Das Thema der Unterrichtsreihe, der dieser Entwurf einer Unterrichtsstunde angehört, lautet: „Entdeckungsfahrten – Fluch oder Segen?“, und beschäftigt sich mit der Ankunft der Spanier in Südamerika und deren erstem Kontakt mit den Eingeborenen. Die Leitfrage dieses Unterrichtsentwurfs ist: „Kamen die Spanier als Entdecker oder als Eroberer?“ Dabei soll die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Interessengruppen die Meinung zur Beantwortung der Leitfrage für die Schüler und Schülerinnen nachvollziehbar machen und von einer Position zur nächsten führen.
Dem Unterrichtsentwurf voraus gehen die Unterrichtsstunden mit den Themen „Warum fuhren sie?“, „Vorbereitungen und Voraussetzungen“ und „Bedingungen auf See“. Die Unterrichtsreihe ist so aufgebaut, dass alle Einzelheiten der spanischen Entdeckungsfahrt, die zur Entdeckung Südamerikas führten, ebenso wie die Auswirkung auf die südamerikanischen Kulturen unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und erläutert werden. Die Vorkenntnisse zu diesem Unterrichtsentwurf sollten also ausreichend sein, um für die Einleitung des Unterrichtsentwurfes viel kreative Vorschläge zu haben und Ideen zu entwickeln, wie der erste Kontakt abgelaufen sein könnte. Die Arbeitsmittel für diesen Entwurf sind ein Smartboard oder OH-Projektor. Weiterhin in ausreichender Stückzahl vorhandene Arbeitsblätter, welche im Gliederungspunkt Nummer 8 “Arbeitsblätter zum Unterrichtsentwurf” aufgeführt sind.
Der Schwerpunkt der Stunde ist das Kennenlernen der Motive der Spanier, mit welchen sie auf die Entdeckungsfahrten gingen, und das Nachvollziehen des Wandels zu den Zielen, welche sich nach dem ersten Kontakt mit den Eingeborenen ergaben.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema der Unterrichtssequenz und der Unterrichtsstunde
2. Unterrichtsbedingungen
3. Unterrichtsbezogene Sachanalyse
4. Didaktische Konstruktion
5. Kompetenzbezüge
6. Begründung der Lehr- und Lernstruktur – didaktische Entscheidung und methodische Umsetzung
7. Tabellarisch geplanter Unterrichtsverlauf
8. Arbeitsblätter zum Unterrichtsentwurf
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der didaktischen Planung einer Geschichtsstunde für die siebte Jahrgangsstufe, die sich kritisch mit der Ankunft der Spanier in Südamerika und dem ersten Kontakt mit den indigenen Völkern befasst. Das primäre Ziel ist es, die Lernenden durch die Untersuchung historischer Quellen dazu zu befähigen, die Leitfrage „Kamen die Spanier als Entdecker oder als Eroberer?“ multiperspektivisch und begründet zu beantworten.
- Analyse der Motive europäischer Entdeckungsfahrten
- Multiperspektivische Betrachtung des Erstkontakts (Spanier vs. Eingeborene)
- Förderung der historischen Urteils- und Analysekompetenz
- Anwendung des problemorientierten Geschichtsunterrichts
- Reflexion über die Konstruiertheit historischer Narrative
Auszug aus dem Buch
3. Unterrichtsbezogene Sachanalyse
Der Schwerpunkt der Stunde ist das Kennenlernen der Motive der Spanier, mit welchen sie auf die Entdeckungsfahrten gingen und das Nachvollziehen des Wandels zu den Zielen, welche sich nach dem ersten Kontakt mit den Eingeborenen ergaben.. Die Frage nach den Motiven für die Eroberung wird in der Fachliteratur ausgiebig diskutiert. Da Europa zu dieser Zeit ein starkes Selbstbewusstsein hatte und die christliche Kultur spätestens seit den Kreuzzügen ein „aggressives Sendungsbewusstsein gegenüber anderen Kulturen“ zeigte, ist Beck davon überzeugt, dass die Europäer ihre Entdeckungsfahrten als Heilsbringer antraten. Ein Schreiben von Papst Alexander VI. enthält sogar wörtlich den Auftrag, die Bewohner der entdeckten Gebiete zum katholischen Glauben zu erziehen. Da die Geldgeber für die Entdeckungsfahrten die Erwartung hatten, Gewinne zu erzielen, ist Beck gleichzeitig der Meinung, dass die Europäer neben dem Missionierungsgedanken vor allem Gold mitbringen wollten. Eine hohe finanzielle Belastung trieb einige Monarchien zur Expansion, da Gold und Silber zum Beispiel für die Prägung neuer Münzen unablässig war und so wurde das Mitbringen von Gold ein wesentlicher Bestandteil der Entdeckungsfahrten. Kritischere Historiker behaupten, wie zum Beispiel Arens, dass das Finanzielle immer im Vordergrund stand und das Christentum lediglich ein Instrument zur Legitimierung für Unterdrückung und Gewalt war. Ebenso behauptet auch Straub, dass die Religion von Anfang an zur Legitimierung der militärischen Eroberung benutzt wurde. Vermutlich war das Motiv tatsächlich eine Mischung aus dem christlichen Bedürfnis, andere Völker zum eigenen Glauben zu bekehren und Goldgier, wie auch Johnson schreibt: „Das riesige spanische Kolonialreich war eine seltsame Mischung aus Bekehrungseifer und herzloser Habgier“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema der Unterrichtssequenz und der Unterrichtsstunde: Einleitung in die Unterrichtsreihe „Entdeckungsfahrten – Fluch oder Segen?“ und Definition der zentralen Leitfrage zur Rolle der Spanier.
2. Unterrichtsbedingungen: Darstellung der Voraussetzungen, Vorkenntnisse und der notwendigen materiellen Ausstattung für die Durchführung der Unterrichtsstunde.
3. Unterrichtsbezogene Sachanalyse: Historische Einordnung der Motive der Spanier, wobei das Spannungsfeld zwischen Missionierungseifer und wirtschaftlicher Goldgier beleuchtet wird.
4. Didaktische Konstruktion: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise im problemorientierten Geschichtsunterricht zur Förderung des Interesses und der historischen Identität.
5. Kompetenzbezüge: Verknüpfung der Unterrichtsziele mit den Anforderungen des Rahmenlehrplans, insbesondere im Bereich der historischen Deutungs- und Analysekompetenz.
6. Begründung der Lehr- und Lernstruktur – didaktische Entscheidung und methodische Umsetzung: Begründung der Quellenwahl und der methodischen Schritte wie Partner- und Einzelarbeit zur Förderung der Multiperspektivität.
7. Tabellarisch geplanter Unterrichtsverlauf: Detaillierte Übersicht der Zeitphasen, des Lehrer-Schüler-Verhaltens und der eingesetzten Sozialformen.
8. Arbeitsblätter zum Unterrichtsentwurf: Bereitstellung der konkreten Arbeitsmaterialien, Quellen und Aufgabenstellungen für die Lernenden.
Schlüsselwörter
Entdeckungsfahrten, Kolonialisierung, Spanier, Eingeborene, Conquista, Missionierung, Goldgier, Multiperspektivität, Geschichtsunterricht, Quellenanalyse, Erstkontakt, historische Urteilskompetenz, Azteken, Christoph Kolumbus, problemorientierter Unterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Geschichtsstunde für die siebte Jahrgangsstufe zum Thema der europäischen Entdeckungsfahrten und der damit verbundenen ersten Begegnung zwischen Spaniern und indigenen Völkern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsstunde?
Die zentralen Themenfelder sind die Motive der Spanier (Missionierung vs. ökonomische Interessen), der historische Erstkontakt sowie die daraus resultierende unterschiedliche Wahrnehmung der Ereignisse durch die beteiligten Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das Hauptziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die Leitfrage, ob die Spanier als Entdecker oder Eroberer agierten, kritisch anhand von Quellen reflektieren und ein eigenes begründetes Urteil formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Entwurf verwendet?
Es wird das Prinzip des problemorientierten Geschichtsunterrichts angewandt, welches durch Multiperspektivität und exemplarisches Lernen die eigenständige Quellenarbeit und Urteilsbildung in den Mittelpunkt stellt.
Was wird im Hauptteil des Unterrichtsentwurfs behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der historischen Rahmenbedingungen, die didaktische Konstruktion der Stunde, die Kompetenzorientierung sowie eine konkrete methodische Begründung der geplanten Lernschritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diesen Entwurf?
Die wichtigsten Schlagworte sind Multiperspektivität, Conquista, Quellenanalyse, Entdeckungsfahrten, problemorientierter Unterricht und historische Urteilskompetenz.
Warum wurden gerade die Quellen von Sahagún und das Logbuch von Kolumbus ausgewählt?
Diese Quellen sind essenziell, da sie dem Lernenden ermöglichen, sowohl die Perspektive der indigenen Bevölkerung (Azteken) als auch die Sichtweise der spanischen Entdecker einzunehmen, was für das multiperspektivische Lernen zentral ist.
Inwiefern spielt der aktuelle Bezug im Unterricht eine Rolle?
Durch die Thematisierung der Konflikte zwischen unterschiedlichen Kulturen wird versucht, eine Brücke zur Gegenwartserfahrung der Schüler zu schlagen, damit historische Prozesse besser greifbar werden.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Unterrichtsentwurf zum Thema "Entdeckungsfahrten. Ankommen und erster Kontakt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427547