Die Arbeit untersucht, was genau die Besonderheiten an den Erzählformen des Buches und des Filmes ‚Fight Club’ sind und wie man beide Medien in narrativer Hinsicht miteinander vergleichen kann. Die Leittheorie hierfür bietet Jochen Vogts Ausarbeitung „Grundlagen narrativer Texte“. Jene fasst die bis heute gültigen Punkte, in welche narrative Texte gegliedert werden können, zusammen. Grundsätzlich unterscheidet er „discours“ (die Zeichenfolge, also wie ein Text erzählt) und „histoire“ (die Ereignisfolge, also was ein Text erzählt). Vorliegende Arbeit untersucht ausschließlich ersteren Bestandteil - den Erzähldiskurs – und vergleicht Buch und Film Fight Club in den fünf elementaren Gesichtspunkten des discours miteinander. Diese sind 1. Verhältnis von Erzählzeit & erzählter Zeit, 2. Chronologie, 3. Stimmen, 4. Erzählerform und Fokalisierung, 5. Techniken zur Wiedergabe der gesprochenen und stummen Rede.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1. 1. Inhalt als Kurzfassung
1. 2. Vorgehensweise
1. 3. Arbeitsvorlagen
2. Vergleich der einzelnen Aspekte
2. 1. Verhältnis Erzählzeit und erzählter Zeit / Erzähltempo
2. 2. Chronologie
2. 3. Stimme – Wer erzählt?
2. 4. Erzähler und Fokalisierung
2. 5. Techniken zur Wiedergabe gesprochener und stummer Rede
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die narrativen Besonderheiten des Romans "Fight Club" von Chuck Palahniuk und dessen filmischer Adaption durch David Fincher, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der narrativen Gestaltung beider Medien herauszuarbeiten.
- Vergleich von Erzählzeit und erzählter Zeit
- Analyse der chronologischen Struktur
- Untersuchung der Erzählstimme und Fokalisierung
- Techniken der Wiedergabe gesprochener und stummer Rede
Auszug aus dem Buch
2. 1. Verhältnis Erzählzeit und erzählter Zeit / Erzähltempo
Der Film, aber noch viel stärker das Buch Fight Club, haben einen sehr bemerkenswerten Umgang mit Tempo und der Dimension Zeit. Bis hin zur letzten Szene findet im Film, im weitesten Sinne, eine Zeitraffung statt. Die Dauer der Story ist wesentlich länger als die Dauer des Plots (temporal ellipses). An den belangreichen Szenen wird nun das Geschehen wieder fokussiert.
Betrachten wir z.B. die ersten 20 Minuten des Films näher. Innerhalb dieser kurzen Zeit bekommen wir so gut wie alles Wissenswerte über den Protagonisten vermittelt. Durch die Form der permanenten Zeitraffung wird seine Rastlosigkeit klar und durch die zeitdeckende Darstellung (continuity edeting) bekommt der Zuschauer Einblicke in des Protagonistens Leben. Uns wird gezeigt, dass ihn seine Arbeit abstumpft, („eine Kopie einer Kopie einer Kopie“), dass er seit den Selbsthilfegruppen und Bob wieder schlafen kann und dass Marla Singer diesen Zustand wieder beeinträchtigt.
Zeitdehnung ist im Film nur sehr subtil eingesetzt und zwar fast ausschließlich in Bewusstseinsprozessen des Protagonisten. Unter anderem in den Szenen, in welchen die Hauptfigur in seine „Höhle“ zu seinem „Krafttier“ geht – geführte Meditation. Diese Szenen wurden bewusst verlangsamt, um die elementare Aussage der Sequenzen zu unterstreichen. Eine offensichtliche Problematik des Erzählers wird hier widergespiegelt, dass er zu viel Kontrolle über sein Leben hat. Zum Gegenteil dieser Kontrolle, dem „Gleiten“, fordert ihn nun sein „Krafttier“ auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die Besonderheiten der Erzählweise in Roman und Film sowie die Motivation hinter dieser Arbeit.
2. Vergleich der einzelnen Aspekte: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem Buch und Film anhand von fünf zentralen narrativen Gesichtspunkten detailliert analysiert und gegenübergestellt werden.
3. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die "Fight Club" als ein durchdachtes und vielschichtiges Kunstwerk würdigt, das seine Wirkung maßgeblich durch die trickreiche Narration entfaltet.
Schlüsselwörter
Fight Club, Chuck Palahniuk, David Fincher, Narrationsgrundlagen, Erzählzeit, Chronologie, Ich-Erzähler, Fokalisierung, Bewusstseinsprozesse, Literaturverfilmung, Intermedialität, Zeitraffung, Zeitdehnung, Schizophrenie, Diskurs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem narrativen Vergleich zwischen dem Roman "Fight Club" von Chuck Palahniuk und der filmischen Adaption durch David Fincher.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum steht die Untersuchung von Erzählstrukturen, wie Zeitverhältnisse, Chronologie, Erzählperspektiven und die Wiedergabe von Gedanken und Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie die spezifischen Erzählformen beider Medien funktionieren und wie die filmische Adaption die komplexe Erzählweise des Buches umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit orientiert sich an den Grundlagen narrativer Texte, insbesondere nach Jochen Vogt, um den Erzähldiskurs von Buch und Film in fünf Kategorien zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit, die chronologischen Brüche, die Rolle des Ich-Erzählers, die Fokalisierung sowie die Darstellung von direkter und stummer Rede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Narrationsgrundlagen, Zeitraffung, Zeitdehnung, Ich-Erzählsituation, psycho-narration, Identität und die intermediale Analyse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Zeit in Film und Buch?
Beide Medien nutzen Zeitraffung zur Darstellung der Rastlosigkeit des Protagonisten, wobei der Film durch seine Schnitttechnik zusätzlich Schnelligkeit und Härte betont, während das Buch fragmentarisch arbeitet.
Welche Rolle spielt die Identität des Protagonisten für die Erzählweise?
Die Schizophrenie des Protagonisten und die Unwissenheit über seine Doppelidentität als Tyler Durden sind zentral für die gewählte personale Erzählperspektive und den Überraschungseffekt für Rezipienten.
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- Martin Thiele (Author), 2005, Vergleich zweier Medien im Hinblick auf deren formelle Narrationsgrundlagen am Beispiel 'Fight Club', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42720