Ein Gewaltpräventionsangebot auf der Grundlage der Rhythmik

Ein didaktischer Entwurf zur Umsetzung in einer Schulklasse


Unterrichtsentwurf, 2016
13 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Theoretische Grundlagen
2.1 Einige Grundlagen zur Aggression
2.2 Einige grundlegende Aspekte rhythmischer Erziehung

3.0 Erläuterung der Übungen
3.1 Zielgruppe und Setting
3.2 Umsetzung der Übungen
3.2.1 Einführende Übung
3.2.2 Hauptübung
3.3 Zielsetzungen der Übung
3.3.1 Evaluation der Variante 1: Individuelle Bewegung der SchülerInnen
3.3.2 Evaluation der Variante 2: Synchrone Bewegungen der Kampflinien

4.0 Fazit und Ausblick

1.0 Einleitung

Diese Arbeit umfasst einen didaktischen Entwurf, der in einer Schulklasse von Kindern im Alter von 12 bis 15 Jahren angewandt werden kann. Der Entwurf stellt eine Gruppenübung dar, in der sich die SchülerInnen mittels einer Choreographie sowohl mit dem Thema Aggression als auch Nähe und Distanz auseinandersetzen. Es soll in dieser Arbeit nicht weiter festgelegt werden, um welchen Schulzweig es sich handelt. Der Autor ist der Überzeugung, dass Themen wie Nähe und Distanz sowie Aggression in etwaigen Formen für die meisten Kinder bzw. Jugendlichen in diesem Alter von Relevanz ist, unabhängig von deren Bildung oder sozialem Hintergrund. Um auf diesen Umstand angemessen reagieren zu können, bedarf es angemessener pädagogischer Angebote. Durch die Übungen, die in diesem Entwurf besprochen werden, soll ein Freiraum geschaffen werden, in dem sich die SchülerInnen zwanglos erproben und erfahren können. Um den SchülerInnen ein kongruentes Erlebnis im Rahmen dieses Angebotes anbieten zu können, stehen neben der Schwerpunktübung noch eine einleitende Übung, die in diesem Entwurf ebenfalls beschrieben wird.

Zu Beginn werden die für diese Arbeit relevanten Grundlagen der Rhythmik vorgestellt um die Zielsetzung der Didaktik mit dem Ansatz der Rhythmik zu beleuchten. Daraufhin wird die Thematik der Aggression vorgestellt und in deren Zusammenhang eine Begriffsklärung für den Rahmen dieser Arbeit festgelegt. Diese Elemente stellen die Grundlagen für die Zielsetzungen des Entwurfes dar, die anschließend diskutiert werden sollen. Hierbei soll betrachtet werden, welchen Beitrag die Paradigmen der rhythmischen Erziehung im Rahmen dieses Entwurfs leisten können. Abschließend soll im Fazit festgestellt werden, inwieweit dieser Entwurf zu einer gelingenden Gewaltprävention beitragen kann.

2.0 Theoretische Grundlagen

Im folgenden Abschnitt soll ein Bildungsanlass zu Grunde gelegt werden und einige theoretische Grundlagenüber die rhythmische Erziehung betrachtet werden. Zunächst wird das Thema der Aggression, vor allem im Bezug auf die Begrifflichkeit, aber auch im Bezug auf das Jugendalter, betrachtet. Hieran soll deutlich gemacht werden, auf welchen Bedarf dieses Bildungsangebot reagiert.

2.1 Einige Grundlagen zur Aggression

Der Begriff der Aggression stammt von dem lateinischen Wort aggredi und bedeutet wörtlichübersetzt angreifen/herangehen/sich nähern. Die Verwendung des Begriffs ist allerdings weder im Alltag noch im wissenschaftlichen Kontext einheitlich. Die Alltagsdefinitionen unterscheiden sich beispielsweise schon in der Frage danach, ob aggressive Handlungen bereits in verbalen Äußerungen oder ausschließlich in physischen, den Körper schädigenden Handlungen vorkommen können. Aber auch im wissenschaftlichen Kontext gibt es verschiedene Betrachtungsebenen. So liegt nach der Definition von Baron und Richardson aggressives Verhalten erst dann vor, wenn ein Individuum dem anderen gegen seinen Willen Schaden zufügt (vgl. Baron & Richardson 1994: 7). Die sog. Instrumentelle Aggression definiert aggressives Verhalten als konstruktive oder zumindest energische Handlung und setzt somit Aggression in gewissem Maße mit Aktionismus gleich (vgl. Krahé 2014: 107). Die Betrachtung dieser Differenzen zeigt, dass es sich bei dem Begriff der Aggression um ein soziales Konstrukt handelt (vgl. Pohl 2015: 7ff). Der Versuch, eine scharf umrissene Definition des Begriffs zu erarbeiten, würde den Rahmen dieser Arbeit wohl sprengen. Nolting argumentiert in seinem Buch Lernfall Aggression, dass eine weitläufige Definition, welche konstruktive Aspekte von Aggression einschließt, abzulehnen sei, da sie lediglich zu einer hohen Unschärfe des Begriffs beitrage. Diese Unschärfe würde letzten Endes bewirken, dass der Begriff der Aggression mit tätig werdenübersetzt werden könne und damit vor allem im Bezug auf eine wissenschaftliche Untersuchungen nichtig würde (vgl. Nolting 2011: 6f). Im Rahmen dieser Arbeit scheint es jedoch lohnenswert, auch die konstruktiven Momente aggressiver Handlungen oder zumindest den Aspekt von aggredi, also des sich Annäherns, zu betrachten. Unter dieser Betrachtungsweise von Aggression ergibt sich, wie später noch näher erläutert werden soll, für die eingangs beschriebene Zielgruppe ein Bildungsanlass.

2.2 Einige grundlegende Aspekte rhythmischer Erziehung

Rhythmische Erziehung hat zum Ziel, Menschen mithilfe von Musik, Bewegung, und Sprache zu fördern. Dieser Prozess soll vor allem durch die Zusammenarbeit von Musik, Bewegung und Sprache und nicht durch die unabhängige Vermittlung dieser einzelnen Medien geschehen. Durch die Rhythmisierung von Bewegung und Sprache sollen die AdressatInnen von der Rhythmik innewohnenden Ordnung profitieren ohne zu tief in die theoretische musikalische Erziehung zu gehen. Gleichzeitig fördert die rhythmische Erziehung durch die Verbindung von Bewegung und Musik die motorischen Fähigkeiten auf eine ganzheitliche und natürliche Weise. Dies wird erreicht, indem nicht etwa eine gezielte Verbesserung motorischer Fähigkeiten im Vordergrund steht, sondern indem den AdressatInnen ein Anreiz durch das Medium der Musik, welche in sich selbst anregend wirkt, geschaffen wird. Wie sich später herausstellen wird, ist die ganzheitliche Betrachtung von Körper und Geist, das heißt, das Zusammenspiel von Bewegung und sinnlicher Erfahrung, im Kontext dieses didaktischen Entwurfes von großer Bedeutung.

Die Erfahrung des Zusammenspiels von Raum, Zeit und Kraft ist ein weiterer Aspekt der Rhythmik. Hierbei geht um das Erfahren zeitlicher Abläufe als eine Essenz des Rhythmus. Jeder Rhythmus ist abhängig von einer zeitlichen Konstante, in die er eingeteilt werden muss. Diese Abhängigkeit von Zeit und Rhythmus in Verbindung mit Bewegung zu entdecken, ist eine anregende Erfahrung, welche in der rhythmischen Erziehung gemacht werden kann. Durch das unmittelbare Erfahren des Mediums der Musik und der direkten Bewegung dazu ist es möglich, den Aspekt der Kraft in Abhängigkeit des Metrums der Musik zu erleben. Die AdressatInnen können ihren Bewegungen mehr Ausdruck verleihen durch die Kraft und Dynamik, mit der sie diese ausführen. Die Wahrnehmung dieser Kraft erfolgt durch das Medium der Musik und wird gleichsam durch sie bestimmt (vgl. Glathe 1989: XXV ff).

3.0 Erläuterung der Übungen

3.1 Zielgruppe und Setting

Die Übung kann mit einer Schulklasse von 20 bis 30 Kindern durchgeführt werden. Als Zielgruppe der Übung werden Schulklassen mit Kindern im Alter zwischen 12 und 15 vorgeschlagen. Der Autor verzichtet bewusst auf eine Festlegung auf einen bestimmten Schulzweig. Wie bereits erwähnt wurde, kann das Thema der Aggression in einem sehr weiten Rahmen definiert werden, der sowohl Instrumentelle Aggression als auch gewaltsame Schädigungen einschließt. Unter diesem Aspekt ist davon auszugehen, dass jede/r SchülerIn sich bereits mit dieser Thematik auseinandersetzen musste. Diese Auseinandersetzung kann freilich auf die unterschiedlichsten Weisen stattgefunden haben. Sei es als Opfer von aggressiven Handlungen oder als TäterIn, als ZeugIn solcher Handlungen oderüber Erzählungen oder als indirekt Betroffene/r. Auch im Bezug auf Instrumentelle Aggression gibt es Jugendliche, die sehr forsch sind und ihre Ziele „aggressiv“ verfolgen und andere, welchen es an Mut und der entsprechenden Selbstwirksamkeitserwartung mangelt, die gegebenenfalls den Wunsch hegen, selbst aktiv und selbstbewusster aufzutreten. Wenn das Phänomen der Aggression so weitläufig ausgelegt wird, was im Kontext dieses Entwurfes durchaus zielführend erscheint, ist davon auszugehen, dass nahezu alle SchülerInnen in der Zielgruppe Berührungspunkte mit dieser Thematik haben.

Das Alter der Zielgruppe ist von Bedeutung, da im Jugendalter die potentielle Gefahr am höchsten ist, negativen aggressiven Handlungen zum Opfer zu fallen oder sie selbst auszuüben. In seinem Buch Aggression und Gewalt fasst Klaus Wahl einige Längsschnittstudien zu antisozialem und aggressiven Verhalten bei Jugendlichen zusammen. Diese Zusammenfassung deutet darauf hin, dass der Großteil der Jugendlichen ein Anstieg aggressiver und antisozialer Verhaltensweisen im Jugendalter zwischen 15 und 20 Jahren erleben, welche sich später wieder verringern. Dieser Anstieg erlebt seinen Höhepunkt zwar im Alter zwischen 15 und 20, jedoch befindet er sich im Altersbereich der hier beschriebenen Zielgruppe statistisch gesehen bereits im Anstieg (vgl. Wahl 2010: 116ff). Um also rechtzeitig präventiv agieren zu können, empfiehlt sich die Bearbeitung dieser Thematik durchaus bereits im Alter von 12 – 15 Jahren.

Die einzige Einschränkung bei der Zielgruppenwahl liegt in der Überlegung begründet, ob die SchülerInnen den motorischen und kognitiven Anforderungen entsprechen können. Diese Frage sollte unbedingt vorher von der/dem AnleiterIn klar beantwortet werden, da bei einer Fehleinschätzung ein Frustrationserlebnis sowohl von Seiten der AnleiterInnen als auch der SchülerInnen entstehen kann.

Es empfehlen sich großzügige Räumlichkeiten für die Übung. Es ist auch durchaus möglich, die Übung im Freien auszuführen unter der Maßgabe, dass der Bereich frei von potentiellen Zuschauern ist. Das Setting sollte nach Möglichkeit ein geschützter Rahmen sein, in dem sich die SchülerInnen frei bewegen können und sich ganz auf ihre Wahrnehmung und innere Kraft konzentrieren können. Diese bereits definierte Kraft darf und soll in der Übung sowohl in das Spiel auf den Instrumenten als auch in die Bewegungen der Choreographieübergehen. Dazu ist es wichtig, dass ein räumlicher, aber auch ein emotionaler Freiraum geschaffen wird.

3.2 Umsetzung der Übungen

3.2.1 Einführende Übung

Zu Beginn der Stunde soll eine einfache Übung stattfinden, welche die Gruppe in vielerlei Hinsicht auf die Stunde vorbereiten soll. Hierzu werden die SchülerInnen aufgefordert, frei im Raum umherzugehen. Währenddessen wird durch die/den AnleiterIn auf einer Trommel ein einfacher und langsamer Rhythmus gespielt. Die SchülerInnen sollen sich weiter bewegen bis die/der AnleiterIn einen schnellen und trommelwirbelartigen Rhythmus schlägt. Bei Ertönen des schnellen Rhythmus sollen die SchülerInnen sich schnell in die Mitte des Raumes begeben, wo sie sich zur Mitte hin drängen.

Die Übung kann einige Male wiederholt werden, während einige Abänderungen vorgenommen werden können. So können sich die SchülerInnen etwa für eine kontrastreichere Wahrnehmung der räumlichen Aspekte während des langsamen Rhythmus ganz an demäußeren Bereich des Raumes bewegen. Alternativ kann der Takt der Trommel geändert werden und die SchülerInnen können ermuntert werden, sich zu dem Takt zu bewegen oder auch zu versuchen, in der Bewegung auszudrücken, was sie hören.

Diese Übung in ihren Variationen bietet die Möglichkeit, die SchülerInnen auf die Hauptübung vorzubereiten. Die Bewegung kann sowohl den Körper anregen und zum Wohlbefinden beitragen, als auch innere Blockadenüberwinden und die SchülerInnen werden bereits auf die Wahrnehmung eines Rhythmus eingestellt. Des Weiteren wird auch die Bewegung zu einem Rhythmus, wie sie später erfolgen wird, ausprobiert und frei damit experimentiert. Das Zusammendrängen in der Raummitte und das Auseinanderlaufen bieten die Möglichkeit, eine vertrautere Gruppendynamik entstehen zu lassen, sorgt für eine lockere und ausgelassenere Stimmung und thematisiert gleichzeitig den Aspekt von Nähe und Distanz, auf welchen die Hauptübung unter anderem abzielt. In dieser einleitenden Übung können bereits erste Erfahrungen mit dem Annähern und dem sich Entfernen gemacht werden. Für diese Übung sollten 5 - 10 Minuten eingeplant werden.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ein Gewaltpräventionsangebot auf der Grundlage der Rhythmik
Untertitel
Ein didaktischer Entwurf zur Umsetzung in einer Schulklasse
Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V428678
ISBN (eBook)
9783668730687
ISBN (Buch)
9783668730694
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rythmik, Didaktischer Entwurf, Rythmische Bildung, Aggressionsprävention, Prävention, Pädagogik
Arbeit zitieren
Manuel Stoewe (Autor), 2016, Ein Gewaltpräventionsangebot auf der Grundlage der Rhythmik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428678

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