Die Rolle des Glaubens im Prozess des Wissenserwerbs bei Augustinus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Augustinus Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus
2.2 Der Glaube und seine Abstufungen- Die Unterscheidung von fides ficta und fides non ficta in De Trinitate
2.2.1 Sinnlich Wahrnehmbares
2.2.2 Geistige Wirklichkeiten
2.3 Das Verhältnis von Glaube und Wissen

3.Schluss

4.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

ÄDer sichere Glaube ist nämlich irgendwie ein Anfang des Erkennens.“ (Augustinus, 47)

Dieses Zitat aus Augustinus Abhandlung über die Trinität fasst im Grunde in einem Satz zusammen, wie Augustinus das Verhältnis zwischen Wissen und Glauben sieht. Obwohl das Werk natürlich auf den ersten Blick sehr theologisch erscheint, geht Augustinus im 8. Buch eher philosophisch vor. Man kann sagen, dass es in De Trinitate keineswegs nur um den religiösen Glauben geht, sondern auch generell um Erkenntnis und den Prozess des Wissenserwerbs. Gegen die akademischen Skeptiker grenzt sich Augustinus ab, indem er sehr wohl etwas zwischen Wissen und Nicht-Wissen bzw. dem probabilia der akademischen Skeptiker ansetzt. Denn für Augustinus ist in allem was wir glauben schon ein teilweises Wissen, das vorausgesetzt sein muss, dass wir überhaupt unser Wissen erweitern können. Wir wüssten ja sonst gar nicht was Wissen ist. Ohne dieses ÄVorwissen“ könnten wir nämlich gar nichts glauben und ohne etwas als wahr zu glauben könnten wir auch kein Wissen erwerben bzw. unser Wissen von etwas vervollständigen. Dementsprechend kann man festhalten, dass für Augustinus Glauben keinesfalls ein Gegensatz zu Wissen ist, sondern eine fundamentale Rolle im Wissenserwerb spielt.

Um dies näher zu verdeutlichen werde ich erst noch einmal Augustinus positivere Auffassung der Erkenntnismöglichkeit gegenüber der des akademischen Skeptizismus ganz kurz andeuten, um dann dazu überzugehen Augustinus Position herauszuarbeiten. Zunächst werde ich mich damit befassen, fides ficta und fides non ficta zu definieren bzw. inwiefern der Glaube schon ein Wissen enthält. Es muss also generell untersucht werden was Augustinus mit Glaube meint und inwiefern es auch Differenzen von Glaubwürdigkeit im Glauben gibt, um dann in einem letzten Schritt das Verhältnis von Glaube und Wissen noch einmal generell zu betrachten und zu analysieren.

Zur Durchführung dieser Analyse dient als Primärquelle hauptsächlich die Bücher VIII ab Abschnitt 4.6 und Buch IX bis Abschnitt 3.3 von Augustinus Hauptwerk De Trinitate, wobei auch ein Blick auf den Anfang des Buches XIV geworfen wird. Es muss aber noch angemerkt werden, dass sich diese Arbeit nicht so sehr mit der christlich-religiösen Thematik auseinandersetzt, sondern es eher generell um die Rolle des Glaubens im Wissenserwerb geht, wobei trotzdem mit Augustinus Beispielen aus dem Text gearbeitet wird. Es kann allerdings nicht allen angegebenen Textpassagen in dieser Arbeit die gleiche Beachtung geschenkt werden.

2. Hauptteil

2.1 Augustinus Auseinandersetzung mit dem Skeptizismus

In Contra Academicos bestreitet Augustinus die Ansicht der Skeptiker. Nach deren Lehre könne nichts gewusst bzw. erfasst werden und die menschliche Sinneswahrnehmung sei trügerisch, denn der menschliche Intellekt könne eine kataleptische, also wahre, Erscheinung nicht von einer nicht-kataleptischen Erscheinung unterscheiden. Kataleptisch bzw. Äerfassend“ werden bei den Stoikern Sinneseindrücke genannt, wenn sie Ädas zugrundeliegende Objekt oder den Sachverhalt“ zuverlässig abbilden (Fuhrer, Augustinus, 78). Nach den akademischen Skeptikern seien aber alle Erscheinungen verwechselbar und deshalb dürfe man nichts seine Zustimmung erteilen, also muss man sich immer eines Urteils enthalten. Der Skeptiker sagt also es ist nicht möglich über ein Wissen zu verfügen. Dennoch stellen sie Vermutungen an, die als probabilia bezeichnet werden, also als Wahrscheinlichkeit oder Ähnlichkeit mit der Wahrheit (Fuhrer, Augustin Handbuch, 61). Sie weigern sich also ihre Zustimmung zu etwas zu geben, aber operieren sozusagen aus der Not heraus trotzdem damit, um überhaupt handeln zu können, aber immer die Option offen haltend, dass man wiederlegt werden könnte. Augustinus sieht dies allerdings schon als Zustimmung an, sobald man sich für etwas entscheidet, fällt man ja eigentlich schon Urteile, also setzt auch der akademische Skeptiker schon etwas voraus. Augustinus vertritt allerdings in seiner Argumentation selbst auch eine zurückhaltende Position und will sich nicht festlegen in seinem Urteil. Man kann aber sagen, dass Augustinus grundsätzlich eine positivere Einstellung zum menschlichen Erkenntnisvermögen hatte. Auch Augustinus sagt also, dass man vorsichtig damit sein muss etwas als wahr zuzustimmen und, dass wir das meiste wohl nicht wissen, sondern nur glauben, aber er will zeigen, dass wir dennoch schon eine Grundlage, ein Vorwissen voraussetzen, denn ohne ein schon vorhandenes Wissen könnten wir gar nicht glauben. Aus diesem Grund führt Augustinus sozusagen Abstufungen des Glaubens ein, also etwas zwischen der skeptischen Opposition von probabilia und Wissen.

2.2 Der Glaube und seine Abstufungen- Die Unterscheidung von fides ficta und fides non ficta in De Trinitate

Wie schon erwähnt unterscheidet Augustinus den Glauben, dies tut er aufgrund der Glaubwürdigkeit der Glaubensinhalte. Auch Brachtendorf erwähnt, dass bei Augustin der Glaube einer Wahrheitsdifferenz unterliegt. Nun muss also ein Kriterium gefunden werden, womit der wahre Glaube vom falschen Glauben unterschieden werden kann (89).Was damit gemeint ist werden wir nun anhand des Textes herausarbeiten.

Die Fragestellung mit der Augustinus sich ab Abschnitt 4.6 des 8. Buches beschäftigt ist, wie man etwas lieben kann, das man noch gar nicht kennt. Er bemerkt gleich, dass wenn dies nicht möglich wäre, also wenn man nichts lieben kann, das man nicht kennt, dann würde ja eigentlich jetzt noch niemand Gott lieben können. Er zeigt im Folgenden im Grunde an mehreren Beispielen auf, dass ein Vorwissen im Glauben nicht nur vorhanden, sondern sogar notwendig ist. Augustinus macht sogleich eine Unterscheidung zwischen einem Äungeheuchelten“ Glauben bzw. einem nicht ausgedachten Glauben (fides non ficta) und einem ausgedachten, eingebildeten Glauben (fides ficta): ÄDabei ist aber nicht verwunderlich, daß man darauf achten muß, daß die gläubige Seele sich hier von dem, was sie nicht schaut, nicht etwas einbildet, was nicht ist, und erhofft und liebt, was falsch ist“ (17). Diese Unterscheidung wird im Folgenden näher erklärt. Es wird dann auch schnell klar, dass Augustinus unter einem Äungeheuchelten“ Glauben bzw. dem fides non ficta, das versteht, was auf einer Wissensgrundlage basiert oder anders formuliert, hier basiert der Glaube schon auf einem ÄVorwissen“. Nun macht Augustinus sich im Abschnitt 4.7 daran zunächst den Glauben an Äkörperliche Dinge von denen wir gelesen oder gehört, die wir jedoch nicht gesehen haben […]“ (17) auf dieses Vorwissen hin zu untersuchen. Es ist wichtig immer daran zu denken, dass Augustinus hier immer von Glaube redet, also von Dingen, die eben noch nicht gewusst werden oder vielleicht auch gar nicht gewusst werden können.

2.2.1 Sinnlich Wahrnehmbares

Zunächst untersucht Augustinus also den Glaube an sinnlich Wahrnehmbares, wobei er anmerkt, dass wir uns von diesem immer eine bestimmte Vorstellung bilden, auch wenn wir nur davon gehört haben, aber es nie selbst gesehen haben. Allerdings malt sich jeder das konkrete Aussehen zum Beispiel einer Person, anders aus, deshalb kann nie mit Sicherheit gesagt werden welche Vorstellung der Wirklichkeit näher ist. Augustin meint hier schon Vergangenes, nicht Gegenwärtiges. Dies ist uns nur durch Erzählungen anderer oder Berichte aus dieser Zeit zugänglich und deshalb können wir dies nur glauben, nicht aber wissen. Das individuelle Aussehen (bzw. unsere Vorstellung davon) von Personen aus der Vergangenheit oder auch von Orten, die wir nie besucht haben, können wir also nicht als wahr identifizieren (17/19). Wenn wir uns also einen bestimmten Menschen aus der Vergangenheit vorstellen, dann stellen wir uns diesen Menschen immer in einem Körper, also in einer bestimmten Form vor, dazu stellen wir uns aber auch immer noch genau vor, wie dieser Mensch wirklich ausgesehen haben könnte, wir fügen also dem Vorstellungsbild immer noch etwas hinzu, was wir eigentlich nicht wissen können. Augustinus sagt also, dass nur das wahr an dieser Vorstellung ist, was wir uns nicht dazu gedacht haben. Im Grunde wissen wir an dieser Vorstellung nur, dass es ein Mensch war, wie dieser Mensch allerdings konkret aussah bzw., dass das Aussehen wie wir es uns vorstellen dem nahekommt wie dieser Mensch wirklich aussah, ist sehr unwahrscheinlich. Über das individuelle Aussehen können wir also nichts wissen, aber wir haben Äeine gleichsam der menschlichen Natur wie eine Regel eingeprägte Kenntnis nach der wir etwas Derartiges erblicken und solgleich [sic] erkennen, daß es ein Mensch oder die Gestalt eines Menschen ist“ (19). Er fährt fort, dass unser Denken gemäß dieser Kenntnis Ägeformt“ wird. Wir haben also in unserem Denken immer schon allgemeine Begriffe, die wir als wahr voraussetzen und wissen. Wir könnten uns ja gar keine Vorstellung von einem Menschen machen, den wir nie gesehen haben, wenn wir nicht wüssten was überhaupt ein Mensch ist, der Rest ist im Grunde willkürlich von uns dazu erfunden: ÄDie Vorstellung eines Menschen, den wir noch nie gesehen haben, beinhaltet allgemeine Merkmale des Menschen überhaupt und darüber hinaus willkürliche Konkretionen“ (Brachtendorf, 90). Dieses dazu erfundene oder eingebildete ist deshalb laut Augustinus auch im Grunde kein Teil des Glaubens bzw. kein richtiger Glaube (fides ficta), denn er hat keine Grundlage im Wissen (21). Die Vorstellung ist also nur in der Hinsicht wahr, dass sie den Merkmalen des allgemeinen Begriffes, den wir von Mensch haben, entspricht. Augustinus nennt diesen Begriff ÄArt- oder Gattungsbegriff“. Diese Begriffe von Dingen haben wir entweder aus Erfahrung gewonnen oder sie sind angeboren bzw. natürlicherweise in uns (Augustinus, 19).Wir wissen also eigentlich, dass die Menschen oder Orte, die wir nie gesehen haben höchstwahrscheinlich nicht so aussahen wie wir sie uns vorstellen, aber Ä[t]rotzdem haben wir den festesten Glauben an diese Dinge, weil wir sie gemäß einem Art- oder Gattungsbegriff der uns gewiß ist, denken“ (21). Er benutzt hier das Beispiel, dass Jesus von der Jungfrau Maria geboren wurde. Es geht hier allerdings nicht darum zu wissen, dass dies wirklich so war, sondern es geht darum den Glaubensinhalt zu verstehen. Das Wissen im Glauben besteht also nur daraus, richtig zu verstehen, was geglaubt wird. Ohne die schon vorhandene Kenntnis der Begrifflichkeiten in dieser Aussage, könnte die Aussage gar nicht verstanden werden und die Aussage wäre auch nicht möglich. So stellt auch Schöpf fest, dass Äer [der Akt des Glaubens] sinnvollerweise ein Wissen von dem implizieren muß, was man glaubt. Denn wäre gänzlich unbekannt, was geglaubt werden sollte, so wäre nicht denkbar, wie sich dieser Akt vollziehen ließe, da er ohne Gegenstand einfach leer und sinnlos wäre“ (55).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Glaubens im Prozess des Wissenserwerbs bei Augustinus
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V427436
ISBN (eBook)
9783668714557
ISBN (Buch)
9783668714564
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, glaubens, prozess, wissenserwerbs, augustinus
Arbeit zitieren
Katharina Gerhardt (Autor), 2017, Die Rolle des Glaubens im Prozess des Wissenserwerbs bei Augustinus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427436

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