Die aktuelle politische und gesellschaftliche Debatte wird dominiert von Fragen rund um die Flüchtlingspolitik. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2015 einwilligte, eine große Anzahl Flüchtlinge aus den aktuellen Hauptkrisengebieten dieser Welt Asyl zu gewähren, sorgte dies für gespaltene Reaktionen der Bevölkerung. Viele Fragen wurden aufgeworfen, die häufig geprägt waren von Vorurteilen und Ängsten: Wer sind diese „Fremden“, die in „unser“ Land kommen, um hier Zuflucht zu suchen? Was bedeuten der fremde Glaube und die fremde Kultur für uns? Wie kann eine Integration erfolgversprechend sein, wenn sie nicht einmal unsere Sprache beherrschen?
In den Medien wird seitdem immer wieder von Konflikten zwischen den Kulturen berichtet, die sich in den meisten Fällen auf sprachliche und kulturelle Missverständnisse zurückführen lassen. Nicht nur mangelnde Verständigungsmöglichkeiten, sondern auch kulturelle Fremdheit kann die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und der hiesigen Bevölkerung zu einer Herausforderung machen.
Um einen Beitrag zur interkulturellen Verständigungsproblematik leisten zu können, wird sich die vorliegende Arbeit mit der Bedeutung sprachlicher Höflichkeit im interkulturellen Kontext am deutsch-arabischen Beispiel auseinandersetzen. Ziel soll es sein, Verständigungsprobleme in der Kommunikation zwischen Deutschen und Arabern anzusprechen und zu erklären, wodurch diese entstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die arabische Sprache
2. Was ist sprachliche Höflichkeit?
2.1 Das Höflichkeitsmodell nach Brown/Levinson
2.2 Kollektivistische und individualistische Kulturen
3. Andere Länder, andere Sitten.
3.1 Begrüßungsrituale
3.2 Verabschiedungsrituale und Besuchskonventionen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von sprachlicher Höflichkeit im interkulturellen Kontext am Beispiel des deutsch-arabischen Sprach- und Kulturraums, um auf diese Weise Kommunikationshürden und deren Ursachen zu identifizieren.
- Analyse des arabischen Sprachraums und dessen regionale Heterogenität.
- Anwendung der Politeness Theory nach Brown/Levinson auf interkulturelle Interaktionen.
- Untersuchung kollektivistischer versus individualistischer Kulturmerkmale nach Geert Hofstede.
- Kontrastiver Vergleich von Begrüßungs- und Verabschiedungsritualen.
- Integration von Expertenwissen aus leitfadengestützten Interviews.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begrüßungsrituale
Einen grundlegenden Unterschied in der interkulturellen Kommunikation zwischen Deutschen und Arabern findet man in der Art und Weise wie Gespräche eröffnet werden. Während die Begrüßung im Deutschen meist knapp mit einem hallo, wie geht es dir? realisiert wird, auf das in der Regel ein danke gut/nicht gut. Und selbst? folgt, wird in der arabischen Sprache mehr Wert darauf gelegt, dem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, man interessiere sich ehrlich für sein Wohlbefinden. In einem Textbeispiel aus Bouchara (2002, S. 61) wird deutlich, dass der Prozess des Begrüßens im Vergleich zum Deutschen wesentlich mehr Zeit beansprucht:
1Moussa: salamu aleikum
Frieden sei mit euch
2Rachid: salamu aleikum wa raḥmtu (Al)lah? ↑
Frieden sei mit euch und Allahas Gnade
3 tba:r k-(al)lah alik
möge Allah dich segnen
4 ba: Moussa
Vater Moussa
5 /bikhi:r?↑ hihihi/
wie geht's dir?
6Moussa: / bikhi:r?↑ /
wie geht's dir?
7 +laba:s?+*
wie geht's dir?
8 +nta laba:s?+*
und du, wie geht's dir?
9Rachid: a: s deir a: si Moussa ?
wie geht's dir Herr Moussa?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die arabische Sprache: Dieses Kapitel erläutert die sprachliche Vielfalt und historische Entwicklung des Arabischen sowie dessen enge Verknüpfung mit dem islamischen Glauben.
2. Was ist sprachliche Höflichkeit?: Es werden die theoretischen Grundlagen der Höflichkeit nach Brown/Levinson sowie Hofstedes Einteilung in kollektivistische und individualistische Kulturen dargelegt.
3. Andere Länder, andere Sitten.: Dieses Kapitel führt einen kontrastiven Vergleich von Begrüßungs- und Verabschiedungsritualen zwischen Deutschen und Arabern durch und analysiert die dabei auftretenden interkulturellen Konfliktpotenziale.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass sprachliche Höflichkeit ein zentrales Wissen über kulturelle Normen voraussetzt, um erfolgreich zwischen Kulturen zu kommunizieren.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Sprachliche Höflichkeit, Arabische Sprache, Deutschland, Brown/Levinson, Höflichkeitsmodell, Kollektivismus, Individualismus, Begrüßungsrituale, Verabschiedungsrituale, Gesichtswahrung, Gesichtsbedrohende Akte, Interkulturelle Kompetenz, Kulturmodell, Gastfreundschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie unterschiedliche kulturelle Prägungen die Auffassung von sprachlicher Höflichkeit beeinflussen und warum dies in der Kommunikation zwischen deutschen und arabischsprachigen Personen zu Missverständnissen führen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Höflichkeitstheorie, kulturelle Unterschiede in der sozialen Interaktion sowie die spezifische Analyse von Begrüßungs- und Verabschiedungsritualen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für Verständigungsprobleme in der interkulturellen Kommunikation zu erklären, indem Höflichkeitskonventionen auf ihre kulturelle Bedeutung hin analysiert werden.
Welche wissenschaftlichen Modelle kommen zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt das Höflichkeitsmodell von Penelope Brown und Stephen C. Levinson sowie das Kulturmodell von Geert Hofstede zur Einordnung von kollektivistischen und individualistischen Verhaltensweisen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung von Höflichkeitsstrategien und der anschließenden kontrastiven Analyse von Gesprächssequenzen, ergänzt durch die Perspektive eines Zeitzeugen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Höflichkeitsmodelle, Gesichtswahrung, kulturelle Prägung, interkulturelle Pragmatik und soziale Wertschätzung im Gesprächsverlauf.
Warum wird im Kontext der Höflichkeit oft von einem „Gesicht“ gesprochen?
Der Begriff „Gesicht“ bezieht sich auf das öffentliche Selbstbild, das jedes Individuum in einer Gesellschaft wahren möchte, wobei zwischen positivem und negativem Gesicht unterschieden wird.
Wie unterscheiden sich deutsche und arabische Begrüßungsrituale laut der Arbeit?
Während deutsche Begrüßungen oft funktional und kurz gehalten sind, haben arabische Begrüßungsrituale häufig eine religiöse Komponente und betonen durch wiederholte Erkundigungen das Interesse am sozialen Wohlergehen des Gegenübers.
Welche Rolle spielt die Herkunft bei der Interpretation von Formeln?
Die Herkunft ist entscheidend, da sprachliche Konventionen – wie die Einladung zu einem spontanen Besuch – je nach Region und Generation unterschiedlich interpretiert werden können.
- Arbeit zitieren
- Fabienne Mies (Autor:in), 2017, Die Bedeutung sprachlicher Höflichkeit im interkulturellen Kontext am deutsch-arabischen Beispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427041