Die reinen Typen legitimer Herrschaft nach Max Weber und ihr Aktualitätsbezug


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Macht, Herrschaft und Legitimität nach Weber

3. Die reinen Formen legitimer Herrschaft
3.1 traditionelle Herrschaft
3.2 charismatische Herrschaft
3.3 rational- legale Herrschaft

4. Aktualitätsbezug
4.1 Die traditionelle Herrschaft am Beispiel Saudi-Arabiens
4.2 Barack Obama als charismatischer Führer der Neuzeit?
4.3 Die rationale Herrschaft in Deutschland

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Name Max Weber sollte für viele Studierende der Sozial-, Politik- und auch Rechtswissenschaften kein Unbekannter mehr sein. Aber auch in der Philosophie und der Theologie sind seine Werke, wie zum Beispiel „Wirtschaft und Gesellschaft“, „Politik als Beruf“ oder die gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie (Weber 1921/22, 1919, 1920) viel zitiert und noch immer in aktuelle Debatten involviert. In zahlreichen Dokumenten zu wissenschaftlichen, politischen, religiösen und ökonomischen Themen, hat Weber vielschichtige, brisante und höchst interessante Theorien entwickelt und gilt deshalb zurecht als Universalgelehrter des 19. Jahrhunderts und als einer der Gründerväter der Soziologie.

Eine der interessantesten Theorien, die deshalb auch in dieser Arbeit zum Tragen kommen soll, ist die von Weber entwickelte Herrschaftssoziologie rund um die Begriffe Macht, Herrschaft und Legitimität.

Ahnte man vor beinahe 100 Jahren noch nicht, dass diese Definitionen auch heute noch als allgemeingültig angenommen werden können, so zeigt sich jetzt, gerade in Zeiten ständiger politischer und gesellschaftlicher Umbrüche, deren Aktualität und Bedeutsamkeit aufs Neue. Gerade am Beispiel der jüngsten politischen Ereignisse, beispielsweise in der Türkei oder in Russland, ist ersichtlich, dass immer wieder Fragen nach Demokratie, legitimierter Herrschaft und sich wandelnden Machtverhältnissen, neu formuliert werden müssen. Und nicht nur heute wird versucht, darauf eine Antwort zu finden, sondern auch Max Weber ist seinerzeit schon auf solche Umbrüche eingegangen und hatte meist passende Theorien parat, die sich auf unsere modernen sozialen Phänomene übertragen lassen.

Ein besonderes Augenmerk, soll in dieser Arbeit jedoch auf Webers‘ reine Typen legitimer Herrschaft gelegt und die Frage geklärt werden, inwiefern sich die drei Herrschaftsformen auf ausgewählte Beispiele des 21. Jahrhunderts übertragen lassen, um deren Gegenwärtigkeit zu überprüfen. Daher ist die Forschungsfrage wie folgt, dreiteilig: „Ist die saudi-arabische Dynastie ein zutreffendes Beispiel für traditionelle Herrschaft nach Max Weber?“ „Steht der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Regentschaft, als ein Vorbild charismatischer Herrschaft?“ und „Kennzeichnet sich die Bundesrepublik Deutschland durch eine rationale Herrschaftsform aus?“.

Um diese Fragen zu beantworten, werde ich im folgenden Kapitel zunächst einige Grundüberlegungen zu seinem Herrschaftskonzept erläutern. Ziel ist es dabei nicht, einerseits einen zu umfassenden Überblick zu schaffen und andererseits eine bloße inhaltliche Nacherzählung zu erreichen, sondern schon von Beginn an eine definitorische Annäherung an die Begriffe der Herrschaft, Macht und seinen Legitimitätsglauben zu machen. Zudem ist es notwendig die drei reinen Formen legitimer Herrschaft, unter Berücksichtigung seines Idealtypen-Modells, zu definieren und zu beschreiben, was im darauffolgenden (dritten)

Abschnitt, zuerst allgemein und danach speziell, für die traditionelle, die charismatische und die rational-legale Herrschaft, geschehen wird.

Ausgehend von diesem allgemeinen Überblick der drei Herrschaftsformen, werde ich mich im vierten und letzten inhaltlichen Kapitel, mit deren Wichtigkeit und Aktualität in der heutigen Zeit beschäftigen. Zu Beginn, wird deshalb die traditionelle Regierungsform in Saudi-Arabien im Mittelpunkt stehen und anschließend Barack Obama als vermeintlich charismatischer Führer in der Neuzeit. Abschließend wird der Versuch unternommen, den deutschen Regierungsapparat mit dem rationalen Herrschaftskonzept zu vergleichen.

Eine kurze inhaltliche Zusammenfassung und Schlussbetrachtung, wird mir im fünften Kapitel als Fazit dienen und eventuell eine Grundlage und Anreiz für weitere Überlegungen zum Themengebiet schaffen.

Mir ist bewusst, dass es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich sein wird, alle Gesichtspunkte von Max Webers Theorie ausreichend zu beleuchten. Sie soll deshalb zunächst nur den Anforderungen eines einleitenden Überblicks über diesen Themenkomplex gerecht werden.

2. Macht, Herrschaft und Legitimität nach Weber

Webers Überlegungen zur Soziologie der Herrschaft, lassen sich überwiegend in seinem posthum veröffentlichten Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ wiederfinden. Bereits im ersten Kapitel, des ersten Halbbandes, werden durch ihn soziologische Grundbegriffe geklärt, die mitunter als Vorlage seiner Herrschaftssoziologie dienen.

Unter den Paragraphen fünf und sechs findet man die Begrifflichkeiten der legitimen Ordnung, sowie deren Formen und Bestimmungsgründe. Diese bringt er jedoch vorrangig noch in Verbindung mit einer allgemeinen Einordnung in das soziale Handeln und dessen Sinnzusammenhang am Beispiel von Normen und Konvention (vgl. Weber 1921: 56ff,), weniger in die Richtung der Legitimität, die sich noch in Bezug auf die Herrschaftsformen erschließen soll.

Anhand des Paragraphen sieben lässt sich dann jedoch schon ein etwaiger Einstieg in die Herrschaftssoziologie erkennen. Die Geltungsgrundlagen der legitimen Ordnung, als da wären „kraft Tradition [...], kraft affektuellen (insbesondere: emotionalen) Glaubens [...], kraft wertrationalen Glaubens [und] kraft positiver Satzung“ (ebd.: 62), bilden den Vorbau der reinen Typen legitimer Herrschaft, auf die Weber an dieser Stelle kurz verweist und später noch genauer eingeht.

Zuvor ist noch wichtig, zu erläutern, was er im Rahmen der Herrschaftstypen, genau genommen mit Macht und Herrschaft meint. Im vorletzten Abschnitt des ersten Kapitels, macht er diese Begriffe nun erstmals fest.

Macht also „bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (Ebd.: 89) Soll heißen, dass in einer sozialen Beziehung zwischen mindestens zwei Menschen, eine Machtbeziehung entsteht, bei der man auf Widerstand treffen kann, aber nicht zwingend darauf treffen muss. Der Machtbegriff kann im gegebenen Falle des Widerstands, dann auch als Zwang und teilweise als Gewaltakt aufgegriffen werden. In erster Linie, bezeichnet Weber es jedoch als „Chance“ mit der Ergänzung „gleichviel worauf diese Chance beruht“, was bedeutet, dass die Anlage von Macht vielfältig ist und nicht nur auf physischer oder psychischer Gewalt beruhen muss.

Diese Vielfältigkeit erscheint Weber jedoch nicht als Vorteil für seine Betrachtungen. Er sieht den Begriff als zu unspezifisch und zu allgemein gestrickt, als dass er ihn als soziologische Kategorie einordnen wöllte. Er bezeichnet ihn als „soziologisch amorph“ (ebd.), also zu ungeformt und gestaltlos, da es für eine Person alle möglichen Szenarien gibt, ihren Willen durchzusetzen „und diese endlose Fülle von Eigenschaften des Akteurs, seiner Ressourcen, der Situationen oder Konstellationen [.] lässt sich soziologisch nicht erschöpfend einfangen und damit konzeptuell klassifizieren.“ (Müller 2007: 121)

Der genauere und für die Soziologie, besser operationalisierbare Begriff ist für Weber daher der der Herrschaft. Die Art und Weise der Beziehung des sich Durchsetzenden und Demjenigen, der dies annehmen muss, ist bei der Macht offen. Im Sinne der Herrschaft geht es dafür aber umso präziser um den Befehl und die Fügsamkeit. Weber schreibt: „Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber 1921: 89), was bedeutet, dass die Herrschaft irgendwo auf Macht beruht, jedoch Fügsamkeit als Hauptmerkmal mit sich trägt. Beispielsweise kann man durch Machtdemonstrationen des Durchsetzenden, Angst vor Konsequenzen bei Ungehorsam haben, die Widerstände sind dann scheinbar dadurch schon überwunden, da ich lieber gehorche, als einem vermeintlichen Gewaltakt ausgesetzt zu sein. Ich bin also fügsam und der Mächtigere herrscht so über mich.

Im Gegensatz zur Macht, setzt Herrschaft außerdem Legitimität voraus. Deshalb bringt Weber auch den Begriff der legitimen Herrschaft hervor. Ihm geht es vorrangig um die normative Frage, ob ein bestimmtes Herrschaftsverhältnis als legitim anerkannt gelten und angesehen werden kann, nicht ob diese politische Ordnung es dann auch tatsächlich ist.

Die Bevölkerung muss die machthabende Person beziehungsweise den Verband also legitimieren, damit es laut Weber als echte und anerkannte Herrschaft gilt. Folglich „existiert Legitimität [...] nur vermittelt - als Legitimitätsglaube. Da [er] [...] eine gewisse Garantie für die Stabilität der politischen Ordnung darstelle, seien die jeweiligen machthabenden Personen bestrebt, den Glauben an ihre Legitimität zu wecken bzw. zu erhalten.“. (Glaser 2013: 23) Laut Weber, kann dieser „Glaube“ außerdem durch innere und äußere Umstände gegeben sein. Innerlich heißt dabei, bezogen auf die emotionale Verbundenheit mit dem System (affektuell), auf die eigentliche Geltungskraft der Werte (wertrational) und auf die transzendente Hingabe zur politischen Ordnung (religiös). Äußerlich soll heißen, dass der Glaube an die Ordnung, an gewünschte äußerliche Folgen geknüpft wird, also an das Eintreten eines gewünschten Zustandes beispielsweise. (Vgl. Weber 1921: 58)

Die Begriffe der Macht, der Herrschaft und des Legitimitätsglaubens, bieten für die weiteren Analysen der drei idealtypischen Herrschaftsformen nach Weber eine gute Grundlage, jedoch ist es nun noch wichtig zu unterscheiden, welcher Legitimationsquelle, sich der jeweilige Herrschaftstyp bedient. Dies wird im folgenden Kapitel eine zentrale Rolle einnehmen.

3. Die reinen Formen legitimer Herrschaft

Der Begriff der „reinen“ Formen legitimer Herrschaft, wirft unter dem Schleier des Unwissens über Webers‘ Idealtypenansatz, noch einige Fragen auf. Um diese zu klären und anschließende Legitimationsquellen von Herrschaft mit den verschiedenen idealtypischen Formen zu verknüpfen, sollte man zunächst noch erläutern, was mit einem Idealtypus überhaupt gemeint ist und wie dieser mit den Herrschaftstypen in Verbindung steht, denn Weber geht in seinen Ausführungen stets von eben solchen Idealen aus.

Im ersten Paragraphen, des ersten Halbbandes in „Wirtschaft und Gesellschaft“, geht er unter dem Punkt „Methodische Grundlagen“ darauf ein und meint, dass Idealtypen, im besten Falle wissenschaftliche Konstruktionen sind, die aufzeigen sollen, „wie ein bestimmt geartetes, menschliches Handeln ablaufen würde, wenn es streng zweckrational, durch Irrtum und Affekte ungestört, und wenn es ferner ganz eindeutig nur an einem Zweck [...] orientiert wäre.“ (Weber 1921: 25, Herv. i. O.) Im Allgemeinen, und nicht nur auf menschliches Handeln bezogen, kann man also sagen, dass es sich um eine Art von Gebilden handelt, die in der sozialen Wirklichkeit als solche nicht vorzufinden sind, sondern eher verallgemeinerte Konstrukte dieser Realität darstellen sollen. So ist es möglich, sie auf verschiedene Szenarien der eher speziellen empirischen Praxis anzuwenden und nicht nur auf einen einzelnen konkreten Fall. (Vgl. Gertenbach et al. 2009:29)

Daher sind auch die „reinen“ (also idealen) Typen legitimer Herrschaft, gesteigerte Konstrukte, die so in der Realität meist nicht vollständig existieren. Jedoch dienen sie in ihrer abstrahierten Form für eine einfachere soziologische Betrachtung. Sie werden sozusagen handhabbar gemacht.

Mit diesen handhabbaren Konstrukten arbeitet Weber nun und formt aus „drei Motivkomplexen der Gehorsamsbereitschaft“ (Rosa et al. 2013: 58) seine reinen Herrschaftstypen. Die erste bedient sich dabei der Quelle der Tradition, also des seit jeher bestehenden geschichtlichen Leitbildes. Es ist schon immer so gewesen, also ist es so auch rechtens und wird nicht hinterfragt. Die zweite Form ist charismatischen Charakters und bezieht sich auf eine „außeralltägliche Befähigung oder Erwähltheit des oder der Herrschenden“ (ebd.). Die dritte und auch modernste Form, bezeichnet Weber als rational­legale Herrschaft, da die Bereitschaft zur Folgsamkeit, auf Wahlen und Rechten, sowie auf einer Verfassung und Gesetzen beruht.

Die Komplexität der Formen reicht jedoch noch weiter über das eben beschriebene hinaus und soll deshalb in je einzelnen Kapiteln, nachfolgend noch näher beschrieben werden.

3.1 traditionelle Herrschaft

Der Begriff Tradition leitet sich ursprünglich vom lateinischen „traditio“ ab und bedeutet so viel wie „die Herkunft, der Brauch“ (Bibliographisches Institut GmbH 2018: Tradition) und soll sich auf bestimmte Verhalten -und Handlungsweisen beziehen, die zwischen den Altersgruppen weitergegeben werden, sodass sie schlussendlich fortbestehen (vgl. ebd.).

So verhält es sich also auch in Max Webers Herrschaftstheorie, denn die Weitergabe des Herrschaftsanspruches und der damit einhergehenden Legitimation des Herrschenden, erfolgt laut ihm über das Erben des Anspruches „kraft traditional überkommener Regeln“ (Weber 1921/1922: 130). Die Gesetzmäßigkeit der Legitimation gegenüber seinen Ergebenen, erfüllt der Gebieter oder auch mehrere Oberhäupter, indem sie sich bestenfalls im Rahmen der vorhandenen Traditionen bewegen und herrschen. Bestenfalls heißt jedoch, dass innerhalb des Rahmens eine willkürliche Entscheidungsgewalt auf der Seite des Herrschenden ist, die er je nach Bedürfnissen ausschöpfen und auch überschreiten kann. Solch ein Übertritt kann jedoch, der Position des Herren gefährlich werden, da er seine Legitimationsquelle - die Tradition - verletzt. Im Sinne Webers ist dem jedoch noch hinzuzufügen, dass sich die Missgunst lediglich „gegen die Person des Herrn (oder: Dieners), der die traditionalen Schranken der Gewalt missachtete, nicht aber: gegen das System als solches („traditionalistische Revolution") [richtet] (ebd. Herv. i. O.).

Der Herrschende muss im traditionalen Idealtypen kein Einzelkämpfer sein. Er kann also ein Verwaltungswesen haben, muss aber nicht. Im Falle eines solchen, ist es stets dem Herrn überlassen wer seine Bediensteten sein sollen und welche Aufgaben sie zu erledigen haben. Meist jedoch handelt es sich um sogenannte „Günstlinge“ oder Familienangehörige, die ohne Kernkompetenzen und fachliches Wissen, in den Dienst eintreten. Zudem werden sie im Hause des Herren versorgt und erhalten so oftmals keine feste Bezahlung (ebd.: 131). Die Hingabe beruht vorrangig auf der altehrwürdigen Konvention und dem Erliegen der Gunst des Herren, weniger auf rationalen und zweckmäßigen Orientierungen.

Im Falle eins Fehlens des Verwaltungsapparates, gibt es für Weber zwei vorrangige Formen der traditionellen Herrschaft. Zum einen, die „der Gerontokratie und [zum anderen] des primären Patriarchalismus [...], bei denen der Herr vom Gehorchenwollen der Verbandsgenossen abhängig ist.“ (Breuer 1988 :321) Unter Gerontokratie versteht er die Herrschaft des oder der Ältesten, aufgrund ihrer besseren und längeren Kenntnis der traditionellen Gebräuche. Der primäre Patriarchalismus ist dem ähnlich und bindet eine einzelne Person, nach festgelegter Erbfolge an die Macht. Die Orientierung an den Interessen der Anhänger, rührt daher, dass der fehlende Verwaltungsstab eine Situation hervorruft, in der sich der Anführer nur auf seine Verbündeten einstellen muss und nicht auf willkürliche und eigennützige Interessen abzielt. (Vgl. Weber 1921/1922: 133)

Tritt nun zum Machthabenden ein persönlicher Verwaltungsstab heran, so wandeln sich laut Weber, die Formen zum Patrimonialismus und im extremsten Falle sogar zum Sultanismus. Dabei werden ehemalige Verbündete und Anhänger, zu Untergebenem und Bediensteten. Patrimonialismus soll also heißen, dass der Herrschende zwar im Rahmen der Traditionen, jedoch völlig eigenmächtig und rücksichtlos handelt, primär also auch entgegen der Resonanz der Bediensteten, was diese nicht mehr auf Augenhöhe stellt, sondern in die Kategorie der Untergebenen. Im Sultanismus sind die Traditionen dann teilweise völlig außer Kraft gesetzt und der zum Teil militärische Verwaltungsorden macht sich zusammen mit dem Herrscher alle Befehlsgewalt zu eigen. Das Handeln im Sinne der Gefolgsleute und der traditionellen Basis, geht dabei verloren (vgl. ebd.: 133f,).

Des Weiteren führt Weber noch die ständische Herrschaft und die ständische Gewaltenteilung an welche beide eine stufenweise Weiterentwicklung der Aufgaben und Tätigkeiten des Verwaltungsstabes mit sich ziehen. Beispielsweise geht es dabei um die Aneignung von erweiterten Rechten und Mitteln durch den Stab, sowie dessen eigenmächtige Durchsetzung Befehlen, aufgrund ihrer errungenen Amtsgewalt (vgl. ebd.: 134ff,).

An dieser Stelle, sollen jedoch keine tiefgründigeren Ausführungen herhalten, um traditionell legitimierte Formen von Herrschaft zu erläutern, denn nicht nur das vererbte Recht auf Macht, sondern auch eine außerordentliche Persönlichkeit, steht im Fokus Webers‘ Herrschaftssoziologie, welche im nachfolgenden Kapitel, eine zentrale Rolle spielen soll.

3.2 charismatische Herrschaft

Charisma entwickeln, angeborenes Charisma, Charisma haben, charismatisch sein - hinter dem Begriff verstecken sich einige Definitionen, Kontexte und Debatten. Wer eine charismatische Persönlichkeit besitzt, der gilt als sympathisch, autark, offen und authentisch. Der Begriff stammt vom dem griechischen Wort „χάρισμα“ (charisma) und bedeutet „Gnadengabe“ oder auch „Geschenk“ (Bibliographisches Institut GmbH 2018: Charisma).

Genau auf diese Gabe bezieht sich auch Max Weber in seinen Ausführungen und sieht diese Ausstrahlungskraft, als besondere Befähigung und Vorbildfunktion an, mit derer sich der charismatische Herrscher auszeichnet. Durch seine bemerkenswerte Ausstrahlung bildet sich eine Gefolgschaft, welche den Charismaträger als Inspiration ansieht. Auch hier überwiegen die irrationalen Affekte und religiösen Muster, jedoch nicht auf der Ebene der traditionellen und immer schon da gewesenen Art, sondern einer ganz neuen, aufregenden und offenbarenden Weise, die hauptsächlich emotionsbasiert ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die reinen Typen legitimer Herrschaft nach Max Weber und ihr Aktualitätsbezug
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V428454
ISBN (eBook)
9783668724129
ISBN (Buch)
9783668724136
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Typen, Herrschaft, Max Weber, heutige Zeit, legitim, reine, Macht, Weber
Arbeit zitieren
Sarah Dähn (Autor), 2018, Die reinen Typen legitimer Herrschaft nach Max Weber und ihr Aktualitätsbezug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428454

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