War der Ausgang der Schlacht von Stalingrad der Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs?


Facharbeit (Schule), 2018
19 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Stadt Stalingrad
2.1.1 Zarizyn
2.1.2 Stalingrad
2.1.3 Wolgograd
2.2 Das ״Unternehmen Barbarossa" und das Ereignis der Schlacht von Stalingrad.
2.2.1 Das ״Unternehmen Barbarossa"
2.2.2 Der Verlauf der Schlacht von Stalingrad
2.2.2.1 Die militärische Bedeutung und Auswirkung der Schlacht
2.3 Politische und psychologische Folgen der Schlacht
2.3.1 Die Entstehung des Mythos ״Stalingrad
2.3.2 Der psychologische Wendepunkt

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

5. Erklärung

6. Ahang

1.Einleitung

Die Schlacht von Stalingrad gilt heute als eine der meist bekanntesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, denn anders als bei anderen Schlachten in diesem Krieg wurde aus Stalingrad ein Mythos. So werden auch die Teilnehmer, wie in anderen mythischen Ereignissen in der Geschichte, als Helden geehrt. Beide Kriegsparteien machten dabei von der Bezeichnung des Heldentums bezüglich dergefallenen und überlebenden Soldaten nach Ende der Stalingrader Schlacht Gebrauch, um damit beim eigenen Volk bestimmte Wirkungen zu erreichen.

So war es für mich interessant gewesen, herauszufinden, welche Wirkung man eben beim Volk erzeugen wollte und wann bzw. wie genau dieser Mythos von Stalingrad entstand, denn keine Schlacht des Zweiten Weltkriegs sorgte für ein derartiges ״Drama" und ließ nach dem Ende so viele Fragen aufkommen. Demnach sollte der Ausgang dieser Schlacht für beide beteiligten Kriegsparteien auch eine gewisse große Bedeutsamkeit und Auswirkung haben. Insofern lautet die entscheidende und bei vielen Historikern oft umstrittene Frage, die es in dieser Facharbeit zu beantworten gilt: War der Ausgang der Schlacht von Stalingrad ein Wendepunkt?

Die Antwort auf diese Frage versuche ich nun anhand folgender Vorgehensweise mir logisch zu erschließen und zu erarbeiten. Zuerst greife ich die Entstehung und Entwicklung der Stadt von der Gründung bis zum heutigen Stand auf, um von dem wirtschaftlichen aber vor allem auch symbolischen Wert und der Bedeutsamkeit einen ersten Eindruck zu bekommen. Anschließend kommt eine kurze Darstellung des Verlaufs, worin deutlich wird, warum die Schlacht eine der tragischsten aller Schlachten des Kriegs war und ob diese aufgrund der militärstrategischen Auswirkungen vielleicht den Wendepunkt herbeiführte. Weiter gehe ich auf die Frage ein, wie und wann aus Stalingrad ein Mythos entstand bzw. gemacht wurde, vor allem in der NS-Propaganda. Dadurch erschließe ich mir, ob Stalingrad vielleicht doch eher ein psychologischer statt militärischer Wendepunkt war. Am Ende greife ich in einem Schluss nochmal die oben formulierten Leitfragen auf und gehe auf deren Beantwortung und Ergebnisse im Hauptteil in einer Zusammenfassung ״auf den Punkt" ein.

2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Stadt Stalingrad

In der Vergangenheit wechselte die Stadt Insgesamt zweimal Ihren Namen. Ursprünglich war sie als Erstes unter dem Namen Zarlzyn bekannt.

2.1.1 Zarizyn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Stadt Zarlzyn wurde Im 16. Jahrhundert an der Wolga gegründet, mit dem Ziel, dass sie zu einem gesellschaftlichen sowie politischen Zentrum heranwächst. Dabei war die Lage an der Wolga entscheidend, denn hier verliefen viele wichtige Handelswege unter anderem nach Griechenland, Byzanz und Rom. So war der Fluss auch häufig der entscheidende Grund dafür, dass die Stadt von anderen Völkern überfallen und besetzt wurde. Nach mehreren Kriegen um die Handelswege und zwei großen Volksaufständen, erlangten die Truppen des Zaren Peter den I. die endgültige Kontrolle über die Stadt und der Zar verhalf der Stadt anschließend zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. So kam es dazu, dass die Stadt schließlich zum Ende des 18. Jahrhunderts Ihre mllltärstrateglsche Bedeutung verlor und sich mehr und mehr zu einem Handels- und Wirtschaftszentrum entwickelte. Diese Änderung führte vor allem zu einer enormen Besiedlung Zarlzylns, unter anderem auch von vielen deutschen Siedlern. Jedenfalls gewann Zarlzyn bis dahin enorm an Bedeutung. Später ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden viele Eisenbahnlinien gebaut, die Zarlzyn unter anderem mit Zentralrussland, dem Schwarzen- sowie Kaspischen Meer und dem Kaukasus verband und die Stadt somit zu einem Verkehrstechnischen Knotenpunkt wurde. Doch das Gebiet entwickelte sich auch zu einem Industriezentrum des Reichs.1 Auch die Wissenschaft wurde durch die Eröffnung einer Universität gefördert. Die Stadt durchlief ab diesem Zeitpunkt Ihre ״goldene" und beste Zelt. Diese hielt nicht lange an, denn In den Jahren 1917-1920 kam es schließlich zur Revolution und zum Bürgerkrieg, Indem die Bolschewisten nach erbitterten Kämpfen,2 vor allem In Zarlzyn, unter hohen Verlusten siegten.

Auf Basis der wirtschaftlichen Wichtigkeit Zarizyns lässt sich also erstmal feststellen, dass die spätere Schlacht im Zweiten Weltkrieg vor allem ein militärstrategisches Potential aufgrund des verkehrstechnischen Knotenpunktes und der guten Versorgungswege an der Wolga zu einem Wendepunkt in sich hat. Einen Indikator für einen möglichen psychologischen Wendepunkt des Krieges lässt sich zu dem Zeitpunkt noch nicht heraussteilen.

2.1.2 Stalingrad

Stalin selbst war zuvor an den Kämpfen in Zarizyn als Armeekomissar beteiligt, da ihm sehr viel an der Stadt lag. So wurde auch zu Ehren Stalins die Stadt 1925 in ״Stalingrad" (übersetzt ״Stalins Stadt") umbenannt, obwohl Stalin auf diese Änderung abgeneigt reagierte.

Mit den Bolschewisten an der Macht änderte sich die Stadt rasant. Es fand eine sogenannte zweite Industrialisierungsphase statt. In diesen erneuten Zeiten der Entwicklung wurden viele alte historische Wohngebiete abgerissen, um Platz für neue größere Wohnblöcke zu bauen, die der schnell wachsenden Bevölkerung eine Unterkunft bieten sollten. Später kam es schließlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in dem die Schlacht von Stalingrad 1942/1943 als einer der tragischsten und verlustreichsten Kriegs-Schauplätze auf Seiten der Soldaten sowie der Zivilisten in die Geschichtsbücher einging. Beide Diktatoren sowohl Hitler als auch Stalin befahlen ihren Streitkräften einen Kampf bis zum letzten Mann zu führen und erlaubten keinen Rückzug. Dies zeigte deutlich, dass die Stadt Stalingrad vor allem einen symbolischen Wert für beide Kriegsparteien hatte und es um viel mehr als nur um eine militärstrategisch wichtige Stadt ging. Letztendlich wurde Stalingrad beinahe ganz zerstört.

Noch 1943 wurde mit dem Wiederaufbau mithilfe zahlreicher deutscher Gefangenen begonnen. Die Industrie wurde schnell vorangetrieben bis die Stadt erneut zu einem Industriellen Schwerpunkt aufstieg. Für die meisten ist der Name Stalingrad heute nichts weiter als ein Synonym für den zweiten Weltkrieg1.

2.1.3 Wolgograd

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde der Stadt Stalingrad offiziell der Ehrentitel ״Heldenstadt" von der sowjetischen Führung verliehen, sowie der Lenin-Orden und die Medaille ״Goldener Stern", die bis heute in dem Stadtwappen von Wolgograd (Stalingrad) abgebildet sind.

1953 starb schließlich Stalin alleine an einem Schlaganfall in Moskau und das veränderte die Politik, denn immer mehr Menschen bzw. Politiker gingen an die Öffentlichkeit und kritisierten Stalins extrem totalitäre Politik. Es begann der Prozess der ״Entstalinisierung" und die Entstehung einer riesigen Propagandawelle, in der Stalin als großer ״Bösewicht" dargestellt wurde. Im Rahmen dessen mussten dann auch natürlich alle Namensgebungen nach Stalin wieder entfernt werden. Dazu zählten viele Denkmäler aber vor allem auch die Stadt Stalingrad. Somit gab man der Stadt 1969 den neuen Namen ״Wolgograd". Nach der Auflösung der Sowjetunion erlitt Wolgograd eine starke Wirtschaftskrise, jedoch hat sich die Wirtschaft bis heute erholt und ist zum heutigen Zeitpunkt wieder eines der wichtigsten Industrie- und Kulturzentren in Russland, sowie verkehrstechnischer Knotenpunkt.[1]

Während man versucht hat, die Ereignisse der Schlacht in Deutschland zu vergessen, wird man in Russland und vor allem in Wolgograd ständig an den heldenhaften Widerstand der roten Armee durch viele Denkmäler und sogar einen extra eingeführten Feiertag in der Stadt erinnert. Eine Umfrage zeigt auch, dass ein Großteil der Einwohner der Stadt für eine Rückbennenung in Stalingrad wären.[2] Man bekommt also einen Eindruck von dem russischen Volk, dass der Sieg in Stalingrad in jedem Falle ein Wendepunkt oder zumindest, im Vergleich zu anderen Siegen, von größerer Wichtigkeit war. Zum Beispiel wird der Sieg bei Moskau heute nicht so gefeiert und verehrt, bzw. ist der Heldentums-Gedanke dort nicht so weit ausgeprägt vorhanden, wie in Wolgograd.

2.2 Das ״Unternehmen Barbarossa" und das Ereignis der Schlacht von Stalingrad

Mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion kam es später zur Schlacht von Stalingrad, die von vielen Historikern als Wende des Kriegs bezeichnet wurde.

2.2.1 Das ״Unternehmen Barbarossa"

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni ereignete sich schließlich der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Mit der größten versammelten Angriffsstreitmacht der Wehrmacht, die es je gab, sollte Russland in einem Vernichtungskrieg eingenommen werden. Diese Streitmacht umfasste 3350 Panzer, ca. 7000 Feldgeschütze, über 2000 Flugzeuge und etwa 4 Millionen Fußsoldaten. Der Sieg sollte in einem Blitzkrieg so schnell wie möglich, auf jeden Fall noch vor dem Winter erreicht werden. Diese Pläne wurden bereits 1940 von Hitler und seiner militärischen Führung unter dem Decknamen ״Barbarossa" erstellt. Den Kampf gegen den ״Jüdischen-Bolschewismus", wie Hitler ihn selbst bezeichnete, wollte der Diktator selbst als Oberkommandant der Wehrmacht in die Hand nehmen und gab dem Krieg seine volle Aufmerksamkeit, denn seiner Auffassung nach würde ein Erfolg der Operation den weiteren Verlauf des Krieges entscheidend verändern. So verkündete Hitlereinige Monate vordem Überfall bei einer Lagebesprechung: ״Wenn Barbarossa steigt, wird die Welt den Atem anhalten[3] ״.

Durch schnelle Vernichtung der Roten Armee sollten nämlich Englands Hoffnungen auf großen Beistand im Krieg der Sowjets auf einer zweiten Front zerstört werden. Jedenfalls sei das Endziel der Sommeroffensive unter dem Namen ״Barbarossas" die ״Abschirmung gegen das asiatische Russland auf der allgemeinen Linie der Wolga- Archangelsk".[4] Der letzte verfügbare russische Industriebezirk im Ural solle abschließend von der Luftwaffe vernichtet werden.[5] Doch bis dahin solle die Wehrmacht auf der ganzen russischen Westgrenze, von der Nordsee bis zum Schwarzem Meer, vorrücken und für Zerstörung sorgen.

[...]


[1] Vgl. https://www.gomma.de/Staedte/W/Wolgograd/Stadtgeschichte.html

[2] Vgl. http ://www. bpb.de/internationales/europa/russland/analvsen/186853/umfrage-nationale- identitaetsstiftung-in-russland-was-bedeutet-es-ein-patriot-zu-sein-die-stalingrad-frage, s.Anhang Grafik 13

[3] Beevor, Antony: Stalingrad. London: c. Bertelsmann Verlag 1998, s. 29

[4] Vgl. Beevor, Stalingrad, 1998, s. 29

[5] Vgl. Beevor, Stalingrad, 1998, s. 29

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
War der Ausgang der Schlacht von Stalingrad der Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs?
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V427364
ISBN (eBook)
9783668715585
Dateigröße
924 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Der Mythos Stalingrad, Schlacht von Stalingrad, Folgen/Auswirkungen der Schlacht, Die Schlacht von Stalingrad als Wendepunkt des zweiten Weltkriegs, Die Stalingrad Propaganda
Arbeit zitieren
Ilija Stebichow (Autor), 2018, War der Ausgang der Schlacht von Stalingrad der Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427364

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