Im Erdkundeunterricht, ebenso wie in anderen Unterrichtsfächern, kann durch selbstständiges Lernen ein effektiveres Lernen ermöglicht werden, als es beim Frontalunterricht durch Zuhören, Lesen und Beobachten möglich ist. Experimente werden im Erdkundeunterricht nur selten oder sogar gar nicht eingesetzt. Dabei ist das Experimentieren in anderen Unterrichtsfächern, wie Physik oder Chemie, eine gängige und unumgängliche Methode, die die Basis zur Erlangung von Kenntnissen über die Natur ist. Experimente stellen einen wichtigen Bestandteil offener Unterrichtsformen dar, für den es eine Vielzahl an Vorschlägen für mögliche Experimente gibt, die sich besonders für physisch-geographische Themen eignen und gut in den Unterricht integriert werden können.
Nach Salzmann (1984) haben Experimente einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg und die Motivation der Schülerinnen und Schüler, darum stellt sich die Frage, warum Experimente eine so vernachlässigte Stellung im Erdkundeunterricht haben, obwohl sie auf die SuS positiv einwirken? Auf dieser Frage aufbauend behandelt diese Hausarbeit die Fragestellung: „Welche Funktionen erfüllen Experimente im Erdkundeunterricht und welche positiven und negativen Effekte haben sie auf den Lernerfolg und die Motivation der SuS?“
Zu Beginn dieser Arbeit wird der Begriff des Experiments definiert und erklärt, welche Klassifikationen es gibt. Anschließend wird die Funktion von Experimenten und deren Lernziele dargestellt. Des Weiteren werden in einem nächsten Kapitel die positiven und negativen Effekte von Experimenten im Erdkundeunterricht und auf die Motivation und den Lernerfolg der SuS behandelt. Im Anschluss daran werden zwei Beispiel-Experimente vorgestellt, die sich in die Unterrichtspraxis integrieren lassen könnten. Die Hausarbeit wird durch ein Fazit abgerundet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Klassifikation von Experimenten
2.1 Wissenschaftliches Experiment
2.2 Geographisches (Unterrichts-) Experiment
2.3 Klassifikation
3. Funktionen von Experimenten im Erdkundeunterricht
3.1 Lernziele
3.1.1 Kognitive Lernziele
3.1.2 Instrumentale Lernziele
3.1.3 Soziale Lernziele
3.2 Problemlösendes Lernen
3.3 Entdeckendes Lernen
3.4 Forschendes Lernen
4. Effekte von Experimenten im Erdkundeunterricht
4.1 Positive Effekte
4.2 Negative Effekte
4.3 Schülermotivation
5. Verlaufsphasen des Experimenteinsatzes
5.1 Methodische Planung
5.2 Verlaufsphasen
5.3 Beispiele für die Unterrichtspraxis
5.3.1 Experiment zum Einfluss der Temperatur auf das Luftvolumen (nach Otto 2009, S. 9f.)
5.3.2 Wüstendedektive: Schüler entwickeln Experimente zur Erklärung von Dünenformen (nach Breitbach 2009, S. 32 f)
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Experimenten im Erdkundeunterricht, um zu klären, welche Funktionen diese erfüllen und wie sie sich auf den Lernerfolg sowie die Motivation der Schülerinnen und Schüler auswirken. Dabei wird analysiert, warum das Experimentieren trotz seines hohen didaktischen Wertes in der Praxis oft vernachlässigt wird.
- Definition und Klassifikation von Experimenten im geographischen Kontext.
- Die pädagogische Funktion und Lernziele des Experimentierens.
- Positive und negative Effekte auf Lernerfolg und Schülermotivation.
- Strukturierung von Verlaufsphasen im experimentellen Unterricht.
- Praktische Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung im Schulunterricht.
Auszug aus dem Buch
3. Funktionen von Experimenten im Erdkundeunterricht
Experimente im Erdkundeunterricht werden wie bereits erwähnt von einigen Didaktikern nicht als vollwertige Experimente angesehen. Dabei stellt sich die Frage, ob es überhaupt von entscheidender Bedeutung in Bezug auf die SuS ist, dass ein Experiment allen Anforderungen eines wissenschaftlichen Experiments erfüllt. Viel wichtiger ist es, dass es den SuS einen Mehrwert gibt und die Unterrichtsstunde eine Bereicherung für sie ist (Breitbach 2009, S. 31).
Experimente im Erdkundeunterricht ermöglicht es den SuS einen Einblick in Prozesse zu erlangen, die aus zeitlichen oder räumlichen Gründen nicht in der Realität beobachtet werden können. Diese Phänomene werden im Klassenzimmer in verkleinertem Maßstab und in zeitlicher Raffung für die SuS nachgestellt und einzelne Variablen bewusst verändert. So können die SuS einen Einblick und Kenntnisse über naturgesetzliche Abläufe erhaschen. Gerade bei Schülerexperimenten wird das kreative Denken der SuS gefordert und gefördert, indem sie zu einer Problemstellung möglichst selbstständig einen Experimentansatz entwickeln um zu einer Lösung des Problems zu gelangen (Haubrich, Reinfried 2015, S. 146).
Dadurch wird nicht nur das problemlösende Denken gefördert, sondern auch entdeckendes, forschendes und vernetztes Denken, da die SuS durch die Verbindung von Theorie und Praxis mehrere Lernkanäle gleichzeitig aktivieren. (Otto 2009, S. 8).
Den SuS wird nicht nur reines Fachwissen vermittelt, womit sie einen Vorgang beschreiben können, sie können beim Experimentieren auch erkennen, warum sich dieser Vorgang abspielt. Sie verstehen also die Ursache und Wirkung hinter den beobachteten Phänomenen (Salzmann 1981, S. 14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz von Experimenten als aktivierende Lehrmethode im Erdkundeunterricht und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Definition und Klassifikation von Experimenten: Dieses Kapitel definiert den Experimentbegriff und differenziert zwischen wissenschaftlichen Forschungsexperimenten und dem didaktisch reduzierten Geographie-Experiment.
3. Funktionen von Experimenten im Erdkundeunterricht: Hier werden die kognitiven, instrumentalen und sozialen Lernziele sowie die Bedeutung für entdeckendes, forschendes und problemlösendes Lernen erläutert.
4. Effekte von Experimenten im Erdkundeunterricht: Das Kapitel beleuchtet die positiven Einflüsse auf den Kompetenzerwerb sowie die negativen Aspekte wie Zeit- und Materialaufwand oder mangelnde Integrationsmöglichkeiten im Lehrplan.
5. Verlaufsphasen des Experimenteinsatzes: Es werden methodische Planungshinweise gegeben und die verschiedenen Phasen eines Experiments sowie konkrete Anwendungsbeispiele für die Unterrichtspraxis vorgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Experimente eine hochwirksame Methode zur Vermittlung physisch-geographischer Zusammenhänge sind, deren Potenzial durch eine stärkere Verankerung in der Lehrerausbildung besser genutzt werden sollte.
Schlüsselwörter
Erdkundeunterricht, Experimente, Schülerexperimente, Geographiedidaktik, entdeckendes Lernen, forschendes Lernen, Problemlösung, Lernerfolg, Schülermotivation, fachliche Kompetenz, Naturphänomene, Unterrichtsplanung, Modellversuch, physische Geographie, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und den Funktionen von Experimenten innerhalb des Erdkundeunterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition und Klassifikation von Unterrichtsexperimenten, deren Einfluss auf die Motivation sowie die didaktische Planung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Funktionen von Experimenten zu ergründen und die positiven wie negativen Effekte auf den Lernerfolg der SuS zu beleuchten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse geographiedidaktischer Literatur, um den Wert und die praktischen Anforderungen an Experimente im Unterricht theoretisch zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lernziele, die didaktische Einordnung der Methode sowie die praktische Umsetzung durch Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geographiedidaktik, Schülerexperimente, entdeckendes Lernen, Methodenvielfalt und Kompetenzentwicklung.
Warum werden Experimente im Geographieunterricht oft als "Stiefkinder" bezeichnet?
Der Begriff rührt daher, dass sie im Vergleich zu Fächern wie Physik oder Chemie seltener eingesetzt werden, oft aufgrund organisatorischer Hürden oder fachlicher Unsicherheiten bei Lehrkräften.
Welche Bedeutung haben die "Wüstendedektive" in dieser Arbeit?
Sie dienen als konkretes Praxisbeispiel für ein Schülerexperiment, bei dem eigenständige Hypothesenbildung und Versuchsaufbau im Vordergrund stehen.
Inwiefern beeinflussen Experimente die Motivation der SuS?
Durch die aktive Selbsttätigkeit und den Bruch mit dem klassischen Frontalunterricht wecken Experimente Neugier und fördern das Interesse an komplexen geographischen Prozessen.
Was ist bei der Transferphase eines Experiments besonders wichtig?
Es ist entscheidend, die im Modell gewonnenen Erkenntnisse wieder auf die reale geographische Wirklichkeit zurückzubeziehen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
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- Laura Hartmann (Author), 2018, Lernerfolg und Motivation. Welche Funktionen erfüllen Experimente im Erdkundeunterricht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428094