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Ostdeutsch-Westdeutsch. Ein linguistischer Vergleich

Title: Ostdeutsch-Westdeutsch. Ein linguistischer Vergleich

Seminar Paper , 2001 , 21 Pages , Grade: 2

Autor:in: Natalia Schlichter (Author)

German Studies - Linguistics
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1. Die Hintergründe der Sprachuntersuchungen in der Geschichte
Jede natürlich-historische Sprache hat die Eigenschaft sich im zeitlichen Verlauf zu verändern. Das ist durch ein großes sprachwissenschaftliches Interesse gekennzeichnet. Viele Möglichkeiten zur Untersuchung dieses Problems bietet die Geschichte selbst.
Seit der Entstehung zweier souveräner Staaten nach dem zweiten Weltkrieg - der kapitalistischen BRD und sozialistischen DDR - auf dem Territorium des ehemaligen Deutschen Reiches wurde von der Sprachwissenschaft ins Zentrum der Untersuchungen die Frage gestellt, welche Konsequenzen damit für die weitere Entwicklung der deutschen Sprache verbunden sind. Diese Frage wurde auf unterschiedlichste Weise beantwortet, was durch ihre politische Relevanz zu erklären ist. Zwei Fragen, zwei Aspekte stehen im Mittelpunkt der Ausführungen: zum Einen, die
,,Besonderheit der Sprache in einem der beiden Staaten, die durch die Konfrontation zur Sprache im jeweils anderen Staat gewonnen wurde, und zum Anderen, Man beschäftigte sich de facto, nämlich in bezug auf das zugrunde gelegte Corpus, mit der deutschen Sprache in einem der beiden Staaten." (Welke 1992, 1)
Zudem fällt auf, dass die Linguisten sich mehr mit der politischen Situation, als mit der Sprache selbst, bzw. mit den Unterschieden im Wortschatz, auseinandersetzen.
Nach Jahrzehnten der Zweitstaatlichkeit in Deutschland fand nun der umgekehrte Prozess statt. Seit dem 3.10.1990 existiert wieder eine vereinigte BRD, die eigentliche ,,alte BRD", der sich der andere Staat angeschlossen hat. Die frühere Deutsche Demokratische Republik ist als Staat aufgelöst. Damit erhebt sich nun die Frage nach den sprachlichen Konsequenzen dieses Prozesses.
Insbesondere im Vergleich zweier verschiedener Staaten mit der mehr oder weniger gleichen Sprache, wird allerdings die Problematik der Benennung dieser Spracherscheinung offenbar. Waren ,,Ost- und Westdeutsch" zwei Varietäten einer gemeinsamen Sprache? Oder waren die Unterschiede zwischen DDR- und BRD-Deutsch so groß, dass es eines anderen Begriffes bedarf, z. B. ,,Nationalsprache"?
In dieser Arbeit wird versucht, diese Fragen anhand einiger wissenschaftlicher Werke zu beantworten. Zuerst werden einige Arbeiten von DDR- und BRD - Linguisten betrachtet, die in verschiedenen Jahren ihre Meinungen zu diesem Problem geäußert haben. Allerdings lässt sich diese Frage ohne Untersuchung der Sprache selbst nicht beantworten. Als nächstes werden dementsprechend die wesentlichen Aspekte der Sprache vorgestellt, die diesen Entwicklungsabschnitt der deutschen Sprache charakterisieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die Hintergründe der Untersuchungen in der Geschichte

2. Reflexion in der Linguistik

2.1. Warnung von einer Auseinanderentwicklung der Sprache in der BRD und DDR

2.2. Sonderung der DDR-Sprache

2.3. Einfluss der Politik auf die Sprache

2.4. Die Schwächung des politischen Druckes

3. Sprache in der DDR

3.1. Kernwortschatz des Marxismus

3.2. Neubenennungen

3.2.1. Typen der Benennungen nach dem benannten Objekt

3.2.2. Komplexe Benennungen, Kurzformen, Initialwörter

3.2.3. Hauptwege zur Schaffung von Neubenennungen: Neubedeutungen, Entlehnungen

3.3. Korrespondenz

3.4. Alltagssprachliche Kritik als Ausdruck eines symbolischen Gegendruckes gegen das System

3.5. Zwei Duden

4. Kommunikative Schwierigkeiten nach der Wiedervereinigung

5. Zwei Staaten – zwei Sprachen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Entwicklung in der ehemaligen DDR im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob es sich bei der sogenannten "DDR-Sprache" um eine eigenständige Varietät des Deutschen handelte und wie sich die politisch geprägten sprachlichen Strukturen auf die Kommunikation nach der Wiedervereinigung auswirkten.

  • Historische Hintergründe der sprachwissenschaftlichen Reflexion in Ost- und Westdeutschland.
  • Analyse des "Kernwortschatzes des Marxismus" und der Mechanismen der Neubenennung.
  • Einfluss der politischen Ideologie auf die Sprache und die Rolle der Entlehnungen (insb. aus dem Russischen).
  • Phänomene wie Code-Switching, Ironie als Mittel der alltagssprachlichen Kritik und deren Funktion als "symbolischer Gegendruck".
  • Kommunikative Herausforderungen und Unterschiede in der Wahrnehmung nach 1990.

Auszug aus dem Buch

3.4. Alltagssprachliche Kritik als Ausdruck eines symbolischen Gegendruckes gegen das System

Als besonderer Ausdruck des Code-Switchings erweist sich das Phänomen des Sprachwitzes – der eigenartige, das politische System ironisierende Wortschatz des Alltags.

Peter Braun in seinem Artikel „Erichs Krönung im Palazzo Protzi“ untersucht diesen Wortschatz der Sprache in der DDR unter dem Aspekt der Rolle dessen, u. z. als alltagssprachliche Kritik am sozialistischen Leben. Den Sinn der Überschrift erklärt der Autor „auf einer scheinbar unpolitischen Ebene“ (Braun 1992,35). „Erichs Krönung“ war eine parodistische Formulierung für „Mockafix“, eine Kaffeesorte. Der Palast der Republik hieß im Volksmund „Palazzo Protzi“ oder auch „Ballast der Republik“ und „Lampengeschäft Mitte“. So war es für einen Ostdeutschen verständlich und bedeutete nichts anderes als sich in der Cafeteria im „Palazzo Protzi“ eine Tasse Kaffee der Marke „Erichs Krönung“ servieren zu lassen. „ „Erichs Krönung“ war und ist keineswegs ein unikales Beispiel für ironischen Sprachgebrauch [...][,es gab] eine ganze Reihe von Wörtern, die scherzhaft bis ironisch mit der sozialistischen Wirklichkeit in der DDR umgingen“ (ebda, 35). Schon 1986 wurden ungefähr sechzig Wörter und Wendungen aufgezählt, die als „Indikator für eine DDR-spezifische Kritik“ gelten, unterstreicht der Autor.

Nicht nur der Palast der Republik, sondern auch andere Gebäude bekamen ironische Bezeichnungen. So hieß der Ostberliner Fernsehturm Telespargel. Die Ladenketten am Alexanderplatz bekamen den Übernamen Neu-Deli, wegen den teuren Deli-ketläden. Das Regierungsviertel hieß wegen den ständig ein- und ausfahrenden Volvo-Limousinen umgangsprachlich Volvograd.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Hintergründe der Untersuchungen in der Geschichte: Einleitende Darstellung der sprachwissenschaftlichen Fragestellung zur deutschen Sprache nach der Teilung.

2. Reflexion in der Linguistik: Überblick über die Etappen der DDR-Linguistik und deren Umgang mit der Sprachspaltung.

3. Sprache in der DDR: Detaillierte Untersuchung ideologisch geprägter Wortschatzbereiche, Neubenennungen und des alltäglichen Sprachgebrauchs.

4. Kommunikative Schwierigkeiten nach der Wiedervereinigung: Analyse der Probleme, die bei der Zusammenführung der unterschiedlichen Kommunikationsgemeinschaften auftraten.

5. Zwei Staaten – zwei Sprachen: Zusammenfassende Bewertung, ob die DDR-Sprache als eigenständige Varietät des Deutschen zu klassifizieren ist.

Schlüsselwörter

Soziolinguistik, DDR-Sprache, Varietät, Marxismus-Leninismus, Neubenennungen, Sprachpolitik, Code-Switching, Alltagssprache, Ironie, Sprachkritik, Wiedervereinigung, Kommunikationsgemeinschaft, Wortschatz, Ideologie, Sprachwandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachlichen Besonderheiten in der ehemaligen DDR und prüft, ob diese aufgrund ideologischer Prägung als eigenständige sprachliche Varietät gelten können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die staatlich gelenkte Wortschatzentwicklung, die Einflüsse politischer Ideologie auf die Sprache sowie die alltäglichen Strategien der ironischen Sprachkritik durch die Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob es sich bei der "DDR-Sprache" um eine eigenständige Varietät handelt und wie dies die Kommunikation nach der Wiedervereinigung beeinflusst hat.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse linguistischer Werke und Fachartikel, die die Sprachsituation in der DDR und die kommunikativen Folgen der Teilung und Wiedervereinigung untersuchten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Etappierung der DDR-Linguistik, der Entstehung neuer Begriffe durch marxistische Ideologie, Entlehnungen aus dem Russischen sowie dem Phänomen des "Sprechens in zwei Zungen" (Code-Switching).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Soziolinguistik, DDR-Sprache, Varietät, Code-Switching, Sprachkritik und Kommunikationsgemeinschaft.

Warum gab es im Osten und Westen unterschiedliche "Duden"-Ausgaben?

Seit 1954 existierten getrennte Duden-Ausgaben in Leipzig und Mannheim, was die offizielle sprachliche Abgrenzung der beiden Staaten widerspiegelte und Ausdruck der unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Realitäten war.

Welche Funktion hatte der "Sprachwitz" in der DDR-Alltagssprache?

Der Sprachwitz diente als "symbolischer Gegendruck" der Bevölkerung gegenüber einem als totalitär empfundenen Sprachgebrauch des Staates und ermöglichte es, kritische Distanz zur Ideologie zu wahren.

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Details

Title
Ostdeutsch-Westdeutsch. Ein linguistischer Vergleich
College
Saarland University  (Institut für Germanistik)
Course
Proseminar: Soziolinguistik
Grade
2
Author
Natalia Schlichter (Author)
Publication Year
2001
Pages
21
Catalog Number
V427
ISBN (eBook)
9783638103046
ISBN (Book)
9783638770736
Language
German
Tags
Ostdeutsch-Westdeutsch Vergleich Proseminar Soziolinguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natalia Schlichter (Author), 2001, Ostdeutsch-Westdeutsch. Ein linguistischer Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427
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