Themenentfaltung und Textfunktion. Eine Analyse anhand des Artikels "Die Namen der Attentäter" aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung


Hausarbeit, 2016

7 Seiten, Note: 2,00

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Argumentative Themenentfaltung

3. Analyse des Artikels „Die Namen des Attentäters“

4. Textfunktion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit werde ich mich mit dem Zusammenhang von Themenentfaltung und Textfunktion beschäftigen. Die Analyse werde ich anhand eines Artikels aus der Zeitung Die FAZ mit dem Titel „Die Namen der Attentäter “ durchführen. Zuerst werde ich einige wichtige Informationen über die Grundformen der thematischen Entfaltung mitteilen. Dabei lege ich viel Wert auf die Darstellung der argumentativen Themenentfaltung. Im nächsten Schritt werde ich den Text analysieren, in dem versuche ich logisch-semantische Relationen bzw. Kategorien zu finden. Dann erläutere ich kurz, was die Textfunktion bedeutet. Der Akzent wird auf die im Text vorkommenden Textfunktionen liegen. Schließlich fasse ich die Ergebnisse zusammen. Meine Forschungsfrage wäre: welche Grundformen der Themenentfaltung weist der vorliegende Text auf und wie hängen sie mit der dominierenden Textfunktion zusammen?

2. Argumentative Themenentfaltung

Klaus Brinker (2014) stellt in seinem Buch „Linguistische Textanalyse“ die wichtigsten Grundformen der thematischen Entfaltung dar. Der Begriff der thematischen Entfaltung bedeutet „die gedankliche Ausführung des Themas“. Dass es verschiedene Möglichkeiten der Entfaltung eines Themas geben können und diese auch von Textsorte zur Textsorte variieren können, ist sein Ziel zu beweisen (S.54f). Näher nimmt er unter die Lupe vier Grundformen thematischer Entfaltung, nämlich die deskriptive, die narrative, die explikative und die argumentative Themenentfaltung (S.56ff).

Brinker selbst greift bei der Darstellung dieser Themenentfaltung an dem Argumentationsmodell von St. Toulmin, der „die allgemeine Struktur einer Argumentation mit Hilfe von sechs relationalen logisch-semantisch definierten Kategorien darstellt.“ (S.69)

Ein argumentativer Text sollte demnach mindestens eine These beinhalten, die „das Thema repräsentiert“, Argumente, die die These begründen, ein Schlussregel, „die eine allgemeine hypothetische Aussage ist“, eine Stützung, „die die Zulässigkeit der Schlussregel erweist“, ein Modaloperator, „der den Wahrscheinlichkeitsgrad der These angeben kann“ und die Ausnahmebedingung, „die die Gültigkeit der Schlussregel einschränken“ (S.69f). Die ersten zwei Kategorien bilden die Grundlage eines argumentativen Textes. Die Schlussregel und die Stützung kommen nicht immer explizit im argumentativen Texte vor, sondern sie sollen von dem Leser erschließen werden.

3. Analyse des Artikels „Die Namen des Attentäters“

Die Hauptthese des Textes „Die Namen der Attentäter“ befindet sich im Vorspann, sogar in dem ersten Satz: „Nach Anschlägen werden Attentäter berühmt“. Zu dieser These gehörendes Argument(1) befindet sich in dem zweiten Satz: „Die Welt kennt ihre Namen und potentielle Nachahmer verehren sie“. Die Schlussregel ist nicht explizit vorhanden aber sie kann folgenderweise formuliert werden: Wenn die Welt die Namen der Attentäter kennt und potenzielle Nachahmer sie verehren, dann werden sie berühmt. Weitere Argumente zu der oben erwähnten These können sein: Argument(2) „ Nach dem Tod des Attentäters fängt sein Name an, zu leben“ (Z. 4-5). Schlussregel: „ Wenn nach dem Tod des Attentäter sein Name anfängt, zu leben, dann wird er berühmt“. Argument (3): „Er wird auf den Lippen der Menschen durch Straßen, Städte und Länder getragen.“(Z. 5-6). Aus den Daten kann der folgende Schluss gezogen werden: Wenn er auf den Lippen der Menschen durch Straßen, Städte und Länder getragen wird, dann wird er berühmt sein.“ Die Stützung der Schlussregeln in diesem Fall ist die Aufzählung der berühmtesten Anschlägen: „Jeder kennt den Namen des Hamburger Attentäters auf die Twin-Türme vom 11. September 2001. Den Namen des Mannes, der 2011 auf der Insel Utøya 69 Menschen erschoss. Jeder kennt den Namen des Kopiloten, der 2015 in Frankreich 149 Menschen tötete.“ (Z. 6-8).

In dem zweiten Absatz kann die folgende These ausgehoben werden: Die öffentliche Anschläge sprechen in der Regel für ein überwiegendes öffentliches Interesse (Z. 13-14;17). Argumente: „wenn eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat vorliegt“ und wenn „eine schwere Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist“. (Z. 14-16). Schlussregel: Wenn eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat vorliegt und wenn eine schwere Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist, dann sprechen sie in der Regel für ein überwiegendes öffentliches Interesse. Die Stützung der Schlussregel ist ein Verweis auf den Abschnitt 8 im Pressekodex des Deutschen Presserats. (Z. 12-13)

Im Vorspann lässt sich eine interessante These finden: „Einzelne Zeitungen können dagegen nichts tun.“ Diese These bezieht sich darauf, dass die einzelne Zeitungen nicht gegen die Berühmtheit der Attentäter machen können. Ein Argument dafür befindet sich in den Zeilen 28-29: „Es sind nicht Einzelentscheidungen, die darüber bestimmen, welcher Name berühmt wird und welcher nicht.“ Die Schlussregel würde folgenderweise lauten: Wenn es nicht Einzelentscheidungen sind, die darüber bestimmen, welcher Name berühmt wird und welcher nicht, dann können die einzelnen Zeitungen nichts dagegen tun. Im Text gibt es drei Gegenargumente. In der Zeile 30 befindet sich auch das erste Gegenargument:“ Es gibt immer wieder Medien, die sich erst gegen eine volle Namensnennung entscheiden“ und Ausnahmebedingung, die dir Gültigkeit der These einschränkt: „Wie die „Süddeutsche Zeitung“, die direkt nach dem Anschlag von Nizza den Nachnamen des Lastwagenfahrers abkürzte. Oder F.A.Z. und „Tagesspiegel“, die keinen Namen des „Würzburger Attentäters“ veröffentlichten.“ (Z. 31-33) Das zweites Gegenargument ist: „Die „Süddeutsche“ schrieb schon in ihrer nächsten Ausgabe den Namen des Lastwagenfahrers von Nizza voll aus. Dasselbe beim Würzburger Attentäter in F.A.Z. und „Tagesspiegel“.“ (Z. 34-36) Die Schlussregel wird im Artikel in Zeilen 36-39 explizit geschrieben. Das dritte Gegenargument befindet sich in den Zeilen 78-80: „Sie könnten sich darauf einigen […] die Namen von Attentätern nicht zu nennen.

In den Zeilen 48-50 ist eine These zu finden und das Argument dafür befindet sich in den Zeilen 51-52. Die Schlussregel ist implizit vorhanden und könnte folgenderweise lauten: Wenn ein Name durch einen Konkurrenten in der Welt ist, dann ist jede Anstrengung eines einflussreichen Mediums, Namen von Attentätern zu vermeiden, um ihnen nicht zur Berühmtheit zu verhelfen, nicht seiner eigenen Entscheidung unterworfen, sondern dem (einflussreichen) Medium, das sich an dieses Prinzip am wenigsten hält. Diese Schlussregel wurde durch das sogenannten „Minimumgesetz“ (Z. 45) im übertragenen Sinne unterstützt. Als eine These kann der Satz in den Zeilen 59-60 betrachtet werden und das dazu gehörende Argument befindet sich in den Zeilen 61-65. Die Schlussregel könnte folgenderweise formuliert werden: Wenn ein neuer Herrschen eine neue Ära einleiten wollte, dann wurde der Name des sogenannten Damnatus auf Inschriften getilgt, seine Statuen öffentlich zerstört und Münzen entweder eingeschmolzen oder das Abbild darauf verunstaltet […]. Der Stützung der Schlussregel gilt ein Verweis auf eine Praxis aus dem antiken Rom (Z. 53-57). Ein Gegenargument ist der Fall von Nero, „der erste Kaiser, der mit der „damnatio memoriae“ belegt worden war (schon zu Lebzeiten, was nur selten vorkam), war nicht völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden.“ (Z. 70-72)

4. Textfunktion

Die Textfunktion ist „die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d.h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emitenten.“ (Brinker 2014, S. 88) „Sie soll vom Rezipienten (Hörer bzw. Leser) erkannt werden.“ (Busch/Stenschke 2007, 236) Die Vorläufer der Beschreibung der textuellen Grundfunktionen waren unter anderen Bühler und Searle. Die textuellen Grundfunktionen nach Brinker: Informationsfunktion, Kontaktfunktion, Appellfunktion, Obligationsfunktion, Deklarationsfunktion. Es kann vorkommen, dass ein Text mehrere Textfunktionen enthält, aber von ihnen nur eine kann dominierend sein. (Brinker 2014, 94ff)

Für den von mir ausgewählten Artikel ist sowohl die Informationsfunktion, als auch die Appellfunktion charakteristisch. Bei der Informationsfunktion handelt es sich um die Vermittlung eines Wissens.Im Text kann man viele evaluative Einstellung: „Die Frage ist wichtig“(Z. 28 oder Z. 81-83), Modalverben (Z. 3,17,44 usw.) Modalwörter: vielleicht (Z.4) finden. Der Text selbst ist sowohl sachbetonte, wegen den Daten, als auch meinungsbetonte Textsorte, präziser ein Kommentar. Er enthält viele Argumentationsfolgen und besonders Gegenargumente kommen oft vor. Es ist auch appellative Merkmale zu erkennen (Z. 17, 23-26, 44). Der Autor fordert besonders die Journalisten auf, um „die Namen von Attentätern nicht zu nennen.“ (Z. 80)

5. Fazit

In meiner Arbeit bin ich zur Konklusion gekommen, dass die Art der Themenentfaltung hängt eng mit der Textfunktion zusammen. Brinker hat es auch festgestellt, dass die verschiedenen Textfunktionstypen unterschiedliche Themenentfaltunstypen annehmen. (Lötscher 2008, S. 101) Aus der Analyse der Themenantfaltung im Text stellt sich heraus, dass dieser Artikel mehrere Thesen, Argumente, Gegenargumente und Stützungen beinhaltet. Ein argumentativer Text enthält oft auch explizite Aufforderungen oder grammatische Indikatoren, deren Ziel besteht darin, dass der Leser die Handlung vollzieht. Der von mir untersuchte Artikel hat zwei Textfunktionen: Informationsfunktion und Appellfunktion. Von denen dominiert auch von der Textsorte (Kommentar) her die Appellfunktion.

Literaturverzeichnis

- Artikel aus der Zeitung FAZ (Zuletzt gesehen am 15.09.2016)

- Brinker, Klaus/ Cölfen, Hermann/ Pappert, Steffen (2014): Linguistische Textanalyse : eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 8., neu bearb. und erw. Aufl., Berlin: Schmidt

- Albert Busch und Oliver Stenschke (2007): Germanistische Linguistik. Eine Einführung. Tübingen: Narr, (Kapitel 14. Telekommunikation, S. 227-243)

- Lötscher , Andreas ( 2008 ): Textsemantische Ansätze. In: Janich, Nina (Hg.): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen: Narr, S. 85-111.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Themenentfaltung und Textfunktion. Eine Analyse anhand des Artikels "Die Namen der Attentäter" aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hochschule
Szegedi Tudományegyetem
Note
2,00
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V428504
ISBN (eBook)
9783668726239
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
themenentfaltung, textfunktion, eine, analyse, artikels, namen, attentäter, frankfurter, allgemeine, zeitung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Themenentfaltung und Textfunktion. Eine Analyse anhand des Artikels "Die Namen der Attentäter" aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428504

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