Deutsche Impressionisten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

22 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Der Deutsche Impressionismus: zur Situation der Kunst in Deutschland um

3. Vorstufen und Voraussetzungen

4. Impulse aus Frankreich und fortlebende Tradition

5. Meister der Zeichnenden Künste: Liebermann, Corinth, Slevogt

6. Die Berliner Sezession: Hochburg des deutschen Impressionismus

7. Zusammenfassung

Literatur

1. Einführung

Es gab in der Zeit um die Jahrhundertwende wohl kein ähnliches Phänomen in der Kunst wie den französischen Impressionismus. Diese Stil brachte eine entscheidende Wende für die Entwicklung der modernen Malerei. Er entstand analog zu einem unaufhaltsamen Reifeprozess innerhalb der sozialen und ethischen Strukturen des Lebens. Vor allem in Belgien („Les XX“) und in Deutschland (Liebermann) wurde diese Kunstrichtung mit einem ungeheueren Enthusiasmus aufgenommen, was häufig zu einer unkritischen und oberflächlichen Betrachtung des Phänomens führte. Der Impressionismus galt als die große moderne Kunstbewegung; man lobte zu Recht seine Beziehung zur sozialen Realität und zu den typischen Charakteristika des täglichen Lebens in den einzelnen Ländern. Wer und was waren die Impressionisten? Meist wird darauf geantwortet:„Es war eine Gruppe Maler, deren erste Vertreter sich 1860-62 in einem freien Atelier, der Academie Suisse, kennenlernten und 1862-64 in schon größerer Zahl im Atelier des Malers Charles Gleyre zusammenkamen. Claude Monet, Camille Pissarro, und Paul Cezanne (die an der Academie Suisse miteinander bekannt wurden) und Auguste Renoir, Alfred Sisley und Frederic Bazille( die Monet bei Gleyre kennenlernten) sollen sich zusammengeschlossen haben, um dem Konservativismus der offiziellen Malerei den Kampf anzusagen, und sollen, angeregt von den Landschaftsmalern, in der freien Natur zu einer neuen, kühnen, spontanen, „skizzierenden“ Malweise gefunden haben.“[1]

2.Der Deutsche Impressionismus: zur Situation der Kunst in Deutschland um 1890

Um dem Phänomen eines sogenannten deutschen Impressionismus näherzukommen, ist die Situation der deutschen Kunst speziell zwischen 1890 und 1914 zu schildern. Die deutsche Variante des Impressionismus fand ihren geistig - künstlerischen Höhepunkt in den 1890er Jahren, also 20 Jahre später als in Frankreich, doch lassen sich die Folgeerscheinungen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs beobachten. Anders als der französische Impressionismus, der sich bei erster Betrachtung als eine weitgehend homogene, auf Paris und dessen Umgebung konzentrierte künstlerische Bewegung darstellt, ist der deutsche Impressionismus stärker an einzelne Künstlerpersönlichkeiten gebunden.

„In Deutschland gab es durch das Gefüge zahlreicher Einzelstaaten keinen Zentralismus, die Akademien waren der Verfügungsgewalt und damit auch dem Geschmacksurteil des jeweiligen Regenten unterstellt. Im Zuge der deutschen Reichsgründung 1871 und der Ernennung von Berlin zur Reichshauptstadt bildete sich dort in den 1890er Jahren ein neues kulturelles Zentrum heraus, das der alten Hauptstadt der Kunst, München, den Rang abzulaufen begann.“ [2]

Auch aus den anderen Kulturmetropolen, neben München waren dies vor allem Dresden und Düsseldorf, wanderten damals zahlreiche avantgardistisch orientierte Künstler nach Berlin ab. Dies galt ebenfalls für das impressionistische Maler Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt, die im Rahmen der Berliner Sezession eine fast schon missionarische Tätigkeit für die neue Malerei entfalteten.

Die Gemeinsamkeiten der einzelnen Vertreter des deutschen Impressionismus sind weniger klar und umfangreich als die der französischen Impressionisten. Vergleichbar ist vor allem die seit den 1890er Jahren bei den deutschen Malern skizzenhafte Technik wie auch die Vorliebe für die Freilichtmalerei, die allerdings in Deutschland auf ganz eigenen Vorbedingungen beruhte.

Darüber hinaus stellte der Impressionismus für viele deutsche Künstler lediglich ein kurzes Durchgangsstadium dar.

„Die deutschen impressionistischen Maler kamen überwiegend aus dem naturalistischen Lager. So wirkt der deutsche Impressionismus auf den ersten Blick wegen seiner stärker sozial ausgerichteten Themen problematischer und aufgrund der zum Teil vorherrschenden tonalen Palette trüber und dunkler als der französische. Überdies blieb das graphische Element für die deutschen Impressionisten stets bedeutsamer als für die Franzosen. Nur wenige deutsche Vertreter gingen in der impressionistischen Formauflösung so weit, daß sie die pointillistische Technik anwandten.“[3]

Der deutsche Impressionismus beruht also keineswegs einseitig auf französischen Einflüssen, ist aber dennoch ohne diese nicht denkbar. Neben der Rezeption der modernen französischen Malerei wurde der deutsche Impressionismus vor allem von der holländischen Malerei des 17. und 19. Jahrhunderts sowie der Entwicklung der Freilichtmalerei in Deutschland inspiriert. Dies muß nicht zuletzt vor dem Hintergrund der zahlreichen, unabhängigen Künstlergruppen und Sezessionen gesehen werden.

3. Vorstufen und Voraussetzungen

Entscheidend für die Generation jener Künstler, die den impressionistischen Stil in den 1890 Jahren in Deutschland entwickelten, war zunächst die Auseinandersetzung mit der Malerei von Wilhelm Leibl (1844-1900) und seinen Künstlerfreunden, des sogenannten Leibl-Kreises.

„Auf der ersten Ausstellung der 1898 neugegründeten Berliner Sezession wurden Leibls Arbeiten als exemplarisch für einen neuen, als richtungweisend empfundenen Ansatz in der Malerei gezeigt, der Maler selbst 1900 zum Ehrenmitglied ernannt. Zahlreiche Vertreter aus dem Leibl-Kreis arbeiteten später entweder selbst im impressionistischen Stil, darunter Wilhelm Trübner (1851-1917) und Carl Schuch (1846-1903), oder sie vermittelten der jüngeren Generation impressionistischer Maler entscheidende Anregungen: Schuch zum Beispiel dem befreundeten Karl Hagemeister (1848-1933), Trübner an Max Slevogt und Lovis Corinth. Max Liebermann soll bereits bei seiner Übersiedelung nach München den Wünsch geäußert haben, Schüler von Leibl zu werden. Neben Leibl war auf der ersten Berliner Sezessionsausstellung, auch der hochgeschätzte Adolph Menzel (1815-1905) vertreten. Menzels Bildmotive, die später in einer unpolitisch – ästhetischen Rezeption aufgrund der lockeren, skizzenhaften Malweise und der subtilen Lichtführung als Gestaltungsmittel in Bezug zum deutschen Impressionismus gesehen wurden, waren allerdings zu dieser Zeit noch nicht bekannt. Dazu gehörten Arbeiten wie das „Balkonzimmer“(1905) und „Die Berlin-Potsdamer Eisenbahn“(1847).“[4]

4. Impulse aus Frankreich und fortlebende Tradition

In Deutschland trat Impressionismus erst wesentlich später ein. Immer wieder taucht dabei die Vermutung auf, daß die deutsche Impressionisten ihre entscheidenden Impulse vielleicht doch während ihrer Parisaufenthalte erhalten könnten. Auch Wilhelm Leibl weilte bereits 1869/70 in Paris, um dort vor allem den Kontakt zu dem befreundeten realistischen Maler Gustave Courbet zu erneuern, den Leibl 1869 anläßlich der <Internationalen Ausstellung> im Münchner Glaspalast kennengelernt hatte.“[5]

„Max Liebermann kam erstmals 1872 nach Paris, wo er im Salon die ersten Bilder von Jean – Francois Millet und Gustave Coirbet sah. Im darauffolgenden Jahr faszinierten ihn die Barbizonmaler Constant Troyon, Charles – Francois Daubigny und Camille Corot, erneut aber vor allem die Arbeiten Millets, so daß er sich seit 1874 mehrfach dazu entschloß, in Barbizon zu arbeiten und im Pariser Salon auszustellen.“[6]

In Paris begegnete Liebermann zwar Edgar Degas, aber ging an so entscheidenden impressionistischen Künstler wie Claude Monet, dessen Werke er vermutlich erstmals in Berlin sah, vorbei.

[...]


[1] Anna Maria Damigella, Impressionismus, d. Schuler-Verl., 1988, S.3

[2] Hans – Jürgen Imiela: Max Lliebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt, in: Beiträge zur Theorie der Künste im 19. Jahrhundert, Bd.2, hrsg.v. Helmut Koopmann, Frankfurt a. M. 1972, S.257

[3] Jost Hermand, Impressionismus als kultursoziologisches Phänomen, Köln/Zürich 1990, S.15

[4] Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 34

[5] Norma Broude, Impressionismus in Deutschland, Gütersloh 1971, S. 76

[6] Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 38

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Deutsche Impressionisten
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Veranstaltung
Interkulturelle Germanistik
Note
2,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V42755
ISBN (eBook)
9783638407151
ISBN (Buch)
9783640864379
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Breiter Seitenrand
Schlagworte
Deutsche, Impressionisten, Interkulturelle, Germanistik
Arbeit zitieren
Venera Reiser (Autor), 2004, Deutsche Impressionisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42755

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