Handeln als kommunikatives Handeln nach Jürgen Habermas


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebenswelt und System

3. Handlungsarten

4. Geltungsansprüche

5. Diskurs

6. Ideale Sprechsituation

7. Probleme und Chancen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jürgen Habermas, geboren 1929, ist einer der renommiertesten Philosophen und Sozialtheoretiker unserer Zeit. Seine kritische Theorie, das kommunikative Handeln, die Lebenswelt und Öffentlichkeit sind gerade in den soziologischen Disziplinen von besonderer Bedeutung. Der britische Rechtsgelehrte Ruth Dukes erklärt sogar, dass Habermas ״der einflussreichste Theoretiker unser Zeit“ sei (Mandelbaum, 1996, s. 94). Habermas studierte Philosophie, Geschichte und Psychologie und war 1956-1959 Assistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Hier bekam er in seiner Laufbahn also wichtige Anregungen der Frankfurter Schule, die in seinen Fragestellungen Einfluss nahmen. Nach seiner Habilitation übernahm er die Professur für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main und beschäftigte sich immer wieder mit seiner Handlungstheorie (HDG,2018,1).

Mit dem Begriff des kommunikativen Handelns bezeichnet Habermas ein soziales Handeln, bei dem die Akteure versuchen, ein gemeinsames Verständnis zu erreichen und Gruppenhandlungen durch vernünftige Argumentation, Konsens und Kooperation zu koordinieren, statt strikt auf die Verfolgung ihrer eigenen Ziele zu setzen. Kommunikatives Handeln dient dem Bewältigen verschiedener Situationen, also Ausschnitte aus den lebensweltlichen Zusammenhängen. Diese gliedern sich in Themen, Handlungsziele und Handlungspläne (vgl. Habermas, 1984, S.145).

Hierbei ist zu betonen, dass es sich um ein ״Modell“ handelt, welches er vorstellt und sich darauf bezieht. Dabei stellt sich das kommunikative Handeln gegen zwei andere Modelle - das instrumentellen Handeln und strategische Handeln, bei denen das eigene Interesse bzw. eine Absicht im Vordergrund steht.

Dabei sind instrumentelle ״Situationen" all)ene, die sich auf nicht-soziale Situationen beziehen, wie Z.B. Laufen, Aufräumen usw., während strategisches Handeln auf soziale Situationen zu beziehen ist - Z.B. der Versuch die Entscheidung anderer Akteure zu ändern.

Hierbei vermerkt er die teleologische Absicht (Habermas, 1984, s. 575f.), die beim kommunikativen Handeln nicht im Vordergrund steht, da sich diese am gegenseitigen Verständnis orientiert.

Es ist wichtig zu betonen und zu verstehen, dass Habermas hier ein Modell vorstellt, welches in erster Linie einem Ideal entspricht, an welchem signifikante Abweichungen deutlich werden. Er vermerkt, dass diese Abweichungen immer stärker werden, je mehr die Gesellschaft von der Institutionalisierung der Macht abhängt und politischer Repression ausgesetzt ist (vgl. Habermas, 1970, s. 374)

In der kommenden Ausarbeitung soll das Modell des kommunikativen Handelns erklärt werden - ein Konzept, bei welchem er die Sprache ins Zentrum rückt und dieser eine umfassendere Rolle zuspricht. Habermas Werk zur ״Theorie des kommunikativen Handelns“ ist 1981 erschienen. Bezugnehmend darauf wird in dieser Arbeit sein Konzept der Lebenswelt erläutert und in Verbindung mit dem formalen System als Gefahr für die Gesellschaft, gebracht. Außerdem wird die Vernunft als Ausweg aus dem Zwang der Systeme Geld und Macht in seinem kommunikativen Handeln näher betrachtet.

Unter Berücksichtigung der Bezugsnormen und seiner aufgeführten Geltungsansprüche wird der Versuch unternommen, abschließend, Chancen und Probleme des Konzeptes zu lokalisieren. Es soll letztlich die Frage geklärt werden, ob die Handlungstheorie ein brauchbares Konzept für den Alltag ist und ob es auch heute noch aktuell ist und damit seine Daseinsberechtigung sichert.

2. Lebenswelt und System

Kommunikatives Handeln und das Konzept Lebenswelt stehen in enger Verbindung - Denn zusammen mit dem System, ist es Grundlage, um Habermas Handlungstheorie richtig zu deuten und seine Auffassung von modernen Gesellschaften zu verstehen.

Die Begriffhchkeit Lebenswelt geht auf Husserl und Schutz zurück, die die Annahmen haben, dass Menschen, ihre Definition der eigenen Situation in der Gesellschaft und ihre Interpretation der Geschichte, im engem Zusammenhang stehen. Dabei ist Lebenswelt mehr als nur Kultur, denn es umfasst auch ״sozial übliche Praktiken und ״Individuelle Fähigkeiten“ und das intuitive Wissen, wie man mit gewissen Situationen umgehen kann. Grundsätzlich begreift Husserl die Lebenswelt als eine verwissenschaftliche Welterfahrung, in der jeder abstrakte oder wissenschaftliche Diskurs mündet. Er ist also die ungefragte Basis(erfahrung) unseres alltäglichen Denkens und Handelns (vgl. Schutz&Luckmann, 1973, s. 40).

Nach Habermas versteht sich das handelnde Subjekt immer im Horizont einer Lebenswelt mit diversen Hintergrundüberzeugungen. Diese dienen als Quelle der Situationsdefinition. Das bedeutet also, dass während einer Kommunikation, hier, der kontextbildende Horizont gefunden wird. Lebenswelt fungiert in seiner Theorie also als gemeinsame Platform für den lebensweltlichen Kontext, in welchem es gleiche Deutungsmuster gibt, die kulturell überliefert und sprachlich organisiert entwickelt sind. Die Lebenswelt konzipiert einen gemeinsamen Leitfaden, der nicht in Frage gestellt oder ausdiskutiert wird, weil beide Teilnehmer davon ausgehen, dass man die gleiche Lebenswelt teilt (vgl. Masschelein, 1991, S.168f.).

Eine Sprache, die man gemeinsam nutzt, um sich zu verständigen, kann auf Grund von Erzählungen und Lebensgeschichten hergestellt werden, um einen gemeinsamen Konsens herzustellen. Hierbei spielen die teilhabenden Personen, Gruppen, Lebensgeschichte, aber auch die Ereignisse im Leben eines Individuums eine Rolle - diese führen zur persönlichen und sozialen Identität des Einzelnen. Gibt es hier anschließend Überschneidungen der verschiedenen Lebenswelten führt dies zu einer gemeinsamen Identität, die Kommunikation ohne erschwerte Hintergrundüberzeugungen möglich macht (vgl. Dietz, 1993, s,95ff)

In seiner Theorie des kommunikativen Handelns verbindet Habermas die Begriffe Alltag und Lebenswelt (vgl. Habermas, 1995, s. 440). Durch analytische Betrachtung von Erzählungen lassen sich hierbei Rückschlüsse ziehen, wie die Zustände und Ereignisse in der jeweiligen Lebenswelt auftreten. Das heißt, dass es durch differente Lebenswelt und unterschiedlichen Alltag des handelnden Akteurs unterschiedliche Erzählungen gibt, welche mit Orientierung an der Lebenswelt erzählt und verstanden wird. Dadurch entstehen dann auch gruppenspezifische ״Innerwelten“, die durch Interaktion in der Gruppe und durch räumliche und zeitliche Dimension vernetzt werden. Die Außenwelt kann dadurch Gruppeninterna nicht verstehen, weil sie die Vorgeschichte nicht kennen und nicht erlebt haben (vgl. Restorff, 1997, s. 40).

Habermas unterscheidet in die materielle Grundlage der Lebenswelt, wozu Dinge aus der unbelebten und belebten Natur zählen, aber auch von dem Menschen gestaltete Umwelt. Darüberhinaus gliedert er die Lebenswelt in drei wichtige strukturelle Komponenten - nämlich die symbolischen Komponenten (vgl. Dietz, 1993, s. 101):

Kultur. Durch erzählerische Überlieferungen, kulturellem Wissen und den damit verbundenen Weitertragen von Traditionen und Werten, führt die jeweilige Lebenswelt zu einer kulturellen Reproduktion, wodurch die diversen Lebenswelten aufrecht erhalten werden und diese dadurch weitergeführt werden können. Hier hegt ein gesellschaftlicher Wissensvorrat an Deutungsmustern zu Grunde, bei dem diese symbolische Komponente Grundlage jeder Verständigung ist.

Gesellschaft: Mit Gesellschaft bezeichnet Habermas eine Gruppierung von Menschen, die sich untereinander solidarisch verhalten und dadurch ein Bewusstsein von Einheit schaffen. Gegenseitige Hilfe bzw. Hilfsbereitschaft, aber auch gleiche Interessen sind Resultate einer Gesellschaft, die dann den sozialen Rahmen bilden und einen Sozialraum schaffen.

Person bzw. Persönlichkeit: Hiermit ist die kommunikative Kompetenz des Einzelnen gemeint, die sich durch die Sozialisation des Handelnden entwickelt. Durch Erfahrungen, die in der eigenen Lebenswelt gemacht werden, entsteht also ein Wissensvorrat, der die Persönlichkeit formt. Diese wiederum ist, nach Habermas, also der Sprach- und Handlungsfähigkeit kompetent, was dazu führt, dass Personen am Verständigungsprozess teilnehmen können, um so seine eigene Identität herauszubilden.

Nach Habermas ist also der Ort des sozialen Handelns die alltägliche Lebenswelt, in der Menschen aufeinandertreffen. Hierbei erschließt sich der Mensch die Welt also über die gelebte Teilnahme an der sozialen Interaktion. Er rechnet den Menschen Vernunft in der Sprache zu, wodurch aber eine Teilnahme am Prozess der Verständigung stattfinden muss. Dieser ermöglich das Verstehen symbolischer Äußerungen. Diese Symbole, oder insbesondere die Sprache können nur von innen erschlossen werden. Durch kulturell und gesellschaftliche Aspekte lebt das Subjekt in einer vorstrukturierten Wirklichkeit, welche hermeneutisch verschlossen bleibt, wenn es nicht von seiner Sprach- und Handlungskompetenz Gebraucht macht.

Das heißt also, dass Habermas den Begriff ״Lebensweh“ für eine gemeinsame Welt nutzt, in der gemeinsame Bedeutungen und Werte vorhanden sind, in der sich die Gesprächspartner als zurechnungsfähig anerkennen und dadurch das Gegenüber als gleichwertigen und akzeptierten Gesprächspartner wahrnehmen, den man im besten Falle verstehen kann. Diese Grundlage gibt dementsprechend einen Vertrauensvorschuss, was eine gelungene Kommunikation betrifft (vgl. Masschelein, 1991, s. 209).

Dementsprechend wird also die gemeinsame Lebenswelt einer sozialen Gruppe von externen Außenstehenden nicht korrekt erfasst. Folglich können diese nur eine Vernetzung

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Details

Titel
Handeln als kommunikatives Handeln nach Jürgen Habermas
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V428773
ISBN (eBook)
9783668728066
ISBN (Buch)
9783668728073
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
handeln, jürgen, habermas
Arbeit zitieren
Peter Stepper (Autor), 2018, Handeln als kommunikatives Handeln nach Jürgen Habermas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428773

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