Besonders in Frankreich ist das Chanson Träger und Vermittler gesellschaftlichen Bewusstseins. Das ehemals auf Straßen und Plätzen gesungene Chanson existiert heute nicht mehr, dennoch hat das moderne französische Chanson eine ähnliche Funktion. „Es kann ein Spiegel gesellschaftlicher Strömungen sein und ist oft selber Ort und Form politisch-gesellschaftlicher Auseinandersetzungen“. (Böckmann, Ralf und Christine Mutz) Auch das Thema Deutschland lässt sich in vielen französischen Chansons finden. Es wird jedoch nicht nur an die Kriegszeit erinnert, sondern auch in die Zukunft geblickt.
Ich werde in dieser Arbeit zunächst auf das Deutschlandbild während der Kriege eingehen, da die Beziehung beider Länder durch die Kriege, die Besetzung Frankreichs und die Erfahrungen der Kollaboration und der Résistance wesentlich geprägt wurden. Danach werde ich auf die Präsenz des Deutschlandbildes in den französischen Chansons Göttingen von Barbara und D'Allemagne von Patricia Kaas eingehen. Nachdem ich dann auf weitere Chansons, die von der BRD handeln, eingegangen bin, befasse ich mich mit dem Bild der DDR im französischen Chansons anhand L'autre côté von Yves Duteil und werde dann im Punkt 4.2. auf weitere französische Chansons, die sich mit dem Thema der DDR befassen, eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Deutschlandbild während dem Krieg
3. Das Bild der BRD im französischen Chanson
3.1. Barbara
3.1.1. Der Bezug zu Deutschland
3.1.2. Göttingen
3.2. Patricia Kaas
3.2.1. Der Bezug zu Deutschland
3.2.2. D`Allemagne
3.3. Weitere Chansons über die BRD
4. Das Bild der DDR im französischen Chanson
4.1. Yves Duteil
4.1.1. Der Bezug zu Deutschland
4.1.2. L´autre côté
4.2. Weitere Chansons über die DDR
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Deutschland, sowohl der BRD als auch der DDR, innerhalb des französischen Chansons. Dabei wird analysiert, wie sich das Bild des Nachbarlandes von einem kriegsbelasteten Feindbild hin zu einer differenzierteren Wahrnehmung entwickelt hat, die gesellschaftliche Strömungen und den Wunsch nach Versöhnung widerspiegelt.
- Die historische Prägung des Deutschlandbildes durch die Weltkriege.
- Die Rolle des Chansons als Spiegel gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen.
- Die Analyse spezifischer Interpretationen (z.B. Barbara, Patricia Kaas, Yves Duteil).
- Der Übergang von der Erinnerungskultur zur Zukunftsperspektive.
- Die symbolische Verarbeitung von Teilung, Mauerfall und inneren Mauern.
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Göttingen
Im Juni 1964 kam die Chansonsängerin zu einem Gastspiel nach Göttingen, in dessen Rahmen das Chanson Göttingen entstand.
Gleich am Anfang des Chansons stellt Barbara einen Vergleich an zwischen Paris und Göttingen und kommt dabei zum Ergebnis, dass es in Göttingen auch ganz schön ist: « Mais c`est bien joli tout de même à Göttingen à Göttingen » (Strophe 1, Zeile 3f). Auch die Kinder sind in ihren Augen gleich: « Mais les enfants ce sont les mêmes à Paris ou à Göttingen » (Strophe 8, Zeile 3f). Hiermit ist wohl gemeint, dass diese Kinder den Krieg nicht bewusst miterlebt haben. Außerdem stellen die „blonden Kinder“, die sich wortlos verstehen, über die sprachlichen Schwierigkeiten hinweg: « quand ils ne savent rien nous dire, ils restent là à nous sourire, mais nous les comprenons quand même, les enfants blonds de Göttingen » (Strophe 7). Diese Kinder stellen Hoffnungsträger für eine hoffentlich kriegsfreie Zukunft dar.
Des Weiteren findet eine Anspielung auf die Universität von Göttingen, die vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft hervorragend ist, statt: « Ils savent mieux que nous je pense l´histoire de nos rois de France » (Strophe 3, Zeile 1f). Außerdem wird auch auf das Wirken der Brüder Grimm in Göttingen angespielt: « Mais les contes de notre enfance «Il était une fois » commencent à Göttingen » (Strophe 4, Zeile 2ff). Deutschland erscheint hier als Ursprungsland der Märchen, die auch in Frankreich bekannt sind. Die Sängerin will hier die Gemeinsamkeit beider Länder betonen und stellt „Deutschland als Wiege der französischen Kultur“ dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Chansons als kulturelle Gattung und Erläuterung des Untersuchungsgegenstands zur Entwicklung des Deutschlandbildes.
2. Das Deutschlandbild während dem Krieg: Analyse der kriegsbelasteten Wahrnehmung der Deutschen als Feind und die damit verbundenen Vorurteile.
3. Das Bild der BRD im französischen Chanson: Untersuchung, wie Künstler wie Barbara und Patricia Kaas das Bild der BRD durch persönliche Biographien und Zukunftsblicke wandeln.
4. Das Bild der DDR im französischen Chanson: Betrachtung der künstlerischen Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung und dem Fall der Mauer anhand von Beispielen wie Yves Duteil.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung des Wandels vom Feindbild zur Annäherung und zum wachsenden Interesse am deutschen Nachbarn.
Schlüsselwörter
Deutschlandbild, französisches Chanson, BRD, DDR, Kriegserfahrung, Erinnerungskultur, Versöhnung, Deutsch-französische Beziehungen, Identität, Barbara, Patricia Kaas, Yves Duteil, Mauerfall, Vorurteile, Kulturtransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Deutschland in französischen Chansons und wie diese Lieder das Bild von der BRD und der DDR über die Jahrzehnte hinweg verändert haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit, der Rolle der Biografie der Künstler bei der Wahrnehmung Deutschlands sowie der Symbolik von Mauer und Wiedervereinigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Chanson als gesellschaftliches Medium dazu beitrug, starre Feindbilder abzubauen und den Weg für eine deutsch-französische Verständigung zu ebnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Chanson-Texte durchgeführt, ergänzt durch biographische Hintergründe der Künstler und historisch-politische Kontexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kriegsbelasteten Deutschlandbildes, die Analyse konkreter Chansons über die BRD (Barbara, Kaas) und die Betrachtung der DDR-Thematik (Duteil, Balavoine).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Deutschlandbild, deutsch-französische Beziehungen, Chanson, Erinnerungskultur, Identität und Versöhnung.
Wie trägt Barbara in ihrem Lied "Göttingen" zur Völkerverständigung bei?
Barbara bricht durch die positive Darstellung der Stadt und ihrer Bewohner mit der Tradition des Feindbildes und betont stattdessen Gemeinsamkeiten wie die Märchen der Brüder Grimm.
Welche Rolle spielt die Biografie von Patricia Kaas für ihre Deutschlandlieder?
Durch ihre saarländische Herkunft und ihre grenznahe Kindheit verarbeitet Kaas in ihren Liedern eine biographisch begründete Zerrissenheit und Versöhnung mit der deutschen Geschichte.
- Arbeit zitieren
- Lisa Helfer (Autor:in), 2008, Das Bild der BRD und der DDR in französischen Chansons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427762