Israel und der Arabische Frühling

Eine Analyse der Auswirkungen des Arabischen Frühlings auf die bilateralen Beziehungen Israels zu seinen Nachbarstaaten Ägypten, Syrien und Jordanien


Seminararbeit, 2017
37 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Arbeitsgrundlagen und Methodik

2 Israel und der Arabische Frühling
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Ursachen, Verlauf und Folgen des Arabischen Frühlings
2.2.1 Politische Unzufriedenheit
2.2.2 Wirtschaftliche Unzufriedenheit
2.2.3 Soziale Unzufriedenheit
2.3 Israel & Ägypten
2.3.1 Grenzsicherung
2.3.2 Wirtschaftliche Beziehungen
2.3.3 Zusammenarbeit im Tourismus
2.3.4 Die bilateralen Beziehungen vor dem Arabischen Frühling
2.3.5 Interessen Israels
2.3.6 Auswirkungen des Arabischen Frühlings
2.4 Israel & Syrien
2.4.1 Verhandlungen über einen Friedensvertrag
2.4.2 Diplomatischer Status
2.4.3 Die bilateralen Beziehungen vor dem Arabischen Frühling
2.4.4 Interessen Israels
2.4.5 Auswirkungen des Arabischen Frühlings
2.5 Israel & Jordanien
2.5.1 Der Friedensvertrag 1994
2.5.2 Die bilateralen Beziehungen vor dem Arabischen Frühling
2.5.3 Interessen Israels
2.5.4 Auswirkungen des Arabischen Frühlings

3 Resümee

4 Verzeichnis der Arbeitsgrundlage
4.1 Literatur
4.2 Internet

Gleichheitsgrundsatz

Um den Lesefluss nicht zu stören, wird bei der folgenden Arbeit auf die Verwendung geschlechtsspezifischer Ausdrucksweisen verzichtet. Diese Vorgehensweise erfolgt aufgrund der häufigen Verwendung von Begriffen, die eine geschlechtliche Unterscheidung erforderlich machen würden und beabsichtigt in keiner Weise die Abwertung einzelner Gruppen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verlauf des Arabischen Frühlings

Abbildung 2: Unterzeichnung 26. März 1979, Washington

Abbildung 3: Straße von Tiran

Abbildung 4: Besetzte Gebiete im Gazastreifen vor

Abbildung 5: Grenze zu Ägypten

Abbildung 6: Area of Separation“ und Waffenstillstandslinien der Golanhöhen

Abbildung 7: Ort der Ermordung, Platz der Könige Israels

Abbildung 8: Wasserfall Banyas (Naturpark)

Abbildung 9: Hussein, Rabin & Clinton 1994

Abbildung 10: Jordan & Jarmuk

1 Einleitung

Ein junger Tunesier namens Mohamed Bouazizi hatte im Dezember 2010 durch seine Verzweiflungstat etwas ausgelöst, das man heutzutage den Arabischen Frühling nennt. Er zündete sich in Sidi Bouzid, eine Kleinstadt im Landesinneren Tunesiens, selbst mit einem Streichholz an und setzte somit ein Zeichen für die tiefe Frustration der Gesellschaft. Die Tat von Bouazizi sorgte auf der ganzen Welt für großes Aufsehen und es breitete sich innerhalb von Wochen ein Lauffeuer an Protesten über die gesamte arabische Welt Nordafrikas bis hin zum Persischen Golf aus.

In der nachfolgenden Seminararbeit soll dargestellt werden, wie sich die Protestwelle bzw. die Aufstände und Rebellionen in den Nachbarstaaten Israels, speziell in Ägypten, Syrien und Jordanien, äußerten. Noch dazu soll herausgearbeitet werden welche Auswirkungen der Arabischen Frühling auf die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und seinen zuvor genannten Nachbarstaaten hatte. Um diese Thematik aufzuarbeiten wird auch immer das Interesse des Staates Israels in Bezug zu seinem jeweiligen Nachbarland aufgezeigt. Die Interessen Israels und die Auswirkung des Arabischen Frühlings auf Israel wurden durch eine sehr umfassende Literatur- und Internetrecherche erfasst und analysiert. Durch die Recherche ergaben sich bei jedem der Nachbarstaaten Israels unterschiedliche Themenschwerpunkte, die in dieser Seminararbeit beleuchtet werden.

Wichtig hierbei ist auch, dass man den Arabischen Frühling keinesfalls als bereits beendet ansieht. Diese Entwicklung steht geschichtlich gesehen vermutlich noch am Anfang, daher wird diese Arbeit nur die Gegebenheiten darstellen können, wie sie zum Forschungszeitpunkt daliegen.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Diese Arbeit verfolgt das Ziel herauszuarbeiten, welche Bedeutung der Arabische Frühling für den Staat Israel hat. Hierfür werden die Ereignisse und Veränderungen, die durch den Arabischen Frühling in den Nachbarstaaten Israels geschehen sind, zusammengefasst und speziell in Hinsicht auf Israel analysiert. Außerdem hat diese Arbeit das Ziel die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten vor und nach Ausbruch des Arabischen Frühlings darzustellen.

Demnach werden in dieser Seminararbeit die folgenden Forschungsfragen beantwortet:

- Wie sahen die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten Ägypten, Syrien und Jordanien vor dem Arabischen Frühling aus?
- Welche Auswirkungen hat der Arabische Frühling auf Israel und seine bilateralen Beziehungen zu den Nachbarstaaten Ägypten, Syrien und Jordanien?

1.2 Arbeitsgrundlagen und Methodik

Diese Seminararbeit wurde anhand der folgenden Arbeitsgrundlagen erstellt:

- Fachliteratur über den Arabischen Frühling
- wissenschaftliche Publikationen und Journale über den Nahen Osten
- Berichte und Publikationen in Onlinemedien
- Lexikonbeiträge

Die zentrale Herausforderung dieser Arbeit ist nicht die umfassende Literaturrecherche, sondern die Suche nach gezielten Informationen und das Filtern von den relevanten Informationen innerhalb der vielzähligen Quellen. Durch das Herausarbeiten der Informationen sollen die zuvor gestellten Forschungsfragen beantwortet werden. Es wird versucht einen kompakten und strukturierten Einblick in die äußerst komplexe Thematik zu geben. Daher wird die Arbeit in vier wesentliche Abschnitte gegliedert: Ursachen, Verlauf und Auswirkungen des Arabischen Frühlings, Israel & Ägypten, Israel & Syrien und Israel & Jordanien. Jeder der letzten drei Abschnitte beschäftigt sich speziell mit den bilateralen Beziehungen zwischen den Staaten und hat unterschiedliche Unterkapitel bzw. Themenschwerpunkte, da die Situation Israels zu jedem der drei genannten Nachbarstaaten sehr different ist.

2 Israel und der Arabische Frühling

Nachdem im ersten Teil dieses Kapitels wichtige grundlegende Begriffe definiert und erklärt werden, wird ein Überblick über die Ursachen und den Verlauf des Arabischen Frühlings in den arabischen Staaten gegeben. Anschließend wird die Hauptthematik dieser Arbeit behandelt und die Analysen der bilateralen Beziehungen zwischen Israel und seinen einzelnen Nachbarstaaten vorgenommen.

2.1 Begriffsdefinitionen

Bevor die zentrale Thematik dieser Arbeit entfaltet wird, ist es notwendig, grundlegende Begriffe in einem ersten Schritt zu erläutern. Wichtig ist zunächst zu verstehen, was die Bezeichnung ‚Arabischer Frühling‘ bedeutet. Mit diesem Begriff wird eine Revolution „in deren Verlauf in mehreren Ländern des Nahen Ostens Menschenmassen auf die Straße gingen und nach Freiheit und Demokratie riefen“ (Gabriel, 2013, S. 112) bezeichnet. Die Staaten Nordafrikas und der Nahe Osten zählten über Jahre zu Regionen, in denen ein hohes Konfliktpotenzial herrscht. Perthes (2011, S. 8) beschrieb den Arabischen Frühling in seinem Werk als einen Aufstand, der in der arabischen Welt als ein historisches Großereignis begriffen werden sollte. Eine andere Definition des Arabischen Frühlings findet man in einem Lexikon, dort heißt es der Arabische Frühling ist eine „Bezeichnung für eine Protestwelle gegen bestehende Machtverhältnisse, die ab 2011 zu einschneidenden politischen Umbrüchen in mehreren Staaten der arabischen Welt führte […] “ (Konradin, 2017). Die dort herrschenden Regime sind vor allem vom arabischen Autoritarismus geprägt, das bedeutet in diesen Ländern wurden vor allem die Menschenrechte und andere Freiheiten der Bürger massiv eingeschränkt. (Groys, 2013, S.5) Zu diesen Regimen zählten folgende Staaten: Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten, Syrien, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain und der Jemen. Nähere Ausführungen über die Ursachen und den Verlauf des Arabischen Frühlings folgen im nächsten Unterkapitel.

Da in dieser Arbeit immer wieder der Begriff ‚bilaterale Beziehungen‘ fallen wird, ist es auch notwendig diesen genauer zu bestimmen. Das Adjektiv bilateral bedeutet zweiseitig und beschreibt daher immer ein von zwei Seiten ausgehendes Verhältnis. Man gebraucht das Wort bilateral bzw. den Begriff ‚bilaterale Beziehungen‘ vorwiegend in der Politik als fachsprachliche Bezeichnung. Dabei werden vor allem Verhandlungen und Abkommen zwischen ausschließlich zwei Parteien, meist zwischen zwei Staaten, beschrieben. Somit könnte man anstelle des Begriffs ‚bilaterale Beziehungen‘ auch die Bezeichnung zweiseitige bzw. zwischenstaatliche Beziehungen verwenden. Wird in den folgenden Ausführungen dieser Arbeit von bilateralen Beziehungen gesprochen, so meint dies immer Interessen, Abkommen oder Verträge zwischen dem Staat Israel und einem seiner Nachbarstaaten.

2.2 Ursachen, Verlauf und Folgen des Arabischen Frühlings

Um die Gründe und die Ursachen für den Ausbruch des Arabischen Frühlings zu verstehen, ist es notwendig die Region in Bezug auf die dort teilweise seit Jahrzehnten herrschenden Machthaber zu beleuchten. Die arabischen Staaten Nordafrikas und vor allem die Staaten des Nahen Ostens wurden vom Autoritarismus beherrscht. Unter den autokratischen Herrschern wie z.B. Hosni Mubarak, Zine el-Abidine Ben Ali oder Muammar al-Gaddafi kam es zu einer massiven Einschränkung der Menschenrechte und anderer Freiheiten des Volks. (Groys, 2013, S. 3)

Trotz diesen Umständen in den arabischen Ländern, schrieb man diesen arabischen Staaten ein hohes Maß an Stabilität zu, da es über 40 Jahren keinen politischen Machtwechsel bzw. keinen Fall eines herrschenden Machtregimes gab. (Kraushaar, 2012, S. 153)

Die Situation und die Lebensumstände der Bevölkerung dieser Staaten war jedoch alles andere als zufriedenstellend. In den folgenden Unterkapiteln wird die politische, wirtschaftliche und soziale Unzufriedenheit der Bevölkerung kurz erläutert. Diese Ursachen trugen in unterschiedlicher Zusammensetzung in allen arabischen Staaten zum Ausbruch des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 bei.

2.2.1 Politische Unzufriedenheit

Die autoritär regierenden Regime in den arabischen Staaten bestanden schon über Jahrzehnte. Diese Regime oder Regierungen wurden jedoch nicht durch die Wahl des Volkes gewählt, wie in einer Demokratie, sondern kamen durch Putsche an die Macht. Es gab zwar auch Parlamente in diesen Staaten, jedoch wurden diese nicht vom Volk gewählt. In den Ländern wurden Einheitsparteien gegründet deren Oberhaupt einzig und allein der Präsident war. Auch wenn das Volk sich eine Veränderung wünschte, gab es hierfür keine Option, da alle anderen Parteien verboten wurden und somit nur regierungskonforme Abgeordnete im Parlament saßen. Durch die fehlende Mitbestimmung des Volkes ließ sich eine politische Unzufriedenheit ableiten. (Ranko, 2016)

Eine weitere Ursache für die aufkommende Unzufriedenheit ist der Unmut über den repressiven Sicherheitsapparat des waltenden Regimes. Dieser repressive Sicherheitsapparat bestand vorwiegend aus dem Militär, aber auch aus den Sicherheits- bzw. Geheimdiensten. Gab es Einzelpersonen oder gar Gruppierungen, die Kritik an der Regierung oder dem herrschenden System ausübten, so wurden diese von dem Sicherheitsapparat des Staates unterdrückt. Im Laufe der Jahre bauten die Regime diesen Sicherheitsapparat aus und vor allem Ägypten hätte als Paradebeispiel eines Polizeistaates herangezogen werden können. Die Bevölkerung und ihr alltägliches Leben wurde von der Polizei und den Geheimdiensten auf Anweisung des Regimes überwacht. (Ranko, 2016)

Letztlich ist im Rahmen der politischen Unzufriedenheit noch die Korruption der gesamten Regierung und „die Selbstbereicherung von kleinen Gruppen, oftmals miteinander verschwägerter Politiker und Unternehmer“ (Mattes, 2013) zu nennen. Das Verlangen der Bevölkerung nach einer politischen Freiheit in den arabischen Staaten wurde somit immer größer.

2.2.2 Wirtschaftliche Unzufriedenheit

Neben der politischen Unzufriedenheit stellt die wirtschaftliche Unzufriedenheit den stärksten Grund für den Ausbruch einer Protestwelle dar. In den arabischen Staaten Nordafrikas und auch in denen des Nahen Ostens kam es zu einem sehr hohen Wachstum der Bevölkerung. Damit ist die demografische Entwicklung einer der Hauptgründe für den Arabischen Frühling. In der Literatur findet man auch immer wieder den Zusatz, dass der Arabische Frühling ein Aufstand der Jugend bzw. der jungen Generation ist. Die Bezeichnung kommt daher, dass durch das enorme Bevölkerungswachstum die Arbeitslosigkeit in den arabischen Staaten vor allem unter den Jugendlichen bzw. der jungen Bevölkerung unter 30 Jahren am höchsten war. In dieser Altersgruppe lag die Arbeitslosigkeit in den Jahren vor 2011 bei bis zu 40%. (Mattes, 2013)

Ein Großteil dieser arbeitslosen arabischen Jugend allgemein sehr gut ausgebildet und weist auch einen hohen Anteil an Hochschulabsolventen auf. Grund dafür ist der Ausbau des Bildungswesens, der in den vergangenen Jahrzehnten in den arabischen Staaten vollbracht wurde. Dadurch stieg zwar die Zahl der Schul- und Hochschulabsolventen an, jedoch gab es für sie nach Abschluss keine Beschäftigung. „Tausende, ja Zehntausende junger graduierter Ingenieure und Ärzte, Betriebswirte und Literaturwissenschaftler verließen die Universitäten und fanden keine Arbeit.“ (Perthes, 2011, S. 31)

Man konnte also von einer Aussichtslosigkeit der jungen Generation in den arabischen Staaten sprechen, die zu enormen Frust gegenüber der Regierung und dem herrschenden System führte. Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist als weiterer Grund für eine unzufriedene Bevölkerung der Anstieg der Nahrungsmittelpreise anzuführen. Da die arabischen Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas einen sehr hohen Anteil seiner Nahrungsmittel aus anderen Ländern importieren, wirken sich die steigenden Weltmarktpreise enorm auf diese Staaten aus. Laut den Angaben von Perthes (2011, S. 24) betrug die Inflation bei Nahrungsmitteln in Ägypten ca. 20% im Jahr 2010. Folge dessen kam es auch dazu, dass die Regierung in einigen Ländern Brot für die Bevölkerung subventionieren musste. (Perthes, 2011, S. 24)

Die Preisentwicklung der Nahrungsmittel führte zu einer Verarmung der Bevölkerung und wurde zu einer weiteren Belastung, die neben der Arbeitslosigkeit und den politischen Missständen, den Wunsch nach Veränderung wachsen ließ.

2.2.3 Soziale Unzufriedenheit

Die soziale Unzufriedenheit in den arabischen Staaten ergibt sich durch die steigenden sozialen Ungleichheiten der letzten Jahrzehnte. Rückzuführen sind diese Spannungen auf die ungleiche Vermögensverteilung in diesen Ländern. Es kam zu einer Verarmung der Bevölkerung vor allem in den peripheren Regionen der Staaten. Noch dazu ließ die Selbstbereicherung der Herrscherfamilien und auch die von der Politik betriebene Vetternwirtschaft die soziale Schere noch weiter auseinanderklaffen. (Asseburg, 2014, S. 97)

Generell lässt sich also ableiten, dass man die Ursachen für den Ausbruch des Arabischen Frühlings zwar in politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gliedern kann, aber dennoch nicht explizit sagen kann, welcher dieser Indikatoren für den tatsächlichen Ausbruch der Proteste und auch für den Verlauf der Revolution entscheidend war. In der Arabischen Revolution spiegeln sich alle drei Bereiche, in denen eine Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung festgestellt werden konnte, wieder.

In den Staaten Tunesien, Ägypten, Libyen, Marokko, Syrien, Jordanien, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien und Jemen kam es zum Ausbruch des Arabischen Frühlings. Der Verlauf und die Folgen des Arabischen Frühlings sind sehr umfangreich und werden deshalb nur in kurzer Form durch die folgende Abbildung zusammengefasst:

Abb 1: Verlauf des Arabischen Frühlings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da sich diese Arbeit speziell mit den Nachbarstaaten Israels, nämlich Ägypten Syrien und Jordanien, beschäftigt, kann man aus der vorangehenden Abbildung ablesen, dass es in jedem der Staaten zu unterschiedlichen Entwicklungen durch den Arabischen Frühling gekommen ist. In Ägypten wurde Staatspräsident Hosni Mubarak gestürzt, währen es in Syrien zu einem Bürgerkrieg zwischen dem regierenden Assad-Regime und Regimegegner kam, der bis dato noch anhält. Dahingegen kam es in Jordanien unter König Abdullah II. zu einer Regierungsumbildung, die somit als Reaktion auf die Proteste der Bevölkerung gesehen werden kann.

Ähnlich wie in Jordanien sieht die Situation in Marokko und Kuwait aus, denn auch dort wurde die Regierung umgebildet. Wie man in der vorangehenden Abbildung erkennen kann, schließt sich die Entwicklung in Libyen seinen Nachbarstaaten Tunesien und Ägypten an und es kommt zum Sturz des Staatsoberhauptes, gleich wie im Jemen. Die Revolution in Saudi-Arabien und Bahrain kann man als weitgehend gescheitert ansehen. Saudi-Arabien reagierte auf die Proteste mit einem Subventionsprogramm, dass Arbeitsplätze schaffen und die Gesundheitsversorgung verbessern würde. Die Proteste in Bahrain wurden zunächst für das herrschende Königshaus gefährlich, jedoch wurden sie durch die Hilfe Saudi-Arabiens bis Anfang April 2011 niedergeschlagen. (Perthes, 2011, S. 78 – 106)

Nachdem die Auslöser für den Arabischen Frühling und auch der Verlauf bzw. die Folgen in den arabischen Staaten aufgezeigt wurden, folgt der Hauptteil dieser Arbeit. In den nächsten drei Kapiteln werden die Auswirkungen des Arabischen Frühlings speziell im Hinblick auf die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten analysiert.

2.3 Israel & Ägypten

Um die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Ägypten zu skizzieren, ist es notwendig die Vergangenheit beider Staaten zu erläutern. Somit folgt in diesem Abschnitt der Arbeit zunächst ein Rückblick auf die bilateralen Beziehungen Ägyptens und Israels, angefangen mit der Staatsgründung Israels, bis hin zur Entwicklung der bilateralen Beziehungen, wie sie vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings bestanden.

Die Beziehung zwischen Ägypten und Israel war seit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 immer wieder „von Konflikten, Kriegen, gegenseitigem Misstrauen und Argwohn geprägt“ (Fleck, 2013, S. 27). Es gab drei Kriege die Ägypten gemeinsam mit anderen arabischen Staaten gegen Israel führte: den Palästinakrieg bzw. den israelischen Unabhängigkeitskrieg, der gleich nach der Staatsgründung Israels ausgerufen wurde, den Sechstagekrieg (1967) und den Jom-Kippur-Krieg (1973). Jedoch gab es auch zwei Kriege, an denen ausschließlich Ägypten gegen Israel kämpfte: den Suezkrieg (1956) und den Abnutzungskrieg, der von 1968 bis 1970 auf der Sinai-Halbinsel ausgetragen wurde. (Fleck, 2013, S. 27-30)

Die sehr angespannte Lage zwischen den beiden Nachbarstaaten entspannte sich erst Mitte der 1970er-Jahre. Als ein Meilenstein der Geschichte Israels und Ägyptens kann der 26. März 1979 bezeichnet werden. An diesem Tag fand die Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags in Washington statt. Israels damaliger Ministerpräsident Manachem Begin und Ägyptens damaliger Präsident Anwar as-Sadat unterzeichneten den Friedensvertrag und der damalige US-Präsidenten Jimmy Carter diente als Zeuge, wie auch schon bei dem zuvor abgeschlossenen Camp-David-Abkommen. (MFA, 2013)

Abb. 2: Unterzeichnung 26. März 1979, Washington

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Friedensvertrag beinhaltete die gegenseitige Anerkennung beider Staaten und beendete somit den Kriegszustand, aber es gab noch weitere wesentliche Punkte, die für Israel Verbesserungen brachten. Durch den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag garantierte Ägypten von nun an, dass Israel einen freien Zugang zum Suezkanal hat. Außerdem wurde die Straße von Tiran und folglich auch der Zugang zum Roten Meer für Israel als internationaler Wasserweg ausgewiesen. (Fleck, 2013, S. 31)

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Israel und der Arabische Frühling
Untertitel
Eine Analyse der Auswirkungen des Arabischen Frühlings auf die bilateralen Beziehungen Israels zu seinen Nachbarstaaten Ägypten, Syrien und Jordanien
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V427405
ISBN (eBook)
9783668715707
ISBN (Buch)
9783668715714
Dateigröße
1307 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
israel, arabische, frühling, eine, analyse, auswirkungen, arabischen, frühlings, beziehungen, israels, nachbarstaaten, ägypten, syrien, jordanien
Arbeit zitieren
Nathalie Größ (Autor), 2017, Israel und der Arabische Frühling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427405

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