Climate Action. Warum Punkt 13 der Sustainable Development Goals Priorität haben muss


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
40 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Two birds with one stone? – Ergänzen sich Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit?

2. Domination, relation, cooperation? - Von dem paternalistisch angehauchten Begriff der Entwicklungshilfe hin zur neutraleren Bezeichnung der Entwicklungszusammenarbeit

3. Climate change and development policy – Wie hängen Klimaschutz und Entwicklungspolitik zusammen?
3.1. How bad is climate change? – Eine Darstellung des öffentlichen Diskurses zum Klimawandel
3.2. What we empirically know about the climate change – wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel
3.3. How environmental policy deals with climate change – Antworten der internationalen Politik auf die drohende Gefahr des Klimawandels

4. Climate change and development policy – Wie hängen Klimaschutz und Entwicklungspolitik zusammen?
4.1. We can end poverty by achieving 17 goals to transform our world – Entwicklungspolitik im Rahmen der MDGs und SDGs
4.2. Ensure environmental sustainability through climate action - Klimapolitik im Rahmen der MDGs und SDGs

5. Two birds with one stone? – Ja, aber Punkt 13 der Sustainable Development Goals, climate action, sollte eigentlich Priorität haben

6. What happens in the future? – Ein Ausblick auf die Realisierung der klimapolitischen Ziele in den SDGs

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Autorenverzeichnis

1. Two birds with one stone? – Ergänzen sich Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit ?

Der Mensch macht sich seit Jahrhunderten die Natur zu eigen. Mit Beginn der Industrialisierung nimmt dieser Prozess Formen an, was auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt ist. Die Menschen, welche über die Natur siegen, sie zu ihrem Untertan machen – ein Pyrrhussieg. Dessen sind wir uns spätestens, seit Wissenschaftler den Klimawandel als menschengemacht aufgedeckt und Ängste von einer Bedrohung für die Menschheit auf empirische Belege gegründet haben, bewusst.

Zeitgleich gibt es extreme Unterschiede in den Lebensverhältnissen der Menschen. Kebschull et al. (2013) bringen Marx‘ bekanntes Zitat „die Armen werde immer ärmer und die Reichen werden immer reicher“ in Verbindung mit der heutigen Situation, in der sich Entwicklungsländer und Industrieländer befinden (vgl. Kebschull et al. 2013). Während Menschen in den großen Industrienationen in einer Konsumgesellschaft leben, kämpfen andere wiederum in der „dritten Welt“ Tag für Tag ums Überleben und haben nicht ausreichend Verdienst, um sich das Nötigste, wie Nahrung, Trinkwasser oder ein Dach über dem Kopf zu leisten. Aus westlicher Sicht besteht seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Notwendigkeit der Einführung einer Entwicklungspolitik, welche den Entwicklungsprozess der Länder des Südens ankurbeln möchte (vgl. Holländer 2009 und Ihne/Wilhelm 2013). Beide Probleme, sowohl der Klimawandel, als auch die Notwendigkeit des Schutzes der Menschen in den Entwicklungsländern, lassen sich nur auf der internationalen Ebene gemeinsam lösen und stellen somit globale Probleme dar – nur eine Gemeinsamkeit, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit erklärt wird.

Mehr als 25 Jahre nachdem das Bewusstsein der globalen Erwärmung Einzug in den internationalen Diskurs gehalten hat (vgl. Pease 2012), stehen der Sicherung des Weltklimas enorme Hürden bevor. Entgegen dem international breiten Konsens, entschied sich zuletzt mit den USA, eines der einflussreichsten Länder der Welt, für den Ausstieg aus den Klimaabkommen. „The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make US manufacturing non-competitive” (Trump @ Twitter 2012), so der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Den Klimawandel leugnend, stieg Donald Trump somit erst kürzlich aus dem Pariser Abkommen aus und stellte das nationale Ziel, die Ankurbelung der amerikanischen Industrie, über das internationale Bestreben, das Klima nicht noch stärker zu erhitzen (vgl. Sealey-Huggins 2017). Obwohl in Paris eine Temperaturobergrenze von 1,5 °C und eine Verringerung der Kohlenstoffdioxid-Ausstoßung verabschiedet wurde (vgl. Weimann 2016), plädierte Trump „simultaneously pursuing carbon-intensive industry“ (Sealey-Huggins 2017, S. 2451). Ein Politikwechsel der USA, der das Ziel des Klimaschutzes extrem in Gefahr bringt.

In den Industrieländern, wie beispielsweise in Deutschland, mögen die Auswirkungen des Klimawandels eher weniger zu beobachten sein, jedoch leiden gerade Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern bereits jetzt enorm unter den sich ändernden Lebensbedingungen (vgl. Müller, in Wallacher/Edenhofer 2009). Wo das Klima sich ändert, wächst beispielsweise der Wasserspiegel an und führt zu Überflutungen, anhaltende Dürreperioden machen Ackerland unfruchtbar und die Häufigkeit von Klimakatastrophen steigt (vgl. ebd.).

Es liegt auf der Hand, dass diejenigen, die wenig bis gar nichts haben, auch am wenigsten gefeit vor solchen Unwettern und Klimakatastrophen sind. Es wird externe Hilfe benötigt. An diesem Punkt soll die Arbeit ansetzen und argumentieren, dass Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit unmöglich voneinander zu trennen sind.

Diese Ausarbeitung verfolgt somit das Ziel darzustellen, dass es von größter Bedeutung ist, den Klimawandel nicht weiter voranschreiten zu lassen. Hierbei wird als effektivster Ansatz proklamiert, die menschengemachte Erderwärmung an ihrer Wurzel, dem Ausstoß von Treibhausgasen, anzupacken. Kritik wird vorwiegend an den, von den Vereinten Nationen erstellten Millenium Development Goals (kurz MDGs) und den darauf aufbauenden Sustainable Development Goals (kurz SDGs), geübt, da beide den Klimaschutz, „ensure environmental sustainability“ (United Nations 2015) bzw. „climate action“ (United Nations 2018) als eine der letzten und somit am wenigsten priorisierten Ziele ansehen.

Zu Beginn der Arbeit müssen die Begriffe der Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz definiert werden. Hierzu wird jeweils ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung der Begrifflichkeiten gegeben. Anschließend werden sowohl die MDGs, als auch die SDGs auf ihren Anteil an klimapolitischen Zielsetzungen überprüft und in den zeitpolitischen Kontext gebracht. Im darauffolgenden Kapitel wird sich exemplarisch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Bewohner der Entwicklungsländer auseinandergesetzt, sodass im letzten, abschließenden Teil ein Fazit gezogen werden kann und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung möglich ist.

2. Domination, relation, cooperation? - Von dem paternalistisch angehauchten Begriff der Entwicklungshilfe hin zur neutraleren Bezeichnung der Entwicklungszusammenarbeit

Eine eindeutige Begriffsbestimmung von „Entwicklung“ zu geben, ist extrem schwierig. Selbst das sonst so kurz und prägnante Wikipedia scheint damit überfordert zu sein, leitet es den Suchenden doch auf fünfzehn weiterführende Beiträge zum jeweils spezifischen Verständnis des Begriffes „Entwicklung“ weiter. Kevenhörster (2009) definiert Entwicklung als „[einen normativen] Begriff, der Vorstellungen von der gewünschten Richtung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandels bündelt und auf theoretischen Annahmen über die Ursachen von Unterentwicklung und typische Ablaufmuster sozioökonomischer Transformation beruht“ (Kevenhörster 2009, S. 19). Seine Definition behaftet „Entwicklung“ mit einem stark indoktrinativen Charakter, von welchem modernere Ansätze versuchen loszukommen.

Begibt man sich auf die lange Suche nach den Ursprüngen der heutigen Entwicklungszusammenarbeit, so schlagen Ihne und Wilhelm (2013) vor, dass „jenes Denken […] mit dem moralischen und politischen Universalismus der griechischen und römischen Antike begann […]“ (Ihne/Wilhelm 2013, S. 6). Entwicklung lässt sich in diesem Zusammenhang stark mit den Begriffen der „Modernisierung und Aufholung“ (Kuhn 2005, S. 39) gleichsetzen und stellt somit einen top-down -Prozess dar, bei dem das Geberland, welches in der „Kooperation“ bestimmend auftritt, aktiv vorgibt, was im Nehmerland geschieht. Hierbei von einer „Zusammenarbeit“ oder „Kooperation“ zu sprechen, ist natürlich falsch und so war lange Zeit der Begriff der Entwicklungs hilfe vorherrschend, welcher die hierarchische Struktur der Geber-Nehmer-Länder deutlich repräsentiert (vgl. Ihne/Wilhelm 2013). Auch Lachmann (2010) macht eine deutliche Wertbeladung des Begriffs „Entwicklungshilfe“ aus, da bei einer Hilfeleistung der Hilfe-Gebende, dem Hilfe-Empfangenden überlegen ist. Die große Kritik an dieser negativen Konnotation des Begriffs führte zu einer Wandlung hin zum Begriff der „Entwicklungszusammenarbeit“ (vgl. Lachmann 2010). Korf und Rothfuß (2016) gehen sogar einen Schritt weiter und sehen eine politische Inkorrektheit in dem Begriff des Entwicklungslands. Auch hier werde „eine Art Hierarchisierung zwischen schon entwickelten und noch zu entwickelnden Ländern und Gesellschaften hergestellt“ (Korf/Rothfuß in Freytag et al. 2016, S. 165).

Die moderne Auffassung von Entwicklungspolitik besteht in einem „Dreiklang“ (Holländer 2009, S. 3): Zum einen steuern die Entwicklungsländer Eigenleistungen bei, an zweiter Stelle sollen Reformen der globalen Wirtschafts- und Handelspolitik den Entwicklungsprozess förderlich unterstützen und zu guter Letzt steht die Entwicklungszusammenarbeit (vgl. ebd.). Anhand dieser Ausführung wird deutlich, dass von der paternalistisch und hierarchischen Denkweise abgerückt wurde. Die Betonung der modernen Vorgehensweise liegt auf der „Zusammenarbeit“, welche „ein partnerschaftliches Verhältnis [ausdrückt]“ (Ihne/Wilhelm 2013, S. 4). Kuhn (2005) zitiert Sen, welcher 1998 einen Nobelpreis erhielt, nachdem er „Development as Freedom“ (Kuhn 2005, S. 40) bezeichnete. Mit dieser Begriffsdefinition löst sich Sen klar von dem veralteten Verständnis der Entwicklung als Aufholung oder Modernisierung ab und betont, dass es den Menschen freigestellt ist, in welche Richtung sie sich entwickeln. Somit wird von dem ursprünglichen top-down- Prozess abgesehen und ein bottom-up- Ansatz bevorzugt, welcher den Menschen ermöglicht, innovativ zu arbeiten und nicht an aufgesetzten Vorschriften festhalten zu müssen.

Ihne und Wilhelm (2013) machen zwei grundlegende Motive für das Aufkommen der Politikdisziplin, Entwicklungspolitik, aus: „ein moralisches und ein pragmatisches Motiv“ (Ihne/Wilhelm 2013, S. 8). Während auf der einen Seite ethische Beweggründe entscheidend sind, wie beispielsweise Menschen in unwürdigen Lebenssituationen zu unterstützen oder Wiedergutmachung für zugefügte Schäden zu leisten, gilt für die staatlichen Akteure zumeist das pragmatische Motiv als wichtig (vgl. ebd.). Der ethisch motivierte Ansatz ist vor allem in der Erkenntnis begründet, dass die missliche Lage der Entwicklungsländer durch die Ausbeutung der Industrieländer zustande gekommen ist. „Das Problem der Unterentwicklung ist also nicht nur ein innergesellschaftliches […], sondern eng mit dem […] Kapitalismus verbunden“ (Korf/Rothfuß in Freytag et al. 2016, S. 165). Entwicklungspolitik mag nach außen hin als wohltätig angesehen werden, das pragmatische Motiv erkennt jedoch gerade das Eigeninteresse als Triebfeder von Entwicklungspolitik an. „Entwicklungspolitik soll helfen, Schaden (für die Industrieländer) abzuwenden, sie soll nützen“ (ebd., S. 9). Mögliche Gefahren wie übermäßige Migration und Terrorismus sind nur zwei Beispiele, die Ihne und Wilhelm (2013) anführen (vgl. ebd.). Dieser Ansatz lässt sich mit Rawls auch theoretisch erklären, welcher in seiner Theorie der Gerechtigkeit davon ausgeht, dass auf der Welt erst dann ideale Verhältnisse vorhanden sind, wenn keine Unterschiede bzw. keine Ungerechtigkeiten zwischen den Menschen herrschen (vgl. Kevenhörster 2009).

Nachdem die Motive hinter der Entwicklungspolitik erklärt wurden, soll nun aufgezeigt werden, wie Entwicklungszusammenarbeit methodisch abläuft. Ein unter anderem politisch-ökonomisch geführter Diskurs über das Für und Wider von Entwicklungspolitik auf internationaler Ebene besteht bereits seit den 1950er Jahren, welcher 1949 in der zweiten Antrittsrede Harry S. Trumans gipfelt (vgl. Korf/Rothfuß in Freytag et al. 2016). Selbiger versprach „den Menschen in den „unterentwickelten Gebieten“ durch technischen Fortschritt, Innovationen und Kapitalinvestitionen zu einem besseren Leben zu verhelfen“ (ebd., S. 164), ein Versprechen, dass das Grundverständnis jeglicher Entwicklungshilfe beschreibt: Es soll durch Technologie und durch Finanzen Entwicklung angeregt werden.

Zwei Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit können auch nach Ihne/Wilhelm (2013) unterschieden werden: „Die Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) [und] die Technische Zusammenarbeit (TZ) […]“ (Ihne/Wilhelm 2013, S. 14). Bei der FZ wird dem Entwicklungs- oder besser Partnerland Kapital und finanzielle Unterstützung zugesichert, sodass beispielsweise die Infrastruktur in selbigem verbessert werden kann (vgl. ebd.). Die FZ unterscheidet zusätzlich zwischen „günstigen Darlehen (loans)“ (ebd, S. 15) und „Zuschüssen (grants)“ (ebd.). Das Ankurbeln der Entwicklung durch Bereitstellung von technischem Know-How steht im Vordergrund der TZ. Um technisch wie organisatorisch dem Partnerland weiterzuhelfen, werden Fachkräfte und Ausbilder in das Entwicklungsland abgestellt, die vor Ort lehren sollen (vgl. ebd.). Im Prinzip kann von einer Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen werden, da durch die Ausbildung und Belehrung lediglich der Anstoß gegeben werden soll. Langfristig gesehen sollen die Menschen im Partnerland allerdings in der Lage sein, nach Anweisungen von Fachkräften eigenverantwortlich zu arbeiten. Man verspricht sich einen „Multiplikations- oder Verbreiterungseffekt“ (ebd, S. 16), da die ausgebildeten Einwohner des Entwicklungslandes ihrerseits breitenwirksam „ihre Leute“ auf den aktuellen Stand bringen sollen.

3. Climate change and development policy – Wie hängen Klimaschutz und Entwicklungspolitik zusammen?

Nachdem ein Überblick über Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit gegeben wurde, wird sich an dieser Stelle einen Sprung erlaubt und es soll sich zunächst mit dem Klimawandel befasst werden. Wenn es im Laufe dieses Kapitels jedoch auf die Klimapolitik zu sprechen kommt, wird die Verbindung von Klimawandel und Entwicklungspolitik wiederhergestellt. Da das Ziel dieser Arbeit ist, darzustellen, warum Entwicklungspolitik und Umweltpolitik in der heutigen Zeit Hand in Hand gehen.

3.1. How bad is climate change? – Eine Darstellung des öffentlichen Diskurses zum Klimawandel

Unter den Wissenschaftlern besteht seit längerer Zeit breiter Konsens über die Tatsache, dass der Klimawandel von Menschen gemacht ist (vgl. Pease 2012). Nichtsdestotrotz zeigt die Einleitung dieser Arbeit anhand des Beispiels Donald Trumps, dass es nach wie vor eine Debatte um die Echtheit des Klimawandels gibt. Bentz-Hölzl (2014) erkennt hierbei, dass die Zahl der Skeptiker allgemein in den USA deutlich größer ist, als in Europa (vgl. Bentz-Hölzl 2014). Aufgrund der Vielzahl an Akteuren, die ihrerseits wiederum verschiedenste Interessen verfolgen, ergibt sich eine Fülle an Argumenten, die für oder gegen den Klimawandel, genauer gesagt, den Menschen gemachten Klimawandel angeführt werden. Auf der einen Seite stehen Lobbyisten der Wirtschaft den Klimaschützern und Umweltorganisationen entgegen, während Politiker eine Mittelposition einnehmen und je nach Wählerschaft Position ergreifen.

Skeptiker des Klimawandels können nach Bentz-Hölzl (2014) in drei Kategorien eingeteilt werden: die Trendskeptiker, die Ursachenskeptiker und die Folgenskeptiker (vgl. ebd.). Erstere bestreiten gänzlich den Effekt bzw. den Trend, dass sich die Erde erwärmt und das Klima wandelt (vgl. ebd.). Ursachenskeptiker können zwar den Klimawandel als solchen akzeptieren, negieren jedoch, dass er von Menschen gemacht ist (vgl. ebd.). Oftmals argumentieren sie in der logischen Konsequenz, dass der Mensch auch nicht in der Lage ist, selbigen zu stoppen. Wenn der Mensch nichts Falsches getan hat, so bringt eine Umstellung seiner Lebensweise und Gewohnheiten auch keine positive Veränderung. Folgenskeptiker können sowohl die Echtheit des Klimawandels, als auch, dass dieser durch den Menschen verursacht wurde, anerkennen. Ihre Argumente beziehen sich jedoch auf den letztlichen Umgang mit ihm (vgl. ebd.). Auch in Deutschland, um den schwarzen Peter an dieser Stelle nicht nur den USA zuzuschieben, finden sich einflussreiche Politikerstimmen, die sich einem „einseitig negativen Blick auf die Folgen der Erderwärmung“ (Zeit Online 2017) widersetzen. Der rechte Flügel der CDU betont, man solle doch auch die positiven Effekte des Klimawandels beachten, so würden beispielsweise durch das Abtauen des polaren Meereises neue Handelswege entstehen (vgl. ebd.).

Kritik beispielsweise an den Ergebnissen der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), welche eine Fülle an wissenschaftlichem Material zum Klimawandel geliefert haben, kommt nichtsdestotrotz auch von Seiten anerkannter Wissenschaftler (vgl. Oberthür/Ott 2000). Im Vordergrund der Kritik liegt die fehlende Sicherung der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Beachtet man, dass die Klimaforschung eine nicht allzu alte Wissenschaft ist und die Messdaten im Hinblick auf eine gefestigte Aussagekraft einfach noch zu jung sind, so hat diese Kritik durchaus auch ihre Daseinsberechtigung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es einen enormen wissenschaftlichen Bestand an Daten gibt, der den Klimawandel belegt. Trotz der Kritik auch von wissenschaftlicher Seite muss das akute Problem des Klimawandels so schnell wie möglich in Angriff genommen werden. Carl Christian von Weizsäcker (2012) spricht von „Entscheidungszwänge[n] bei hoher Unsicherheit“ (von Weizsäcker 2012, S. 8), wobei sich seine Unsicherheit auf die Frage bezieht, welche Instrumente zur Beseitigung des Klimawandels genutzt werden können und auch wirklich wirksam sind. Oberthür und Ott (2000) betonen deshalb, dass „die politischen Entscheidungsträger […] der besten ihnen zur Verfügung stehenden Wissenschaft folgen [müssen] […]“ (ebd., S. 36). Wie genau die Politik auf den Klimawandel reagiert bzw. reagiert hat, wird in Kapitel 3.3. erläutert. Im nachfolgenden Kapitel soll nun, trotz der bestehenden Unsicherheiten, aufgezeigt werden, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse die Klimaforschung bislang erlangt hat.

3.2. What we empirically know about the climate change – wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel

Den Skeptikern steht, wie bereits erwähnt, eine breite wissenschaftliche Community gegenüber, die den Klimawandel als menschengemacht nachgewiesen hat und auch vor den katastrophalen Folgen warnt. Welche wissenschaftlichen Errungenschaften bezüglich des Klimawandels zu Tage getreten sind, wird nachstehend aufgezeigt.

Schönwiese (1996) wie auch Bentz-Hölzl (2014) machen zwei Arten, des für den Klimawandel so entscheidenden Prozess‘ des Treibhauseffektes aus: einen natürlichen Treibhauseffekt und einen anthropogenen (vgl. Bentz-Hölzl 2014) bzw. einen anthropogen verstärkenden (vgl. Schönwiese, in Brauch/Weizsäcker 1996) Treibhauseffekt.

Änderungen des Klimas sind insofern auch ohne menschliches Zutun möglich, als dass die „Klimawirksamkeit auf bestimmte Strahlungsprozesse in der Atmosphäre zurückzuführen [sind] […]“ (ebd., S. 3). „[…] [Schon eine] sehr geringe Konzentration (Spurengase, Spurenstoffe) [können] […] bedeutsam sein“ (ebd.), um das Klima nachhaltig zu verändern. Grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass das Klima ein stabiles System ist (vgl. Bentz-Hölzl 2014). Das Klimasystem an sich besteht aus verschiedenen, sich einander gegen- und wechselseitig beeinflussenden Prozessen (vgl. Podbregar et al. 2009). Änderungen in der Konzentration der Gase in der Atmosphäre wirken sich automatisch auf weitere Prozesse der atmosphärischen Zirkulation aus und beeinflussen so weitere Klimaelemente (vgl. Schönwiese, in Brauch/Weizsäcker 1996). Somit ist es beinahe unmöglich die konkreten Auslöser einer Klimaänderung auszumachen. Sowohl Podbregar et al. (2009), als auch Bentz-Hölzl (2014) nennen unter anderem die Änderungen in den Umlaufbahnen der Erde bzw. der Sonne als einen möglichen Faktor. Des Weiteren können Wandlungen in der Sonneneinstrahlung sowie der „Albedo, also der zurück gespiegelten Strahlung […]“ (Bentz-Hölzl 2014, S. 35) auftreten. Der entscheidende Faktor, blickt man anschließend auf den anthropogenen Treibhauseffekt, ist, dass die Energiebilanz auf der Erde von den Treibhausgasen abhängt (vgl. ebd.). Schönwiese (1996) betont, dass diese natürlichen Treibhausgase enorm wichtig für unser Klima und das Leben auf der Erde sind, machen sie doch rund 33° aus, „d.h. ohne diese Treibhausgase würde die derzeitige bodennahe Weltmitteltemperatur von +15°C auf -18°C absinken […]“ (Schönwiese, in Brauch/Weizsäcker 1996, S. 16). Zusammengefasst funktioniert der natürliche Treibhauseffekt aufgrund der Gase wie folgt: Durch die Treibhausgase in der Atmosphäre wird die kurzwellige Einstrahlung der Sonne zwar zur Erde ermöglicht, die langwellige Wärmestrahlung, die von der Erde ausgeht, bleibt jedoch erhalten und wird gespeichert, da die Gase nun das Entweichen der Strahlung verhindern (vgl. Bentz-Hölzl 2014).

Schönwiese (1996) bietet eine passende Metapher an, indem er schreibt, dass der Treibhauseffekt eine „sehr empfindliche Schraube des Klimasystems“ (Schönwiese, in Brauch/Weizsäcker 1996, S. 17) sei, an welcher „der Mensch [dreht]“ (ebd.). Der anthropogene Treibhauseffekt wird also insofern ermöglicht, dass der Mensch Einfluss auf die Konzentrationen der jeweiligen Gase in der Atmosphäre nimmt. Dies geschieht, sobald klimawirksame Gase durch menschliche Aktivität ausgestoßen werden. Eine hervorgehobene Rolle spielt hierbei die Emission durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle oder Gas (vgl. Bentz-Hölzl 2014). Während die Konzentration der Gase beim natürlichen Treibhauseffekt mit ca. 60 % von Wasserdampf bestimmt wird, stellt Kohlendioxid die Triebfeder in der anthropogenen Verstärkung (ebenfalls mit ca. 60 %) dar (vgl. Schönwiese, in Brauch/Weizsäcker 1996). Für eine detaillierte Darstellung der Auswirkungen menschlicher Aktivität auf das jeweilige Treibhausgas wird die Lektüre von Schönwiese (1996) empfohlen, der ausführlich und tabellarisch darstellt, wie die anthropogene Emission auf die, in der Atmosphäre vorhandene Konzentration wirkt (vgl. ebd.).

Da sich der Ursprung der fossilen Gase eindeutig menschlicher Aktivität zuordnen lässt, ist sich die Wissenschaft einig, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Zusätzliche Aspekte, wie die Rodung von Wäldern oder auch die Ausschüttung sogenannter Aerosole begünstigen die Klimaerwärmung (vgl. McKeown/Gardner, in Bus 2009). Im Folgenden sollen die Auswirkungen der Veränderungen durch Zahlen deutlich gemacht werden.

Blickt man zeitlich zurück, so kann bereits jetzt ein deutlicher Temperaturanstieg gemessen werden – „Es wird auf jeden Fall wärmer“ (Podbregar et al. 2009, S. 35). Der durchschnittliche Wert des Temperaturanstiegs seit Messungsbeginn liegt bei 0,74°C, so die Daten von 1906 bis 2005 (vgl. McKeown/Gardner, in Bus 2009). Mag diese Zahl zunächst nicht allzu alarmierend erscheinen, so muss beachtet werden, dass es sich um eine Durchschnittszahl handelt. An bestimmten Orten der Erde sind die Temperaturanstiege viel deutlicher: Speziell die Polargebiete und besonders die Arktis verzeichnen einen Anstieg von mehr als 1,4°C (vgl. Podbregar et al. 2009).

Um sich die Erderwärmung in eindrucksvollen Zahlen zu vergewissern, hilft es darüber hinaus auf die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen zu schauen. So McKeown und Gardner (2009), die feststellen, dass unter den wärmsten zehn Jahren allein acht Jahre im Zeitraum von 1998 bis 2007 liegen (vgl. McKeown/Gardner, in Bus 2009). Platz neun und zehn der Rangliste werden übrigens von den Jahren 1997 und 1995 belegt und liegen somit auch erst etwa zwanzig Jahre zurück (vgl. ebd.). Obwohl klare Prognosen schwierig zu treffen sind, gehen Experten davon aus, dass bis 2100 der durchschnittliche Temperaturanstieg bei 1,8°C bis 4°C liegt (vgl. Bentz-Hölzl 2014).

Das Klima, welches als vernetztes System mehrerer Prozesse bereits in Kapitel 3.2. dargestellt wurde, „verzeiht“ eine Änderung nicht, indem es alle anderen Prozesse stabil hält. McKeown und Gardner (2009) sprechen in diesem Zusammenhang von „Kippelementen des globalen Klimas“ (McKeown und Gardner, in Bus 2009, S. 303). Ein Anstieg der Temperatur wirkt sich logischerweise auf das arktische und antarktische Eis aus. Uns allen sind die eindrucksvollen Bilder der Geologen bekannt, die den Abtaueffekt fotografisch festhalten können. „Seit über 100 Jahren stellt der zu beobachtende Rückgang der Gebirgsgletscher wie der Alpen, der Anden oder des Himalayas eine Begleiterscheinung [des Klimawandels] dar“ (Bentz-Hölzl 2014, S. 42). Wo früher eine dichte Eisdecke das Meer bedeckte, gleicht die selbe Lokation heute einem Flickenteppich aus einzelnen auseinandertreibenden Schollen; wo einst schneebedeckte Gipfel in die Höhe ragten, nimmt der Anteil der weißen Flächen rapide ab und offenbart graue Gesteinsflächen.

Während Umweltorganisationen, wie Greenpeace, seit Jahren um den Lebensraum der Eisbären kämpfen, sind auch Menschen von dem Schmelzen des Eises betroffen. „Schmilzt das Eis an den Polkappen, steigt der Meeresspiegel und große Küstengebiete werden unbewohnbar“ (Podbregar et al. 2009, S. 6). Welche Auswirkungen der Klimawandel auf Menschen in Entwicklungsländern hat und langfristig gesehen haben wird, wird schwerpunktmäßig in Kapitel 4 behandelt. In Zahlen dargestellt, kann gesagt werden, dass in den vergangenen Jahren der Meeresspiegel konstant um mindestens 1,8 Millimeter pro Jahr angestiegen ist. „In den Jahren 1993-2003 hat sich die Geschwindigkeit auf 3,1 mm pro Jahr vergrößert“ (Bentz-Hölzl 2014, S. 44). Allein von 1900 bis 2000 ist somit der Meeresspiegel um 0,17 Meter angestiegen (vgl. ebd.). Und auch die Prognosen sehen einen konstant steigenden Meeresspiegel für wahrscheinlich, der bis zum Jahr 2100 einen Anstieg von bis 0,59 Meter im Vergleich zu 1980 bis 1999 zur Folge hat (vgl. ebd.).

Die Eisschmelze kann numerisch jedoch nicht nur am ansteigenden Meeresspiegel verdeutlicht werden. Auch die Eisbedeckung wird von Experten herangezogen, um die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar zu machen. Unter Beachtung der Tatsache, dass die Eisbedeckung von der Jahreszeit abhängig ist, stellten Klimaforscher 2007 fest, dass „[die] eisbedeckte Fläche [der Arktis] […] auf nur noch drei Millionen Quadratkilometer geschrumpft […]“ (Podbregar et al. 2009, S. 6) ist. Im Vergleich mit den vorherigen Negativrekorden von 2005 und 2006 sei dies eine zusätzliche Schmelze von einer Million Quadratkilometer Eis (vgl. ebd.).

Bei diesem Prozess muss ebenfalls wieder beachtet werden, dass das Klima ein eng vernetztes System ist. Das Abschmelzen von Eis offenbart an Stelle der vorher da gewesenen hellen Eisflächen die dunkle Meeresoberfläche. Während die Eisdecken die Sonneneinstrahlung und Erwärmung der Erde insofern gedämpft haben, als dass sie einen Teil zurückreflektiert haben, absorbiert die dunkle Meeresoberfläche die Sonneneinstrahlung und bewirkt in der Folge einen Speicherungseffekt der Wärme (vgl. ebd.). Da dadurch auch die Verhinderung der Bildung von neuem Eis verhindert wird, sprechen Podbregar et al. (2009) von einem „klimatische[n] Teufelskreis“ (ebd., S. 8).

Neben den durch Zahlen messbaren Folgen, antizipieren Experten weitere Auswirkungen eines instabilen Klimas. McKeown und Gardner (2009) liefern hierzu eine Übersicht. Zunächst gehen sie auf die Verschlechterung des Süßwasser-Zugangs ein. Sie beschreiben, dass durch die Erwärmung des Planeten häufigere Dürren wahrscheinlich sind (vgl. McKeown und Gardner, in Bus 2009). Eine Änderung im Klima resultiert des Weiteren in starken Regenstürmen und Überschwemmungen. Bentz-Hölzl (2014) erklärt diesen Effekt damit, dass jedes zusätzliche Grad „die Fähigkeit der Luft, Wasser aufnehmen [verbessert] […] [, wodurch] der Wasserkreislauf […] stärker angetrieben [wird]“ (Bentz-Hölzl 2014, S. 45). Vorher unbekannte Regenereignisse und Unwetterphänomene sind die Folge (vgl. ebd.). In Kombination mit dem Anstieg des Meeresspiegels und der damit verbundenen zunehmenden Versalzung von Süßwasservorkommen, kann ein Zugang aller Menschen zu Trinkwasser immer unwahrscheinlicher werden (vgl. McKeown und Gardner, in Bus 2009). Ebenfalls ausgehend von den häufiger vorkommenden Dürren und Extremwetterereignissen wird es schwerer werden Ernteerträge zu wirtschaften (vgl. ebd.). Holländer (2009) prognostiziert beispielsweise, dass sich bis 2020 die „landwirtschaftlichen Erträge in Teilen Afrikas halbieren könnten“ (Holländer 2009, S. 4). Logische Konsequenz ist, dass Menschen vermehrt unter Hunger leiden müssen. Eine Zunahme an unterernährten Bevölkerungen wird zwangsläufig die Folge sein (vgl. ebd.).

Im besonderen Maße sind Bewohner von Küstenregionen betroffen, aber auch Siedler auf flachen Inseln oder in „dicht besiedelten Mündungsdeltas“ (McKeown und Gardner, in Bus 2009, S. 304) müssen um ihre Existenz und Lebensgrundlage bangen. Explizierter nennt Bentz-Hölzl (2014) die betroffenen Gebiete: „[…] [Insbesondere] die Großdeltas wie Bangladesch oder Indien, kleine Inselstaaten, wie die Malediven oder Tuvalu […] sowie Küstenstädte (Amsterdam, Venedig, New York) [sind] auf der ganzen Welt bedroht“ (Bentz-Hölzl 2014, S. 44). Sie werden diejenigen sein, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Überschwemmungen stellen nicht nur eine akute Gefahr dar, sie hinterlassen meistens auch unbewohnbares Land. Verstärkte Bodenerosionen müssen in diesem Zusammenhang genannt werden und auch die Zunahme von tropischen Wirbelstürmen wird es unmöglich machen, in den benannten Gebieten einen sicheren Wohnplatz zu errichten (vgl. McKeown und Gardner, in Bus 2009). Die Zunahme in der Häufigkeit der tropischen Wirbelstürme führt Bentz-Hölzl (2014), welche sich vor allem mit Hurrikans auseinandersetzt, auf die Erwärmung der Wassertemperatur zurück (vgl. Bentz-Hölzl 2014). Statistisch gesehen gab es 2005 sowohl zahlenmäßig die meisten, als auch die Intensität betreffend, die stärksten Wirbelstürme seit Aufzeichnung (vgl. ebd.).

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Climate Action. Warum Punkt 13 der Sustainable Development Goals Priorität haben muss
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Autoren
Jahr
2018
Seiten
40
Katalognummer
V428218
ISBN (eBook)
9783668721005
ISBN (Buch)
9783668721012
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
climate, action, warum, punkt, sustainable, development, goals, priorität
Arbeit zitieren
Kristin Kuhn (Autor)Christian Blessing (Autor), 2018, Climate Action. Warum Punkt 13 der Sustainable Development Goals Priorität haben muss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428218

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