Lernberatung im Flüchtlingskontext


Hausarbeit, 2017
22 Seiten, Note: 1,7
J. J. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernberatung und ihre Ziele

3. Gestaltung der Lernberatung
3.1 Formen der Lernberatung
3.2 Präsenzberatung und Distanzberatung
3.3 Beratungsinstrumente
3.4 Aufgaben des Beraters

4. Was kann die Lernberatung leisten?- ein Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1.Einleitung

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in den letzten Jahren stark gestiegen, und mit der Zahl der Flüchtlinge die nach Deutschland kommen steigt auch der Bedarf an Sprachkursen, damit sie die deutsche Sprache erlernen können und die Chance haben in Deutschland studieren oder arbeiten zu können. An der Universität Trier findet zum Beispiel ein Studienvorbereitungskurs des Akademischen Auslandsamts für Flüchtlinge statt, das Ziel dieses Kurses ist es, die Teilnehmer auf die deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) vorzubereiten. Oft findet man in diesen Kursen eine große Heterogenität bezüglich der sprachlichen Kompetenzen der Teilnehmer, obwohl alle Teilnehmer innerhalb eines Kurses dasselbe Niveau anstreben, z.B. C1, und den Kurs zur selben Zeit begonnen haben. Dieser unterschiedliche Sprachstand ist zum Beispiel darauf zurückzuführen, dass manche Teilnehmer länger in Deutschland leben als andere oder schon vor Beginn des Kurses mehr Erfahrungen mit Deutschlernen hatten. Ein weiterer Faktor ist, dass manche Teilnehmer sich auch in ihrer Freizeit mehr mit der deutschen Sprache beschäftigen als andere, zum Beispiel weil sie deutsche Freunde haben. Außerdem spielt auch die Motivation der Teilnehmer eine Rolle. Aufgrund dieser Heterogenität ist es schwierig in den Sprachkursen auf jeden einzelnen Teilnehmer und die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen. Hier bietet sich die individuelle Sprachlernberatung an, um an den individuellen Lernstand der Flüchtlinge anzuknüpfen und ihren Lernprozess zu begleiten. Im Folgenden wird der Begriff „Lernberatung“ genauer definiert und der Nutzen der Lernberatung und die damit verbundenen Ziele werden erläutert. Anschließend wird die Gestaltung der Lernberatung erläutert, insbesondere im Hinblick auf ihre Formen, bei denen die Präsenz-und Distanzberatung und deren Vor-und Nachteile genauer betrachtet werden. Bezüglich der Distanzberatung werden auch Erfahrungen aus einer Online Beratung für Flüchtlinge, die im Rahmen eines Deutsch als Fremdsprache Seminars an der Universität Trier von Studenten durchgeführt wurde, geschildert. Des Weiteren werden Beratungsinstrumente vorgestellt und die Aufgaben des Beraters erläutert. Abschließend wird ein Fazit gezogen, in dem die Wirksamkeit der Lernberatung allgemein betrachtet wird und auch in Bezug auf die durchgeführte Online Beratung im Rahmen der Universität Trier. Diese Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf verschiedene Arbeiten von Claußen, Kleppin und Mehlhorn und auf die Erfahrungen aus der Online Beratung für Flüchtlinge im Rahmen der Universität Trier.

2. Lernberatung und ihre Ziele

Der Begriff „Lernberatung“ geht auf die 70er und 80er Jahre zurück, schon damals wurde Lernberatung an Selbstlernzentren praktiziert und es zeigte sich, dass Lerner mit autonomem Lernen mehr Probleme hatten als angenommen(vgl. Küpper und Pardey 1987, 61). Selbstgesteuertes Lernen hat insbesondere beim Erlernen einer Fremdsprache eine große Bedeutung, da der Lerner sich auch außerhalb des Unterrichts intensiv mit der Sprache beschäftigen muss, um sie zu verinnerlichen. Viele Lerner sind bereit auch außerhalb des Unterrichts Zeit in das Erlernen und Vertiefen einer Fremdsprache zu investieren, haben aber Probleme bei der Organisation von selbstgesteuertem Lernen. Die Lernberatung kann durch Anknüpfen an die Lernerbiographie, Lernstrategien und Lernverhalten bei diesen Problemen helfen (vgl. Claußen 2008, 52). Es gibt keine eindeutige Definition von Lernberatung, aber man kann Ähnlichkeiten im Hinblick auf das Ziel der Lernberatung feststellen. Eine Definition der Lernberatung zu ihren Anfangszeiten lautet:

„Lernberatung zeigt die Möglichkeiten des Lernens auf, beschränkt sich aber nicht auf die Vermittlung der Technik geistiger Arbeit, sondern ist auch lernpsychologische Beratung, indem indem sie dazu beitragen soll spezifische Lernhemmungen und Lernschwierigkeiten ….. zu überwinden“ (Schulenberg u.a. 1975, 62f).

In einer aktuelleren Definition wird Lernberatung folgendermaßen definiert: „Lernberatung ist ein Support-Angebot, das darauf abzielt, dem Lernenden das eigene Lernen zu erleichtern (oder zu ermöglichen), die Lernergebnisse zu verbessern, die eigene Lernkompetenz zu fördern und Lernerfolg zu sichern“ (vgl. Käpplinger /Rohs 2004, 17). In beiden Definitionen ist das Ziel der Lernberatung den Lerner dabei zu unterstützen sein Lernen zu verbessern, was auch mit einer anderen aktuellen Definition übereinstimmt, in der außerdem noch das selbstgesteuerte Lernen als Ziel betont wird: „Dem Konzept der individuellen Lernberatung inhärent ist das übergeordnete Ziel, Lerner zum selbstgesteuerten Lernen zu ermutigen, zu befähigen, sowie ihn im selbstgesteuerten Lernen zu unterstützen“ (vgl. Brammerts/Calvert/Kleppin 2001, 54). Das Ziel der Lernberatung ist es also, die Lernenden zur Reflektion ihres Lernprozesses anzuregen, damit sie dazu in der Lage sind das Lernen selbstständig zu planen und durchzuführen und sie dabei zu unterstützen ihre Lernziele selbst festzulegen (vgl. Claußen 2008, 53).

Lernberatung ist für den Lerner sinnvoll, weil sie ihm den Lernprozess erleichtert und bei Entscheidungen hilft, da es für den Lerner schwierig ist sich gleichzeitig über seine Ziele, Erfahrungen, Lerngewohnheiten, Vorlieben, etc. Gedanken zu machen und wichtige Zusammenhänge dazwischen zu erkennen. Außerdem hilft die Lernberatung dabei, die Lernpläne zu verwirklichen, da es für Lerner eine Schwierigkeit darstellen kann theoretische Pläne in die Praxis umzusetzen, oder weil die Lerner unsicher sind und nicht wissen, ob ihr Verhalten sie ihrem Lernziel näher bringt. Des Weiteren verwirklichen Lerner ihr Vorhaben eher, wenn sie es mit einem Berater besprochen haben, da es für sie verpflichtender erscheint, als wenn sie es alleine festlegen würden (vgl. Brammerrs/Calvert/Kleppin 2001, 55,60). Die Lerner werden in der Lernberatung auf den Lernprozess vorbereitet und während dessen Durchführung unterstützt und mit neuen Lernmethoden vertraut gemacht. Außerdem werden sie zur Reflektion über diese Methoden und ihr Lernen angeregt und die Lernberatung hilft dabei ihre Motivation zu stärken, da auch das Besprechen und Deutlichmachen von Lernfortschritten ein wichtiger Bestandteil ist (vgl. Claußen 2008, 53). Somit ist Lernberatung nicht nur für Lernende mit großen Defiziten und Lernschwierigkeiten gedacht, sondern jeder Lerner kann davon profitieren (vgl. Käpplinger und Rohs 2004, 18).

3. Gestaltung der Lernberatung

3.1 Formen der Lernberatung

Es gibt verschiedene Arten von Lernberatung, dazu zählen die individuelle Beratung oder Beratung für Gruppen. Die Beratung kann begleitend zu einem Sprachkurs oder unabhängig davon stattfinden (vgl. Kleppin & Mehlhorn 2006, 1). Neben der kursabhängigen und kursunabhängigen Beratung stellen freiwillige und obligatorische Beratungen eine weitere Form dar. An einigen Universitäten müssen Studierende eine gewisse Anzahl von Beratungsgesprächen in einem Semester besuchen, was in gewisser Weise der „Lerner Autonomie“ widerspricht (vgl. Claußen 2008, 55). Hierbei kommt es auf den jeweiligen Lerner und dessen Einstellung an, es gibt zum Beispiel Lerner die die Beratung als zusätzlichen Zeitaufwand sehen und nur ihre Pflichttermine absitzen, um diese von der Universität anerkannt zu bekommen. Hier wäre es wichtig, dass der Berater von Anfang an versucht den Lernenden zu motivieren und ihm die Vorteile der Beratung aufzeigt, sodass der Lerner die Beratung nicht als zusätzlichen Zeitaufwand, sondern als Chance wahrnimmt. Einerseits widerspricht obligatorische Beratung der Selbstbestimmung der Lerner, aber andererseits gibt es auch viele Studenten die freiwillig keine Lernberatung in Anspruch nehmen würden oder gar nicht wissen, dass diese Möglichkeit existiert. Durch obligatorische Beratung haben sie die Chance, Lernberatung und deren Vorteile kennenzulernen. Zwei weitere Formen der Lernberatung sind Präsenz-und Distanzberatung, welche im Folgenden näher erläutert werden.

3.2 Präsenzberatung und Distanzberatung

Bei der Präsenzberatung treffen sich der Berater und der Lernende zu einem persönlichen Gespräch, wie lange ein Beratungsgespräch dauert und wie oft es stattfindet kann sich je nach Lerner unterscheiden, da jeder individuelle Bedürfnisse hat. „In der Praxis haben sich Beratungssitzungen von ca. 45 min pro Person bewährt, die in regelmäßigen Abständen (z.B. alle 4 Wochen) über das Semester verteilt stattfinden“ (Mehlhorn 2005, 160). „Aus Kapazitätsgründen kann jedoch auch eine bestimmte Obergrenze (z.B. maximal drei Beratungen pro StudentIn pro Semester) festgelegt werden“ (Mehlhorn 2005, 160). Die Präsenzberatung kann in mehrere Phasen unterteilt werden. „In der ersten Phase des Beratungsprozesses stehen das gegenseitige Kennenlernen und die Schaffung einer vertrauten Gesprächsatmosphäre im Vordergrund“ (Claußen 2008, 54). Dies bildet die Grundvoraussetzung für eine gelingende Beratung. Die zweite Phase thematisiert gezielt die „Bedürfnisse“ und Lernziele der ratsuchenden Person und nimmt dabei Bezug auf deren „Lernbiographie“ und „Lernbedingungen“ und es wird erarbeitet wie man konkrete Probleme verbessern kann. In der nächsten Phase folgt die Evaluation, in der insbesondere die Lernerfolge die der Lerner schon erreicht hat hervorgehoben werden, um seine zukünftige Motivation zu stärken und ihn dazu zu animieren noch mehr zu erreichen. Im Idealfall sollte der Lerner an diesem Punkt bereits dazu in der Lage sein autonom zu lernen und diesen Prozess ohne die Hilfe des Beraters selbstständig fortzuführen (vgl. Claußen 2008, 54f).

Neben der Präsenzberatung findet aber auch zunehmend Distanzberatung statt, die mit Hilfe von Medien erfolgt, z.B. per Email, Chat, Video Chat, oder auch über das Telefon. Die Distanzberatung weist im Vergleich zur Präsenzberatung Nachteile auf, da es insbesondere beim Schreiben schwer ist guten Kontakt herzustellen, was auch zu Missverständnissen führen kann, da Texte nicht immer so verstanden werden wie es beabsichtigt wird und Mimik, Gestik und Tonfall wegfallen. Außerdem ist die Chance auch höher, dass die Beratung nicht vorankommt, z.B. weil sehr langsam und in unregelmäßigen Abständen auf die Emails geantwortet wird oder der Kontakt abrupt abgebrochen wird. Das ist bei der Präsenzberatung nicht der Fall ist, da es feste Termine gibt, die vom Lerner eingehalten werden sollten und ihm dabei helfen konsequent zu bleiben (vgl. Kleppin 2006, 2). Video Chats sind eine gute Alternative zu Emails oder regulären Chats, da die Lerner sich nicht nur virtuell sehen und miteinander sprechen können, sondern auch gleichzeitig das Chatfenster verwenden können, z.B. für wichtige Notizen, die auch nach Beendigung des Videochatgesprächs noch zur Verfügung stehen (vgl. Pomino 2010, 71f). Laut Kleppin (2006, 2), sieht man bei Videochats zwar den Gesprächspartner virtuell, aber trotzdem ist die Beziehung nicht so gut wie bei der Präsenzberatung, wo sich die Gesprächspartner wirklich gegenüber sitzen.

„Lernen und Lernberatung im virtuellen Raum nutzen die spezifischen Funktionen des Online-Mediums und werden zugleich von ihm begrenzt“ (Ludwig 2006, 7). Das bedeutet, dass die Situation bei der Distanzberatung anonymer ist, was dazu führen kann, dass das Interesse an der Lernberatung sinkt, weil der Lerner sich kein Bild vom Berater machen kann und die Situation als zu unpersönlich empfindet. Die Anonymität kann nicht nur dazu führen, dass das Interesse an der Lernberatung sinkt, sondern auch dazu, dass die Lerner nicht ehrlich zu dem Berater sind und sich nicht wirklich beraten lassen, sondern dem Berater zeigen wollen wie gut sie die Fremdsprache beherrschen. Das wurde zum Beispiel in einer Online Beratung für Flüchtlinge im Rahmen des Seminars „Fit fürs Studium“ der Universität Trier im Wintersemester 2016/17 deutlich. Den Teilnehmern des Seminars die sich auf Online Beratung spezialisierten wurden jeweils zwei Flüchtlinge zugeteilt, zu denen dann per Email Kontakt aufgenommen wurde. Die Beratung sollte zur Begleitung eines freiwilligen Online Lernprogramms für die Flüchtlinge stattfinden. Es gab jedoch viele Probleme, da einige der Lernenden entweder gar nicht erst auf die erste Email der Berater antworteten, vermutlich wegen zu geringer Motivation, was auf die Anonymität zurückgeführt werden könnte, oder, dass andere Lerner gar nichts von dem Online Lernprogramm, das durch die Beratung begleitet werden sollte, wussten. Auch nach Erinnerungsemails gab es Lernende mit denen gar kein Kontakt entstanden ist, da sie nicht geantwortet hatten. Bei den Lernenden die geantwortet haben zeigte sich schon Interesse, jedoch brach der Kontakt nach wenigen Wochen seitens der Lerner ab. Es gab auch den Fall, dass ein Lerner sich seine Emails vor dem Absenden immer von einem deutschen Muttersprachler korrigieren ließ, aus Angst Fehler zu machen. Da der Lerner mir erzählte, dass er eine Deutschprüfung leider nicht bestanden hätte, hakte ich als Berater nach und lobte ihn für sein Deutsch, da alle bisherigen Emails fehlerfrei waren, daraufhin antwortete der Lerner:

„Die beiden E-Mails habe ich auch nicht alleine geschrieben, ich habe dafür Hilfe gehabt. Eigentlich kann ich das alles alleine schreiben aber ein freund von mir der xxxx heißt hilft mir immer weil wenn ich das E-Mails alleine schreiben möchte, mache ich viele kleine Fehler.“

In der nächsten Email habe ich angemerkt, dass es gut sei, dass er einen deutschen Freund habe, der ihm beim Lernen hilft, ihn aber auch versucht zu ermutigen die Emails in Zukunft selbst zu verfassen und betont, dass es überhaupt nicht schlimm sei, wenn er kleine Fehler mache und wir dann gemeinsam überlegen könnten, wie er diese verbessern könnte. Auf diese Email hat der Lerner jedoch nicht mehr geantwortet.

Aufgrund der Erfahrungen mit der Online Beratung im Rahmen des Seminars „Fit fürs Studium“ kann man feststellen, dass eine gute Kommunikationsbeziehung die Grundlage für die Beratung, insbesondere für die Online Beratung, darstellt und sich auch auf die Motivation der Lerner auswirken kann. Wie bereits erwähnt, kann es sehr schwierig sein diese Beziehung nur per Email herzustellen. Laut Rösler (2004, 11) funktioniert die Onlineberatung besser, wenn sie in einen Rahmen eingebunden ist, was in der durch Studenten der Universität Trier durchgeführten Beratung eigentlich auch der Fall sein sollte, da die Flüchtlinge ein Online Lernprogramm hatten. Das Problem in diesem Fall war jedoch, dass das Programm freiwillig war und von den Flüchtlingen die auf die Emails antworteten kaum jemand das Programm nutzte. Daher wurde von den Beratern versucht den Mailaustausch zu steuern und ihn somit als bewusste Lernsituation zu gestalten. Zum Beispiel wurden Schreibimpulse gegeben, zuerst erzählten die Berater etwas über sich und dann wurden die Lerner angeregt etwas über sich zu schreiben. Die Berater stellten den Lerner außerdem in jeder Email Fragen um den Kontakt aufrecht zu erhalten und um mehr über den Lerner zu erfahren, zum Beispiel durch die Frage was er am Wochenende gemacht hat. Außerdem wurden auch Online Übungen zu bestimmten Grammatikthemen mitgeschickt. Trotzdem ist der Kontakt nach ein paar Wochen abgebrochen, da die Lerner nicht mehr auf die Emails reagiert haben, was vermutlich daran liegt, dass die Anonymität bei der Online Beratung doch zu groß war, oder die Flüchtlinge aus anderen Gründen nicht genügend Motivation hatten. Ein paar der Flüchtlinge erzählten zum Beispiel, dass sie aufgrund ihrer Arbeit kaum Zeit oder gar keine Zeit mehr zum Deutschlernen hätten. Um die Anonymität etwas zu verringern könnten sich die Berater bei zukünftigen Beratungen den Lernern nicht nur ausführlich vorstellen, sondern auch ein Foto von sich mitsenden, damit die Lerner sich von ihrem Berater ein besseres Bild machen können und wissen mit wem sie schreiben.

Laut Kleppin (2006, 3), weist die Distanzberatung auch Vorteile auf. Die Distanzberatung ist, wie bereits erwähnt, langsamer als die Präsenzberatung, daher ist es möglich, dass der Lerner sich genauer mit seinen Lernzielen und Problemen beschäftigt, sowie mit den Tipps des Beraters. Außerdem hat der Lerner die freie Wahl, wann er den Berater per E-Mail kontaktiert, meist wenn er viel Zeit hat und sich daher genau überlegen kann, welche Punkte er ansprechen möchte. Des Weitern kann auch am Anfang mit dem Lerner besprochen werden, ob er die Möglichkeit wahrnehmen möchte vom Berater Erinnerungsmails zu bekommen, falls der Berater merkt, dass der Lerner nicht mehr antwortet, bzw. nicht mehr so motiviert ist. Dies ist natürlich auch in Kombination mit Präsenzberatung möglich.

Distanzberatung, z.B. über Email oder Chat, kann für Lerner die wenig Selbstvertrauen haben und sich im persönlichen Gespräch nicht wirklich trauen über ihre Lernsituation und eventuellen Probleme zu sprechen von Vorteil sein, da sie beim Schreiben dem Berater nicht direkt gegenüber sitzen und genug Zeit haben sich ihre Fragen zu überlegen und zu formulieren. Im Vergleich zu anderen Lernern könnte es ihnen leichter fallen sich in der Onlineberatung zu öffnen, gerade weil eine größere Anonymität herrscht als bei der Präsenzberatung (vgl. Felix 2003, 160f).

Diese Vorteile treffen jedoch nicht auf alle Lerner zu, daher wäre es besser erst Distanzberatung durchzuführen, nachdem schon Präsenzberatungen stattgefunden haben und der Berater und der Lerner sich kennengelernt haben, somit kann man schriftlich, z.B. per Email, auf bereits Besprochenes wieder eingehen und dort anknüpfen (vgl. Kleppin 2006, 3). Unter dieser Form der Beratung, die Rösler (2004, 10) als „Blended Learning“ bezeichnet, versteht man eine Mischung von Präsenz-und Distanzberatung, bei der die Präsenzberatung durch Onlineangebote ergänzt wird. Ob ein Lerner Präsenz-oder Distanzberatung bevorzugt, kann sich von Lerner zu Lerner unterscheiden und natürlich spielt auch dessen Motivation eine große Rolle. Damit die Lerner aber beide Formen der Beratung kennenlernen und merken können welche Form für sie am besten geeignet ist, wäre es sinnvoll sie mit „Blended Learning“ vertraut zu machen (vgl. Kleppin 2006, 5).

3.3 Beratungsinstrumente

Laut Kleppin und Mehlhorn (2006, 5), muss die Lernberatung nicht nur aus Gesprächen zwischen Berater und Lerner bestehen, sondern es können auch sogenannte Beratungsinstrumente verwendet werden, wie z.B. ein „Lernvertrag“, um die Beratung für den Lerner verbindlich zu machen. Sonst besteht die Gefahr, dass einige Lerner die Beratung nicht ernst nehmen und sich nicht an Abmachungen halten und denken, dass die Beratung sie nicht weiterbringt. Im Lernvertrag werden v.a. die Lernziele und Materialien festgehalten, sowie die Aufgaben des Lerners und des Beraters und die Fristen. Neben dem Lernvertrag führen Kleppin und Mehlhorn (2006, 6) noch andere Instrumente an, die den Lerner beim Lernen unterstützen können. Dazu zählt das Lerntagebuch, in das der Lerner das Gelernte aufschreiben kann und später im Hinblick auf Fortschritte und angewandte Strategien, Probleme etc. reflektieren kann. Außerdem kann der Eintrag auch im nächsten Beratungsgespräch wieder aufgegriffen werden, was den Lerner motiviert, da die Einträge auch in der Beratung verwendet werden und ihm dadurch noch sinnvoller erscheinen. Als weiteres Instrument werden Checklisten aufgeführt, mit denen der Lerner sammeln kann was er schon in der Fremdsprache kann oder welche Lernstrategien schon von ihm erprobt wurden. Das Führen von Checklisten ist auch eine gute Möglichkeit Fortschritte aufzuzeigen, z.B. wenn am Anfang und am Ende des Beratungszeitraums eine Checkliste angefertigt wird. Eine weitere Möglichkeit den Überblick über den in der Beratung gemeinsam festgelegten Lernweg zu behalten, ist das Erstellen eines Lernplans. Dieser beinhaltet, ähnlich wie der Lernvertrag, zum Beispiel mit welchen Materialien die Lerner lernen und wie oft sie lernen möchten und welches Ziel sie damit verfolgen. Der Lernplan sollte verändert werden, wenn der Lerner zum Beispiel merkt, dass er lieber mit anderen Materialien lernen möchte, da sich die bisher verwendeten nicht als hilfreich erwiesen haben. Im Lernplan sollte der Lerner auch abhaken welche von den geplanten Aufgaben er gemacht hat (vgl. Skowronek 2006, 5).

Es ist nicht nur für den Lerner, sondern auch für den Berater sinnvoll Beratungsinstrumente zu verwenden. Es ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit die Lernerbiographie schon vor dem ersten Gespräch mit Hilfe eines Fragebogens festzustellen, da der Berater sich auf diese Weise besser auf das erste Gespräch mit dem Lerner einstellen kann. Außerdem ist es sinnvoll Beraternotizen mit Informationen zu dem Lernenden und der bisherigen Beratung zu erstellen, um sie für kommende Sitzungen wieder aufzugreifen (vgl. Kleppin und Mehlhorn 2006,6).

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lernberatung im Flüchtlingskontext
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V427432
ISBN (eBook)
9783668716728
ISBN (Buch)
9783668716735
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernberatung, DAF Flüchtlingskontext Deutsch als Zweitsprache
Arbeit zitieren
J. J. (Autor), 2017, Lernberatung im Flüchtlingskontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427432

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