Die Tierethik Peter Singers. Zusammenfassung in Stichpunkten


Referat (Handout), 2010

3 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Allgemeines

- Peter Singer (1946 in Melbourne, Australien), Mitbegründer der modernen Tierethik

Animal liberation 1975, Grundstein der zeitgenössischen Diskussion über den moralischen Status von Tieren in der Tierrechtsbewegung

Practical Ethics 1979, 1993: philosophische Voraussetzungen seiner Ethik, Tierrechte, die Frage des Tötens (bei Menschen, Tieren, Föten), Armut, Asylproblematik, Umwelt...

2. Philosophische Grundlagen

- Vertreter des Utilitarismus (lat. utilitas – Nutzen) ‚das größtmögliche Glück der größten Zahl, ethische Beurteilung einer Handlung wird aus ihrem Ergebnis abgeleitet

Konsequenzialismus; klar empirisch geprägte Moraltheorie, Kalkulation, neutraler Standpunkt eines unabhängigen Beobachters

- genauer: Singer ist Vertreter und (Mit-)Entwickler des Präferenzutilitarismus, Grad der Übereinstimmung der Präferenz eines Wesens mit den Auswirkungen einer Handlung

Handlung als Präferenzen-Abwägung

- „Grundprinzip der Gleichheit“, aber: keine biologische / faktische Gleichheit!

keine Gleichbehandlung, sondern „in unseren moralischen Überlegungen den ähnlichen Interessen all derer, die von unseren Handlungen betroffen sind, gleiches Gewicht geben“ (39)

postulierte Gleichheit beruht nicht auf irgendeiner Eigenschaft (Vernunft, Sprachfähigkeit, Hautfarbe...), sondern lediglich auf Vorhandensein von Interessen Prinzip der gleichen Interessensabwägung

- Prinzip der Gleichheit hört nicht bei der Artgrenze Mensch/Tier auf, denn „wenn wir das Prinzip der Gleichheit als eine vernünftige moralische Basis für unsere Beziehungen zu den Mitgliedern unserer Gattung akzeptiert haben, [sind wir] auch verpflichtet [], es als eine vernünftige moralische Basis für unsere Beziehungen zu denen außerhalb unserer Gattung anzuerkennen“ (82)

Frage nach der Grenzziehung bei moralischer Abwägung

„Die Frage ist nicht ‚Können sie denken?' [...], sondern ‚Können sie leiden?'“[1]

Empfindungsfähigkeit als Mindestkriterium für Einbeziehung bei Handlungsentscheiden; Fähigkeit zu Leid und Freude als Grundvoraussetzung dafür, überhaupt Interessen haben zu können (85)

Leidensfähigkeit der Tiere als Voraussetzung dafür, dass ihre Präferenzen beachtet werden müssen!

- Anwendung des Prinzips der Gleichheit in der Praxis?

„In manchen Situationen wird ein Individuum der einen Spezies mehr leiden als ein Individuum einer anderen. In diesem Fall sollten wir immer noch das Prinzip der gleichen Interessensabwägung anwenden, das heißt aber im Endeffekt: der Linderung des größeren Leidens den Vorrang geben.“ (86)

erkennt Unterschiede Mensch-Tier an (höhere geistige Fähigkeiten, Zukunftsängste...)

‚Gleichheit‘ ist nicht Gleichbehandlung!

Es kann Gründe geben, für bspw. ein Experiment statt Menschen Tiere zu benutzen, aber: dann müsste man auch verwaiste Säuglinge oder schwer geistig behinderte Menschen zu nutzen bereit sein, denn „[w]enn wir einen Unterschied zwischen Tieren und diesen Menschen machen, so ist das nur möglich, weil wir die Angehörigen unserer eigenen Spezies in moralisch unvertretbarer Weise bevorzugen“ (88)

Speziesismus! Definition nach Singer: „[E]in Vorurteil oder eine Haltung der Voreingenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder der eigenen Spezies und gegen die Interessen der Mitglieder anderer Spezies.“ [2]

- Töten: Frage des Tötens hängt vom Wert des Lebens ab, „schwieriges ethisches Problem“ (90), u.a. abhängig von seinem Personenbegriff

Singer unterscheidet drei Kategorien von Wesen:

nicht bewusste Wesen (bspw. Pflanzen): kein Schmerzempfinden, müssen bei Interessenabwägungen nicht berücksichtigt werden

bewusste Wesen (Fische, Vögel...), die empfindungsfähig sind: Interessen müssen berücksichtigt werden

selbstbewusste Wesen / Personen (ausgewachsene, normal entwickelte Menschen, Menschenaffen): Sie zu töten wiegt schwerer als Töten von nur bewussten, nicht selbstbewussten Wesen, da in der Regel Wunsch nach Weiterleben

3. Speziesismus in der Praxis

a) Nahrung

- Tradition des Verzehrs von Tieren, Tiere als ‚Gebrauchsware‘

- industrialisierte Gesellschaft vs. Eskimos, Fleisch als Luxusgut, nicht notwendig, außerdem: keine effiziente Art der Nahrungsmittelproduktion (als Fleisch nur etwa 10 % des Nährwerts des verfütterten Getreides)

- ere, v.a. bei Massentierhaltung Tiere als Maschinen, die Futter in Fleisch verwandeln

- auch bei sog. „humaner Tierhaltung“ dennoch Trennung von Muttertier und Jungen, Brandzeichen, Transport, Schlachten, ... (Tötungsfrage aber ausgeklammert, weil nicht generell für alle Tiere gleich beantwortbar)

- Folge: Boykott von Produkten aus Massentierhaltung

in der Regel Vegetarismus / Veganismus

b) Tierversuche

- Erkenntnisse an Tieren sollen zu Erkenntnissen über den Menschen führen

Ähnlichkeit von Mensch und Tier in entscheidenden Punkten wird zugegeben (94f)

- Draize-Test: konzentrierte Mengen des zu testenden Produkts in Kaninchenaugen geträufelt; mittlerweile viele Alternativen (Zellkulturen, bebrütete Hühnereier...)

- LD50-Test: Giftigkeitstest einer chemischen Substanz, Substanz wird in zunehmenden Mengen an Tiere verabreicht, bis die Menge feststeht, um die Hälfte der beteiligten Tiere zu töten

- „Diese Tests sind nicht notwendig, um menschliches Leiden zu verhüten; selbst wenn es keine Alternative zu den Tierversuchen gäbe, um die Sicherheit der Produkte zu kontrollieren, so haben wir bereits genug Haarwaschmittel und Lebensmittelfarben“ (95)

geringe Interessen der Menschen vs. elementare Interessen der Tiere

- militärische Tests (Bsp.: Rhesusaffen, die unter Stromschlägen und radioaktiver Bestrahlung in einem Laufrad laufen müssen)

- Tests an Universitäten (Bsp. Harlow: Stressforschung an Primaten via völliger Isolation)

- in vielen Fällen vorteilhafte Folgen für Menschen ungewiss, während tierische Leiden real und tatsächlich vorhanden sind

- Singer nicht generell gegen Tierversuche: präferezutilitaristisch ist es legitim, eine geringe Anzahl von Wesen Leid auszusetzen, wenn hierdurch viele vor Leid bewahrt werden; doch: „Wären dieselben Forscher bereit, ihre Experimente an verwaisten Menschen mit schwerwiegenden, unheilbaren Hirnschäden durchzuführen, um tausende zu retten?“ (97)

wenn nicht: Speziesismus, da die eben beschriebenen Menschen keine moralisch relevanten Eigenschaften haben, die Menschenaffen, Hunde, ... nicht besitzen

c) Andere Formen von Speziesismus:

- Pelzhandel, Jagd, Zirkus, Zoos, Haustiere, ....

4. Einwände

a) Leidensvergleiche zwischen Angehörigen verschiedener Spezies unmöglich

- „Auf Genauigkeit kommt es hier aber nicht an“ (89)

- selbst wenn Menschen ihr Handeln nur in Fällen ändern, in denen klar tierische Interessen weit mehr betroffen als menschliche, würde das zu einem radikalen Wandel in der moralischen Einstellung führen

b) sichere Aussagen über Schmerzen anderer nicht möglich

- weder bei Menschen noch bei Tieren; Dritte-Person-Perspektive

- ähnliches Verhalten lässt auf ähnlichen Schmerz schließen; bei Tieren Flucht, Ausstoß von Lauten, Panik, ...; auch: anatomische Parallelen des Nervensystems

c) Tiere fressen einander – weshalb sollten wir keine Tiere essen?

- Tiere sind auf den Verzehr anderer Tiere angewiesen, Menschen nicht

- Menschen halten Tiere in der Regel für weniger entwickelt als sich selbst – wieso sollten sie hier als moralische Instanz herhalten?

- Tiere sind unfähig der Reflexion dieses Problems; „Man kann sich nicht der Verantwortlichkeit entziehen, indem man Wesen nachahmt, die unfähig sind, diese Wahl zu treffen.“ (110)

- Jagd als ‚Naturgesetz‘, als ‚Recht des Stärkeren‘?

heutige Massentierhaltung hat nichts mehr mit natürlicher Jagd zu tun

es darf nicht davon ausgegangen werden, dass die natürliche Art, etwas zu tun, nicht verbessert werden könnte

d) Unterschiede zwischen Mensch und Tier

- Benutzung von Werkzeugen? Spechte: Dornen zum Stochern nach Insekten

- Erschaffung von Werkzeugen? Schimpansen: Schwämme aus zerkauten Blättern

- Gebrauch von Sprache? Schimpansen, Gorillas: Zeichensprache; Wale, Delfine: komplexes Sprachsystem

- Selbstbewusstsein und Autonomie? kein Grund für Nichtbeachtung der jeweiligen Interessen

- Potentielle Fähigkeiten? Mensch als Individuum, nicht nach Durchschnittswert der Spezies, Rasse, Geschlecht, ... beurteilen!

- Zuneigung Menschen gegenüber, die man gegenüber Tieren nicht aufbringen kann? bindet Moral zu sehr an Gefühle

e) Argument der Schiefen Ebene

- wenn klare Grenze (Mensch-Tier) überschritten ist, droht ein Abrutschen, schlimmster Fall: totalitäres System, das Menschen als „sub-human“ einstufen und damit töten lassen kann

[…]


[1] Jeremy Bentham, An Introduction to the Principles of Morals and Legislation.

[2]Peter Singer, Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere, Rowohlt, Hamburg 1996, S. 35.

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Die Tierethik Peter Singers. Zusammenfassung in Stichpunkten
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Philosophie/Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V427491
ISBN (eBook)
9783668720008
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tierethik, peter, singers, zusammenfassung, stichpunkten
Arbeit zitieren
Sonja Filip (Autor), 2010, Die Tierethik Peter Singers. Zusammenfassung in Stichpunkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427491

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