Ältere Menschen und Straßenverkehr


Ausarbeitung, 2001

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

Ältere Menschen & Straßenverkehr
Der Erste Schritt: Die Begegnung mit einer Reihe älterer Menschen
Interview mit Herrn Siebert, Untere Straßenbaubehörde, Radebeul
Ein Besuch bei Herrn Hentschel, Verkehrswacht Dresden e.V.
Ein Fragebogen für die Klasse 8a der Mittelschule Kötzschenbroda
Ein Fax an die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH

Nachwort
Feedback für die neun Bewohner des Hauses "Am Stadtpark"
Feedback für die Klasse 9a der Mittelschule Kötzschenbroda

ANHANG
Aushang
Einverständniserklärung
1. Verkehrspsychologische Erhebung
Ergebnisse 1. Fragebogen (17.04.-19.04.2001)
Richtigstellung
Interview mit Herrn Siebert
Fax an Herrn Hentschel
Fax-Antwort von Herrn Hentschel
Info an Frau Höher, Projektleiterin "Begegnung zwischen Jung und Alt"
2. Verkehrspsychologische Erhebung
Ergebnisse 2. Fragebogen
Fax an die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH
Fax-Antwort der Verkehrsgesellschaft Meißen mbH

Literaturverzeichnis

Vorwort

Zum Sommersemester 2001 besuchte ich die verkehrspsychologische Lehrveranstaltung Unterrichtsprojekte Verkehr der verkehrswissenschaftlichen Fakultät bei Frau Dr. Eva-Maria Gruner. Wie der Name schon andeutet, stand praktisches Arbeiten, in Form eines Projektes, im Vordergrund. Nachdem verschiedene Projekte der vorangegangenen Semester vorgestellt worden waren, sollte jeder Teilnehmer für sich oder als Gruppe ein eigenes Thema suchen. Zur Auswahl standen Themenkreise für Studenten des Lehramtes Grundschule und Mittelschule, der Gymnasialstufe, sowie der Sozialpädagogik, also Themen für Zielgruppen im Alter von circa sechs bis 95 Jahren.

Obwohl ich Lehramt Englisch / Französisch Gymnasium studiere, hatte ich von Anfang an meine Sympathie dem Themenkreis Ältere Menschen und Straßenverkehr verschrieben. Das könnte an der guten Beziehung zu meiner Omi liegen, die in einer altenbetreuten Wohnungseinrichtung des Volkssolidarität Elbtalkreis e.V.s zu Hause ist. Genau dort wollte ich auch ansetzen: die Bewohner nach ihren Problemen im Straßenverkehr fragen und anschließend die daraus folgenden Schritte einleiten. Davon abgesehen schien es sich hierbei um ein Außenseiterthema zu handeln. Kein anderer in der Lehrveranstaltung hat sich ihm gewidmet.

Ältere Menschen & Straßenverkehr

Der Erste Schritt: Die Begegnung mit einer Reihe älterer Menschen

Nach meinem gefassten Entschluß und einem ersten erstellten Fragebogen, machte ich einen Aushang im Haus Am Stadtpark, um die 20 Bewohner von meinen Absichten zu unterrichten und sie um Mithilfe zu bitten. Dem folgte die Erstellung einer vorzulesenden Einverständniserklärung samt ihrer Anlage, die Datum und Unterschrift der Einverstandenen bekunden sollte.

Am 18. und 19. April 2001 machte ich meine Runde auf der Suche nach Interessenten, derer ich neun finden sollte. Nach der Vorstellung meiner Person und der Darstellung meines "Problems", dem Vorlesen der Einverständniserklärung und der gegebenen nötigen Unterschrift, füllten wir gemeinsam den Fragebogen aus.

Daraufhin untersuchte ich die neun Fragebögen auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede: neun Versuchspersonen im Alter von 55 bis 95; acht von ihnen weiblich, eine männlich. Eine jede von ihnen nimmt als Fußgänger am Straßenverkehr teil. Sechs nutzen außerdem den ÖPNV (öffentlicher Personen- und Nahverkehr). Desweiteren gibt es unter ihnen eine Radfahrerin und jemanden, der Hilfsgehwerkzeuge wie Rollator und Dreirad benötigt.

Mein Hauptaugenmerk mußte auf die Frage: Welche Probleme hatten Sie im Straßenverkehr bereits zu meistern? bzw. Mit welchen Problemen müssen Sie sich im Straßenverkehr auseinandersetzen? fallen. Zu meinem Erstaunen wurde diese Frage gleich zu Beginn zweimal damit beantwortet, es lägen keine Probleme vor. In den anderen sieben Fällen lassen sich im Grunde genommen folgende Gemeinsamkeiten erkennen: Angesprochen werden Probleme mit nicht abgeschrägten Fußgängerüberwegen und Bürgersteigen, die sich in einem schlechten Zustand befinden. Hinzu kommen Radfahrer, die sich ob ihres Alters die Fußwege zu eigen machen; rasende Motorradfahrer; rücksichtslose Autofahrer, sowie zu hoch hängende Buspläne in zu kleiner Schrift. Eine letzte Problematik richtet sich an die Jugend und betrifft den ÖPNV: Sie sollten helfen, wenn jemand ersichtliche Schwierigkeiten hat und aufstehen, wenn ein älterer Mensch, vielleicht sogar Schwerbehinderter, keinen Sitzplatz mehr bekommt.

Wie erwartet, eröffneten mir die Ergebnisse meine weitere Vorgehensweise: Erstens, mich an die Stadt Radebeul zu wenden, um das Problem der Bürgersteige und Fußgängerüberwege zu besprechen; zweitens, hinsichtlich der rücksichtslosen Autofahrer, den Verkehrswacht Dresden e.V. um Informationsmaterial zu bitten; drittens, eine achte Klasse per Fragebogen zu interviewen und viertens, ein Fax an die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH zu schicken, um eine Aussage zu dem Problem Busplan zu erhalten!

Einige Tage später erzählte mir meine Omi, die Bewohner seien erbost darüber gewesen, dass ich mich nicht an die verabredeten Zeiten gehalten hätte. Da ich mir das nicht erklären konnte, nahm ich mir noch einmal meinen Aushang vor. Hatte ich zum Zeitpunkt des Aufhängens noch Daten und Zeiten hinzugefügt, mußte ich feststellen, dass mir dabei ein Fehler unterlaufen war. Es gab keinen Dienstag, den 18. April, nur einen Mittwoch, den 18. April, sodass das aufgetretene Missverständnis hier zu suchen gewesen sein dürfte, und um dies klarzustellen, hing ich kurz darauf eine Richtigstellung im Hause aus. Es war mir ein Bedürfnis, um die Beschwerde nicht auf sich beruhen zu lassen.

Interview mit Herrn Siebert, Untere Straßenbaubehörde, Radebeul

Am 17. Mai 2001 traf ich mich mit Herrn Rainer Siebert von der Unteren Straßenbaubehörde der Stadt Radebeul. Nach Klärung der Formalitäten, befragte ich ihn zu den zwei ihn betreffenden Problemen: nicht abgeschrägte Fußgängerüberwege und schlechte Bürgersteige. Laut Aussage ist zu den nicht abgeschrägten Bürgersteigen anzumerken, dass jede neue Straße bspw. prinzipiell behindertengerecht ausgebaut wird, aber immer drei Zentimeter über dem Gerinne für den Wasserabfluss vorhanden sein müssen. Doch nicht nur das, sie stellen auch eine kleine Abgrenzung von der Straßenfahrbahn und damit einen Sicherheitsaspekt dar. Sonst würde vielleicht so mancher Autofahrer aus welchen Gründen auch immer darüber ausweichen. Nun, Bürgersteig und Straße auf einem Level, böte sich das nicht geradezu an?

Neue Lichtsignalanlagen werden mit einem Signal für Sehbehinderte ausgestattet. Über die Behindertenverbände wird die Stadt ständig auf dem Laufenden gehalten, welche Schwerpunkte sie setzen, und was daher zu verändern ist. Nichtsdestotrotz muss eine gewisse Rangfolge eingehalten werden. Man ist sich der Gefahrenstellen bewusst und versucht, sie entsprechend gegebener Möglichkeiten zu beheben. Letztendlich läuft es auf die Frage hinaus, wieviel Geld der Kommune zur Verfügung steht.

Sollten diese Auskünfte nicht reichen, hat ein jeder das Recht, eine schriftliche Anfrage an die Stadtverwaltung Radebeul zu stellen, wo man im zuständigen Amt analysieren wird, inwiefern Veränderungen möglich sind.

Ein Besuch bei Herrn Hentschel, Verkehrswacht Dresden e.V.

Ende April 2001 schickte ich ein Fax an den Verkehrswacht Dresden e.V., genauer gesagt, an Herrn Hentschel. Er war mir als Ansprechpartner von Frau Dr. Gruner genannt worden und half mir Anfang Mai mit Material aus, das heißt, er gab mir Informationsbroschüren über ältere Menschen mit, sowie das Buch Typologie und Verkehr - Verkehrssicherheit in der Praxis.

Gibt es doch unter den Autofahrern tatsächlich einen Überholunfall-Verursachertypen, der sich der Senior nennt! Von 25 über 60-Jährigen, wiesen 76% erhebliche Sehmängel auf. Bei zwölf Betroffenen war die Tages-, bei drei die Dämmerungssehschärfe und bei den restlichen zehn sowohl als auch erheblich reduziert. Das Problem ist, wenn man den Gegenverkehr unscharf sieht, glaubt man ihn weiter weg und überholt noch. Dabei war das entgegenkommende Fahrzeug bereits so nahe, dass der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden war![1]

Von meinen "Versuchspersonen" wurden rücksichtslose Autofahrer genannt. Wenn die Betonung auf rücksichtslos liegt, welche Möglichkeiten der Problembearbeitung habe ich da als Fußgänger, ist ein Auto doch viel schneller weg, als ich es anhalten kann! Eine Bitte an die Polizei um Unterstützung wähnte ich negativ ausfallend, so dass dieser Bereich in meinem Projekt Vernachlässigung erfahren musste.

Ein Fragebogen für die Klasse 8a der Mittelschule Kötzschenbroda

Vierfach als Problemfaktor bezeichnet, wurden jugendliche Radfahrer auf dem Fußweg. Von meiner Omi wußte ich, dass die Mittelschule Kötzschenbroda, auf derselben Straße wie das altenbetreute Wohnen, eine Lehrerin und Klasse hätte, deren Projekt darin bestünde, zwischen Jung und Alt zu vermitteln. Jener Lehrerin gegenüber, ihr Name ist Frau Höher, sprach ich von meinem Projekt. Sie erklärte sich im Namen der 8a bereit, mir zu helfen. Nachdem der Fragebogen erstellt war, schickte ich ihr das Konzept und wir stimmten wenig später einen Termin ab.

So stand ich Anfang Juni vor eben genannter Klasse und machte Ausführungen zu meinem verkehrspsychologischen Projekt. Ich bat die 14-Jährigen persönlich um Unterstützung. Von den 26 Schülern waren 23 anwesend. Vier Tage später waren 19 von 23 Fragebögen an mich zurückgegangen.

Anhand der Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass es sich um elf Mädchen und acht Jungen handelt. Alle 19 sind Fußgänger, 15 nutzen den ÖPNV und 18 fahren Rad. Elf schätzen sich als hilfsbereit ein und zehn haben schon einmal einem älteren Menschen geholfen, entweder beim Straße überqueren oder Tasche tragen, um die häufigsten Nennungen aufzuzählen.

Was den ÖPNV betrifft, so nutzen ihn acht monatlich, zwei wöchentlich und fünf täglich. Bei einer Auswahl von sechs Verkehrsmitteln, geht Platz eins an die Straßenbahn. An zweiter Stelle steht der Bus, gefolgt von Eisenbahn, Fähre, Taxi und Seilbahn. Während sich für acht Schüler noch nicht die Möglichkeit ergeben hat, einem älteren Menschen in einem öffentlichen Verkehrsmittel zu helfen, haben zwei der Mädchen jene Frage mit Ja beantworten können, da sie in einem Fall beim Einsteigen in die Straßenbahn und im anderen beim Aussteigen helfen konnten. Auf die Frage, was ein jeder von ihnen täte, würde ein älterer Mensch in ein volles öffentliches Verkehrsmittel steigen und sie hätten einen Sitzplatz, antworteten neun, sie würden aufstehen, drei ihren Platz anbieten und nur jeweils einer würde ihn lediglich auf Anfrage freimachen bzw. sitzenbleiben.

Von den sich bekennenden Radfahrern haben zwölf einen Fahrradpass. Unter 16 gegebenen Antworten auf die Frage, bis zu welchem Lebensjahr man auf dem Fußweg fahren müsse, waren sechs Richtige, 8 Jahre. Bei der Kann-Bestimmung allerdings, zwölf Jahre, war es nur noch ein Dreier im Lotto. Man setze das in einen Vergleich mit den zwölf Fahrradpässen bzw. der Tatsache, dass mindestens elf Schüler eine Fahrradfahrpraxis von acht Jahren und mehr haben! Zwölf von ihnen haben ihr Rad in den letzten zwei Jahren sogar regelmäßig genutzt.

In dem von Herrn Hentschel ausgeliehenen Buch, stieß ich auf Fahrstiltypen unter den "Velofahrern". Es handelt sich um die folgenden sechs: ruhig-ausgeglichen, aktiv-dynamisch, sportlich-ambitioniert, affektiv-unausgewogen, unsicher-ungeschickt und aggressiv. Die Schüler waren aufgefordert, einen oder mehrere Typen auszuwählen. Ergebnis: sportlich-ambitioniert sind sieben (drei Mädchen, vier Jungen), ruhig-ausgeglichen sechs (5:1), aggressiv fünf (alles Jungen), aktiv-dynamisch drei (1:2), affektiv-unausgewogen zwei (1:1), unsicher-ungeschickt ein Junge, und drei (2:1) wussten es nicht einzuschätzen. Was bedeutet das?

36,8% fahren manchmal Fahrrad nur um zu fahren, fahren gern schnell, vergessen Verkehrsvorschriften und wollen immer der erste sein. Man beachte, 50% der Jungen zählen sich dazu! Für 31,6% ist das Fahrrad nur ein Fortbewegungsmittel. Sie fahren in mittlerem Tempo und "vorausschauend". Sie nehmen Rücksicht auf die Fußgänger und betrachten den Motorfahrzeuglenker als Partner. Eine allgemein defensive Grundhaltung, wie sie tatsächlich für Mädchen typisch sein dürfte. 26,3%, und alles Jungen, zeigen gern, dass sie der Herr auf der Straße sind.

Sie behindern andere und drängen sich immer und überall vor. Ihre Klingel benutzen sie zum "Wegscheuchen". 15,8% sehen in ihrem Fahrrad in erster Linie ein Fortbewegungsmittel, wenngleich ihnen ein flottes Vorankommen ein gewisses Fahrvergnügen bereitet. Das vorausschauende Verkehrsverhalten ist besonders ausgeprägt. Sie sind tolerant und nehmen Rücksicht auf andere. 10,6% haben einen ausgesprochen hektischen Fahrstil. Tempo- und Fahrspurwechsel, Beschimpfungen, Drohungen – sie reagieren ihren Ärger beim Fahren ab. Last but not least, 5,3% wirken recht unsicher. Geringe Geschwindigkeit, späte Reaktion, Schwierigkeiten beim Durchfahren engerer Passagen!

Aufgrund der möglichen Mehrfachnennungen müssten nun zwei der Mädchen und fünf der Jungen ihre angekreuzten Typen mischen, obwohl sich drei der Jungen für sportlich-ambitioniert und aggressiv entschieden haben und sich diese beiden Fahrstile ähneln.[2]

Hinsichtlich des Radfahrens auf dem Fußweg, haben 14 geantwortet, seit ihrem 13. Geburtstag bereits mehrmals mit dem Fahrrad auf dem Fußweg gefahren zu sein. Sechs von ihnen hätten ihre Klingel benutzt, um eine Gefahrensituation zu vermeiden; bei dreien jedoch gäbe es gar keine Klingel. Eine würde das Klingeln sogar von ihrer Stimmung abhängig machen. Ist ein Radweg vorhanden, wird er von 16 (von 18) benutzt.

Was sagen aber die Schüler zu der Frage, was sie täten, wenn sie mit dem Fahrrad auf dem Fußweg unterwegs einem älteren Menschen begegneten? Interessante Aussagen: fünf weichen aus, drei steigen ab, zwei fahren vorbei, zwei klingeln; einer fährt mit Abstand vorbei, eine auf die Straße, eine verlangsamt ihr Tempo; einer würde angeblich die Person anmaulen, ein anderer vorbeifahren und sie erschrecken! Auf die darauffolgenden zwei Fragen, ob einer der Schüler bereits einmal einen solchen Radfahrer einen älteren Menschen beengen sehen und dabei etwas gedacht hat, sagen drei Schülerinnen Ja. Die dazugehörigen Gedanken: "Dass es unmöglich ist! / Die bzw. der ist ja fit. / Es hat sich sicher nicht umgehen lassen."[3]

Dieser Frage folgten noch drei, die wieder für alle galten. Als erstes erneut eine Frage nach Typen, die sich jedoch in diesem Fall auf die "Vorlieben und Gewohnheiten" der Befragten bezogen. Welche Eindrücke können von ihnen gewonnen werden? Hier liegen, bis auf den Favoriten, die Prozentzahlen dicht beieinander, und auch hier waren Mehrfachnennungen möglich.

50% der Schüler bezeichnen sich als sportlichen Typ, 45,5% der Mädchen und 50% der Jungen. Das macht sie zu Menschen, die immer fit und aktiv und besser sein wollen. 22,2% neigen zum: Action -, häuslichen , Fashion - und kritischen Typ. Der Action-Typ (5,5%:16,6%) ist überall dort, wo etwas los ist und braucht immer Wirbel um sich. Der häusliche Typ (5,5%:16,6%) sucht Geborgenheit und Ruhe sowie gute Freunde, die nicht allzu betriebsam sind. Der Fashion-Typ (16,6%:5,5%) ist aufgeschlossen und legt natürlich viel Wert auf sein Äußeres. Der kritische Typ (jeweils 11,1%) hat ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Wichtig sind ihm: Frieden und Sicherheit, aber auch ein angenehmes Leben. Die verbleibenden zwei Typen, der Kontra - und der Fan-Typ, wurden von jeweils 16,6% der Schüler ausgewählt. Dem Kontra-Typ (5,5%:11,1%) geht seine eigene Freiheit über alles! Er ist gegen Trendsetter und Duckmäuser; und der Fan-Typ (11,1%:5,5%)? Der ist immer an einem Vorbild orientiert, setzt es immer und überall über alles andere.[4]

Frage zwei richtete sich an die Zukunft der Jugendlichen. Welche Farbe(n) soll ihr erstes Auto haben? Was würde die Farbpsychologie aus den Antworten entnehmen? Bei einer Farbwahl treffen Unterschwelliges und Vordergründiges aus dem menschlichen Seelenleben aufeinander. Man nehme also einmal an, die bevorzugte Autofarbe würde bei den Schülern mit ihrem Fahrverhaltenstyp korrespondieren!

Vier von 16 Schülern - drei Jungen, ein Mädchen -, wussten zu jenem Zeitpunkt noch keine Farbe zu wählen; drei Jungen fielen aus der Wertung und ein rotes Auto kommt für niemanden in Frage. Was bleibt, sind: vier blaue -; drei gelbe - und schwarze -; zwei grüne -, cremefarbige - und graue Autos sowie ein weißes Auto. Demnach zeigten 36,4% der Mädchen viel Mitgefühl für andere, hätten eine große Portion Gemüt und führen relativ ruhig und gelassen. 27,3% der Mädchen könnten einen ausgeprägten Erlebnisdrang haben und eher risikofreudig sein. Ebenfalls 27,3% der Mädchen könnten Schwierigkeiten mit der Anpassung und Einordnung in die Verkehrsgemeinschaft haben. Neun Prozent der Mädchen sowie 12,5% der Jungen wären gelassen, ausgeglichen und selbstbewusst. Außerdem wöllten sie den Verkehr in Richtung Sicherheit beherrschen. Die gleiche Prozentzahl würde für Mitschwimmer gelten, die bisweilen unentschlossen und zögerlich reagierten. Wo immer es geht, würde ein Neutralverhalten angestrebt. 18,2% der Mädchen hätten einen gewissen Mangel an Phantasie, wären aber zuverlässig und agierten sicher. Das Auto wäre für sie ein Nutzgegenstand. Fehlen noch neun Prozent der Mädchen, die im Fahrverhalten den neun und 12,5% entsprächen, die ein cremefarbiges Auto bevorzugen. (s. Mitschwimmer)

Nach einer empirischen Pilot-Studie an 300 Probanden hat man festgestellt, dass die Farbe gelb von Fahrern mit aggressivem -, blau von denen mit ruhig-ausgeglichenem -, affektiv-unausgeglichenem- und unsicher-ungeschicktem -, grün von denen mit aktiv-dynamischem -, ruhig-ausgeglichenem – und sportlich-ambitioniertem – bzw. grau von denen mit affektiv-unausgeglichenem – und unsicher-ungeschicktem Fahrstil bevorzugt wird. Das auf meine Ergebnisse beziehend, ist festzustellen, dass 50% dem entsprechen (sieben Mädchen, ein Junge: vier Übereinstimmungen bei den Mädchen)![5]

Abschließend stellte ich meine letzte Frage danach, ob schon einmal eine schlechte Erfahrung mit einem älteren Menschen im Straßenverkehr gemacht worden wäre und wenn ja, was passiert sei. 13 von 18 haben es nicht, doch fünf - zwei Mädchen, zwei Jungen und ein Provokateur - sprechen davon, die ältere Person sei 30 bei 60 und Überholverbot gefahren und ältere Menschen seien manchmal äußerst unbeholfen. Die zwei Schüler meinten, angepöbelt worden zu sein, und der Provokateur notierte tatsächlich, "die Sau hat mich angequatscht".[6]

Aus alledem ist zu schlussfolgern, dass in dieser Klasse zwischen männlich und weiblich getrennt werden muss und die Mädchen definitiv keine Konfrontation suchen! Aufgrund der von den neun Bewohnern genannten Probleme, scheint mir hier auch ein Erfahrungsproblem vorzuliegen, das darauf hinausläuft, inwiefern Jung mit Alt in Kontakt kommt und kommuniziert, um bspw. Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Womöglich hätte ich meine neun "Versuchspersonen" einmal danach fragen sollen, ob sich ihrer Ansicht nach, die Jugend verschlechtert oder verbessert habe, oder ob sie so geblieben sei. Man könnte meinen, sie müssten von einer Verschlechterung sprechen, doch eine Reihe von Senioren der Skatrunde im DRK Ortsverband Radebeul antworteten einst auf diese Frage, die heutige Jugend sei netter geworden. Das dürfte nur unterstreichen, dass es darauf ankommt, auf welche Art von Jugendlichen man trifft, vielleicht sogar wann. Schließlich gibt es in jeder Generation schwarze Schafe.

Ein Fax an die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH

Ende Juni 2001 sendete ich ein Fax an die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH. Wie es sich gehört, stellte ich mich auch hier erst einmal wieder vor und stellte dann meine Anfrage. Ich schrieb, dass im Alter das Wachstum in der Regel rückläufig sei und Sehmängel keine Seltenheit wären. Ich fragte, ob schon einmal kritisiert worden sei, dass die Fahrpläne zu hoch hingen und zu klein geschrieben seien bzw. was die Damen und Herren darauf geantwortet hätten oder antworten würden.

Circa einen Monat später erhielt ich eine Antwort. Ein großer Anteil der Fahrgäste besteht aus älteren Menschen und man versucht immer, die Beförderungsbedingungen für sie zu verbessern, so z. Bsp. mit der Anschaffung niederflurgerechter Busse und Straßenbahnen. Die Anbringung der Fahrpläne und damit verbundene schlechte Lesbarkeit, sei an sie in dieser Form jedoch noch nicht herangetragen worden. Deshalb würde man in der Fahrplanabteilung mein Schreiben aufgreifen und nach Lösungswegen suchen, ohne dadurch andere Fahrgäste zu benachteiligen.

Nachwort

Das bis hierhin Vorgetragene ist also die Gesamtheit meines Projektverlaufes und den daraus gewonnenen Erkenntnissen. Was bleibt zu tun? Zunächst einmal wären sicher Danksagungen angebracht. Ein Danke an Frau Dr. Gruner, dass sie mich in der ersten Stunde nicht aus ihrem Kurs vergrault hat; ein Danke an die neun Bewohner, die mir bereitwillig zuhörten und mich zu Problemstellungen finden ließen; ein Danke an Herrn Siebert und Herrn Hentschel, an Frau Höher und die Klasse 8a sowie die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH! Ohne sie alle wäre das Zustandekommen dieses Projektes nicht möglich gewesen.

Das Faszinierendste daran war sein Projektverlauf! Am Anfang meinte ich, ich würde nur mit den älteren Menschen zusammenarbeiten. – Meine Omi hinterfragte schon den Sinn des Projektes. Was hat das Unterrichten an einem Gymnasium mit Senioren zu tun? – Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die Probleme der Älteren führten mich nicht nur in eine Behörde, zu einem Verein und einer Gesellschaft, nein, auch in eine Schulklasse! Dabei tut es nichts zur Sache, dass es eine Mittelschulklasse war.

Zwei Fragebögen habe ich erstellt, für die Senioren und die Klasse 8a. Durch beide erst hat mein Projekt Gestalt angenommen und an Gehalt gewonnen. Daher scheint es passend, zum Abschluss der Dokumentation eine Art Rückmeldung für sie aufzubereiten, der nur noch der Anhang folgen wird.

[...]


[1] s. Fred W. Hürlimann Typologie und Verkehr 1996, S. 115.

[2] s. Fred W. Hürlimann Typologie und Verkehr 1996, S. 124-125.

[3] Fragebogen VP-Nr.: 18, 20, 21.

[4] s. Fred W. Hürlimann Typologie und Verkehr 1996, S. 48.

[5] s. Fred W. Hürlimann Typologie und Verkehr 1996, S. 109-112.

[6] Fragebogen VP-Nr.: 09.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Ältere Menschen und Straßenverkehr
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Verkehrswissenschaften)
Veranstaltung
Unterrichtsprojekte Verkehr
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
46
Katalognummer
V4286
ISBN (eBook)
9783638126533
Dateigröße
867 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Projektdokumentation. 11 Seiten, Rest Anlagen.
Schlagworte
Ältere Menschen, Straßenverkehr, Schule, Fragebogen
Arbeit zitieren
Silke-Katrin Kunze (Autor), 2001, Ältere Menschen und Straßenverkehr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4286

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