Wittgensteins Philosophische Untersuchungen sind eine Reihe von „Bemerkungen“.1 Sie können aufeinanderfolgend einen bestimmten Themenbereich beleuchten, sind aber nicht in jedem Fall fortlaufend gemeint. Nicht selten endet eine dieser Bemerkungen in einer Reihe von Fragen (§§ 20, 80, 86, 388 zum Beispiel) oder einer Aufforderung (§§ 27, 72, 166, 167 wieder nur als Auswahl), die – dem Kontext entrissen – zum Denken anzuregen scheint.
Deshalb lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich das Werk als rätselhaft bezeichne. Den PU geht allerdings ein vom Autor selbst verfasstes Vorwort voran, das wertvolle Hinweise bietet, wenn wir voraussetzen, dass Wittgenstein tatsächlich etwas daran lag, verstanden zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle des Vorworts für die Interpretation
2.1 Absichten und Zielsetzungen Wittgensteins
2.2 Der Wandel zwischen den Abhandlungen und den Untersuchungen
3. Strukturelle Analyse der Philosophischen Untersuchungen
3.1 Formale Gestaltung und Gedankenführung
3.2 Die Entstehungsgeschichte und methodische Herangehensweise
4. Kritische Würdigung der Interpretation
4.1 Grenzen der Textauslegung
4.2 Methodische Herausforderungen bei der Annahme von Autorenabsichten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Vorwort zu Ludwig Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen", um anhand der dort formulierten Hinweise ein tieferes Verständnis für die Struktur und die Absichten des Gesamtwerkes zu gewinnen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Wittgenstein selbst den Übergang von seinem Frühwerk zu seinem Spätwerk wahrnahm und welche methodischen Implikationen sich daraus für die Interpretation seiner "Bemerkungen" ergeben.
- Analyse der expliziten und impliziten Absichten Wittgensteins im Vorwort
- Untersuchung der strukturellen Differenz zwischen den Abhandlungen und den Untersuchungen
- Methodische Reflexion zur Interpretation von Autorenabsichten in philosophischen Texten
- Auseinandersetzung mit der Form der "Bemerkung" als philosophischem Ausdrucksmittel
- Kritische Prüfung der Annahme, dass Wittgenstein ein abgeschlossenes philosophisches System anstrebte
Auszug aus dem Buch
Welche Hinweise auf den Gegenstand der „Philosophischen Untersuchungen“ Wittgensteins finden sich im Vorwort derselben?
Wittgensteins Philosophische Untersuchungen sind eine Reihe von „Bemerkungen“. Sie können aufeinanderfolgend einen bestimmten Themenbereich beleuchten, sind aber nicht in jedem Fall fortlaufend gemeint. Nicht selten endet eine dieser Bemerkungen in einer Reihe von Fragen (§§ 20, 80, 86, 388 zum Beispiel) oder Aufforderung (§§ 27, 72, 166, 167 wieder nur als Auswahl), die – dem Kontext entrissen – zum Denken anzuregen scheint.
Deshalb lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich das Werk als rätselhaft bezeichne. Den PU geht allerdings ein vom Autor selbst verfasstes Vorwort voran, das wertvolle Hinweise bietet, wenn wir voraussetzen, dass Wittgenstein tatsächlich etwas daran lag, verstanden zu werden.
Widmen wir uns zuerst dem Schluss: Die PU sollen „Andern das Denken [nicht] ersparen“, sondern „jemand zu eigenen Gedanken anregen“. Die Betrachtungen sind also dazu vorgesehen, dass über sie nachgedacht wird. Damit ist noch offen, ob sie primärer Bezugspunkt sind, also ihr Gehalt für bare Münze genommen werden soll, oder ob sie nur Auslöser sind. Auslöser sollen sie aber unbestreitbar sein und das nicht einfach, indem sie neue Themen vorstellen, über die nachgedacht werden kann, sondern auch dazu einladen, vielleicht sogar drängen sollen. Sie sollen „anregen“, also aktiv das Nachdenken bewirken, nicht bloß – eher passiv – Gelegenheit dazu bieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Interpretation von Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen" ein und verdeutlicht die Relevanz des Vorworts für das Werkverständnis.
2. Die Rolle des Vorworts für die Interpretation: Hier wird analysiert, inwiefern das Vorwort Aufschluss über Wittgensteins Absichten und seine Sicht auf das vorangegangene Werk gibt.
3. Strukturelle Analyse der Philosophischen Untersuchungen: In diesem Teil werden die formale Gestaltung der "Bemerkungen" und der methodische Prozess der Gedankenführung detailliert untersucht.
4. Kritische Würdigung der Interpretation: Das abschließende Kapitel reflektiert die methodischen Grenzen der Textinterpretation und die Problematik bei der Unterstellung von Autorenabsichten.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Logisch-Philosophische Abhandlungen, Sprachphilosophie, Vorwort, Interpretation, Bemerkungen, Denkanstoß, Autorenabsicht, Methode, Textanalyse, Denken, Philosophiegeschichte, Struktur, Verständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Vorworts zu Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen", um die vom Autor beabsichtigte Lesart und die Struktur des Werkes besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Intention des Autors, der Unterschied zwischen Früh- und Spätwerk sowie die formale Gestaltung philosophischer Texte durch "Bemerkungen".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Hinweise im Vorwort zu finden, die erklären, wie die philosophischen Gedanken Wittgensteins rezipiert werden sollen und welche methodische Funktion sie erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische und textanalytische Methode angewandt, die den Vorworttext in den Kontext des Gesamtwerks stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse der Struktur von Wittgensteins Gedankenführung und der kritischen Reflexion über interpretatorische Spielräume.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wittgenstein, Sprachphilosophie, Textinterpretation, Bemerkungen und die Differenz zwischen dem frühen und späten Wittgenstein.
Warum bezeichnet der Autor das Werk als rätselhaft?
Die Bezeichnung resultiert aus der fragmentarischen Form der "Bemerkungen", die den Leser zur eigenen philosophischen Arbeit zwingen, statt fertige Lehrsätze zu präsentieren.
Wie unterscheidet sich Wittgensteins Anspruch in den "Abhandlungen" von den "Untersuchungen"?
Während in den früheren Abhandlungen der Anspruch einer endgültigen Lösung philosophischer Probleme im Vordergrund stand, liegt der Fokus der Untersuchungen auf der Anregung zu eigenem Denken.
- Arbeit zitieren
- Tobias Tegge (Autor:in), 2014, Welche Hinweise auf den Gegenstand der "Philosophischen Untersuchungen" Wittgensteins finden sich im Vorwort derselben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428104