Reformpädagogik vorgestellt am Beispiel der Montessori Pädagogik in Theorie und Umsetzung


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 10 von 10

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Begriffsklärung Reformpädagogik
1.1 Kritik der Reformer

2. Wissenschaftliche Grundlagen M. Montessoris
2.1 Embryologie
2.1.1 Geistiger Embryo
2. 2 Sensible Perioden
2.3 Absorbierender Geist
2.4 Ordnungssinn
2.5 Polarisation der Aufmerksamkeit

3. Didaktik und Methodik
3.1 Umsetzung der Polarisation der Aufmerksamkeit
3.1.1 Umgebung
3.1.2 Sinnesmaterialien
3.1.3 Vermittlung der Kulturtechniken
3.1.4 Gruppenübungen
3.2 Anforderungen an den Erzieher

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Spätestens mit dem Schuleignungstest beginnt für viele Eltern die Frage nach der geeigneten Schule für ihr Kind. Längst entscheidet darüber nicht maßgeblich die Nähe zum Wohnort.

Das Kind soll in seinen Fähigkeiten optimal gefördert werden, die Lehrer motiviert und die Schulausstattung modern und ansprechend sein.

Nicht erst seit der PISA-Studie von 2000 entscheiden sich viele Eltern für die so genannten „Freien Schulen“. Doch seit besagter Studie entbrannten wieder vermehrt Diskussionen über die Effizienz des bestehenden staatlichen Schulsystems. Die schlechten Ergebnisse der Studie, im Vergleich zu den anderen EU-Staaten, ließ Politiker wie Eltern gleichermaßen nach neuen Modellen Ausschau halten.

Es ist klar, dass ein radikales Umdenken stattfinden muss, aber auch, dass neue Konzepte Zeit brauchen.

Ob es tatsächlich gänzlich neue, innovative Konzepte geben wird, wie es schon einmal um die Jahrhundertwende geschehen ist, wird sich weisen. Doch solange nichts Neues, Über-zeugenderes auf dem staatlichen „Bildungsmarkt“ vorhanden ist, werden auch weiterhin Teile der Elternschaft ihre Kinder unter anderem auf Montessorischulen schicken.

Gerade die Montessoriansätze erscheinen vielen Eltern als adäquates Mittel, die festgestellten Mängel bei der Lesekompetenz, in der Mathematik und den Naturwissenschaften zu beseitigen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen.

Meine Frage lautet daher: Ist die Montessoripädagogik dazu geeignet, unsere Kinder auf die Anforderungen der Gesellschaft vorzubereiten bzw. wo sind ihre Ansätze kritisch zu bewerten?

Dazu werde ich die theoretischen Grundlagen Montessoris, erläutern sowie deren Umsetzung schildern.

Ich beziehe mich dabei auf die Elementarpädagogik.

1. Begriffsklärung Reformpädagogik

Maria Montessori ist eine Vertreterin der so genannten Reformpädagogen.

„Unter der Bezeichnung Reformpädagogik werden verschiedene Ansätze zur Reform von Schule, Unterricht und allgemeiner Erziehung zusammengefasst, die sich Ende des 19. Jahr-hunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gegen Lebensfremdheit, Intellektualismus und Autoritarismus der vorherrschenden "Paukschulen" wandten. In Deutschland gab es eine starke gegenseitige Beeinflussung mit der Jugendbewegung und entsprechend auch völ-kischen Reformpädagogen.

Wichtige Prinzipien waren die Selbsttätigkeit der Schüler, praktische Tätigkeiten, Lernen durch Handeln, ...“[1]

1.1 Kritik der Reformer

Ellen Key, eine Vorreiterin dieser Bewegung prägte mit dem Begriff: „Seelenmorde in den Schulen“ einen Ausdruck, der in den folgenden Jahren oft gebraucht wurde.

Die Kritik an dem bestehenden Schulsystem war nicht punktuell, sondern richtete sich auf die Gesamtwirkung, die die Schule auf die Kinder habe.

„Die Schule wurde angeklagt, dass sie beste Kräfte der Jugend zerstöre.“[2]

2. Wissenschaftliche Grundlagen M. Montessoris

Es muss vorangeschickt werden, dass die experimentellen Anlagen ihrer Arbeit weder in wissenschaftstheoretischer Hinsicht, noch in der Auswertung so vorgenommen wurden, dass sie intersubjektiv nachgeprüft werden können.[3]

Ihre theoretischen Einstellungen gewinnt sie vor allem durch die Beobachtung von Kindern, gekoppelt mit der Interpretation des Gesehenen.[4]

Aus den umfangreichen theoretischen Ansätzen ihrer Arbeit habe ich einige mir wesentlich erscheinende und für das Grundverständnis bedeutsame Theorien herausgesucht und stelle sie im Folgenden dar.

2.1 Embryologie

Sie beruft sich mit der Embryologie auf den Ansatz von Dr. G.F. Wolff und K.E. v. Baer, der davon ausgeht, dass aus einem strukturierten Keim ein organisches Wesen entsteht.[5]

„In ihm sind die wesentlichen und unveränderlichen Formen, d.h. ursprüngliche Vermögen oder Anlagen der artlichen Besonderheit der Organisation bereits angelegt, wie z.B. aufrecht gehen, sprechen, denken, frei geführte Handlungen ausüben können.“[6]

„Aber der Mensch ist zu allem fähig, und in seiner anscheinenden Untätigkeit bereitet sich die wunderbare Überraschung der Individualität vor.“[7]

Die Struktur des Keimes soll demnach das innere Prinzip sein. Dazu kommt das äußere Prin-zip, nämlich das Hinzukommen äußerer Anregungen und Einwirkungen.

Sie bedient sich der embryonalen Situation als einem Bild, um ihren Ansatz des zweigeteilten Embryos, nämlich des physischen im Mutterleib und des geistigen, während der Kindheit zu verdeutlichen.[8]

Mit der Erklärung über den embryonalen Ansatz, wie menschliche Entwicklungsprozesse ge-steuert werden, zieht sie Kritik auf sich.

Vielfach wird behauptet, dass sie die Entwicklung des Menschen zu sehr auf biologische Faktoren beschränkte.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass dabei weit mehr Komponenten, wie z.B. Umwelteinflüsse und Erziehung eine entscheidende Rolle spielen.

2.1.1 Geistiger Embryo

Mit dem Bild des „geistigen Embryos“ versucht sie darzustellen, dass es entscheidende Paral-lelen zwischen physischer und psychischer Entwicklung gibt.

„Das fleischgewordene Kind ist ein geistiger Embryo, ...“ „So wie der physische Embryo die besondere Umwelt des Mutterschoßes benötigt, braucht auch der geistige Embryo den Schutz einer lebendigen, von Liebe durchwärmten, an Nahrung reichen Umwelt, in der alles darauf eingerichtet ist, sein Wachstum zu fördern, und nichts hindernd im Wege steht.“[9]

Angeboren sei die Fähigkeit, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und dieser Kontakt führe zum Austausch.[10]

„Man könnte beinahe von einer Schöpfung sprechen, die dem einzelnen Individuum über-lassen bleibt und im voraus nicht zu bestimmen ist.“[11]

Mit dieser These schenkt sie der Beeinflussung durch Umweltfaktoren, wie Erziehung und häusliches Umfeld wenig Beachtung. Erwiesenermaßen spielen jedoch nicht nur biologische Faktoren, sondern auch die Umstände, in denen ein Kind aufwächst eine entscheidende Rolle gerade für seine Reifung auf allen Gebieten der menschlichen Sozialisation.

Sie geht gleichzeitig davon aus, dass genau wie der Körper, auch der Geist die richtige Nah-rung zu einem entsprechenden Zeitpunkt benötigt.

Diese Verantwortung, die richtige “Nahrung“ bereit zu stellen, obliegt ihrer Ansicht nach aus-schließlich den Erwachsenen. Schon beim bloßen Lesen dieser Anforderungen dürfte sich so mancher Erwachsene tief verunsichert fühlen. Denn, „... ein unzeitgemäßes Eingreifen des Er-wachsenen mit seinem Willen und seinen übertriebenen Vorstellungen von der eigenen Machtvollkommenheit kann jenen Bauplan zerstören oder seine Verwirklichung in falsche Bahnen lenken.“[12], so Montessori.

Doch das scheint mir im Widerspruch zu der oben genannten These zu stehen, in der sie be-hauptet, dass die Bildung des Individuums von ihm selbst geleistet wird, und nicht vorherbe-stimmbar ist.

Mit der letzteren These räumt sie jedoch ein, dass eine negative Beeinflussung durchaus im Bereich des Möglichen ist.

Um den erwähnten richtigen Zeitpunkt zu verdeutlichen, führt sie den Begriff der „sensiblen Perioden“ ein, die von mir zunächst erklärt und anschließend näher beleuchtet werden sollen.

[...]


[1] http://dewikipedia.org/wiki/Reform%c3%A4dagogik 08.04.05

[2] Scheibe, W.: Die reformpädagogische Bewegung 1999 S. 68

[3] Holtstiege, H.: Maria Montessori und die reformpädagogische Bewegung 1986, S. 20

[4] Montessori, Maria: Grundlagen meiner Pädagogik1996, S. 51

[5] Montessori, M.: Das kreative Kind 1991, S. 31 f.

[6] Steenberg, U.: Handlexikon zur Montessori - Pädagogik 1997, S. 37

[7] Montessori, M.: Kinder sind anders 1998 S. 43

[8] Steenberg, U.: a.a.O. 1997 S. 41

[9] Montessori, M.: a.a.O 1998, S. 44

[10] Montessori, M.: Kinder sind anders 1998, S. 45

[11] Montessori, M.: a.a.O. 1998, S. 40

[12] Montessori, M.: a.a.O 1998 S. 44

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Reformpädagogik vorgestellt am Beispiel der Montessori Pädagogik in Theorie und Umsetzung
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
10 von 10
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V42724
ISBN (eBook)
9783638406925
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Ihre Hausarbeit sticht hervor, da sie sich darum bemühen, sich mit den grundlegenden Aussagen auf allen möglichen Ebenen auseinanderzusetzen! Das ist sehr gut!" Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Reformpädagogik, Beispiel, Montessori, Pädagogik, Theorie, Umsetzung
Arbeit zitieren
Heike Lehnert (Autor), 2005, Reformpädagogik vorgestellt am Beispiel der Montessori Pädagogik in Theorie und Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42724

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