Wer ist Prinzipal, wer Agent? Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor


Hausarbeit, 2017

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Informationsasymmetrie
1.1 Moral Hazard
1.2 Adverse Selektion

2 Das Aufdecken asymmetrischer Information
2.1 Signalling
2.2 Screening

3 Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Würden alle Akteure auf den Märkten nach dem Zitat von Michael Seemann handeln, wären alle Märkte vollkommen und transparent. Es gibt jedoch unvollkommene Märkte, die auf ein Informationsdefizit zwischen zwei Marktteilnehmern hindeuten. Wohingegen ein Teilnehmer besser informiert ist – auch genannt Agent – und ein Teilnehmer schlechter informiert ist – auch bezeichnet als Prinzipal. Dieses Phänomen eines unterschiedlichen Wissens – und Informationsstands nennt man asymmetrische Information. George Akerlof (1970) forschte erstmals auf diesem Gebiet und beschäftigte sich mit dem Prinzipal-Agenten-Theorem am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes in der USA. Informationsdefizite charakterisieren unvollkommene Märkte und können im schlimmsten Fall zu Marktversagen führen. (Akerlof 1970)

Ziel dieser Arbeit ist es, das Prinzipal-Agenten-Theorem auf ein Beispiel aus dem öffentlichen Sektor, nämlich die Arzt-Patienten-Beziehung, anzuwenden. Zur Hinführung auf die Forschungsfrage bedarf es der theoretischen Erklärung einiger Begriffe und einem Überblick über die Arten der Informationsasymmetrie und die Möglichkeiten, wie fehlende Informationen über das Marktgeschehen erlangt werden kann.

1 Informationsasymmetrie

Zunächst wird der Begriff der asymmetrischen Information definiert. Unter Informationsasymmetrie versteht man den unterschiedlichen Wissens – beziehungsweise Informationsstand zweier Vertragspartner aufgrund der „Unterschiede im Zugang zu relevantem Wissen“. (Mankiw & Taylor 2012: 574)

Das bedeutet, dass eine Marktseite besser und die andere Marktseite schlechter informiert ist. Die Seite, die schlechter informiert ist, wird auch als Prinzipal bezeichnet. Der Prinzipal beauftragt einen Agenten zur Erbringung einer Leistung, da der Agent aufgrund von einem höheren Wissens- und Informationsstand besser informiert ist als der Prinzipal. Das Problem hierbei ist, dass sowohl der Prinzipal als auch der Agent zunächst erst einmal versuchen ihren eigenen Nutzen maximieren, ganz egal ob das im Interesse des Auftraggebers ist. Die schlechter informierte Partei allerdings verlangt nach den relevanten Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt, jedoch gibt es für die Agenten gewisse Anreize, bestimmte Informationen zu verheimlichen, um zunächst den eigenen Nutzen zu maximieren. (Mankiw & Taylor 2012)

Im Jahr 2001 bekamen drei Ökonomen – George Akerlof, Michael Spence und Joseph Stiglitz – den Nobelpreis für die von ihnen erarbeitete sogenannte Prinzipal-Agenten-Problematik und kamen zu der Erkenntnis, dass zwei Arten der asymmetrischen Information – Moral Hazard oder Adverse Selektion – vorliegen können. Im den folgenden Unterkapiteln wird auf beide Arten eingegangen. (Akerlof, Spence & Stiglitz 2001)

1.1 Moral Hazard

Bei dem Moral Hazard (dt. moralisches Risiko) handelt es sich um die nachvertragliche Informationsasymmetrie. Das bedeutet, dass erst nach dem Zustandekommen eines Vertrages Informationsdefizite auf der Prinzipal-Seite entstehen.

Moral Hazard ist unterteilt in zwei Unterarten. Zum einen in die versteckte Handlung (engl. Hidden Action) und zum anderen in die versteckte Information (engl. Hidden Information). Unter der versteckten Handlung versteht man die fehlende Kontrollmöglichkeit des Agenten durch den Prinzipal. Der Prinzipal stellt aufgrund des geringeren Fachwissens in einem Bereich einen Agenten zur Verrichtung der Arbeit ein. So erbringt der Agent nach Vertragsabschluss nur soviel Arbeit, wie nötig, um seinen Aufwand gering zu halten und verrichtet nur genauso viel Leistung, wie es vertraglich mit dem Prinzipal vereinbart wurde. (Pindyck & Rubinfeld 2013) Aufgrund der asymmetrisch verteilten Information in diesem Gefüge kann der Prinzipal nicht jede Handlung des Agenten überwachen, da er nur unzureichende Kontrollmöglichkeiten hat.

Wohingegen der Prinzipal den Agenten bei der versteckten Information oder der „Hidden Action“ zwar beobachten und kontrollieren kann, aber aufgrund des fehlenden Fachwissens die Qualität der Leistungserbringung durch den Agenten nicht beurteilen kann, das heißt dem schlechter gestellten Prinzipal fehlen Informationen zur Beurteilung. So hat der Agent genügend Möglichkeiten, im eigenen Interesse zu handeln und seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Zur Minimierung des Moral-Hazard-Problems kann der Prinzipal durch gewisse Anreize reagieren. Beispielweise würden die Bemühungen des Agenten durch eine höhere Entlohnung zunehmen. (Mankiw & Taylor 2012)

1.2 Adverse Selektion

Eine andere Form der Informationsasymmetrie ist die adverse Selektion, die oftmals auch als negative Auslese bezeichnet wird.

Hierbei handelt es sich um die vorvertragliche Informationsasymmetrie, was bedeutet, dass das Informationsdefizit liegt bereits vor dem Zustandekommen eines Vertrages vorliegt. Bei dieser Art von asymmetrischer Information wissen die Verkäufer, also die Agenten, mehr über den Zustand – wie Qualität, Leistung und reparable Mängel – ihrer Produkte als die Käufer beziehungsweise die Prinzipale.

Bei der adversen Selektion spricht man auch von der versteckten Eigenschaft oder von „Hidden Characteristics“. Die Prinzipale können also nicht beurteilen, ob ein Gut bereits Mängel hatte, ob die angegebene Leistungsfähigkeit der Realität entspricht oder ob überhaupt alle benötigten Informationen zu einem Produkt gegeben sind. Agenten haben Anreize gewisse Eigenschaften zu verheimlichen, da für einwandfreie Produkte ein höherer Preis verlangt werden kann und die Zahlungsbereitschaft der Prinzipale bei solchen Gütern höher ist als bei Mängelexemplaren. (Mankiw & Taylor 2012; Pindyck & Rubinfeld 2013)

2 Das Aufdecken asymmetrischer Information

Die Märkte einer Volkswirtschaft reagieren unterschiedlich auf das Problem der asymmetrischen Information. In diesem Kapitel werden zwei Methoden zur Verwirklichung von transparenten Märkten beschrieben.

2.1 Signalling

Eine Möglichkeit zur Schaffung von Transparenz auf dem Markt ist das sogenannte Signalling. Das Signalling ist „eine von unterrichteter Seite unternommene Aktion zur Aufdeckung privater Informationen gegenüber der unwissenden Partei.“ (Mankiw & Taylor 2012, p. 577) Bei dem Signalling wird der Agent aktiv und versucht den Prinzipal von seinen Qualifikationen anhand von Zertifikaten, Nachweisen oder Zeugnissen zu überzeugen. Ziel dabei ist es, dass der Prinzipal auf den Agenten aufmerksam wird und diesen zur Leistungserbringung beauftragt. (Mankiw & Taylor 2012)

2.2 Screening

Nicht nur die Agenten können zu mehr Transparenz am Markt beitragen. Auch die Prinzipale können aktiv werden, um Informationsasymmetrien zu minimieren und die Märkte somit vollkommener zu machen. Diese Initiative eines uninformierten Vertragspartners nennt man Screening. Prinzipale haben die Möglichkeit einen Fachmann oder Experten heranzuziehen, die das Gut durch vorhandenes Fachwissen überprüfen. Wird die Prüfung durch den Agenten verweigert, kann davon ausgegangen werden, dass die – vom Agenten getätigten – Angaben zu einem Produkt oder zu einem Sachverhalt fehlerhaft sind und von Mängeln ausgegangen werden kann. Erteilt der Agent die Zustimmung zu einer Inspektion, kann dahingegen davon ausgegangen werden, dass die Angaben gegenüber dem Prinzipal ordnungsgemäß und korrekt abgegeben wurden. (Mankiw & Taylor 2012; Pindyck & Rubinfeld 2013)

3 Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor

In diesem Kapitel wird die oben beschriebene Theorie auf ein Fallbeispiel im öffentlichen Sektor angewendet. Analysiert wird die Beziehung zwischen einem Arzt und dessen Patienten. Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass es sich hierbei um einen Vertrauensgütermarkt handelt. Ein Vertrauensgut ist ein Gut, „dessen Qualität selbst nach dem Kauf durch den Haushalt nicht sicher festgestellt werden kann.“ (Piekenbrock, n.d.-b) Das kann beispielsweise die Diagnose, die Beratung oder der Verkauf der Behandlung sein, bei denen der Kunde – in diesem Fall der Patient – nie sicher sein kann, dass sie ordnungsgemäß durchgeführt wurden.

Bevor die Beziehung zwischen den oben genannten Parteien genauer betrachtet wird, bedarf es der Festlegung einiger ausschlaggebender Prämissen:

1) Der Erstkontakt erfolgt durch den Patienten und nicht durch den Arzt.
2) Der Einfluss des Arztes auf das Befinden des Patienten ist entweder positiv oder negativ.
3) Sowohl der Arzt, als auch der Patient handelt nutzenmaximierend.
4) Die Nutzenfunktionen sind nicht identisch.
5) Die Behandlung wird von nur einem Arzt durchgeführt, sodass eine Kontrolle durch einen anderen Arzt ausgeschlossen ist.

(Reik 2016; Schmidt 2004)

Der Patient stellt in diesem Szenario den Prinzipal dar und muss – entsprechend der ersten Prämisse – den Erstkontakt zum Arzt herstellen. Der Patient hat nun die Aufgabe, einen geeigneten Arzt für seine Beschwerden zu finden, um seine Genesung durch die Behandlung sicher zu stellen. Wobei der Erfolg der Therapie – im Allgemeinen – erst nach Abschluss als erfolgreich oder erfolglos bewertet werden kann. Hinzu kommt, dass der Patient im Normalfall selbst keine oder nur unzureichende Erfahrungen im medizinischen Fachgebiet hat und so durch Falschauswahl des behandelnden Arztes schon vor Vertragsabschluss eine adverse Selektion auftreten kann. Dies geschieht dann, wenn der Patient dem Arzt wichtige Informationen über seinen Gesundheitszustand verheimlicht und Letzterer durch diese falschen oder unzureichenden Informationen keine Erfahrungen oder Heilkompetenzen besitzt in diesem Gebiet besitzt. (Werner 2004)

Um das Problem der Falschauswahl zu minimieren, kann der Arzt durch gezieltes Signalling Signale an seine potenziellen Patienten senden. Bei der Auswahl sind Qualifikationen, Empfehlungen oder Zertifikate von Vorteil. Der Patient wird nun aktiv und informiert sich anhand von Auszeichnungen, Bewertungen oder anderen Nachweisen. Diesen Vorgang nennt man Screening.

Nach erfolgreicher Auswahl eines Arztes wird ein Therapieplan oder Behandlungsplan erstellt, der als Vertragsabschluss zu werten ist.

Die asymmetrische Information liegt nicht nur auf Seite des bei Patienten vor, sondern auch auf der des behandelnden Arztes. Der Arzt, der in diesem Szenario der Agent ist, hat einen Wissensvorsprung gegenüber dem Patienten, dem Prinzipal, da der studierte Mediziner durch sein Studium über medizinisches Fachwissen verfügt, um Erkrankungen und Beschwerden der Patienten zu behandeln. (Reik 2016) Allerdings hat der Arzt auch Informationsdefizite bezüglich der Eigenschaften und Verhaltensweisen des Patienten. An diese Informationen gelangt der Fachmann nur über Gespräche, in denen vorausgesetzt sein muss, dass der Patient dem Arzt die Wahrheit erzählt und nichts verschweigt. Ist dies jedoch trotzdem der Fall, ist schon vor Beginn der Behandlung von Hidden Characteristics auszugehen, da schon vor Vertragsabschluss, nämlich der Zustimmung des Patienten zur Durchführung der Behandlung durch den Arzt, relevante Informationen für eine erfolgreiche Behandlung fehlen. Dies kann beispielsweise die regelmäßige Einnahme von Tabletten oder anderen Medikamenten sein, welche die Behandlung beeinflussen könnten. Durch das Zurückhalten von Informationen kann es zur adversen Selektion kommen. (Werner 2004)

Aber angenommen ein Vertrag kommt durch Zustimmung des Patienten zustande und dieser unterzieht sich der regelmäßigen Behandlung durch einen Fachmann. Nachdem asymmetrisch verteilte Informationen vorliegen und der Arzt einen Informationsvorsprung durch seinen höheren Wissensstand besitzt, kann der Patient die Handlungen des Arztes weder überwachen, noch nach der Leistung bewerten, da dem Patienten das Know-How fehlt. Dies fällt dann unter den Begriff der „Hidden Information“ oder zu deutsch versteckte Information, bei der es sich um eine nachvertragliche Informationsasymmetrie handelt. (Mankiw & Taylor 2012; Reik 2016)

Zudem ist auch die Moral-Hazard-Problematik bei der Behandlung eines Patienten durch einen Arzt allgegenwärtig. So kann die behandelte Person nicht beurteilen, ob die Genesung aufgrund der Behandlung eintritt oder ob es bei einem anderen Arzt schneller und noch besser gewesen wäre.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Transparenz nicht auf allen Märkten in einer Volkswirtschaft gewährleistet ist. Jedoch ist dieser Umstand nicht alleine auf die Prinzipal-Agenten-Problematik zurückzuführen, da alle Marktteilnehmer – sowohl Prinzipale als auch Agenten – versuchen, so gewinnbringend wie möglich zu handeln und somit den Nutzen des Vertragspartners in den Hintergrund stellen.

Außerdem ist die Undurchsichtigkeit der Patienten-Arzt-Beziehung vor allem auf ein zugrundeliegendes Vertrauensgut zurückführen, da man diese Art von Gütern nach dem Kauf nicht nach ihrer Qualität beurteilen kann und der Konsum eines Vertrauensgutes, wie der Name schon sagt, auf gegenseitigem Vertrauen basiert.

Vollkommene Markttransparenz liegt nur dann vor, wenn alle Wirtschaftssubjekte in einer Volkswirtschaft über alle wesentlichen Informationen zum Marktgeschehen verfügen. (Piekenbrock, n.d.-a) Besonders schwierig ist es, vollkommene Markttransparenz in einem Vertrauensgütermarkt zu erzielen, da aufgrund von fehlender Bildung nicht davon ausgegangen werden kann, dass jedes Individuum die Möglichkeit besitzt den gleichen Wissensstand zu erreichen.

Literaturverzeichnis

Akerlof, G. A. (1970): The Market for “Lemons”: Quality Uncertainty and the Market Mechanism. The Quarterly Journal of Economics, 84 (3), 488–500.

Mankiw, N. G., & Taylor, M. P. (2012): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre (5. Auflage). Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag.

Piekenbrock, P. D. D. (n.d.-a): Markttransparenz. Online: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/markttransparenz.html, Zugriff vom 07.07.2017.

Piekenbrock, P. D. D. (n.d.-b). Vertrauensgut. Online: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/vertrauensgut.html, Zugriff vom 06.07.2017.

Pindyck, R. S., & Rubinfeld, D. L. (2013). Mikroökonomie (8.Auflage). Hallbergmoos: Pearson.

Reik, S. (2016). Der strategische Einfluss von Informationen in Vertrauensgütermärkten. Eine spieltheoretische Analyse. Management, Organisation und ökonomische Analys. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Schmidt, A. (2004). Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Wirkung von Medical Savings Accounts auf die Informationsasymmetrien im Gesundheitswesen.

Werner, C. (2004). Krankenhausmarketing. Einweisermarketing.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wer ist Prinzipal, wer Agent? Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V428539
ISBN (eBook)
9783668726574
ISBN (Buch)
9783668726581
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prinzipal, agent, fallbeispiel, sektor
Arbeit zitieren
Natalie Martini (Autor), 2017, Wer ist Prinzipal, wer Agent? Fallbeispiel aus dem öffentlichen Sektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428539

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