Beweggründe für Socially Responsible Investments


Bachelorarbeit, 2018
24 Seiten, Note: 1,0

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Inhalt

1. Einleitung

2. Problemstellung

3. Zielsetzung und Forschungsfragen

4. Geschichtliche Entwicklung von Socially Responsible Investments

5. Definition und Beschreibung von Socially Responsible Investments

6. AnlegerInnenmotivation für Socially Responsible Investments

7. Performancevergleich SRI-Fonds und konventionelle Fonds

8. Konzepte des SRI

9. Der Markt für Socially Responsible Investments

10. Ausblick

11. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wachstum SRI (Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. [FNG], 2017, S. 46)

Abbildung 2: Ausschlusskriterien (Friesenbichler, 2015, S. 1026)

Abbildung 3: Qualitätskriterien (Friesenbichler 2015, S. 1027)

1. Einleitung

Niemand kann leugnen, dass sich die Welt verändert. Umweltkatastrophen, wie das Atomunglück von Fukushima 2011 oder das Deepwater Horizonunglück 2010, mit immensen finanziellen als auch ökologischen Schäden, haben uns allen vor Augen geführt, wie wichtig ein bewusster Umgang mit der Umwelt ist. Die verheerenden Folgen der Erderwärmung, wie zum Beispiel das häufigere Auftreten von Überschwemmungen als auch Stürmen, belasten Volkswirtschaften zunehmend. Aus diesen Gründen müssen auch InvestorInnen umdenken, denn die Konsequenzen ihrer Investmententscheidungen haben Auswirkungen auf die Umwelt. Die Folgen der Finanzkrise 2007 sind immer noch nicht überwunden. Ausgelöst durch blindes Streben nach Rendite, veranlagten Investoren risikoreich, ohne sich Gedanken über Nachhaltigkeit und Wertbeständigkeit zu machen. Die Folgen für die Finanzwirtschaft waren verheerend. Das gegenseitige Vertrauen an Finanzmärkten sank und sowohl private als auch institutionelle AnlegerInnen haben kurzfristig einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens verloren. Außerdem müssen InvestorInnen zunehmend politische und soziale Risiken betrachten. Das alles führt dazu, dass nachhaltige Entwicklung eine der größten Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Es ist die moralische Aufgabe von institutionellen InvestorInnen, den Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft mitzugestalten. In der Literatur über Socially Responsible Investment finden sich viele Beispiele wie InvestorInnen Einfluss auf Unternehmen ausüben können. Das aktive Nützen von Stimmrechten und das Allokieren nachhaltiger Finanztitel zu Portfolios sind einige Beispiele, wie InvestorInnen Konzerne zu mehr nachhaltigen Aktivitäten bewegen können. Ein weiterer Zugang ist, konsequent Investments in Unternehmen zu vermeiden, die Mensch und Umwelt schädigen. All diese Ansätze werden über den Begriff „ethisches bzw. nachhaltiges Investment“ zusammengefasst.

Kurz gefasst geht es bei Socially Responsible Investment (SRI) darum, Unternehmen, die zur Steigerung ihres Unternehmenswerts Sozial- als auch Umweltfaktoren berücksichtigen, zu fördern (vgl. Renneboog u.a. 2007). Das Ziel von SRI ist es also negative externe Effekte, wie Treibhausgase oder Menschenrechtsverletzungen zu internalisieren, indem solche Faktoren bei Investmententscheidungen ausselektiert werden. Die ersten Früchte dieser Entwicklung sind bereits zu erkennen. Immer mehr Unternehmen veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben beschlossen, dass Unternehmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, verpflichtet sind, einen Corporate Social Responsibilitybericht zu erstellen. Die betreffende Richtlinie ist seit 1. Dezember 2016 in Kraft (vgl. Richtlinie 2014/95/ EU 2014, S. 4-8).

Institutionelle InvestorInnen werden sich zunehmend bewusst, dass die Auswirkungen des Klimawandels das Wachstum der Wirtschaft hemmen und dadurch hohe Kosten verursacht werden. Der im Jahr 2006 veröffentlichte Bericht, der den Namen des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank Nicholas Stern trägt, enthielt erstmals eine Schätzung der durch den Klimawandel erwarteten Folgekosten. In diesem Bericht, der von der britischen Regierung beauftragt wurde, werden die Kosten, welche aus dem Klimawandel resultieren, auf fünf bis zwanzig Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die Kosten der Umstellung auf erneuerbare Energien und einer besseren sozialen Absicherung der ärmsten Menschen der Welt würden lediglich ein bis zwei Prozent des Weltbruttoinlandsprodukts betragen (vgl. The Guardian 2011). Die Kosten-Nutzen-Analyse, die im Stern-Report zu finden ist, ist wegen des langen Zeithorizonts als vage zu betrachten. Die Kostenaufteilung zwischen den Ländern der Erde ist gegenwärtig noch nicht geregelt und ein Streitpunkt bei internationalen Verhandlungen. Seit der Veröffentlichung des Stern-Reports sollte den führenden Industrienationen aber bewusst sein, dass Engagement für Umweltschutz sich auch in finanzieller Hinsicht rechnen wird. Aus diesem Grund wachsen unter anderem SRI-Märkte in Europa und in Amerika deutlich. Institutionelle InvestorInnen, wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, spielen dabei eine große Rolle.

Eine in der wissenschaftlichen Literatur viel diskutierte Fragestellung ist, ob nachhaltige Investments bessere oder schlechtere Rendite erzielen als konventionelle Investments. Dieser Fragestellung wird, neben Motivationsfaktoren für nachhaltiges Investieren, in dieser Bachelorarbeit nachgegangen.

2. Problemstellung

Der Markt für Socially Responsible Investments wächst seit einigen Jahrzehnten stark. Viele InvestorInnen beziehen neben ökonomischen, auch ökologische und soziale Aspekte in ihre Anlageentscheidungen ein. Dominierte im 18. Jahrhundert die Kirche die Nachfrageseite des Markts, investieren aktuell auch institutionelle und private AnlegerInnen nachhaltig. Dabei beschränkt sich das Wachstum nicht nur auf Europa. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika nimmt der Marktanteil von Socially Responsible Investments zu. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Sie zu beleuchten macht einen beträchtlichen Teil der vorliegenden Arbeit aus. Die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit im Investmentgeschäft ist Teil des branchenübergreifenden und weltweiten Trends zu stärkerer Berücksichtigung von Umweltfaktoren. Dieses gestiegene Bewusstsein manifestiert sich in den verschiedenen Ansätzen von SRI. Sie geben AnlegerInnen eine Orientierungshilfe, auf welche Kriterien bei der Auswahl von nachhaltigen Investments zu achten ist und wie InvestorInnen Einfluss auf ein Unternehmen nehmen können, um mit ihren Investments die Nachhaltigkeitsbemühungen eines Unternehmens zu stärken. SRI-Ansätze sind in der Literatur gut beschrieben. Beschäftigt man sich mit Motiven, die nachhaltig orientierten InvestorInnen zu Grunde liegen, wird man im Artikel von Riedl & Smeets (2017) fündig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wachstum SRI (Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. [FNG], 2017, S. 46)

Der Ausgangspunkt zum Artikel „Why Do Investors Hold Social Responsible Funds“ ist die Beobachtung eines überproportional hohen SRI-Volumens in Holland. Zuerst stand die Hypothese höherer sozialer Präferenzen von niederländischen AnlegerInnen im Raum. Im Zuge ihrer Forschung befragten die Autoren niederländische InvestorInnen zu ihren Investmentmotiven. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass holländische InvestorInnen zwar höhere soziale Präferenzen aufweisen, dies aber nicht zur Gänze das hohe Anlagevolumen von SRI erklärt. Als weiteren Bestimmungsfaktor identifizierten die Autoren soziale Signale. InvestorInnen, die soziale Signale senden, tun dies, in dem sie mit anderen InvestorInnen über ihre Investmentaktivitäten sprechen. Junge, männliche Investoren senden am häufigsten soziale Signale. Je stärker die sozialen Präferenzen der jeweiligen InvestorIn sind, desto seltener finden die Autoren das Bedürfnis, mit anderen InvestorInnen über nachhaltige Investments zu sprechen. Die finanzielle Performance von Investments ist auch für SRI-InvestorInnen von Bedeutung. Das lässt sich daraus ableiten, dass InvestorInnen, welche vermuten, dass nachhaltige Investments weniger Rendite erzielen, weniger häufig in diese investieren. InvestorInnen mit sehr hohen sozialen Präferenzen nehmen im Gegenzug dazu auch schlechtere finanzielle Performance in Kauf und sind bereit, höhere Fondsgebühren zu entrichten. Zusätzlich fanden die Autoren, dass eine hohe Nachfrage nach SRI-Titeln die Preise positiv beeinflusst. Im Gesetz von Angebot und Nachfrage sind höhere Preise bei stärkerer Nachfrage nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich in der Forschung von Riedl & Smeets (2017) ist jedoch die Tatsache, dass Preise für SRI-Titel überproportional zum Handelsvolumen steigen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass weitere Aspekte, außer nachhaltigen Präferenzen, die Preise beeinflussen. Eine Hypothese der Autoren lautet, dass auch InvestorInnen mit geringen sozialen Präferenzen aus Reputationsgründen SRI-Titel erwerben. Ein weiterer Faktor für steigende Preise ist auch das gestiegene Interesse von Hedgefonds an SRI (vgl. Riedl & Smeets 2017, S. 29-30). Überproportionale Preise lassen vermuten, dass weitere Bestimmungsfaktoren, außer nachhaltigen Präferenzen, die Nachfrage nach SRI-Titeln beeinflusst. Die genannten Hypothesen von Riedl & Smeets (2017) mögen einen Teil des Preisanstiegs erklären. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ausschließlich wegen Unternehmensreputation und Spekulation von Hedgefonds dieses Phänomen erklärt wird. Die Frage nach den Motiven von AnlegerInnen an SRI ist in der Wissenschaft noch nicht ausreichend erforscht.

3. Zielsetzung und Forschungsfragen

Die vorliegende Bachelorarbeit soll das in der Praxis immer bedeutsamer werdende Thema der Socially Responsible Investments betrachten. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf der Beantwortung der Frage, warum sich immer mehr InvestorInnen für nachhaltige Finanzprodukte entscheiden und dadurch mitunter Nachteile hinsichtlich der Steuerung des Vermögens oder des Risikos in Kauf nehmen. Es ist aber nicht möglich, diese Frage isoliert zu beantworten, da Beweggründe mit historischen Ereignissen, der Zusammensetzung des Finanzmarktes und verschiedenen Einflussmöglichkeiten von InvestorInnen auf Unternehmen zusammenhängen. Eine möglichst präzise Definition ist Grundlage für das Verständnis dieses Themas. Da aber bis heute keine verbindlichen Rechtsnormen existieren, die festlegen, was ein ethisches Investment ausmacht, stellt die Definition eine Herausforderung dar. Erschwerend kommt hinzu, dass das Ethikverständnis von Menschen stark von individuellen Faktoren, wie Erziehung, kulturelle Prägung und den individuellen Erfahrungen bestimmt ist. Wie bereits in der Problemstellung ersichtlich wurde, spielen psychologische Aspekte, wie das Aussenden von Signalen oder intrinsische soziale Präferenzen, beim Verständnis von SRI ebenfalls eine wichtige Rolle. Dennoch wird der Versuch einer möglichst genauen Beschreibung unternommen. Der Messung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens kommt ebenfalls eine gewisse Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang werden die wichtigsten Konzepte und Ansätze vorgestellt, die es erlauben, Unternehmen hinsichtlich ihres Ausmaßes an Nachhaltigkeit zu vergleichen. Ein wichtiges Ziel der Arbeit ist auch festzustellen, ob Performanceunterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Investments bestehen und diese als signifikant erachtet werden können. Beim Lesen des Kapitels zur Performance muss man aber daran denken, dass die Fachwelt trotz der Vielzahl an Studien zur Performance zu keinem einheitlichen Ergebnis gekommen ist. Trotzdem lassen sich gewisse Tendenzen erkennen. Wenn man sich den Markt der nachhaltigen Anlageprodukte ansieht, stellt sich einerseits die Frage, wo und in welchem Ausmaß ethische Investments getätigt werden und welche InvestorInnen besonders häufig nachhaltige Aspekte berücksichtigen. Zur Beantwortung dieser Frage wird auf Studien zurückgegriffen, die aus der EU beziehungsweise aus der US-amerikanischen Regierung stammen. Das Verständnis der Zusammensetzung des Marktes ist für die Begründung des Wachstums von nachhaltigen Investments essenziell.

4. Geschichtliche Entwicklung von Socially Responsible Investments

Die Ursprünge von Socially Responsible Investing lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Pioniere waren die Quäker, die die Prinzipien des Glaubens auch bei ihren Investments berücksichtigen wollten. Dementsprechend waren Veranlagungen in Branchen wie Sklaverei oder Waffenproduktion verboten (vgl. Kinder & Domini 1997 zitiert nach Kempf & Osthoff 2008, S. 10).

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte die Pioneer Fundgesellschaft die Idee, Anlageentscheidungen unter Berücksichtigung von ethischen Aspekten zu treffen. Als Vorläufer des gegenwärtig verwendeten Begriffs „Socially Responsible Investment“ war es verboten, in Alkohol, Tabak und Glücksspiel zu investieren. Im Zuge des Vietnamkrieges und der daraus resultierenden Friedensbewegung wurde 1971 in den USA der erste Socially Responsible Investmentfonds ins Leben gerufen. Innovativ an diesem Fonds war das Screening mit Positiv- als auch Negativkriterien für die Aufnahme von Investmenttitel in das Portfolio. Im darauffolgenden Jahrzehnt gewann der Umweltschutz in Europa an Bedeutung. In skandinavischen Ländern, Großbritannien und im deutschsprachigen Raum entstanden erste Umweltfonds. Anfang 1990 wurde Socially Responsible Investment ein Trend in Europa, der neue Produktkonzepte hervorbrachte. Als Produktkonzept der zweiten Generation bezeichnet Friesenbichler Charakteristiken wie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung als auch Unternehmensprozesse, die nicht unmittelbar dem Umwelt- oder Sozialbereich zuzuordnen sind. Erstmals wurden positive Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Gesellschaft entdeckt. Das Quantifizieren von Nachhaltigkeit entstand in der zweiten Generation mittels Ratings. Diese Ratings geben Aufschluss über die Eignung für Socially Responsible Investment. Neben Aktien als Investmenttitel gewannen Anleihen vermehrt an Bedeutung. Erste Konzepte zur Nachhaltigkeitsanalyse von staatlichen Emittenten entstanden.

Gegenwärtig befindet sich Socially Responsible Investment in der dritten Generation mit dem Merkmal Diversität. Die Bandbreite der Diversität reicht von neueren Anlageklassen wie Venture Capital, Immobilien oder Microfinance über gezieltes Ausüben von Aktionärsrechten mit dem Ziel, nachhaltige Unternehmensentscheidungen zu bewirken (vgl. Friesenbichler 2015,S. 1023-1024).

5. Definition und Beschreibung von Socially Responsible Investments

Socially Responsible Investement umfasst in der Literatur verschiedene Begriffe wie Ökologisches Investment, Ethisches Investment, Nachhaltiges Investment. ESG-Integration beinhaltet das Einbeziehen von ethischen, ökologischen als auch sozialen Kriterien in Investmententscheidungen. Mit der Terminologie Socially Responsible Investment lassen sich genannte Begriffe zusammenfassen und das Akronym SRI wird stellvertretend in der Literatur verwendet (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1023).

SRI ist für Kopp (2012) ein umfassender Begriff, für dessen Definition in der Wissenschaft bisher noch kein Konsens gefunden wurde. Kopp (2012) beschreibt in ihrer Arbeit SRI als jedes mögliche Anwendungsfeld in der Finanzwirtschaft, wo soziale, ökologische und ethische Aspekte nach Präferenz von InvestorInnen berücksichtigt werden. Diese InvestorInnen können durch ihre Anlageentscheidungen Einfluss auf nachhaltige Aktivitäten von Unternehmen nehmen (vgl. Kopp 2012, S. 552).

Die Sichtweisen von Friesenbichler (2015) und Kopp (2012) finden sich in der Definition für nachhaltige Geldanlagen, welche vom Forum für nachhaltige Geldanlagen erstellt wurde.

Nachhaltigkeit, Verantwortung, Ethik und Ökologie wirken auf Anlageprozesse, die im Rahmen von ESG-Kriterien durchgeführt werden (vgl. Forum Nachhaltige Geldanlage 2017, S. 7).

Der Begriff der ESG-Integration wurde durch die Vereinten Nationen im Jahr 2006 geprägt und wird häufig verwendet, um den ökologischen und Corporate-Governance-Aspekt von Socially Responsible Investments hervorzuheben. ESG ist das Akronym für Ecological, Social Governance und Integration verdeutlicht, dass diese Themen mittlerweile von einer breiten Maße an InvestorInnen berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu Kriterien, die für SRI Anwendung finden, werden bei der ESG-Integration oft nur eine Teilmenge dieser Kriterien berücksichtigt. In der Literatur wird ESG-Integration auch verwendet, um Socially Responsible Investments zu beschreiben (vgl. Blanc u.a. 2010, S. 6).

Corporate Social Responsibility bezieht sich auf das Fördern von Nachhaltigkeitsbemühungen in Unternehmen. CSR-Aktivitäten versuchen, Unternehmen von innen heraus zu verändern. Die EU-Kommission definiert CSR als ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, um soziale und ökologische Aspekte beim Fällen von Entscheidungen berücksichtigen zu können. Insbesondere beruht CSR auf Freiwilligkeit und nicht auf gesetzlichen Vorgaben. Während zu Beginn von CSR soziale und ökologische Aspekte im Vordergrund standen, sind seit der Finanzkrise 2009 auch ökonomische Aspekte in CSR-Aktivitäten relevant (vgl. Fung u.a. 2010, S. 6).

Im Rahmen der United Nations Principles of Responsible Investment wurden einheitliche Eckpunkte für ethische Investments festgelegt. Sie dienen somit als Leitfaden für Asset Manager und InvestorInnen, die ESG-Kriterien bei der Veranlagung berücksichtigen wollen. Seit ihrer Etablierung im Jahr 2006 haben sich bereits mehr als 784 Unternehmen aus über 45 Ländern unterzeichnet. Im Gesamtvermögen beträgt 22 Billionen US-Dollar. Sie verpflichten sich damit, folgende Prinzipien bei der Veranlagung zu beachten:

1. „Wir werden ESG-Themen in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich einbeziehen.

2. Wir werden aktive Aktionäre sein und ESG-Themen in unsere Aktionärspolitik und Praxis einbeziehen.

3. Wir werden eine angemessene Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen bei den Unternehmen und Körperschaften fordern, in die wir investieren.

4. Wir werden die Akzeptanz und die Umsetzung dieser Grundsätze in der Investmentbranche vorantreiben.

5. Wir werden zusammenarbeiten, um unsere Wirksamkeit bei der Umsetzung dieser Grundsätze zu steigern.

6. Wir werden über unsere Aktivitäten und unsere Fortschritte bei der Anwendung der Grundsätze Bericht erstatten.“ (Principles for Responsible Investment 2010, S. 4)

Da es sich bei der Unterzeichnung um einen freiwilligen Akt handelt, können die Richtlinien nicht wie Gesetze vollstreckt werden. In der Vergangenheit kamen immer wieder Zweifel auf, ob sich Unterzeichner an die Prinzipien halten oder für diese nur zur Image-Verbesserung nutzen. Ein weiterer Nachteil der Grundsätze ist, dass sie recht vage formuliert sind und somit viel Interpretationsspielraum besteht (vgl. Schumacher-Hummel 2005, S. 95).

6. AnlegerInnenmotivation für Socially Responsible Investments

Der Philosoph und Ökonom Adam Smith geht in seinem Werk „An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations“ davon aus, dass der Markt am besten funktioniert, wenn ausschließlich das Ziel verfolgt wird, die Rendite zu maximieren. Eine gängige Meinung ist, dass es der Gesellschaft als Ganzes nützt, wenn die Investitionsentscheidungen unbeschränkt getroffen werden. Dabei wird insbesondere darauf Wert gelegt, dass alle Länder und Branchen für InvestorInnen verfügbar sein müssen (vgl. Smith 1961).

Was theoretisch betrachtet vernünftig erscheinen mag, kann in der Praxis unerwünschte soziale und ökologische Folgen haben. So kann das blinde Streben nach Profit Abholzung, Luftverschmutzung, das Aussterben von Tierarten oder das Missachten von Arbeits- und Menschenrechten zur Folge haben. Selbst wenn InvestorInnen nur finanzielle Ziele verfolgen, müssen sie doch diese schädlichen Langzeitauswirkungen berücksichtigen, da sich die Zerstörung der Umwelt negativ auf die gesamte Volkswirtschaft und damit auch auf ihre eigenen zukünftigen Renditeaussichten auswirken kann. Inzwischen sollte jedem Investor klar sein, dass die Politik nicht alle Probleme lösen kann und dass auch privates Engagement für Umwelt und soziale Faktoren wichtig ist.

In der wissenschaftlichen Literatur wird zwischen klassischen und nachhaltigen Anlagemotiven unterschieden. Zu den klassischen in der finanzwirtschaftlichen Literatur angeführten Motiven zählen Sicherheit, Rentabilität und Liquidität. Diese Ziele bilden das magische Dreieck der Geldanlage. Unter Sicherheit wird die Wahrscheinlichkeit verstanden, dass der Anlagebetrag erhalten und fristgerecht zurückgezahlt werden kann. Rentabel ist eine Anlage, wenn das Verhältnis von Gewinn und eingesetztem Kapital positiv ist. Unter Liquidität wird im Zusammenhang mit der Geldanlage der Bindungszeitraum verstanden. Das heißt, wie schnell es möglich ist sein Geld zurückzuerhalten. In der Realität kommt es immer wieder zu Zielkonflikten zwischen diesen drei Faktoren. Es ist zum Beispiel häufig ein Zielkonflikt zwischen Renditemaximierung und Risikominimierung zu beobachten. Eine hohe Rendite ist häufig mit einem entsprechend hohen Risiko verbunden. Da neben diesen drei Aspekten noch andere Faktoren wichtig sind, kommt in der Literatur häufig ein Vieleck der Geldanlage zum Einsatz, das neben den drei genannten Faktoren weiter Komplexität und Bequemlichkeit beinhalten kann. Dadurch werden das beschränkte Wissen und das begrenzte Zeitbudget von AnlegerInnen berücksichtigt. Die größte Priorität bei Anlageentscheidungen liegt jedoch weiterhin auf den Aspekten Sicherheit, Rendite und Liquidität (vgl. May 2007, S. 6-10).

Um nachhaltige Anlagemotive und InvestorInnen zu klassifizieren eignet sich die Unterscheidung in wertbasierend, wertsuchend und wertsteigernd (vgl. Kinder 2005, S. 10-11).

Die wertbasierten Investoren standen am Beginn der SRI-Bewegung. Ihr Engagement für nachhaltige Anlageprodukte ist durch ihre ethischen oder moralischen Ansichten begründet. Primär geht es ihnen darum, dass die Investments, die sie tätigen, ihren eigenen ethischen Standards entsprechen. Sie wollen sich mit ihren Investments identifizieren können. Sie möchten sicherstellen, dass ihre Anlageentscheidungen einen positiven Einfluss auf die Umwelt und auf die Gesellschaft als Ganzes haben.

Wertsuchende InvestorInnen traten zum ersten Mal in den neunziger Jahren in Erscheinung, als erste Studien mit dem Resultat, dass SRI-Portfolios keine finanziellen Nachteile gegenüber konventionellen Portfolios aufweisen, veröffentlicht wurden. Sie sind davon überzeugt, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien zu mehr Qualität im Portfolio führt und dass damit auch eine bessere finanzielle Performance verbunden ist.

Unter wertsteigernde InvestorInnen werden jene verstanden, die primär auf die Wertsteigerung ihres Portfolios abzielen. Dabei wenden sie typischerweise Shareholder-Aktivismus an oder versuchen durch Corporate Governance Einfluss auf Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen auszuüben.

Weiters ist eine Unterteilung in private und institutionelle Anleger sinnvoll. Institutionelle Investoren sind Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, finanzielle Mittel zu verwalten. Dabei kann es sich um das eigene Vermögen oder das Vermögen von KundInnen handeln (vgl. Figeac 2007, S. 21). Diese Unterscheidung ist hinsichtlich der Motivation notwendig, da institutionelle InvestorInnen anderen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegen als private InvestorInnen. Diese stärkere Regulation ist nötig, weil institutionelle InvestorInnen durch die hohen Summen, die sie verwalten, direkt Einfluss auf die Kapitalmärkte und damit auf die gesamte Volkswirtschaft eines Landes nehmen können.

Dorfleitner und Utz haben sich zum Ziel gesetzt, ein Profil deutschsprachiger SRI-InvestorInnen zu erstellen. Sie untersuchen in ihrem Artikel die ethischen Motive von InvestorInnen. Zu diesem Zweck haben sie einen Online-Fragebogen erstellt. Obwohl 511 Personen eingeladen wurden, an der Umfrage teilzunehmen, antworteten nur 354 Personen auf den erstellten Fragebogen. Die Mehrheit der TeilnehmerInnen waren private InvestorInnen. Es wurden aber auch institutionelle InvestorInnen und FondsmanagerInnen befragt. Der Großteil gab an, sich schon über SRI informiert zu haben. 90 Prozent der befragten Personen gaben an, dass soziale Verantwortung für sie wichtig ist. Außerdem gehen sie davon aus, dass sie durch nachhaltige Investments demselben Risiko ausgesetzt sind wie konventionelle InvestorInnen. Sie sehen sich selbst als Pioniere und gehen davon aus, dass nachhaltige Veranlagungen langfristig profitabler sind als konventionelle Veranlagungen. Die Ergebnisse der Autoren weisen darauf hin, dass Menschen mit höherer Ausbildung vermehrt nachhaltig investieren und bereit sind, Renditeeinbußen in Kauf zu nehmen. Personen mit hohem Vermögen investieren in Firmen, die ihren eigenen Wertvorstellungen entsprechen. Im Weiteren zeigen die Forscher auf, dass die Renditeerwartungen für SRI eine große Rolle spielen. InvestorInnen, die davon überzeugt sind, dass ethische Geldanlagen sich besser entwickeln als konventionelle Geldanlagen, investieren häufiger nachhaltig. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass die Motivation von FondsmanagerInnen nicht signifikant von privaten InvestorInnen abweicht (vgl. Dorfleitner & Utz 2014, S. 125-134).

Wins und Zwergel publizierten ebenfalls einen Artikel zur Motivation von SRI-InvestorInnen. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit verglichen sie konventionelle InvestorInnen an SRI-interessierte InvestorInnen und SRI-InvestorInnen. Die Studie beschränkt sich auf private InvestorInnen, die wie bei Dorfleitner und Utz mittels Online-Fragebogen interviewt wurden. Um verzerrte Ergebnisse bei der Befragung zu vermeiden, entschieden sich die Autoren, den Zweck ihrer Befragung geheim zu halten. In der Umfrage wurde eine Vielzahl an Hypothesen zur Demographie, Investmentstrategie und Performanceerwartung formuliert. Zusätzlich wurden auch soziale, ethische und ökologische Präferenzen erfragt. Die Ergebnisse identifizieren, dass SRI-interessierte InvestorInnen ähnliche Merkmale aufweisen wie jene, die bereits SRI-Produkte in ihr Portfolio aufgenommen haben. Viele SRI-Interessierte können zu nachhaltigen Investments bewegt werden, indem sie vermehrt auf die positiven Auswirkungen von nachhaltigen Investments hingewiesen werden. Ein weiterer Unterschied zwischen an nachhaltigen Geldanlagen interessierten AnlegerInnen und jenen, die tatsächlich sozial und verantwortungsvoll investieren, ist, dass letztere Genannte häufiger in ehrenamtlichen Tätigkeiten zu finden sind. Ethische, als auch an SRI interessierte InvestorInnen, unterscheiden sich in ihren Merkmalen sehr stark von konventionellen InvestorInnen. Weiblich, verheiratet und Kinder sind die demographischen Merkmale von nachhaltigen InvestorInnen. Zusätzlich besitzen nachhaltige InvestorInnen eine sozialere Einstellung und mehr Vertrauen als konventionelle InvestorInnen. Die sozialere Einstellung manifestiert sich beispielsweise in einer höheren Bedeutung der Arbeits- und Menschenrechte, der größeren Bedeutung des Umweltschutzes und darin, dass SRI-InvestorInnen nicht in Unternehmen veranlagen wollen, welche Produkte herstellen, die Menschen schädigen. Außerdem sind SRI-InvestorInnen überzeugt, dass ihre Anlageentscheidung einen positiven Effekt auf die Gesellschaft und die Umwelt hat. Sie sind überzeugt, dass jeder Mensch etwas gegen die Verschmutzung der Umwelt unternehmen kann. Sie sehen die Wertpapierallokation als probates Mittel an, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Das höhere Vertrauen spiegelt sich zum Beispiel in der Überzeugung wider, dass Fondsgesellschaften darauf achten, dass die Firmen, in die sie investieren, sozial verantwortlich agieren. Fast 90 Prozent der nachhaltig orientierten AnlegerInnen, die befragt wurden, sind der Überzeugung, dass Socially Responsible Investment ökologische, ökonomische, soziale und ethische Aspekte beinhaltet. Mit dieser Sichtweise vertreten SRI-InvestorInnen die umfassendste Auffassung des Begriffs „Nachhaltigkeit“. Nur rund 40 Prozent der konventionellen InvestorInnen teilen diese Ansicht von Nachhaltigkeit. Alle drei Gruppen von InvestorInnen teilen die Ansicht, dass das Berücksichtigen von sozialen, ethischen und ökologischen Aspekten sich langfristig positiv im Börsenkurs von Unternehmen widerspiegelt. Verwunderlich ist daher, dass genannte InvestorInnen im Einklang annehmen, dass SRI-Fonds geringere Rendite erzielen als konventionelle Fonds. Aus dieser geringeren Renditeerwartung, die nachhaltige InvestorInnen mit konventionellen InvestorInnen teilen, lässt sich schließen, SRI-InvestorInnen sind weniger profitorientiert als konventionelle InvestorInnen. Konventionelle InvestorInnen weisen die schlechtesten Renditeerwartungen für SRI-Fonds auf. Weiters wird bezweifelt, dass Fondsgesellschaften Einfluss auf Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmern nehmen können (vgl. Wins & Zwergel 2016, S. 94-96).

Eine weitere Studie, die sich mit den Beweggründen hinter SRI befasst, wurde von den Wissenschaftlern Bert Scholtens und Riikka Sievänen durchgeführt. Das Ziel war es, herauszufinden, warum sich der Markt für nachhaltige Anlageprodukte in Finnland, Dänemark, Norwegen und Schweden so unterschiedlich entwickelt hat. Zu diesem Zweck vergleichen die Autoren die Länder in den Dimensionen: Ökonomie, Finanzmarkt, Kultur und Institutionen. Die dazu notwendigen Daten gewannen die AutorInnen aus Datenbanken der UN und der EU. Trotz ähnlichen Makrofaktoren, Sozialsystemen und Corporate Social Responsibility ist der SRI-Markt in diesen Ländern unterschiedlich aufgebaut. In Dänemark und Schweden gibt es gesetzliche Regelungen, die Pensionskassen dazu zwingen, nachhaltige Investitionen zu betreiben. Die dänische und schwedische Regierung fördert mit diesem Gesetz aktiv die Nachfrage des SRI-Marktes. In Finnland werden erst seit Kurzem nachhaltige Geldanlagen am Markt angeboten. Dementsprechend ist der SRI-Markt überschaubar. In Finnland sind die Kirche und institutionelle InvestorInnen für das Wachstum des SRI-Marktes verantwortlich. In Norwegen investiert der norwegische Ölfonds, der die Gewinne aus der Veräußerung von Erdöl und Erdgas verwaltet, nachhaltig. Anscheinend spielen institutionelle InvestorInnen und Kirchen eine wichtige Rolle am skandinavischen Markt für ethische Geldanlagen. Die AutorInnen kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass ökonomische Offenheit, die durch hohe Import- und Exportraten charakterisiert ist, zu einem breiteren Markt für nachhaltige Investments führt. Darüber hinaus lassen sich zwei kulturelle Faktoren erkennen, die den Unterschied erklären können. Länder oder Menschen, die versuchen, riskanten Situationen aus dem Weg zu gehen, scheinen eine Vorliebe für ethische Investments zu entwickeln. Die AutorInnen sind der Überzeugung, dass feminine Gesellschaften, wie Norwegen oder Schweden, eine Vorliebe für ethisches Investieren haben (vgl. Scholtens & Sievänen 2013, S. 613-614).

Ein weiterer Artikel der aufzeigt, warum sich InvestorInnen für ethische Investmentfonds entscheiden wurde von Nilson verfasst. Im Zuge seiner Forschungsaktivitäten teilte er 563 SRI-InvestorInnen, anhand verschiedener Ansichten zur Bedeutung von Rendite und sozialer Verantwortung beim Treffen von Investmententscheidungen, in drei Gruppen ein. Das Ziel dieser Studie ist es, die Motivation der wachsenden Gruppe von nachhaltigen AnlegerInnen zu untersuchen. Ein weiteres Ziel ist es herauszufinden, ob innerhalb der Gruppe der ethischen InvestorInnen unterschiedliche Präferenzen vorliegen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen unterschiedliche Profile entwickelt werden, die für SRI-Anbieter nützlich sind (vgl. Nilson 2009, S. 24-25).

Wie auch Kinder identifizierte Nilson eine hauptsächlich profitorientierte und eine hauptsächlich nachhaltigkeitsorientierte Gruppe. Außerdem lässt sich eine Gruppe formen, die Nachhaltigkeit und Profitorientierung auf hohem Niveau miteinander verbinden will. Etwa die Hälfte der untersuchten InvestorInnen sind diesem Typus zuzuordnen. Sie sind charakterisiert durch ein hohes Maß an Vertrauen in nachhaltige Fonds und durch die Überzeugung, dass Menschen die Welt durch ihre Investmententscheidung zum Besseren verändern können. Sie wollen dazu beitragen, Umwelt- und soziale Probleme zu lösen. Diese Gruppe verfügt über langjährige Erfahrung mit nachhaltigen Investments. In diesem Segment befinden sich hauptsächlich Frauen. Interessant ist auch, dass fast ein Zehntel das gesamte Fondsvermögen in ethische Fonds investiert. Sieben von zehn Personen haben ein Studium abgeschlossen. Außerdem haben sie aufgrund des Vertrauens zu SRI kein Problem damit Investmententscheidungen zu treffen (vgl. Nilson 2009, S. 24-25).

Jene Gruppe, die primär auf die Gewinnerzielung ausgerichtet ist, investiert im Gegensatz am wenigsten in nachhaltige Fonds. Nur fünf Prozent investieren über 80 Prozent ihres Vermögens in SRI-Fonds und 57 Prozent investieren weniger als 20 Prozent ihres Vermögens. Diese Gruppe vertraut ihren Kenntnissen im Portfolio-Management und führt daher mehr Transaktionen durch als alle anderen Gruppen. Sie unterscheidet sich auch durch ihr weniger ausgeprägtes Umwelt- und Sozialbewusstsein. Auch das Vertrauen in SRI-Produkte ist hier am geringsten. Außerdem spendet diese Gruppe weniger als die anderen. Sie setzt sich zu 68 % aus Männern zusammen, die auch den geringsten Bildungsstand aufweisen. Nur knapp die Hälfte hat ein Studium absolviert. Dieser Gruppe ist eine gute Performance ihres Portfolios besonders wichtig.

Jene InvestorInnen, die hauptsächlich nachhaltige Ziele verfolgen, unterscheiden sich von den anderen unter anderem dadurch, dass ihnen die Nachhaltigkeit wichtiger ist als der Gewinn, der aus dem Investment resultiert. Das gilt aber nur für jene 20-30 Prozent ihres Vermögens, die sie in SRI-Fonds investiert haben. Diese Gruppe verfügt über die geringsten Kenntnisse in der Vermögensverwaltung und handelt daher am wenigsten mit ihrem Investment. Außerdem spendet diese Gruppe am meisten und hat auch Vertrauen, dass jede InvestorIn etwas an der Situation von Menschen und Umwelt verbessern kann. Diese Gruppe besteht ebenso wie jene, die Umwelt und Profitorientierung kombinieren will, hauptsächlich aus gut ausgebildeten Frauen. Ihre Entscheidung für SRI-Produkte wird durch ihre persönliche Einstellung bestimmt (vgl. Nilson 2009, S. 22-23).

7. Performancevergleich SRI-Fonds und konventionelle Fonds

Revelli und Viviani führten im Jahr 2015 eine Metastudie zur Performance von ethischen Kapitalanlagen durch. Im Rahmen ihrer Studie verglichen sie 85 Studien und 190 Experimente. Im Rahmen der Metastudie stellten Revelli und Viviani drei Hypothesen auf:

1. Ethische Finanzanlagen sind profitabler als konventionelle Finanzanlagen.
2. Ethische Finanzanlagen erzielen weniger Rendite als konventionelle Finanzanlagen.
3. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Performance ethischer und konventioneller Veranlagung.

Ein positiver Einfluss auf die Rendite könnte zum Beispiel durch eine gesteigerte Nachfrage nach ethischen Finanzprodukten erklärt werden. Das würde den Gewinn des Unternehmens und somit in Folge auch den Aktienkurs steigern.

Ein Argument für die These der negativen Renditedifferenz könnte darin bestehen, dass gewisse Branchen in Portfolios ethischer InvestorInnen unterrepräsentiert sind oder zur Gänze ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel die Tabakindustrie, Produzenten von alkoholischen Getränken oder Unternehmen, die Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugen. Eine Unterrepräsentation von Einzeltiteln oder Branchen ist bei der Auswahl mittels Negativscreening wahrscheinlicher als bei Positivscreening. Dementsprechend würde man erwarten, dass die US-amerikanischen ethischen Fonds gegenüber den europäischen ethischen Fonds underperformen. Die Begründung liegt in der häufigen Anwendung von Negativscreenings im US-Markt. In Europa hingegen hat das Formulieren von Qualitätskriterien oder der Best-in-Class-Ansatz Tradition.

Ein weiteres Argument für das potentiell schlechtere Abschneiden von ethischen Fonds könnte sein, dass die Analyse bei ethischen Investments aufwendiger ist und somit höhere Kosten verursacht. Die Studie analysiert außerdem weitere potentielle Einflussfaktoren, wie zum Beispiel den Einfluss der Methodenwahl, des Betrachtungszeitraumes und des SRI-Ansatzes. Zur Performancemessung wurden in den verschiedenen Studien unterschiedliche Performancemaße verwendet, wie zum Beispiel Jenson Alpha, Sharp Ratio und Treynor Ratio (vgl. Revelli & Viviani 2015, S. 160-163).

Angesichts dieser Überlegungen ist das Resultat der Metastudie erstaunlich. Die einzelnen Experimente führten zu positiven, negativen als auch neutralen Ergebnissen. Auch zwischen den Märkten in Europa und USA konnten keine signifikanten Renditeunterschiede festgestellt werden. Ebenso konnten Revelli und Viviani keine signifikanten Renditeunterschiede zwischen ethischen und konventionellen Fonds feststellen. Der fehlende eindeutige Performanceunterschied induziert die Fragestellung, inwiefern nachhaltige Investments tatsächlich nachhaltig sind. Nach Sichtweise der Autoren deuten ähnliche Renditen auf ähnliche Veranlagungen hin (vgl. Revelli & Viviani 2015, S. 170).

Das bereits angesprochene Problem, dass verschiedene Studien aufgrund der Vielfalt der verwendeten Ansätze nicht mehr verglichen werden können, kann man lösen, indem man die Ergebnisse von einzelnen Studien analysiert. Auer und Schuhmacher verglichen in ihrer Studie Fonds, die ESG-Kriterien anwenden, mit konventionellen Fonds. Darüber hinaus untersuchen sie auch den Einfluss aktiver oder passiver Investmentstrategien auf die Fondsperformance. Besonders interessant ist, dass auch asiatische nachhaltige Fonds in die Studie miteinbezogen wurden. Die Ergebnisse zeigen ein einheitliches Bild für den US-amerikanischen und asiatischen Markt. Hier gibt es laut den Auer und Schuhmacher keine signifikanten Unterschiede des Rendite- Risikoverhältnisses zwischen ethischen und konventionellen Kapitalanlagen zu verzeichnen. Auch scheinen die Ergebnisse unabhängig davon zu sein, ob der Fonds aktiv oder passiv gemanagt wird. In Europa konnten sie teilweise eine Underperformance von ethischen Fonds feststellen. Diese sind aber auf gewisse Branchen, wie zum Beispiel Finanzdienstleister oder auf bestimmte Arten der ESG-Integration beschränkt (vgl. Auer & Schuhmacher 2016, S. 8-10).

8. Konzepte des SRI

Im Laufe der Zeit haben sich viele unterschiedliche Ansätze herausgebildet, die alle in den Themenbereich SRI eingeordnet werden können. Um den Überblick nicht zu verlieren, empfiehlt es sich die Ansätze zu ordnen. Friesenbichler verwendet zu diesem Zweck das PRI-Reporting-Framework, welches die drei verschiedenen Arten der ESG-Integration, Active-Ownership und Engagement unterscheidet (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1024-1025). Außerdem können aktive und passive Strategie unterschieden werden. Verfolgt die InvestorIn eine aktive Strategie, so unternimmt sie neben dem finanziellen Engagement noch zusätzliche Handlungen, die die Nachhaltigkeit in Unternehmen positiv beeinflussen. Bei den passiven Ansätzen geschieht eine Beeinflussung über die Investmententscheidung (vgl. Böttcher u.a. 2009, S. 99). Bei der Verwendung von passiven Ansätzen beschränkt sich die AnlegerIn gewisse Aktien aus ethischen Gründen zu kaufen oder nicht zu kaufen. Damit ist eine Anwendung passiver Strategien im Vergleich zum Aufwand, der mit der aktiven Beeinflussung des Unternehmens verbunden wäre, vergleichsweise gering. Diese Aufwandsersparnis ruft aber auch Kritik hervor.

Ein typischer Anlageprozess, welcher ethische Kriterien miteinbezieht, ist komplexer als der normale Anlageprozess. Der Ausgangspunkt ist aber derselbe. Die InvestorInnen wählen potentielle Aktien aus einem Index, wie dem DAX oder ATX aus. Im Falle der Berücksichtigung ethischer Kriterien kommen nun die Ausschlusskriterien zur Anwendung, die bestimmte Kandidaten wegen fragwürdiger Geschäftstätigkeit ausschließt. Dann kommen die Qualitätskriterien, welche die Nachhaltigkeitsbemühungen der Firma bewerten. Zu diesem Zweck werden häufig Nachhaltigkeitsratings herangezogen, die mit den wichtigsten Konkurrenten verglichen werden. Kommt man bei der Nachhaltigkeitsprüfung zu einem positiven Ergebnis, beginnt der klassische Teil der Wertpapieranalyse nach wirtschaftlichen und gegebenenfalls anlagetechnischen Kriterien. Dieser Prozess wird in der Praxis oft abgeändert, indem auf einzelne Schritte, wie zum Beispiel das Definieren von Ausschlusskriterien verzichtet wird. Die klassische Wertpapieranalyse kann auch vor oder gleichzeitig mit der Nachhaltigkeitsprüfung stattfinden (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1025).

Der Beweggrund hinter der Definition von Ausschlusskriterien ist die Überzeugung, dass man Unternehmen wegen gewisser Geschäftsmodelle, Technologien oder Praktiken nicht in das Portfolio aufnehmen möchte. Erfüllt das analysierte Unternehmen eines oder mehrere dieser Kriterien, wird es von vornherein ausgeschieden. Eine Studie unter britischen SRI-AnlegerInnen hat gezeigt, dass ihnen der Ausschluss der Rüstungsindustrie besonders wichtig ist. Auch Unternehmen, die Menschenrechte verletzen kommen für viele als Investment nicht in Frage. Am wenigsten wichtig ist Ihnen, laut der Studie, der Ausschluss von Unternehmen, die alkoholische Getränke oder Tabakwaren fertigen (vgl. Borgers & Pownal 2014, S. 5).

Qualitätskriterien oder auch Positivkriterien zielen hingegen auf die Messung der Nachhaltigkeit des Unternehmens ab. Wenn ein Unternehmen einige dieser Kriterien erfüllt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass SRI-AnlegerInnen Aktien, Derivate oder Anleihen dieses Unternehmens kaufen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ausschlusskriterien (Friesenbichler, 2015, S. 1026)

Die Qualitätskriterien spalten sich wiederum in eine Vielzahl von Subkategorien auf. Wichtig ist, dass die Kriterien mit Indikatoren verbunden werden, die eine objektive Messung der Nachhaltigkeit ermöglichen. Jeder dieser Indikatoren weist qualitative und quantitative Aspekte auf, die berücksichtigt werden müssen (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1026).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Qualitätskriterien (Friesenbichler 2015, S. 1027)

Wie der Name schon vermuten lässt, fokussieren sich Themeninvestments auf bestimmte Branchen oder Produkte, wie zum Beispiel Investments in Betriebe, die sich auf ökologische Energiegewinnung spezialisiert haben. Es können darunter aber auch Investitionen in private Kindergärten, Schulen oder Pflegeheime verstanden werden. Ebenso denkbar wäre zum Beispiel eine Fokussierung auf Erzeuger von Niedrigenergiebauten. Da bei Themeninvestments ohnehin nur bestimmte Unternehmen in Betracht kommen, kann auf die Ausarbeitung von Ausschluss- oder Qualitätskriterien verzichtet werden. Es kommt aber durchaus vor, dass Unternehmen in einem Teilbereich der Qualitätskriterien vorbildlich agieren, aber in anderen Bereichen Defizite aufweisen (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1029).

Sehr häufig ist im Zusammenhang mit SRI auch von ESG-Integration die Rede. ESG ist hier die Abkürzung für Environmental, Social und Governance. Im Rahmen dieses Konzepts geht es also zusätzlich zur Standard Wertpapieranalyse, um die Einbeziehung von Governance, Umwelt und sozialen Aspekten. Die Analysen, die im Rahmen der ESG-Integration durchgeführt werden, sind häufig weniger umfangreich und werden von konventionellen Analysten durchgeführt. So fehlen häufig die Ausschlusskriterien und es wird mehr Wert auf finanzielle Aspekte gelegt (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1029).

Beim Engagement nehmen AktionärInnen aktiv Einfluss in Unternehmen, in welche investiert wurde. Zielsetzung ist, Unternehmen zu höherer nachhaltiger Wirtschaftsweise zu bewegen. Die AktionärInnen üben formell als auch informell Einfluss auf das Unternehmen aus. Formelle Einflussnahme beinhaltet alle Gestaltungsmöglichkeiten, basierend auf dem Aktionärsrecht. Traditionellerweise sind dies Stimmrechte auf der Hauptversammlung als auch an Kapitalanteilen gebundenen Rechten wie das Setzen von Tagesordnungspunkten für die Hauptversammlung. Informelle Einflussnahme geschieht vorwiegend über Einflussnahmen auf die Geschäftsführung. Diese Strategie funktioniert nur über entsprechend hohe Kapitalanteile von InvestorInnen. Die Motivation von Engagement findet sich vorwiegend im Vermeiden negativer Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit. Anders als bei gängigeren SRI-Konzepten wird bei Engagement vor allem wegen fehlender Nachhaltigkeit im Unternehmen in dieses investiert (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1029).

Dieser Ansatz wird vor allem von Investoren verwendet, die in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien tätig sind. Der Grund dafür ist, dass es in den USA und im vereinigten Königreich für Aktionäre einfacher ist Anträge zu stellen, als in vielen anderen europäischen Ländern. In den USA zum Beispiel genügt es Aktien im Wert von 2.000 US-Dollar für ein Jahr oder mindestens ein Prozent des Firmenwerts zu halten. Es gibt beim Einbringen von Diskussionspunkten auf der Hauptversammlung einige Rechtsvorschriften, die beachtet werden müssen. So darf der Antrag beispielsweise keine InvestorIn bevorzugen und muss im Einklang mit gültigen Gesetzen sein. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass der Antrag mit dem Kerngeschäft des Unternehmens zu tun hat. Die Kosten, die für das Erfüllen des Antrags anfallen, sind ebenfalls mit fünf Prozent des Vermögens und der Erlöse des Unternehmens beschränkt. In Großbritannien muss ein Investor die Unterstützung von 100 anderen unabhängigen Investoren haben oder Anteile im Wert von 5 Prozent des Firmenwerts halten, damit ein Antrag umgesetzt wird (vgl. Sparkes, 2002).

Trotz der langen Tradition und der starken Aktionärsrechte werden laut einer Studie, die von Tkac im Jahr 2006 durchgeführt wurde, nur vier von 1.472 Anträgen angenommen. Trotzdem sind viele InvestorInnen davon überzeugt, dass Anträge auf der Hauptversammlung Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit bewegen können. Eine Studie von O’Rourke aus dem Jahr 2003 legt nahe, dass Firmen mit den AntragstellerInnen verhandeln und schon Verbesserungsmaßnahmen ergreifen, um sie dazu zu bewegen Anträge wieder zurückzuziehen, bevor sie allgemein diskutiert werden.

Der Best-in-Class-Ansatz ist eine Weiterentwicklung des Positiv-Screening-Ansatzes. Wenn man dieses Verfahren anwendet, sind bestimmte Branchen höchstwahrscheinlich nicht im Portfolio vertreten, weil man gewisse Geschäftspraktiken von vornherein ausschließt. Der Best-in-Class-Ansatz vergleicht die Unternehmen innerhalb einer Branche und stellt somit sicher, dass alle Branchen im Portfolio vertreten sind und dass man in das beste Unternehmen der Branche investiert. Dadurch wird sichergestellt, dass ethische InvestorInnen gegenüber konventionellen InvestorInnen bezüglich Rendite und Risiko gleichgestellt sind. In der Praxis wird das Negative-Screening oft mit dem Best-in-Class-Ansatz kombiniert Es kommt oft vor, dass in bestimmte Branchen nicht investiert werden darf und in einem zweiten Schritt, in das beste Unternehmen der jeweiligen Branche investiert wird (vgl. Kempf 2008, S. 294).

9. Der Markt für Socially Responsible Investments

Wie bereits erwähnt, ist es noch nicht gelungen sich auf eine einheitliche Definition von SRI zu verständigen. Deshalb muss man sich hinsichtlich des Anlagevolumens weltweit mit Schätzungen zufriedengeben. Auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen schätzt oekom Research, eine Ratingagentur die sich auf das Erstellen von SRI-Ratings spezialisiert hat, das Gesamtvolumen der nachhaltigen Kapitalanlagen weltweit auf rund 7.785 Milliarden Euro. Europa liegt mit 5.000 Milliarden an der Spitze, gefolgt von den USA mit rund 2.300 Milliarden. In Asien steckt SRI mit rund 20 Milliarden noch in den Kinderschuhen (vgl. Kopp 2012, S. 553).

Im Vergleich zu anderen Ländern liegt der deutschsprachige Raum, was ethisches Investment betrifft, zurück. Das Forum nachhaltige Geldanlage schätzt, dass in Deutschland nur rund 0,7 Prozent des veranlagten Geldes unter Berücksichtigung ethischer Kriterien veranlagt wird, was verglichen mit Belgien (20 Prozent) und den Niederlanden (40 Prozent) erschreckend wenig ist. In ihrem jährlichen Bericht wird darauf hingewiesen, dass es auf Basis zweier unterschiedlicher Definitionen von Nachhaltigkeit zu unterschiedlichen Schätzungen kommt. Dabei unterscheiden sie zwischen einem anspruchsvollen und einem breiten Nachhaltigkeitsansatz. Legt man den anspruchsvollen Ansatz zugrunde, betrug der Anteil nachhaltiger Geldanlagen in Fonds im Jahr 2016 in Österreich 7,8 Prozent. In Deutschland waren es im selben Zeitraum nur 2,8 Prozent (vgl. Forum nachhaltige Geldanlage 2016, S. 16).

Das Sustainable-Business-Institute stellte fest, dass im deutschsprachigen Raum im März 2011 357 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Volumen von rund 34 Milliarden Euro zugelassen waren. In Österreich traten die ersten nachhaltigen Anlageprodukte erst Ende der Neunzigerjahre auf. Seitdem findet ein beträchtliches Wachstum statt, das insbesondere ab 2010 Fahrt aufgenommen hat. Lag das Volumen im Jahr 2008 noch bei 2 Milliarden Euro, hat es sich bis zum Jahr 2012 fast verdreifacht. Die Zahl der nachhaltigen Finanzprodukte, die in Österreich zum Verkauf angeboten wurden, belief sich laut „Finance and Ethics“ zufolge auf 202. Die Raiffeisenbank spielt bei der Verbreitung von ethischen Anlageprodukten in Österreich eine wichtige Rolle (vgl. Kopp 2012, S. 554).

Der europäische Dachverband für nachhaltiges Investment Eurosif stellte fest, dass im Jahr 2007 europaweit in der Höhe von 2,7 Milliarden Euro in nachhaltige Produkte investiert wurde. Den Großteil dieser Summe brachten institutionelle InvestorInnen auf. Damit entsprach der Anteil von SRI-Produkten am Geldmarkt 17,6 Prozent des Gesamtmarkts, was bedeutet, dass jeder sechste Euro nachhaltig angelegt wurde. Auch die Zahl der nachhaltigen Publikumsfonds war mit 897 beachtlich. Gemeinsam verwalteten sie im Jahr 2010 75,3 Milliarden Euro. Die meisten von ihnen haben ihren Sitz in Frankreich und Belgien. In Deutschland fand mit plus 56 Prozent das größte zahlenmäßige Wachstum statt (vgl. Kopp 2012, S. 553).

Die Bewertung der Nachhaltigkeitsaktivitäten eines Unternehmens wird meist an externe Ratingagenturen ausgelagert. Eine im Jahr 2013 von Novothink durchgeführte Studie ergab, dass sieben internationale Ratingagenturen existierten, die sich auf die Erstellung von Nachhaltigkeitsratings spezialisiert haben. Darüber hinaus gab es noch circa 20 lokale Ratingagenturen. Außerdem bildeten sich sieben Organisationen, die Einfluss auf die Nachhaltigkeitsbemühungen von Konzernen auf der Hauptversammlung ausübten, also das bereits erläuterte Konzept des Engagement verfolgten (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1033).

Die folgenden Aussagen beziehen sich auf die Eurosif Studie 2011. In Europa sind institutionelle Anleger die treibende Kraft hinter der Entwicklung von SRI. Ihre Dominanz im nachhaltigen Markt übersteigt sogar jene im konventionellen Markt. In Deutschland spielen die Kirchen eine wichtige Rolle, in Österreich die Pensionsversicherungsanstalten. Ebenso entscheidend für die Entwicklung des Konzepts sind rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Organisationen, externer Druck und die Nachfrage der privaten AnlegerInnen. Rund die Hälfte der AnlegerInnen investiert in nachhaltige Anleihen, ein Drittel in Aktien und der Rest in liquide Mittel oder alternative Anlageklassen. Die Wachstumsraten des Markts für ethische Anlageprodukte übersteigen jene des konventionellen Marktes (vgl. Friesenbichler 2015, S. 1031-1032).

10. Ausblick

Diese Arbeit hat aufgezeigt, dass das Wachstum von nachhaltigen Geldanlagen in den letzten Jahren beachtlich war. Die Triebfeder hinter dieser Entwicklung waren institutionelle InvestorInnen. Trotz des vergangenen Wachstums stellen nachhaltige Geldanlagen immer noch eine Nische dar. Es ist schwierig eine Prognose abzugeben, ob es gelingen wird nachhaltige Finanzprodukte einer breiten Masse von AnlegerInnen schmackhaft zu machen. Dazu wäre es notwendig, neue Kundengruppen zu erschließen. Eine Schlüsselrolle dabei spielt der Fakt, dass noch immer keine einheitliche Definition des Begriffs Socially Responsible Investment geprägt wurde. Diese Tatsache führt dazu, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Produkte als nachhaltig dargestellt werden, obwohl sie nur wenige Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen. Die Folge ist, dass vor allem PrivatkundInnen verunsichert sind und aus diesem Grund konventionelle Anlageprodukte vorziehen. Hier wäre die Legislative am Zug eine einheitliche Definition und einheitliche Nachhaltigkeitskriterien festzulegen. Einige Studien haben aber auch gezeigt, dass viele PrivatanlegerInnen schlichtweg nicht über die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit ethischer Kapitalanlagen informiert werden. Die KundInnen über Anlageprodukte zu informieren ist eine Aufgabe der KundenberaterInnen der Banken. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, müssen sie in diesem Bereich speziell geschult werden. Ein weiterer Wachstumsfaktor besteht also darin die KundInnen im Beratungsgespräch explizit auf nachhaltige Geldanlagen hinzuweisen. Auch die Anbieter müssen mehr Transparenz zulassen und ihre Auswahlkriterien und Anlagestrategien offen legen.

Bei den institutionellen AnlegerInnen besteht trotz ihrer führenden Rolle, immer noch erhebliches Wachstumspotenzial. Im deutschsprachigen Raum fehlt es an gesetzlichen Vorgaben zur Allokation von Mittel in den Pensionskassen. Aufgrund ihrer hohen Volumina könnte eine gesetzliche Vorgabe, wie sie in einigen skandinavischen Ländern schon existiert, den Anteil von ethischen Geldanlagen am Gesamtmarkt erheblich vergrößern. Auch die Kirchen könnten mehr dazu beitragen die Stellung von nachhaltigen Geldanlagen zu verbessern. Sie könnten als Vorbild agieren, in dem sie bei der Anlageentscheidung, stärker als bisher, ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigt.

11. Literaturverzeichnis

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24 von 24 Seiten

Details

Titel
Beweggründe für Socially Responsible Investments
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V427356
ISBN (Buch)
9783668719460
Dateigröße
983 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beweggründe, sociall responsible investment, ethical investment, nachhaltiges investment, Maximilian Richter, jku, social responsibility, CSR
Arbeit zitieren
Maximilian Richter (Autor), 2018, Beweggründe für Socially Responsible Investments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427356

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