Die Rolle der "neuen Frau" in den Romanen "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun und "Kleiner Mann – was nun?" von Hans Fallada


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der neuen Frau in der Weimarer Republik

3. Das kunstseidene Mädchen
3.1 Doris
3.2 Selbstinszenierung
3.3 Motiv des Glanzes

4. Kleiner Mann - was nun?
4.1 Lämmchen
4.2 Rollenverteilung: „der Mann als Frau“

5. Ausblick auf „Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner

6. Fazit

7. Literatur

1.Einleitung

Die Rolle der Frau ist seit Jahrhunderten ein polarisierendes Thema. Das Geschlecht, welches stets im Schatten des anderen steht und versucht gegen Stereotypen und Rollenverteilung anzugehen. Nach dem ersten Weltkrieg musste Deutschland sich wiederaufbauen und die Männer kamen nach dem Militärdienst wieder zurück in die Heimat. Die Inflation, die das Erbe des ersten Weltkriegs, führte dazu, dass sich immer mehr Menschen an der Armutsgrenze befanden und auch Frauen häufiger berufstätig wurden.

Diese Arbeit stützt sich vor allem auf die neusachlichen Romane „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun und „Kleiner Mann - was nun?“ von Hans Fallada. Zur der Bewertung der Entwicklungen der Rolle der „neuen“ Frau wurde entsprechende Sekundärliteratur zur Untersuchung herangezogen.

Zu Beginn der Arbeit sollen die neuen Frauenbilder der Weimarer Republik erläutert werden. Wie viele neue Frauenbilder gab es und wodurch wurden sie ausgelöst? Was will die neue Frau und wie hat sie auszusehen? Diese Fragen gilt es unter Anderem zu beleuchten. Im folgenden Kapitel steht „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun im Fokus. Welches Frauenbild verkörpert die Protagonistin Doris und welche Übereinstimmungen gibt es zu den vorangegangenen Untersuchungen zum Bild der Neuen Frau? Im darauffolgenden Kapitel liegt der Schwerpunkt auf den Roman „Kleiner Mann - was nun?“ von Hans Fallada. Inwieweit entspricht Lämmchen dem Bild der Neuen Frau und welche Auswirkungen hat die Emanzipation der Frau auf das junge Paar? Anschließend folgt ein Ausblick auf den Roman „Fabian“ von Erich Kästner. Dieser neusachliche Roman hat einen Mann als Protagonisten, und viele verschiedene Frauennebenrollen. Diese sollen auf die unterschiedlichen Frauentypen der Weimarer Republik übertragen und bewertet werden. Zum Schluss wird im Fazit eine allgemeine Auswertung dessen sein, was die jeweiligen Romane als Zeugnisse für die historische Entwicklung der neuen Frau hergeben. Bewegen sie sich nah an der Realität oder zeigen sie eine ganz andere Wirklichkeit?

2. Die Entwicklung der neuen Frau in der Weimarer Republik

„Wir passieren Stationen bis Gretchen, / Studentin Helene bis Lesbosmädchen/ Und bei welchem Typ wir bleiben/ Ist schwer zu entscheiden - wir lassen uns treiben.“1

„Es gibt Worte, die wie Gesang locken. Und eines dieser Worte ist: Das Weib der Zukunft.“ (Ellen Key, 1902)2

Die goldenen Zwanziger - ein Jahrzehnt, das von neuen Tänzen, berauschenden Nächten, Freizügigkeit und Luxus geprägt war. Nachdem Deutschland den I. Weltkrieg verloren hatte und vor Trümmern stand, kann man die zwanziger Jahre als eine Art Ablenkung und Flucht aus der Wirklichkeit sehen. Denn das luxuriöse Nachtleben entsprach nicht der Realität. Der Wohnraum, besonders in den Großstädten, wurde sehr knapp, genauso wie das Geld. Ebenso bemerkte man viele politische Unruhen, insbesondere zwischen Kommunisten und Nationalisten. Im Allgemeinen wird diese Zeit oft als „Tanz auf dem Vulkan“ beschrieben, da man sich wie auf heißen Kohlen befand und darauf wartete, dass es zum Ausbruch kommt. In diesem Zusammenhang wird oft von einer Vorahnung auf das, was kommen wird, gesprochen.3 Ob diese Vorahnung nun da war oder nicht, lässt sich objektiv nicht sagen und liegt vermutlich im direkten Zusammenhang mit dem jeweiligen Umfeld in dem man sich befand. Die goldenen Zwanziger waren eine aufregende Zeit, in der man sich zwischen Loslassen und Festhalten befand. Aus diesem Grund war es auch die perfekte Zeit für die Frau sich neu zu erfinden. Die neue Frau musste sich jedoch nicht nur äußerlich neu erfinden. Sie musste auch ihren beruflichen Horizont erweitern. Insbesondere nach der Weltwirtschaftskrise 19294, durch die das Geld immer weniger wert wurde, musste besonders die alleinstehende Frau gucken wie sie zu Geld kommt. Somit konnte sich die klassische Rollenverteilung nicht mehr genauso durchsetzen wie in den Jahren zuvor. Es musste umgedacht werden.

„Wo wir aber auftauchten, kurzröckig, kurzhaarig und schlankbeinig, fuhren die Männer der älteren Generation zusammen und fragten: Was sind das für Geschöpfe?‘ Wir antworten: Die neue Frau!‘“5

Erstes Umdenken erklang unter anderem dadurch, dass Frauen seit dem 20.Jahrhundert in Deutschland studieren können und 1919 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Durch den ersten Weltkrieg waren viele Frauen auf sich gestellt, da ihre Männer als Soldaten in den Krieg zogen. Damit begann es, dass es für Frauen immer wichtiger wurde selbstständig und unabhängig zu sein. Sie waren nun die Ernährer der Familie und mussten selbst Geld verdienen. Durch die Printmedien und Leuchtreklamen der zwanziger Jahre wurde das neue Bild der Frau immer wieder gezeigt. Das alte Bild der Frau als Mutter und Köchin, die sich Gott und ihrem Mann hörig unterordnet, wurde fortan abgelehnt. Stattdessen sollte die neue Frau selbstbewusst, unabhängig, modern und jung sein. Die neue Frau geht arbeiten, sie trägt Make-Up, raucht und trägt kurze Haare. Sie kann Familie, Beruf und Mutterschaft erfolgreich meistern.6 Das damalige Idealbild der Frau war androgyn mit einer Knabenfigur und flachen Busen und sie dachte rational.7 Neben diesem Idealbild gab es viele verschiedene neue Frauentypen. Generell wurde zwischen drei verschiedenen Typen unterschieden: Garçonne - der maskuline Frauentyp; Flapper - die typische zwanziger Jahre Frau im Charleston, Pailletten Kleid und Zigarettenspitze und das Girl im Hemdkleid.8 Das Girl galt jedoch als eine Art Weiblichkeitsvorstellung, welche einer Männerphantasie entsprang.9 Alle Frauentypen bevorzugten roten Lippenstift, welcher vorher nur beliebt auf der Bühne und im Rotlichtbezirk war.

„Ob Bubikopf, Herrenhose oder schrilles Make-up, die Neuen Frauen, um die Jahrhundertwende geboren, präsentierten sich selbstbewusster, emanzipierter und exzentrischer als die Generation der Mütter und Großmütter.“10

In dieser Zeit war es typisch, dass alles Unechte wie Modeschmuck und Kunstseide aufgewertet wurde.11 Frauen durften von nun an alleine ausgehen und sich der Öffentlichkeit präsentieren. Die beruflichen Chancen für Frauen blieben trotz Erneuerung der Frau begrenzt. Die Mehrheit der Frauen arbeitet in Büros oder im Verkauf, davon sind die meisten ledig. Durch die Wirtschaftskrise 1929 wurde es immer dringlicher für Frauen zu arbeiten, jedoch waren sie es, denen zuerst gekündigt wurde. Zwar war es Frauen erlaubt zu studieren und Berufen wie Architektin oder Medizinerin nachzugehen, jedoch war es nahezu unmöglich für Frauen, eine leitende Position zu übernehmen oder eine Professur zu erlangen.12

Dadurch war es Frauen oft nicht möglich ohne ehelichen Ernährer das Leben zu meistern.13 Die Emanzipation der Frau wurde im Jahr 1933 auf Eis gelegt, durch die nationalsozialistische Ideologie und der darin angestrebten Mutterrolle.14

Die Neue Frau der Weimarer Republik symbolisiert Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Mode, Luxus und Androgynität. Die neue Frau versucht eine Balance zwischen Tradition und Erneuerung zu finden.15 Sie befindet sich in einer männerdominierten Welt in der sie versucht, sich Gehör und Bedeutung zu verschaffen. „Facetten dieser […] Realität, die Angestellte oder Arbeiterin wie auch die Intellektuelle beeinflussten, stellten das Wahlrecht, Erwerbstätigkeit und versuchte Geburtkontrolle bzw. Abtreibungselend dar.“16 Dieses Zitat zeigt vor welchen Herausforderungen die neue Frau damals stand. Sie befand sich in einer Blase, in der sie sich komplett frei und neu entdecken konnte. Außerhalb dieser Blase blieb die Welt jedoch weiterhin determiniert von Tradition und Männlichkeit.

3. Das kunstseidene Mädchen

„Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun (1905-1982) ist einer der erfolgreichsten neusachlichen Romane. Durch ihn wurde Keun unter Anderem zu einer Beststeller-Autorin.17 Keun selbst ist in Berlin geboren und in Köln aufgewachsen. Sie besuchte dort auch eine Schauspielschule um Zwängen, wie dem elterlichen Zuhause, zu entfliehen. Nachdem sie im Theater keine Engagements erhält, entscheidet sie sich dazu, einen Roman zu schreiben. Ihr Debutroman „Gilgi- eine von uns“ schlägt sofort ein. Ein halbes Jahr später erscheint sofort „Das kunstseidene Mädchen“, was seit dem nicht mehr aus der Neusachlichen Literatur wegzudenken ist.18

[...]


1 Tilrot, Kolleektiv-Klage junger Mädchen. Inhalt von heute, in: Uhu, Mai 1931, S.84.

2 Barndt, Kerstin: Sentiment und Sachlichkeit. Der Roman der Neuen Frau in der Weimarer Republik. Köln: Böhlau Verlag 2003. S.1.

3 Vgl. Müller, Solvejg: Neue Sachlichkeit. Lektürehilfe. 5.Auflage. Stuttgart: Klett 2009. S.10.

4 Vgl. Ebd., S.11.

5 Ebd., S.20.

6 Vgl. Blumesberger, Susanne; Mikota Jana(Hrsg.): Lifestyle - Mode - Unterhaltung oder doch etwas mehr? Wien: Praesens Verlag 2013. S.39. (II.)

7 Vgl. Müller, Solvejg: Neue Sachlichkeit. Lektürehilfe. 5.Auflage. Stuttgart: Klett 2009. S.20.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. Barndt, Kerstin: Sentiment und Sachlichkeit. Der Roman der Neuen Frau in der Weimarer Republik. Köln: Böhlau Verlag 2003.S.16.

10 Kotowski, Elke-Vera: Gegenwart tanzen - schreiben - malen: die Ausdrucksformen der „Neuen Frauen“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin. S.89.

11 Vgl. Blumesberger, Susanne; Mikota Jana(Hrsg.): Lifestyle - Mode - Unterhaltung oder doch etwas mehr? Wien: Praesens Verlag 2013. S.28. (I.)

12 Vgl. Kotowski, Elke-Vera: Gegenwart tanzen - schreiben - malen. S.89.

13 Vgl. Ebd., S.100.

14 Vgl. Müller, Solvejg: Neue Sachlichkeit. Lektürehilfe. 5.Auflage. Stuttgart: Klett 2009. S.21.

15 Vgl. Barndt, Kerstin: Sentiment und Sachlichkeit. Der Roman der Neuen Frau in der Weimarer Republik. Köln: Böhlau Verlag 2003. S.10.

16 Ebd., S.14.

17 Vgl. Müller, Solvejg: Neue Sachlichkeit. Lektürehilfe. 5.Auflage. Stuttgart: Klett 2009. S.27.

18 Vgl. Ebd., 27f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der "neuen Frau" in den Romanen "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun und "Kleiner Mann – was nun?" von Hans Fallada
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V427397
ISBN (eBook)
9783668718142
ISBN (Buch)
9783668718159
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, frau, romanen, mädchen, irmgard, keun, kleiner, mann, hans, fallada
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Rolle der "neuen Frau" in den Romanen "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun und "Kleiner Mann – was nun?" von Hans Fallada, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427397

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