Das Bild der BRD und der DDR in französischen Chansons


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Deutschlandbild während dem Krieg

3. Das Bild der BRD im französischen Chanson
3.1. Barbara
3.1.1. Der Bezug zu Deutschland
3.1.2. Göttingen
3.2. Patricia Kaas
3.2.1. Der Bezug zu Deutschland
3.2.2. D`Allemagne
3.3. Weitere Chansons über die BRD

4. Das Bild der DDR im französischen Chanson
4.1. Yves Duteil
4.1.1. Der Bezug zu Deutschland
4.1.2. L´autre côté
4.2. Weitere Chansons über die DDR

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Als literarische Gattung bietet das Chanson die Möglichkeit und damit den Vorteil, Gedanken, Impressionen und Gefühle in kurzer, gedrängter Form darzustellen. Darüber hinaus ist es eine Kunstform, bei der im Idealfall eine Entsprechung von Wort und Musik besteht, die sich nicht nur an Geist oder Verstand richtet, sondern durch Melodie, Rhythmus und Interpretation auch menschliche Emotionen anspricht.“1

Dieses Zitat beschreibt, dass das Chanson ein Ausdruck gesellschaftlicher Strömungen, Diskussionen und Gefühle ist. Ein Chanson hat eine große Breitenwirkung, denn es berührt die Menschen mit der Musik und auch der Stimme des Sängers, außerdem kann es die politischen und gesellschaftlichen Aspekte vermittelbarer machen.

Besonders in Frankreich ist das Chanson Träger und Vermittler gesellschaftlichen Bewusstseins. Das ehemals auf Straßen und Plätzen gesungene Chanson existiert heute nicht mehr, dennoch hat das moderne französische Chanson eine ähnliche Funktion. „Es kann ein Spiegel gesellschaftlicher Strömungen sein und ist oft selber Ort und Form politisch-gesellschaftlicher Auseinandersetzungen.“2

Auch das Thema Deutschland lässt sich in vielen französischen Chansons finden. Es wird jedoch nicht nur an die Kriegszeit erinnert, sondern auch in die Zukunft geblickt.

Ich werde in der folgenden Arbeit zunächst auf das Deutschlandbild während der Kriege eingehen, da die Beziehung beider Länder durch die Kriege, die Besetzung Frankreichs und die Erfahrungen der Kollaboration und der Résistance wesentlich geprägt wurden. Danach werde ich auf die Präsenz des Deutschlandbildes in den französischen Chansons Göttingen von Barbara und D`Allemagne von Patricia Kaas eingehen. Nachdem ich dann auf weitere Chansons, die von der BRD handeln, eingegangen bin, befasse ich mich mit dem Bild der DDR im französischen Chansons anhand L`autre côté von Yves Duteil und werde dann im Punkt 4.2. auf weitere französische Chansons, die sich mit dem Thema der DDR befassen, eingehen.

2. Das Deutschlandbild während dem Krieg

Das Bild der Franzosen, vor allem das der heutigen französischen Großeltern, über Deutschland ist immer noch stark kriegsbelastet. Das Deutschlandbild während der Kriege ist aus französischer Sicht durchweg negativ. Die Deutschen werden als Feinde dargestellt, die Hass, Hunger, Elend und Gefangenschaft bringen. Der Feind Deutschland muss mit allen Mitteln bekämpft werden, sogar unter Einsatz des eigenen Lebens. Er wird verhasst und muss aus dem eigenen Land verjagt werden. Auch zu diesem Thema existieren sehr viele Chansons. Bis in die 60er Jahre hinein werden Themen, die in den Chansons im Vordergrund stehen und sich mit Deutschland beschäftigen, hauptsächlich Krieg, Besetzung und Widerstand sein. „ Deutschland war immer nur der Feind, der Frankreich besetz hielt und damit den Franzosen die Freiheit nahm, Juden und andere ethnische Minderheiten verfolgte, Gräueltaten verübte und den Widerstand bekämpfte.“3 Es wird deutlich, dass den Franzosen die Bewältigung ihrer Vergangenheit Schwierigkeiten bereitet. Dieses negative Deutschlandbild, das aus der Vergangenheit entstanden ist, ruht teilweise immer noch in den Hinterköpfen mancher Franzosen und ist die Quelle vieler Vorurteile. Aber dennoch sind in der deutsch-französischen Vergangenheit nicht nur Kriegserinnerungen zu finden, sondern auch viele Jahre des kulturellen Austauschs. Hier entsteht parallel zum Bild eines kriegerischen Militärstaats, das Bild eines romantischen Deutschlands- das Land der Dichter und Denker4. Der Konflikt dieser beiden Deutschlandbilder trug sich über zwei Jahrhunderte hinweg und lässt sich immer wieder in der Literatur, in den Medien, im Fernsehen und in den französischen Chansons wieder finden.

3. Das Bild der BRD im französischen Chanson

3.1. Barbara

3.1.1. Der Bezug zu Deutschland

Barbara wurde am 9. Juni 1930 in Paris als Monique Andrée Serf geboren. Ihr Vater war Elsässer und die Familie jüdisch. Als sie 10 Jahre alt war, floh sie mit ihrer Familie aus dem von Deutschland besetzen Teil Frankreichs. 1947 begann sie klassische Musik am Pariser Konservatorium zu studieren. Erst in den 60er Jahren kam ihre Karriere richtig in Schwung. 1964 wurde sie von einem Schauspieler nach Göttingen, einer Universitätsstadt, ins Junge Theater eingeladen. Ursprünglich sollte sie nur 2 Tage bleiben, blieb dann aber acht Tage. Am letzten Tag komponierte sie das Stück Göttingen, in dem sie ihre dort gesammelten Eindrücke verwendet. Dieses Lied ist anfangs nicht sehr beliebt in Frankreich. Erst später wird es als ein Lied, das zur deutsch-französischen Verständigung dient, sehr beliebt. 1967 hat Barbara sogar ein Album mit deutschen Versionen einiger ihrer Chansons veröffentlicht. Von der Stadt Göttingen wurde Barbara mehrmals ausgezeichnet.5 Am 24.11.1997 starb Barbara in Neuilly-sur-Seine.

Schon in ihrer Biographie kann man einen Deutschlandbezug herstellen. Sie musste vor den Deutschen fliehen, was eigentlich ihr Deutschlandbild hätte negativ beeinflussen können.

3.1.2. Göttingen

Im Juni 1964 kam die Chansonsängerin zu einem Gastspiel nach Göttingen, in dessen Rahmen das Chanson Göttingen entstand.

Gleich am Anfang des Chansons stellt Barbara einen Vergleich an zwischen Paris und Göttingen und kommt dabei zum Ergebnis, dass es in Göttingen auch ganz schön ist: « Mais c`est bien joli tout de même à Göttingen à Göttingen » (Strophe 1, Zeile 3f). Auch die Kinder sind in ihren Augen gleich: « Mais les enfants ce sont les mêmes à Paris ou à Göttingen » (Strophe 8, Zeile 3f). Hiermit ist wohl gemeint, dass diese Kinder den Krieg nicht bewusst miterlebt haben. Außerdem stellen die „blonden Kinder“, die sich wortlos verstehen, über die sprachlichen Schwierigkeiten hinweg: « quand ils ne savent rien nous dire, ils restent là à nous sourire, mais nous les comprenons quand même, les enfants blonds de Göttingen » (Strophe 7). Diese Kinder stellen Hoffnungsträger für eine hoffentlich kriegsfreie Zukunft dar. Des Weiteren findet eine Anspielung auf die Universität von Göttingen, die vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft hervorragend ist, statt: « Ils savent mieux que nous je pense l´histoire de nos rois de France » (Strophe 3, Zeile 1f). Außerdem wird auch auf das Wirken der Brüder Grimm in Göttingen angespielt6: « Mais les contes de notre enfance «Il était une fois » commencent à Göttingen » (Strophe 4, Zeile 2ff). Deutschland erscheint hier als Ursprungsland der Märchen, die auch in Frankreich bekannt sind. Die Sängerin will hier die Gemeinsamkeit beider Länder betonen und stellt „ Deutschland als Wiege der französischen Kultur“7 dar. Natürlich tauchen in diesem Chansons auch Stereotypen auf, wie zum Bespiel die « enfants blonds de Göttingen » (Strophe 7, Zeile 4) oder auch die typischen deutschen Vornamen « Herman, Peter, Helga et Hans » (Strophe 3, Zeile 3).

Am Ende des Chansons blickt Barbara in die Zukunft und sagt, dass sie weinen werde, falls es wieder zum Krieg käme: « Et lorsque sonnerait l`alarme, s`il fallait reprendre les armes, mon cœur verserait une larme pour Göttingen, pour Göttingen » (Strophe 10).

Dieses Stück war in Frankreich sehr beliebt und leistete so einen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung, denn das Bild, das Barbara von Deutschland hat, ist kein Feindbild. „ Das Chanson will die Vergangenheit nicht vergessen machen, doch es zeichnet ein anderes Bild, das den gegenwärtigen Verhältnissen mehr entsprach als der ausschließliche Blick in die Vergangenheit.“8

3.2. Patricia Kaas

3.2.1. Der Bezug zu Deutschland

Patricia Kaas wurde als jüngstes von sieben Kindern am 05.12.1966 in Forbach/Lothringen geboren. Ihr Vater war Franzose und ihre Mutter Deutsche. Die Sängerin wuchs in Stiring-Wendel, einem Ort zwischen Forbach und Saarbrücken auf der französischen Seite der Grenze, auf. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr sprach sie nach eigenen Angaben ausschließlich den saarländischen Dialekt. Mit 13 Jahren gelang ihr eine erster Schritt ins professionelle Musikgeschäft: Sie erhielt einen Vertrag im Saarbrücker Club „Rumpelkammer“9. 1985 wurde sie von Gérard Depardieu entdeckt.

Aus ihrer deutsch-französischen Herkunft resultiert auch ihr Engagement für die Freundschaft beider Länder, für das sie auch mehrmals geehrt und ausgezeichnet wurde.10

Ein Themenkreis ihres Repertoires beschäftigt sich mit biographischen Chansons. „ Im Stil des (Selbst-) Porträts- allerdings mit der Einschränkung, dass sie ihre Texte nicht selbst schreibt, werden die Herkunft der Sängerin und ihr musikalisches Credo thematisiert.“11 Zu diesem Themenkreis gehören unter anderem Souvenirs de l`est und D`Allemagne, in denen persönliche Impressionen und Erinnerungen der Sängerin verarbeitet werden.

3.2.2. D`Allemagne

Wie schon im letzten Unterkapitel geschrieben, hat Patricia Kaas dieses Lied nicht selbst verfasst. Das Lied wurde von Didier Barbelivien für die Sängerin geschrieben, der dieses Chanson in Bezug auf ihre Biographie und ihr Leben verfasste. Der Titel dieses Chansons erinnert an das Buch De l`Allemagne von Madame de Staël vom Beginn des 19.Jahrhunderts.

In der ersten Strophe wird mit « la pluie en vacances » auf das von Regen geprägte Wetter in Deutschland angespielt.12 Auch geht die erste Strophe auf die Kindheit der Sängerin mit Deutschland ein. Sie verbringt dort ihre Ferien, hört den « rock en silence » und hat viele Erinnerungen an die „andere Seite“.

In der zweiten Strophe wird Kritik an der Vergangenheit Deutschlands geübt: « l`histoire passée est une injure ». Die „schlafenden Gewehre“ könnten auf die vormals von Deutschland für Frankreich ausgehende Bedrohung stehen und somit ein eher negatives Deutschlandbild darstellen.

[...]


1 Böckmann, Ralf und Christine Mutz. S.37.

2 Böckmann, Ralf und Christine Mutz. S.42.

3 Böckmann, Ralf und Christine Mutz: Das Deutschlandbild im französischen Chanson. S.37.

4 vgl Kolboom, Ingo: Das Bild vom Nachbarn: Zur Rolle nationaler Klischees in der Entwicklung der

deutsch -französischen Beziehung am Beispiel französischer Deutschlandbilder.

5 Am 24.04.1988 wurde Barbara die Ehrenmedaille der Stadt Götingen verliehen und am Haus Geismar-

landstraße 19, dem ehemaligen Spielort des Jungen Theaters, wurde am 22. November 2002, 5 Jahre

nach ihrem Tod, eine Gedenktafel enthüllt. Außerdem wurde am selben Tag in einem Göttinger Stadt-

teil die Barbarastraße eingeweiht, um an die Sängerin zu erinnern.

6 Die Brüder Grimm waren Mitglieder der „Göttinger Sieben“, einer Gruppe von Professoren, die 1837

gegen die Aufhebung des Staatsgrundgesetzes von 1833 protestierten und dafür ihrer Ämter enthoben

wurden.

7 Dumiche, Béatrice: Das Deutschlandbild im französischen Chanson. In: Neusprachliche Mitteilungen aus

Wissenschaft und Praxis vereinigt mit Die Neueren Sprachen. S.167.

8 Böckmann, Ralf und Mutz, Christine. S.41.

9 vgl www.patriciakaas.biz/bio.htm.

10 Im Jahr 2000 erhielt sie den Adenauer-de Gaulle-Preis, 2003 erhielt Patricia Kaas ein Bundesverdienst -

kreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft. 2006 wurde sie zur saarländischen

Botschafterin ernannt.

11 Oberhuber, Andrea: Chanson(s) de femme(s) : Entwicklung und Typologie des weiblichen Chansons in

Frankreich 1968-1993. S.172.

12 Dieses Thema wird auch in C`est à Hambourg von Edith Piaf aufgegriffen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Bild der BRD und der DDR in französischen Chansons
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V427762
ISBN (eBook)
9783668717275
ISBN (Buch)
9783668717282
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, chansons
Arbeit zitieren
Lisa Helfer (Autor), 2008, Das Bild der BRD und der DDR in französischen Chansons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427762

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