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DDR-Geschichtswissenschaft vor einer neuen Aufgabe

Title: DDR-Geschichtswissenschaft vor einer neuen Aufgabe

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 30 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Astrid Henning (Author), Michael Sonnicksen (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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In der folgenden Arbeit soll, nach einer Einführung in die Geschichtswissenschaft der DDR, eben jene Kategorie der Klasse auf ihre Geschlechtlichkeit, daß heißt auf ihre männliche Orientierung hin nachgewiesen werden. Anhand eines Textes eines wissenschaftlichen Denkers der marxistischen Geschichtswissenschaft soll eben jene Terminologie der Klasse in ihrer Geschlechtlichkeit dargestellt werden.4 Daraus bedingt sich eine Erkenntnis für die marxistische Wissenschaft, bzw. eine jede Humanwissenschaft, die sich aus der Erkenntnis herleitet, daß Geschichte des Menschen bisher eine Geschichte der Unterdrückung und Beherrschung war (und ist). Nämlich die Erkenntnis, daß eine der tiefgreifendsten jener Humanwissenschaften, die marxistische, die eine Hälfte der Menschheit weiterhin in ihren Paradigmen nicht als unterdrückt durch den anderen Teil der Menschheit wahrnimmt.

Von besonderer Bedeutung ist bei dieser Untersuchung dabei die Betrachtung der Analyse der Geschichtsschreibung der Arbeiterklasse in der DDR. Aus ihrer Analyse soll sich eine neue Aufgabe für eine marxistische Geschichtswissenschaft ableiten, welche für die (weltweite) Arbeiterbewegung nach dem Zusammenbruch der nicht-kapitalistischen Staaten vonnöten ist. Dabei muß auch der Aspekt der Geschichtsschreibung in der DDR überprüft werden, welcher eine Frauenbewegung (und mag sie auch selbst sich als marxistisch begreifen), als eine Tendenzbewegung definierte, welche die Veränderung der Machtverhältnisse nicht bedinge. Im folgenden wird nun die Bedeutung der Arbeitergeschichte für die DDRGeschichtswissenschaft erläutert. Außer ihrer Bedeutung für die Legitimation des Staates DDR soll dabei insbesondere auf ihre Bedeutung für die philosophische Grundlage einer politischen (marxistischen) Wissenschaft hingewiesen werden.

Excerpt


Gliederung

I. Einleitung

II. Gesetzmäßigkeiten der marxistischen Geschichtswissenschaft

II.1. Gesetzmäßigkeiten der DDR-Geschichtswissenschaft

II.2. Die ArbeiterInnengeschichte als Legitimation der DDR

II.3. Die ArbeiterInnengeschichte als Fundament einer marxistischen Geschichtswissenschaft

III. Zugehörigkeit und Absonderung der Klasse als Hauptmotor der Geschichte

III.1. Die Bedeutung der linguistischen Theorie für die Analyse der historisch-materialistischen Geschichts und Weltentwicklung.

III.2. Der Begriff der Klasse bei Wallach Scott.

IV. Abendroths Begriff der Klasse als paradigmatisches Paradebeispiel

V. Statt eines Fazits: Die Aufgaben der DDR-Geschichtswissenschaft nach dem Ende der DDR.

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die geschlechtsspezifische Konstruktion des marxistischen Klassenbegriffs innerhalb der DDR-Geschichtsschreibung kritisch zu dekonstruieren und eine neue, zeitgemäße Aufgabe für eine marxistische Geschichtswissenschaft zu formulieren.

  • Die Rolle der Arbeitergeschichte als Legitimationsgrundlage des DDR-Staates.
  • Die Analyse des Klassenbegriffs unter Berücksichtigung von Sprach- und Machttheorien.
  • Die Kritik an der maskulinen Konnotation und dem Ausschluss weiblicher Perspektiven im klassischen Marxismus-Modell.
  • Die Dekonstruktion historischer Identitätsbildungen im Kontext von industriellen Produktionsverhältnissen.
  • Die Notwendigkeit einer Neubewertung marxistischer Welterklärung nach dem Zusammenbruch nicht-kapitalistischer Staaten.

Auszug aus dem Buch

III.2. Der Begriff der Klasse bei Wallach Scott.

In der Tradition Jaques Derridas beschäftigt sich die Autorin mit der Ausschließung durch (sprachliche) Hierarchisierungen. Die bisherige Geschichtsschreibung operierte mit Kategorien, die als (scheinbare) feste Größen die wissenschaftlichen Debatten der HistorikerInnen bestimmten. Die strukturalistischen Sprachtheorien ermöglichten erstmals Gedankenspiele über die Konstruktion von Bedeutung durch den Menschen.

Für die Analyse der Geschichte der Arbeiterbewegung setzt die Historikerin Joan Wallach Scott zwei Basis-Kriterien:

1.) es ist die Politik einer historischen Situation, welche politische Kategorien wie Klassenkampf, Arbeiter, Klasse hervorruft.

2.) Jene politischen Kategorien basieren in ihrer Konstruktion auf Ablehnung und Zugehörigkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer neuen marxistischen Wissenschaftstheorie, die durch den sogenannten „Linguistic turn“ ergänzt wird, um Herrschaftsverhältnisse und Sprache kritisch zu hinterfragen.

II. Gesetzmäßigkeiten der marxistischen Geschichtswissenschaft: Dieses Kapitel analysiert, wie die Geschichtswissenschaft in der DDR teleologisch auf den Kommunismus ausgerichtet war und wie insbesondere die Arbeitergeschichte zur staatlichen Legitimation diente.

II.1. Gesetzmäßigkeiten der DDR-Geschichtswissenschaft: Der Fokus liegt auf der Instrumentalisierung der Geschichte der Arbeiterbewegung als politisches Dogma zur Festigung der DDR-Identität.

II.2. Die ArbeiterInnengeschichte als Legitimation der DDR: Das Kapitel beschreibt den Prozess der engen Anbindung der Geschichtswissenschaft an die SED und die daraus resultierende Periodisierung der DDR-Geschichte.

II.3. Die ArbeiterInnengeschichte als Fundament einer marxistischen Geschichtswissenschaft: Hier wird gefordert, den Begriff der Klasse angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen und der Pluralität von Unterdrückung neu zu definieren.

III. Zugehörigkeit und Absonderung der Klasse als Hauptmotor der Geschichte: Es wird untersucht, wie die marxistische Geschichtsschreibung den Fortschritt durch Klassenbewegungen definierte und welche Rolle der Poststrukturalismus bei der Analyse von Machtstrukturen spielen kann.

III.1. Die Bedeutung der linguistischen Theorie für die Analyse der historisch-materialistischen Geschichts- und Weltentwicklung: Dieses Kapitel zeigt, wie eine radikale Sprachanalyse genutzt werden kann, um soziale Machtzuschreibungen hinter vermeintlich neutralen Begriffen aufzudecken.

III.2. Der Begriff der Klasse bei Wallach Scott: Die Autorin nutzt die Kriterien von Wallach Scott, um aufzuzeigen, wie der Begriff der Klasse historisch konstruiert wurde und dabei weibliche Erfahrungen ausschloss.

IV. Abendroths Begriff der Klasse als paradigmatisches Paradebeispiel: Anhand des Werks von Wolfgang Abendroth wird demonstriert, wie die klassische marxistische Analyse maskuline Vorstellungen als universell setzte und feminine Belange ignorierte.

V. Statt eines Fazits: Die Aufgaben der DDR-Geschichtswissenschaft nach dem Ende der DDR: Der abschließende Teil plädiert für eine Dekonstruktion des alten Klassenbegriffs, um marxistische Wissenschaft wieder mit aktuellen politischen Realitäten in Einklang zu bringen.

Schlüsselwörter

Marxismus, DDR-Geschichtswissenschaft, Arbeiterklasse, Sprachanalyse, Feministische Theorie, Klassenkampf, Geschlecht, Identität, Herrschaft, Wallach Scott, Poststrukturalismus, Ideologie, Arbeiterbewegung, Sozialismus, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der marxistischen Geschichtsschreibung in der DDR und deren Fokus auf die Arbeiterklasse, wobei sie die maskuline Prägung dieser Konzepte kritisch beleuchtet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Rolle der Arbeitergeschichte als Staatslegitimation, die semantische Analyse politischer Begriffe sowie die theoretische Aufarbeitung des Klassenbegriffs durch feministische Wissenschaftsperspektiven.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Dekonstruktion des traditionellen, marxistischen Klassenbegriffs, um aufzuzeigen, wie dieser durch einen Ausschluss weiblicher Perspektiven geprägt war, und daraus neue Ansätze für eine marxistische Geschichtswissenschaft nach dem Ende der DDR abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine methodische Verbindung aus klassisch marxistischer Analyse und poststrukturalistischer Sprachkritik (insbesondere unter Bezugnahme auf Joan Wallach Scott und Michel Foucault) verwendet, um Herrschaftskonstruktionen in der Sprache offenzulegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Periodisierung der DDR-Geschichtswissenschaft, die Bedeutung des Arbeiterbegriffs als Identitätsstifter und die kritische Auseinandersetzung mit dem Historiker Wolfgang Abendroth als Beispiel für eine klassisch-marxistische Geschichtsbetrachtung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie marxistische Geschichtswissenschaft, DDR-Legitimation, Klassenkampf, Sprachanalyse und geschlechtsspezifische Konstruktion definiert.

Wie bewertet die Autorin den Klassenbegriff bei Abendroth?

Sie kritisiert, dass Abendroth die Identität der Arbeiterklasse rein ökonomisch determinierte und dabei gesellschaftliche Faktoren wie den Ausschluss der Frau und deren spezifische Erfahrungswelt systematisch ausblendete.

Warum ist die Sprache für die Analyse laut dieser Arbeit so entscheidend?

Die Autorin argumentiert, dass Sprache nicht nur ein Instrument ist, sondern aktiv Sinn produziert und Herrschaftsverhältnisse zementiert; eine Analyse der „Language“ ist daher notwendig, um die Konstruktion von Identitäten und Ausschlüssen zu verstehen.

Welche Rolle spielt die Frauenfrage in der DDR-Geschichtswissenschaft laut dem Text?

Die Frauenfrage wurde in der DDR-Geschichtsschreibung meist als „Nebenwiderspruch“ abgetan, was dazu führte, dass die Traditionslinien maskulin geprägt blieben und feminine Bedürfnisse in der historischen Forschung kaum Raum fanden.

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Details

Title
DDR-Geschichtswissenschaft vor einer neuen Aufgabe
College
University of Vienna  (Institut für Geschichte)
Course
„Was bleibt? Die Geschichtswissenschaft der DDR.“ Hauptseminar
Grade
sehr gut
Authors
Astrid Henning (Author), Michael Sonnicksen (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V42848
ISBN (eBook)
9783638407847
ISBN (Book)
9783638680035
Language
German
Tags
DDR-Geschichtswissenschaft Aufgabe Geschichtswissenschaft Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Astrid Henning (Author), Michael Sonnicksen (Author), 2003, DDR-Geschichtswissenschaft vor einer neuen Aufgabe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42848
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