Strukturmerkmale sozialer Arbeit und Anforderungen an die professionelle Reflexion


Bachelorarbeit, 2017

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Problemstellung

1 Historische Entwicklung der Sozialen Arbeit und die Herausbildung spezifischer Strukturmerkmale
1.1 Historische Entwicklung
1.2 Strukturmerkmale Sozialer Arbeit
1.2.1 Doppeltes Mandat
1.2.2 Strukturelles Technologiedefizit
1.2.3 Dienstleistungsgedanke und Koproduktion
1.3 Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

2 Profession und Merkmale professionellen Handelns
2.1 Soziale Arbeit und der allgemeine Professionsdiskurs
2.2 Der interaktionistische Professionsansatz nach Schütze

3 Verfahren professioneller Reflexion
3.1 Supervision
3.1.1 Einzelsupervision
3.1.2 Gruppensupervision
3.1.3 Teamsupervision
3.2 Kollegiale Beratung
3.3 Evaluation
3.4 Coaching

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung und Problemstellung

Der Beruf der Sozialen Arbeit weist eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern, Aufgaben und Anforderungen auf. Ihre komplexe und heterogene Form macht eine eindeutige Bestimmung dessen, was professionelle Soziale Arbeit im wesentlichen kennzeichnet, schwierig. Der wissenschaftliche Diskurs zu diesem Thema ist nach wie vor uneinheitlich und nicht entschieden. Stellt die Kenntnis und der Einsatz spezifischer Methoden und Ansätze wie z.B. die Gemeinwesenarbeit, das Case Management oder die klassische soziale Einzelfallhilfe professionelles Handeln dar? Oder ist es eine akademische Ausbildung und das daraus resultierende theoretische Fachwissen? Letzteres rekrutiert sich in erster Linie aus den Bezugswissenschaften, eine eigenständige Sozialarbeitswissenschaft ist erst noch im Entstehen (vgl. Spiegel 2013b, S.42 f.). Dies deutet also nicht klar auf Professionalität in der Sozialen Arbeit. Eine Methode der Sozialen Arbeit oder methodisches Handeln soll dazu führen, den Herausforderungen des sozialarbeiterischen beruflichen Alltags durch routinierte, fachlich begründete Handlungsanweisungen sowie bewußter Beziehungsgestaltung auf der Basis kommunikativer Prozesse besser begegnen zu können. Es reduziert dadurch die häufig anzutreffende hohe Problemkomplexität und ein Hilfeprozess wird strukturierter und nachvollziehbarer (vgl. Galuske/Müller 2011, S. 589). Die multiplen und vielgestaltigen Herausforderungen ergeben sich jedoch aus tieferliegenden Strukturen der Sozialen Arbeit. Methodisches Handeln spielt sich quasi an der (Arbeits-) Oberfläche ab, während verborgene Strukturen Kernmerkmale der Sozialen Arbeit bilden und eben diese grundlegend mitbestimmen. Aufgrund dieser, möglicherweise vielschichtigen Auswirkungen, erscheint es notwendig, dass neben der eigentlich praktischen Arbeit der Einfluß dieser Strukturmerkmale erkannt und reflektiert wird. Ob diese Notwendigkeit nun ein Bestandteil von Professionalität in der Sozialen Arbeit darstellt soll im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden. Es ergibt sich folgende These: Verfahren professioneller Reflexion dienen der Professionalisierung der Sozialen Arbeit insbesondere vor dem Hintergrund spezifischer Strukturmerkmale.

Zur Bearbeitung der These wird in Kapitel eins die historische Entwicklung der Sozialen Arbeit betrachtet, um die begleitenden Strukturmerkmale herauszustellen. Um welche Strukturmerkmale es sich dabei handelt, welchen Ursprung diese haben und in welcher Qualität sie auf die Soziale Arbeit einwirken wird nachfolgend differenziert dargestellt. Gesondert wird hier der Aspekt von ökonomischen Einflüßen auf die Soziale Arbeit betrachtet. In Kapitel zwei wird das komplexe Thema der Professionalisierung, des professionellen Handelns und der Professionsbildung bearbei­tet, um den theoretischen Bezugsrahmen (und bereits eine Bestätigung) der These herzuleiten. Das dritte Kapitel bildet eine umfangreiche Betrachtung von professionellen Reflexionsverfahren der Sozialen Arbeit und ihren Möglichkeiten in Bezug auf die These. Abschließend erfolgt ein zusammenfassendes Fazit.

1 Historische Entwicklung der Sozialen Arbeit und die Herausbildung spezifischer Strukturmerkmale

1.1 Historische Entwicklung

Um den Zusammenhang zwischen den Strukturmerkmalen der Sozialen Arbeit und den Anforderungen und dem Bedarf nach professioneller Reflexion zur Erhaltung und Erweiterung der eigenen Professionalität herzustellen, erscheint es zunächst wichtig, retrospektiv die Entwicklung der Sozialen Arbeit und ihrer Aufgaben zu beleuchten, um erkennen zu können, ob die in Kapitel 1.2 dargestellten Strukturmerkmale eine ausschließlich aktuelle Erscheinung der Sozialen Arbeit darstellen. Oder waren sie als konstitutive Merkmale bereits in Frühzeiten der Sozialen Arbeit erkennbar und bestimmten diese damals wie auch heute wesentlich mit und sind dem Grunde nach nicht aufhebbar.

Grundsätzlich war für die Soziale Arbeit1 immer der Umgang mit zwei Themenkomplexen relevant: Armut als Mangel an materiellen Ressourcen und Beziehungsbedürftigkeit, also ein Mangel an sozialen und an fürsorglichen Ressourcen. Die Deutung der Ursachen dieser Mängel variierte im Laufe der Jahrhunderte. Im Mittelalter (bis ca. 1500) wurde Armut nicht als ökonomische Größe sondern gottgegeben gesehen, während ab dem 16. Jahrhundert eine moralische Bewertung aufkam, Armut wurde mit persönlichem Versagen gleichgesetzt und somit individualisiert. Im 19. Jahrhundert kam eine weitere Sichtweise hinzu. Armut wurde als Folge der Produktionsstrukturen und der umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen interpretiert und somit vom Einzelnen abgekoppelt. In der Folgezeit differenzierte sich die Deutung der Ursachen weiter und wurde zunehmend multifaktoriell interpretiert. Diese verschiedenen Perspektiven zogen entsprechend unterschiedliche Ziele und Methoden nach sich. Über das Almosenwesen im Mittelalter sollte nicht die Situation des Bedürftigen verändert werden, eine reine Grundversorgung war beabsichtigt. Die sozialdisziplinierenden Maßnahmen zur Arbeitspflicht im Absolutismus zielten genau auf das Gegenteil ab. Fürsorge und pädagogische Aspekte wurden eng verknüpft (vgl. Engelke 1998, S. 52). Diese Grundtendenz von Hilfe und Kontrolle, von institutionalisierter und individualisierter Hilfe konkretisierte sich im 19. und 20. Jahrhundert und ist bis heute in der Sozialen Arbeit deutlich zu erkennen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche privat organisierte Hilfen mit unterschiedlicher Ausrichtung neben der kommunalen Armenpflege. Vorerst basierte auch hier die Arbeit vor allem auf Ehrenamtlichkeit. Erst aufgrund der Bismarkschen Sozialgesetzgebung in den 1880er Jahren rückten die freien (also privaten oder kirchlichen) Wohlfahrtsverbände und die kommunale Armenpflege näher zusammen (vgl. Lambers 2010, S. 120 f.). Die politische Einflussnahme sorgte aber auch dafür, dass sich die Armenpflege professionalisieren konnte, ja musste, denn „Planvolles, wissenschaftlich begründbares Handeln war nun immer mehr gefragt“ (Lambers 2010, S.146). In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurde die Wohlfahrtspflege weiter schrittweise verstaatlicht, und war damit Aufgabe des Staates mit seinen beauftragten und ausführenden Institutionen (vgl. Hammerschmidt/Tennstedt 2005, S. 70). Die Verflechtung der organisierten Hilfe in Form einer sozialen Dienstleistung mit tragenden Institutionen war eine Aufteilung, die im 20. wie auch im 21. Jahrhundert weitergeführt wird. Die Rolle der Professionellen2 der Sozialen Arbeit bekam eine neue Bedeutung und die Ausbildung wurde ab 1920 neu geordnet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten griff das nationalsozialistische Gedankengut auch auf den Bereich der Sozialen Arbeit über: Die Volkspflege (ehemals Wohlfahrtspflege) sollte die „erb- und rassehygienisch organisierten Prinzipien“ durchsetzen (Zeller / Schilling 2010, S. 80). Das dritte Reich stellt somit eine Zäsur dar, da die zunehmende Aufgabe auch der Sozialen Arbeit darin bestand, den Selektionsprozess des NS-Regimes auszuführen (vgl. Kuhlmann 2011, S. 89). Die inhaltlichen Grundlagen der Sozialen Arbeit verschmolzen zusehends mit der sozialrassistischen Ideologie der Nationalsozialisten. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Soziale Arbeit mit ähnlichen Problemen wie in den 1920er Jahren konfrontiert: Wohnraummangel, Arbeitslosigkeit, Verarmung, Hunger. Bis in die 50er Jahre hinein organisierte sich die Soziale Arbeit strukturell wie auch inhaltlich neu. Eine ausgeprägte Differenzierung der Handlungsfelder entstand durch die Heterogenität der sozialen Problemlagen (Armuts- und Flüchtlingshilfe, Gesundheitsversorgung, Familien- und Jugendhilfe, Arbeitslosenunterstützung). Diese Entwicklung sorgte gleichermassen dafür, dass zunehmend eine höhere Fachlichkeit auf der Basis von entsprechenden Ausbildungen gewährleistet werden mußte. Erst nach dem Wirtschaftswunder der 1950er Jahre konnte sich die Soziale Arbeit wieder auf die sozialen Probleme konzentrieren, die die Grundbedürfnisse übersteigen. In den 1970er Jahren wurde die wissenschaftlich fundierte Ausbildung an (Fach-) Hochschulen für Sozialarbeiter/Sozialpädagogen geregelt. Randgruppen wurden zunehmend als Folge von Ausgrenzungen wahrgenommen, so erhielten sie eine neue Akzeptanz. Dadurch bildeten sich vermehrt Selbsthilfegruppen, aber auch das Aufgabengebiet der Sozialen Arbeit wuchs (z.B. Sucht-/Drogenberatung, Unterstützung für Behinderte, Erwachsenenbildung). Die Ausdifferenzierung vollzog sich weiter und umfasst heutzutage eine Vielzahl von Handlungsfeldern, Zielgruppen und methodischen Ansätzen (vgl. Seithe 2012, S. 26).

Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen, beginnend in den 1980er Jahren, die mit den Stichworten Individualisierung und Pluralisierung gekennzeichnet werden, verschoben sich die inhaltlichen Aufgaben und Bezugsgrößen der Sozialen Arbeit wiederum (vgl. Heiner 2004, S. 35). Dieser Prozess verstärkte sich durch den politischen Umbau des ehemaligen Wohlfahrtsstaates zum aktuellen aktivierenden Sozialstaat und beeinflußte die strukturellen Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit nachhaltig. Die Inhalte Sozialer Arbeit, die nunmehr auch als personenbezogene Dienstleistungen bezeichnet werden, unterliegen nach Hering/Münchmeier zunehmend sozialpolitischen Steuerungen. „Die Handlungsbedingungen der Sozialen Arbeit in der „Krise“ der sozialen Modernisierungspolitik, im Aufbrechen problematischer Effekte und Widersprüche sozialstaatlicher Politik („Spezialisierung“, „Bürokratisierung“, „Klientelisierung“) werden unübersichtlich und widersprüchlich. Mehr als zuvor wird die Soziale Arbeit dazu in Anspruch genommen, die Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen bei verschiedensten Problemgruppen kompensatorisch zu bearbeiten [...]“ (Hering/Münchmeier 2011, S. 128).

Aus den vorangegangenen Ausführungen lassen sich zum einen die immanenten Strukturmerkmale der Sozialen Arbeit ableiten (vgl. Kapitel 1.2). Darüber hinaus wird die zentrale Aufgabe Sozialer Arbeit deutlich. Diese ist wiederum mit den Strukturmerkmalen verknüpft und sie stehen in wechselseitiger Beziehung. Zusammengefasst besteht die Hauptaufgabe der Sozialen Arbeit in der „[...] Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft. Ihr Ziel ist die sozial verantwortliche Selbstverwirklichung der KlientInnen, ihr Weg die Optimierung von Lebenslagen - d.h. die Förderung von Veränderungsprozessen bezogen auf Lebensweisen und Lebensbedingungen.“ (Heiner 2007, S. 120). Dabei entwickelte sie sich von einer rein sozialdisziplinierenden und kontrollierenden Instanz zu dem Anbieter sozialer Dienstleistungen, die die rechtlich verankerten Ansprüche der Klienten subjektorientiert, organisationsgebunden und fachgerecht behandelt. Dies beinhaltet aber gleichermaßen für die in der Sozialen Arbeit Tätigen, sich in dem Spannungsfeld zwischen den gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen und Rahmenbedingungen, institutionalisierten Hilfesystemen, den Normalitätsanforderungen und den Bedürfnissen und Bedarfen der Klienten methodisch und fachlich bewegen zu können.

1.2 Strukturmerkmale Sozialer Arbeit

Das spezifische Wesen der Sozialen Arbeit ist geprägt von ihrer gemeinnützigen Aufgabenstellung der Vermittlung zwischen hilfe- und unterstützungsbedürftigem Individuum und Gesellschaft unter Beachtung und (Wieder-)Herstellung der Autonomie des Individuums und der Wahrung gesellschaftlicher Normalitätsvorstellungen (vgl. Heiner 2010, S. 33). Wie o. a. besteht eine Wechselbeziehung zwischen dieser zentralen Aufgabe und den daraus resultierenden Strukturmerkmalen. Diese werden in der Literatur auch als Strukturbedingungen oder -probleme, strukturelle Widersprüchlichkeiten, Handlungsparadoxien (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2011, S. 45) oder als Charakteristika der beruflichen Handlungsstruktur (vgl. Spiegel 2013b, S. 25) bezeichnet. Die Inhalte dieser unterschiedlichen Begrifflichkeiten variieren leicht, übergreifend werden aber das doppelte Mandat, das Technologiedefizit und die Koproduktion (im Zusammenhang mit einer Dienstleistungsorientierung) als übergeordnete strukturbestimmende Merkmale genannt. Zusätzlich dazu wird die Subjektorientierung, die Allzuständigkeit und ergänzend die fehlende Monopolisierung von Handlungsfeldern häufig als konstitutive Merkmale aufgeführt. Die Inhalte und Auswirkungen dieser letztgenannten Strukturmerkmale werden im Rahmen dieser Ausarbeitung aber nicht weiter ausgeführt, da sie verstärkt im Zusammenhang mit dem Themenkomplex des methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit relevant und den Wirkbereichen der erstgenannten Strukturmerkmale untergeordnet sind (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2011, S. 45 ff.; Galuske 2011, S. 31 ff.; Krauß 2006, S. 125 f.). Nachfolgend werden diese analysiert und ihre Auswirkungen auf die Soziale Arbeit beschrieben. Der Punkt Ökonomisierung der Sozialen Arbeit stellt dabei eine Besonderheit dar, da dieser Prozess kein Strukturmerkmal im eigentlichen Sinne ist, sich aber auf die genannten Bedingungen auswirkt.

1.2.1 Doppeltes Mandat

Die Ausführungen zur Entwicklung der Sozialen Arbeit zeigen, dass sich diese seit ca. Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend professionalisierte und gleichzeitig immer stärker in institutionelle Strukturen eingebunden wurde (vgl. Seite 5). Diese Einbindung sorgt bis heute für eine fachlich-organisatorische Ausrichtung in Form von institutionsbezogenen Handlungsfeldern, gleichzeitig stellt diese Einbindung aber auch die Verflechtung in rechtliche, finanzielle, organisatorische und sozialpolitische Strukturen dar. Diese fordern von der Sozialen Arbeit spezifische Handlungslogiken, die in ihrer formallogischen Ausrichtung dem eigenen Handlungsverständnis und den spezifischen Handlungslogiken der Sozialen Arbeit entgegen stehen. Diese widersprüchlichen Handlungslogiken (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2011, S. 48 f.) symbolisieren die strukturelle Polarität, die das doppelte Mandat einerseits kennzeichnet. „Die Rede vom Doppelten Mandat verweist 1. auf die konstitutive Verortung öffentlich-rechtlicher erbrachter Formen Sozialer Arbeit in einem nicht auflösbaren Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle und 2. auf die Aufgabe Sozialer Arbeit, zwischen lebensweltlichen Bedürfnissen ihrer AdressatInnen und den Imperativen und Anforderungen des (wohlfahrts-) staatlichen Systems zu vermitteln.“ (Ziegler 2015, S. 69). Dieser Vermittlungsauftrag, den auch Heiner skizziert, basiert auf rechtlichen und sozialpolitischen Grundlagen. Somit ist der Klient nur nachrangig direkter Auftraggeber der Sozialen Arbeit. Das Bild, das durch den Begriff der doppelten Mandatsstellung erzeugt wird, entspricht also nur ungenau den tatsächlichen Verhältnissen.

Die Antinomie von Hilfe und Kontrolle stellt die inhaltliche Polarität des doppelten Mandates auf der anderen Seite dar. Die Hilfe bezieht sich darauf, diejenigen bei der Bewältigung ihres Lebens zu unterstützen, die temporär oder dauerhaft dazu nicht in der Lage sind. Ihnen sollen durch die Gesellschaft bereitgestellte Ressourcen materieller und sozialer Art (z.B. monetäre Unterstützungleistungen, Beratungsangebote etc.) durch die Soziale Arbeit vermittelt werden. Gleichermaßen stellt die Soziale Arbeit sich selber die Aufgabe, den Klienten dahingehend zu befähigen, selbständig, eigenverantwortlich und kompetent sein Leben zu gestalten. Den Bezugsrahmen zur Bewertung der Unterstützungsbedürftigkeit und -form, stellen gesellschaftliche und politische Normalitätsvorstellungen dar. Ob und inwieweit die Anpassung des Klienten gelingt, bildet den Kontrollauftrag der Sozialen Arbeit. Diese „Bewahrung und Reproduktion von Normalzuständen und Normalverläufen […] (Olk 1986, S. 12).“ (Galuske/Müller 2011, S. 592) ist die andere Seite der Antinomie Hilfe und Kontrolle. Der Sozialarbeiter ist ein Repräsentant und Kontrolleur eines jeweils aktuellen Normalitätsverständnisses der Gesellschaft (vgl. Galuske/Müller 2011, S. 592; Seithe 2012, S. 68 f.; Ziegler 2015, S. 69). Hier zeigt sich deutlich, dass die Soziale Arbeit bestenfalls eine technische Autonomie (vgl. Kap. 1.2.2) besitzt, es aber an einer grundlegenden autonomen Position, die den Professionsstatus von z. B. Juristen definiert, mangelt. Das Spannungsverhältnis, welches sich aus den beschriebenen Polaritäten ergibt, bildet sich in den verschiedenen Handlungsfeldern Sozialer Arbeit unterschiedlich ab, ist aber grundsätzlich nicht aufhebbar. „Dieses von vielen Fachkräften als Dilemma empfundene „Berufsschicksal“ erwächst aus dem Umstand, dass das berufliche Handeln in einen institutionell-organisatorischen Handlungsrahmen eingebunden ist und sich gleichzeitig auf die Lebenslage und die Lebenswelt der Adressaten beziehen muss.“ (Spiegel 2013b, S. 248). Aufgrund der Unaufhebbarkeit des doppelten Mandates bedarf es einer verstärkten und kontinuierlichen Reflexion des hieraus resultierenden fortlaufenden Rollenkonfliktes, des eigenen professionellen Handelns und seiner spezifischen Wirkweise hinsichtlich Hilfe und Kontrolle (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2011, S. 50).

1.2.2 Strukturelles Technologiedefizit

Der Begriff des strukturellen Technologiedefizits entstammt der Systemtheorie Niklas Luhmans und beschreibt, dass aufgrund der Geschlossenheit und Selbstreferentialität von Systemen diese in erster Linie nach ihrem eigenen Interessen und eigenen Mustern handeln und durch Impulse von außen nicht unbedingt vorhersehbare Reaktionen der Systeme zu initiieren sind (vgl. Galuske 2015b, S. 1023 f.). Das strukturelle Technologiedefizit hat insbesondere bei Fragestellungen zum methodischen Handeln, aber auch mit dem Thema Professionalität zu tun (vgl. Kap. 2). In Bezug auf die Soziale Arbeit bedeutet dies, dass auch soziale Prozesse in dem Kontext der Systemtheorie in ihrer Struktur hochkomplex und nicht vorhersehbar und somit kausale Zusammenhänge nicht ableitbar sind. Verstärkt wird dies durch die Individualität und jeweils biographischen Eigenarten des einzelnen Falles. Dies steht im Gegensatz zu einem naturwissenschaftlich geprägten Technologiebegriff, welcher eben von einem rationalen Kausalitätsverständnis ausgeht. Diese kausalen Zusammenhänge müssten nach einem zielorientierten, technologisierten Methodenverständnis dem Handeln in der Sozialen Arbeit zugrunde liegen. Ein Technologiedefizit lässt aber den festen Zusammenhang zwischen Vorgehensweise und geplantem Ergebnis nicht zu, da die Multidimensionalität sozialer Realität von einer nicht kalkulierbaren Anzahl an Variablen bestimmt wird. Im Kontext der Sozialen Arbeit, deren strukturelles und konstitutives Wesen eben die Gestaltung von sozialen Prozessen und die Veränderung von sozialen Problemlagen ist, gibt es vor dem dargestellten Hintergrund somit nicht die eine passende Methode oder Technik, um zu dem entsprechenden gewünschten Verlauf und Ergebnis zu kommen. Es ist sogar annähernd unmöglich festzustellen, ob eine geplante Wirkung sich aufgrund oder trotz einer Intervention eingestellt hat (vgl. Spiegel 2013b, S. 31; Müller 2013, S. 330). Das Wesen der Sozialen Arbeit selber verhindert also technisierte oder standardisierte Interventionen. Gleichermaßen verstärkt sich aber der Anspruch an die Soziale Arbeit, nicht unspezifisch, situativ und ungenügend nachvollziehbar zu handeln, sondern Handeln zu planen, methodisch vorzugehen, transparent zu sein und sich fachlich zu begründen. Handlung in der Sozialen Arbeit soll aber trotz der eingangs erwähnten Problematik eine intentionale Ausrichtung besitzen. „Handeln zielt grundsätzlich auf Wirkung, daher bildet jeder Handlungsentwurf ob im Alltag oder im Beruf explizit oder implizit eine Ziel-Mittel-Relation ab.“ (Spiegel 2013b, S. 32). Diese Aussage bezieht Planungsprozesse mit ein. Der Planung einer Intervention oder auch eines Projektes wohnt immer die Annahme über bestimmte Ziel-Mittel-Relationen inne. Auf der Basis des Paradigmas des strukturellen Technologiedefizits ergibt sich hieraus die Notwendigkeit hypothetische Wirkungszusammenhänge für planerische Prozesse zu erstellen. Dies hat wiederum zur Folge, dass der Planungsprozess wie auch die nachfolgende Durchführung kontinuierlich hinsichtlich der angenommenen Ziel-Mittel-Relation überprüft werden muss. Ergeben sich dabei Abweichungen, muss eine methodische Anpassung stattfinden. Nicht Kausalität sondern Plausibilität, die sich aufgrund empirischer Forschungsergebnisse, wissenschaftlichem Fachwissen und Erfahrungswissen einstellt, leitet das methodische sozialarbeiterische Handeln. Der Begriff der technischen Autonomie bezeichnet dabei die Unabhängigkeit der Professionellen in der Wahl der methodischen Vorgehensweise allgemein und der konkreten spezifischen Arbeitsleistung in Zusammenarbeit mit dem Klienten (vgl. Spiegel 2013b, S. 32 f.). Das Merkmal des strukturellen Technologiedefizits fordert also von der Sozialen Arbeit einen prozessorientierten, reflexiven Umgang mit dem jeweiligen Einzelfall ohne den Anspruch zu entwickeln, rein standardisierte Bearbeitungen sich zu eigen zu machen oder komplexitätsreduzierende Wenn-Dann-Kausalitäten zugrunde zu legen.

1.2.3 Dienstleistungsgedanke und Koproduktion

Die in der Mitte der 90er Jahre aufkommende Beschreibung Sozialer Arbeit als personenbezogene Dienstleistung beruhte auf der aus der Sozialpolitik kommenden Neuorientierung, die unter dem Schlagwort Neue Steuerung in den Kommunen und bei den Trägern Sozialer Arbeit Einzug hielt. Obwohl unter diesem Schlagwort maßgeblich ökonomische Prinzipien in den Sozialen Bereich einströmten (vgl. Kap. 1.3), wurden mit dem Begriff der personenbezogenen Dienstleistung zunächst eher Gedanken der Lebensweltorientierung, wie Partizipation Alltags- und Subjektorientierung assoziiert. Der Klient der Sozialen Arbeit sollte nun als privilegierter Kunde und die Soziale Arbeit bürgernäher erscheinen. Der Kundenstatus suggeriert, dass er, der Kunde, auch die Qualität des Angebotes beurteilen könne. Allerdings muß dies kritisch reflektiert werden. Zum einen existiert kein freier Markt für soziale Dienst­leistungen auf dem ein Kunde sich passende Leistungen einkauft. Diese werden vom Staat/Kostenträger aufgrund seiner rechtlichen Verpflichtung gegenüber dem unterstützungsbedürftigem Bürger bei einem Anbieter/Träger gekauft und dem Bürger zur Verfügung gestellt. Dieses Modell bildet sich im sozialrechtlichen Dreieck ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Heiner 2007, S.77)

Somit hat der Bürger/Leistungsempfänger nur beschränkt Auswahl- und Mitbestimmungsmöglichkeiten hinsichtlich der Qualität und Quantität, da der Staat/Kostenträger die Angebotslandschaft entscheidend mitgestaltet. Wäre der Bürger aber der direkte Kundes des Anbieters sozialer Dienstleistungen und wäre er in der Lage diese entsprechend direkt vergüten zu können, so würde das ein Ausschlußkriterium für die eigentlichen Klienten Sozialer Arbeit, nämlich unterstützungsbedürftige und von Ausschluß bedrohte Menschen, darstellen. Die Soziale Arbeit würde in diesem Szenario ihre ureigene und auch sozialpolitische Funktionen aufgeben (vgl. Seithe 2012, S. 223 ff.). Weiterhin „[...] kann bei den Nutzern Sozialer Arbeit nicht von einer – einen „Kunden“ charakterisierenden – Souveränität von Konsumenten ausgegangen werden, weil ein Großteil aufgrund physischer und/oder psychischer Beeinträchtigungen nicht uneingeschränkt entscheidungsfähig ist und sich so in einer asymmetrischen oder abhängigen Situation befindet.“ (Siller 2008, S. 92). Das bedeutet, dass die Angebote Sozialer Arbeit sich an Bedarfen und Bedürfnissen der Klienten orientieren, die diesen häufig kaum oder auch garnicht bewusst sind, oder die diese nicht annehmen wollen. Das verweist auf einen anderen Aspekt der perso­nenbezogenen Dienstleistungsorientierung. Dieser besagt, dass Angebote der Sozialen Arbeit nur in Zusammenarbeit mit den Adressaten umgesetzt werden können, sie werden zu Koproduzenten des Produkts personenbezogener sozialer Dienstleistung und sind maßgeblich an der Produktion beteiligt. An dieser Stelle taucht der Gedanke der Subjektorientierung und der Partizipation der Adressaten wieder auf und wird besonders betont. Die (Wieder-)Herstellung von autonomer Lebensführung stellt also das Ziel sozialer personenbezogener Dienstleistung dar, allerdings muß dazu häufig erst in die Autonomie des Klienten eingegriffen werden. „Die Wahrung der Autonomie der Lebenspraxis durch einen Eingriff in die Autonomie der Lebensvollzüge ist das Dilemma aller sozialer Dienstleistungsarbeit“ (Gildemeister 1992, 213).“ (Galuske 2015b, S. 1024). Somit bewegt sich die Perspektive der Koproduktion vor dem Hintergrund der angeführten kritischen Anmerkungen auf einer abstrakt-theoretischen Ebene und wirkt sich in erster Linie auf die sprachliche Ausgestaltung aus, die aber wiederum auf die Haltung der Fachkräfte zurück wirkt. Die Besonderheit der Koproduktion sozialer personenbezogener Dienstleistungen besteht darin, dass die Produktion und der Verbrauch (Konsumtion) in einem Schritt, also uno actu erfolgen. Die angebotene Dienstleistung kann somit weder vorproduziert, noch kann sie nur teilweise verbraucht oder eingelagert werden. Durch diese Intangibilität (vgl. IntQ1) sind, in einem technischen Sinne, Interventionen auch nur bedingt planbar und bedürfen eben der unbedingten Mitarbeit des Klienten (vgl. Spiegel 2013b, S. 33 ff.). Durch die spezifischen Eigenschaften des Uno-Actu-Prinzips sind die Möglichkeiten einer Meßbarkeit von Interventionen nur eingeschränkt und mit speziellen Methoden umsetzbar. Hierbei kann die Zielrichtung nur die Erfassung des Outcome sein, also der längerfristigen, möglichen Wirkungen3. Weiterhin zeigt auch dieses Merkmal, dass der Kundenstatus nicht angemessen ist. Die Bezeichnung Kunde impliziert eine gewisse Passivität und Konsumhaltung, die aber aufgrund der notwendigen Koproduktion zur Erstellung des Angebotes nicht passt. Der Aspekt der gemeinsamen Erstellung der Dienstleistung (Koproduktion) verweist, wie bereits o. a. auf das hohe Maß an kooperativer Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeiter und Klient. Dieses kooperative temporäre Bündnis ist allerdings von einer strukturellen Asymmetrie gekennzeichnet. Der Sozialarbeiter verfügt über Möglichkeiten der Einflußnahme, kann Hilfe und Unterstützung gewähren oder verweigern und verfügt über größere Wissensbestände. Er befindet sich also zusammengefasst in einer machtvolleren Position gegenüber dem Klienten. Dieser wiederum kann durch seine Verweigerung die Erstellung der Dienstleistung verhindern und somit seinerseits Macht ausüben und die Grenzen von Interventionsmöglichkeiten aufzeigen (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2013, S. 54 ff.). Zusammengefasst beinhaltet das Strukturmerkmal der personenbezogenen Dienstleistung auf Basis einer Koproduktion, die unbedingte Notwendigkeit der gelingenden Kooperation zwischen Klient und Sozialarbeiter vor dem Hintergrund einer strukturellen Asymmetrie.

1.3 Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

Dieses sehr umfassende und mehrdimensionale Thema kann im Rahmen dieser Betrachtung nur kurz umrissen werden, wobei der Zusammenhang zwischen den veränderten sozialpolitischen und -rechtlichen Bedingungen und den daraus resultierenden Veränderungen der Strukturmerkmale der Sozialen Arbeit im Fokus steht. Die bereits dargestellten Strukturmerkmale sind durch ihre Kontinuität und Immanenz innerhalb der Sozialen Arbeit gekennzeichnet. Die im folgenden beschriebene Ökonomisierung der Sozialen Arbeit reiht sich da nicht ein, sondern wirkt sich auf die Struktur und Inhalte Sozialer Arbeit insgesamt und auf die Gewichtung und Ausformung der benannten Strukturmerkmale aus.

Soziale Arbeit vollzieht sich fast ausschließlich in organisationellen Kontexten. Sie tritt als Stellvertreter gesellschaftlicher sowie sozialpolitischer und sozialrechtlicher Normierungen (vgl. Kap. 1.2.1/1.2.3) auf, und bewegt sich „[...] im Spannungsfeld ökonomischer, gesellschaftlicher und kultureller Realitäten und steht in einem nahen Abhängigkeitsverhältnis zu den aktuell herrschenden ökonomischen Verhältnissen und ist damit auch unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessenslagen unterworfen.“ (Düwel 2015, S. 105). Diese Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit veränderten sich in der 1990er Jahren. Bis dahin galt Deutschland als Wohlfahrtsstaat, der Menschen unterstützte, die mehr oder weniger unverschuldet in Notlagen geraten waren und diese nicht aus eigener Kraft überwinden konnten. Gleichermaßen sollte Notlagen auch von staatlicher Seite vorgebeugt werden. Diese sozialpolitische Ausrichtung wird als Paternalismus bezeichnet, und zeichnet das Bild des fürsorgenden Vater Staat, der sich um seine Bürger kümmert. Seit Ende der 1980er Jahre stellte sich vermehrt die Frage nach der Effizienz, Effektivität und Finanzierbarkeit des Wohlfahrtsstaates (ausgehend von USA/GB, wobei hier die sozialstaatliche Struktur bereits eine ganz andere war). Es wurde erfolgreich versucht, Mechanismen und Verfahren der Ökonomie auf die Strukturen des Staates und des Sozialen zu übertragen (vgl. Wendt 2015, S. 346 ff.). Dieser Veränderungsprozess wurde unter den Begriffen Neue Steuerung, Ökonomisierung sowie Umbau des Sozialstaates zusammengefasst . Zur Optimierung von Unternehmensabläufen in Bezug auf Effektivität und Effizienz wird sich seitdem vermehrt am Instrument des Sozialmanagements bedient und dieses genießt mittlerweile einen hohen Stellenwert innerhalb der Sozialen Organisationen (vgl. Galuske/Müller 2011, S. 605). Zudem spielen weitere ökonomische Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Neuausrichtung und Umstrukturierung der sozialen Organisationen. Durch Kürzungen der Zuweisungen von Bund und Ländern stehen den Trägern und Verbänden geringere Mittel zur Verfügung. Zudem haben die Kirchen ihre Mittelzuweisungen ebenfalls auf eine neue Grundlage gestellt, die für die Finanzierung ihrer Einrichtungen nicht förderlich ist. Ferner ist die Entdifferenzierung Sozialer Dienste ebenfalls ein zu beobachtender Trend innerhalb sozialer Organisationen (vgl. Nikles 2008, S. 93). Der Sozialstaat verwandelt sich weitergehend in einen Aktivierungs- und Konditionalstaat, dessen zentrale Ausrichtung die Eigenverantwortung und Aktivierung des Einzelnen vor der Umsetzung von sozialer Gerechtigkeit und Solidarität steht. Kann sich also eine Ökonomisierung der Sozialen Arbeit vollziehen, ohne daß die Soziale Arbeit ihre konstitutiven Merkmale und fachliche Prinzipien verliert? Aktuell wird die Kritik geäußert, daß ökonomische Aspekte, die aufgrund der damaligen schwierigen finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte Einzug gehalten haben, eben genau diese Veränderungen der Sozialen Arbeit bewirken. Im Zentrum der Kritik steht dabei die Anwendung ökonomischer Instrumente und des ökonomischen Prinzips auf die Soziale Arbeit, ohne diese an die spezifischen Strukturmerkmale und Ziele Sozialer Arbeit anzupassen (vgl. Thole/Cloos 2000, 15 f.; Seithe 2011, S. 3 f.). Die Legitimation und Anpassung der Tätigkeit aufgrund des ökonomischen Drucks führt dabei zu Entwicklungen, die den beschriebenen Inhalten Sozialer Arbeit zuwider läuft. „Zum Problem wird die ökonomische Orientierung [allerdings] dort, wo die Zielhierarchie durcheinandergebracht und die Anliegen der Klientel oder die Prinzipien der Profession dem Diktat des Ökonomischen unterworfen werden.“ (Mühlum 2000, S. 113) . Der sozialpolitische und am Grundgesetz ausgerichtete Versorgungsauftrag der Sozialen Arbeit muss Qualitätsanforderungen entsprechen, die durchaus überprüfbar und transparent sein sollten, und zur jeweiligen Legitimation beitragen können. Allerdings müssen die Instrumente und Verfahren den Anforderungen, die aus den Strukturmerkmalen der Sozialen Arbeit resultieren, genügen. „Die Optimierung Sozialer Arbeit ist […] nicht durch sozialtechnologische organisationsspezifische Beherrschung und Festsetzung der Arbeitsvollzüge zu erreichen.“ (Thole/Cloos 2000, S. 14). Ökonomische Aspekte in der Organisation der Sozialen Arbeit sind nicht grundsätzlich abzulehnen, da sie unterstützen können, ressourcenschonend, zielorientiert und vor Kostenträgern legitimiert zu arbeiten (vgl. Finis Siegler 2009, S. 15). Dabei müssen aber die ethischen und professionellen Grundüberzeugungen der Sozialen Arbeit die Leitmotive in der Verknüpfung mit der Ökonomie darstellen. Die genannten Befürchtungen und Kritikpunkte sind berechtigt und die Frage wieviel Ökonomisierung die Soziale Arbeit verträgt, muß reflexiv gestellt werden (vgl. Seithe 2012, S. 233 f.). Kommt es zu einer Überbetonung von Kontrolle (und Sanktion), technologisch und auf Output - (statt Outcome und Impact) ausgerichteten Wirksamkeitsüberprüfungen trotz des Technologiedefizits, sowie zu einer Dienstleistungsorientierung, die die dringende Notwendigkeit der Koproduktion mißachtet, so wäre der Zusammenschluß von Sozialer Arbeit und ökonomischen Prinzipien gescheitert. Diese Tendenz ist leider aktuell zu bemerken und macht eine kritische Auseinandersetzung und Reflexion der je eigenen Situation im Handlungsfeld dringend notwendig.

[...]


1 Unter Sozialer Arbeit werden die in der Vergangenheit gebräuchlichen Bezeichnungen Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Fürsorge und Wohlfahrtspflege subsummiert. Zudem beziehen sich die Ausführungen hier nur auf die Entwicklungen in Deutschland.

2 Im Text wird durchgehend die männliche Form der Schreibweise benutzt. Dies dient der Lesbarkeit. Die weibliche Form wird ausdrücklich miteinbezogen.

3 Als Output werden hingegen die direkten Ergebnisse oder darauf bezogenen Leistungen eines Projekts, einer Intervention o.ä. verstanden. Der Impact beschreibt auf einer weiteren Ebene Auswirkungen auf das nicht direkt fokusierte Umfeld (vgl. IntQ4).

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Strukturmerkmale sozialer Arbeit und Anforderungen an die professionelle Reflexion
Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
52
Katalognummer
V428226
ISBN (eBook)
9783668721128
ISBN (Buch)
9783668721135
Dateigröße
2529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit Reflexion Supervision Strukturbedingungen Geschichte der Sozialen Arbeit
Arbeit zitieren
Andreas Reichenbecher (Autor), 2017, Strukturmerkmale sozialer Arbeit und Anforderungen an die professionelle Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428226

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