Berufung des Levi. Exegese Markus 2, 13-17


Hausarbeit, 2017
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse der Textstruktur
1.1 Abgrenzung der Einheit
1.2 Einordnung in den Kontext
1.3 Syntaktische Analyse
1.4 Semantische Analyse
1.5 Narrative Analyse
1.6 Pragmatische Analyse
1.8 Fazit

2. Traditionskritik

3. Formgeschichte

4. Literarkritik

5. Redaktionskritik

6. Theologisches Profil

7. Schulische Umsetzungsmoglichkeit

Literaturverzeichnis

1. Analyse der Textstruktur

Unter Berucksichtigung der Textlinguistik erfassen die folgenden Unterkapi- tel die Kohasion, wie auch die Koharenz des Textes und stellen seine Inten­tion sowie die erzahlerische Funktion heraus.1

1.1 Abgrenzung der Einheit

Zwar grenzt sich die hier zu analysierende Erzahlung schon als Perikope, ge- nannt „Die Berufung des Levi“, ab, jedoch resultiert jenes aus der Segmen- tierungsarbeit der Ubersetzer, nicht aus der ursprunglichen Entstehung des Textes. Somit gilt es zu ermitteln, welche Aspekte die Abgrenzung hervor- brachten. Diesbezuglich zu beachten sind den Ort, die Zeit, die Personen und das Thema betreffende Wechsel.2

Der erste Vers der Perikope markiert sowohl den Orts- als auch Zeitwechsel gegenuber der vorausgegangenen Erzahlung: „Und er ging wieder hinaus an den See“ (V. 13). Das „wieder“ verdeutlicht einen erneuten Beginn Jesu Han- delns. „Und er ging wieder hinaus an den See“ (V. 14) bedeutet, dass Jesus zuvor in einen anderen Ort hinein ging. Dieses bezieht sich auf Kapernaum, wie in Markus 2,1 beschrieben: „Und nach einigen T agen ging er wieder nach Kapernaum hinein“ Daruber hinaus kann es aus Markus 1,16 hervorgehen, denn dort geht Jesus zum ersten Mal am See entlang: „Und als er am See von Galilaa entlangging“.3 Der Personenwechsel wird aufgrund der Veranderung des Hauptcharakters neben Jesus markiert. In der vorangegangenen Perikope war ein Gelahmter die Hauptfigur, nun ist es Levi: „Und als er voruberging, sah er Levi, den Sohn des Alphaus, am Zollhaus sitzen“ (V. 14). Dement- sprechend geht es thematisch nun um die Berufung bzw. das Rufen des Zoll- ners, nicht mehr um die Heilung des Gelahmten.

Wie insbesondere im Zusammenhang mit der Gattungsermittlung festgestellt wird, endet die Perikope mit einem Ausspruch Jesu. Dieser bezieht sich auf eine zuvor entfaltete Kritik von Seiten der Pharisaer. Thematisch endet die Perikope also mit dem auf das Zollnermahl bezogenen Streit. Die neue Peri- kope beginnt mit einem anderen Konfliktgrund: „Und die Junger des Johan­nes und die Pharisaer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Junger des Johannes und die Junger der Pharisaer, deine Junger aber fasten nicht?“ (Mk. 2,18). Damit besteht zwar kein Wechsel hinsichtlich der ubergeordneten Thematik, welche die Streitfragen zwischen Jesus und den Pharisaern bildet4, jedoch andert sich der explizite Inhalt des Streites. Personenwechsel sind insofern zu verzeichnen, als dass es in der eben zitier- ten Perikope nicht mehr die Einzelfigur Levi ist, die die Rolle des Protago- nisten einnimmt, sondern hier nur zwei Gruppen in Opposition zueinander stehen: Jesus mit seinen Jungern gegenuber den Pharisaern. Ein Orts- oder Zeitwechsel folgt auf die untersuchte Perikope nicht.

1.2 Einordnung in den Kontext

Nach Schenke beginnt das Markusevangelium mit dem „Vorspiel im Himmel auf Erden: 1,2-13.“5 Danach folgen vier Erzahlbogen:

„1,14 - 3,6: ,In Galilaa‘

3,7 - 8,26: ,Rund um den See von Galilaa‘

8,27 - 10,52: ,Auf dem Weg‘

II, 1 - 15,47: ,Die siebte Woche in Jerusalem"6

Den Schluss des Evangeliums von 16,1-8 tituliert Schenke als Epilog.7

Demnach lasst sich die zu untersuchende Texteinheit in den ersten Erzahlbo- gen einordnen. Jene Einheit kann wiederum unterteilt werden, indem man „das vollmachtige Wirken Jesu in Galilaa“ von 1,14-39 sowie der „Wider- spruch gegen Jesu vollmachtiges Wirken“ von 2,1 - 3,6 als zwei konzentrisch gegliederte Erzahlungen auffasst und 1,40-45 als verbindendes Glied dazwi- schen determiniert.8 Die diese Arbeit betreffende Perikope ist demnach dem zweiten Erzahlkreis, dem Widerspruch gegen Jesu vollmachtiges Wirken, zu- zuordnen. Jener Erzahlkreis beginnt mit dem Hineingehen Jesu nach Kapern- aum (vgl. Mk. 2,1).9 Hier beginnt nach einiger Zeit sein Handeln, welches Konfrontationen mit Fuhrern des Judentums hervorruft. Letztlich resultieren jene Auseinandersetzung in der Planung, Jesus zu toten (vgl. Mk. 3,6).10 2,3­12 und 3,1-5 lassen sich diesbezuglich als Rahmenelemente auffassen, die die Verteidigung Jesu Vollmacht anhand seiner Heilungen erzahlen. In dem da- zwischen befindenden Mittelstuck kommt es zu Streitgesprachen11, in wel- chen „[...] Jesus die Zusammensetzung seiner Jungerschaft (2,17), ihre neue Fastenpraxis (2,19f.) und ihre freiere Sabbatobservanz (2,25-28) [rechtfer- tig]“12

Die soeben resumierte Rechtfertigung Jesu steht im deutlichen Zusammen- hang mit seinen Jungern, denn im Gegensatz zu den Rahmenerzahlungen der Heilungen dominiert in dem erorterten Mittelteil das Thema der Berufung und Jungerschaft. Dieses untermauert auch der Autorenkommentar in 2,15.13 Hier legt der Autor Zollner, Sunder und Junger als groBe Masse aus: „Denn es waren viele und sie folgten ihm nach.“ Die hier zu analysierende Berufungs- geschichte fungiert in diesem Zusammenhang als Einleitung in jenes Thema.14

Vor dem Hintergrund dieser Erlauterungen lasst sich zusammenfassen, dass die in Galilaa situierte Perikope innerhalb des Markusevangeliums zu den re- levanten Themen Berufung und Jungerschaft15, vollmachtige Lehre16 und dessen Widerspruch zuzuordnen ist. Somit kann auf die leitende Fragestel- lung danach, wer Jesus ist (vgl. z.B. 4,41 und 6,2)17 eine Antwortmoglichkeit gefunden werden. Daruber hinaus markiert der Widerspruch einen Beginn Jesu Weg zur Kreuzigung, welche die Zuspitzung des Gesamtevangeliums ist.18 Die Jungerthematik weist in diesem Zusammenhang auf die in Verbin- dung zueinander stehenden Aspekte Nachfolge und Eschatologie hin.19

1.3 Syntaktische Analyse

Die syntaktische Analyse intendiert, „die Aufstellung von Wortern zu Satzen und Satzreihen“20, wie auch die Verknupfung der sprachlichen Mittel zu er- schliefien.21

Die Analyse untermauert, dass die Erzahlung leicht verstandlich ist und damit viele Menschen ansprechen kann. Sie hat eine allumfassende Wirkung und gegenwartigen Charakter. Ferner lassen sich die Nachfolge sowie die Rele- vanz Jesu Handelns und seine Zuwendung zu Sundern als akzentuierte The- men herausbilden.

Markus bedient sich einer schlichten Alltagssprache22, wie sie fur die ro- misch-hellenistische Volksliteratur kennzeichnend ist.23 Dieses wird hier un- ter anderem erkennbar, weil sich die koordinierenden Konjunktionen fast aus- schliefilich durch „und“ wiederspiegeln. Damit einher geht die vorrangige Verwendung von Parataxen. Auch diese ist fur den markinischen Satzbau sig- nifikant.24 Demnach pointiert bereits die geringe Komplexitat der Sprache den missionarischen Charakter des Evangeliums; die Erzahlung uber Jesu Wirken ist an eine breite Masse adressiert.25

Die damit bereits angedeutete Allgegenwartigkeit des Textes wird im Rah- men der Syntax durch die Beobachtung der Pronomen, Artikel und Adjektive untermauert. Hinsichtlich der Pronomen fallt deren haufige Verwendung auf. Es werden demnach nicht bestimmte Namen, sondern eine Mehrzahl von Menschen angesprochen. Dieses zeigt auch die Untersuchung der Artikel. Sie kommen fast ausschliefilich in direkter Form vor. Ausnahmen bilden nur zwei Stellen, bei denen nicht bestimmte, sondern alle Sunder angesprochen wer- den: „und viele Zollner und Sunder lagen mit Jesus und seinen Jungern zu Tisch“ (V. 15), „Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sunder.“ (V. 17). Ebenso heben die mit Adjektiven betonten Verse diese Erkenntnis hervor: „und die ganze Volksmenge kam zu ihm“ (V. 13), „und viele Zollner und Sunder lagen mit Jesus und seinen Jungern zu Tisch, denn es waren viele“ (V. 15).

Die im Rahmen der vorangegangen Auslegung zitierten Verse implizieren stets das Wort „Sunder“, woraus sich ein weiterer relevanter Aspekt erschlie- Ben lasst. Neben den bereits erwahnten Hinweisen, wird das Thema der Sunde durch den synthetischen Parallelismus26 in Vers 17 hervorgehoben. Hier wird die zuerst genannte Aussage durch eine Erganzung bestatigt und damit betont. Innerhalb dieses Stilmittels befindet sich auBerdem eine herausstechende Konjunktion: „Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen Gerechte zu rufen, sondern Sunder.“ Hiermit wird die bedeutsame Zuwendung Jesu zu den Sundern hervorgehoben.27 Bedeut- sam ist sie insbesondere aufgrund von zwei Punkten. Erstens stellt sie eine exemplarische Verhaltensweise fur christliche Gemeinden dar, denn diese sollen auch Sunder als Mitglieder aufnehmen.28 Zweitens macht sie die Gna- denwahl Gottes erfahrbar, wenn man davon ausgeht, dass dieser Jesus sendet, um den Sundern die Aufnahme in Gottes Reich zu eroffnen29 und so zu leh- ren, dass man „seinen Glauben an Jesus Christus allein der freien Gnadenwahl Gottes verdankt.“30

Jener Gott schickt also seinen Sohn, um ihn auf Erden wirken und so das Reich Gottes verkundigen zu lassen.31 Dass das Wirken und Handeln Jesu im Markusevangelium von Bedeutung ist32, zeigt die zu analysierende Erzahlung durch die auffallend vielen Verben, aufgrund derer der Text dynamisch wird. Auch, dass die Perikope im Aktiv geschrieben ist, deutet darauf hin. Ferner legt die Hyperbel in Vers 13 dar, dass Jesu Wirken fur eine groBe Masse re­levant ist: „und die ganze Volksmenge kam zu ihm“.

Die fur die Verkundigung so bedeutungsschweren Handlungen Jesu beziehen sich nicht nur auf das schon entfaltete Thema der Sunde, sondern auch auf den Aspekt der Nachfolge, welcher im unmittelbaren Zusammenhang mit der Sundenvergebung steht.33 Jene Thematik stellt sich zunachst heraus, weil der berufende Sunder Levi neben Jesus als einzige Figur beim Namen genannt und so zum Protagonisten wird. Damit wird auch die Nachfolge zum Haupt- thema, sodass dieses durch einen synonymen Parallelismus in den Versen 14 und 15 betont wird. Dass der Glaubensweg aus dem Nachgang Jesu hervor- geht34, wird bei Betrachtung des einzig vorkommenden Imperativs des Textes noch deutlicher: „Folge mir nach!“ (V. 14). Eine direkte Aufforderung, die sich an alle, die die Erzahlung horen oder lesen richtet:

„Die Ereignisse werden erzahlt als Wirken Jesu in gottlicher Vollmacht in Galilaa als typischer, vorbildlicher Weg des Gottessohnes [...]. Dieses Wirken in Galilaa wird in der Zeit, die nach der Erzahlung liegt, fortgesetzt und der Weg muss von allen, die Jesus nachfolgen wollen, gegangen werden.“35

Diese gegenwartige Gultigkeit wird syntaktisch erkennbar, weil der Text nur im Prasens geschrieben ist, sobald Jesus spricht und dann wortliche Rede folgt: „Und er spricht zu ihm: Folge mir nach!“ (V. 14), „[...] und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ (V. 17). Jesus ruft also, um zu heilen und zu befreien, nicht nur zur Zeit der Erzahlung, sondern auch heute noch. Horende und Lesende, die glauben, erfahren dem- nach Erlosung36 und Rettung.37

Dieses Wirken Jesu mit fortwahrender Gultigkeit38 ist im Innersten die Auf- erstehung und damit das Fundament des Christentums.39

[...]


1 Vgl. Wischmeyer: Hermeneutik, 104.

2 Vgl. Ebner/Heininger: Exegese, 92f.

3 Vgl. ebd., 192.

4 Vgl. Schenke: Das Markusevangelium, 91.

5 Ebd.: Das Markusevangelium, 5.

6 Ebd.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.: Das Markusevangelium, 59.

9 Vgl. ebd. Das Markusevangelium, 81.

10 Vgl. Bull: Bibelkunde, 27.

11 Vgl. Bull: Bibelkunde, 26.

12 Schenke: Das Markusevangelium, 83.

13 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 121.

14 Vgl. Schenke: Das Markusevangelium, 84.

15 Prostmeier: Kleine Einfuhrung, 85.

16 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 50.

17 Vgl. Schnelle: Theologie, 376.

18 Prostmeier: Kleine Einfuhrung, 85.

19 Vgl. Schnelle: Theologie, 397.

20 Ebner/Heininger: Exegese, 94.

21 Vgl. Egger: Methodenlehre, 77.

22 Vgl. Willems: Aufbruch, 6.

23 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 12.

24 Vgl. Drewermann: Die vier Evangelien, 13.

25 Vgl. Prostmeier: Kleine Einleitung, 83.

26 Vgl. Ebner/Heininger: Exegese, 96.

27 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 120.

28 Vgl. ebd., 122.

29 Vgl. Schweizer: Das Evangelium, 31.

30 Eckey: Das Markusevangelium, 51.

31 Vgl. Schnelle: Theologie, 373.

32 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 34.

33 Vgl.: Schweizer: Das Evangelium, 31.

34 Vgl. Schnelle: Theologie, 393.

35 Schenke: Das Markusevangelium, 16.

36 Vgl. ebd., 21.

37 Vgl. Eckey: Das Markusevangelium, 391.

38 Vgl. Schenke: Das Markusevangelium, 19.

39 Vgl. Schnelle: Theologie, 397.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Berufung des Levi. Exegese Markus 2, 13-17
Hochschule
Universität zu Köln  (Lehrstuhl für evangelische Theologie)
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V427642
ISBN (eBook)
9783668717152
ISBN (Buch)
9783668717169
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berufung, levi, exegese, markus
Arbeit zitieren
Meike Vösgen (Autor), 2017, Berufung des Levi. Exegese Markus 2, 13-17, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427642

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