dieser Teil bildet das Kernstück und analysiert chronologisch in drei Perioden die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschungsdebatte zur Kaiserkrönung.

2.1. 1828 bis zur Jahrhundertwende: Analyse der frühen Forschungsbeiträge ab 1828, in denen die "Kaiser wider Willen"-Theorie teils aufgestellt, teils bereits kritisch hinterfragt wurde.

2.2. 1900 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges: Untersuchung der Phase, in der die Theorie einer kritischen Würdigung unterzogen wurde und Autoren wie Ohr und Schramm neue Erklärungsmodelle entwickelten.

2.3. Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1994: Betrachtung der modernen Forschung, in der sich die Auffassung durchsetzte, dass es sich um ein komplexes, politisch geplantes Geschehen handelte und der Unwille Karls eher rhetorisch zu verstehen ist.

3. Schlußteil: Hier werden die Ergebnisse der Literaturanalyse zusammengeführt und bewertet.

3.1. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die verschiedenen Interpretationsmuster der historischen Forschung kurz und bündig zusammen.

3.1. Schlußfolgerungen und Resümee: Hier zieht der Autor das persönliche Fazit aus der Analyse und bewertet die verschiedenen Thesen hinsichtlich ihrer historischen Plausibilität.

4. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Darstellungen und Quellen.

Schlüsselwörter

Karl der Große, Kaiserkrönung, Kaiser wider Willen, Einhard, Papst Leo III., 800, Forschungsgang, Sekundärliteratur, Kaisertum, Historische Analyse, Romanum Gubernans Imperium, Geschichtswissenschaft, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die historische Kontroverse darüber, ob Karl der Große im Jahr 800 tatsächlich gegen seinen Willen zum Kaiser gekrönt wurde, wie es der Biograph Einhard nahelegt, oder ob es sich um eine langfristig geplante politische Inszenierung handelte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die Forschungsgeschichte der "Kaiser wider Willen"-Theorie, die Analyse der politischen Motive von Papst und König sowie die Interpretation zeitgenössischer Quellen und Titulaturen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine systematische Aufarbeitung der wissenschaftlichen Diskussion von 1828 bis 1994, um die Plausibilität der konkurrierenden Thesen zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine methodische Literaturanalyse, bei der er die verschiedenen Forschungsansätze in chronologische Epochen unterteilt und hinsichtlich ihrer Argumentationslogik vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei historische Phasen (1828 bis Jahrhundertwende, 1900 bis 1945, 1945 bis 1994) und untersucht darin, wie Historiker die Einhard-Quelle und die Kaiserkrönung interpretiert haben.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem Hauptthema "Kaiser wider Willen" stehen Begriffe wie historische Einordnung, Forschungsdebatte, Einhard-Zitat und die politische Konstruktion des abendländischen Kaisertums im Mittelpunkt.

Welche Bedeutung kommt dem Titel "Romanum Gubernans Imperium" zu?

Der Titel wird als ein bewusst gewähltes Mittel diskutiert, um den Anspruch auf das Römische Reich zu unterstreichen, ohne dabei die Franken oder Byzantiner unnötig zu provozieren.

Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit von Einhards Bericht?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Einhard-Zitat sehr wahrscheinlich als "Bescheidenheitstopos" zu verstehen ist, ein damals übliches literarisches Mittel, um die Tugenden eines Herrschers hervorzuheben.

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Details

Title
War Karl der Große ein Kaiser wider Willen?
College
University of Hamburg  (Historisches Seminar)
Course
Hauptseminar HS Vom Großfränkischen Reich zur Entstehung Frankreichs und Deutschlands
Grade
2
Author
Bert Rösch (Author)
Publication Year
1998
Pages
39
Catalog Number
V42687
ISBN (eBook)
9783638406710
Language
German
Tags
Karl Große Kaiser Willen Hauptseminar Großfränkischen Reich Entstehung Frankreichs Deutschlands
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bert Rösch (Author), 1998, War Karl der Große ein Kaiser wider Willen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42687
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