Entstehung und Entwicklung der Accademia della Crusca


Hausarbeit, 2007

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung: Die Vorgeschichte der italienischen Literatur

2. Die Questione della lingua
2.1. Die Questione della lingua im Cinquecento ( 16. Jh.)
2.2 Die Bedeutung der Questione della lingua für die anderen romanischen Sprachen

3. Die Gründung der Accademia della Crusca und ihre Ziele

4. Die verschiedene Auflagen des Wörterbuchs
4.1 Die erste Auflage des Wörterbuchs
4.2. Die zweite Auflage
4.3. Die dritte Auflage
4.4.1. Die vierte Auflage
4.4.2. Der Zusammenschluss der florentinischen Akademien
4.5. Die Neugründung der Accademia und die fünfte Auflage ( 1863- 1923)

5. Die weitere Geschichte der Accademia

6. Die Accademia della Crusca heute

7. Resümee

8. Bibliographie

1. Einleitung: Die Vorgeschichte der italienischen Literatur

Im Mittelalter ist die lateinische Sprache die Schriftsprache einer intellektuellen Minderheit. Latein ist die Kirchensprache, die Universitätssprache und die Literatursprache. Die Mehrheit des Volkes hingegen besteht zum Großteil aus Analphabeten.

960 n. Chr. werden die Placiti Cassini (Eidesformeln) bei Gericht in der Volkssprache vorgelesen und protokolliert.

Die erste bedeutende Literaturtradition Italiens entstand erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also wesentlich später als die der provenzalischen und französischen Literatur, und zwar vornehmlich am süditalienischen Hof des Staufers Friedrich II. Sie war dem Vorbild der provenzalischen Lyrik verpflichtet, verwendete aber das Sizilianische. Es handelt sich hierbei um die Scuola siciliana. Damit entstand eine erste italienische Schriftsprache. Auch die am Hof lebenden toskanischen Dichter verwenden dieses entdialektalisierte Sizilianisch. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts liegt dann die Überlieferung der Scuola siciliana in toskanischen Händen, denn Pisa, Lucca und Arezza entwickeln sich zu kulturellen Zentren, in denen die Tradition der Scuola siciliana fortgeführt wird.

Im 13. Jahrhundert wächst auch die politische Bedeutung von Florenz und Siena und je mehr diese Bedeutung wächst, umso mehr verstärkt sich ab Mitte des 13. Jahrhunderts dort der Gebrauch des Volgare fiorentino bei der Abfassung schriftlicher Texte, das heißt sowohl bei der Erstellung von Urkunden als auch im literarischen Bereich.

Natürlich gibt es auch in Florenz wichtige Dichter, doch zum eigentlichen Durchbruch kommt es erst, als Florenz den dolce stil nuovo, eine Tradition, die von Bologna ausgeht, übernimmt und zum führenden kulturellen und literarischen Zentrum wird.

Dante Alighieri verfasst eine Darstellung der italienischen Dialekte. Er befürwortet volkssprachige Predigten, Prosa und Lyrik. Im florentinischen Dialekt schreibt Dante seine Divina Commedia.

Auch Boccaccio und Petrarca schreiben im toskanischen Dialekt. Zusammen mit Dante werden diese drei großen Autoren des 14. Jahrhunderts Le tre corone bezeichnet.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Florentinische nicht mehr als Volgare betrachtet, sondern war zur Schrift- und Literatursprache geworden. Dem zugrunde liegt aber die Questione della lingua, die mit der Erfindung des Buchdrucks zusammenhängt.

2. Die Questione della lingua

2.1. Die Questione della lingua im Cinquecento ( 16. Jh.)

Hierbei handelt es sich um die Frage, welche Sprache am geeignetsten war, welche Sprache bzw. Dialekt Norm werden soll. Ziel war es eine Nationalsprache für Intellektuelle und für die Literatur zu finden.

Die Questione della lingua wurde durch die Erfindung des Buchdrucks angetrieben.

Hierbei gab es verschiedene Vorschläge:

(1) Pietro Bembo war der Vertreter für das archaische Toskanisch, das literarische

Toskanisch aus dem Trecento. Für ihn waren die tre corone richtungweisend, ihre

Sprache der Literatur. Dieser Tendenz folgten Autoren wie L. Ariosto und J. Sannazaro.

(2) Machiavelli orientierte sich an dem modernen Toskanisch und dem aktuellen

Florentinisch. Er sprach sich für eine florentinità contemporanea aus. Auch Claudio Tomolei und Giovan Battista Gelli waren Vertreter dieser Position.

(3) Girolamo Muzio war für eine archaisierte und zusammengesetzte Literatursprache, der lingua composta, deren Elemente sollten aus dem Volgari ganz Italiens, also nicht nur aus dem der Toskana, stammen. In diesem Zusammenhang sprach er von einer lingua italiana.

(4) Baldassare Castiglione forderte eine moderne Sprache. Er vertrat die These einer lingua cortigiana, die von Menschen aus den verschiedenen Landesteilen Italiens an den großen Höfen, wie zum Beispiel in Rom, Ovino und Ferrara, gesprochen wird. Die lingua cortigiana sollte eine Sprache sein, die alle Dialekte vereinte. Dies bedeutet jedoch die Bindung an eine elitäre Schicht.

Ein weiterer Vertreter dieser Position war Giangiorio Trissino, dessen Vorbild das Griechische war. Er wollte eine lingua cortigiana und die italianità del volgare letterario.

(5) Sperone Speroni war für das Toskanische als Basissprache mit Einflüssen aus den anderen Dialekten.

Bembo erhielt mit seiner Position die meisten Fürsprecher. Er arbeitete mit einem Verleger bzw. Drucker eng zusammen.

Die Diskussion des 16.Jahrhunderts führte zur Herausgabe einiger Grammatiken und Wörterbücher.

In diesem Zusammenhang gründete man die Accademia della Crusca.

2.2 Die Bedeutung der Questione della lingua für die anderen romanischen Sprachen

Die Sprachenfragen, die in Frankreich und Spanien im 16. Jahrhundert auftauchen, stellen kein echtes Problem dar, sondern sind zum großen Teil unter dem Einfluss der Vorgänge in Italien und unter dem Einfluss des italienischen Humanismus entstanden.

3. Die Gründung der Accademia della Crusca und ihre Ziele

In der ersten Hälfte des 16. Jh. existierte bereits die Accademia Fiorentina, die durch den florentinischen Hof gegründet wurde.

1582-1582 wurde die Accademia della Crusca in Florenz gegründet. Zu Anfang bestand die Gesellschaft nur aus einer Gruppe von Gelehrten, die sich scherzhaft als “ crusconi“ (Kreieflocken) bezeichneten. Ihr Ziel war es, nach dem Motto “die Spreu vom Weizen zu trennen“, die italienische Sprache zu wahren und zu fördern.

Als Symbol der Gesellschaft wurde eine Mehlmühle gewählt, wobei die Reinheit des Mehles eine Metapher für die Reinheit der Sprache war. Jedes Mitglied der Gesellschaft hatte einen Beinamen und ein Motto, das etwas mit Kleie (ital.: crusca), Weizen und Brot zu tun hat und musste der Accademia sein Wappen in Form einer Holzschaufel (pale) schenken.

Die Gründer der Accademia waren Giovan Battista Deti, il Sollo (jemand, der etwas abtritt), Anton Francesco Grazzini, il Lasca (Rotfeder), Bernardo Canigiani, il Gramolato (der Durchgeknetete), Bernardo Zanchini, il Macerato (der Eingeweichte/der Ausgelaugte), Bastiano de` Rossi, l`Inferigno (der Unverletzliche), Lionardo Salviati, l`Infarinato (der Mehlierte).

Erst mit Salviatis Eintritt in die Accademia 1583 beginnen ernsthafte philologische Überlegungen.

Es wurden bestimmte maßgebliche Regeln festgelegt. Wie schon oben genannt, hießihr Programm Separare il fior di farina (=la lingua) dalla crusca.

Ihr Ziel war die Auffassung Bembos fortzusetzen, d.h. das Primat des volgare fiorentino, der sich an den Autoren des Trecento (14. Jh.) orientiert.

Nach dem Tod Salviatis 1598 werden Ämter geschaffen: arciconsolo (Vorsteher), consiglieri (Räte), censori (Zensoren), castaldo (Gutsverwalter), massaio (Wirtschafter) und segretario (Sekretär).

1590 wird der frullone (Gerät zum Trennen der Spreu von Weizen) zum Symbol der Akademie, getreu ihres Mottos.

In diesem Jahr beginnen auch die Vorbereitungen für das erste Wörterbuch der Akademie.

Hierfür werden drei maßgebliche Texte exzerpiert: die Divina commedia von Dante, Boccaccios Decameron und Petrarcas Canzoniere.

Zur Erstellung der Wörterbücher stellt sich die Akademie folgende Methodenfrage:

1. Was geschieht mit Wörtern, die nicht in den Referenztexten vorkommen und dennoch in Gebrauch sind, wie z.B. Bezeichnungen für neue Gegenstände, für Konzepte oder Elemente des Fachwortschatzes?

2. Soll man Etymologien aufnehmen?

Der Zweck des Wörterbuches ist die Normierung der Sprache mit dem Ziel, in die Breite zu wirken, um die Sprache der Tre Corone zur Standartsprache werden zu lassen.

Aufgenommen werden Etymologien, die angenehm und dem Anliegen nützlich sind, das Wort zu erklären.

Kommen wir nun zum Aufbau des Wörterbuchs.

In den Artikeln ist jeder der Tre Corone mit einem Beispiel aus Poesie und Prosa vertreten. Von weiteren Autoren werden die schönsten Beispiele ausgewählt.

4. Die verschiedene Auflagen des Wörterbuchs

4.1 Die erste Auflage des Wörterbuchs

Um 1590 begannen sich die Aktivitäten der Akademie auf die Vorbereitung des Wörterbuchs zu konzentrieren.

Die ausgewählten Autoren, die in dem Wörterbuch zitiert wurden, sollten die Schönheit des florentinischen Dialekts des Trecento darstellen und konservieren.

Wie schon erwähnt, wurden Werke von Dante, Boccaccio und Petrarca benutzt. Des Weiteren wurden auch nachfolgende Werke der Autoren Lorenzo de`Medici, Berni, Machiavelli und Salviati selbst verwendet sowie auch Texte nichtflorentinischer Autoren wie zum Beispiel Bembo und Ariosto.

Es wurden auch Methodenfragen in Angriff genommen, vor allem über den Umgang mit den Gebrauchsformen, von denen man keine antiken Urkunden oder auch Handschriften besaß, und über das Problem der Aufnahme von Etymologien.

Auch in der Kompilierung wurden die gleichen Kriterien befolgt. Die florentinischen Autoren des Trecento wurden zuerst dort zitiert, wo es möglich war mit einem Beispiel aus der Prosa und einem aus der Poesie. Von den nichtflorentinischen Autoren wählte man die schönsten Wörter und von den zeitgenössischen florentinischen Autoren die Gebrauchsformen.

Das Wörterbuch der Accademia della Cusca wurde 1612 in Venedig gedruckt. Es weckte großes Interesse und entfachte Streitgespräche bezüglich der oben genannten Kriterien. Vielen gefiel nicht das vom Wörterbuch vorgeschlagene unkonventionelle und archaische Florentinische, welches Jahrhunderte lang in einem politisch und linguistisch getrennten Italien, den kostbarsten und reichsten Schatz der gemeinsamen italienischen Sprache und die stärkste Verbindung der italienischen Einheit darstellte. Ein unentbehrliches Mittel für all diejenigen, die in einem guten Italienisch schreiben wollten.

Es hatte großen Erfolg in ganz Europa und es wurde für die anderen Akademien ein Beispiel bezüglich der lexikographischen Methoden.

4.2. Die zweite Auflage

Die zweite Auflage des Wörterbuchs erschien 1623 ebenfalls in Venedig, herausgegeben von Bastiano de`Rossi. Im Vergleich zur ersten Auflage gab es keine signifikanten Unterschiede oder Änderungen, die Dimension des Wörterbuchs blieb noch bei einem Band, auch wenn neue Autoren aufgenommen wurden. Zu diesen gehörten Michelangelo mit den Rime, Tolomei mit den Lettere, die Gedichte von Guarino, Beoni von Lorenzo de`Medici, die Werke von Ludovico Martelli, Demetrio von Segni und die Burlesken von Luca Martini.

4.3. Die dritte Auflage

Die dritte Auflage wurde 1692 zum ersten Mal in Florenz gedruckt und war Cosimo III de` Medici gewidmet. Dieses Mal gab es drei Bände und das Wörterbuch wurde qualitativ verbessert. An den Arbeiten zu dieser Auflage, die 1648 begannen, nahmen auch gebildete Menschen teil, wie zum Beispiel Redi und Magalotti.

Leopoldo de`Medici, Gründer der Accademia del Cimento und der Beschützer der Accademia della Crusca, leistete einen persönlichen Beitrag zu diesem Wörterbuch. Er sammelte technische Termen über Berufe und Handwerke, die in diesem Wörterbuch erschienen.

Für diese Auflage wurden weitere 50 antike und zeitgenössische Autoren verwendet, unter ihnen Tasso, Segneri, Pallavicino. Doch es fehlten immer noch antike Urkunden um den tatsächlichen Gebrauch eines Wortes zu demonstrieren.

Während den Arbeiten an den Vorbereitungen zu dieser Auflage kam eine Idee zu einem weiteren interessanten Projekt, das aber kein gutes Ende fand: eine Vorbereitung zu einem etymologischen Wörterbuchs der italienischen Sprache. Aber die Publikation des Buches Origini della lingua italiana zwischen 1666 und 1669 durch den Franzosen Gilles Ménage kam der Fertigstellung des Wörterbuchs zuvor.

4.4.1. Die vierte Auflage

Die vierte Auflage erschien in Florenz. Gedruckt in sechs Bänder zwischen 1729 und 1738 von Domenico Mana Manni, war sie Gian Gastone de’ Medici gewidmet.

Schon 1696 wurden mit den Arbeiten zu dieser Auflage begonnen und viele haben sich daran beteiligt, vor allem Salvini, Rosso Antonio Martini, Andrea Alamanni und Bottari, der das Vorwort schrieb.

Die Reihe der zitierten Autoren wurde erweitert mit Gannazaro, Cellini, Menzini, Lorenzo Lippi und vielen anderen.

[...]

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Details

Titel
Entstehung und Entwicklung der Accademia della Crusca
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V427759
ISBN (eBook)
9783668718968
ISBN (Buch)
9783668718975
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Questione della lingua
Arbeit zitieren
Lisa Helfer (Autor), 2007, Entstehung und Entwicklung der Accademia della Crusca, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427759

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