Welche Ansprüche hat die Inklusion an den Sachunterricht und seine Didaktik? Was verbirgt sich hinter dem Phänomen inklusiver Sachunterricht? Wird Sachunterricht überhaupt als inklusiv erlebt und wenn ja, wie wird inklusiver Sachunterricht in der Praxis erlebt?
Diese Auffächerung des Forschungsinteresses greift ein bestehendes Forschungsdesiderat des Sachunterrichts auf. Denn obwohl sich der Sachunterricht schon früh den Fragen der Inklusion gewidmet hat, wurde „die Diskussion um einen inklusiven Sachunterricht ... selbst noch nicht umfassend geführt“ (Pech/Schomaker 2013, 349).
Die oben genannten Forschungsfragen sollen einen weiteren Erkenntnisaspekt zum Gesamtbild des inklusiven Sachunterrichts aufdecken. Um diese Erkenntnis zu erlangen wurden sonderpädagogische Lehramtsanwärter im Vorbereitungsdienst zu inklusivem Sachunterricht befragt. Es wurden mit ihnen Interviews zu ihrer inklusiven Tätigkeit geführt, die Einblicke in das Phänomen inklusiver Sachunterricht gewähren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inklusion
2.1. Integration oder Inklusion?
2.1.1. Ist Inklusion ungleich der „schlechten“ Praxis der Integration?
2.1.2. Inklusion gleich erweiterte Integration?
2.1.3. Inklusion gleich die „enthinderte“ Integration
2.1.4. Inklusion die ultimative Integration?
2.1.5. Die „Baustellen“
2.2. Inklusion
2.3. Derzeitige Situation in Deutschland und Niedersachsen
2.4. Inklusion und Unterricht
3. Der Sachunterricht und seine Didaktik
3.1. Sachunterricht ein Schulfach
3.1.1. Bildung der unverzichtbare Referenzrahmen
3.1.2. Die Inhalte des Sachunterrichts
3.2. Sachunterricht: die Verbindung zwischen Kind – Welt – Sache
3.2.1. (Lebens-) Welt
3.2.2. Kind
3.2.3. Sache
3.2.4. Das „große Ganze“ – der Sachunterricht
4. Der gemeinsame Weg – Sachunterricht und Inklusion
4.1. Inklusiver Sachunterricht noch in den „Kinderschuhen“?
4.2. „Fußabdrücke“ inklusiven Sachunterrichts
4.2.1. Didaktische Leitlinien nach Seitz
4.2.2. Didaktische Leitlinien nach Schomaker
4.2.3. Planung konkret – Planungs- und Handlungsmodelle nach Gebauer/Simon und Kahlert/Heimlich
4.2.4. „Hürden" und „Sprungbretter“
5. Gewählte Forschungsmethodik und ihre Grundlagen
5.1. Empirische Forschung und das Verständnis von Fragestellung, Methode und Forschungsgegenstand
5.2. Qualitative Forschung
5.3. Forschungsmethode Interview
5.3.1. Das episodische Interview
6. Der Forschungsprozess – Durchführung der Datenerhebung
6.1. Vorannahmen und Erwartungen
6.1.1. Lernen ist aktiv
6.1.2. Lernen ist selbstgesteuert
6.1.3. Lernen ist nicht Eins-zu-Eins Vermittlung
6.1.4. Lernen ist ein konstruktiver Prozess
6.1.5. Lernen ist ein situativer Prozess
6.1.6. Lernen ist ein sozialer Prozess
6.1.7. Konklusion
6.2. Ethische Richtlinien – wissenschaftliche Integrität
6.3. Lehramtsanwärter – purposive Sampling
6.4. Leitfaden erstellen
6.5. Zugang zum Feld
6.6. Transkription
6.7. Phänomenographie als Auswertungsmethodik
6.7.1. Phänomenologie
6.7.2. Phänomenographie
6.8. Gütekriterien
6.9. Das Forschungsdesign – eine Zusammenfassung
7. Interviewanalyse
7.1. Zur Analyse der Interviews
7.1.1. Ideenlisten
7.1.2. Ideenkategorisierungen
7.1.3. Phänomenographische Analyse
7.2. Analyse
7.2.1. Prinzipien und Ziele
7.2.2. Differenzierung
7.2.3. Sonderpädagogische Lehramtsanwärter im inklusiven Sachunterricht
7.3. Phänomenographische Kategorien zur Wahrnehmung von inklusivem Sachunterricht
8. Diskussion der Ergebnisse
8.1. Erläuterung und Interpretation der Ergebnisse
8.1.1. Verbindung zu bestehenden Konzepten des inklusiven Sachunterrichts
8.2. Reflexion des Forschungsprozesses und Forschungsimplikationen
8.3. Praktische Implikationen
9. Fazit
10. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des inklusiven Sachunterrichts aus der Perspektive von Lehramtsanwärtern, um aufzudecken, wie Inklusion in der Praxis des Sachunterrichts wahrgenommen und erlebt wird und welche didaktischen Ansprüche sich daraus ergeben.
- Phänomenologische und phänomenographische Untersuchung inklusiven Sachunterrichts
- Analyse der didaktischen Struktur (Kind – Welt – Sache) im Kontext von Inklusion
- Bewertung von Planung- und Handlungsmodellen für den inklusiven Sachunterricht
- Identifikation von Gelingensbedingungen ("Sprungbretter") und Hindernissen ("Hürden")
- Diskussion von Rollen- und Aufgabenklarheit bei sonderpädagogischen Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
3.2.3. Sache
Neben den beiden explizierten Polen besteht der dritte Pol „Sache“ als didaktische Kategorie. Im Lexikon Sachunterricht lässt sich hierzu folgende Beschreibung finden:
„Der Begriff der S deutet weniger auf (objektive) Gegenstände od. Themen. Er verweist (etymologisch) auf ‚Streitigkeiten’ z.B. i.S. eines Widerstreites der Rationalitäten u. Interessen. S. i.S. des SU haben deshalb weder unzweifelhafte Gestalt, noch sind sie eindeutig definierbar. Man kann sich den S nur annähern u. sie in möglichen Beschreibungen einkreisen. S verweisen auf Sachverhalte (subjektiv u. objektiv), aus denen sie zur Erscheinung kommen, sind deshalb ‚gelöst wie Salz im Wasser, in absolut chaotischer Mannigfaltigkeit einer Situation.’ “ (Kaiser 2008b, 176).
In diesem Eintrag wird deutlich, dass es sich bei der hier beschriebenen Sache nicht um das konkrete „Ding“ handelt. Im Zentrum steht der Entwicklungsweg zur Erkenntnis. Der Sachunterricht führt in die Sachen ein und in Verbindung zur Phänomenologie, geht es um ein größeres Feld, als das der Gegenstände mit physischen Zustand. Jede Sache steht in einem Beziehungszusammenhang mit anderen Sachen oder Sachaspekten. Durch die Fokussierung auf einen bestimmten Sachzusammenhang findet eine Charakterisierung der Sache statt, die es möglich macht zu ihr Aussagen zu treffen (vgl. Köhnlein 2011, 495f).
Will man die für den Sachunterricht spezifischen „Sachen“ erkunden, so handelt es sich hierbei um didaktische Wege zur Themenauswahl und Methodenauswahl im Sachunterricht, die jedoch mit den Aufgaben im Bildungssystem verwoben sind. Zwei Bedeutungen sind zur „Sache“ in der Literatur wesentlich vorzufinden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche Ansprüche Inklusion an den Sachunterricht stellt und wie dieser in der Praxis erlebt wird.
2. Inklusion: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung des Inklusionsbegriffs und diskutiert das Verhältnis zur Integration sowie die aktuelle Situation in Deutschland und Niedersachsen.
3. Der Sachunterricht und seine Didaktik: Hier werden die Merkmale des Sachunterrichts als Schulfach sowie die Trias Kind – Welt – Sache als grundlegende didaktische Kategorie erläutert.
4. Der gemeinsame Weg – Sachunterricht und Inklusion: Dieser Abschnitt bringt Inklusion und Sachunterricht zusammen und stellt Entwicklungen sowie konkrete Planungs- und Handlungsmodelle vor.
5. Gewählte Forschungsmethodik und ihre Grundlagen: Die Autorin legt die Grundlagen der empirischen, qualitativen Forschung dar und begründet die Wahl des episodischen Interviews.
6. Der Forschungsprozess – Durchführung der Datenerhebung: Das Kapitel beschreibt den gesamten Erhebungsprozess, von Vorannahmen über ethische Richtlinien bis hin zur Transkription und Phänomenographie.
7. Interviewanalyse: Hier wird der Prozess der Auswertung von der Ideenliste über die Ideenkategorisierung bis hin zu den phänomenographischen Ergebnissen detailliert dargelegt.
8. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden interpretiert, mit bestehenden Konzepten verknüpft und in Bezug auf den Forschungsprozess kritisch reflektiert.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung von inklusivem Sachunterricht für die zukünftige Forschung und Praxis.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sachunterricht, Inklusionsdidaktik, Phänomenographie, Qualitative Forschung, Episodisches Interview, Kindorientierung, Weltorientierung, Lernstand, Differenzierung, Lehrerausbildung, Sonderpädagogik, Schulentwicklung, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen inklusiver Sachunterricht durch eine phänomenographische Analyse von Interviews mit angehenden Lehrkräften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet die Inklusionspädagogik mit der Didaktik des Sachunterrichts, wobei die Trias Kind – Welt – Sache im Mittelpunkt steht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Phänomen „inklusiver Sachunterricht“ aus der Perspektive der handelnden Lehrkräfte in der Praxis besser zu verstehen und zu entmystifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt qualitative Forschung, konkret das episodische Interview, welches mittels Phänomenographie ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung von Inklusion und Sachunterricht, eine methodische Darlegung des Forschungsprozesses und eine detaillierte Analyse der Interviewergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Inklusion, Sachunterricht, Inklusionsdidaktik, Phänomenographie, Differenzierung und Lehrerausbildung.
Was sind die zentralen Ergebnisse der Analyse?
Die Analyse identifiziert vier phänomenographische Kategorien, die zeigen, dass inklusiver Sachunterricht durch Differenzierung und die Sensibilität für Handlungs- und Lebensweltorientierung inklusiv wird.
Welche Rolle spielt die Differenzierung?
Differenzierung wird von den befragten Lehrkräften als ein konstitutives "Muss" für inklusiven Unterricht erlebt, um Lernstände individuell zu berücksichtigen und Lernbarrieren abzubauen.
- Arbeit zitieren
- Mareike Wanke (Autor:in), 2013, Der Anspruch der Inklusion an den Sachunterricht. Qualitative Interviews mit Lehramtsanwärtern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426999