Der Zeichenbegriff von Charles S. Peirce


Hausarbeit, 2007
10 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Peirceschen Semiotik
2.1 Triadische Struktur des Zeichens
2.2 Trichotomie des Zeichens
2.3 Ikon, Index und Symbol

3. Zeichen und Kommunikation

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikation (lat. communicatio) bedeutet Mitteilung. Genauer gesagt, die Übermittlung der Information durch den Gebrauch von Zeichen. Ohne diese Informationsübermittlung wäre jeder Umgang der Lebewesen miteinander undenkbar. So kann man die allgemeine Kommunikation, (d. h. nicht nur die sprachliche) durch den Gebrauch von Zeichen, in nahezu allen Bereichen des Lebens zu jeder Zeit beobachten. Alles Wahrnehmbare, das in irgendeiner Form auf etwas anderes verweist, gilt als Zeichen. Grundsätzlich ist dann von einem Zeichen die Rede, wenn gesagt werden kann „aliquid stat pro aliquo“, wenn also etwas für etwas anderes steht.

Die allgemeine Wissenschaft von Zeichen heißt Semiotik, dieser Begriff entstammt der Antike. „Die Anfänge der Zeichenlehre reichen bis ins 6. vorchristliche Jahrhundert“ (Oehler 1981:17). Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die moderne Semiotik, begründet, vor allem, durch den amerikanischen Philosophen, Logiker und Naturwissenschaftler Charles Sanders Peirce (1839 -1914).

Peirce wendete die Zeichenlehre auf die Erkenntnistheorie an, was ihn zu einer neuen Theorie der Erkenntnis mit folgender Behauptung geführt hat, und zwar, dass das Denken sich nur in Zeichen vollziehen kann und, dass alle unsere Gedanken Zeichen sind (vgl. Oehler 1993:61).

Was nach Peirce ein Zeichen zum Zeichen macht, wie seine Struktur aufgebaut ist und was die Zeichen für die Kommunikation genau bedeuten – diese Fragen bilden den Mittelpunkt der folgenden Ausarbeitung.

Der erste Schritt besteht deshalb darin, zunächst den Peirceschen Zeichenbegriff allgemein zu erläutern und dabei auf die Relationen des Zeichens einzugehen. Nachfolgend wird die Trichotomie an den Zeichenpolen erklärt. Im nächsten Kapitel werden die drei Begriffe Ikon, Index und Symbol anhand eigener Beispiele dargestellt und erläutert. Im Anschluss daran folgt ein Vergleich beider Auffassungen des Begriffs „Zeichen“ bei Peirce und Wittgenstein. Abschließend werden die ermittelten Ergebnisse kurz zusammengefasst.

2. Grundlagen der Peirceschen Semiotik

2.1 Triadische Struktur des Zeichens

„Drei Dinge gehören zum Funktionieren eines Zeichens: das Zeichen selbst, sein Objekt und sein Interpretant“ (Oehler 2000:21).

Das Zeichen selbst nennt man auch Repräsentamen, das Objekt heißt Referent und ist das Bezeichnete bzw. der Gegenstand. Der Interpretant ist der Begriff, die Vorstellung, der Gedanke. Ein Gegenstand steht in einem Bezeichnungsverhältnis zu dem Zeichen, der Repräsentamen steht seinerseits in einem Bedeutungsverhältnis zum Interpretanten. Dies kann man sich als eine Art Dreieck vorstellen, das die Beziehungen im Zeichen deutlich macht. Die drei Aspekte, Bezug zu dem Zeichenträger, Bezug zu dem Objekt und Bezug zu dem Interpretanten, machen den triadischen Zeichenbegriff von Peirce aus. Diesen kann man sich am folgenden Beispiel anschaulich machen: ein Zeichen, z.B. /Haus/, steht für ein Ding – das konkrete Haus – und erweckt einen Begriff „Haus“ im Sinne eines Gedankens, einer Vorstellung, die sich wiederum auf das konkrete Haus bezieht. Entscheidend ist, dass zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten keine direkte, sondern eine indirekte Beziehung besteht und der Bezug eines Zeichenträgers auf einen Gegenstand über die Vermittlung einer Vorstellung erfolgt.

Die Triade ist nie in sich abgeschlossen, sondern in einen Prozess eingebunden. Zeichen ist nur, was einen Interpretanten hat, der selbst wiederum interpretiert wird. Der Interpretant wäre somit immer gleichzeitig ein Zeichen für einen weiteren Interpretanten, usw. Zeichen werden durch Zeichen interpretiert, was zu einer unendlichen Semiose, einer Zeichenschleife führt (vgl. Deledalle 2000:36f.).

Zeichen sind für Peirce immer eingebunden in triadische Relationen, d.h., sie vermitteln zwischen Objekt und Interpretant. An dieser Stelle ist es wichtig die verschiedenen Relationen zu erläutern.

Die Unterscheidung von den Zeichenrelationen liegt in der Kategorienlehre von Peirce begründet, die hier nur angeschnitten wird, da sie bedeutend für Peircesche Erkenntnistheorie und Semiotik ist, auf die aber, wegen dem genau vorgegebenen Rahmen der Arbeit, nicht näher eingegangen werden kann.

Kategorien sind für Peirce Erscheinungsweisen. Es gibt drei Kategorien, die alle möglichen Weisen bezeichnen, wie uns etwas erscheinen kann. Peirce nennt seine Kategorien Erstheit, Zweitheit und Drittheit. Etwas kann uns entweder erstheitlich, zweitheitlich oder drittheitlich erscheinen, andere Möglichkeiten gibt es nicht. Peirce war der Ansicht, dass man diese drei Klassen nicht weiter zerlegen kann und, dass alle weiteren Relationen sich aus der Kombination von diesen drei zusammensetzen, dass „[…] also, tetradische, pentadische etc. Relationen in triadische Relationen zerlegt werden können, aber eine triadische Relation nicht auf eine dyadische oder monadische Relation reduziert werden könne, […]“ (Oehler 2000:22).

Erstheit ist die reine Erscheinung der unmittelbaren Gegenwart, z.B. Empfindung der Härte oder der Stille usw. Zweitheit ist die Erscheinungsweise aktualer Fakten, z.B. das Fallen eines Steins. Drittheit ist die Erscheinungsweise einer Gesetzmäßigkeit, wenn etwas regelmäßig als etwas Bestimmtes wahrgenommen wird, z.B. Regel oder Gewohnheit (vgl. Deledalle 2000:33).

„Die hinreichende Bedingung dafür, daß etwas als Zeichen fungiert, ist mithin, daß es in die triadische Relation eingeführt ist, […]“ (Oehler 2000:23). Die Drittheit ist eine triadische Relation, die die Erstheit mit der Zweitheit verbindet. „Das trifft auf die Zeichenrelation genau zu: das Zeichen verbindet Objekt und Interpretant, der Interpretant verbindet Zeichen und Objekt, und das Objekt verbindet Zeichen und Interpretant“ (Oehler 2000:23).

Alles erscheint uns also in Form einer dieser drei Kategorien. Dabei ist aber zu beachten, dass etwas, was für den Einen Drittheit ist, kann für den Anderen eine Zweitheit sein.

2.2 Trichotomie des Zeichens

Die Zeichentriade lässt sich aber noch weiter unterteilen. Jedes der drei Zeichenpole kann man ebenfalls in drei Kategorien – Trichotomien zerlegen.

Das Zeichen in Beziehung zu seinem Objekt unterteilt sich in Ikon, Index und Symbol. Darauf wird im nächsten Kapitel näher eingegangen.

In Beziehung zum Interpretanten, wie ein Interpretant ein Zeichen darstellt, kann ein Zeichen Rhema, Dicent oder Argument sein. „Ein Rhema ist jedes Zeichen, das weder wahr noch falsch ist, z.B. einzelne Wörter. Ein Dicent ist ein Zeichen, das der Übersetzung in eine Aussage fähig ist. Ein Argument ist ein Zeichen, dessen Vernunftnotwendigkeit erkannt wird“ (Oehler 2000:20f.).

Das Zeichen als solches wird in Quali-, Sin- und Legizeichen unterteilt, wobei das erste sich auf die sinnliche Qualität eines Zeichens bezieht (z.B. „hart“, “still“ usw.), das zweite ein individuelles Exemplar eines Zeichens ist (z.B. ein bestimmter Stein fällt von einem bestimmten Berg) und das dritte die allgemeine Art eines Zeichens darstellt (z.B. das Wort „Haus“).

Charles S. Peirce erweiterte das bestehende Zeichenmodell indem er es durch den Interpretanten ergänzte. Ein Zeichen ist nach Peirce also triadisch und trichotomisch gegliedert (vgl. Deledalle 2000:35ff.).

2.3 Ikon, Index und Symbol

Es gibt drei grundlegende Zeichentypen: das Ikon, der Index und das Symbol. Jedes dieser drei Zeichen ruft bestimmte Vorstellungen im Kopf des Betrachters wach, die mit seinen früheren Erfahrungen verknüpft sind.

Wenn der Objektbezug auf einem Ähnlichkeitsverhältnis beruht, spricht man von einem Ikon – einem Zeichen, das seinem Objekt ähnlich ist. Allerdings muss der Betrachter Wissen über die Eigenschaften des Gegenstandes und, eventuell, über die Technik der Abbildung besitzen. Die Beziehung zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten entsteht auf der Basis der assoziativen Schlüsse, also auf der Basis der Ähnlichkeiten. „Ein Ikon ist ein Zeichen, das mit seinem wirklichen oder fiktiven Objekt eine Ähnlichkeit aufweist, […]“ (Oehler 2000:20).

Den ikonischen Charakter haben, beispielsweise, Gemälden – das Porträt der Mona Lisa oder das Laut „Wauwau“, sowie auch Grafiken, Landkarten usw.

Wenn der Bezug zum Objekt hinweisend ist, dann handelt es sich um einen Index. Index ist ein Zeichen, das physisch mit seinem Objekt verbunden ist. Der Zusammenhang zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten ist ein kausaler, d.h., ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis. Wenn ein Zeichen etwas anzeigt, kann man aus dem Auftreten dieses Zeichens eine Ursache erschließen, z.B. Rauch als Folge eines Brandes. Aufgrund unserer Erfahrungen und des Wissens können wir auf diese Ursachen schließen. „Ein Index ist ein Zeichen, das nicht in einer abbildenden, sondern in einer realen Beziehung zu seinem Objekt steht, als Hinweis oder Anzeige, […]“ (Oehler 2000:20).

Indexikalische Zeichen sind, z.B., ein nasser Fleck auf dem Boden, ein Anzeigepfeil oder das Hundebellen usw. Wenn jemand die Straße entlanggeht, den Geruch von bestimmten Blumen wahrnimmt und sich an das Blumenbeet eigener Mutter erinnert, ist das ebenso ein indexikalisches Zeichen.

Ein Zeichen, dessen Objektbezug weder abbildend noch hinweisen ist, sondern symbolisierend, nennt man Symbol. Symbole stehen ebenfalls in einer Beziehung zum Gegenstand – sie lassen uns an bestimmte Objekte denken, die Beziehung ist jedoch willkürlich. Das bedeutet, dass es keinen erkennbaren Grund dafür gibt, warum das Symbol und das Objekt im Bezug zu einander stehen. Diese Beziehung von den Zeichen und dem Bezeichneten beruht auf den Regelgestützten Schlüssen oder Sitten (Konventionen). Durch die Sprachgemeinschaft wird das Zeichen zu einer Konvention, die man kennen muss, um das Zeichen zu verstehen. „Ein Symbol ist ein Zeichen, das von seinem Objekt nur in dem Sinne bestimmt ist, daß es so interpretiert wird, also von Ähnlichkeit oder physischer Verbindung mit seinem Objekt unabhängig ist, […]“ (Oehler 2000:20).

Beispiele für ein Symbol sind ein Kreuz, ein Stoppschild, eine Krawatte, zwei Ringe und ein Herz mit einem Pfeil usw.

Wie man jetzt sehen kann, sind Zeichen sehr umfassend und komplex. Oft entstehen deswegen Zuordnungs- oder Interpretationsprobleme. Wie soll man ein bestimmtes Zeichen verstehen? Wann ist dieses Zeichen ein Ikon, ein Index oder ein Symbol? Diese Frage kann man folgendermaßen beantworten: Symbole können als Indizes gebraucht werden, indexikalische Zeichen können wiederum symbolische oder ikonische Elemente enthalten. Was also für den einen Menschen ein Symbol ist, kann für einen Anderen ein Index sein. Meistens liegen Mischformen aus indexikalischen, ikonischen und symbolischen Zeichen vor.

Klingeln an der Tür kann, z.B., ein Index aber zugleich auch ein Symbol sein, ebenfalls der Schmuck oder ein teueres Auto usw. (vgl. Deledalle 2000:37f.).

[...]

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Details

Titel
Der Zeichenbegriff von Charles S. Peirce
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft RWTH Aachen)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,7
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V428695
ISBN (eBook)
9783668724570
ISBN (Buch)
9783668724587
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charles S. Peirce, Zeichenbegriff, Semiotik, Ikon Index Symbol
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Der Zeichenbegriff von Charles S. Peirce, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428695

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