Gründe für Body Modification. Welche Rolle spielt das Medium Haut und die Zugehörigkeit zu einer Subkultur?


Hausarbeit, 2016

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zur Body Modification
2.1. Geschichte und Entstehung
2.2. Arten und Formen
2.3. Beweggründe

3. Die Rolle der Haut

4. Body Modification in Subkulturen
4.1. Fallbeispiel: Hardcore
4.1.1 Entstehung und Sichtweisen der Subkultur
4.1.2 Hardcore und Body Modification
4.2. Fallbeispiel: Gothic
4.2.1 Entstehung und Sichtweisen der Subkultur
4.2.2 Gothic und Body Modification
4.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hardcore und Gothic

5. Die Zukunft der Body Modification

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der moderne Mensch, der sich tätowiert, ist ein Verbrecher oder Degenerierter. Es gibt Gefängnisse, in denen 80 Prozent der Häftlinge Tätowierungen aufwei­sen. Die Tätowierten, die nicht in Haft sind, sind latente Verbrecher oder dege­nerierte Aristokraten.” (Loos 2010 1908, 364)

Der österreichische Architekt und Kulturpublizist Adolf Loos stellte in seinem Werk „Ornament und Verbrechen“ von 1908 die These auf, dass tätowierte Menschen zwangsläufig eine kriminelle Energie aufweisen würden. Tatsächlich galten Tätowie­rungen und Piercings auch noch in weiten Teilen der Gesellschaft bis zum Ende der 1980er Jahre als verpönt und wurden hauptsächlich von Leuten getragen, die gegen das gängige System rebellieren wollten. Erst Mitte der 1990er Jahre fand ein Umschwung im Denken der Gesellschaft statt und immer mehr Leute ließen sich tätowieren oder piercen. Rund 100 Jahre nach der Aussage von Adolf Loos sind diese Formen der Body Modification zum Mainstream geworden und weitestgehend akzeptiert, wobei noch immer unterschieden werden muss zwischen gängigen und eher unüblichen Positionen und Arten der Tätowierungen und Piercings. Body Modification beschränkt sich zudem nicht nur auf diese beiden genannten Anwendungsbereiche, sondern ist noch deutlich vielfältiger. Diese Hausarbeit hat sich das Ziel gesetzt, sich dem breiten Feld der Body Modification aus historischer, kultureller und soziologischer Sicht zu nähern und somit einen Überblick über alle Aspekte dieses Körpertrends zu geben.

Im zweiten Kapitel wird zunächst definiert, was unter Body Modification zu verstehen ist, bevor auf den geschichtlichen Hintergrund eingegangen wird. Anschließend werden die verschiedenen Formen von Body Modification vorgestellt und daraufhin die Be­weggründe zum Entscheiden für die Körperkunst diskutiert. Im folgenden dritten Kapi­tel wird ein besonderer Blick auf die Rolle der Haut, die als Oberfläche bzw. Träger bei der Body Modification dient, geworfen.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich hiernach mit dem Bereich der Subkulturen, in denen Body Modification eine gewichtige Rolle spielt. Dies wird anhand von zwei Fallbei­spielen aus dem Musikbereich, den Genres Hardcore und Gothic, veranschaulicht. Bei­de Subkulturen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Anhänger nicht nur ausschließlich die Musik konsumieren, sondern auch andere Themen in der jeweiligen Subkultur von großer Bedeutung sind, unter anderem Body Modification. Nachdem ein kurzer Über­blick über die Geschichte der jeweiligen Musikrichtung gegeben wurde, soll der Fokus darauf liegen, herauszuarbeiten, welche Formen der Body Modification in diesen Sze­nen angewendet werden und was die Beweggründe dafür sind. Anschließend werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hardcore- und Gothic-Genre aufgezeigt. Letztendlich soll im fünften Kapitel ein Blick auf aktuelle Trends und zukünftige Mög­lichkeiten, die das Feld der Body Modification bieten könnte, geworfen werden, bevor die gewonnenen Erkenntnisse im sechsten Kapitel als Fazit zusammengefasst werden.

2. Allgemeines zur Body Modification

Als Body Modification versteht Sarah Sawyer jegliche Veränderung des Körpers aus spirituellen, modischen, sozialen oder persönlichen Gründen (vgl. 2007, 7). Eine ein­heitliche Definition fällt allerdings schwer, da es unterschiedliche Ansichten gibt, wel­che Bereiche unter den Überbegriff der Body Modification fallen. Einige sehen darin schon Aktivitäten, die jegliche Form von Körperveränderung nach sich ziehen, also oberflächliche Veränderungen und alltägliche Vorgänge, auf die im Punkt 2.2 noch ge­nauer eingegangen wird, für andere fängt Body Modification erst dann an, wenn diese nachhaltig ist, unter die Haut geht oder mit Schmerzen verbunden ist.

2.1 Geschichte und Entstehung

Seit Anbeginn der menschlichen Existenz besteht Interesse daran, seinen Körper zu ver­ändern oder zu verschönern (vgl. Eberhard 2012, 16). Schmuck spielte hierbei schon immer eine entscheidende Rolle und lässt sich in allen Kulturkreisen vorfinden (vgl. Trattner 2008, 85). Piercings sind seit mehreren tausend Jahren vor allem ein wichtiges Utensil bei unbekleideten Naturvölkern in Afrika, auf den Pazifik-Inseln oder aber auch in Indianerstämmen sowie bei indigenen Völkern in Australien und Afrika. Sie dienen dort zur Verschönerung des Körpers. Doch auch bei den alten Ägyptern und Römern war ein Auftreten von Piercings nicht unüblich, hauptsächlich in Form der Dehnung ihrer Ohrläppchen (vgl. Kasten/Wessel 2014, 21). Tätowierungen haben eine ähnlich lange Geschichte vorzuweisen und kommen seit tausenden von Jahren überall auf der Welt und in den unterschiedlichsten Kulturkreisen vor. Entstanden ist der Begriff Tattoo in Polynesien, wo er so viel bedeutet wie „das Bemalen des Körpers mit einem Tatau“ (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 1). Noch heute verzichten viele pazifische Naturvölker auf die technischen Möglichkeiten einer Tätowiermaschine und kreieren stattdessen die Tätowierung, wie vor tausenden von Jahren, klassisch mithilfe von Nadeln, spitzen Stöcken und ähnlichen Utensilien. Eine Ausnahme bilden die Maori, die seit den 1980er Jahren öfter auf moderne Techniken zurückgreifen. Während bei den Maori die soge­nannten Mokos, also die Hautzeichen, darüber Auskunft geben, welchen Rang bspw. die entsprechende Person in der Ordnung hat, halten andere Naturvölker bestimmte Le­bensereignisse, wie Schwangerschaften oder Hochzeiten, auf ihren Körpern fest. Dar­über hinaus wurden Körpermodifikationen oft auch als Blutopfer für die Götter angese­hen, durch die den Menschen Schutz vor Krankheiten und bösen Geistern gewährt wer­den sollte (vgl. Sawyer 2007, 14 f.; Kasten/Wessel 2014, 26; Trattner 2008, 88; Meier 2010, 16). Das älteste Beispiel für Tätowierungen lieferte der Fund des rund 5300 Jahre alten Ötzis im Jahre 1991. Der Körper von Ötzi wies insgesamt 57 Tätowierungen auf. Beim Fund wurde zusätzlich eine Tätowiernadel an seinem Körper gefunden (vgl. Mei­er 2010, 17).

In der westlichen Welt spielten Körpermodifikationen zunächst eine untergeordnete Rolle. Zudem waren diese meist negativ konnotiert, hierbei insbesondere Tätowierun­gen (vgl. Honisch 2012, 23). Diese wurden als etwas Primitives angesehen und als et­was, was nur Unruhestifter freiwillig tragen würden. Es sei ein Zeichen für die Beein­trächtigung der gesunden Entwicklung des Individuums (vgl. ebd., 32). Berühmt ge­macht hat die Tätowierungen erst der Weltumsegler James Cook Ende des 18. Jahrhun­derts, als er von seiner Tahiti-Reise zurückkehrte und einige seiner Crewmitglieder ihre Tätowierungen, die sie dort erhielten, präsentierten. Dies löste einen Boom unter den Seefahrern aus, sodass immer mehr von ihnen mit diesen klassischen Tätowierungen von ihren Reisen zurückkehrten. Bis dahin wurden Tätowierungen und Brandings nur dazu genutzt, um die Identität und den Beruf von Menschen festzustellen, so z.B. bei den Soldaten in Griechenland und dem Römischen Reich (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 1 f.; Kasten 2006, 235). In Frankreich wiederum wurden Kleinkriminelle jeweils mit ei­nem Buchstaben gebrandmarkt, der für ihr jeweiliges Delikt stand, z.B. „v“ für „voleur“, also Dieb (vgl. Sawyer 2007, 13). Diese Vorgehensweise lässt sich ebenfalls noch im 20. Jahrhundert erkennen, beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, als die Gefan­genen entsprechend gekennzeichnet wurden und ihren Status als Individuum somit auf­geben mussten. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ sich aber auch eine Zunahme an freiwil­ligen Tattoos in der Gesellschaft erkennen. Begünstigt wurde dies durch die Erfindung der Tätowiermaschine von Samuel O’Reilly im Jahre 1891 (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 1 f.). Zur gleichen Zeit entwickelten sich vornehmlich in den USA zur Blütezeit der Kirmes- und Zirkusära von 1880-1920 auch so genannte Freakshows, in denen Täto­wierte vorgeführt wurden. Bei diesen handelte es sich meist um mitgebrachte Sklaven von den pazifischen Inseln (vgl. Atkinson 1971, 33 f.).

Während die Tätowierungen schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt waren und kritisch diskutiert wurden, dauerte es noch deutlich länger, bis Piercings ins Gespräch kamen. Eine Ausnahme bildeten die gesellschaftlich-akzeptierten durchgestochenen Ohrläpp­chen bis zu den 1920er Jahren. Danach folgte die Ära der Clip-on Ohrringe, bevor 1960 wieder die gepiercten Ohren zur Normalität wurden (vgl. Sawyer 2007, 9). Es sollte allerdings bis in die 1970er Jahre dauern, bis auch andere Formen des Piercings in der westlichen Welt ausgetestet wurden. Vorreiter hierfür war zum einen die Punkszene, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen wird (vgl. Kasten/Wessel 2014, 23), zum anderen entwickelte sich zur gleichen Zeit aber auch die Gruppierung der Mo­dern Primitives, die die Riten und den Körperschmuck der Naturvölker an sich selbst ausprobierten (vgl. Kasten o.J.). Auch die Tätowierungen nahmen ab den 1960er Jahren zu, vorerst als Zeichen der Abgrenzung oder Gruppenzugehörigkeit, z.B. bei Biker­Gangs oder im bereits genannten Punkrockbereich. Ab den 1990er Jahren entwickelten sich sowohl Tätowierungen als auch Piercings zu einem Massenphänomen und werden seither weitestgehend gesellschaftlich akzeptiert. Während der Trend der Piercings langsam abflaut, ist die Tätowierung weiterhin sehr beliebt (vgl. Kasten/Wessel 2014, 23 f.).

Körpermodifikationen, also die Art, wie sie auftreten und wie sie gesellschaftlich ange­sehen werden, unterliegen einer stetigen Veränderung (vgl. Eberhard 2012, 16). Täto­wierungen und Piercings werden heute meist nicht mehr als Form der Rebellion ange­sehen, sodass Menschen, die sich von der Gesellschaft abgrenzen oder schockieren wol­len, andere Arten der Körpermodifikation wählen müssen (vgl. Kasten o.J.).

2.2 Arten und Formen

Zwar sind Tätowierungen und Piercings die wohl bekanntesten Arten von Körpermodi­fikation und werden am ehesten damit assoziiert, doch gibt es noch viele weitere Arten und Kategorien. Zunächst soll aber geklärt werden, wie bereits in der Definition ange­deutet, was alles unter dem Begriff verstanden wird. Gisela Steins spricht bspw. in die­sem Zusammenhang von Make-Up, Diäten oder sportlicher Betätigung, die den Körper kurzfristig verändern und sozial akzeptiert sind (vgl. 2007, 47). Dagegen sieht es die aktivere Body Modifikation-Szene so, dass der Begriff nur angewendet werden kann, wenn es sich um Eingriffe in die Körperwelt handelt, die längerfristig bestehen bleiben und Veränderungen bedeuten. Dazu zählen klassisch die Tätowierungen, die sich noch in Stilrichtungen wie Oldschool, Newschool, Tribals oder Lettering unterteilen lassen können (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 4 ff.), aber auch Piercings in all ihren Anwendungs­arten. Unterschieden wird bei Piercings noch in auffällige, beispielsweise in der Zunge, Brust oder Genitalbereich, sowie unauffällige Piercings, etwa im Ohr, in der Nase oder im Bauchnabel (vgl. Trattner 2008, 86). Auch Schönheitsoperationen sind keine Selten­heit im 21. Jahrhundert. Hierzu zählen z.B. Silikonimplantate.

Weitaus seltener kommen dagegen Eingriffe in Form von Cutting oder Branding vor, die unter dem Oberbegriff Skarifizierung zusammengefasst werden. Hierbei handelt es sich um das Schneiden oder Einbrennen von Narben. Diese Methode wurde ursprüng­lich von Völkern verwendet und entwickelt, bei denen normale Tätowierungen aufgrund der starken Pigmentierung der Haut keinen Sinn gemacht hätten. Im Vergleich zu Täto­wierungen und Piercings ist diese Methode gesellschaftlich noch nicht in weiten Teilen akzeptiert. Um die Toleranzgrenzen der Gesellschaft weiterhin auszutesten, gibt es zu­sätzlich noch den Bereich der Hardcore- bzw. Extreme Body Modification. Hierzu zäh­len Vorgänge wie die Spaltung der Zunge oder Genitalmodifikationen. Diese sind auch in der Szene noch recht unüblich, gelten aber dort dennoch nicht als unnormal (vgl. St. Leone 2010).

2.3 Beweggründe

Die Beweggründe, sich für eine Körpermodifikation zu entscheiden, sind vielfältig. Wohlrab et al. haben diese in zehn Unterkategorien zusammengefasst: Schönheit, Kunst & Mode, Individualität, ein persönliches Narrativ, Gruppenzugehörigkeit und Ver­pflichtung, Widerstand, Spiritualität und kulturelle Tradition, physische Ausdauer, Sucht, sexuelle Motivation und als letztes noch der Punkt, dass kein besonderer Grund für die Modifikation vorlag. Häufig greifen mehrere dieser Gründe gleichzeitig bei der Entscheidung (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 9 ff.). Im Folgenden soll auf einige der ge­nannten Kategorien eingegangen werden.

Zunächst sind erneut die teils Jahrtausende langen Traditionen einiger Völker zu nen­nen, bei denen Tätowierungen fest zur Kultur gehören und Bestandteil von Ritualen sind (vgl. ebd., 2). Für die Menschen dieser Völker sind die Tätowierungen also Norma­lität, weil sie schon mit der Anwendung von Body Modification großgeworden sind. Diese können, wie schon in Kapitel 2.1 angeklungen, z.B. Lebensereignisse wie Hoch­zeiten oder Schwangerschaften ausdrücken. Darüber hinaus war es üblich, dass Jugend­liche ihre erste Körpermodifikation erhielten, wenn sie in die Erwachsenenwelt inte­griert wurden (vgl. Trattner 2008, 41). Im westlichen Raum spielt die Adoleszenz eben­falls eine ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung für eine Körpermodifikation. Allerdings sind es hier weniger kulturelle und spirituelle Gründe, sondern vielmehr ist der Abnabelungsprozess von den Eltern oder der Widerstand gegen die Gesellschaft, sowie das Bedürfnis nach Autonomie, zu nennen. Kleidung und Körperschmuck sind hierbei effektive Mittel, um die Protesthaltung auszudrücken. (vgl. Pezzoli 2013, 47 f.). Doch nicht nur die Übergangsphase zwischen Adoleszenz und Erwachsensein kann zu der Entscheidung für Body Modification führen, sondern auch das Abschließen eines Lebensabschnitts ganz gleich welchen Alters. Der Wunsch nach einem Neubeginn wird dadurch symbolisiert (vgl. Trattner 2008, 41).

In dem Zeitraum der Adoleszenz wird der Körper viel bewusster wahrgenommen und betrachtet. Bewertungen von Gleichaltrigen hinsichtlich der körperlichen Veränderun­gen werden fortan stärker gewichtet (vgl. ebd., 13). Die freie Wahl, wie der Körper ge­staltet werden soll, führt zu einer Identitätskonstruktion. Gleichzeitig kann es aber auch den Drang ausdrücken eigene Identitätsdefizite durch die Body Modification zu kom­pensieren (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 11). Die Modifizierung kann daher für manche als Mutprobe angesehen werden, die sich selbst beweisen wollen, dass sie den Schmerz und das intensive Körpererleben durchstehen können (vgl. Trattner 2008, 85 f.). Dieser Be­weis kann das Gefühl, eine persönliche Identität aufzubauen, steigern (vgl. Kasten 2006, 235) und Defizite wie Schüchternheit oder mangelndes Selbstvertrauen lindern (vgl. Trattner 2008, 87). Durch die jeweilige Körpermodifizierung ist es möglich ein eigenes, neues Erscheinungsbild zu kreieren, welches in die Welt hinausgetragen werden soll (vgl. Lobstädt 2005, 166).

Neben der Identitätsbildung kann Body Modification aber auch eine Form von Selbst­therapie nach traumatischen Erlebnissen sein (vgl. Kasten o.J.). Die Kunden suchen in dem Schmerz der Behandlung eine Linderung ihrer inneren Schmerzen. Oft stellt sich dabei aber kein langfristiger Erfolg ein. Stattdessen besteht das erhöhte Risiko, dass sich die Modifikationen zu einer Art Sucht entwickeln und immer neue Schmerzgrenzen im Anschluss ausgetestet werden (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 13).

Die Körpermodifizierung als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gruppe hat stark ab­genommen, da Tätowierungen und Piercings heute kein Medium für die Gegenkultur mehr darstellen. In den 1960er und 1970er Jahren konnte dieser Fall aber häufig beo­bachtet werden, sei es bei Hippies, Biker-Gangs oder Gefangenen, die sich ihren Status oder ihr Strafmaß tätowieren ließen (vgl. ebd., 2). Sowohl bei Tätowierungen als auch bei Piercings ist der Punkt der Gruppenzugehörigkeit für Männer entscheidender als für Frauen. Für Frauen steht der Schönheitsaspekt, den sie sich durch die Veränderung des Körpers versprechen, im Vordergrund (vgl. ebd., 11; vgl. May/Kohnen 2006, 12). Heutzutage geht der Trend bei der Tätowierung eher dahin, sich jene stechen zu lassen, die nur eine Bedeutung für einen selbst haben und nicht für irgendwelche Gruppen (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 3). Gerade im Jugendalter nimmt die Bedeutung des Aussehens zu und ist die Voraussetzung für soziale Akzeptanz (vgl. Trattner 2008, 85). Daher wird eine Annäherung an die bestehenden Schönheitsnormen erwartet (vgl. ebd., 13). Längst haben das Fernsehen und die Werbung den Trend zu Tätowierungen erkannt und versu­chen diesen für sich zu nutzen. Das Fernsehen, indem es beispielsweise Shows wie Mi­ami Ink ausstrahlt, in denen die Arbeit in einem Tattoostudio gezeigt wird, die Werbung dadurch, dass Tätowierungen bzw. tätowierte Menschen bewusst eingesetzt werden, um ein bestimmtes Projekt zu bewerben (vgl. Lobstädt 2005, 204 ff.). Tätowierungen sind somit in der Unterhaltungsbranche angekommen (vgl. Eberhard 2012, 17). Viele Täto­wierungen können daher ausschließlich als reines Modeaccessoire ohne tiefere Bedeu­tung angesehen werden, um den momentanen Schönheitsnormen zu entsprechen (vgl. Pöhlmann et al. 2014, 3).

3. Die Rolle der Haut

Die Haut besteht aus drei übereinanderliegenden Schichten, die untereinander eine feste Verbindung besitzen: Epidermis (Oberhaut), Dermis (Lederhaut) sowie Subcutis (Un­terhaut). Der Haut werden verschiedene Funktionen zugesprochen. Zunächst sei hierbei die Rolle der Körperbedeckung zu nennen. Sie regelt beispielsweise die Wärmeregulie­rung (vgl. Pinkus 1927, 1). Darüber hinaus ist das Hautorgan die letzte Schicht zwi­schen dem Individuum bzw. dem Körper und seiner Umwelt (vgl. Schwarz 2007, 177). Dadurch kann sie als Schutz gegen die äußere Umgebung, z.B. Krankheitserregern, an­gesehen werden. Jede Verletzung der Haut birgt die Möglichkeit, dass das Wohlbefin­den gefährdet wird, weil ein Teil des Mechanismus dabei zerstört wird. Die Haut ist

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Details

Titel
Gründe für Body Modification. Welche Rolle spielt das Medium Haut und die Zugehörigkeit zu einer Subkultur?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Smart Surface
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V428254
ISBN (eBook)
9783668721302
ISBN (Buch)
9783668721319
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Body Modification, BodMod, Haut, Tattoos, Tattoo, Piercing, Körper, Subkultur, Musik, Hardcore, Hardcore-Punk, Gothic, Goth, Körperkunst, Körpermodifikation, Trends, Cutting, Branding, Gesellschaft, Akzeptanz, Abgrenzung, Kunst, Individualität, DIY, Implantate, Medizin
Arbeit zitieren
Sebastian Ullrich (Autor), 2016, Gründe für Body Modification. Welche Rolle spielt das Medium Haut und die Zugehörigkeit zu einer Subkultur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428254

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