Social Trading. Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse


Hausarbeit, 2017
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Social Trading
2.2 Herdenverhalten

3. Perspektiven
3.1 Follower
3.2 Signalgeber
3.3 Plattformbetreiber
3.4 Broker/Emittent

4. Diskussion
4.1 Auftreten und Folgen von Herdenverhalten
4.2 Diskussion aus Sicht des Followers
4.3 Diskussion aus Sicht des Signalgeber
4.4 Diskussion aus Sicht des Plattformbetreibers
4.5 Diskussion aus Sicht des Broker/Emittenten

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Das sinkende Vertrauen von Privatanlegern in die Anlageempfehlungen von klassischen Finanzintermediären spätestens seit Beginn der Finanzkrise 2008 hat das Bedürfnis nach alternativen Informationsmöglichkeiten über Anlageprodukte gesteigert. Nachdem sich viele Privatanleger zunächst bei Facebook und Twitter über Anlagemöglichkeiten ausgetauscht haben, kamen mit ZuluTrade, ayondo und Currensee 2008 die ersten Social Trading Plattformen auf den Markt.1 Social Trading Plattformen ermöglichen es Nutzern, die Aktivitäten anderer angemeldeter Anleger zu sehen und verfolgen zu können. Zu diesen Aktivitäten gehören je nach Plattform Handelsstrategien, Transaktionen oder Portfolios von anderen Anlegern. Möchte man eine Transaktion oder eine Strategie kopieren, kann man auf der Plattform sein eigenes Geld investieren. Das Kopieren von Transaktionen und Strategien anderer Investoren impliziert Herdenverhalten. Im Zusammenhang mit Fondsmanagement kann Herdenverhalten für Anleger potentiell eine verringerte Rendite und/oder ein erhöhtes Risiko zur Folge haben.2 Dennoch werden Social Trading Plattformen gerade in Deutschland immer beliebter. Aktuell sind 14 Anbieter aktiv, die Ende 2015 hierzulande etwa 180 Millionen Euro an Kapital verwalteten. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des verwalteten Vermögens seit 2008 liegt bei 213%; seit 2014 immer noch bei etwa 70% jährlich. Aufgrund des konstanten Marktwachstums des Social Trading stellt sich die Frage, welche Akteure von Social Trading profitieren. Insbesondere ist zu klären, wie sich das Herdenverhalten auf die finanzielle Situation der Marktteilnehmer auswirkt.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Um ein besseres Verständnis für die Thematik zu erreichen, werden in Kapitel 2 theoretischen Grundlagen dargestellt. Dazu gehören zum einen die Vorstellung der grundlegenden Funktionsweisen des Social Trading und zum anderen die Beschreibung der Ausprägungsformen und Erklärungsmodelle von Herdenverhalten auf Finanzmärkten. In Kapitel 3 werden die Beurteilungsperspektiven definiert und abgegrenzt sowie deren Interessen und Ziele beim Social Trading untersucht.

Der nachfolgende Abschnitt widmet sich der Diskussion. In dieser wird zunächst geklärt, in welcher Form Herdenverhalten auftritt und welche Folgen dies für Finanzmärkte haben kann. Anschließend wird perspektivisch diskutiert, welche Chancen und Risiken sich den Marktteilnehmern beim Social Trading bieten.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Social Trading

Definition und Akteure

Unter Social Trading versteht man die Vernetzung von Anlegern in einem sozialen Netzwerk. Solche sozialen Netzwerke werden auch Social Trading Plattformen genannt. Mit Hilfe dieser Plattformen können sich angemeldete Anleger über Investitionsmöglichkeiten und Handelsstrategien austauschen. Dabei werden die Anleger grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt.3

Signalgeber bzw. Trader sind Nutzer, die ihre eigenen Handelsstrategien den anderen Teilnehmern mitteilen möchten. Anleger, die Handelsstrategien übernehmen wollen, werden Follower genannt. Sie können den Aktionen der Signalgeber folgen, diese kommentieren sowie replizieren.4 Signalgeber kann jeder sein, ob Anfänger oder professionelle Vermögensverwalter. Je nach Social Trading Plattform können sie ihr Portfolio, einzelne Strategien oder auch alle Transaktionen gegenüber den Mitgliedern der Plattform veröffentlichen.

Weitere involvierte Akteure beim Social Trading sind Broker und Emittenten. Diese setzen die gewünschten Markttransaktionen der Nutzer auf Anordnung der Plattformbetreiber am Finanzmarkt um und erhalten dafür in der Regel eine Verkaufsgebühr.5

Vorgehensweisen

Sobald Follower einen passenden Signalgeber gefunden haben, können sie dessen Aktivitäten und Portfolios sehen oder sich entscheiden, seine Strategie zu kopieren. Das Kopieren von Transaktionen oder Strategien wird auch Copy-Trading genannt. Dabei gibt es je nach Plattform zwei Formen des Copy-Trading.

Beim direkten Copy-Trading befinden sich die Depots von Signalgebern und Followern auf der gleichen Plattform. Entscheidet sich ein Anleger dazu, die Strategie eines Signalgebers zu kopieren, wird das Depot des Signalgebers vollständig und anteilig im Depot des Followers nachgebildet. Führt der Signalgeber eine Transaktion durch, wird diese durch einen plattformeigenen Dienst automatisch und in Echtzeit auch im Depot des Followers umgesetzt. Der Follower kann sich jederzeit entscheiden, das Kopieren der Strategie bzw. der Transaktionen zu stoppen. Weiterhin ist es möglich, nicht nur gesamte Strategien zu kopieren, sondern lediglich einzelne Transaktionen. Die Möglichkeit des direkten Copy- Trading wird beispielsweise von ayondo, eToro angeboten.6

Die zweite Möglichkeit, die Strategie eines Signalgebers zu kopieren, wird indirektes Copy-Trading genannt. Dabei wird das Portfolio des Signalgebers in Form eines Zertifikats nachgebildet, welches am Markt frei erhältlich ist. Der Wert dieses Zertifikats ist an die Wertentwicklung des Portfolios des Signalgebers gekoppelt. Im Wert des Portfolios sind die anfallenden Gebühren bereits berücksichtigt.7 Dieses Zertifikat kann der Follower erwerben und somit von der Wertsteigerung des Portfolios des Signalgebers profitieren. Diese Art von Copy-Trading wird unter anderem von Wikifolio angeboten.8

Der Signalgeber erhält abhängig von der Followerzahl und Performance eine variable Vergütung für das Veröffentlichen seiner Strategie. Die Follower profitieren beim Kopieren von Strategien von der Wertentwicklung abzüglich der plattformabhängigen Gebühren. Die Plattformbetreiber und Broker bzw. Emittenten erhalten für die Vermittlungstätigkeiten eine Vergütung.

Handelbare Produkte

Die handelbaren Finanzprodukte unterscheiden sich je nach Plattform. Auf manchen lassen sich ausschließlich Differenzkontrakte (CFD) handeln. Differenzkontrakte sind Finanzinstrumente, die sich auf einem übergeordneten Wert beziehen und oft stark gehebelt sind. Daher multiplizieren sich sowohl die Verlust- als auch die Gewinnchancen.9 Daneben gibt es aber auch Plattformen, die auch Aktien, Fonds oder Exchange Traded Products anbieten. Bei Wikifolio kauft der Follower ausschließlich Zertifikate, in denen das Portfolio des Signalgebers abgebildet ist. Dabei beinhaltet das Portfolio des Signalgebers verschiedene der genannten Finanzprodukte.10

Regulatorische Aspekte

Aus regulatorischer Sicht ist die Bestimmung der Rolle des Signalgebers interessant. Im Gegensatz zu einem offenen Investmentfond stellt der Follower dem Signalgeber nicht direkt sein Geld zur Verfügung, sondern investiert es selber.11 Obwohl kein Kapitaltransfer zwischen Follower und Signal Provider stattfindet, agiert dieser de facto als Porfoliomanager bzw.

Anlageberater, da die Follower beim Copy-Trading ihre

Investmententscheidung an den Signalgeber delegieren.12 Dies ist vor allem deswegen bedeutend, da der Anleger aufgrund des Entscheidungsverhaltens des Signalgebers einen hohen Verlust erleiden kann. In der EU werden jedoch nicht die Signalgeber, sondern die Plattformbetreiber bzw. Broker/Emittent als Portfoliomanager gesehen, weil sie die Transaktionsanweisungen Dritter automatisch ausführen. In den USA werden ebenfalls die Plattformbetreiber als Portfoliomanager gesehen. Dabei ist es für US-Bürger sogar verboten, mit Differenzkontrakten zu handeln.13

2.2 Herdenverhalten

Herdenverhalten zeichnet sich dadurch aus, dass Entscheider in bestimmten Situationen ihr Verhalten, ihre Meinung oder Erwartungen anpassen, indem sie sich an den Entscheidungen anderer Akteure orientieren. Ein weiteres konstituierendes Merkmal ist dabei die Wahrnehmung eines echten oder illusionären (sozialen) Drucks. Dieses Kriterium unterscheidet das Herdenverhalten von rein positiv korreliertem Verhalten.14

In der Literatur wurden bisher zahlreiche Gründe und Ausprägungen von Herdenverhalten untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere Finanzmärkte besonders anfällig für Herdenverhalten sind. Ursache dafür sind die große Menge relevanter Informationen sowie die Komplexität der Wertpapieranalyse.15 Auf Finanzmärkten resultiert Herdenverhalten vorwiegend aus zwei Umständen. Zum einen können bei Anlegern Ähnlichkeiten in der Wahrnehmung und Interpretation von Informationen vorliegen. Dies wird Oberservational bzw. Informational Herding genannt. Zum anderen können externe Anreize, wie eine erhöhte Entlohnung oder auch treuhänderische Pflichten Herdenverhalten auslösen. Diese Ausprägung wird als Reputational Herding bzw. Herding durch Payoff und Network externalities bezeichnet. Zudem kann Herdenverhalten auch aus Passivität resultieren. Dies ist der Fall, wenn kollektive Passivität gegenüber Investments in bestimmte Wertpapiere besteht. Diese Form wird passives Herding genannt.16 Das Auftreten von Herdenverhalten ist nicht nur auf Fondsmanager beschränkt, sie kann alle Anlegergruppen betreffen. Darüber hinaus bildet Herdenverhalten ein auf die „Funktionsweise und das Ergebnis von Finanzmärkten wirkendes Phänomen“.17

Herdenverhalten kann in der Regel von ein oder mehreren der folgenden Modelle erklärt werden:18 19

- Informationsakquisition: Dieses Modell beschreibt die Gewohnheiten bei der Informationsakquisition von Investoren. Dabei tritt Herdenverhalten auf, wenn alle Investoren die gleichen Werte bzw. Informationsquellen untersuchen oder wenn Investoren nur dann bereit sind für Informationen zu zahlen, wenn dies auch andere tun.

Ein Grund dafür liegt am kurzen Anlagehorizont mancher Anleger.

Diese liquidieren ihre Positionen häufig, bevor ihnen fundamentale Anlagewerte bekannt sind. Je mehr Anleger danach auf Basis dieser Information handeln, desto mehr profitiert davon der Anleger, der seine Position frühzeitig liquidiert hat.20

Ein weiterer Grund für das Auftreten von Herdenverhalten bei der Informationsakquisition ist der Unterschied in der zeitlichen Wahrnehmung von Informationen. Da es verschiedene Typen von Investoren gibt, erhalten manche ihre Informationen früher als andere. Grundsätzlich lässt sich mit diesem Informationsvorsprung Geld verdienen, wenn man die eigene Position liquidiert, sobald die betreffende Information in den Marktwert eingepreist ist. Investoren wissen jedoch ex ante nicht, ob sie früher als die Mehrheit der Anleger informiert sind. Da die Brauchbarkeit einer Information von der absoluten Anzahl informierter Investoren abhängt, neigen Anleger dazu, die gleichen Informationen zu sammeln und Herdenverhalten zu zeigen.21

- Agency-Problem: Diesem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass

der Erfolg eines Fondsmanagers an externen Maßstäben (Benchmarks) gemessen wird. Fondsmanager tendieren dazu, ihre eigenen privaten Informationen, die zu einer Umbewertung der Benchmarks führen würden, gegenüber allgemein zugänglichen Informationen geringer einzuschätzen. Sollte sich herausstellen, dass eine Entscheidung oder Strategie unprofitabel ist, ist es für den Fondsmanager komfortabler, wenn die Mehrheit dieselben falschen Entscheidungen getroffen hat, um keine Reputationsverluste zu erleiden. In einer Umgebung, in der keine Reputationseffekte existieren, findet Herdenverhalten nur in abgeschwächter Form statt.22

- Kaskadenmodell: Dieser Ansatz beschreibt eine Situation, in der Beobachtungen über vergangene Investitionsentscheidungen anderer Investoren für Anleger relevante Informationen darstellen.

[...]


1 Vgl. Doering et al. (2015), S. 1.

2 Vgl. Oehler/Wendt (2009)a, S. 15.

3 Vgl. Doering et al. (2015), S. 1.

4 Vgl. Kohlmann et al. (2015), S. 15.

5 Vgl. Kurz et al. (2015), S. 82-92.

6 Vgl. Kurz et al. (2015), S. 81-84.

7 Vgl. Wikifolio (06.01.2017)a.

8 Vgl. Kurz et al (2015), S. 81.

9 Vgl. Dorfleitner et al. (2016)a, S. 7.

10 Vgl. Dorfleitner et al. (2016)a, S. 5.

11 Vgl. Oehler et al. (2016), S. 202-203.

12 Vgl. Doering et al. (2015), S. 1.

13 Vg. Doering et al. (2016), S. 7.

14 Vgl. Oehler/Wendt (2009)a, S. 13.

15 Vgl. Oehler/Chao (2000), S. 3.

16 Vgl. Oehler/Wendt (2009)b, S. 2.

17 Vgl. Oehler (2008), S. 1-2.

18 Vgl. Oehler/Chao (2000), S. 3-6

19 Oehler/Wendt (2009)b, S. 3-5.

20 Vgl. Oehler/Chao (2000), S. 5.

21 Vgl. Oehler/Chao (2000), S. 4.

22 Vgl. Oehler/Wendt (2009)b, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Social Trading. Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V427003
ISBN (eBook)
9783668717718
ISBN (Buch)
9783668717725
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
social, trading, herde, geld, eine, analyse, berücksichtigung, forschungsergebnisse
Arbeit zitieren
Harry Kreil (Autor), 2017, Social Trading. Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427003

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