Die Habsburger Monarchie. Restauration und Vormärz


Seminararbeit, 2015
9 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

Ikonographische Beschreibung

Ikonologische Analyse

Essay

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Frühjahr 1815- Napoleon erleidet bei Waterloo eine vernichtende Niederlage und wird von den Siegermächten zur Abdankung gezwungen. Die Befreiungskriege, die seit einigen Jahren in ganz Europa tobten, fanden endgültig ein Ende. Nun stand die Frage nach der territorialen und politischen Neuordnung Europas und insbesondere der Deutschlands offen zur Diskussion. Dazu versammelten sich die fünf Großmächte Österreich, Preußen, England, Frankreich, Russland und die Mehrzahl der europäischen Länder auf dem Wiener Kongress, der seit 1814 tagte. In den Köpfen der deutschen Bevölkerung waren die liberalen Ideen der Französischen Revolution längst fest verankert, große Hoffnungen und Erwartungen verbreiteten sich im Land. Sie sehnten sich nach einer vereinten, selbstbewussten Nation, ihre Ideale hießen Freiheit und Gleichheit, doch schon bald konnte man die Enttäuschung an ihren Augen ablesen.

In der Seminararbeit „Die Habsburgermonarchie- Restauration und Vormärz“ soll anhand einer Analyse und Interpretation der Karikatur „Der Antizeitgeist“ aus dem Jahr 1819 die These Die nachrevolutionäre politische Neuordnung Deutschlands war nichts anderes als die Wiederherstellung des vorrevolutionären Systems und der Untergang der liberalen Ideen der Französischen Revolution zur Diskussion gestellt werden. Ich wählte diese Karikatur als Untersuchungsgegenstand, da ihre Elemente das Resultat des Wiener Kongresses und die Politik Metternichs sehr ausdrucksstark darstellen.

Im Folgenden stelle ich meine Vorgehensweise vor. Zunächst erfolgt die ikonografische Beschreibung der Karikatur. Im Anschluss nehme ich die ikonologische Analyse vor, auf die der Essay folgt, bei dem die Karikatur in den gesamten historischen Kontext eingeordnet und Stellung zur These bezogen wird. Abschließend sollen die Analyseergebnisse nochmals zusammengefasst und ein Ausblick auf die weitere politische Entwicklung gegeben werden.

Die Seminararbeit beruht überwiegend auf den Forschungsergebnissen des von Manfred Firnkes verfassten Aufsatzes „>>Restauration<< und >>Vormärz<< Reaktionäre Fürstenmacht und liberale Bürgeropposition 1815-1848“, da dieser eine solide Basis für die genannte Epoche schafft und vor dessen Hintergrund man die einzelnen Elemente der Karikatur nachvollziehbar deuten kann. Bei dem „Antizeitgeist“ handelt es sich um eine von Johann Michael Voltz kolorierte Radierung, die 1819 erschienen und als Satire anzusehen ist. Sein Ziel war es, die ungerechte nachrevolutionäre Ordnung auf verspottender und sarkastischer Weise darzustellen. Somit sprach er für alle deutschen Liberalen und richtete sich gegen die Vertreter der alten Staatsordnung.

Hauptteil

Ikonografische Beschreibung

Unter der ikonografischen Beschreibung sollen die einzelnen Bildelemente benannt und der Erscheinungssinn herausgearbeitet werden.

Im Vordergrund mittig kann man eine kräftige Eselsgestalt erkennen, die aufrecht auf einer Wiese steht und zum Himmel hinaufschaut. Sie trägt eine blond gelockte Perücke und einen und einen grün-goldenen Hut auf dem Kopf. Des Weiteren ist sie mit einem ebenfalls grün-goldenen Frack, einem weißen aufgeplusterten Halstuch, einer blau-weißen Kniebundhose und schwarzen Schuhen mit goldenen Verschluss gekleidet. Die Figur klammert unter ihrem linken Arm ein rot-braunes Buch, auf dem man die Worte „Uralte Rechte“ lesen kann. Auf ihrer rechten Hand trägt sie einen Falken, in ihrer linken Hand hält sie ein kleines Holzpferd, dass das Ende eines langen Astes darstellt, der sich in die untere rechte Bildhälfte erstreckt. Dieser Ast, von dessen Zweigen grüne Blätter und weiße Symbole abgehen, befindet sich außerdem zwischen den Beinen der Gestalt. Weiterhin stößt man auf ein Schwert, das aus dem Frack hervorsticht und auf drei rote Mützen, auf die das Eselstier mit beiden Füßen steht. Neben seinem rechten Fuß kann man zudem eine Kerze mit grauem Rauch erkennen, die gerade umfällt, unter seinem linken Fuß eine zerbrochene Waage. Im Vordergrund rechts unten sieht man außerdem einen dunkelgrünen Busch mit drei rosanen Blüten, eine gelb-braune Echse und eine braune Kröte, die zur Gestalt blicken. Die oberen zwei Drittel des Hintergrundes hat J. M. Voltz mit einem grauen Himmel, vier Fledermäusen und zwei Eulen ausgeschmückt. Links im unteren Drittel des Hintergrundes erkennt man eine Sonne, die er größtenteils schwarz zeichnete.

Ikonologische Analyse

In einem nächsten Schritt, der ikonologischen Analyse, soll nun der Bedeutungssinn der einzelnen Bildelemente offengelegt werden.

Beginnen muss man hierbei bei der Eselsgestalt, der J. M. Voltz eindeutig äußere menschliche Merkmale wie Arme, Beine, Hände, Kleidung und die aufrechte Haltung zugeordnet hat. Da man den Esel mit Eigenschaften wie Sturheit und Dummheit verbindet, wird die Darstellung insgesamt zu einer Allegorie, die einen Menschen zeigen soll, dem es an Verstand mangelt. Welcher gesellschaftlichen Gruppe dieser Mensch zuzuordnen ist, verrät seine Kleidung. Der Frack, der Hut und die Schuhe, die jeweils durch die goldenen Verzierungen auffallen, aber auch das Schwert und das kleine Ross sind signifikant für den Adel der damaligen Zeit. Verbindet man diese beiden Elemente miteinander, kann man schlussfolgern, dass Voltz dem Adelsstand auf sarkastischer Art ablehnend gegenüberstand. Die Gründe dafür kann man an den weiteren Bildelementen ablesen. Das Buch mit der Aufschrift „Uralte Rechte“, das der Adelige unter seinem Arm hält, stellt sehr wahrscheinlich ein Gesetzesbuch dar, vermutlich die Bundesakte von 1815, die sinngemäß auf den Rechten der vorrevolutionären Zeit beruht. Somit identifiziert sich der Adelige als Vertreter des Ancien Régime und des absolutistischen Herrschaftssystems, möglicherweise sogar als Politiker der nachrevolutionären Zeit. Verstärkt wird dieses Element durch den Ast mit Blättern und rund förmigen Symbolen, auf dem der Mensch reitet. Er soll ein Stammbaum abbilden, der aufgrund der vielen Abzweigungen weit in die Geschichte zurückführt und folglich alte Herrschaftsordnungen repräsentiert, an die der Mann wortwörtlich festhält. Die Kerze, die er umstößt und die Sonne, die im Hintergrund untergeht stehen für das Licht der Aufklärung, das jedoch gerade erloschen wird. Dazu kommt die Waage, die der Adelige mit seinem linken Fuß tritt. Sie symbolisiert die Gerechtigkeit, die Gleichheit vor dem Gesetz und die soziale Ordnung, wesentliche Errungenschaften der Französischen Revolution, die hier vernichtet werden. Sehr auffällig sind zudem die roten Zipfelmützen, die auf dem Boden liegen und ebenfalls von dem Esel niedergetrampelt werden. Es handelt sich dabei um die phrygische Mütze, die in Frankreich das Kennzeichen der Marianne ist. Diese Figur steht für das einfache Bürgertum, das sich gegen den Obrigkeitsstaat auflehnte, wodurch diese Mützen während der Französischen Revolution auch als „Freiheitshut“ bezeichnet wurden. Im Allgemeinen gilt die phrygische Mütze als Zeichen republikanischer Gesinnung. Zuletzt müssen noch die Tiere gedeutet werden, die den Mann umgeben. Fledermäuse, Eulen, Kröten und Echsen galten damals schon als finstere Tiergestalten aus Märchen und Phantasiegeschichten. Vor allem die Eule, die gewöhnlich für Klugheit und Weisheit steht, soll hier wahrscheinlicher ein dämonisches Wesen darstellen, das unheilvolle Botschaften mit sich bringt.

Essay

In dem folgenden Teil soll der „Antizeitgeist“ vor dem historischen Kontext erläutert werden, indem zunächst die These aufgegriffen und beantwortet wird, worauf dann der Argumentationsgang folgt.

Anhand der Karikatur kann man ablesen, dass die nachrevolutionäre politische Ordnung Deutschlands nur eine Wiederherstellung des vorrevolutionären Systems war, was den Untergang der liberalen Ideen der Französischen Revolution zufolge hatte.

Diese Umstände verleiteten J. M. Voltz im Jahr 1819 dazu, eine Karikatur zu entwerfen, die der Bevölkerung mit Sarkasmus die Wahrheit offenbart und gleichzeitig die Vertreter des Obrigkeitsstaates kritisiert. Hierzu muss man sich den Entstehungszeitraum und die bis dato vollzogenen politischen Maßnahmen genauer vor Augen führen. Es waren bereits vier Jahre vergangen, nachdem Napoleon bei Waterloo eine vernichtende Niederlage erfuhr, die Befreiungskriege folglich ein Ende fanden und die deutsche Bevölkerung von einer großen Hoffnungswelle erfasst worden ist. Sie setzte viele Erwartungen in die politische Neuordnung des Landes. Eine vereinte, selbstbewusste Nation, die politische Partizipation, eine repräsentative Verfassung, Freiheit und Gleichheit waren für sie das Idealbild eines neuen Deutschlands. Doch sowohl die Eigeninteressen der Siegermächte England, Frankreich und Russland, als auch der immer stärker werdende Dualismus zwischen Preußen und Österreich ließen die Realisierung dieser Vorstellungen nicht zu. Ihr zukünftiges Deutschlandmodell war die Restauration der alten Ordnung und mit der Deutschen Bundesakte vom 08. Juni 1815, Ergebnis des Wiener Kongresses, wurde diese quasi legitimiert. Sie garantierte zwar die „[...] Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands [...]“1 (Artikel 2), doch fiel diese Aufgabe gerade dem neugegründeten Bundesheer zu, das liberalen Umsturzversuchen entgegenwirken sollte. Ebenso wurde mit Artikel 1 der Wunsch nach einer Nation missachtet, denn die einzelnen Staaten wurden nur zu einem lockeren Staatenbund vereinigt, von Firnkes als „Flikkenteppich selbständiger Herrschaftsgebiete“2 diffamiert. Dazu kam, dass die Artikel sehr vage und unbestimmt formuliert wurden und den restaurativen Kräften großen Spielraum für die Interpretation und Umsetzung boten. So sollte laut Artikel 13 der Bundesakte „[i]n allen Bundesstaaten […] eine landständische Verfassung stattfinden.“3, doch hätten in den ehemaligen Rheinbundstaaten gar keine Stände mehr existiert. Folglich hätte man diesen Artikel als Wiederherstellung der alten Ständeversammlung Geistlichkeit, Adel, Bürger interpretiert.4 Der Zeitgenosse und Geschichtsprofessor Heinrich von Treitschke bezeichnete die Bundesakte damals als „unwürdigste Verfassung, welche je einem großen Culturvolke von eingeborenen Herrschern auferlegt ward.“5 Das Gesetzesbuch auf der Karikatur stellt also sehr wahrscheinlich die Deutsche Bundesakte dar, welche die „uralten Rechte“ restauriert. Vor allem der Adel, den der Esel repräsentiert, pochte auf das alte hierarchisch gegliederte Gesellschaftssystem als Basis der politischen Ordnung, um den Einfluss des Bürgertums zu bremsen bzw. erst gar nicht möglich zu machen. Den Gipfel der Unterdrückung der national liberalen Tendenzen erreichten dann die von dem Deutschen Bund 1819 proklamierten Karlsbader Beschlüsse, die eine Reaktion auf das Attentat auf den konservativen russischen Schriftsteller August von Kotzebue durch den Burschenschaftler Sand waren. Mit der Verschärfung der Zensur, der Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit und dem bundesweiten Verbot der Burschenschaften wurde, wie die Karikatur zeigt, auf den Rechten und liberalen Bestrebungen des Bürgertums getreten. Die unheilbaren Botschaften, die die gespenstischen Tiere mit sich bringen, hatten die deutsche Bevölkerung also erreicht.

[...]


1 Dippel, Horst (Hg.): Constitutions of the World from the late 18th Century to the Middle of the 19th Century. Verfassungen der Welt vom späten 18. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts, München 2006, S. 28.

2 Firnkes, Manfred: >>Restauration<< und >>Vormärz<< Reaktionäre Fürstenmacht und liberale Bürgeropposition 1815- 1848, in: Pleticha, Heinrich (Hg.): Deutsche Geschichte. Von der Restauration zur Reichsgründung, Gütersloh 2001, S. 26.

3 Ebd., S. 32.

4 Vgl. ebd.

5 Müller, Jürgen: Der deutsche Bund 1815-1866, München 2006, S. 56.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Habsburger Monarchie. Restauration und Vormärz
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die Habsbruger Monarchie 1866-1918
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V428427
ISBN (eBook)
9783668745056
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Habsburger Monarchie, Restauration, Vormärz
Arbeit zitieren
Nadja Wolf (Autor), 2015, Die Habsburger Monarchie. Restauration und Vormärz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428427

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