Ursprung der Gatekeeper Forschung. Anfänge durch den individuellen und institutionellen Ansatz.


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 1
1.
Ursprung der Gatekeeper Forschung durch Kurt Lewin ... 2
2.
Der individuelle Ansatz ... 3
2.1
Grundlegende Untersuchung durch David Manning White ... 3
2.2
Theoretische Weiterentwicklung des individuellen Ansatzes ... 5
3.
Der institutionelle Ansatz ... 6
3.1 Grundlegende Untersuchung durch Walter Gieber ... 6
3.2 Theoretische Weiterentwicklung des institutionellen Ansatzes ... 7
4.
Fazit ... 8
Literaturverzeichnis ... 10

Einleitung
Massenmedien üben heutzutage viel Wirkung auf Gesellschaft und Politik aus.
Journalisten haben daher als zentrale Akteure der Printmedien eine sehr einfluss-
reiche Position. Ihre Aufgabe besteht darin, die Inhalte der Berichterstattung
auszuwählen und zu interpretieren. Aus diesem Grund konzentriert sich die Jour-
nalismusforschung, ein Teilgebiet der Kommunikatorforschung, besonders auf
die Nachrichtenauswahl einzelner Journalisten, um wissenschaftlich und empi-
risch zu untersuchen wodurch die Entstehung publizistischer Aussagen beein-
flusst wird (vgl. Donsbach 2014: 81). Ein grundlegender Entwurf dieser Wis-
senschaft ist das sog. ,,Gatekeeper"-Konzept (White 1950: 383).
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Ursprung und Entstehung dieser
Forschungsrichtung und befasst sich daher besonders mit ihren ersten, grundle-
genden Annahmen. Der englische Begriff ,,Gatekeeper" ist ursprünglich auf den
Psychologen Kurt Lewin zurückzuführen und bedeutet soviel wie ,,Schleusen-
wärter" (Beck 2006: 79). David Manning White nutzte jenen Ansatz kurze Zeit
später für erste kommunikationswissenschaftliche Gatekeeper-Forschungen in
Amerika (vgl. ebd.: 79f.). Um den Prozess der journalistischen Nachrichtenaus-
wahl zu erklären, übernahm der Amerikaner daher die Annahme, auch der Kom-
munikationsprozess ließe sich in mehrere Stufen unterteilen und würde auf jeder
Stufe durch bestimmte Personen geregelt, die entscheiden welche Informationen
sie weiterleiteten. Er versteht Nachrichtenjournalisten aufgrund ihrer Selektions-
funktion dahingehend als hauptverantwortlich für die Nachrichtengebung der
Massenmedien und versucht die Ursachen ihres Handelns mittels empirischer
Herangehensweise aufzudecken.
Walter Gieber, ein weiterer Vertreter der Gatekeeper Theorien stellt deren an-
fängliches Forschungsinteresse mit folgendem Zitat treffend dar:
,,The job of the telepraph editor must be studied in order to determine why
some items are published and why others are rejected" (Gieber 1956: 423).
Grundsätzlich wird angenommen, dass sich Gatekeeper im Hinblick auf ihr Be-
rufsverständnis nicht verantwortlich fühlen dem Publikum nützliche oder hilf-
reiche Nachrichten zu liefern, sondern ihm stets eigene Mündigkeit unterstellen
(vgl. Donsbach 2014: 110f.). Theorien des Gatekeeper Konzepts gewannen über
die Zeit hinweg mehrfach an Erkenntnissen und Perspektiven, sodass Ansätze
Heute in individualistische, institutionelle und kybernetische Untersuchungen
unterteilt werden (vgl. Joch Robinson 1973: 344). Da die vorliegende Arbeit den
Ursprung und Anfang der Forschung beleuchten soll, legt sie den Fokus speziell
auf deren erste Anläufe.

1. Ursprung der Gatekeeper Forschung durch Kurt Lewin
Der 1890 geborene Feldtheoretiker Kurt Lewin kommt ursprünglich aus dem
Bereich der Psychologie und Soziologie. Die von ihm stammende ,,Feldtheorie
in den Sozialwissenschaften" entwickelt allerdings nicht nur den sozialpsycho-
logischen Entwurf der Gruppendynamik, sondern auch das Konzept des Ga-
tekeepers (vgl. Schönpflug 1992:13ff.). Lewin verwendete es 1943, um die
Schlüsselpositionen einzelner Entscheidungsträger in sozialen Gruppen zu ver-
deutlichen (vgl. Burkart 2002: 276). Er führte hierzu im Rahmen seiner ,,psy-
chologischen Ökologie" (Lewin 1963: 206) Kleingruppen-untersuchungen
durch, die erklären sollten, inwiefern Kampagnen das Ess- und Einkaufsverhal-
ten einer Bevölkerung lenken können. Dazu gliedert er den Informationsfluss
innerhalb einzelner sozialer Organisationen in mehrere Kanäle und unterteilt je-
den Kanal in mehrere Segmente (vgl. ebd.: 206 ­ 211). Am Ende dieser schleu-
senartigen Bereiche entscheiden entweder neutrale Regeln oder bestimmte, ver-
antwortliche Schlüsselpersonen darüber ob das nächste Segment geöffnet wer-
den soll oder nicht. Er bezeichnet diese Personen als Gatekeeper oder ,,Pförtner"
(ebd.: 212). Zumal Lewin ursprünglich den Nahrungskanal untersuchte, kon-
zentrierte er sich speziell auf Hausfrauen, da sie während des Einkaufprozesses
darüber entscheiden welche Lebensmittel aussortiert oder weitergeleitet werden.
Seinen Befunden nach sind die Entscheidungen der Gatekeeper entweder von
der persönlichen Einschätzung einer Situation oder von organisatorischen Fak-
toren abhängig. Im Rahmen seiner Studie stellt Lewin fest, dass sich sein
Schema nicht nur auf Einkaufskanäle beziehen lässt, sondern beispielsweise
auch auf Nachrichtenvermittlung in Kommunikationskanälen (vgl. Lewin 1947:
143ff.).
,,This holds not only for food channels but also for the travelling of a news
item through certain communication channels [...] in many organizations"
(Lewin 1947: 145).
Seiner Theorie nach, sind innerhalb der Schleusenregionen besonders individu-
elle und soziale Prozesse von Bedeutung. So kann die persönliche Ansicht ein-
zelner Gruppenmitglieder Einstellung und Verhalten einer ganzen Gruppe be-
einflussen. Lewins Prinzip schaffte die Grundlage für fachübergreifende, kom-
munikationswissenschaftliche Massenkommunikationsforschung (vgl. White
1950: 383).

2. Der individuelle Ansatz
2.1 Grundlegende Untersuchung durch David Manning White
David Manning White greift Lewins Untersuchungsperspektive erstmalig auf
und überträgt dessen Metapher des Gatekeepers auf eigene Forschungen (vgl.
Burkart 2002: 276). Da seine Untersuchung den Entscheidungsprozess der
Nachrichtenauswahl erklären sollten, nehmen Nachrichtenjournalisten die Rolle
des Gatekeepers ein und entscheiden darüber, welche Informationen dem Publi-
kum durch die massenmediale Berichterstattung letztlich zur Verfügung gestellt
werden sollen. Um journalistisches Selektionsverhalten genauer zu untersuchen
führte White 1949 eine Einzelfallstudie in einer kleinen Stadt, westlich der USA
durch. Für seine Untersuchung wählt er einen sog. ,,wire editor" und gab ihm
den Decknamen ,,Mr. Gates" (ebd.: 384). Zu Gates Aufgabenbereich gehörte es,
aus eingehendem Material verschiedener Vorschläge einzelne Zeitungsartikel
auszuwählen, zu bearbeiten und dann an die eigene Redaktion weiterzuleiten.
White vermutete, dass seine Entscheidungen ausschlaggebende Wirkung auf die
endgültigen Nachrichten ausüben (vgl. ebd.: 384f.).
Um herauszufinden welche Faktoren Gates Nachrichtenauswahl beeinflussten
führte White über den Zeitraum einer Woche eine Analyse durch. Dazu zeigte
Gates welche Nachrichten ihn innerhalb dieser Zeit insgesamt erreichten und
welche er ablehnte. Darüber hinaus wurde er gebeten für die Ablehnung jeweils
eine Begründung anzugeben. Im ersten Schritt verglich er die von ihm ausge-
wählten Nachrichten und unterteilte sie in sieben Kategorien (vgl. Schulz 2014:
387). Die Kategorien zeigten Meldungen von Verbrechen und Unglücksfällen,
Mitteilungen über internationale Ereignisse wie Politik, Wirtschaft und Krieg,
sowie Meldungen über Gewerkschaften und innenpolitische Themen. An Whi-
tes Vorgehen wurde sichtbar ob Gates bestimmte Kategorien überwiegend be-
vorzugte oder ablehnte. Außerdem zeigte sich, dass Gates letztendlich nur circa
Zehn Prozent aller eingehenden Nachrichten auswählte. Wie die folgende Ab-
bildung verdeutlicht zeigte er beispielsweise eine besondere Präferenz für Hu-
man Interest Themen (vgl. White 1950: 385).
Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ursprung der Gatekeeper Forschung. Anfänge durch den individuellen und institutionellen Ansatz.
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Kommunikationswissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V426879
ISBN (eBook)
9783668742796
ISBN (Buch)
9783668742802
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gatekeeper, Kurt Lewin, David Manning White, Walter Gieber, Nachrichtenselektion, Nachrichten, Selektion, Massenmedien
Arbeit zitieren
Amelie Lauber (Autor), 2016, Ursprung der Gatekeeper Forschung. Anfänge durch den individuellen und institutionellen Ansatz., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426879

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