Generation Z, R oder "What?" Welche Jugendgeneration prägt das 21. Jahrhundert?


Hausarbeit, 2018
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugendliche, Postadoleszenz oder junge Erwachsene?

3. Die Bezeichnung einer Jugendgeneration
3.1 Z wie Zombie?
3.2 R wie relaxed?
3.3 oder What?
3.4 Wie tickt die Jugend?

4. Die aktuelle Jugendgeneration - ein Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„I think that our kids will probably see the end of humanity as we know it, cause this world’s about to blow it. […] I hope that my daughters never know what it feels like to give up, to know the whole world is corrupt, to realize that they are really on their own. And there’s no one left who cares about the future. […] A lifetime full of misery and blight. […] We use a telescope to give them faith, to give them hope, anything to help them cope with their future, cause there’s no alternative.“1 (NOFX 2016)

Während die amerikanische Punkrock-Band NOFX in ihren Song „Generation Z“ über Missstände in der Welt singt, denen ihre Kinder ausgeliefert sein werden, und dass man den nachfolgenden Generationen Hoffnung und Mut schenken soll, damit sie mit der Zu- kunft zurechtkommen, hat meine kleine Schwester scheinbar ganz andere Probleme. Sie ist 2003 geboren, besucht aktuell die 9. Klasse eines Gymnasiums, macht sich nicht so viele Gedanken um die Noten, denn immerhin liegt es am Lehrer, wenn sie eine vier in Mathe hat und nicht etwa daran, dass sie zu wenig lernt. Freunde sind ihr sehr wichtig und davon hat sie viele. Ihre Freizeit verbringt sie entweder beim Volleyballtraining, bei Basketball- spielen, mit Musikhören, bei Freunden, mit Nachrichten schreiben oder mit Ausschlafen. Aber repräsentiert das schon eine ganze Jugendgeneration? Repräsentiere ich eine ganze Jugendgeneration und gehöre ich wirklich noch zur Generation Y? Was bedeutet überhaupt der Begriff Generation und wozu dient die Schaffung unterschiedlicher Generationsbe- zeichnungen und -zuordnungen? Diese Fragen stellten sich mir unteranderem bei der Be- arbeitung vorliegender Belegarbeit.

Dass es im 21. Jahrhundert schwer ist eine einzige aktuelle Jugendgeneration zu finden, fiel mir bei meinen Recherchen schon früh auf. Zu vielseitig sind die Bezeichnungen, die derzeit umherirren, zu uneinig sind sich die verschiedenen Begründer einzelner Begriff- lichkeiten darüber, welche Alterskohorten zur jetzigen Jugendgeneration gehören. Veranschaulicht habe ich dies bereits bei der Vorstellung einiger Thesen mit folgender Grafik, die deutlich zeigt, welche unterschiedlichen Zeitspannen der Geburtenjahrgänge in der Literatur benutzt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Eigene Darstellung, in Anlehnung an Krüger 2016, S. 45; Die Welt 2015; Schwartz u.a. 2017, S. 3; Albert u.a. 2015, S. 33)

Aus diesem Grund soll es im vorliegenden Text auch nicht maßgeblich um Geburtenjahrgänge gehen, sondern vielmehr der Frage nachgegangen werden, welche Jugendgeneration das 21. Jahrhundert prägt. Um eine mögliche Antwort herauszustellen, habe ich mich mit vier verschiedenen Generationsbezeichnungen, bzw. -beschreibungen befasst und werde im Folgenden auf ausgewählte Merkmale und Besonderheiten der jungen Menschen hinweisen. Die gewählten Artikel, bzw. Autoren haben jeweils eine andere Herangehensweise gewählt, sodass ein breiterer Blick auf die Thematik möglich wird.

Beginnen möchte ich aber nun zunächst mit dem Jugendalter allgemein, wie man sich dem Begriff annähern kann und welche Entwicklungsaufgaben auftreten. Im Anschluss wird der Begriff Generation erläutert und warum Jugendgenerationen betitelt werden.

Gendergerechtigkeit ist mir wichtig. Die Schreibweise von Personen mit einem * ist bisher die einzige, die tatsächlich jedes mögliche Geschlecht beachtet, stört meines Erachtens jedoch erheblich den Lesefluss. Im nachfolgenden Text wird deshalb ausschließlich die maskuline Schreibweise genutzt. Unabhängig davon ist stets jedes Geschlecht gemeint. Ausnahmen sind kenntlich gemacht.

2. Jugendliche, Postadoleszenz oder junge Erwachsene?

Um das Thema ‚Jugendgeneration im 21. Jahrhundert‘ bearbeiten zu können, ist ein kurzer Abriss über das Lebensalter Jugend von Vorteil, um festzuhalten, was in dieser Phase statt- findet, mit welchen Dingen die jungen Menschen konfrontiert werden und was Jugend an sich bedeutet.

Dem Begriff Jugend kann sich unterschiedlich angenähert werden. Historisch gesehen be- deutet es eine strikte Trennung vom Kindes- und Erwachsenenalter und ist verbunden mit der Entwicklung geschlechtlicher Reife. Im 20. Jahrhundert dehnte sich die Phase zeitlich weiter aus, weil der Lebenslauf an sich länger wurde (vgl. Richter 2011, S. 27). Mit der Jugend sind die psychische, biologische, kulturelle und soziale Entwicklung ver- bunden. Das Lebensalter beginnt biologisch gesehen mit der Entwicklung der sexuellen Reife (vgl. ebd., S. 27f.).

In den Achtzigern hat sich der Begriff der Postadoleszenz herausgebildet, auch als junges Erwachsenenalter benannt. Die (pubertäre) Entwicklung ist zwar überwiegend abgeschlossen, die Bildungsbiografien aber meist noch nicht und damit findet oft noch keine Berufstätigkeit statt. Die Übergänge zur Postadoleszenz und auch zur Adoleszenz finden fließend statt (vgl. ebd., S. 29) sodass keine klaren Grenzen gezogen werden können. Häufig wird die Jugend in drei Phasen unterteilt: die frühe (von ca. 12 bis 17 Jahren), die mittlere und die späte (von ca. 22 bis 30 Jahren). Letztere bedeutet schließlich den vollkommenen Übergang in das Erwachsenenalter (vgl. ebd., S. 30).

Wie erwähnt, geht es in der Jugendphase entwicklungstechnisch gesehen um die biologi- sche und psychische aber auch die soziale und kulturelle Entwicklung (vgl. ebd., S. 27). Darin enthalten sind u.a. die Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung, die vor allem ge- sellschaftliche Integration verlangt. In dieser Selbstfindungs- und Experimentierphase be- gegnen Jugendliche unterschiedlichen Entwicklungsaufgaben. Diese sind eng mit gesell- schaftlichen Erwartungen sowie Anforderungen an die Heranwachsenden verknüpft und bestehen nach Havighurst (1948) aus Problemstellungen. Nicht alle Aufgaben sind vorge- geben und das Alter ist eher variabel aber grundsätzlich gelten Entwicklungsaufgaben als Sozialisationsziele. Die meiste Anerkennung erhalten demnach Jugendliche, die bestenfalls frühzeitig solche Aufgaben absolvieren (vgl. Stangl 2018).

Beispiele für Entwicklungsaufgaben im Jugendalter sind der Aufbau von stabilen Bezie- hungen zu allen Geschlechtern, auch intime Beziehungen, die Übernahme der eigenen Ge- schlechterrolle, das Akzeptieren der körperlichen, emotionalen Unabhängigkeit von den Eltern, bzw. Erlernen von Selbstständigkeit, Entwicklung von sozialem Verantwortungs- bewusstsein und eigener Wertesysteme sowie die Vorbereitung auf den Beruf und das Fa- milienleben. Vereinzelt erstrecken sich diese über einen längeren Zeitraum (vgl. Stangl 2018).

Um die Aufgaben zu realisieren, sind bestimmte Anpassungen notwendig, die wiederum gesellschaftlich bestimmt sind. Gelingt es den Heranwachsenden, bringt dies Zufriedenheit und Erfolg, während das Scheitern eher mit Schwierigkeiten in der Zukunft verbunden ist, bzw. das absichtliche Scheitern vor allem mit Ablehnung und Verärgerung seitens der Ge- sellschaft (vgl. ebd.).

Es wird deutlich, dass die gesellschaftliche Integration kein automatischer Prozess ist, son- dern die Initiative der Heranwachsenden erfordert. Da in der Jugendphase eine Vielzahl solcher Aufgaben und Erwartungen an die jungen Menschen herangetragen werden, ist deren Bewältigung oft von großer Anstrengung begleitet (vgl. Richter 2011, S. 39f.).

3. Die Bezeichnung einer Jugendgeneration

Der Begriff Generation kommt von dem lateinischen Wort generatio und bedeutet so viel wie Nachkommenschaft. Sprechen Menschen von Generation, verstehen sie darunter die Gesamtheit einer Gruppe, die in einem bestimmten Zeitraum geboren wurde. ‚Generation‘ wurde vermutlich 1525 durch den Arzt Paracelsus in Deutschland erstmals verwendet. Bis sich die Menschen zunehmend Gedanken darüber machten, dauerte es allerdings noch (vgl. Heine 2014).

„In der bösen alten Zeit stiegen die Menschen aus den Windeln direkt auf den Thron oder sie marschierten zur Fronarbeit. Kaum 15 Jahre später starben sie an der Pest, ohne sich jemals Gedanken darüber gemacht zu haben, ob sie nun zur Generation Kreuzzug oder zur Generation Dreifelderwirtschaft gehörten.“ (ebd.).

Karl Mannheim erweiterte den Begriff 1928 mit seiner Abhandlung über das „Problem der Generationen“ (vgl. ebd.). Er verdeutlichte die Bedeutsamkeit der Benennung verschiede- ner Generationen mit dem schnellen sozialen Wandel. In seinem Modell analysierte er zu- erst die Generationslagerung, erkundete dann deren Generationenzusammenhänge2, um zuletzt die Generationseinheiten benennen zu können. So entsteht aus einer Gruppe be- stimmter Geburtenjahrgänge eine institutionalisierte Generation, die einer bestimmten Al- tersgruppe angehört, bestimmte Werte und ähnliche kulturelle Eigenschaften vertritt. Diese Eigenschaften variieren mit jedem Generationswechsel (vgl. Becker 2008, S. 204f.).

Mittlerweile sprechen viele von einer Hyperinflation von Generationen, da harmlose Kon- sumgemeinsamkeiten schon genügen, um eine neue Generation auszurufen3 (vgl. Heine 2014).

Die Schaffung von Generationsbildern erfolgte vor allem aufgrund des gesellschaftlichen Bedürfnisses nach einem Bezugsrahmen, denen Generationsmuster zugeordnet werden können. Der diskontinuierliche soziale Wandel mit seinen Auswirkungen erhöhte die Bereitschaft die Generationen zu benennen (vgl. Becker 2008, S. 206).

Die junge Lebensphase ist Bezugspunkt für die Generationsbilder, weil Zeit der Pubertät und Adoleszenz die prägendste für einen Menschen ist. Etwa ab dem 10. Lebensjahr sei ein Kind in der Lage eigene Werte und Erwartungen aufzustellen und das Aneignen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten fällt mit jungen Jahren noch am einfachsten (vgl. ebd., S. 207).

Das Modell von Mannheim wird ergänzt durch Beckers Definition von Kohorten- und Typologiegenerationen. Ersteres entsteht durch die demografische Zugehörigkeit. Diskon- tinuierlicher sozialer Wandel prägt junge Menschen einer Kohorte und bestimmte soziale Merkmale. Es entstehen Kohortengenerationen (vgl. ebd., S. 209; 213). Aus den Typolo- gien von Kohortengenerationen wird anschließend eine Typologiegeneration entwickelt, die aufgrund gleicher oder ähnlicher Merkmale eine Einheit bildet (vgl. ebd., S. 210; 213). Becker kommt zu dem Schluss, dass Mannheims Modell nachwievor zur Erklärung der Generationen herangezogen werden kann, neben ein paar Ergänzungen. Er sagt auch, dass in Zeiten immer stärkerer Differenzierung und immer schnellerem sozialen Wandel mit mehr Typologien gearbeitet werden muss, um einen Überblick zu behalten. Die Generati- onsforschung wird weiterhin eine bedeutende Aufgabe besitzen (vgl. ebd., S. 216f.).

Einen weiteren Aspekt hält Scholz fest. Er sagt, dass Generationen auch Minderheiten sein können, die aber durch viel entgegengebrachtes Interesse diese Prägung erreichen. Oft werden Generationsmuster durch historische Ereignisse geprägt, trotzdem muss nicht jedes Mitglied dieser Alterskohorte dieselben Dinge erlebt haben (vgl. Scholz 2014, S. 15f.). Zudem erfolgt eine Unterscheidung von Menschen nicht nur nach Altersgruppen, sondern auch nach sozialen Milieus und Klassen (vgl. Prenzel; Gehrs 2017, S. 28). Kritiker warnen deshalb vor voreiligem Pauschalisieren bis hin zu der Errichtung einer falschen Wirklich- keit. Die Muster lassen lediglich Trendaussagen zu (vgl. Scholz 2014, S. 17ff.).

Er meint weiterhin, dass Generationen aus den Erfahrungen und Ereignissen der Vorgän- gergenerationen und den aktuellen Entwicklungen der Umwelt entstehen. Sie sind damit ein Resultat der Vergangenheit und Gegenwart (vgl. Scholz 2014, S. 200). Vielleicht führt dies ja wirklich zu dem Szenario, dass im schnelllebigen Zeitalter die Generationen nicht mehr lange halten werden, nach Andy Warhol bald nicht mal mehr 15 Minuten (vgl. Heine 2014).

3.1 Z wie Zombie?

„ […] Mit dem großen Büro, […] den vielen Urlaubstagen und der Möglichkeit eines Home Office hatte die Firma den frischgebackenen Hochschulabsolventen am meisten überzeugt und sich gegen fünf andere Bewerber erfolgreich durchgesetzt. Es klopft an der Tür. ‚Guten Morgen Niklas! Wie sieht’s aus, kannst du die Präsentation heute halten?‘, fragt der Chef in einer Mischung aus Freundlichkeit und Zurückhaltung, als er das Büro betritt. ‚Morgen Frank, klar ich bin soweit. Ich würde dann heute aber gerne schon um vier gehen und den Rest zu Hause erledigen‘, erklärt Niklas. […]“ (Scholz 2014, S. 117f.).

Mit kurzen fiktiven Erzählungen aus dem jungen Leben der Emily begleitet der Ökonom Christian Scholz in seinem Buch „Die Generation Z. Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ (Scholz 2014) die Merkmale der Generation Z. Das Wertemuster unterscheidet sich grundlegend von dem der Generation Y, scheint, so Scholz, aber ansteckend zu sein. Aus diesem Grund bezeichnet er die Generation Z auch als Zombies, die alle anderen Generation allmählich mit ihren Gedanken ansteckt (vgl. ebd., S. 199). Die Generation Y scheint bereits schon jetzt allmählich zu Z zu mutieren, was erklärt, warum jüngere Studien über die Vorgängergeneration sich inhaltlich bereits eindeutig auf die Generation Z beziehen (vgl. ebd., S. 30).

Scholz macht deutlich, dass es keine klare Abgrenzung zwischen den Generationen Y und Z gibt, meint aber, dass die Generation Z seit Beginn der 1990er bereits verstärkt auftritt (vgl. Rieppel 2016). In seinem Buch greift er die vielmals verwendete Geburtsgrenze ab 1995 auf (vgl. Scholz 2014, S. 31).

Den jungen Menschen ist in erster Linie eine ausgeglichene Work-Life-Balance wichtig, wie schon den beiden Vorgängergenerationen, besonders weil sie die negativen Folgen des wirtschaftlichen Erfolgs an ihren Eltern sehen konnten: wenig Zeit für die Familie, häufi- ges Erkranken und häufige Scheidungen (vgl. Weiguny 2012; Lehky 2013). Führungsposi- tionen gelten für die Vertreter als notwendiges Übel, das sie lieber vermeiden möchten (vgl. Scholz 2014, S. 199). Die eigene Freizeit und Zeit mit der Familie, statt eine gut be- zahlte Tätigkeit, sind obere Prioritäten. Sie wünschen sich einen festen Rahmen, in dem sie arbeiten können. Außerhalb dessen möchten sie nicht an Arbeit denken, denn der Beruf sei nicht der Mittelpunkt im Leben. Damit gelten sie laut Scholz für viele der älteren Genera- tionen gewissermaßen als Vorbild, weil sie sich eben nicht für die Arbeit kaputt machen wollen und sehen, dass Überarbeitung nicht produktiv ist. Hier spiegelt sich zwar eine gewisse illoyale Einstellung dem Arbeitgeber gegenüber (vgl. Zaremba 2015), allerdings sieht die Generation, dass für Unternehmen die Arbeitnehmer genauso wenig im Fokus stehen4 (vgl. Rieppel 2016; Scholz 2014, S. 37f.).

Solange die Arbeitsbedingungen zu ihren Kriterien passen, sind sie sehr zuverlässige Ar- beitskräfte. Für den Arbeitgeber bedeutet das die Aufgabe, den jungen Mitarbeitern viel Lob und Rückmeldung zu geben, damit sie sich in ihrer Arbeit wohlfühlen (vgl. Zaremba 2015). Das heißt aber nicht, dass sie nicht bereit sind Leistung zu bringen. Im Gegensatz zur Generation Y wollen sie aber nicht ständig danach beurteilt werden (vgl. Rieppel 2016). Sie wollen lieber etwas Sinnvolles tun, egal ob die breite Masse oder nur sie selbst davon profitieren. Lieber verzichten sie auf ein Tagesgehalt, statt auf einen freien Tag (vgl. Weiguny 2012) und wachsen lieber über sich selbst hinaus, statt nach guten Noten und Luxus zustreben (vgl. Lehky 2013). Und mit den Problemen des Demografischen Wandels im Rücken könnten sie tatsächlich als Gewinner des Arbeitsmarktes hervorgehen und unter Unternehmen einen großen Kampf um die besten Mitarbeiter auslösen (vgl. Scholz 2014, S. 108).

Manche bezeichnen die Generation Z als eher langweilig und wenig umsichtig. Das wird bspw. mit geringem Interesse an Produktionsbedingungen für beliebte Textilketten be- gründet. Scholz sagt dazu, sie sind in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrisen aufge- wachsen und sind sich deshalb den Problemen auf der Welt durchaus bewusst (vgl. Zaremba 2015). Er charakterisiert die Generation Z deshalb weder als optimistisch, pessi- mistisch noch skeptisch, sondern als sehr realistische Generation (vgl. Scholz 2014, S. 37), die sich nichts vormacht, auch nicht, dass sie an den Missständen etwas ändern könnten. Sie lassen die Probleme einfach nicht zu sehr an sich heran und entwickeln keine falschen Visionen. Hier zeigt sich ein sehr pragmatischer Umgang (vgl. Zaremba 2015).

3.2 R wie relaxed?

Die 17. SHELL Jugendstudie 2015 erfragte mit der Kombination aus quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden bei zwischen 1990 und 20035 Geborenen, wie sie Herausforderungen meistern und welche Verhaltensweisen und Einstellungen sie herausbilden. Es wurden politische und soziale Bedingungen untersucht, um die Vielfalt der Jugend und ihren Lebenswelten abzubilden (vgl. Albert u.a. 2015, S. 33).

In der Studie geht es nicht um eine bestimmte Generationsbezeichnung, wie der Generati- on Z. Im vorletzten Kapitel gibt es aber einen Ausblick auf eine neue Generationsgestalt nach der Generation Y (vgl. Quenzel u.a. 2015, S. 375f.). Die Autoren äußern, dass es zwar bereits genügend Anzeichen für einen Wandel gibt, mit einem neuen Begriff zu ar- gumentieren hielten sie zu dem Zeitpunkt allerdings noch zu früh (vgl. ebd., S. 387). Sie halten fest, dass selbst ein genauer Blick nur schwer eindeutige Grenzen zwischen den Ge- nerationen sichtbar macht (vgl. Albert u.a. 2015, S. 37), weil sich der Übergang fließend entwickelt (vgl. Quenzel u.a. 2015, S. 375). Erst kurz nach Veröffentlichung der Jugend- studie rief Hurrelmann die Generation R aus. Er bezieht diese besonders auf die zwischen 2000 und 2015 Geborenen. Seine Argumente stützt er auf die genannten Ergebnisse der Studie. Er ist überzeugt, dass die junge Generation vor allem politisch ambitionierter und aktiver sein wird, da das Interesse so deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig beschreibt er die jungen Menschen als sehr relaxed (deshalb Generation R), weil sie sich mehr entspannen und auf die wichtigen Dinge konzentrieren (vgl. Die Welt 2015).

Während vor einigen Jahren die Jugend noch auf Leistung und materielle Absicherung bedacht war, ist nun ein neues Bild erkennbar. Eine pragmatische Grundhaltung scheint nachwievor verbreitet zu sein, aber das Selbstbewusstsein und der Idealismus scheinen insgesamt gestärkt. Die Autoren führen das auf die stabilere soziale, wirtschaftliche und politische Lage in Deutschland zurück (vgl. Quenzel u.a. 2015, S. 375).

Auffällig groß ist der Optimismus der jungen Menschen (vgl. Leven u.a. 2015, S. 95). Nicht nur für ihre eigene Zukunft sondern mehrheitlich auch für die der Gesellschaft. Und das trotz weltweiter Krisen und einer unsicheren Lage, bedingt durch Terror oder Flücht- lingsbewegungen, gerade in Europa.

[...]


1 Deutsche Übersetzung: „Ich denke, dass unsere Kinder wahrscheinlich das Ende der Menschheit sehen wer- den, wie wir sie kennen, denn diese Welt ist dabei sie zu sprengen. [...] Ich hoffe, dass meine Töchter nie wissen, wie es sich anfühlt aufzugeben, zu wissen, dass die ganze Welt korrupt ist, zu erkennen, dass sie wirklich auf sich allein gestellt sind. Und es gibt niemanden mehr, der sich um die Zukunft kümmert. [...] Ein Leben voller Elend und Schandflecken. […] Wir benutzen ein Teleskop, um ihnen Glauben zu schenken, um ihnen Hoffnung zu geben, alles, um ihnen zu helfen, mit ihrer Zukunft fertig zu werden, denn es gibt keine Alternative.“

2 Damit sind die prägenden geschichtlichen Ereignisse, Werte oder Überzeugungen gemeint (vgl. Prenzel; Gehrs 2017, S. 25).

3 Verweisen kann man hier beispielsweise auf die Generation Golf (1965-1975), die sich mit ihren materialistischen Werten deutlich von anderen Generationen abhob (vgl. Maack 2012).

4 Scholz weist aber darauf hin, dass das Denkmuster schnell in eine Sackgasse führen könnte, würden sich noch mehr an diesen Idealen orientieren, bspw. die Vermeidung von Führungsaufgaben (vgl. Scholz 2014, S. 199ff.).

5 Anhand der Zielgruppe erkennt man, dass hier die erste Generation befragt wurde, die den Mauerfall in Deutschland nicht miterlebte, sondern nur von Erzählungen oder aus dem Unterricht kennt (vgl. Leven, Quenzel, Hurrelmann 2015, S. 47).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Generation Z, R oder "What?" Welche Jugendgeneration prägt das 21. Jahrhundert?
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)  (Fakultät für Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Aktuelle Diskurse
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V428757
ISBN (eBook)
9783668745155
ISBN (Buch)
9783668745162
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendgeneration, Generation, Generation R, Generation Z, Generation What?, Jugend, Jugendliche, Prägen, 21. Jahrhundert, aktuell, Merkmale, eigenschaften
Arbeit zitieren
Lisa Bartschat (Autor), 2018, Generation Z, R oder "What?" Welche Jugendgeneration prägt das 21. Jahrhundert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428757

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